trumm,
trum,
n.,
vereinzelt m.; _
trümmer,
pl., vereinzelt als sing., m., f., n. herkunft und form. ahd. drum,
mhd. drum (
vereinzelt trum,
vgl. Lexer 2, 1544),
mnd. drom, drum,
nhd. trumm (trum),
aus germ. *þruma-
oder *þrumu-,
vgl. ags. þrum
in tungeþrum Bosworth-Toller 1020,
mengl. thrum, throm,
engl. thrum Murray 9, 2, t 383
c,
mnl. drom Verwijs-Verdam 2, 430,
nl. drom (droem, dreum)
woordenb. 3, 2, 3416,
norw. trumm,
schwed. dial. trum, trom '
stock, baumstamm, abgehauener holzklotz' Hellquist 1012;
vgl. ablautend aisl. þrǫmr (<
*þramu-) '
rand, kante, ende',
norw. tröm,
wohl auch ahd. dremil '
balken',
mnd. treme '
querstange, sprosse' (
vgl. auch trempel '
stützpfahl'
oben sp. 104
sowie unten 2trumpf
sp. 1369)
und mhd. trâme, drâme '
balken' (
vgl.dram teil 2, 1332, trom
oben sp. 808).
die auszergerm. verwandtschaft ist nicht eindeutig bestimmbar; mit Meringrr
idg. forsch. 21, 299
wird trumm
meist gr. τέρμα,
lat. terminus
in der grundbedeutung '
pflock, pfahl'
zugeordnet; s. auch Walde-Pokorny 1, 733
f. anlautendes d
ist bis ins nhd. hinein üblich; in der schriftsprache tritt ihm seit dem 15.
jh. t
zur seite, das im 16.
jh. die oberhand gewinnt (
letzter beleg für das im nhd. mehr md. geltende d
bei B. Schmolck
ged. 1 [1740] 433).
statt m
bürgert sich seit dem 16.
jh. mm
ein, doch findet sich bis ins 19.
jh. noch die schreibung trum,
besonders für die bedeutung '
gesteinsader' (
s.A 1 c).
stammvokal ist ahd. mhd. u,
mnd. u
und o;
im nhd. nur in wenigen fällen o,
z. b. obd.: d. ewigen wiszh. betbüchl. (1518) 165
b, J. Ruff
Tell 143
B., J. Funckelin
Lazarus (1552) c 1
b, Henisch (1616) 754,
md. bis zu Schottel
haubtspr. 1305
gelegentlich, vereinzelt noch throm (1701)
cod. dipl. Sil. 21, 259.
im 16.
u. 17.
jh. nicht selten in der form trumb,
z. b. H. Sachs 14, 82
K.-G., Joh. Nas
schutzpred. (1589) 10, Weckherlin
ged. 1, 29
u. 2, 171
Fischer, Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 625,
wo offenbar nur unorganischer anwuchs des sogen. stummen b
vorliegt, da b
nur im absoluten auslaut auftritt; dagegen erscheint mundartlich z. t. ein labialer verschluszlaut, der auch auf die binnenstellung übergreift, z. b. drumb, (
plur. drümber) Lexer
kärnt. 73, dromb Christa
Trier 72, dromp
rhein. wb. 1, 1523; drömp (drömb), drömpen Mensing
schlesw.-holst. 1, 874
und bereits drumbel (
v. j. 1333)
bei Ch. Schmidt
elsäss. 68
b,
sowie trumben,
vb., Schön
Saarbrücken 212;
s. auch Sütterlin
nhd. gramm. 1, 257
und unten 2trumpf.
der (
entrundete)
umlaut im plural erscheint im 16./17.
jh. öfter mit i (y): trymmen (
dat. plur.) S. Brant 105
Z., trimmer Gengenbach 301
G., (1505)
bei Liliencron
hist. volksl. 2, 246, Luther
tischreden 9
Pr., Fortunatus 54
ndr., H. Sachs 8, 418
K., Neumark
neuspr. palmb. (1668) 350, Abraham a
s. Clara 127
lit. ver., Schönaich
Heinrich d. Vogler (1751) 7.
als masc. erscheint trumm
des öfteren, auch mundartlich, vgl. z. b. Seiler
Basler ma. 87,
rhein. wb. 1, 1523, Heinzerling-Reuter
Siegerl. 49,
sonst überwiegt das neutrum. der mhd. plural drum (
vgl. Lohengrin 2442
Rückert)
hält sich vereinzelt bis ins 17.
jh. (
zuletzt bei Lehman
floril. polit. [1662] 1, 473);
der plural auf -er (
vgl. mhd. drumer Konrad v. Fussesbrunnen
kindheit Jesu 97, 62
bei Hahn
ged. d. 12. u. 13. jhs. nach hdschr. b [13.
jh.];
in Kochendörffers ausgabe ist v. 2597 diu drum er begunde er her für lesen
fehlerhaft, es ist ebenfalls drumer
zu setzen, vgl. etwa 2193)
herrscht seit dem 15.
jh. vor, vgl. trumer
kl. rosengarten 342
v. d. Hagen-Primisser, trumeren
städtechron. 2, 18 (
Augsburg, 1428)
u. s. w.; ein plural trümmern
findet sich bei P. Fleming 1, 104
lit. ver. belegt, dann seit Klopstock (
z. b. w. [1798] 6, 106)
bis ins 19.
jh., (
vgl. fürst Pückler 6, 260)
als ergänzung zum neuen singular trümmer (
s. u.).
zu trumm '
holzklotz, baumstumpf'
erscheint dialektisch ein neuer plural trumme,
der gelegentlich auch in schriftsprachlichen gebrauch übergeht (
s. u. A 3 a
β),
vgl. bad. wb. 576
b,
Fischer schwäb. 2, 423,
rhein. wb. 1, 1523.
seit der mitte des 18.
