ungleich,
adj. adv. ,
i. a. gth. von gleich.
g. wohl missa-, alja-, anþar-, sildaleiks,
auch sama-, ibnaleiks,
aber nicht ungaleiks.
an. ú(g)líkr;
aschwed. oliker;
schwed. olik;
dän. ulige, uliig.
ags. ungelîc, ungelîce;
engl. unlike.
as. ungelîko;
mnd. un(ge)lîk.
afries. unlik.
mnl. ongelijc, -like;
nl. on(ge)lijk.
ahd. ungalîh, ungalîhho;
mhd. ung(e)lîch, -lîche.
zur ableitung und den nhd. formen s. zunächst gleich;
vereinzelt erscheint ungeleich
noch im 17.
jh., z. b. bei Schottel
friedenssieg 33
neudr.; ung(e)leiche,
adv. Arigo 303, 33,
adj. 66, 24, A. v. Eyb
sp. d. sitten (1511) Q 5
b, Lohenstein
Arm. 2, 1137
b,
veraltet. vgl. unähnlich, miszgleich (Adelung 4, 868), miszlich, ungegleicht Logau 463, 50, gleichlos (Weckherlin) Fischer
schwäb. wb. 3, 688, unausgleichbar, -lich, unvergleichbar, -lich, ungleichlich (
els. 1, 255
wohl unglichlig, -lingen,
aber nicht ungleich,
das sonst mundartlich weit verbreitet ist, z. b. Staub-Tobler 2, 598
mit lehrreichen mundartlichen änderungen im wortkörper, Schmeller 1, 1422, Schöpf 383, Unger-Khull 610
b,
obers. 2, 589
a, Frommann
mundarten 5, 506
Koburg, Schmidt
westerw. 283,
lux. 316
a,
Eupen 10
b, Doornkaat 3, 471
b, Bauer-Collitz 108
a, Danneil 231
b, Mi 96
b).
was die innere geschichte des wortes betrifft, ist es für dauer und dichtigkeit des begriffs bezeichnend, dasz schon im altgerm. die von sinnlicher anschauung am weitesten entfernte übertragung aufs geistig-sittliche (A III)
stattgefunden hat; im übrigen läuft die entwicklung vielfach der von uneben, ungerade, ungerecht
parallel. in der äuszeren geschichte des wortes ist das mit der entwicklung des denkens und der cultur schritthaltende bestreben deutlich, aus dem umfassenderen alten, recht allgemeinen begriffe (
dazu *leiks '
bild, merkmal, körper, gestalt' Schmid
zs. f. d. altert. 49, 525; Feist 100
b, 178
a;
inconformis, inconformatus; vgl. unförmlich)
theilbegriffe abzuspalten und zu verselbständigen wie unähnlich (16.
jahrh.), verschieden (17.
jahrh.), unegal, incongruent, heterogen, nichthomolog, nichtidentisch
oder die näher erläuternden zusammensetzungen ungleichartig, -förmig, -mäszig
u. s. f., ohne dasz der alte einheitliche begriff aufhört, daneben fortzubestehen; für inegal
setzen es Spanutius 286
und Campe
verd. wb. (1813) 373
b.
das vordringen fremdsprachlicher ersatzwörter hat i. a. in der richtung immer stärkerer entsinnlichung und abstractheit gewirkt. wortspielender gegensatz von ungleich
zu gleich
schiebt oft die bedeutungen durcheinander, z. b. Luther 7, 382
W.; Lehman
floril. 1, 351 (ungleiche bürden).
mit übergreifen einer bed. in die andre ist auch sonst nicht selten zu rechnen. AA.
das adjectiv. A@II.
äuszerlich, sinnlich (
zur unterscheidung Windelband
über gleichheit und identität 5 ff.
ἕτερον,
ἀνόμοιον,
ἄνισον). A@I@11)
wie im primitiven denken (Mauthner
wb. d. phil. 1, 365
a),
in der ä. spr. und in mundarten, im weiteren sinne, der die begriffe unvergleichbar, unähnlich, verschieden mit einschlieszt: Otfrid 5, 20, 15; denen seind auch nit ungleich die leüt in Ethiopia Eppendorff
Plin. 7; wir sehen, das sich ein geschlecht der thyer wider ein anders, allein das ym ungleich, versammlet
vorr. § 5; Schottel
friedenssieg 33
ndr.; Stranitzky
ollap. 90, 28
ndr.; es ist einander so u. als himmel und erde Spanutius 629.
