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tief

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tief adj. und adv.

Bd. 21, Sp. 480
tief, adj. und adv. , gegensatz zu hoch. II. adj. gemeingermanisch, goth. diups, alts. diop, ags. deóp, mnd. dêp, altn. diupr, ahd. tiuf diuf, tiof diof, deaf, teof, tief, mhd. tiuf (s.teuf), tief, md. tîf (darnach die schriftdeutsche aussprache des wortes) aus einer wurzel dup dûp (goth. vorauszusetzen ein diupon daup dupum sich senken, tauchen, s. taufe, taufen), indogerm. dhub dhup, dheub dheup, wozu auch lit. dubùs tief, hohl, altsl. duplĭ hohl, gehört. Feist nr. 127. vgl.tobel und tümpel. I@11) im eigentlichen sinne I@1@aa) von oben weit nach unten (unter die oberfläche) ausgedehnt, sehr niederwärts sich erstreckend: weder hohes noch tieffes m. 8, 39 (noch die hoch noch die tief cod. Tepl.); thiu fuzze teof ist (puteus altus est). Tatian 87, 3; ther puzz ist filu diofêr. Otfrid 2, 14, 29; er macht das das tieffe meer seudet wie ein töpfen Hiob 41, 22; dem were besser, das ... er erseufft würde im meer, da es am tieffesten ist. Matth. 18, 6 (daʒ er gesenkt werd in die tief des meers cod. Tepl.); dann wöllen wir abfahren auf dem tieffen meer. H. Sachs 12, 422, 28; den hammer werf' ich in den tiefsten see. Schiller 14, 289 (Tell 1, 3); wie man die see immer tiefer findet ie weiter man hineingeht. Göthe br. 2561 (8, 146); des sees tiefe wasser. Bodmer Karl v. Burgund 25, 27 neudruck; tieffer wasserflusz, flumen altum Maaler 402b; stille wasser sind gern tief. Stieler 2279. Wander 4, 1813 f.; ein entsaftet land, das ... ... die tiefen risse zeigt. Fleming 27; tief loch, vorago Denzler 286b; (er) masz auch nit, wie tief wer das loch. S. Brant 66, 35; was meinst du, ist das loch wohl tief? Gellert 1, 205; tiefe kluft buch d. l. 184d; eine sehr tiefe höle, spelunca infinita altitudine Stieler 2278; die tiefsten schächte. Kant 9, 158; ich rait durch gräben und tieffe mos. Kaufringer ged. 3, 589; Jerusalem ward ... mit vast tieffen klingen, gräben und thälern umbgeben und verwart. Rauwolff reise 328; dann sie in tieffen thälern saszen. Murner En. (1559) H 2b; in einem tiefen grunde, ... da durch ir wege gingen. Bocc. 60, 38 K.; ein tiefer weg, ein hohlweg. städtechron. 10, 195, 27 (vom j. 1452), ein mit tiefem kothe bedeckter, morastiger weg: der wec wart finster und tief. Iwein 5791; die weg wurden allenthalben so tief B. Zink 10, 9; tief und kothig weg 147, 2; die strasz war sehr kotig und tiff. H. Sachs 17, 365, 4; tiefer morast, palus profunda Aler 1898a, koth Haller tageb. 123 Hirz.; tieffer schnee, nix ineluctabilis Aler 1898a. Bocc. 61, 11 K.; tiefer staub (bildlich) Schiller 3, 310; tiefe (tief eindringende) wurzeln schlagen 6, 110; tieffere furhen machen, altius imprimere sulcum Maaler 402b; tiefe (gegensatz seichte) schüssel, gabata Stieler 2279, wunde, vulnus altum. ebenda; hei was er tiefer wundendurch die helme sluoc! Nibel. 1882, 2; bildlich mînes herzen tiefiu wunde diu muoʒ iemer offen stên. Walther 74, 16; die wunden sind tief. Klopstock 10, 236. tiefliegend: wir glaubten unter uns einen see zu erblicken, in dem ein tiefer nebel ... das ganze thal ausfüllte. Göthe 16, 227; tiefe augen, oculi depressi Stieler 2278; sîn (des rosses) ougen tief,die gruoben wît. Parz. 256, 23; das tiefe haus des rauches, die hölle Zigler Banise 200, 5 Bobert.; des tiefsten kerkers kluft (das grab). Gryphius lyr. ged. 350 P.; im tiefsten thurme (gefängnisse) das leben ausschmachten. Schiller 2, 137; die tiefsten (dem mittelpunkte nächsten) materien Kant 8, 