jhs. (
s. u.B)
tritt trümmer
auch als singular auf; als fem. die trümmer (
vgl. auszer Klopstock
noch J. H. Voss 123
nat.-lit., Freiligrath
ges. dicht. [1877] 2, 142, Stifter
s. w. 2, 135
S., A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. [1878] 1, 319);
daneben als masc. der trümmer (
vgl. Zachariä
poet. schr. [1763] 3, 21, Mommsen
an Wilamowitz in: briefwechsel [1935] 3, 85)
und als neutrum das trümmer,
vgl. Jung-Stilling
s. schr. 4, 324, Platen
nachl. 149
P., Gutzkow
ritter v. geiste 1, 14, Vischer
krit. gänge n. f. 1, 2, 51.
bedeutung und gebrauch. alt erscheint gemäsz ags. þrum
in tungeþrum '
zungenband',
ahd. drum
stirps (
s.A 2)
einerseits die bedeutung '
endstück, ende',
während anderseits auch die bedeutung '
teilstück',
nach der seit mhd. zeit vorwiegenden verwendung und schwed. dial. trum, trom '
abgehauener holzblock'
zu urteilen, schon in eine frühe sprachstufe zurückreicht; vgl. drumon, trumum (
dat. plur.)
gracilis ahd. gll. 1, 48
St.-S. (
neben luzikem
exilis, smalem
subtilis),
wo dem glossator die vorstellung '
schmales, dünnes stück'
vorgeschwebt haben mag. auszugehen ist wohl von einer grundbedeutung '
abgeschnittenes ende eines baumstammes, pfahl',
vgl. ahd. thrum
meta ahd. gll. 1, 210, 8
St.-S. AA.
im mhd. allgemein gebräuchlich, hat sich der singular trumm
nhd. nur in einigen sonderbedeutungen und festen wendungen erhalten und ist schriftsprachlich vor allem oberdeutsch und rheinisch dort bezeugt, wo er mundartlich in gebrauch blieb. der plural trümmer
hat seit dem 18.
jh. eine gesonderte entwicklung genommen (
s. u. B). A@11)
endstück eines gegenstandes. A@1@aa)
im mhd. in allgemeiner verwendung: daz si an dem drum der banc bi den chnechten gesæzen Heinrich v. Melk
priesterleben 630
H.; das man in setzt ans herren drum (
an das obere ende)
klostersitten v. 7
bei Laszberg
liedersaal 1, 421; zende (= ze ende) an des steines drum Wolfram
Parz. 470, 23; einen gürtel ..., des drum tet ûf die erden val
Willeh. 154, 28. A@1@bb)
nhd. eingeschränkter, besonders vom ende eines seils, fadens u. dgl. gebraucht: alsdenn zeuchs (
das seil) wider ab dem holtz herab und umbwinds etlich mal mit dem drum, also dasz es einem ring gleich geformiert werde Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, 144
b; ein knewel schnürlein mit dem ende oder trumb fornen im eingang anzubinden P. Kentz
güld. handwercksboden (1629) 104; das schif verdrehet sich und würblet rund herumb, dasz sich die arme leut nicht mehr zu halten wissen: ergreiffet einer schon nur eines zugseils trumb, wird es ihm auszgeschmissen Weckherlin
ged. 2, 171
Fischer; (
Kurt) band den dritten (
schnurbund) an das trumm, fuhr fort zu zählen Mörike
ges. schr. (1905) 4, 34;
vgl.drumb
eines seiles Lexer
kärnt. 73;
so bergmännisch: 'trum ...
das ende von einem bergseile' Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 671; 'trum
jedes von den beiden seilen, welche in einem förderschacht mit den daran hängenden gefäszen auf und nieder gehen' Gätzschmann
bergmänn. ausdr. (1881) 104;
vgl. trummseil.
häufig für '
fadenende, garnende',
besonders fachsprachlich in der webetechnik noch in gebrauch; speziell meist kollektivisch, für die am webstuhl sitzenden fadenenden der kette, von denen das fertige tuch abgeschnitten ist, vgl. drum licium Konrad v. Heinrichau 383
Gus., trumm
licium, daran die weber das garn knüpfen Schottel (1663) 1435; trum von barchentwebergarn, so die schneider zum fadenschlagen brauchen
M. Kramer
hochnidert. dict. (1719) 1, 72
c; 'trum,
das nach einem fertig gearbeiteten zeugstück nicht mehr zu verarbeitende ende einer kette' Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 9, 652;
ebenso '
zettelende am leinwandtuch'
u. ähnl. rhein. wb. 1, 1523;
in allgemeiner anwendung beim spinnen, garnwinden u. s. w., vgl. bad. wb. 576
b: soll er (
der seidenspinner) zwey ende zusammen nehmen, auf dasz, wann ein faden bricht, dasz er ... nachmals an das abgerissene trumm anknüpfen (
kann) v. Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 431;
vgl.trum garnende Hoyer-Kreuter
techn. (1902) 1, 781; trumm
so viel zwirn, als zum einfädeln gehört Sallmann
neue beitr. z. dt. ma. in Esthland 42; drum
anfang oder ende eines fadens, garns, vgl. z. b. bad. wb. 576
b, Fischer
schwäb. 2, 422,
rhein. wb. 1, 1523, dromm
m. Heinzerling-Reuter
Siegerl. 49, drumb
eines fadens Lexer
kärnt. 73; drum
auch für '
ein ansehnliches, längeres stück faden'
bad. wb. 576
b.