die n. schriftspr. kehrt die synonymen unterschiede gern hervor: so saszen jetzt vater und sohn, einander ganz ähnlich und doch einander ungleich maler Müller 1, 76;
vgl. unähnlich I A 3
und sp. 114. A@I@22)
von äuszerer ungleichheit (
dem fehlen äuszerlich homologer merkmale oder solcher beschaffenheit)
im engeren sinne; bisweilen auf 1
zurückgreifend; die ungleichheit findet sowohl zwischen mehreren begriffen als auch zwischen den einzelnen theilen eines ganzen statt, oder es kann vom vergleich ganz abgesehen werden. A@I@2@aa)
von äuszerer gestalt, form, bildung, körperlichkeit, beschaffenheit: phagedena ... ist ein ungleich wund Alberus ccii
a (
dazu ongelijc, ongelike '
beule'
mnl. wb. 5, 593); unlik
rugosus Diefenbach
n. gl. 321
b;
syn. hofferig Herr
feldbau 185
b; du solt auch haben ain segen ..., die ungleiche ... teil ... damit zuo gleichen und zuo ebnen Braunschweig
chir. (1539) 11
a; eine wunderbar fein-ungleiche oberfläche Göthe IV 12, 154, 22
W.; haar Wickram 8, 186, 985; A. W. Schlegel 9, 80;
vgl. heterotrichisch; daneben stund ein kleiner baum, ungleich, knorrecht, an ästen rauch Waldis
Esopus 1, 327
Kurz; syn. pravus krum Faber (1587) 644
a; die frucht ist u., eine ist viel grösser dann die ander Frisius 235
a;
füsze Sachs 5, 156, 9
K.; ungleiche kappenqualle
eudoxia bojani Oken
natg. 5, 195;
dach Dannhawer
cat. 2, 259; soll man ein haus niederreiszen, um einen ungleichen ziegel herauszunehmen? Kretschmann 1, 4; Eschenburg
beisp. 1, 68; die buchstaben blieben u. Göthe 21, 215, 10
W.; fenster III 1, 215, 12
W.; A. G. Meiszner
Alcib. 1, 67;
ursprünglich sinnlich, an 2 b
rührend: ungleiche schüssel macht schele augen Wander 4, 395;
mnl. wb. 5, 587; Staub-Tobler 2, 598;
amfractus ein unglycher umgangk
gemma gemm. a 8
a; der ungleichen und unebnen gelegenheit halben Boterus
weltbeschr. 1, 15;
montosus Corvini
fons 555;
tumulosus Reyher
Ova;
Es. 40, 4;
die stadt ist ein ungleiches, rustiges ... nest Laukhard
leben 1, 135;
comparativ Chr. A. Fischer
reise (1799) 146; den weg ungleich machen Steffens
was ich erlebte 5, 148; würfel Lexer 2, 1841. winkel K. v. Megenberg
sphära 7, 13; 22, 22; Schirmer
w. d. mathem. 27; seyten, dinge
ebda; stücke K. v. Megenberg 30, 25; triangel Holtzmann
Euclid 3; ungleiche vierung
trapezio Kramer (1702) 2, 1196
a; kanten Oken
natg. 1, 35,
radzähne der uhren u. s. w.; dann allgemeiner unregelmäszig, unsymmetrisch mit ungleichen und geschweiften zierraten Nicolai
litbr. 3, 36;
terminologisch noch z. b.: binde Zedler 49, 1531; verband Blancard (1788) 1, 705
b; basis Bischoff
bot. (1839) 100; Röhling-Martens-Koch 1, 191; Karmarsch-Heeren 2, 775 (
daher übertragen brüchig, u. Zelter
bei O. Jahn
Moz. 4, 738); schichtenbildung, kerze, seide, wolle, garn, laken, farbe (
mnl. wb. 5, 588, 3), waare Staub-Tobler 2, 598
u. s. f. A@I@2@bb)
sinnlicher anschauung noch recht nahe steht u.
bei zahl- und maszbegriffen, bei theilen, vertheiltem, zugetheiltem, vertheilung, meszbaren zeit- und bewegungsvorstellungen: impar ungerade od. unglich Niger Abbas 2509; eine ungleiche zahl,
welche mehr oder weniger einheiten hat als eine andere ( Adelung),
oder welche sich durch 2
nicht theilen läszt (
heute durch ungerade
verdrängt); ungleich -ungleiche zahl
numerus inaequaliter inaequalis, ungleich -ungleich -ungleiche zahl
numerus inaequaliter inaequalis inaequaliter Zedler 49, 1524; hat der abt ... die gkraden oder gleichen monat und die gemaind die ungleychen zu leichen Knebel
chr. v. Kaisheim 373; so sind auch die reimen gantz u. an der zall Montanus 470
ndr.; (eyer) müssen ... in
ungleicher zal unterlegt werden Sebiz
feldb. 110; nummer (11) Chr. Reuter
Schelmuffsky 103
ndr.; donnerschläge Lohenstein
Arm. 2, 377
a; tage Blancard 2, 184;
wie ungerade
sp. 797,
engl. odd '
überschieszend'
nl. wb. 10, 1612, 4,
mnl. wb. 5, 585, 2,
nombre hétérogène; mensur Agricola
mus. choralis (1533) A 4
a; spatium Ryff
anatomi A 2
b; breite Münster
cosm. 20; zeychen Stifel
coss 73
a; nenner Riese
rechenb. (1581) 22
a; hauffen Fronsperger
kriegsb. 1, J 1
a; maasz und gewicht J. Böhme 2, 110; abmeszung Ramler
einl. 1, 159; gröszen Nicolai
litbr. 17, 84; schwebung Schubart
ästhet. 279; gleichungen (
des jahres) Rückert 2, 572; ungleiche (
u. lange) jar Luther 15, 322, 3
W.; versz (
elegiaci) Frisius 885
a; noten Orsaeus (1623) 206; contrapuncte Mattheson
capellm. 247; zwei ungleiche (
verschieden hohe) berggruppen Chamisso 2, 294. die theil des jahres sind u. Luther-Aurifaber
tischr. 500; ungleich theil macht scheele augen Binder 194; unlike delinge
mnd. wb. 5, 46
b;
immer abstracter werdend: vertheilung
disc. der mahlern 2, 31; recht
Thom. v. Absberg 8; gewalt Mommsen
staatsr. 1, 56;
lohn Lexer 2, 1841; werth
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 48 (von dem ungleichsten werthe Gervinus
g. d. d. dicht. 1, 453); besitz Riehl
d. d. arbeit 33; wechssel
Fortunatus (1509) 109
ndr.; tausch Schiller 2, 201; genusz Stolberg 6, 274 (
vgl. ungetheilt sp. 894); loos Brentano 1, 156. ungleiche zeit macht ungleiche leut Graf-Dietherr 13, 171; Sachs 6, 9, 11
K.; perioden Möser 1, 147; weil ir lauff mehr scheinet ungleicher zu sein dann der planeten H. Röslein
hist. discours (1609)
F 4
a; pulsz
th. 7, 2212;
heterorhythmisch; triller; tritte Spreng
Äneis 39
b; (
vergeistigt von erfolg, wirkung, folgerichtigkeit Herder 16, 231; Göthe 16, 273, 372
W.; von innerer bewegung Chamisso 4, 278); unter ihren ungleichen, bald kurzen, bald langen küssen G. Keller 6, 113. A@I@2@cc)
von paarbegriffen: zwen ungleiche todtensarckträger
Garg. 101
ndr.; ein ungleich
paar ochsen
s.paar th. 7, 1389;
mnd. wb. 5, 46; Heyden
Plin. 236; der wagen wird nicht wol geführt, dem ungleich ochsen angeschirrt Lehman 1, 125; Wander 4, 1437; Aurbacher 200; dasz neue species aus den blendlingen ungleicher vertreter der gattungen hervorgehen könnten Peschel
völkerk. 7;
vgl. heterotypisch; augen Duez (1652) 175, hände, ohren, handschuh
u. s. w.; reimzeilen J. Grimm
kl. schr. 3, 32; das ungleiche paar der Brandjochspitzen H. v. Barth
kalkalpen 286;