303; bergmännisch das tiefste, der unterste tiefste theil eines grubenbaues, der tiefste bau in einem bergwerke, der unterste theil einer lagerstätte. Veith 492 f.; bis gott im ... sein tiefstes bescheret. Mathesius Sar. 128b; mit maszbestimmung: der ort ist wol sechs elen tief Stieler 2278; hoch herab, tief hinabfallend: das dünne wasser (des staubbaches) theilt des tiefsten falles eile. Haller die alpen v. 355; hinter den groszen höhen folgt auch der tiefe, der donnernde fall. Schiller 14, 24 (braut von Mess. 1, 3); tiefe ebbe im gegensatze zur hohen flut (bildlich) 13, 192; mhd. weit herabhängend, lang: ouch gap der künec ... sô manegen rîchen manteltief unde wît. Nib. 1309, 2; der phelle (des sattels) was ze rehte tief. Erec2 7586. eine tiefe neigung, verbeugung (des hauptes, nackens, oberkörpers u. s. w.): ein tieffe nidernaigung herzmaner 10b; während der tiefsten verbeugung, in der ich vor ihnen stand. Thümmel reise 1 (1791), 118. I@1@bb) in wagerechter richtung (von vorn nach hinten) sich weithin erstreckend: daʒ tiefe gevilde. Lanzelet 7097; dô riten si von dannen in einen tiefen walt. Nibel. 869, 1; in das tief meer (auf die hohe see) faren Maaler 402b; nautisch tief in see sein (holl. diep in zee sijn), die offene see haben Bobrik 690b; fackeln in der tiefen strasze (weit hinten am unteren ende der strasze). J. Paul Tit. 2, 107; die (eis-)höhle ist weit, tief Göthe 16, 248; (wenn sie) am feuer in der tiefen halle sasz. 9, 29 (Iphigenie 2, 1); sie sahen in die tiefe (in den saal hinein vertheilte) versammlung. Klopstock Mess. 4, 228; mit angabe des maszes: die bühne, das zimmer ist zwanzig fusz tief u. dgl., mhd. auch breit: funfzic clafter tief aneg. 23, 18, s. Bezzenberger beitr. 3, 83. I@22) uneigentlich, manchmal in einander übergreifend. I@2@aa) ins innerste eindringend, auf den grund gehend, ergründend: tiefe meisterschaft, die an ir sinnen was behaft. pass. 296, 29 Hahn; tieffe gedanken (vergl. e), cogitationes acerrimae, attentissimae Denzler 286b; in tiefen gedanken sein Ernstinger raisbuch 185, sitzen Göthe 23, 65; tiefen gedanken geweiht und ernster betrachtung. Klopstock Mess. 1, 596; ein tiefer denker, forscher u. s. w.: des tiefen untersuchers geist. Klopstock od., krit. ausg. 2, 16; aller künste tiefe kenner. Gotter 1, 198; Ekhof war es, der dem tiefen Britten, dem leichten Gallier den lorbeerzweig entwand! 343; den tiefsinn kann einzig der tiefe verstehn. Geibel juniusl. 369. I@2@bb) gleichsam tief (ins herz, ins mark) eindringend und dadurch wie eine tiefe wunde schmerzend; von sorgen und leiden, die heftig, sehr grosz und stark sind: tiefer schmerz, tiefes leid, elend, tiefer kummer, jammer, tiefe sorge u. s. w.; dâ ich von mînen sorgen tief gefrîet was. Konrad troj. krieg 18928; der vater in tiefer trauer. Moritz A. Reiser 700, 23 neudruck; das tiefste leiden Schiller 3, 402; in seinen augen kämpften heiszer groll und heiszer jammer. C. F. Meyer Jenatsch 33. I@2@cc) vom innersten (nicht offenliegenden, geheimnisvollen) leben und empfinden: (gehorsam,) welcher rührt aus des hertzens tiefen hölen. S. Dach 568; sprach er aus tiefem gemüt Steinhöwel Es. 88b; tiefe gemüther sind genöthigt, in der vergangenheit so wie in der zukunft zu leben. Göthe 25, 98; was sinnst du mir, o könig, schweigend in der tiefen seele? 9, 87 (Iphigenie 5, 3); sein tiefes, verschlossenes herz 20, 255; tiefst, tiefinnerst: ich habe dir mein tiefstes herz entdeckt. 