auch von fadenähnlichen dingen: (
bei manchen wirten sind) die schüsseln gar manierlich gewaschen, auszer dasz etliche trumb von spülhadern, nicht ungleich den regenwürmern, daran gehangen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 625. dromm,
meist drömmche,
frauenhaar, an der stirne z. t. abgeschnitten, der rest über der stirn hängend rhein. wb. 1, 1524; trumm
faden eines dickflüssigen, zähen körpers Tobler
appenz. 155. A@1@cc)
im bergbau übertragen für '
ausläufer einer gesteinsader, kleiner erzgang, erzader': biszweilen sind auch die ... arbeiter eben treuw und unfleiszig ..., verlieren das rechte trumm, offt gehets in der gruben, oder der schacht bricht gar ein Mathesius
Sarepta (1571) 210
a; aufm throme im hangenden (
gesteine) (
v. j. 1701)
cod. dipl. Sil. 21, 259; weil da noch mehr drümmer zusammenkommen, veredelt einsz das ander H. Hake
bergchron. 18; die trümmer haben sich wieder zum hauptgang geortet Herttwig
bergb. (1734) 396
a;
geologisch: ein trum dichter quarz durch kohle gefärbt Göthe IV 19, 196
W.; in einem lettenartigen trumm, welches durch den gips des rechten ufers der Saale streicht 13, 160; mit einem durchsetzenden ... trume ... (
von) kalkspath L. v. Buch
ges. schr. (1867) 1, 238;
bildlich: oft lockt ihn ein betrügerisches trum aus der wahren richtung, aber bald erkennt er den falschen weg, und bricht mit gewalt querfeldein, bis er den wahren erzführenden gang wiedergefunden hat Novalis
schr. 4, 121
M.; vgl. auch bad. wb. 577
a.
terminologische bergtechnische ausdrücke sind z. b. noch hangendes
und liegendes trumm. A@1@dd)
redensartliche wendungen, die von b
ausgehen und trumm
als '
fadenende eines knäuels'
in bildlich verstandenen ausdrücken anwenden, sind teilweise noch mundartl. verbreitet; das (rechte) trumm verlieren, finden, ergreifen, suchen: welcher anfangs der sachen tiefst nach dachte: und kondte das trumm an dieser verwirreten garnwind lang nit finden
eselkönig 199;
vgl. bad. wb. 576
b, Fischer
schwäb. 2, 422; wo ihm vor drei stunden zum ersten mal das trumm verloren ging, (
wo er anfing, sich zu verlaufen) Mörike
ges. schr. (1905) 3, 140; s trumm verlieren
bad. wb. 576
b im sinne '
beim reden den faden verlieren'
oder '
kein ende finden'; wir sitzen und schwatzen, da findet er (
der staar) das trumm (
seines liedes) schon wieder Mörike
ges. schr. (1905) 3, 87; er hatte aber damit (
mit seinen reden) das unrechte trum ergriffen, denn im bittersten zorn loderte
ich auf Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 1, 199; vor meinetwegen brennt die lampen ja nicht an, bäs Dorle, entgegnete die Annemarie, die noch immer das trumm suchte zu ihrem vorbringen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 196.
die redensart mir geht das trumm aus
bedeutet '
ich kann nicht weiter, musz aufhören',
vgl. Fischer
schwäb. 2, 422,
bad. wb. 576
b: der (
subdelegat) gab mir nun, als ihme bey guter zeit ... das trumm auszgegangen ..., den bescheid: ...
anatome joco-seria conscientiae antiquae (1667) 54; wenn ich so im ständehaus ... vier, fünf, sechs monate sitzen und weiter nichts thun sollte, als ein tag wie den andern von neuen gesetzen ... hören und da mitreden: mir ging der trum aus Auerbach
dorfgesch. (1891) 3, 259.
ähnlich, im älteren nhd. reich bezeugt das trumm wird einem zu kurz '
er ist am ende seiner kräfte, mittel'
u. dgl.: weil sie sich nun zu Neuburg samleten, ward den in der statt Granse das trum zu kurtz, sie kundten der macht Caroli nit lenger vorstehen Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 228
b; darumb wer da will seelig werden, der bekehr sich noch auff der erden, dasz ihm das trumm nicht werd zu kurtz und werd verdampt mit stamm und wurtz Joh. Rud. Fischer
bei Brenner-Hartmann
Bayerns mundarten 1, 477;
weitere belege und mundartl. redensarten s. Fischer
schwäb. a. a. o., bad. wb. a. a. o. A@1@ee)
wie faden (
vgl. teil 3, 1231)
auch sonst bildlich gebraucht; vom lebensfaden: also die blümelein der weiszheit, zucht und tugend, welche man blühen sah in dem aufgang der jugent dises fräwlins so schön, so süsz, höflich und frumb, bezeugeten gleichsamb, das seiner jahren trumb nicht würd langwürig sein Weckherlin
ged. 1, 29
Fischer; worauf ihm Lachesis den güldnen faden abgeschnitten, und das trumm geleget in das grab
bei Gottsched
beytr. zur crit. hist. (1732) 2, 148;
vergleichbar: ar ziagt an letztn trumm (
wenn es mit dem leben zu ende geht) Ruckert
unterfränk. 185,
wo eine miszverstandene redensart am letzen (
teil 6, 794) trumm ziehen
d. h. am falschen (
übeln)
ende ziehen zugrunde liegen wird, vgl. bad. wb. 576
b. trumm
der erzählung: alss ein trom und faden unser historiam anfangen
N. Frischlin (1586)
nach Fischer
schwäb. 3, 323. A@22)
früh im sinne '
das äuszerste ende, grenze',
von dingen, räumen, der zeit u. s. w.; räumlich: ein stat heizet Capharnaum diu stozet an des meres drum priester Wernher
Maria 2202
W.; der welt kreiz unde drum Ottokar
reimchron. 35243
S.; hoffnung aller drümer der erden (
omnium finium terrae) J. v. Neumarkt
soliloquien 87
S.; zeitlich, vgl. schon ahd. a stirpe fona dhrume, fona herostin (8.
jh.)
ahd. gll. 1, 21, 22
St.-S., '
abschlusz, beendigung, vollendung': unz an des siges drum Ottokar
reimchron. 17141
S.; an des selben wortes drume gab er uf sinen geist
passional 200, 23
K.; der wegen wöllest du busz thun, dieweil die zeit der gnaden noch vorhanden ist, solches nicht sparen bisz auff das letst trum, da dann kein zeit mehr ist, busz zu thun Höniger
narrenschiff (1574) 91
a; an ainigs trum unendig bleibt sein kunigreich bestendig Schede-Melissus
psalmen 103
ndr.; verfluchte hoffahrt findt kein trumm Abele v. Lilienberg
unordnung (1670) 4, 87; was ewig ist, hat kein trumm Selhamer
tuba tragica (1696) 1, 103.