pulmonaria officinalis die ungleichen schwestern Pritzel - Jessen 319. (
ins geistige gewendet ein ungleiches paar J. G. Neukirch
anfangsgr. 753; Göthe 2, 130
W.; 51, 155, 24
W. mehrdeutig.) A@IIII.
die übertragung (Götze
zs. f. d. wortf. 3, 142)
folgt auf weiten strecken der analogie von uneben, ungerade, ungerecht, krumm, schief,
iniquus, inaequalis; der schlusz vom äuszern aufs innere und bildlicher gebrauch sind am wichtigsten geworden; z. b. das glück ist simpel und u. Fr. Wilhelm
reg. A II
β; th. 10, 1, 1220; ungleich weg suechen Lori
bergr. 26 (1423);
pol. maulaffe 13; probierer hende sind u. Petri
R r 1
a; Parac. 1, 709
C: jesuiter rahtsstube 89; R. gegenüber in eine ungleiche stellung gerathen Bismarck
gedanken 2, 253; Gesner-Herold-Forer 1; ein guter baum bringt ungleiche ... äpffel Lehman 1, 69; new müntz ist der alten gar u. 1, 192 (ungleichheit
städtechr. 32, 495, 20); dasz ich ihm mit so ungleicher müntze diene Lichtenberg
br. 1, 28;
ahd. ungilîh
für decolor '
entartet' Graff 2, 113. A@IIIIII.
unsinnlich, bes. aufs geistig-sittliche übertragen. A@III@11)
wie bei I 1
im weiteren sinne, auch '
unvergleichbar (
beispiellos mnl. wb. 5, 590, 8; dēs is ta' wöld úglaich!
unerhört Frommann
mundarten 5, 504, 506; aber das ist doch auf der welt u., was heutzutage alles zusammengelogen wird! Rosegger 14, 207;
altengl. ungelîc
incredible),
unähnlich, verschieden, anders'
einschlieszend: disz ist gar ain ungleiche straff gegen der ersten Keisersberg
predigen 20
b;
mit syntaktischer verschiebung, wie sie auch bei gleich
häufig ist, betb. (1518) 2
b;
nach 3 b
weisend, ich will die ganss ytzund vergleichen: der paradyssvogel muss weichen und ihr lassen das königreich. er ist ihr nicht allein ungleich, sondern auch vorzusetzen nicht Spangenberg
gansskönig 23, 464; wie u. war sein gegenwärtiger zustand mit jenen augenblicken, als er ... Göthe 23, 161, 21
W.; Windelband
gleichheit u. identität 10;
so gegenüber, angesichts
u. dgl.; das ungleiche verhältnisz Schiller 11, 138;
wie unähnlich (
vgl. verisimilis; mhd. wb. 1, 972
a): die historien ... weliche ... scheint einer lügen nit fast ungleych Luther 10, 3, 352, 24
W.; der anfang meiner rede war einer schmeichelei nicht ganz u. A. G. Meiszner
Alcib. 1, 174; schwenck ... so der warheit u. Frey
gartenges. 6, 16
B.; Amadis 1, 280
K.; welch eine tochter, weib, gebarest du? ungleicher dir, als ros'ger maienmorgen der stürm'gen winternacht! Fouqué
held des nordens 3, 52.
der vergleichspunkt wird durch präpos. bestimmung oder adv. hinzugefügt: alle instrument der gantzen musica die synd in dem nit fast onglych (
machen darin so gut wie keinen unterschied), was melodey durch die noten beschriben wirt Virdung
mus. 31; Prätorius
anthrop. plut. 2, 7; u. an (
wie mhd.) Mangold
marckschiff D; von Göthe 25, 163, 21
W.; dem charakter nach Ritter
erdk. 1, 288; aussen sind officia u. Luther 34, 2, 104, 16
W. u. dgl.; mit und
verbundene begriffe: owe liden und liden, wie bist du so gar unglich Suso
d. schr. 92, 9
B.; Luther 7, 10
W.; ungleicher noch ist der diesseitige und jenseitige artenreichtum bei den thieren Peschel
völkerk. 441;
plurale ohne und: unsere beiden nachbarburgen sind baulich wenig ungleichen charakters Scheffel 3, 235;
am häufigsten mit dativ der person oder sache (
in ä. spr. oft mit starker verkürzung): was ist das gesagt, der du bist ym hymel? das ist eym yrdischen vater ungleich, sondern er ist eyn hymelischer vater 2
ält. katechism. 38
ndr.; der böse geist ist so vil got ungleicher, so vil er got
gleicher sein wil Franck
sprüchw. (1541) 1, 123
b; u. dem barmherzigen Samariter ging er ... Campe;
ohne nähere bestimmungen: Christus u. die minnende seele 303;
Martina 328, 130
a, 3; wie ungleich sein der menschen sinn, einer denkt her, der ander hin A. Lobwasser
calumnia F 8; Lehman 1, 187; 1, 890; es sind aber mancherley und ungleiche (
varii) weise der beschwerung Nigrinus
v. zäub. 57; ungleicher kopf, ungleicher sinn Stieler; zwey ungleiche ding kan keiner zugleich thun Kern
sprichw. 68; diese nachricht that eine ungleiche wirkung. C. war darüber erfreut und
M. ward von neuem niedergeschlagen Gellert 4, 235. im ungleichsten, fast nie getroffenen ton Herder 1, 217;
mit versetzung der bestimmungen ackermann a. B. 34, 22
B.; die ehe zugelassen ist mit ungleichen glaubenspersonen Schupp
schr. (1663) 23;
vgl. 2.