9, 21 (1, 3); da der jüngling ... in das tiefste herz mir schaute. Schiller 14, 55 (braut von Mess. 2, 1); verhaszt in tiefster seele bist du mir. 13, 276 (jungfr. von Orl. 3, 9); des groszen wink im tiefsten marke (vgl.mark 3, e) spüren. Eichendorf ged. 165; meines busens tiefstes innres leben. W. v. Humboldt sonette 291. elliptisch: im tiefsten (= im tiefsten innern, s. inner 2, b und tiefinnerst): im tiefsten froh Göthe 4, 23; ward die gemüthsruhe des knaben im tiefsten erschüttert. 24, 41; ich hatte das schönste herz in seinem tiefsten verwundet. 26, 118. I@2@dd) sonst von inneren, starken empfindungen und leidenschaften: tiefe hoffnung Aler 1898a; tiefe wünsche der brust. J. Paul flegelj. 1, 114; tiefe freude Hesp. 3, 237, liebe Niebuhr kl. schriften 1, 47, seelenbewegung Immermann Münchh. 3, 228; tiefes mitleid schriften 4, 210, tiefstes verlangen Tieck 4, 321; tiefe herzenstrauer Göthe 31, 196; und du trägst die tiefe lücke im herzen. 10, 183; der alten götter tiefer hasz auf euch! 9, 77 (Iphig. 4, 5); tiefe sünde Gryphius lyr. ged. 3, 320 P.; das tiefste laster im gegensatze zum kleinsten Gryphius trauerspiele 674 P.; die tiefste lust im gegensatze zum höchsten ruhme. 50. I@2@ee) gleichsam eine grosze tiefe habend und deshalb unergründlich, unermeszlich oder verschlossen, verborgen, geheim, dunkel; geheimnis- oder bedeutungsvoll. I@2@e@aα) von gott (dem unergründlichen) und seinen werken, worten und gedanken: die tiefen ding gotz cod. Tepl. 1 Cor. 2, 10; er ist tiefer denn die helle Hiob 11, 8; sein wort ist tieffer denn sein abgrund Sir. 24, 39; herr, .. deine gedanken sind so seer tief ps. 92, 6. I@2@e@bβ) sonst tiefe worte, sinne, gedanken, dinge u. s. w., vgl. a. thô er .. thaʒ gotnissi ruarta mit worton filu diafên. Otfrid 5, 8, 24; (sie) kêrte dô mit wortezi diafemo antwurte. 2, 14, 74; unde er tiefe sinne gebirgit in sînen scriften. Notker 32, 7; er sprach von im ... diz wort und disen tiefen sin. Konrad Silv. 3215; der tiefe sinne niht verstên kan, der sol die âventiure lesen. Thomasin w. gast. 1108; du hâst mir hiute disen tac geseit von tiefen dingen, von vier kreften, von vümf sinnen, und einlef künsten. 9665; (sie las) tiefe rede von der minne. minnes. 2, 298a; dise rede ist ein tief rede und hât vil grôʒ bezeichenunge. Schönbach altd. pred. 1, 125, 5; er (gott) offenbart was tief und verborgen ist. Dan. 2, 22; es ist seer tieffe, wer wils finden? pred. 7, 25; hie merke die tieffe geheimnis. J. Böhme morgenr. cap. 3, 29; also ist dein raht .. so tief. Weckherlin 314; des propheten tiefstes wort. Göthe 3, 280; einen sehr tiefen sinn hat jener wahn. 31, 151; eure antwort legt dem loose, das diesem hause endlich gefallen, einen so tiefen als schrecklichen sinn bei. Klinger betr. (1803) 1, 326; ernste tiefe gesänge Lenz ged. 59 Weinh.; mann, der mit meinem vater so tiefe dinge sprach. Klopstock 9, 330; ich musz dir die tiefsten sachen sagen. Bettine br. 1, 208; er denkt gar zu tiefe sachen. Schiller 12, 40 (Wallenst. lager 9); tiefstes geheimnis 6, 110; die tiefsten geheimnisse der kunst. Klinger betr. (1803) 1, 94; den geheimen wegen einer tiefen natur nachzuspüren. Bettine br., zueignung; nur der grosze gegenstand vermag den tiefen grund der menschheit aufzuregen. Schiller 12, 7 (Wallenst., prolog); subst. das tiefe im gegensatze zum hohen (erhabenen): wenn eine zeit in der kunst für das hohe und tiefe schwärmt, so ist der geschmack verdorben, denn der wahre sinn ... für das tiefe und hohe ist immer nur das vorrecht einzelner begabter, die andern beten nach. Grillparzer2 9, 83. I@2@ff) wie aus tiefem grunde, aus dem innersten kommend, heraufgeholt: ein tiefes gefühl s.gefühl II, 5, e, γ und tiefgefühl; tiefer seufzer Maaler 402b; dô holte der arme Heinrich tiefen sûft von herzen. Hartmann a. Heinr. 