tümpel,
m. herkunft und form: ahd. tumphilo (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 55
St.-S. (
aus dem ahd. entlehnt scheinen aprov. tomplina,
prov. toumple
und ital. tonfano,
s. Mackel
d. germ. elemente i. d. frz. u. prov. spr., frz. stud. 6 [1888] 23, 158, 181; Meyer-Lübke
roman. etym. wb. [
21935] 8980 [
wonach aus dem langobard.],
sowie Zaccaria
elemento germ. nella ling. ital. [1901] 514
u. Bertoni
l'elemento germ. nella ling. ital. [1914] 209);
seit dem mhd. bzw. frühen nhd. in mehreren formvarianten (
mit früher apokope des -e
und übertritt in die starke deklination, s. Wilmanns
dt. gr. 3, 2 [1909] 378;
schwach flektierte formen finden sich vereinzelt noch im 12.
jh. [
s. unter b],
gelegentlich auch in moderner mundart [
s. unter B 1]). aa) tümpfel
mhd. wb. 3, 130; Lexer 4, 1567.
in dieser form literarisch bis ins 19.
jh. nachweisbar: H. Sachs
s. u.A 1 a; Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 264; Ch. Fr. Schulz (1795)
s. u.A 2 a; Naumann (1822)
s. u.A 2 b; Rückert
ges. poet. w. 8 (1882) 457.
mit verschobenem labial noch mundartlich im fränk., henneb., thür., vogtl., egerländ., wien., bair., schwäb., elsäss., tirol., kärnt. u. steir. (
s. u.). bb)
formen mit unverschobenem p (
s. Paul
dt. gr. 1, 269
u. V. Moser
frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 127);
zuerst md. bezeugt, von da in die schriftsprache gedrungen (
s. Kluge-Götze [
151951] 813): dumpele
als mittelrhein. grenzname (1169)
bei J. Kehrein
slg. alt- u. mitteldt. wörter aus lat. urk. (1863) 42;
literar.: tmpel Luther 34, 2, 396, 10
W. (
neben dumpffel 2, 64
W.); G. Forberger
wahrhafftige beschreibungen (1570) 38; G. Klee
berümter ... leute leben (1589) 1, 379.
lexikalisch zuerst in einem lat.-dt. voc. aus Nordwestböhmen, Lausitz, Mähren nachweisbar: lacuna tumpil (1420) 21
Schröer, sowie bei Er. Alberus,
s. u.c
γ;
danach erst seit dem 18.
jh. gebucht (tmpel Steinbach
wb. [1734] 1, 305
u. 2, 881; Hederich
dt.-lat. lex. [1777] 1, 864),
noch bei Adelung 4 (1801) 721
daneben tümpfel. —
erst im 19.
jh. ist tümpel
allgemein schriftsprachlich durchgedrungen, nun auch von obd. autoren gebraucht (K. Stieler,
s. u.A 2 a; Rosegger,
s. u.A 1 a; G. Keller
ges. w. [1889] 10, 197; 4, 108). cc)
gelegentlich auftretende formbesonderheiten. c@aα)
umlautlosigkeit des stammvokals (
s. Wilmanns
dt. gr. 1, 263 [§ 204]; Lessiak
anz. f. dt. altert. 32, 126),
besonders in einzelnen ostmd. u. obd. quellen (
s. auch die im mhd. wb. und bei Lexer
a. a. o. angeführten spätmhd. bzw. frühnhd. formen ohne umlaut): dumpele (1169)
s. u.b; tumpil (1420)
s. u.b; tumphel
mlat.-hd.-böhm. wb. (1470) 238
Diefenbach; tumpel Mathesius
Sarepta (1578) 99
b (
daneben tmpel
Syrach [1586] 122
a); tumphl
österr. weist. 8, 582; dumpffel Castelli
dizz. (1709) 1228. —
in heutiger mundart nur vereinzelt (
s. u.). c@bβ)
entrundung des ü (
hierzu vielleicht schon timmel Oswald v. Wolkenstein 200 [85, 25 ]
Schatz, s. auch Lexer 2, 1439
u. Schatz
gl. 102
a): timpfel
österr. weist. 1, 85
anm.; Musäus
märchen (1826) 5, 131; timpel Fr. Seidel
türck. gefängn. (1629) B 1
b; Döbel
jägerpract. (1754) 4, 99
a,
anh. 74.
