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Tief

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
27 in 20 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Tief

Bd. 4, Sp. 600
Tief, -er, -ste, adj. & adv. welches einen relativen Begriff bezeichnet, und in verschiedenem Verstande gebraucht wird. 1. Eigentlich, unter der angenommenen oder doch gewöhnlichen Horizontal-Linie, oder näher nach dem Mittelpuncte der Erde befindlich, im Gegensatze des hoch; wo es theils absolute gebraucht wird, das Maß dieser Entfernung zu bestimmen, in welchem Falle das Hauptwort des Maßes am gewöhnlichsten in der vierten Endung stehet, wie bey den Wörtern hoch, lang, breit, weit u. s. f. Der Brunnen ist zwanzig Ellen tief. Wie tief ist der Schacht? Antw. Funfzig Klaster. Drey Fuß, sechs Zoll tief. Wofür im Oberdeutschen auch die zweyte Endung üblich ist. Vieler Ellen tief. Ingleichen ohne Beysatz des Maßes, wo tief weit von der Horizontal-Fläche, oder doch weiter als gewöhnlich von derselben entfernt, bedeutet. Ist die gewöhnliche Horizontal-Fläche der Begriff, worauf sich tief beziehet, so stehet es dem hoch entgegen, in andern Fällen aber auch dem flach, seicht u. s. f. Eine tiefe Gegend, welche unter der Horizontal-Linie liegt. Das Land liegt tief, im Gegensatze des hoch. Ein tiefer Graben, tiefer als gewöhnlich. Der Graben ist nicht tief. Ein tiefer Fluß. Das Meer ist hier sehr tief. Ein tiefer Abgrund. Eine tiefe Wunde. Die Wurzeln gehen tief. Tief graben. Eine tiefe Schüssel, im Gegensatze einer flachen. Es liegt ein tiefer Schnee, d. i. hoher, vieler Schnee; wegen der weiten Entfernung von seiner Oberfläche bis zum Grunde. So auch tiefer Koth, in welchen man tief einsinkt. Tiefe Wege oder Straßen, wo vieler und tiefer Koth liegt. 2. In weiterer Bedeutung wird es in vielen Fällen auch von der horizontalen Entfernung gebraucht, und zwar sowohl absolute mit Bestimmung des Maßes. Das Haus ist zwanzig Ellen tief, d. i. von der Vorderseite bis zur hintersten Mauer. Als auch ohne Bestimmung des Maßes, für weit, weit von einem angenommenen Puncte in horizontaler Richtung entfernt. Tief in das Land hinein gehen. Sich tief in den Wald hinein wagen. Er ging tief in das Gebirge. Tief in die Höhle hinein gehen. Wie tief in der Feldschlacht sterbend ein Gottesleugner sich wälzt, Klopst. Es ist hier zwar als ein Nebenwort am üblichsten, doch ist das Beywort auch nicht ganz ungewöhnlich. Ein tiefes Haus, welches von der Vorderwand bis zur Hinterwand einen beträchtlichen Raum einnimmt. Und sahe ungesehn in die tiefe Versammlung, Klopst. 3. Figürlich. (1) Sich tief vor jemanden neigen. Eine tiefe Verbeugung machen. Und nach einer noch weitern Figur. Sich sehr tief erniedrigen. Die tiefste Erniedrigung. Tiefe Demuth. Die zügellose Liebe wird zur Brunst, die den Menschen tief unter das Thier erniedrigt, Gell. (2) Tiefe Farben, dunkle, im Gegensatz der hohen. Tief trauren, mit sehr dunkeln Farben, oder auch als eine Figur der vorigen Bedeutung (3) Von den Tönen; ein tiefer Ton, derjenige, welchen eine dickere, längere oder schwächer gespannte Saite hervor bringt; im Gegensatze des höhern. Ein Instrument tiefer stimmen. Die tiefe Baßstimme. (4) Bis in die tiefe Nacht hinein, weit in die Nacht hinein, von der zweyten engern Bedeutung. Die tiefste Mitternacht ist durch dich helle, Weiße. Denn tiefe Nacht deckt vor uns her die Tage, Die jeder noch durchwandern wird, Uz. Wo sich auch der vorige zweyte Begriff der Dunkelheit mit hinzu gesellet. (5) Ein tiefer Schlaf, aus welchem man schwer zu erwecken ist. Im tiefsten Schlafe hegen. So auch in tiefen Gedanken sitzen, stehen, begriffen seyn, wofür man auch wohl sagt, tief in Gedanken sitzen, u. s. f. In tiefer Betrachtung versunken. Tief in Schulden stecken, viele Schulden haben, wofür man im gemeinen Leben nur sagt, tief stecken, sehr tief[] stecken. (6) Verborgen, unergründlich. Ein tiefes Geheimniß. Die tiefe Weisheit Gottes. Tiefe mystische Beweise ergrübeln. Noch häufiger, (7) Gründlich, subjective, deutliche Begriff von allen Merkmahlen eines Dinges habend, und darin gegründet. Eine tiefe Erkenntniß. Ein tiefer Verstand. Tief denken. Ein tief denkender Mann. Gesetzt, ich sähe hier nicht tief genug. Wir sehn nicht tief genug, was dieses Herz empfand. Weiße. (8) Tief Athem hohlen, gleichsam von den untersten Theilen der Brusthöhle heraus. Einen tiefen Seufzer lassen. Tief seufzen. (9) In machen Fällen ist es ein Zeichen einer Intension, eines hohen Grades. Ein tiefes Stillschweigen beobachten. Es herrscht hier eine tiefe, die tiefste Stille. Wo man aber nicht mit dem Nebenworte sagen kann, tief stillschweigen. Sich etwas tief einprägen, tief in das Gedächtniß prägen. Es bleibt im tiefen Andenken. Ein tiefer Schmerz, der nicht nur stark, sondern auch dauerhaft ist, und in der Stille empfunden wird. Der Schmerz eines Weisen ist tief, aber ohne Geräusch und mit Majestät bekleidet. Du scheinst einen tiefen Gram zu verbergen. Anm. Bey dem Ulphilas diup, bey dem Ottfried diuf, im Nieders. deep, im Angels. deop, im Engl. deep, im Schwed. diup, im Wallischen dwfa. Es mit taufen nahe verwandt, S. dasselbe.
4925 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    TIEFadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    TIEF adj. tief. goth. diups , ahd. tiuf ; Gr. 2,48. Ulfil. wb. 44. Graff 5,387. vgl. touf. tiuf Griesh. pred. 2,92. 93. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tief