379; er (der beichtvater) beschlosz mit einem tiefen und heiligen seufzer. Schiller 3, 562; höre mein tiefes gebet. Klopstock Mess. 8, 55. I@2@gg) sonst als gegensatz zu hoch. I@2@g@aα) in bezug auf rang, stand und würde: ich, herr! dein tiefster unterthan. Günther 137; in tiefster ehrfurcht eines knechts. Immermann schriften 4, 167; auf einer tieferen stufe stehn u. dgl.: es handelte sich um ein herabsteigen auf eine tiefere stufe (der malerei). G. Keller ges. werke 3, 44. I@2@g@bβ) in bezug auf gesinnung und handlung: tiefe demut profunda humilitas Stieler 2279; er bleibt in tieffer demut und befilcht sich in gottes hut. H. Sachs 15, 350, 12; die tiefste (niedrigste) that. Klopstock Mess. 6, 561. tieffer dienste demuth. Logau 2, zugabe 101. I@2@g@gγ) in bezug auf stimme und ton: tiefe stimme, vox gravis, depressa Stieler 2279. Denzler 286b; nie hatte er eine so tiefe ernste stimme gehört. Arnim kronenw. 1, 48; buszgesang in tiefen traurigen tönen. Moritz A. Reiser 404, 2 neudr. (s. auch ton); basso, tiefste singstimme Kürzinger unterricht zum singen (1792) 6; den tiefsten pasz her schnarchen. der hausball 22, 14 neudruck. I@2@g@dδ) vom satten ton der farbe, besonders von einem hohen grad des dunkels (tief oder vinster, teter. voc. 1482 gg 5b): der himmel war ganz klar .., das blau viel tiefer als man es in dem platten lande gewohnt ist. Göthe 16, 299; über mir das erhabenste tiefste blau. J. Paul holzschnitte 139; der untreu wird die treu entgegengesäzt, wie das höchste licht dem tiefsten schatten. Butschky Patm. 195 (145); der tiefste schleier deckt unser geheimnisz. Klinger 2, 45; doch er flieht zur tiefsten dunkelheit. Lenau 2, 229; der tiefe wald (1, b) kann auch den dunklen dichten wald bedeuten: in den tiefsten wald fliehen. Lenau 1, 329. I@2@hh) die tiefe nacht (A 2, b, β) ist die weit vorgerückte, finstere nacht: da ist man ... in die tiefe nacht ... im schwarm geblieben. Schuppius 105; als es noch war tiefe nacht. Fleming 419; (ich sehe dich) in tiefer nacht, wenn auf dem stege der wandrer bebt. Göthe 1, 65; dasz er (sternenglanz) die tiefe nacht zerstreue. W. v. Humboldt sonette 69; bildlich: sei glücklich, geh, mich lasz in tiefster nacht (s.nacht B, 3, b, β). Schiller 13, 290 (jungfr. v. Orl. 4, 2). I@2@ii) tiefer oder starker schlaf, sopor altus Maaler 402b; tiefer schlaf hat über seine augen sich ausgebreitet. Geszner 1, 143; als alles um dich her in tiefem schlaf begraben lag. Schiller 13, 215 (jungfr. v. Orl. 1, 10). tiefe stille (still wie in einer tiefe), altum silentium: dise tîfe stille. Jeroschin 12572; tiefe stille herrscht im wasser, ohne regung ruht das meer. Göthe 1, 73; die todtenstille wird immer tiefer. 17, 364; eine lange tiefe stille (pause) Schiller 5, 1, 182, tiefe pause 2, 180. 187. 194; tiefes schweigen folgt seinen worten. Freytag ges. werke 8, 172; tiefe ruhe, tiefer friede (der auf tiefem grunde ruht, sicher und dauerhaft ist) summa quies, placidissima pax: als waltete im reich der tiefste friede! 13, 189 (jungfr. von Orl. 1, 1). I@2@kk) zeitlich weit zurückliegend, gleichsam im dunkel der vergangenheit: so hatte sie einst in der tiefen kindheit gesagt. J. Paul flegelj. 