griebe,
f. herkunft und form. 11)
die grundbedeutung ist nicht sicher zu ermitteln. ahd. griupo, griebo, criebo, criube
meist glossiert mit cremium (gremium) Graff 4, 310; Diefenbach 156
b;
nov. gloss. 118
b; Schmeller 1, 983;
noch bei Er. Alberus cremum vel cremium ein grieb
diction. (1540) 8
b;
doch steht der sinn dieses wortes nicht fest; jedenfalls hat gr. ursprünglich den begriff des ausgedörrten in einem weiteren kreise umschlossen als heute; vgl. griupo gremium vel siccamina lignorum Graff
a. a. o.;
vgl. auch cremium greuen vel droghe ding (
lat.-nd. wb. v. 1471) Diefenbach
nov. gloss. 118
b;
doch dürfte auch die bedeutung '
ausgelassener fettwürfel'
bis ins ahd. reichen, vgl. gremium est caro in patella frixa; vulgo dicitur grbe
zs. f. d. w. 5, 7;
in diesem sinne auch glossiert mit frixura Diefenbach 248
b;
vgl. weiter fegedo grieben Hoffm. v. Fallersleben
sumerl. 42
b.
dasselbe wort liegt anscheinend vor in griupo, pfanna, frixorium Graff
a. a. o.; griupo, grieffe frixorium Diefenbach 248
b;
hierher wohl auch strigilis gruib
nov. gloss. 350
b (
andere glossare haben raste, rostpfanne).
demnach scheint der begriff des dörrens, röstens ursprünglich und das subst. verwandt mit ahd. *grapjan
frigere (gigroubit wirdit
oleo frigatur, kacraupit
frixum Graff 4, 360; cacraupta
frixam Schmeller 1, 983),
was auf ein stv. *griuban
frigere, coquere wiese, vgl. Grimm gramm. 2, 987;
doch hat das ahd. daneben und häufiger *raupjan
rösten (Graff 4, 359),
was ein grundverbum *(ga)riuban
erschlieszen liesze. zu erwägen ist verwandtschaft von altengl. gréofa
topf Bosworth-Toller 488
b,
mnd. grôpen
topf Kluge
7 181
a.
sonst fehlen parallelen in andern german. dialecten; engl. greaves,
dän. grever,
schwed. grefvar
sind junge entlehnungen aus dem nd. 22)
dem ahd. griupo
entsprechend treten obd. bis in die heutigen maa. formen mit ü
oder eu
auf: grüben, gräuben Staub-Tobler 2, 686; gröübi Greyerz
berndeutsch 12; gröube, groibe Schmidt
straszb. 44;
schwäb. dialectformen bei Fischer s. u. bedeut. 1,
bair. bei Schmeller
ebd.; grüben Avé-Lallemant
gaunertum 3, 203;
ebenso in älterer zeit: mit spek und greuben Wittenweiler
ring 35
c 18;
vgl. 35
d 2;
cremium greuben, kresche Dentzler
nach Staub-Tobler 2, 686; grúbe, greub, grewben Diefenbach 156
b; grüb, gruobe
nov. gloss. 118
b;
weitere belege besonders unter bedeutung 1. 33)
formen mit f (
grammat. wechsel)
herrschen in gewissen md. gebieten, besonders im obersächs., thür., unterfränk.; vgl. die nachweise für die modernen maa. unter bedeutung 1; die griffen Lindener (
s. u. bedeutung 3); griefe Mathesius (
s. u. 1, 2); greifen Coler
nach Frisch 1, 372
a; da gehet er her wie ein schemen, wie eine griefe und todesgerippe Herberger
herzpostilla (1613) 1, 362; die griefen fressen Pape
bettel- u. garteteufel G 2
a (
s. u. 1); grife, griffe, griefen
cremium Diefenbach 156
b; griffen
gremium 269
c; grieffe
frixorium 248
b; griffe
cremium nov. gloss. 118
b;
dann auch im nd., belege s. u. 1; greue van smulteme vleche
cremium Diefenbach
nov. gloss. 118
b;
vgl. altengl. gréofa?
siehe oben 1. 44)
das alte mascul. hat sich bis heute dialectisch gehalten, namentlich in westdeutschen maa.: gre
if,
m., lux. ma. (1906) 152
b; Gangler 189; der griewen Schmitz
Eifel 1, 225; der griebe Follmann 217
a;
auch schweiz. noch gelegentlich als mascul. Staub-Tobler 2, 686;
ebenso im bair., s. u. 1.