auch in heutiger mundart besonders md. u. südostdt. bezeugt (
s. u.). c@gγ)
anlautende lenis (
s. auch unter dümpfel
teil 2, 1525): dumpele (1169)
s. u.b; dũpffel Melber
voc. pred. (1482)
s. v. gurges; dmpel Er. Alberus
dict. (1540) A a 3
a; dumpffel Luther 2, 64
W. (
neben t: 34, 2, 396); dümpffel Schupp (1663)
s. u.C 2; dümpel, dümpfel Kramer
teutsch-ital. 1 (1700) 251
c; dümpfel Adelung 1 (1793) 1572 (
neben tümpfel, tümpel
ebda 4 [1801] 721); Reithard (1853)
s. u.A 1 a.
mundartlich besonders nd. und md. vertreten. in heutiger mundart über das ganze sprachgebiet verbreitet; im nd. wohl nicht von alters her bodenständig (
mnd. nicht bezeugt; noch 1767
heiszt es im brem.-nieders. wb. 1, 271: 'dümpfel
oder tümpfel,
welches wort bey uns nicht im gebrauch ist',
ein befund, der durch die beschränkung des grundwortes tump, tumpf
auf das md. und obd. gestützt wird, s. u.);
im obd., besonders alem., weitgehend von gumpe, gumpf, gümpel, gümpfel (
s. teil 4, 1, 6, 1097)
zurückgedrängt: tümpel Mensing
schlesw.-holst. 5, 203; dümpel, dömpel (
neben nasallosem döpel)
ebda 1, 783; tümpel (
entlehnt) Frederking
Hahlen (b. Minden) 147; dümp'l Kück
Lüneburg 1, 390; dümpel Woeste
westfäl. 63 (
als ortsname); Mi
mecklenb. 18; dimpl Teuchert
neumärk. 142; tümp'l Danneil
altmärk.-plattdt. 229; tümpel Bernd
Pos. 325; tümpel, dümpel Ziesemer
pr. 2, 128; dümpel, dömpel Frischbier
pr. 1, 156; dümpel Hönig
Köln 39; dumpel, dympel, dempel
rhein. wb. 1, 1561; 4, 1723; dömpel
luxemb. ma. 66; Follmann
lothr. 95; dümpel Schmitz
Eifel 1, 223; tümpel (
als ortsname: Dimpelbrunnen)
bad. wb. 591; Vilmar
hess. 419; dimpel, dempel, tempel Crecelius
oberhess. 1, 309; dembəl Hofmann
niederhess. 243; tümpel, dimbl Albrecht
Leipzig 225; tümpel Müller-Fraureuth
obers. 1, 262; Weinhold
schl. 101; timpala Knothe
schl. ma. i. Nordb. 196;
dissim. tirpel (
nordböhm.)
bei Frommann
zs. 2, 239; timpel Schröer
beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 44.
mit verschobenem p: tümpfel (
fränk.)
ebda; Reinwald
henneb. 1, 175 (
ebda für Koblenz auch kümpel,
s. teil 5, 2613); tümpfel, dèmpfl Hertel
thür. 249; tümpfl Neubauer
Egerl. ma. 53; dimpf Gerbet
Vogtland 183; Loritza
Wien 35; dümpfel, dîmpfl
bayr. wald, in: Bayerns maa. 1, 80; dümpfel Schmeller-Frommann
bair. 1, 512; dümpfel (
als ortsname: Dimpfelwiesen) Fischer
schwäb. 2, 455; tümpfel Birlinger
schwäb.-augsb. 127; tìmpfl Martin-Lienhart
elsäss. 2, 686 (
vgl. auch schweiz. tmpfi Stalder 1, 326); timpfel, dümpfel, dümmel Schöpf
tirol. 94; tümpfl Hintner
tirol. 36; Lexer
kärnt. 75; Überfelder 71; tümpfel, tümpferl Unger-Khull
steir. 182.