3, 65, vgl. tiefliegend. IIII. adverb nach den bedeutungen des adjectivs: ahd. tiupho diofo tiefo, mhd. tiefe tief, alts. diopo deopo diapo, ags. diópe deópe, mnd. dêpe. II@11) im eigentlichen sinne. II@1@aa) senkrecht nach unten: (den tod hat) thiu hella ... diofo firswolgan (tief hinabgeschwelgt). Otfrid 5, 23, 266; er schriet in tiefe in daʒ verch. Rabenschlacht 810; (bildlich) daʒ Hector ... nâch hôhem prîse tiefe gruop. Konrad tr. krieg 4007; tret si mit den füeʒentiefer in daʒ bluot. Nib. 2056, 3; er gieng da mitten in dem meer gantz tief hinein. Murner En. (1559) K 3b; die stillen wasser fressen tief. H. Sachs 8, 277, 3; dasz wir die felder bauen, nach ehr' und güttern stehn, tief in das erdreich gehn. S. Dach 453; was nit tief sein wurtz setzt, das felt leicht ab. Frank sprichw. 1, 106b; (bildlich) tugend die tief eingewurtzlet hat Maaler 402b; dann sie (unzüchtige sitten) sind so ... tief eingewurtzelt. Scheidt Grob. s. 3 neudruck; fundament tief in grund gelegt. Maaler 402b; (bildlich) die moralische welt, die so tief, tief auf der physischen ruht. Klinger betr. (1803) 1, 181; der pfeil ist tief eingedrungen, der stich ist nicht tief kommen. Stieler 2278; tief eindringender pflug. Voss Virg. georg. 1, 45; tiefer hinunter gehen, altius descendere Steinbach 2, 814; viele klafter tief untersinken Tieck Troil. u. Cress. 1, 1; dasz er tief (von schnee und eis) bedeckt liegt. F. Müller 1, 22; er liegt tief im nest. Göthe 1, 156; tief habe ich diese hand getaucht in blut. Schiller 2, 334 (räub., trauersp. 5, 8); wenn du .. eine thurmhöhe tief unter dem boden im kerker liegst. 3, 417 (kab. 2, 6); tief lag ich in bangen gemäuern gefangen. Tieck 4, 315; es gibt tief in der erde liegende höhlen. Kant 9, 264; die tiefer unten gelegenen gegenden. 252; wir sahen den gipfel des Rigi, der tiefer hinab mit wolken umhüllet war. Göthe 43, 202. — nautisch: ein schiff, das sehr tief geht, einen groszen tiefgang hat Bobrik 690a; ein tief verbundenes schiff, wenn es in der kuhl oder über dem obersten deck bis zu seinem bord noch eine beträchtliche höhe hat 690b. II@1@bb) von oben nach unten, gegen den boden, tief neigen, beugen, bücken u. s. w., ahd. einem diofo genîgen, sich vor ihm tief verneigen Otfrid 3, 3, 28, s. neigen I, 2; mhd. wan daʒ ich tiefe nîge. Walther 18, 20; in valsche neig im tiefeder ungetriuwe man. Nibel. 830, 3; nhd. er buckt sich dief. Zimm. chron.2 4, 255, 22; sich vor einem tief neigen, profunde revereri aliquem Stieler 2279; gar tief müssen wir uns jetzund für manchen ketzer biegen. Soltau volksl. 466 (vom j. 1622); (der) sein haupt zum tiefsten bückt. Logau 2, 3, 58 v. 22; (er) neigte sich tief anbetend. Klopstock Mess. 5, 235; er bückt sich tief. Gotter 1, 159; (ich habe vor ..) tiefstens mich gebückt. Göthe 41, 155; beide verneigen sich tief. Schiller 3, 64; senket die fahnen tief! 148 (Fiesko 5, 12); den hut tief ins gesicht gedrückt. 4, 74; bildlich: du hast mich tief gebeugt, .. tief, tief vielleicht zu grabe gebeugt. 3, 477. II@1@cc) von vorn nach hinten: tief in dem wald drinnen. Rädlein 878b; sich tief ins land flüchten. Steinbach 2, 815; tief in der Schweiz. Göthe br. 338 (2, 268); die Schweden werden bis tief in Hinterpommern zurück gedrückt. Schiller 8, 384; tief drinn in der Sierra Morena zeigt man einen brunnen euch. 5, 1, 14 (don Carlos 1, 1); nicht aber für rathsam achteten jene tiefer ins land zu spähen. Voss Od. 14, 356; ferne der heimath, tiefst im fremden wald. Lenau 1, 92; (der chor) stand tief im schattenraum. Tiedge werke 5, 39; sie wendete sich noch tiefer ab (gieng vom fenster aus noch weiter ins zimmer zurück). G. Keller ges. werke 2, 255. II@22) uneigentlich. II@2@aa) gleichsam in die, in der tiefe: da war Abraham freilich tief genug verborgen. Luther 3, 375b; die natur hat die wahrheit tief verstecket. Stieler 2278; er hat sich tief in dessen gemeinschaft eingelassen. Aler 1898a; tief versank das rauschende getümmel. Tiedge Urania 4, 224. II@2@bb) in bezug auf das eindringen und erforschen (s. tiefdenkend, -denker, -dringend, -sinnend u. s. w.): thû thâr sie (die geistliche nahrung) diofo suachis. Otfrid 3, 7, 35; einem ding tief nachsinnen. Denzler 286b; je tiefer dasz man sinnt. Göthe 7, 102; tief zu denken .. ist vielen gegeben. Geibel juniusl. 