in antithetischen oder synonymischen verbindungen; meist mit der bedeutung '
ende': von dem anegenge unze an daz trume frau Ava
leben Jesu 2241
zs. f. dt. phil. 19, 293; er (
gott) hatt keinn anfang noch keins tromm J. Ruff
weingarten in: schweiz. schausp. 3, 239; so pin ich laider also gestalt, das ich nicht waiss end noch drum (
meiner dichtung), doch waiss ich, das ich Yhesum, den süessen namen, anruefen sol H. Vintler
pluemen 10071
Zingerle; ... böser zungen schnatter hat weder trum noch endes zil
liederbuch d. Hätzlerin 242
H.; das thut er umb sein hoffahrt, die hat weder drum noch ort (16.
jh.)
bei Bolte
bauer im liede 287; ein narr macht alle zeit vil wort und haben weder trumb noch ort Hans Sachs 19, 405
K.-G.; noch mundartlich: die (
alte frau) findt kein end und kein trumm O. Ludwig
w. (1892) 2, 356;
vgl. ähnlich bad. wb. 576
b.
im sinne von '
anfang',
vgl. ich kan weder trumm noch end finden oder den anfang noch den auszgang Frisius
dict. (1556) 488
b: ey, eh du nein riedst in den waldt, hab ichs gesagt von trumb zu endt, was ich meim mann hab hingesendt Hans Sachs 14, 82
K.-G.; die philosophey, da sie weder trumm noch endt wissen Paracelsus
opera (1616) 1, 788
Huser. A@33) '
teilstück',
das von einem gröszeren ganzen abgetrennt ist. A@3@aa)
von einzelnen teilen eines zerstückten oder in bestimmte stücke zerlegten gegenstandes. A@3@a@aα)
von stücken zufälliger grösze, die durch die zerstörung eines ganzen entstanden sind (
s. auch unten C
in festen verbindungen),
vgl.drumb '
stück, teil' Lexer
kärnt. 73, drum '
stück'
bad. wb. 576
b, trumm '
bruchstück' Lenz
Handschuhsheim 72: diu schilt von starken tjosten kluben, diu drum zuo den vrouwen in die schôze stuben
Lohengrin 245, 2
R.; den luft mit speres drumen kleiden
jg. Tit. 951, 2; mit eingelegten spehr auffeinander randten, dasz gen himmel die drummer flohen
Z. Rivander
festchron. (1591) 1, 31
a;
archaisierend wieder aufgenommen: die trumme gesplitterter speere G. Freytag
bilder (1897) 1, 549; was sichst du aber ein drom (
splitter) in dem aug dynes bruoders
d. ewigen wiszheit betbüchl. (1518) 165
b; das spanische rohr war schon in kleine stücken, und fast bisz zu dem handknopff hinunter zerschmissen, und ... als er ... nicht mehr zuschlagen konnte, stiss er ihnen das übrige trumm noch ins genücke Zendorius a Zendoriis
winternächte (1682) 579; hat er uns daz geschlosz lassen brechen wir wöllen im die trümmer lan (
v. j. 1478)
bei Liliencron
hist. volksl. 2, 246; (
sie haben) kein drum bei dem andern gelaszen (16.
jh.)
städtechron. 15, 106; wo solche kuglen ausz böllern oder büchssen geschossen werden, so verspringen sie und thun die trümmer groszen schaden L. Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, 124
b: gerad wie das quecksilber, ... eh es getödt wirt, sich in vil trümmer, tröpflein, und rotten theilet J. Nas
antipap. eins (1567) 4, 231
b; zwei newgemachte bücher, ... zue trümmern und kleinen fedzen zerrieszen Georg Widman
chronica 8
Kolb; diesen (
brief) zerrisse der obriste alsobalde zu kleinen stücken und wurffe uns die trümmer oder fetzen ins gesicht Abele v. Lilienberg
unordnung (1670) 2, 212.
verstärkt kleine trümmer: das eis kam und schlug ir schiff zu kleinen trummern L. v. Eyb
Wilwolt v. Schaumburg 197
Keller; (
ich will) der alle beede beene in klene drümmer schlon A. Gryphius
lustsp. 260
P.; wenn ein schiff an den felsen rührt, zerstört es sich zu kleinen trümmern Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 101.
pleonastisch in zwillingsformeln: sie (
die polizeiliche ordnung) ghet schendlich zu scherben und trümmeren Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 88
b; man findt ettlich (
ehemänner), die lieszen sich eher zu trummern und stücken zerhawen, weder sie solches litten und zusehen Höniger
narrenschiff (1574) 122
a; den helm in trümmern und stücken zerschlagen Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 20; mit der weisz möcht wol die gantz h. römische kirch zu scheitern und trümmer zerfallen Fischart
binenkorb (1588) 45
a; es sihet offt sich an, als wolts alles zu drummern, zu scheittern und zu boden gehen Luther 33, 485, 15
W.; zun trümmern und scheitern gehen
pessum ire Weismann
lex. bipart. (1725) 2, 416
a. '
reststück': die ketzer haben nur 6 drumer von der heiligen geschrifft J. Nas
antipap. eins (1567) 3, 19
b; uberblibne stuck unnd drümer ausz dem achten buch der hist. Pol. Xylander
Polybius (1574) 363; a trumm vonn teufelsthurn Castelli
bei Mareta
österr. volksspr. 15. A@3@a@bβ)
von stücken, die in bestimmter grösze von einem ganzen abgetrennt werden; häufig von tuchstücken, auch tuchresten: so ger ich, liebes veterlin, des andern drumes, daz si min, daz ab dem kotzen ist gesniten
vom kotzen v. 166
bei Mailath-Koffinger
Koloczaer codex altdt. ged. 149; jeder man sol mit im füeren ein altez sidin dron
d. gr. rosengarten 243
bei v.