bedeutung. 11)
in den heutigen maa. allgemein für die festen überbleibsel von ausgelassenen fettstückchen, dann überhaupt für kleine stückchen gekochten oder gebratenen fettes: gräube
n Staub-Tobler 2, 686; kriap, krièp, krîp,
meist plur. krièpə, krièwə, krîwə Martin-Lienhart 1, 267
b;
plur. griəwe
n, gruiwe
n, gruəwe
n grəiwe
n Fischer 3, 828; kriiwə Meisinger
rappenau. 78; der (?) griəbm, groibm, gruibm Schmeller 1, 983; der greben, die griebe Unger-Khull 305
b, 306
b; grief'n,
plur. griewen
oder grieben Ruckert
unterfränk. 64; griefa
die geschnittenen speckwürfel in den würsten Sartorius
Würzburg 49;
plur. grieben
gewürfelter speck in würsten Autenrieth 57; grëiwe Crecelius 436; griebe Vilmar 137; der griebe Follmann 217
a; griefe Reinwald
henneberg. 1, 54; griefe Müller-Fraureuth 1, 441; griefe, grēfe Hertel
salz. 17; gréfe, grífe, gréwen, jréwe
thür. 110; jrêwe Liesenberg
Stieger ma. 147; jrîwe Jecht
mansfeld. 44
b; griewe Weinhold
schles. 30; der gre
if
lux. ma. (1906) 152
b;
plur. grīewən Leihener
cronenberg. 47
b; grev, griev,
plur. grewe, grieve Hönig
köln. 68
b; gr
eīw
e Bauer-Collitz 41
a; graiwe Woeste 84
a;
plur. greven, grieven Strodtmann 76; grêbe, grêwe Schambach 68
a;
plur. grewen Dähnert 160
b; grêb'n Danneil 69
b; griebe,
nd. grêwe Frischbier 1, 252; jröw Fischer
samländ. 53;
plur. greven
brem. wb. 2, 541; grêfe Doornkaat-Koolman 1, 671;
plur. greven, grevels Stürenburg
ostfries. 75
b;
auch im ungar. colonisationsgebiet grîf,
plur. grîven Schröer 385;
plur. grAewen Haltrich 43
b; grâ
ib'n Kramer
bistritz. 36.
so seit alters: sein bückler waren heisz fladen, mit grieben wol bestecket Keller
erzähl. 591, 8; all den, die faisten kuchen lieben, die rosel-würst mit faisten grieben H. Sachs 3, 25
Keller; erbesz mit greben Grimm
weisth. 2, 480; als unslit, daz von den rindern gesamet ward, daz musten die flaischhacker auslosen, und ir lon darumb warn die griben
städtechron. 2, 314 (
Nürnberg)
; auch für das noch nicht zerlassene fett, aus dem die grieben
kommen: ein rint, das so guot ist, das es ... by 60 oder 70 pfund unslitz oder grieben hat Schmidt
elsäss. 154
b (
quelle des 15.
jh.); die geiss häd 50 pfd grüben g'ha
n Staub-Tobler 2, 686;
vielgebraucht in bildlichen wendungen: der bapst habe aus Engelland jerlich neun tonne goldes gehabt, ... warlich die griebe mocht Constantinus erben zu Rom den kot (
l. kol) fett machen Luther 50, 78
Weim.; das auch die fursten und hern, die auf yhrer seiten sündt, nichts von yhn (
den geistlichen) hilten, wo sie nicht eine gute griben auf yhren kol dovon hetten 19, 274;
figürlich für geld: der sich vor nit wol mocht erneren, also wol tuot (
erg. man?) im in die hand schüben, daz im in die taschen vallent die grüben
teufels netz 8980, (
die verschwender) schmeltzent die güter, äcker und matten ... und alles das si habent, dasselb verkoufent sie und legent die grieben in den seckel Keisersberg
postilla 2, 49
b; de
r ma
nn hät grübe
n ist reich; doch auch: hat schulden Staub-Tobler 2, 686; darum gehets im entlich nach unserm deutschen sprichwort, das er den hunger schmelzen und die griefen fressen musz Pape
bettel- und garteteufel G 2
a; ên zu gre
iwe schlôen
verhauen lux. ma. (1906) 153
a; sech d gre
iwe vun der zopp hu
ele lôssen
borniert sein ib.; da
s sind alti grüben
alte geschichten, auch: alte schulden Staub-Tobler 2, 686; he het dem dîwel de grêwe ûtfrête
hat einen schmierigen fetten mund Frischbier 1, 252;
im älteren hess. für: eine kleinigkeit, etwas wertloses: einen baum für eine speckgriebe
verkaufen Vilmar 137;
im vergleich: meyne tage seynd vorgangen wie ein rauch und mein gebeyn seynd dorregebraten wie ein gribe Luther 1, 195, 8
Weim. (
ps. 102, 4); meine bein dorrten als die grieb
nürnberg. bibel (1483) 285
b; vordorden als gryven
halberst. bibel (1522);
unter einwirkung dieser bibelstelle: sie sehen aus wie dürre todesgerippe und auszgebratene griefen Herberger
herzpostilla (1613) 1, 18; flüsz und die schwindsucht wirt dich plagn, das du ausz dorrest wie ein grieb H. Sachs 3, 519
Keller; ich dorre vor diesen tiefen gedanken aus wie ein griefe oder scherbe Mathesius 133.