368; eindringlich, sehr: swie tiefe si in bâten. Dietrichs flucht 4328; (ich) ermant in also hoch und tief. H. Sachs 8, 296, 18; muszt die frau auf das tiefest ermahnen, dasz sie dir bekenne, ob si an der sache schuldt trag oder nit. Galmy 299; II@2@cc) in bezug auf das innere leben und empfinden: (dasz er) in muat sô diofo lâʒit. Otfrid 5, 23, 36; die so tief blind sein, das ... Luther 2, 119, 24 Weim.; sich etwas tief zu hertzen gehen lassen. Steinbach 2, 814; (das glück) greift uns wieder tief zum hertzen. S. Dach 235; du (Venus) kannst dich tief in unsre hertzen senken. 417; so wird es mich sehr tief schmerzen. Klinger betr. (1803) 2, 60; die dolche der zunge verwunden oft tiefer, als der geschliffene stahl 191; der herzog fühlte es schnell und tief .. Schiller 8, 327; (sie) scheinen tief bewegt. 5, 1, 83 (don Carlos 2, 4); allzu tief verehr' ich meines königs majestät. 5, 2, 188 (1, 6); niemand wird tiefer traurig, als wer zu viel lächelt. J. Paul Hesp. 2, 94; denn diesz (schelten seiner mutter) schlug ihn immer noch tiefer nieder. Moritz A. Reiser 43, 34 neudruck; für das deutsche gefühl ist es tief empörend, dasz .. Gervinus gesch. des 19. jahrh. 1, 245; das empörte mich aufs tiefste. C. F. Meyer nov. 1, 20. II@2@dd) gleichsam aus der tiefe, aus dem inneren herauf: tief athem holen, imo latere spiritum petere Steinbach 2, 814; tief geholter athem Aler 1898b (s. tiefgeholt); tief seufzen Immermann schriften 4, 287, tief aufstöhnender seufzer Stolberg 11, 24, tief aufflötender laut Bürger 61a, tief aufgährender zorn Pyrker Tunis. 9, 349; tief aus dem herzen hingesungen nehmt diese lieder herzenein. Göthe 3, 322 H.; ach! die schuld im busen schattet tief herauf in ihren blick. Tiedge Urania 3, 332. II@2@ee) tief singen, canere voce depressa (s. I, 2, g, γ) Aler 1898a; jene note .. musz um einen halben ton tiefer gesungen werden. Kürzinger unterricht zum singen (1792) 20; hoch oder tief klingende töne. Moritz A. Reiser 46, 23 neudruck; II@2@ff) von der farbe, s. tiefblau, tiefbraun, tiefschwarz u. s. w. II@2@gg) tief in die nacht hinein, multa nocte (s. I, 2, h) Steinbach 2, 814; so schwatzten wir zusammen tief in die nacht. Göthe 25, 354; die nacht scheint tiefer tief hereinzudringen. 41, 318 (Faust 11499 Weim.). II@2@hh) tief ruhen, schlafen (s. I, 2, i): so legt der müde sich noch einmal vor der pforte des todes nieder und ruht tief aus, als ob er einen weiten weg zu wandern hätte. Göthe 8, 297; doch meine mutter schläft nicht tief. 12, 183 (Faust 3507 Weim.). II@2@ii) zeitlich, in dunkler vergangenheit (s. I, 2, k): meiner ahnen prahlerische kette, die tief im heidenthum sich untertaucht. Schiller 5, 1, 29 (don Carlos 1, 2). II@33) mit den unten folgenden adjectiven und participien ist tief nur durch zusammenrückung lose verbunden, meist nur die stärke und intensität des begriffes ausdrückend.
21348 Zeichen · 544 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    TIEFadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    TIEF adj. tief. goth. diups , ahd. tiuf ; Gr. 2,48. Ulfil. wb. 44. Graff 5,387. vgl. touf. tiuf Griesh. pred. 2,92. 93. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tief