neuere wissenschaftliche auffassung lehnt bei ungleichartig
den vergleich ab: die bestandtheile des gegebenen sind vermöge ihrer verschiedenen herkunft ungleichartig
d. h. unvergleichbar Dilthey
einleitung 1, 501;
ebenso bei ungleichheit Mommsen
reden 187. A@III@22) I 2
entsprechend im engeren sinne; nicht homolog, nicht identisch, heterogen, ungleichartig, -geartet, ungleichwirksam, - bedeutend u. s. w.: Notker 1, 367, 25
P.; ungleiche natura etherogena K. v. Heinrichau 397
a G.; die ungleichen kinder Eve Sachs 1, 53, 1; 9, 354, 1
K.; im krieg werden viel gleiches todts umbkommen, die doch ungleich nativiteten hatten Fischart
pract. 11
ndr. (1876); ihre (
der zeichen der malerei und der poesie) natur ist also sich völlig u., und das tertium comparationis schwindet Herder 3, 135; hieraus ergeben sich ... verschiedene grade der verwandtschaft, womit man immer die ungleiche fähigkeit oder das ungleiche streben ihrer theile bezeichnet, sich mit einander zu verbinden J. Liebig
chem. br. 36 (
vgl. I 2 b). A@III@33)
insbesondere A@III@3@aa)
ungleichmäszig, wechselnd, wechselvoll; unausgeglichen; ohne folgerichtigkeit im handeln, betragen (
franz. inégal; vgl. mittelengl. unliklinesse),
launisch, wankelmütig u. dgl.; in der n. spr. oft eulogisch: nun ist das iar lang und der tag vil und die stunden ungleich
Fortunatus (1508) 134
ndr.; mit ungleychem gelück Maaler 464
a;
wortspielend Prätorius
glückstopf 42; fortgang der menschen Bodmer
wunderb. 7 (
vgl. I 2 b); rede
horrida, hiulca, orationis asperitas Stieler (
also auch übertragung von A I 2 a); redart Kramer (1702) 2, 289
c; schreibart Zimmermann
nationalstolz 163; ein ... so unvollkommenes, ungleiches ... jedermannswerck Schwabe
bel. 1, 72; Nicolai
litbr. 4, 219; u. werden (
von der fabel) J. Grimm
Reinh. Fuchs xv; gebrauch Heräus 22; die stimme ist sich u. Campe; ist ungleich Mozart
bei O. Jahn 1, 625; die justiz ist langsam, zuweilen u., willkürlich Ranke 40/41, 137; im selbs ungleich seyn
a se ipso deficere Frisius 376
a;
nl. wb. 10, 1611, 1615; so kann ein miszlauniger augenblick den menschen manchmal sich selbst u. machen G. Hiller
ged. u. selbstbiogr. 36 (
vgl. Schubart
ästhet. 107
und unten d);
von gemüthszuständen und - eigenschaften schon in der a. spr. Lexer 2, 1841;
mnl. wb. 5, 592, 594; von unstäten ungleichen sinnen werden land und leüt unruowig Eberlin v. Günzburg 1, 47
ndr.; denn so u., so unstät hast du nichts gesehen als dieses herz Göthe 10, 10, 9
W.; der mensch ist ungleich, ungleich sind die stunden
Faust 5372; bei ihren ungleichen leidenschaftlichen launen 22, 249, 8
W.; Nicolai
S. Nothanker 1, 173; erziehung Bräker 1, 271; das aufgeregte, lärmende, ungleiche, nervöse wesen macht den gegensatz zur groszen leidenschaft Nietzsche 4, 316; ganz anders freilich war sie gegen O. — mit allen menschen immer dieselbe, gegen ihn u., sehr u. Ebner-Eschenbach 4, 188; '
unebenmäszig' Unger-Khull 610
b. der knecht wurde jetzt u. (
unruhig, betreten) Rosegger
sonnenschein (1902) 154;
Alpen 24;
vgl. unglichlig
zornig Staub-Tobler 2, 603;
i. a. nicht schriftsprachlich. A@III@3@bb)
nicht gleichstehend, -kommend an rang, gewicht, kraft, wirkung, güte, verdienst u. s. f., wobei ein theil über- oder unterlegen ist. vgl. I 2 c.
s. auch übergleich.
mnl. wb. 5, 589, 4.
mnd. wb. 5, 46
b.
inferior ungleicher Alberus o ii
a: myr als sant Peters nachkommen, wie wol seynen verdiensten ungleych Luther 18, 259, 6
W.; Christus ist hie schwach und ein ungleicher Chr. gegen dem Christo, der kurtz zuvor todten auffweckte 28, 290, 13
W.; die ungleichen stende und empter 34, 1, 578, 1
W.; zeug 34, 2, 388, 29
W.; Ayrer
proc. 340;
mit verkürzung Weckherlin 1, 436, 10; sonst sey er seiner aufferstehung und geburt halben gott nicht weit ungleich Ayrer
proc. 210; heer Stumpf
chr. 185
a; ungleiche geselschaften (
die nicht seinesgleichen, oder böse; s. e) und faule misziggänger meiden Butschky
kanzelley 238;
wie vom stand (
s. Luther
oben; Arigo 613, 15; Hertzog
chron. Alsatiae 2, 150; G. Braun
beschr. u. contrafactur 5,
vorr. A 3
a; Opitz
poem. 142
ndr. u. allgemein),
so von der verbindung: das ist eyn ungleych ehe Luther 10, 3, 417, 23
W.; Mommsen
r. gesch. 1, 78; mischung Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 51;
vgl.c;
wie in ä. spr. von kämpfern, kampf und streit: zween ungleiche federfechter C. Weise
erznarren 13
ndr.; rivalen Mommsen
r. gesch. 2, 161; ein ungleichen kampff besteen Eppendorff
Plin. 48; der kampf ist u. Heine 2, 323 (Campe
versteht auch '
wo die kämpfenden theile nicht aus gleicher zahl bestehen',
also I 2 b). mit ungleichen waffen Meisl
quodlibet 2, 178; die ungleiche jagd Holtei
erz. schr. 18, 198.
allgemein: wer nach reichtum trachtet, der strebt seines gleichen u. zu werden; ... ist denn
F. ... euch andern u. geworden? G. Keller 6, 286.
von sachen heute veraltet: Brockes
ird. vergnügen 4, 274; anerwogen dieser baum der kiefer bey weitem in der nutzung u. ist
haush.-lexikon (1751) 3, 647.
vgl.C 4. A@III@3@cc)
uneinig, uneins, disharmonierend; unlik werden
mnd. wb. 5, 46
b;
mnl. 5, 589, 5 (
verhaszt); Staub-Tobler 2, 598, 3 (
vgl.C 5); sie sind u. mit einander Schmidt
westerw. 283: was sollts denn werden, wo wir uneins und u. unternander sein wolten! Luther 26, 201
W.; wo die sechs fürsten all würden ungleich sein in der wal J. Ayrer 636, 6
Keller; die scribenten sein da u. C. Dietz
annales (1621) 262; viel streits und ungleiche deutungen Gueintz
rechtschreibung (1666) xiij
b.