d. Hagen-Primisser
d. helden buch; wer ganze tuch verkauffet oder als vil drumer versneidet, die eyn tuch bringend (1497)
mon. Boica 10, 576; von rohtcremesin und saflorfarbatlasen trümmern ist mir noch nichts zu handen kommen (1592) Paumgartner
briefw. 158; er findt den h. Martinum, welcher mit dem bloszen degen ein trumm von dem mantel schneidet Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 407; jedoch hat das oberhaupt oder der oberste in dieser sect ... diesen vortheil unter den seinigen, dasz er ein trumm tuch um das haubt haben darff J. Chr. Beer
Asia (1681) 1, 18
b; drum
überrest von einem stück tuch Überfelder
kärntn. 80,
vgl. drimchen
schwarzseidenes schleiertuch vor dem gesicht der frauen, in der kirche in die höhe geschlagen rhein. wb. 1, 1524. —
mit dem beisinn einer maszeinheit: vier trümmer spitzen
ganze stücken von einer bestimmten ellenzahl Krünitz (1846) 189, 42.
vom abgeschnittenen stück eszware, wobei —
wohl unter einwirkung von 4 —
oft an ein besonders dickes stück gedacht wird (
wie auch bei ende),
vgl.ds is kan stuck mehr, ds is schon a trumm
bei Mareta
österr. volksspr. 15: (
er) trenchierte ... die gans und legte die trümmer in der schüssel herum Joh. Riemer
polit. hasenkopf (1683) 402; ein artzt ... hat von ... der blutwurst ein trumm um das andere heruntergeschnitten Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 214;
süddeutsch mundartl. noch geläufig, vgl. z. b. trumm
stück eszwaren Überfelder
kärntn. 80; trumm brot Fischer
schwäb. 2, 423; e trum brūt Blumer
nordwestböhm. 32,
s. auch Schmeller-Fr. 1, 664: o welche pein, o welche pein, ein hungeriger schneider sein! ... jetzt lauf ich schon sechs wochen rum und finde kaum des tags ein trumm (
erg. brot) graf Pocci
komödienbüchl. (1880) 3, 9; d is a trumm kas Mareta
österr. 15; jetzt hockt er grad beim essen drin und hat a fleisch, dös gröszte trumm K. Stieler
ged. 2, 19
Reclam. stück eines (
ungespaltenen)
holzbalkens, eines baumstammes, auch für holzklotz gebraucht, vgl. auch ahd. thrum, drum
meta ahd. gll. 1, 210, 8
St.-S.: ein trum eins prückholz E. Tucher
baumeisterb. 301
lit. ver.; St. (
packte) auch dies 'trumm' (
baumstamm) und legte es sorgfältig mit dem seinen über den kanal
Liller kriegszeit. 1914/15 1, 82; '
ein kurzer klotz, der mit der axt von einem stamme gehauen worden ist, wird tromm
genannt' Hartig
forstl. convers. (1836) 848; trumm
kurzer, unbehauener und nicht gespaltener holzklotz Fischer
schwäb. 2, 423,
vgl. Schmeller-Fr. 1, 663,
bad. wb. 576
f., Seiler
Basler ma. 87,
rhein. wb. 1, 1523; drumm
m. '
dickes endstück, baumstumpf, stücke eines der quere nach zersägten baumstammes' Mensing
schlesw.-holst. 1, 879, Schumann
Lübeck 23
u. 41: bei den buchen finden sich mehrere trumme zu hauklötzen geeignet (
auktionsanzeige)
Gieszener anzeiger v. 18. i. 1871; irgendein im walde gefundenes trumm holz H. Carossa
geheimnisse (1936) 48.
von einem baumstumpf, vgl. '
überrest eines baumstammes, dicker baumstumpf'
rhein. wb. a. a. o.: aus dem trumm, wie aus einem krater, blühte die herrlichste blume empor Immermann 1, 197
B.; und dein stamm (
des weiszdorns), der hohle trumm, voll gesumm ist ein aufenthalt der bienen Freiligrath
ges. dicht. (1877) 4, 146.
als teil einer bodenfläche, auch für ein bestimmtes landmasz: quattuor partes (
agri), quod vulgariter dicitur trumer (1200)
mon. Boica 3, 511; (
der feldbau) enthält 118 pief. und 7 trümmer R. Zierngibl
gesch. d. probstey Hainspach (1802) 475; drume
zwei grundstücke, die mit der kopfseite zusammentreffen rhein. wb. 1, 1524; tromm
ein stück von einer fläche, die ein- oder mehrmal quer durchschnitten worden Schmidt
westerwäld. 268; trumm
ackerteil Schön
Saarbr. 212; dromm
ein haubergstück Heinzerling-Reuter
Siegerl. 49.
als teil einer geometrischen figur: nym das trum des circkels im 7 ecke zwischen 1 2 und teyl das in zwey gleiche felt Dürer
befestigung der städt (1527) e 3
a; es ist auch viel seltsams maswercks, durch die drümer des circkels zu reyssen
underweysung d. messung (1525) e 4
a.
teil eines fischnetzes, dann auch für die entsprechende länge als masz, vgl. Schmeller-Fr. 1, 663: stangen ..., von welchen aus man zwey trümer weit (ein trum zu 45 klafter) ... in den see fahren (
darf) Westenrieder
beschreib. d. Wurmsees (1784) 135. A@3@bb)
auch in allgemeiner, ins abstrakte übergehender verwendung für '
teil, stück'
eines ganzen, wobei die vorstellung des zerlegens zurücktreten kann: wer das ganze veracht, gewiszlich auch das trumb verlacht J. Nas
schutzpredigt (1589) 10; Aristotelem, wellicher gewiszlich ein guten trumb von der redlichen teutschen art gehabt musz haben Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 597.