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Das Tief , des -es, plur. die -e, ein besonders in der Schiffahrt übliches Wort, den tiefsten Theil oder Ort einer Wasse…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tief

    Goethe-Wörterbuch

    tief [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tief

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Tief ( das ), eine Fahrrinne in seichten Küstengewässern (so im schleswigschen Wattenmeere, wie Lister-T., Vortrapp-T. u…

  5. modern
    Dialekt
    tief

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    tief Band 3, Spalte 3,1677f.

  6. Sprichwörter
    Tief

    Wander (Sprichwörter)

    Tief 1. Das geht tief genug, sagte der Freier zu seiner Braut, als er eine Nadel in ihre Nadelbüchse steckte. Holl. : Da…

  7. Spezial
    tiefadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    tief , adj низкий , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tief

342 Bildungen · 319 Erstglied · 14 Zweitglied · 9 Ableitungen

tief‑ als Erstglied (30 von 319)

Tief(f)eⁿbächler

Idiotikon

Tief(f)eⁿbächler Band 4, Spalte 956 Tief(f)eⁿbächler 4,956

Tief(f)felch

Idiotikon

Tief(f)felch Band 1, Spalte 801 Tief(f)felch 1,801

tief(f)gründig

Idiotikon

tief(f)gründig Band 2, Spalte 779 tief(f)gründig 2,779

tief(f)sinnig

Idiotikon

tief(f)sinnig Band 7, Spalte 1074 tief(f)sinnig 7,1074

Tiefbutz

SHW

Tief-butz Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgang

SHW

Tief-gang Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgewanne

SHW

Tief-gewanne Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgrubber

SHW

Tief-grubber Band 1, Spalte 1515-1516

tiefkreuzig

SHW

tief-kreuzig Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefrück

SHW

Tief-rück Band 1, Spalte 1515-1516

tiefrückig

SHW

tief-rückig Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefsinn

SHW

Tief-sinn Band 1, Spalte 1515-1516

tiefsinnig

SHW

tief-sinnig Band 1, Spalte 1517-1518

Tiefung

SHW

Tief-ung Band 1, Spalte 1517-1518

Tiefwein

SHW

Tief-wein Band 1, Spalte 1517-1518

tiefäugig

DWB

tief·aeugig

tiefäugig , adj. tiefliegende augen habend: der zahnlückige, tiefäugige mond. F. Müller 2, 117 .

tiefanbetend

DWB

tiefanbetend , partic. : lasz mich ihn tiefanbetend .. herunter rufen! Klopstock od., krit. ausg. 1, 124 ; mit tiefanbetendem staunen freu i…

tiefauflauernd

GWB

tiefauflauernd [bisher nicht publizierter Wortartikel]

tiefaufsteigend

DWB

tief·aufsteigend

tiefaufsteigend , partic. aus der tiefe aufsteigend: ( sie hört ) ein dumpfes tiefaufsteigend getöse. Klopstock Mess. 7, 269 .

tiefauftönend

DWB

tiefauftönend , partic. ebenda 1, 615 (1748 fern und rauhtönend).

Tiefbahn

Meyers

tief·bahn

Tiefbahn , soviel wie Untergrundbahn, s. Stadtbahnen .

tiefbau

DWB

tief·bau

tiefbau , m. bergmännisch ein mit hilfe künstlicher wasserhaltung angelegter und geführter abbau Veith 55 (tiefbauschacht, ein schacht behuf…

Tiefbauschulen

Meyers

tiefbau·schulen

Tiefbauschulen , besondere Abteilungen der königlich preußischen Baugewerkschulen in Posen, Münster i. W., Kattowitz, Buxtehude, Frankfurt a…

tiefbedacht

DWB

tief·bedacht

tiefbedacht , partic. tief überlegt, überdacht: sein tiefbedachter ausspruch. Kirchhof mil. disc. 265 .