zu sinnlicher vorstellung zurückstrebend: miszlautend, u. lautend, miszhellig Hulsius (1618) 2, 129
b.
schriftsprachlich veraltet oder verblaszt wie bei Göthe: die ungleichen hausgenossen. A@III@3@dd)
nicht zusammenpassend, unpassend, widersprechend, widerspruchsvoll, unbegründet, unwahrscheinlich (Söderwall 2, 158
b, 6),
absurdus (Wachter 1745, 5);
mnl. wb. 5, 589, 5: das die wort und schrift den andern episteln u. sein
erste d. bibel 2, 40; A. v. Eyb
sp. d. sitten (1511) a
a 5
a; diss ist den dingen gar ungeleich, wann W. ... in überlebte Füetrer
bayer. chr. 139; Fries
Würzb. chr. 131,
vgl.B 1; des bapsts reich ist u. mit Cristi standt und reich Luther 10, 3, 374, 18
W.; vgl. c; das ungelych ist obgemeltem rat Eberlin v. Günzburg 1, 40
ndr.; das ist gar ein ungleichs exempel harzuo Murner
adel 41
ndr.; Österreichers ... überflüssig und seinen worten ungleiche protestation
städtechr. 32, 299, 10; es ist disz sehr löblich und dem Carthaginensischen gesetze nicht u. Lohenstein
Arm. 1, 100
b; das seine schrifften von seinen eigenen jüngern in ungleichen und widersinnigen verstand gezogen werden C. Ulenberg
erh. ursachen (1589) 329; die rahtschläg und meinungen sind biszweilen u., widerwertig und dermassen beschaffen, das man die wahrheit darausz nicht vernemmen kan Sattler
phras. (1631) 379; in eiteler ungleicher furcht lebend Butschky
kanzelley 751 (
vgl.g); das augenscheinliche ungleiche verhältnisz der hoheit dieser maschine oder rede zu einer geringen gelegenheit Dusch
vorr. 4
b. in ungleicherm frembdem alter (
alieniore aetate) Boltz
Ter. 87
a;
mnl. wb. 5, 590, 7;
undeutlich: das werk einer für uns sehr ungleichen fremden nation Thibaut
civ. abh. 414;
fast monstrosus: ungleiche geburten und monstra Ruoff
hebammenbuch 114;
schwächer ungleiche (
disparate) ding vergleichen Dentzler 327
a; Droste - Hülshoff
an L. Schücking 245.
sonst veraltet. A@III@3@ee) '
uneben',
übel, schlimm, böse: kurtze und schlechte wort, und ob sie schon nicht ausz der kunst, sondern vom pflug herkommen, so sind sie doch so u. nicht Moscherosch
insomnis cura 6
neudr.; alles zum besten kehren, auch wo etwas u. und ungrad ist E.
M. Arndt 1, 267.
nach g
übergreifend: denen alle ungleiche gedanken benommen würden
Simpl. 2, 3; 1, 120, 33
Keller; umb eines ungleichen worts willen Moscherosch
ges. 2, 61; Amaranthes
frauenz. 950; ungleiche reden
sinistri sermones Serz
idiotismen 163
a.
veraltet. vgl. C 7. A@III@3@ff)
ungehörig, ungebührlich, unerlaubt (
bisweilen an g
grenzend),
ungesittet, unfreundlich; impolitus, unehrbar mnl. wb. 5, 589, 6;
etwa '
rauhbeinig'
städtechron. 16, 369, 18;
anomalus ungelik, unhovesch Diefenbach
n. gl. 25
a (icht ungleiches oder unhubsches
ackermann a. B. 19, 13); Schmeller 1, 1422; Schöpf 383; Unger-Khull 610
b, 2: fürwar, das werent ungleiche (
var. gar unmügliche,
die bed. '
seltsam, sonderbar, merkwürdig'
spielt hinein, s. d) ding, der man nit gebsen mOechte
Tristrant prosa 106, 25;
Frankfurter zunfturk. 1, 163;
mnl. wb. 5, 589, 6 b (ongelijk, onmoghelike), 590 (ongevoecklijc); so bald dieser solche erhöhung vernahm, gab er sein miszfallen mit vielen ungleichen bezeugungen an den tag Lohenstein
Arm. 1, 111
b; dasz solche redezeichen (
gebärdensprache) zu ungleicher liebesreitzung gemiszbrauchet werden Butschky
Pathm. 35; alle ungleiche vorgänge der welt
einführung 3
b.
für die schriftspr. i. a. veraltet (Göthe IV 13, 143, 9
mehrdeutig; s. III 3 a). A@III@3@gg)
in rechts- und geschäftssprache und von da in die gemeinspr. dringend, im 17.
jh. am stärksten entwickelt, im 19.
jh. als adj. veraltet, '
unrecht, unbillig, parteiisch, unredlich, abfällig, abgünstig, ohne grund nachtheilig, unbegründet (
vgl.d)';
mhd. Staub-Tobler 2, 598, 2;
mnd. wb. 5, 46
b;
mnl. wb. 5, 590, 6 c,
dazu verongeliken;
altschwed. Söderwall 2, 158
b, 5: was ist böser wann ain ungelycher, falscher richter? Steinhöwel
ber. fr. 202, 32
Drescher; ach gott, mein herr von himmelreich, wie bist du neur so ungeleich, die menschen zu beschirmen hie!