daneben lebt in md. u. obd. maa. die suffixlose grundform (
s. Kluge-Götze
a. a. o.)
gleicher oder differenzierter bedeutung: tump Müller-Fraureuth
obers. 1, 262; Knothe
schl. ma. i. Nordb. 196; Blumer
nordwestböhm. 32; domp Follmann
lothr. 95; dumpf
bad. wb. 591; Fischer
schwäb. 2, 455; Schmeller- Frommann
bair. 1, 512; Schöpf
tirol. 94; tumpf Martin - Lienhart
elsäss. 2, 686; Stalder
schweiz. 326; Schmid
id. Bernense 68; Schild
Brienzer ma., in: PBB. 18, 323;
s. ferner bei Zinsli
grund u. grat (
um 1946) 78 (
auch als flurname bezeugt); Hintner
Deferegger dial. 36; Unger-Khull
steir. 182; Überfelder 85; Lexer
kärnt. 75.
vereinzelt auch als fem.: tumpe Anton
oberlaus. 13, 20; dumpfe Fischer
a. a. o.; Reiser
Allgäu 1, 97
u. 2, 695;
und im schweiz. mit diminutivem i
als neutr.: tmpfi Stalder
a. a. o.; Zinsli
a. a. o.; tümpf(f)i Schmid
Entlebuch 27; 83; 170; dümpfi Baumgartner
Berner Seeland 59;
aus älterer zeit nur vereinzelt bezeugt: tumpff Hartlieb
dial. mirac. 398, 35
Drescher; S. Roth
dict. (1571) J 5
b;
pl.: die tmpf Paracelsus
op. chir. (1566) 668;
s. auch teil 2, 1523
s. v. dumpf. tump
und tümpel
sind verwandt mit tief (
s. dort)
und gehen wie dieses (
vgl. auch topf '
trichterförmige vertiefung'
teil 11, 1, 1, 819) —
jedoch nasaliert —
auf eine idg. wurzel * dheub- '
tief, hohl'
zurück (
s. Walde-Pokorny 1, 847; Feist
vgl. wb. d. got. spr. [
31939] 121; Wilmanns
dt. gr. 1 [1911] 145; Wissmann in:
zfda. 76 [1939] 7
u. vgl. schlesw.-holst. döpel
neben dömpel Mensing 1, 783).
im weiteren germ. stellen sich dazu: engl. dump '
tiefes, mit wasser gefülltes loch', dimple '
wangengrübchen',
dän. mundartl. dump '
höhlung, niederung',
norw. dump, dumpa '
vertiefung in der erde' (
über schwed. timpel
s. u.B 3 b
γ)
und mnd. dumpeln '
untertauchen' (
so noch nnd.: schlesw.-holst. dümpeln Mensing 1, 789;
ostfries. dumpeln Doornkaat-Koolman 1, 359;
rhein. u. mecklenb. dümpeln
rhein. wb. 1, 1560
u. Reuter 1 [
o. j.] 109
Knaur; hierzu wohl auch hd. dumpeln '
umrühren',
s. teil 2, 1522,
sowie bei Fischer
schwäb. 2, 455
u. Birlinger
schwäb.-augsb. 149);
ndl. dompeln '
ins wasser tauchen'.
auszerhalb entspricht am nächsten lit. dumburỹs (
neben duburỹs) '
einsenkung, vertiefung, grube, mit wasser gefülltes loch', dublas '
schlamm', dubres '
morast, sumpf'.