abschnitt eines berichts, einer erzählung: ein ander trum von sicilischen sachen Xylander
Polybius (1574) 391; a wildererstuckl in 3 trumm K. Stieler
ged. 2, 54 (
Reclam); vielleicht lesen sie (
anrede) dann das gröszere trumm des romanes L. Thoma
briefe (1933) 1, 414.
strecke eines weges, vgl. drum stück weges Hintner
tirol. 44; e guets trumm, e ganzs trumm näher, ferner
u. ähnl. Schmeller-Fr. 1, 663: und nacha san ma weitergfahrn so a kloans trumm K. Stieler
ged. 4, 47 (
Reclam).
anders in der redewendung in einem trumm '
in einem fort, ohne unterbrechung'
mit der vorstellung des zusammenhängenden gröszeren stücks eines zeitraumes: wan mer in eym trumm lauter soliche ... brieffen schreyben thuet J. J. Schwabe
tintenfäszl (1745) 52; wer bei einem gröszeren werke in einem trumm alle seine vorstudien machen will W. H. Riehl
dtsche arbeit (1861) 296; in en trumm fort Ruckert
unterfränk. 185,
vgl. auch bad. wb. 576
b, Fischer
schwäb. 2, 422,
rhein. wb. 1, 1524; in einem trumm Schöpf
tirol. 761.
als unbestimmte mengenbezeichnung, mundartlich abgeblaszt '
etwas': a drum leichter Hintner
tirol. 44; soll warten a trumm S.
Wagner Salzburga bauernsanga (1847) 45. A@44)
jung und namentlich dialektisch tritt trumm
als bezeichnung für einen klobigen, dicken, groszen gegenstand auf, anscheinend vom holzklotz und baumstumpf her (
s. 3 a
β)
übertragen: mit dem stein und dem mächtigen trumme des berges Voss
Äneis (1799) 10, 697; der felsen hätt gehorcht des kindes stimme ..., gespalten sich in rund, viereckte trümme Immermann
schr. (1835) 3, 65; jenes bräunlichgraue trumm, dessen gipfel da hervorragt, ein überrest der säule (
des Constantin) G. H. v. Schubert
reise ins morgenl. 1, 153; sie sprang flink wie ein reh von einem trumm (
sarkophag) zum andern
M. Hartmann
ges. w. (1873) 4, 330; sa büchsen is a trum, awa schoiszt oda haut er, eins purzelt hald um! Frz. Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 1, 121; er hätt was gefunden, zum wenigsten denk ich, ein trum gold Rosegger
schr. (1895) I 1, 140; einem götzen habt ihr gehuldigt, einem toten trumm eisen H. Watzlik
pfarrer von Dornloh (1930) 69; ɐ drum rous
ein groszes pferd, ɐ drum dīsch
ein groszer tisch (
mundart v. Wadetstift im Böhmerwald); drumm '
grosze säge'
rhein. wb. 1, 1524
scheint verkürzt aus trummsäge (
s. dort).
mundartlich von einem kurzen, dicken menschen; besonders von frauen, oft mit verächtlichem beiklang, vgl. a rachts trumm
ein tüchtiges, festes, plumpes weibsbild Ruckert
unterfränk. 185; en korten drum
eine kurze person Schmidt
westerwäld. (1800) 268; trumm
von einer dicken, auch nichtswürdigen weibsperson Schöpf
tirol. 761; trumm
grosze starke person Unger-Khull
steir. 177;
auffallend stark gebaute person bad. wb. 577
a;
anders langes trumm
grosz gewachsene person Fischer
schwäb. 2, 423: du boshaftes trum A. Meisl
theatral. quodlibet 1, 22; du liadalis trumm A. Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österr. (1889) 262; wenn man bedenke, was so ein trumm frauenzimmer für gewand brauche Rosegger
nichtsnutzig volk (1907) 193; ein teufelsmäszig sauberer brocken war das weibsbild, ein ordentliches trumm L. Thoma
ges. w. (1927) 3, 446. BB.
seit Klopstock
hat sich der plural trümmer
mit der bedeutung A 3 a
α in poetischer sprache eingebürgert, von wo aus das wort als plurale tantum in die hochsprache überging; als singular ist trümmer
heute ungewöhnlich (
s. sp. 1337),
doch von der mitte des 18.
bis zum ende des 19.
jhs. nicht selten bezeugt. in dichterischer sphäre erhielt trümmer
einen neuen pathetischen klang, indem es besonders auf reste bedeutend erscheinender dinge, groszer bauwerke, riesiger naturschöpfungen, schöner körper u. s. w. angewendet wurde, deren überbleibsel den charakter des erhabenen an sich tragen und mit dem elegischen gefühl betrachtet werden, das dem gedanken an entschwundene grösze anhaftet. später erweitert trümmer
seinen anwendungsbereich, bleibt aber ein wort literarischer sprache, vgl. bad. wb. 576
b. B@11)
in dem oben gekennzeichneten besonderen sinne. B@1@aa)
von überresten groszer bauten, oft wie ruinen
gebraucht, so auch im singular: ... auf der flammenden trümmer seines tempels ... Klopstock
Messias (1780) 172; die moosigte trümmer, auf welche die linke sich stützte Denis
lieder Sineds (1772) 3; fürchterlich erhaben, gleich einem gedächtnishügel, den die menschen aus prächtigen trümmern verwüsteter paläste und tempel zusammen getragen haben Klinger
w. (1809) 7, 108; schwermüthig auf den trümmern der vorwelt zu sitzen, mag eine malerische stellung seyn Herder
w. 16, 51
S.; oft sitz ich hier, getreu den alten tagen, auf einer trümmer, ihren fall zu klagen Freiligrath
w. (1892) 4, 186; die trümmer des alten schlosses Dürande sehen über die wipfel in die einsamkeit hinein Eichendorff
s. w. (1864) 3, 295; die trümmer griechischer baukunst G. Keller
ges. w. (1889) 2, 27. trümmer
einer stadt: die beschreibung der drümmer und bruchstücke einer vormals so prächtigen stadt, als Palmyra gewesen Gottsched
d. neueste (1751) 6, 173; ich aber will in Orleans, meines vaters stadt, mich werfen, und unter ihren trümmern mich begraben Schiller 13, 207
G. stehende verbindung ist schutt und trümmer: ... alle balken und decken sie sind schon lange verbrannt, und trepp und gang und capelle in schutt und trümmer verwandt Göthe 1, 93
W.; ... das haus sinkt!fort, zurücke! heiland der welt!da liegts in schutt und trümmern H. v. Kleist
w. 2, 267
E. Schmidt; im bilde: will mit der that gewuchtgen donnerschlägen ihr reich in schutt und trümmer legen H. Arent
mod. dichterchar. (1885) 95. B@1@bb)
von zerstörten schöpfungen der natur, mehr oder weniger mit emphatischem klang: und er hob den stehenden fusz von der trümmer der sonne, er, den die sprache der erde, die mich gebahr und begräbt einst, sohn des ewigen nennt und wort des vaters (
d. h. Christus) Lavater
poesieen (1781) 2, 10; auf den trümmern des zerstörten erdballs v. Cronegk
schr. (1766) 2, 176; geborsten steht die trümmer der ewgen höh des erdbaus Herder
w. 27, 405
S.; auf die trümmer der welt ... hinzuschwindeln im taumel Schiller 1, 41
G.; wilde trümmer groszer steinmassen Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 6, 413; unter den trümmern zusammengestürzter berge H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 240. B@1@cc)
in der zweiten hälfte des 18.