Teuerdank 67, 45
G.; die widerwärtigen vorstellungen ungleicher personen P. Fleming 1, 79; Münster wird nie einige gelegenheit versäumen, diesen so ungleichen, unangenehmen nachbarn zu schaden Leibnitz
d. schr. 1, 247; er ist gar ein ungleicher ausleger Stieler. soll das also sein, so were es gar u., dann das recht sol sein dem armen als dem reichen Zobel
lehenr. 117
b; durch u. furhallten
städtechr. 22, 441, 4; gewalt Luther
sp. 769 I 1 c; zusag Sachs 11, 284, 28
K.; in unehren oder ungleichem zeuge Mathesius
Sar. 37
b; mit ungleichem bOessem lon vergolten Wickram 2, 79, 7; Antorff wurd ungleiche käuff treiben Fischart
praktik 26
ndr. (
vgl. gleicher kauf Luther
bei Dietz
wb. 2, 134
b; 132
b); ungleichen verstand, deutung und auslegung
städtechron. 32, 271, 35;
der richter soll keine ungleiche meinungen haben und weder ausz lieb noch ausz feindschafft urtheilen Albertinus
hirnschl. 247; handlung E. v. Meteren
Niderl. krieg 9
b; bericht
städtechron. 32, 293, 10; Hennenberger
landtafel 4; Harsdörffer
secr. 1, 2
a; Butschky
Pathm. 497; dasz ich nicht will hoffen, du werdest deinen vater ... mit ungleichem bericht hintergehen Menantes
art zu schreiben (1718) 593; informationes
acta publ. 1, 258; censuren Chemnitz 1, 1
vorr.; verdacht Harsdörffer
secr. 2, 66; Butschky
kanzelley 63, 65; Leibniz
d. schr. 2, 92; nachrede Butschky
Pathm. 592;
Leipz. avant. 1, 257; urtheile Chemnitz 4, 1, 43
a; Liscow
vorr. 4; Heilmann
Thuc. 194; wegen meiner ungleichen meinung eures unterlassenen schreibens Menantes (1718) 431; gedanken Chemnitz 3, 1, 29
a; Schwabe
bel. 1, 443; Heilmann 567; '
dem rechte der billigkeit, und in weiterem verstande der allgemeinen menschenliebe nicht gemäsz, wo es oft als ein glimpflicher ausdruck für ungerecht, unbillig, hart, unfreundlich, nachtheilig gebraucht wird'; sich ungleichen urtheilen aussetzen Adelung, Valentini (1836) (
vgl.e, f);
von Heynatz
antibarb. 2, 523
abgelehnt ('u.
für nachtheilig kömmt bei recht guten schriftstellern eben nicht vor'; ungleiche gerüchte von einem verbreiten);
in B
und C
länger fortlebend; beim adj. strebt die spr. wieder zu sinnlicher anschauung zurück: wenn ich nicht gewisz glaubte, dasz ... einmal an einem andern orte gleich gemacht wird, was hier u. bleibt Iffland 2, 116. BB.
das adverb. veraltete formen: ungleichen: weichen A. Lobwasser
cal. c iii
b und ungleichlich (
s. d.). 1) A I 1
entsprechend, aber gern abstract geworden (A III 1): er sach keiser Heinrich seligen nit unglich Tschudi
chr. 1, 65; wegen des ohngleich sehens Borstel
lieb Astreae u. Cal. (1619) 1, 266; Schoch
studentenl. D 8
a; Bellin
rechtschr. 18; Göchhausen
notab. 63; ein zusammenleben ... mochte den späteren italischen ... politien u. genug sehen Mommsen
r. gesch. 1, 25; das dem verdienst nit unglych sicht (
vgl. A iii 3 d) Zwingli
d. schr. 1, 276; das (
schandbuch) .. sach im (
Faber) zwar nit unglich J. v. Watt 3, 399; und sach im ouch dieser ursach nit ungleich, dasz ... 2, 349 (
dazu stimmte, dasz)
; s. gleich sehen;
ähnlich: es scheinet ihm auch nicht fast u. seyn, dasz ... Fries
Würzb. chron. 131;
vgl.A III 3
d. 2)
wie A I 2 a: das die löcher u. und zu weyt gefelt haben
geystlich strasz (1521) H 4
a; die haar sind u. abgeschnitten
nomenclator Hamb. (1634) 336; ein pferd so u. galoppirt Kramer (1702) 2, 201
c; spielen, trillern
u. s. w. der weg führte sehr u. auf und ab Ritter
erdk. 1, 618. u. teilen Marner 14, 147
Str.; Göthe
Tasso 1919; beisteuern Fontane I 1, 413; zeitigen Hohberg
georg. 1, 133. 3) A I 2 c
entsprechend: u. ziehen (
von ochsen) Sachs 9, 136, 8
K.; übertragen von eheleuten Lehman 1, 405.
vgl. Ernst hist. bilderhausz (1691) 422. Chr. Weise ungleich und gleich gepaarte liebes-alliance
Görlitz 1708. 4) A III 1/2
entsprechend: u.
auf verschiedene weise Tauler 29, 28
V.; mit unterschied Steinhöwel
ber. fr. 16
D; er that dem u. sich zu weren, sonder von groszer liebe lachet er sie an (
wehrte sich nicht im mindesten)
Aymon (1535) n II
a;
Gudrun 29, 4;
hist. volksl. 1, 116, 12
Lil.; so doch das heilig pater noster unglych von Mattheo und Luca gelert, gebettet und geschriben ist worden Eberlin v. Günzburg 1, 42
ndr.; vgl. ungleicher art
in andrer weise Opitz
poemata 120
ndr.; dasz wir über ... unvereinbarlich u. denken Lavater
verm. schr. 2, 2;
selten sie wissen, wie u. ich mit dem schriftsteller Herder denke (
anders als er) Sturz 2, 332; fremde und einheimische wurden ... bald gleich, bald u. gestellt Raumer
Hohenst. 5, 391; das zeugnisz dürfen wir uns geben, dasz — ungleich den meisten anderen deutschen staaten — in Bayern nie ein verfassungsbruch eingetreten ist Döllinger
ak. vorträge 1, 52;
vereinzelt auf gleiche weise wird ungleich sonst (
im gegensatz zu sonst) das psalterium der musen dem jährlichen kalender angehangen J. Paul
vorsch. 3, 9. 5)
wie A III 3 a: auff der buolschafft aber gehets ongleich zuo Sleidan
red. 60
B.; an I 2
grenzend: die adern u. schlagen Eppendorff
Plin. 7, 31; Stranitzky
ollap. 193, 15
ndr.; Schiller 1, 160; das schiff wardt hin und wider u. getriben
legend d. h. Francisci (1512) Q 3
b; so u. gehen die posten hierher Göthe IV 10, 283
W.; ungleicher als über die ... namen, wird vermutlich das urtheil über diejenigen ausfallen, welchen ... W. v. Humboldt 4, 60; u. beritten Chemnitz 2, 161; u. fest A. v. Haller
ged. 129 (Schönaich
neol. wb. 252, 30
K.); u. begabt Herder 22, 239; u. ausgeführt O. Jahn
Mozart 4, 334;
veraltet sich u.