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Tief , -er, -ste, adj. & adv. welches einen relativen Begriff bezeichnet, und in verschiedenem Verstande gebraucht wird.…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tief

    Goethe-Wörterbuch

    tief [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tief

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Tief ( das ), eine Fahrrinne in seichten Küstengewässern (so im schleswigschen Wattenmeere, wie Lister-T., Vortrapp-T. u…

  5. modern
    Dialekt
    tief

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    tief Band 3, Spalte 3,1677f.

  6. Sprichwörter
    Tief

    Wander (Sprichwörter)

    Tief 1. Das geht tief genug, sagte der Freier zu seiner Braut, als er eine Nadel in ihre Nadelbüchse steckte. Holl. : Da…

  7. Spezial
    tiefadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    tief , adj низкий , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tief

387 Bildungen · 319 Erstglied · 59 Zweitglied · 9 Ableitungen

tief‑ als Erstglied (30 von 319)

Tief(f)eⁿbächler

Idiotikon

Tief(f)eⁿbächler Band 4, Spalte 956 Tief(f)eⁿbächler 4,956

Tief(f)felch

Idiotikon

Tief(f)felch Band 1, Spalte 801 Tief(f)felch 1,801

tief(f)gründig

Idiotikon

tief(f)gründig Band 2, Spalte 779 tief(f)gründig 2,779

tief(f)sinnig

Idiotikon

tief(f)sinnig Band 7, Spalte 1074 tief(f)sinnig 7,1074

Tiefbutz

SHW

Tief-butz Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgang

SHW

Tief-gang Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgewanne

SHW

Tief-gewanne Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefgrubber

SHW

Tief-grubber Band 1, Spalte 1515-1516

tiefkreuzig

SHW

tief-kreuzig Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefrück

SHW

Tief-rück Band 1, Spalte 1515-1516

tiefrückig

SHW

tief-rückig Band 1, Spalte 1515-1516

Tiefsinn

SHW

Tief-sinn Band 1, Spalte 1515-1516

tiefsinnig

SHW

tief-sinnig Band 1, Spalte 1517-1518

Tiefung

SHW

Tief-ung Band 1, Spalte 1517-1518

Tiefwein

SHW

Tief-wein Band 1, Spalte 1517-1518

tiefäugig

DWB

tief·aeugig

tiefäugig , adj. tiefliegende augen habend: der zahnlückige, tiefäugige mond. F. Müller 2, 117 .