bedeutung und gebrauch: nach vereinzeltem auftreten im ahd. (
s. u.A 1 b)
wird tümpel
seit spätmhd. und frühnhd. zeit der schriftsprache in der bedeutung '
wasserstelle'
geläufig. die ursprünglich damit verknüpfte vorstellung der tiefe (A 1 a)
hält sich besonders in einzelnen maa. und mundartlich gefärbter sprache; sie ist in modernem sprachgebrauch im allg. der vorstellung der kleinheit (
s. u.A 2 a
und B 1)
bzw. der unreinheit (
s. u.A 2 b)
gewichen. AA.
tiefe wasserstelle. A@11)
tiefe stelle eines baches, flusses oder meeres. A@1@aa)
meist mit der vorstellung des abgründigen: dieselben man furten sy dann so lang um, bis sye kamen in die tewfen tümpfel des wassers, darin teten sy die man ertrenken
qu. v. 1465
bei Birlinger
schwäb.-augsb. 127; da padet ein pekenkneht pei der Pair mülnerin mül (
vor dem austritt der Pegnitz aus Nürnberg, s. bd. 1, 400
anm. 4) in eim tiefen tümpfel und kund nit hinüber geschwimen und er ertrank (1501)
städtechron. 11, 638 (
Nürnberg); als er (
der auf eine öde insel verschlagene Menelaus) ... seinen angel ein thet sencken ins meerwasser, mit schwern gedencken in einen tümpffel sam grundtlos H. Sachs 7, 405
lit. ver.; (
gott,) der du die tewff unnd dumpffel des mers beschlossen ... hast (
qui conclusisti abyssum) Luther 2, 64
W.; welcher (
strom) nicht allein tieffer tmpel, sondern auch vngleiches vfers und grosser steinwacken halben ... durchzukommen verhinderung hatte Georg Klee
berümter ... leute leben (1589) 1, 379; zur Nessa reiten zween gute gesellen mit jhren rossen ins wasser, weil sie nun die gelegenheit nicht gewuszt, sind sie in einen timpel gefallen Friedr. Seidel
türck. gefängn. (1629) B 1
b; drauf wurden leute mit störstangen ausgeschickt, die alle tiefen und timpfel längs der Tauber untersuchen muszten Musäus
volksmärchen d. dt. (1826) 5, 131; ward der todte in einen tiefen dümpfel der Rhone geworfen Reithard
gesch. u. sagen a. d. Schweiz (1853) 536; der (
wasserfall) springt thurmhoch von einer felsenrinne nieder, macht zwei grosze absätze ... und stürzt sich in einen tümpel Rosegger
schr. I 1 (1904) 30; rechts (
im watt bei ebbe) hob sich eine grosze, flache schlickbank ... aus den wellen heraus, eine öde fläche, die sich nach norden in tümpeln und prielen verlor
M. Hausmann
Abel (1932) 238;
so auch mundartlich, für das lothr., luxemb., oberhess., schles., egerländ., elsäss., bair., kärnt. und ungr. bergl. bezeugt (
s. die entspr. wörterbücher a. a. o. und vgl. pfälz. timmerloch '
tiefe stelle im bach' Autenrieth 140).
im bair.-österr. wird tümpel
speziell für '
die stelle, wo sich bei Passau der Inn in die Donau ergieszt' (
s. Schmeller
a. a. o.)
gebraucht; so schon früh —
gleichsam als eigenname —
bezeugt: von Lauffen gen Passaw in den tümpfel (1426)
österr. weist. 1, 89, 34
u. ö.; die, so die regierung unserer schiffung von Lauffen aus niden hin bis gen Passau in dem tmpfel haben
qu. v. 1581
bei Lori
bair. bergr. (1764) 315;
bereits zu 2
überleitend in der besonderen anwendung für eine tiefe (
zuweilen künstlich angestaute)
stelle im bach als '
fischteich': mon sol auch nicht tumphl auszschephen sonder mit aim vischper oder mit den henten (
um 1450)
österr. weist. 7, 469, 42; item ... soll ... den pach kainer swellen, tumphl ausschephen noch die gestettn herab hawen (1512)
ebda 8, 582, 21
u. ö.; so bald der frost eintritt, sollen in denen bächen die tümpfel ausgefischet werden
allg. haushalt.-lex. (1749) 1, g 4
b; man geht nehmlich (
zum forellenfang) in den bach oder flusz, wo sie in den tiefen timpeln ... zu stehen pflegen Döbel
jägerprakt. (1754) 4, 99
a; es zeigte sich, dasz Wächter der ... Illritz ... ein eigenes bette abgegraben hatte, in welchem zwei sanddämme das wasser in stiller gestauter ruhe erhielten. in diesem künstlichen tümpel wimmelte es von ... karpfen Gutzkow
ges. w. (1872) 2, 201.