jhs. bis in den anfang des 19.
poetisch auch von überresten des toten menschlichen leibes und von überbleibseln körperlicher schönheit, meist deutlich mit gefühlvoll-melancholischem stimmungsgehalt: freue dich deines todes, o leib! in den tiefen der schöpfung, in den höhen der schöpfung wird deine trümmer verwehn! Klopstock
s. w. (1823) 1, 127; ernster, in tieferer todesbetrachtung, meid ich die halle stets noch, in welche dem thron Friederichs trümmer entsank
oden 1, 177
M.-P.; wo ruht er nun, der bruder meines geistes? wo scharrten sie des edlen trümmer hin? Schubart
ged. (1825) 2, 310; wenn noch irgendwo die heilige trümmer eines patriarchen ruhet Herder 7, 234
S.; schöne wangen werden trümmer Gleim
w. 3, 184
Körte; in den trümmern deiner schöne seh ich dich verlassen gehn Schiller
w. 1, 308
G. etwas anders: trümmer ist der wesen schöne hülle Hölderlin 1, 107
Litzm.; B@22)
auch in andere sachbereiche übernommen, was durch gebräuchliche verbale verbindungen der bedeutung A (
s. unten C)
unterstützt wurde, die an der neuen färbung des wortes teilnahmen. B@2@aa)
im allgemeinen sagt man trümmer
nur von resten bedeutenderer oder gröszerer gegenstände; von teilen eines wracks: trümmer des schiffes lagen im sande zerstreut S. Geszner
w. (1778) 2, 73; und langsam schwimmt er mit der trümmer auf ödem glitzerndem kristall A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 319;
von waffen: Folkos lanze war in tausend trümmer auf seines gegners brustharnisch zerstoben Fouqué
zauberring (1812) 1, 23; Nothungs trümmer zertrotzt er mir nicht R. Wagner
ges. schr. (1897) 6, 86.
reste unscheinbarer dinge werden seltener als trümmer
bezeichnet (
anders dagegen in älterer sprache, s. A 3 a
α): in trümmern von dem glas sucht er den kühnen stein Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 30; die trümmer zerbrochener scheiben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 382; die frau vom haus zog mir (
apfel) die haut ab und schnitt mich erbärmlich in trümmer Ph. Hafner
ges. schr. (1812) 1, 73; die trümmer eines augenblicklichen, leichten und falschen putzes Göthe 21, 88
W.; ungewöhnlich: jene blume hatte sie zerpflückt, das junge volk war über die trümmer hingetanzt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 235.
geologisch vom felsgeröll: trümmer des gneisfelsens Roszmäszler
d. wald (1863) 28,
vgl. auch trümmerabhang, -ablagerung, -bett, -erde, -geschiebe
u. s. w. B@2@bb)
oft von resten groszer besitztümer, politischer mächte, militärischer kräfte u. s. w.: (
die) reisenden ... brachten nur wenige trümmer ihrer besitztümer davon Göthe 22, 41
W.; eine grosze menge angesehener familien wanderten mit den trümmern ihrer habe aus Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 19. auf den trümmern des mächtigsten reiches
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 3; was werden die groszen trümmer Ruszlands tun? Hindenburg
aus m. leben (1920) 392; das einfachste wäre, die trümmer des alten adels zusammenzuraffen Görres
ges. br. (1858) 3, 47; die trümmer des latinischen heers Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 516; ihre (
der portugiesischen bataillone) trümmer tragen die panik bis tief in die englische etappe hinein W. Beumelburg
sperrfeuer um Deutschland (1929) 444. B@2@cc)
mit abstrakten verbunden, besonders solchen, die einen glücklichen zustand des daseins bezeichnen: die trümmer seines glückes stahl ihm bosheit Gotter
ged. 1, 218; vor den trümmern seines familienglückes
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 33;
ähnlich: trümmern des vorigen lebens Jean Paul I 6, 479
akademieausg.; jene trümmer alten glanzes E.