tiefanbetend

DWB

tiefanbetend , partic. : lasz mich ihn tiefanbetend .. herunter rufen! Klopstock od., krit. ausg. 1, 124 ; mit tiefanbetendem staunen freu i…

tiefauflauernd

GWB

tiefauflauernd [bisher nicht publizierter Wortartikel]

tiefaufsteigend

DWB

tief·aufsteigend

tiefaufsteigend , partic. aus der tiefe aufsteigend: ( sie hört ) ein dumpfes tiefaufsteigend getöse. Klopstock Mess. 7, 269 .

tiefauftönend

DWB

tiefauftönend , partic. ebenda 1, 615 (1748 fern und rauhtönend).

Tiefbahn

Meyers

tief·bahn

Tiefbahn , soviel wie Untergrundbahn, s. Stadtbahnen .

tiefbau

DWB

tief·bau

tiefbau , m. bergmännisch ein mit hilfe künstlicher wasserhaltung angelegter und geführter abbau Veith 55 (tiefbauschacht, ein schacht behuf…

Tiefbauschulen

Meyers

tiefbau·schulen

Tiefbauschulen , besondere Abteilungen der königlich preußischen Baugewerkschulen in Posen, Münster i. W., Kattowitz, Buxtehude, Frankfurt a…

tiefbedacht

DWB

tief·bedacht

tiefbedacht , partic. tief überlegt, überdacht: sein tiefbedachter ausspruch. Kirchhof mil. disc. 265 .

tief als Zweitglied (30 von 59)

ABGRUNDTIEF

DWB2

abgrund·tief

DWB2 ABGRUNDTIEF adj. DWB2 seit der 2. hälfte des 19. jhs. zunehmend gebräuchlich, vorher nur vereinzelt ( ältester beleg unter 3) . oft ver…

antief

BWB

antief Band 3, Spalte 3,1678

bergtief

DWB

berg·tief

bergtief , profundus instar montis: bergtiefer abgrund.

breittief

DWB

breit·tief

breittief , latus profundusque: breittiefe flüsz und bäch. Weckherlin 520 .

brunnentief

DWB2

brunnen·tief

brunnentief adj. : ⟨1836⟩ Grillparzer 5 2,176 S. 2007 braunschw. ztg. (23.4.), IdS‐arch.

chnǖ(w)tief

Idiotikon

chnǖ(w)tief Band 3, Spalte 775 chnǖ(w)tief 3,775 o.

dunkeltief

DWB

dunkel·tief

dunkeltief , adj. und adv. der schwarzen augen, die dir sterne deuchten, bedeutungsvolles dunkeltiefes leuchten Platen 11 .

ellentief

DWB

ellen·tief

ellentief . Cleopatra mag knie- und ellentief das pflaster ihrer üppigen gastzimmer bestreuen. Butschky Patm. 870 .

ferchtief

DWB

ferch·tief

ferchtief , bis aufs leben dringend, todeswunde: ëʒ enmohte nieman scheiden. dës sach man vlieʒen dâ daʒ bluot von vërchtiefen wunden, dër w…

fusztief

DWB

fusztief , adj. dem masze nach die tiefe eines fuszes habend. es ist ein fusztiefer schnee gefallen. im wege ist ein fusztiefes loch. Davon …

gedankentief

DWB

gedanken·tief

gedankentief , mit tiefen gedanken: das gedankentiefe, fromme, heitere antlitz ( A. Dürers ). Keller gr. Heinr. 3, 255 .