im schwäb. hat tümpfel
geradezu die bedeutung '
wehr, damm'
erlangt (
vgl. obers. tump '
angestaute stelle'
u. elsäss. tumpf '
wehr'). A@1@bb)
mit dem moment der bewegung, '
strudel, wirbel'
; so schon vereinzelt ahd. bezeugt: gurges tumphilo (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 55
St.-S.; gurges tumpfel
qu. d. 14.
jhs., md., bei Diefenbach
gl. 271
b; sahe (
Cyrus das pferd) in einem wirbel oder tmpffel desselben flusz mit dem reutter darauff undergeen G. Alt
buch d. cronicken (1493) 7
b; dannenhero geschach es unter andern, dasz das schiff ... auf einen tmpffel oder wasserwirbel geriet J. Menhof
gesantschaft (1666) 87
a; ein gefährlicher dümpel
un pericoloso gorgo Kramer
teutsch-ital. 1 (1700) 251
c; tümpel
ein tiefer ort im wasser, strudel, gurges Hederich
dt.-lat. lex. (1777) 1, 864; túmpfel
oder dúmpfel
ein wasserstrudel oder wirbel in einem flusse Braun
dt. wb. (1793) 260;
so noch vereinzelt in moderner mundart: tempel
wasserstrudel Crecelius
oberhess. 1, 309. A@22)
tiefes stehendes gewässer (
s. auch u. tümpelchen). A@2@aa)
kleiner see, teich: lacuna eyn tumpil
lat.-dt. voc. v. 1420 (
nordböhm.) 21
Schröer; vnnd wardt darnach ... in einen tmpffel oder einer pftschen also versencket, das sein leichnam nindert gefunden wardt G. Alt
buch d. cronicken (1493) 119
a; dmpel
lacus, stagnum Steinbach
wb. 1 (1734) 305; man mag halbwege einen timpel haben, so kan man karauschen hinein setzen Döbel
jägerpract. (1754) 4, 74; bis an den kleinen see, der ... eigentlich blosz ein tümpel ist Fontane
ges. w. I 2 (1905) 141; hier und dort finden sich auf den höhen kleine wasserbecken, 'tümpl' oder 'gümpl' genannt K. Stieler
natur- u. lebensbilder a. d. Alpen (1886) 159;
so noch für das schlesw.-holst., rhein., thür. und nordböhm. bezeugt (
s. die wörterbücher a. a. o.).
ironisch: aber wer fährt gern auf dem tümpfel Ostsee? Chr. Fr. Schulz
reise eines Livländers (1795)
vorr. IV. A@2@bb)
sumpfiger see, pfuhl, morastige lache: lama tumpffel
voc. theut. (
Nürnberg 1482) pp 1
b; (
die bösen geister) kriechen jnn die sumpffe und tmpel, das sie die leute erseuffen Luther 34, 2, 396
W.; bey änderung des wetters kämpffen die hirsche mit dem gehörn, rennen und jagen einander herumb und sühlen sich im prudel oder tümpel Fleming
vollk. teutsch. jäger (1719) 94
b; da stank der koth im dimpel Seume
ged. (
41815) 228; so ist er (
rohrammer) ... in ... wiesen, wo es ... tmpfel giebt ... gemein Naumann
vögel (1822) 4, 287; ein dunkler tümpel stehenden wassers, der in der mitte des platzes zwischen hochaufgewehten haufen gelber tannennadeln stockte, spiegelte nichts zurück Immermann
w. 2, 142
Hempel; der tag mit trübem flore sich auf die tümpel legt, ein storch am nahen moore steht still und unbewegt
M. Greif
ges. w. 1 (1895) 113; tümpel ...