bewegen lassen Butschky
kanzelley 720, 728 (
zu ärger, verstimmung, ungehaltenheit, zorn; s. bewegen th. 1, 1763, 3; 1772, 2 e); nie mürrisch oder u. von ihr empfangen Schiller 3, 546; als der alte Sandler jetzt seinen sohn daherkommen sah, ... wurde ihm etwas u. zu muthe Rosegger 1, 150. 6)
wie A III 3 b: der ficht gar u. Lehman 1, 503; u. heirathen Zinzendorf
bedencken (1734) 44. 7) A III 3 c
entsprechend: ungelic volen
controversari zs. f. d. wortf. 15, 302
a; u. gesinnet Luther 28, 591, 25
W.; Carbach
Liv. 58
a;
heute nach A III 1
verstanden. 8)
wie A III 3 d: dargegen ime dann belonung seinen verdiensten unwirdig und u. beschehen G. Alt
b. der cronicken (1493) 270
b; der warheit ungelich leben
betb. (1518) 194
b;
M. Sattler
trostbrief 38; derowegen habe ich die vers etwas u. und unordentlich darzu (
zur melodie) neigen und biegen müssen Spee
tugendb. 173;
veraltet. 9)
wie A III 3 e: unglich underwist (
falsch oder ungehörig, vgl. f) Küchlin
städtechr. 4, 343; wenn einer unglich oder übel antwurt
Ter. (1499) 120
b; Zinkgref-Weidner 3, 54; Zwingli
d. schr. 1, 214; ungleich lautend, miszhellig (
vgl. 7) Hulsius (1618) 2, 129
b; hilff gott, wie gehts so ungleich zu in dieser welt auff erden Ringwaldt
handbüchlin B 3
a; Stieler 667;
quae nostra, est temporum iniquitas Dentzler 326
b; Wackernagel
kirchenl. 3, 121; durch diese zuschrifft mein vornehmen nicht u. erkant wird Kormart
Polyeuctus (1669) A 5
a; u. berichtet seyn
être mal informé Schwan (1783) 2, 846
b;
veraltet. 10)
wie A III 3 f: sich etwas u. stellen Fischart
ehzb. 128, 7
H.; Moscherosch
ges. (1650) 196;
veraltet. 11) A III 3 g
entsprechend: u. richten Brant
narrensch. 5, 25
Z., wie mhd.; ach gott, wie ungleich und unpartheylich verfährest du nicht mit uns armen menschen Abr. a St. Clara
etwas f. alle 2, 202; Seume
ged. 273; ungelîch tuon
Hiob 1013
Karsten; vergib dem, der dir unbillichen, ungelych oder unrecht thuot Keisersberg
pater noster 26; es gieng ungeleich tzu, das die fraw neunhundert cron solt haben und sy nit mer als ainhundert cronen
Fortunatus (1508) 100
ndr.; Mangold
marckschiff C iiij, Fischer-Tümpel 2, 18; Riem
Tob. Rosemond (1796) 1, 4;
städtechron. 16, 104, 72; ir solt nicht u. handeln, am gericht, mit der ellen
3. Mos. 19, 35; nachgeben gar ungleichen Lobwasser
calumnia c iii
b (
vgl. mit ungleich C 9); u. unter augen treten Eyering 2, 495; tractiren Chemnitz 2, 31; nachreden Zinkgref (1628) 58; ausdeuten Chemnitz 2, 185; scherzen Butschky
kanzelley 321; berichten Arnold
ketzerhist. 2
a; Menantes (1718) 343; etwas u. aufnehmen Stieler,
prendre qch. en mauvaise part Schwan; er fürchtete, ich möchte über sein verhältnisz zu ihr u. denken Göthe 19, 23, 3
W.; 8, 228, 26 (
spätere ausg. unwürdig)
W.; nicht u. auslegen IV 16, 275, 23
W.; Schiller 12, 349; Iffland 11, 27; Ranke 2, 13; es würde mir weh thun, wenn sie u. von mir dächten P. Heyse 4, 283;
in n. spr. meist mit volksmäszig-vertraulichem beiklang, schriftsprachlich nicht voll anerkannt (Heynatz
antibarb. 2, 523). 12)
für die erklärung des schon mhd., mnd., mnl. ausgebildeten, bis heute ganz allgemeinen adv. u.
beim comparativ kommt verkürzung zweier vorstellungen (ungleich stärker =
ungleich und stärker)
und ungleich A III 1 (
beispiellos, unerhört, incomparabiliter, mnl. ongelikelike
wb. 5, 594,
franz. incomparablement)
in betracht: ungeliche me Tauler 52, 15, 32
V.; nOeter 398, 14
V. (
auch ungeliches me 52, 17, besser 433, 5
V.; ein ungleiche zahl mehr an sprichwörtern Eyering 1, 7
a); in einem u. andern zustand der seligkeit Bodmer
crit. poet. schr. 1, 37; u. gewagter Fr. Schlegel
Athen. 1, 2, 102; u. mehrere (
handschriften) Ranke 37, vii; dem u. besseren Holtei 40
jahre 1, 24.
daraus ergab sich, auch ohne comparativ, die steigernde bedeutung '
bei weitem': dasz das schulwesen ... in den gegenden des rechten Weserufers hinter den oldenburgischen marschen noch u. zurücksteht, ist keine frage Allmers
marschenb. 1/2, 181. 13) ungleich wol = gleichwol A. Bohse
Amor am hofe 1, 179
wie ungleichsam = gleichsam.
s.un IV C. CC.