psalm B 4
b;
noch heute im schweiz. dürr wie-n-es greubi Staub-Tobler 2, 686;
auch mhd. schon, wohl ebenfalls im zusammenhang mit der bibelstelle: zuo eren dime zarten erdorreten libe, der an dem crútze dorrete alsam ein griebe Seuse
dtsch. schr. 491, 20
Bihlmeyer; wenn er gezürnet mit dir, ... er machet dich türr alz ein gruib v.
d. Hagen
gesamtab. 1, 489, 3; ich wil in so fein ausz beraiten ... und machen also dürr als ist ain grbe in ainer pfannen Albr. v. Eyb 2, 40, 6
Herrmann; auch anders gerichtete vergleiche sind geläufig: er smalz alsam ein griebe obe der minne vuwer hie
pass. K. 517, 82,
ähnlich 498, 72;
von dem manne, der ein unflætic wîp
hat: er smilzit als ein griebe, leides wirt im niemer buoz
Martina 133, 70; es wär kein wunder, einer verschmelz wie ein grüb in einer pfannen Frisch 1, 372
a; die würtz sind steinhart wie die griben H. Sachs 21, 43
Keller-Götze; so lang künig David ... von Saul ... umbgetrieben ward wie ein grieb in einer pfannen Fischer
schwäb. 3, 829 (
quelle des 16.
jh.)
; in heutiger ma.: der ist unruhig wie die griebe in der pfanne; dem steigt die hitze wie die
gr. in der pfanne
er wird schnell zornig ib.; vergôe we
i e gre
if an der pân
lux. ma. 153
a. 22)
in naheliegender übertragung von allerlei gerichten und genuszmitteln, die wie grieben aussehen oder ähnlich hergestellt werden: in butter oder schmalz geröstete brot- oder weckwürfelchen Vilmar 137;
ebenso bei Staub-Tobler 2, 686; we de heten gicht heft, de schal stoten ruden unde salvien, unde seden dat in botteren, wente dat yt greven werden Schiller-Lübben 2, 145
b; 'grieben
auch von einer art mit zucker zugerichteten arzeney und herzstärkung: herzgrieben
oder kraftgrieben' Frisch 1, 372
a;
zuckerplätzchen, bonbon schlechthin: zeltlein, marsellen und grieben zu machen
capitelüberschrift bei Hohberg
georg. cur. (1715) 3, 193; der zuckerbacher ... bacht ... kraft- und andere grieben Abr. a St. Clara
etw. für alle 2, 786; zu Nürnberg in der apotecken macht man ein confect, das heiszt confect für die pestilentz, seind rote lange griben J. Thucher
bericht d. meerfart 29;
vgl. auch kriebe
th. 5, 2205. 33)
der rückstand, die schlacke, die beim ausschmelzen, reinigen, sieben eines stoffes zurückbleibt: grüben, was sich unten im gefäsz von einer geschmolznen materie setzet Frisch 1, 372
a; das oberste vom waldpech ist schaum, das mittlere das beste, das unterste die griefen
ib. aus Mathesius
Sarepta; dazu pechgriefen Müller-Fraureuth 1, 441; die greven der lichtzieher ... geben ebenfalls eine sehr schätzbare düngung Thaer
grundzüge d. rat. landwirthsch. 2, 224; welche (
zinnteile) aber im geschütt, schlacken, grieben korns oder stuffweis ... in der tamerdt oder gebirg gefunden werden Thurneysser
magna alchymia (1583) 140; darzu keine grieben ... neben dem kalch für guten kalch einmässen, sondern alle grieben vom kalch auswerfen Reyscher
samml. d. würtemberg. gesetze 13, 203 (
a. 1665);
vgl.kalkgräuben
unbenutzbare reste des kalks Staub-Tobler 2, 686;
schlacken beim ausschmelzen von harz (harzgräuben),
eisen- und bleischlacke; schlackenartige steine, welche beim sieben von straszenkies oder sand zurückbleiben ib.; harte überbleibsel von kohlen Martin- Lienhart 1, 267
b;
bauschutt: 10 ß umb griuben, daz sint zerbrochen ziegel Fischer
schwäb. 3, 829
aus Augsburger baumeisterrechn. von 1369; lebersteine, gallensteine, grieben sind alle thonigen und kieseligen concretionen oder drusen, die einen baustein unbrauchbar machen Fraas
nutzbare minerale 128; griebe: die dolomitischen steinmergel auf der grenze zwischen den bunten mergeln und dem stubensandstein Fischer
schwäb. 3, 829;
hierher auch greupi,
n., eine ader ganz unfruchtbaren erdreichs in einem sonst guten boden Stalder 478 ?