stehendes gewässer, das zu faulen beginnt Mothes
ill. baulex. (1881) 4, 379; auch in Westfalen habe ich noch ausgeblickt nach moosgrünen strohdächern und entengrünen tümpeln unter blühendem holundergesträuch Timm Kröger
eine stille welt 109; überall (
im urwald) absterbende ... riesenbäume, ... dazwischen metertiefe modermassen, worin der fusz versinkt, und als unterbrechung nur sumpfige tümpel und undurchdringliches gestrüpp R. Gradmann
bei Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 30;
so noch für das lüneb., altmärk., neumärk., rhein., eifel., hess., schl., wien. und kärnt. gebucht, rhein. auch für ein feuchtes stück land (
s. die entspr. wörterbücher a. a. o.). BB.
abgeblaszt, in verschiedener einzelanwendung. B@11)
von flüssigkeitsansammlungen geringerer art: der dümpfel ... '
zuweilen auch ein jedes wasserloch, eine tiefe pfütze' Adelung 1 (1774) 1436; dümpfel
ou dümpel '
die pfütze, kothlache' Schwan
dict. 1 (1783) 362;
so schon früh nachweisbar: wer in den gassen wissentlîchen thumpffel oder grueben hât, dâ von die wegen mugen schaden nemen (
um 1387)
Würzb. polizeiordn. bei Lexer 2, 1567;
ähnlich in moderner mundart für das schlesw.-holst., mecklenb., altmärk., pos., leipzig., henneb. u. kärnt. bezeugt (
s. die entspr. wörterbücher a. a. o.);
literarisch nur vereinzelt belegt: da er (
Diederich) zu plötzlich anhielt, glitt er aus und setzte sich mit wucht in einen tümpel ..., umspritzt von schmutzwasser H. Mann
d. untertan (1950) 66;
früh auch auf flüssigkeiten anderer art bezogen: da waren grosz tümpffel von zerlasznem metall, das muosten si trincken
der seelen würtzgarten (1515) G 6
b; ich spiste einen bissen an das messer und wolte gerades weges damit in einen gelben butter-timpffel hinein marschiren
kleideraffe (1685) 21; er (
der junge fuchs) machte einen tümpel Siedel
wildtiere unter menschen (1951) 81
u. ö.; in moderner mundart: do gobs kAeOene biertümpeln (
bierlachen)
ged. u. gesch. i. erzgeb. ma. (1880
f.) 18, 40. B@22)
in anschlusz an 1
vereinzelt geradezu als mengenbegriff: do kriegt mer Aen orntling tümpfel (
schnapsmenge) fer vier pfeng Riedel 9, 101
bei Müller-Fraureuth
a. a. o.; tümpel
heiszt auch eine sammlung von leuten oder thieren, die auf einem fleck dicht beisammen stehen, '
ein haufen' (Anton
oberlaus. [1825] 5, 8,
ähnlich bei Danneil
a. a. o.): es war ein ganzer tümpel menschen oder pferde da Anton
a. a. o.; im niederhess. findet sich tümpel
auch im sinne von '
ein groszes gefülltes gefäsz': ən dembəl fol sǫbə '
ein t. voll suppe' Hofmann 243 (
vgl. lothr. domp
napf, topf Follmann 95). B@33)
gelegentlich für eine vertiefung schlechthin gebraucht. B@3@aa)
in allg. sprachgebrauch: flache tümpel und pfannen, die sich ... im märz mit regenwasser füllen müssen
qu. a. d. jahre 1927;
auch mundartlich in verschiedener anwendung: dumpel '
beule im geld'
rhein. wb. a. a. o. (
vgl. schweiz. tümppfi, dümpfe '
beule in einem gefäsz' Schmid
Entlebuch 27, 83; Baumgartner
Berner seel. 59; tmpfi, tumpf '
einbug' Stalder 326; tumpf
kleine, durch einen schlag oder stosz entstandene vertiefung; kleine, runde narbengrube Schild
Brienzer ma., in: PBB. 18, 323; dumpf, dumpfe '