substantiviert. 1) A I
entsprechend: zwei ungleiche machen ein gerades Binder 199; Staub-Tobler 2, 598; Treuer
Däd. 1, 410; zwei ungleiche, ein iungs und ein alts Keisersberg
evangelib. (1515) 167
c; Tappius (1545) H 2
β; denn das ungleiche musz sich paaren, wenn es etwas werden soll Mommsen
reden 245; ungleich schickt sich nicht zusammen Aler 2, 2090
b. Gerhard v. Minden 30, 16
L.; schichtspiel (
städtechr. 16, 101) 2 (
Hänselmann s. 94, 622
b). 2) III 1/2
entsprechend: ungelich (
ungleichheit) der site
heil. regel 51, 26
Priebsch; glich und unglich Tauler
pred. 114, 15
V.; in dem sp. 26, 3
erläuterten sinne 116, 16, 26
V.;
vgl. schwed. taga likt och olikt,
westfries. op lyk of ongelyk Dijkstra 2, 290
b;
dissimilitudines ungleichs Franck
sprüchw. (1541) 1, 18
b; G. Keller 5, 282; 2, 162; 1, 403; so mus der ungleicher gegen got dem geleichern dienen Zobel
weichb. u. lehenrecht 5
b; wir sehen ... immer nur gleiches aus gleichem, niemals ungleiches aus ungleichem entstehen D. Fr. Strausz 6, 117. 3)
wie A III 3 a: so hatte sie immer etwas heftiges und ungleiches Göthe 27, 286
W.; das disharmonische, ungleiche, schwankende im charakter der meisten menschen Schopenhauer 2, 619; das ungleiche der behandlung Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 33. 4)
wie A III 3 b: in bewohnung bey seines gleichen oder ungleichen Xylander
Polyb. vorr. 4
a; jene berühren alle ihres gleichen und ihres ungleichen J. Paul
vorschule 3, 154; dasz sie (
die groszen) so leicht ihres ungleichen zu verblenden glauben
dämmerungen 142;
unüblich. unwilligernst sieht Jupiter drein .., wenn ein nichtswürdiger den edlen oder der ungleiche den ungleichen (
der überlegene den schwächern) angreift Herder 15, 427; ungleich weicht dem streich Binder 199; Staub-Tobler 2, 598; op kosten van ongelijk
nl. wb. 10, 1613 (
s.auf ungerechte kosten,
was auch weist. 3, 51,
mnd. wb. 5, 47, 3
gemeint ist)
; vgl. A III 3 g. wir bieten ungleiches (
wertvolleres) Moltke
ges. schr. 7, 19. 5)
die bed. A III 3 c
hat im schweizerischen eine reiche entwicklung erfahren, wobei z. th. in anlehnung an andre wörter formen wie unglicht, unglit, unglet, ungligk, unglix, umlix, umblix, unig
mit plur. unglichter, uglitter (1409), unglider
sich ergaben. '
zwist, uneinigkeit, händel, umtriebe, hindernisse, unfälle, unannehmlichkeiten (
vgl.A III 3 e, f),
verdrusz (
vgl. III 3 a)', u. mache
lustig machen Staub-Tobler 2, 598, 3
mit erläuterungen 590.
auch in der verbindung der glich und der unglich (
ebda 598; der eben und der uneben 1, 44)
liegt gegensätzliches. 6) A III 3 d
entsprechend: so findst du gar ein unglychs Zwingli
d. schr. 1, 220; nicht ungleichs Spreng
Äneis 11
a;
verwischt ins unordentliche und ungleiche gerathen Scheibe
crit. mus. 608. 7)
wie A III 3 e (
oft nach f, g
übergreifend): durchaus ein frommer mann, der nicht ein kind erzürnete oder jemand was ungleiches thete Faber
thes. (1587) 503
a; Albertinus
zeitk. 145; was ungleiches (
unangenehmes) leiden Moscherosch
ges. 2, 876; was ungleiches (
übles) von einem hören 2, 461; A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 101; er werde solches auszenbleiben nicht in ungleichem (
s.B. 11) vermercken Ch. Weise
pol. redner 701; Butschky
Pathm. 238;
zum euphemismus wohl geeignet: wäre dem vater oder dem Holdefast etwas ungleiches begegnet, da hätten wir schon boten Fouqué
bilders. 2, 423.
wie weit der begriff ist, lehrt Tauler
pred. 115, 25 ff. (das ungeliche
unglück, leiden, widerwärtigkeit, versuchung, anfechtung u. dgl., dazu wortspiele 117, 6 ff.), ir ungelich
iniquitatem Hiob 4205
Karsten. mnl. ongelijcheit
wb. 5, 592, 4. 2 (
sittliche gebrechen), ongelijc 591, 4 (
schade, nachtheil, niederlage, unglück)
; vgl. 8, 9. 8) A III 3 f
entsprechend: was ist nun ungleichers und unbillichers zuo erdencken
städtechron. 32, 143, 3; wann nun ainer ... hierwider was ungleichs fürnimbt
tirol. weist. 2, 70, 33; Schmeller 1, 1422; Schöpf 383.
veraltet. 9)
wie A III 3 g:
rechtlich nachtheiliges passionssp. 287, 239
Wackernell (364, 482
nachtheiliges, übles); Prantl
gesch. der L. M. universität 2, 145;
polit. corr. der st. Straszburg 2, 316;
Wilw. v. Schaumburg 166; Rätel
schles. chr. 80; zeugen des ungleichen, so ihm widerfahren Zinkgref-Weidner 3, 31;
beleidigungen Butschky
Pathm. 899
u. dgl.; mit u. (
zu unrecht) empfangen Eschenloer
gesch. d. st. Breslau 2, 268; auglik
unrecht Eupen 10
a; einen eines dings keines ungleichen verdenken Schmeller 1, 1423; zu unglychem zugan (
bei der urte) Staub-Tobler 2, 598; groet onghelijck doen
privatbr. 1, 12
St.; Marquart vom Stein
spiegel der tugent (1498) h 4
b;
ipse sibi iniurius esse videtur er thut ihm selben ungleich, ist wider sich selben Apherdiani
meth. (1601) 97; onggleich,
m., unrecht, falsche beurteilung, engem o. dunn
jemanden falsch beurteilen lux. 316
a; ongleich dun
schaden, unrecht thun Gangler 317; u. haben A. Ortelius
schawplatz (1572) 7
a; grosz u. haben Fischart
binenk. 186
a; A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 196; unglick hebben, gäven Stürenburg 298
b; stinkend ongelijk hebben De Bo 957
a.
die ältere starke bed. (Schwarzenberg
Cic. 152; Brandis
ehrenkräntzel 44, 164)
schwächt sich ab (
flugschriften 1, 92
Clemen; Butschky
kanzelley 705); '
unbilliges, bedenkliches, was nicht in der ordnung'
u. dgl.: aequum postulat er begert nichts ungleiches Alberus O II
a; seiner ihm etwas ungleiches zumuthenden freunde Lohenstein
Arm. 2, 138
b; 26
b; Serz
idiotismen 163
a;
obers. 2, 599
a; denk' nix ungleichs von mir Anzengruber 6, 64 (
vgl.A III 3 f).
schriftsprachlich veraltet. —