M. Arndt
s. w. 1, 55
R.-M.; die alte (
kaiserin) Augusta, der trümmer einer besseren zeit (1890) Mommsen in:
M. u. Wilamowitz, briefw. 1872 -1903 (1935) 385; die letzte trümmer ihres guten namens Herder
w. 9, 99
S. B@2@dd)
von resten geistig-seelischer erzeugnisse und kräfte: über der gedanken trümmer schwillt sie hin, der wünsche flut O. Ludwig
w. 1, 45
E. Schmidt; die trümmer gescheiterter hoffnungen J. J. Engel
schr. (1801) 2, 286; der verstand leuchtete über den trümmern des gemüts Hölderlin
w. 2, 90
Litzmann; die ehrwürdige trümmer eines weiland treflichen kopfes D. Schubart
leben u. gesinn. 1, 174;
vergleichbar: einige trümmer und ferne dämmerungen jenes geistigen lichtzustandes Hegel
w. (1832) 7, 1, 15; eine letzte trümmer von geistestätigkeit Justi
Winckelmann (1866) 1, 456. B@2@ee)
überbleibsel geistiger schöpfungen, sprachen, dichtungen u. ähnl.; bildhaft: und in öden dunkeln trümmern der alten Celtensprache Klopstock
oden 1, 202
M.-P.; abstrakter: die trümmer dieser sprache Novalis
w. 4, 40
Minor; die trümmer attischer cultur G. Forster
s. schr. (1843) 5, 233; reste des heidnischen cultus haben sich lang erhalten und elende trümmer von liedern W. Scherer
literaturgesch.7 13. CC. trümmer
in festen präpositionalen verbindungen mit bestimmten verben; zunächst in der alten bedeutung A,
seit dem 18.
jh. mit dem neuen klang von B. C@11)
verbindungen mit dem sinn '
zertrümmert werden'
und übertragen '
zugrunde gehen'. C@1@aa)
zu trümmern
und in trümmer
gehen, fallen, brechen u. ähnl.; zu hält sich vereinzelt noch bis in den anfang des 19.
jhs., wird aber schon im 18.
von in fast ganz zurückgedrängt: (
das schiff,) so zuo trümern ginge, als wer es eytel glesere gewesen Arigo
decam. 75, 25
lit. ver.; dan wo ein her nach seinem tollen kopff regiret und seinem gutduncken folget, der ist gleich wie ein toller furman, der mit pferd und wagen stracks zurennt, durch pusch, hecken, graben, wasser berg und tal, ..., der wirt nit lange faren, es wirt zu trummern gahn Luther 6, 261
W.; die schaafssaite viel eher dann die andere zu trümmern gehe v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 343
a;
im 16./17.
jh. auch von personen '
zugrunde gehen': da die mutter uber den kindern zu drümmern gieng Luther
bibel 4, 375
Bindseil-Niem.; bleibt Christus wort in ehren stehen, so musz der bapst zu drümmern gehen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 4
b; es möchte wohl gar die ganze heyrath in trümmer gehen Ayrenhoff
w. (1814) 3, 6; horch! wieder ein schlag, als ob die welt in trümmer gehen wollte K. Biernatzki
bilder (1856) 5, 19; die groasse prugge (
ist) in drümber gang Lexer
kärnt. 73. dasz ... land und leute zu trümmern gefallen H. v. Schweinichen
denkwürd. 169
Österl.; er spricht, so fällt die welt zu trümmern Drollinger
ged. 29
Spreng; und bricht entzwei die alte welt, vom stosz zusammengedrückt: viel besser, dasz sie in trümmer fällt, als dasz sie schlafend erstickt
M. graf Strachwitz
ged. (1850) 11; die kleinen särge ... waren schon in trümmer gefallen Storm
w. (1899) 3, 181. aus einer pleiden, die prach zu trumeren und schlug wol 6 menschen zu tot (
zum jahre 1428)
städtechron. 2, 18; die markgrävin sprach: wenn das gschech, zu drümmern all mein hertzlayd brech Hans Sachs 2, 233
K.; poetisch oft mit sinnkräftigeren verben, wobei die neue färbung von trümmer (B)
besonders hervortritt: Roma, die riesin, stürzte in trümmer Schubart
s. ged. (1825) 2, 62; eure schöne stadt zu trümmern stürzt! Bürger
w. 164
a Bohtz; mag die welt zu trümmern fahren E.
M. Arndt
w. 5, 93
R.-M.; Magentas ruhm in trümmer sank
bei Böhme
volksthüml. lieder d. Deutschen 60; keine stunde hielt es an, bis die mühle borst in trümmer Mörike
ges. schr. (1905) 3, 41.
vgl. auch in trümmern liegen: heutzutage liegt die burg beinahe in trümmern A. Stifter
s. w. (1904) 2, 7. C@1@bb)
unpersönlich konstruiertes an (die) trümmer gehen
mit dativ der person im sinne von heutigem '
es geht einem ans leben'
bleibt auf das ältere nhd. beschränkt: Sebald Gutte der was frumer denn ir all seit im rat, wie wols im ging an drümer (
v. j. 1504)
bei Liliencron
hist. volksl. 2, 514; ich geh umb, mich hart grem und kümmer, denn meim junckern gehts an die drümer J. Ayrer
w. 2231
K. C@22)
zu trümmern
und seit dem späteren 18.
jh. meist in trümmer schlagen;
umgangssprachlich in jüngerer zeit durch zertrümmern
zurückgedrängt, doch als besonders anschaulicher ausdruck noch in gebrauch: ich will dir dein haubt zu drummern schlahen
fastnachtspiele 421, 18
K.; er schlug sein schwert zu trumern Ludw. v. Eyb
Wilwolt v. Schaumburg 70
lit. ver.; man fehrett mit gewaltt und wils alsz uff ein mahll zcu drummern schlahen Egranus
pred. 88
Buchwald; aber selbst himmel und erde soll sagen, wann sie mein donner zu trümmern wird schlagen Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 368. das ganze prachtgebäude der menschlichen kräfte in trümmer schlagen Herder 5, 69
S.; die slawische majorität ... hätte immer noch lieber den ganzen staat in trümmer geschlagen als dem bundesgenossen die geforderte hilfe gewährt A. Hitler
mein kampf 178;
im älteren nhd. auch mit andern verben, vgl. zu trymmen knützschen S. Brant 105
Z.; zu drümmern schmettern Luther 28, 646
W.; zu trümmern reiszen H. Sachs 13, 503
K.