geistestief

DWB

geiste·stief

geistestief , tiefen geistes: prof. v. Köstlin schilderte in einer gedankenreichen und geistestiefen rede das wesen und die bedeutung Hölder…

gliedtief

DWB

glied·tief

-tief : gliəddaipe gliedtief ( von wunden, die ein fingerglied tief sind ) Woeste 80 b . c c) glied- bezieht sich auf die geschlechtstheile,…

glockentief

DWB

glocken·tief

-tief tiefklingend wie eine glocke: die stimme glockentief und rein Kinkel ged. (1868) 2, 300 ; in glockentiefen, hallenden, harten, in schi…

grabestief

DWB

grabe·stief

-tief : grabetief Denis lieder Sineds d. barden (1772) 254 ; grabtief Scheffel ges. w. (1907) 3, 51 . c c) in substantivischen, seltener adj…

gramtief

DWB

gram·tief

-tief A. Kerr ges. schr. 1 (1917) 146 ; gramestief Gisela Etzel John Keats ged. 51 . g γ) häufig in bildungen, die auf sichtbare auswirkung …

grindeltief

RhWB

grindel·tief

grindel-tief -əltsdē:f  Bitb-Ehlenz Mettend Adv.: gr. fohren sehr tief mit dem Pflug auffahren, so tief er es fertig bringt.

grundtief

DWB

grund·tief

-tief , adj. , gesteigertes tief mit anklingen von grund I, vgl. abgrundtief: ein rechter abfall von got und ein grundtiefe ketzerey Seb. Fr…

gürteltief

DWB

guertel·tief

gürteltief , adj. , bis an die hüften reichend: denn ich zimlich weit gehen muste, ehe ich das wasser gürteltieff gefunden J. G. Harant chri…

haustief

DWB

haus·tief

haustief , adj. und adv. : hier steckt was, riechs so halb und halb. heraus soll mirs, lägs auch haustief begraben. Fr. Müller 3, 199 .

hendetief

KöblerMhd

hende·tief

hendetief , Adj. nhd. handtief, händetief Q.: LuM (1437) E.: s. hant, tief W.: nhd. DW- L.: Lexer 86a (hendetief), LexerN 3, 235 (hendetief)

herztief

DWB

herz·tief

herztief , adj. : in herztifster untertähnigkeit. Butschky kanzl. 548 .

klaftertief

DWB

klafter·tief

klaftertief , eine klafter oder klaftern tief. Schottel 464 b : und dasz ihr klaftern tief vor mir versinken woltet ( vor scham ). Picander …

klartief

GWB

klar·tief

klar-tief zu klar 7g bewundern .. den klar-tiefen Einblick in die menschlichen Gefühle, Gesinnungen, Zustände und Verhältnisse GWB 41 1 ,251…

Ableitungen von tief (9 von 9)

ertiefen

DWB

ertiefen , deprimere, vertiefen: je mehr hernach der wind stark in die wellen wehet, je mehr wird deren grösz ertiefet und erhöhet. Werders …

tiefe

DWB

tiefe , f. gegensatz zu höhe, goth. diupei, alts. diupî diopî, ahd. tiufî diufî tiefî und tiufîn, mhd. tiefe tiufe ( s. DWB teufe ) und tief…

untief

DWB

untief , adj. adv. ; ags. undéop; engl. undeep; ahd. untiuf, -teof; mnl. ondiepe; nd. ondiep; dän. udyb. I I. mit un IV A. syn. seicht Weiga…

untiefe

DWB

untiefe , f. , gs. zu tiefe ( s. d. ) und dessen steigerung. ahd. untiufî; mnd. undêpe, -deipte, -dupe; mnl. ondiepe; nl. ondiepte; dän. udy…

urtief

DWB

urtief , adj. adv. , tief mit ur- C 4 a: einem urtiefen zug aus der weinflasche Kürnberger siegelringe (1874) 151 ; adv.: u. glühten die aug…

urtiefe

DWB

urtiefe , f. , tiefe mit ur- C 4 a und c: dann sprach T. ... viel von gottes hohem entwurfe ..., aus der u. seines wesens tausendmal tausend…

vertiefe

BMZ

vertiefe swv. vertiefe, senke in die tiefe. in sünden ein vertiefet man Winsb. 66,2. armer sunder, bistu sêre vertûfet Leys. pr. 30,40. swaʒ…

vertiefen

DWB

vertiefen , verb. , analogiebildung im engen anschlusz an das grundwort tief, während daneben eine lautgesetzlich richtig entwickelte form v…

vertiefung

DWB

vertiefung , f. , substantivbildung zu vertiefen in seinen verschiedenen bedeutungen. erst im 18. jh. häufiger; aus dem 16. jh. liegen nur z…