gelegentlich mehr oder minder scherzhaft für '
excremente': die erwuschet ein grossen scheyszhafen ... und schlegt den guoten kürschner für sin schnautzen, das im die griffen an der goschen kleben Lindener
katzipori 160
Lichtenstein; man geb in acht tagen weder trank noch speis, darnach sie über ein seutreck weis, ... und sie davon nit lasse frei, die weil ein griblein dinnen sei
fastnachtsp. 184, 4
Keller. 44)
von 1
übertragen auf einen gesichtsausschlag, der namentlich bei kindern an mund und kinn auftritt, herpes labialis; besonders in gewissen, vielfach scherzhaft gemeinten wendungen: der hat grieben geleckt, hat die grieben beim schlächter geholt Höfler
krankheitsnamenb. 201; grieben ums maul haben Weinhold
schles. 30; er hat griefen genascht Müller-Fraureuth 1, 441; Hertel
thür. 110;
salz. 17; er hat (seiner mutter) griewen gestohlen Martin-Lienhart 1, 267
b;
lux. ma. 153
a; Müller-Fraureuth
a. a. o.; er hat em här (
pfarrer) de grieben us der pann geholt Follmann 217
a; ĕ hott mëad dĕm paff grëìwe geasse Crecelius 436;
vgl. Pfister nachtr. 84; d
ou hi
est
em pastōr
en d
e gri
ew
en läk
et Bauer-Collitz 41
a; der hat beim schinder grieben gefressen
u. ä. Fischer
schwäb. 3, 829; e drît grAewen fîl Haltrich 43
b; häst du grübe
n verschütt? Staub-Tobler 2, 686; hest grêben freten?
mecklenburg.; hierher wohl auch: er merket den possen als der bader die böse grüwen Theobaldus Schlackowaldensis
hussitenkrieg (1623) 2, 122.
in ähnlicher übertragung auch vom augenschmalz: gramia groipen Diefenbach 268
b; mein augen sint gespückt mit grüeben
fastnachtsp. 74, 1; ir augen stacken grieben vol H. Sachs 22, 337
Keller-Götze; vgl. Fischer
schwäb. 3, 829;
scherzhaft auch für trockenen nasenschleim Staub-Tobler 2, 686. 55)
figürlich: im wachsthum zurückgebliebener mensch Weinhold
schles. 30;
ebenso, auch: maliciöse person Albrecht
leipz. 125;
kleine person, besonders von kindern: enne putzige, giftge, wutge griefe;
auch: schwächling Müller-Fraureuth 1, 441;
scheltwort für kleine kinder: du kleine griebe;
kränkliches, empfindliches weibsbild Martin-Lienhart 1, 267
b;
magerer, schmächtiger mensch, besonders kind: ūsg'sēh wie ne grüb
bleich, mager aussehn Staub-Tobler 2, 687; a groipn
unansehnlicher mensch Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 345, 9
Rosegger. 66)
anderes vereinzelt: im alem. gräubi,
n., auch für kernhaus des obstes Staub-Tobler 2, 686 (
vermengung mit gräubschi,
s. griebs);
elsäss. schöne, zum werfen geeignete steine, auch: ohrfeigen Martin-Lienhart 1, 267
b;
preusz. der runde muskel über dem after des pferdes, aus dem der schweif tritt Frischbier 1, 252.