tief als Zweitglied (14 von 14)

antief

BWB

antief Band 3, Spalte 3,1678

chnǖ(w)tief

Idiotikon

chnǖ(w)tief Band 3, Spalte 775 chnǖ(w)tief 3,775 o.

durchtief

KöblerMhd

durch·tief

durchtief , Adj. nhd. sehr tief Q.: Apk (vor 1312) (FB durchtief) E.: s. durch, tief W.: nhd. DW2- L.: Lexer 34b (durchtief), MWB 1, 1440 (d…

hendetief

KöblerMhd

hende·tief

hendetief , Adj. nhd. handtief, händetief Q.: LuM (1437) E.: s. hant, tief W.: nhd. DW- L.: Lexer 86a (hendetief), LexerN 3, 235 (hendetief)

nagelstief

DRW

nagel·stief

nagelstief, adj. mit Vorstufen des Kompositums von Wunden: so tief wie ein Nagel (I) (dh. das Fingerglied mit dem Nagel), als Kriterium für …

Seetief

DRW

see·tief

Seetief, n. (natürliche) Schifffahrtsrinne vgl. Seegat daß 2 jahr hernach, als der durchschnitt [Mühlkanal an der Weichsel] gemacht, unser s…

sieltief

DWB

siel·tief

sieltief , n. , dasselbe wie sielgraben, s. daselbst, sielkanal, fleet; nd. wort, sîldêp Schiller-Lübben 4, 207 a , sieldeep brem. wb. 4, 78…

spërtief

Lexer

sper·tief

spër-tief adj. BMZ die länge eines speeres tief Bit. 907.

vërchtief

Lexer

verch·tief

vërch-tief adj. BMZ bis aufs leben dringend. verchtiefe wunden, todeswunden Nib. Kl. Gudr. Bit. 10565.

vuotief

AWB

vuoz·tief

vuoztief mhd. , adj. , nhd. fußtief. uuoz-dieph: Grdf. Gl 3,377,29 ( Jd ). bis zum Fuß ( zum Knöchel, zur Wade? ) reichend , fußlang: uuozdi…

wīsetief

KöblerMhd

wīs·e·tief

wīsetief , Adj. nhd. gründlich weise Q.: Lei (FB wīsetief), VMos (1130/1140) E.: s. wīse, tief W.: nhd. DW- L.: Lexer 325a (wīsetief), FB 47…

Ableitungen von tief (9 von 9)

ertiefen

DWB

ertiefen , deprimere, vertiefen: je mehr hernach der wind stark in die wellen wehet, je mehr wird deren grösz ertiefet und erhöhet. Werders …

tiefe

DWB

tiefe , f. gegensatz zu höhe, goth. diupei, alts. diupî diopî, ahd. tiufî diufî tiefî und tiufîn, mhd. tiefe tiufe ( s. teufe ) und tiefene …

untief

DWB

untief , adj. adv. ; ags. undéop; engl. undeep; ahd. untiuf, -teof; mnl. ondiepe; nd. ondiep; dän. udyb. I I. mit un IV A. syn. seicht Weiga…

untiefe

DWB

untiefe , f. , gs. zu tiefe ( s. d. ) und dessen steigerung. ahd. untiufî; mnd. undêpe, -deipte, -dupe; mnl. ondiepe; nl. ondiepte; dän. udy…

urtief

DWB

urtief , adj. adv. , tief mit ur- C 4 a: einem urtiefen zug aus der weinflasche Kürnberger siegelringe (1874) 151 ; adv.: u. glühten die aug…

urtiefe

DWB

urtiefe , f. , tiefe mit ur- C 4 a und c: dann sprach T. ... viel von gottes hohem entwurfe ..., aus der u. seines wesens tausendmal tausend…

vertiefe

BMZ

vertiefe swv. vertiefe, senke in die tiefe. in sünden ein vertiefet man Winsb. 66,2. armer sunder, bistu sêre vertûfet Leys. pr. 30,40. swaʒ…

vertiefen

DWB

vertiefen , verb. , analogiebildung im engen anschlusz an das grundwort tief, während daneben eine lautgesetzlich richtig entwickelte form v…

vertiefung

DWB

vertiefung , f. , substantivbildung zu vertiefen in seinen verschiedenen bedeutungen. erst im 18. jh. häufiger; aus dem 16. jh. liegen nur z…