flache, muldenartige vertiefung, bes. durch beschädigung' Reiser
Allgäu 2, 695
und bad. dumpf '
durch druck oder stosz entstandene einbuchtung, beule, vertiefung'
bad. wb. 591); tümpfel (
alt) '
grübchen im kinne oder backen' Überfelder
kärnt. 71 (
vgl. schwäb. dumpf, dumpfe '
flache muldenartige vertiefung, grübchen in kinn und wangen' Fischer 2, 455
u. engl. dimple '
wangengrübchen'). B@3@bb)
als fachwort im älteren verhüttungswesen (
zuerst bei Minerophilus: tümpel
ist ein zum hohen ofen gehOeriges werckstcke bergw.-lex. [1730] 672). B@3@b@aα) '
muldenförmiges becken in der sohle des hochofens' (
s. u. tümpelstein [1]
und vgl. sumpf teil 10, 4, 1087 [3 a
γ]): jeder hohe ofen (
hochofen) bestehet demnach aus der gicht (
gueulard), dem schacht (
fourneau), der rast (
l'évasement du creuset) und dem gestelle oder tümpel (
creuset). lezterer ist der unterste theil des ofens, unmittelbar über dem bodensteine Hoyer
allg. wb. d. artillerie 1, 2 (1805) 235;
dem entsprechen die definitionen der übrigen fachwörterbücher: 'tmpel
der boden des herds oder tiegels in einem hohenofen, darinnen sich das ausgeschmolzene metall sammlet ... cavum foci ... le creux du foyer'
bergmänn. wb. (1778) 564;
ähnlich bei Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; Karmarsch
grundr. d. mech. technol. (1837) 1, 23; Mothes
ill. baul. (1881) 4, 379; Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 1, 782. B@3@b@bβ)
im besonderen bezeichnet tümpel '
denjenigen langen schmalen stein, welcher übers auge, aus welchem bei suluöfen die schlacke in den vorherd flieszt, gelegt wird' (
s. u. tümpelstein [2]
u. vgl. engl. tymp, timp, timp-stone [< tympan Murray 10, 553 ],
dessen einflusz hier wirksam scheint; frz. tympe
hingegen ist wohl aus dem dt. entlehnt, s. Meyer-Lübke
roman. etym. wb. 2 [1935] 747
und Behrens
über dt. sprachgut i. frz. [1924] 83) Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541;
ähnlich: tümpel '
bei dem hochofen mit offener brust jene mauer (
theil der brust, des kernschachtes, gestelles),
der unmittelbar über dem vorherde steht' Scheuchenstuel
id. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 246. B@3@b@gγ)
als einzelbuchungen finden sich: tümpel '
diejenige aus roheisen, mit einem sandsteine belegte, bestehende platte, welche unter der abstichbrust über den damm eines hohofens [!]
gelegt wird' (
vgl. engl. tymp-plate Murray
a. a. o.) Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; um nun die vordere seite des gestelles zuzumachen, legt man ein starkes geschmiedetes stück eisen so auf die beiden untern gestellsteine, dasz es ... gegen den gegenüberstehenden stein der windseite anliegt. dieses stück eisen heiszt der timpel oder tmpel Blumhof
eisenhüttenkde. 2 (1817) 664;
vgl. auch das aus dem dt. entlehnte schwed. timpel '
järnbalk som upptill begränsar en viss av masugnens öppningar' Hellquist
svensk etym. ordb. (
31948) 1186. CC.
in anschlusz an A
findet sich besonders in älterer zeit ein mannigfaltiger metaphorischer gebrauch. C@11)
im vergleich, wobei tiefe, grundlosigkeit oder unsauberkeit als tertium comparationis dienen: geytikait ... wirt gleichet der hell oder aim tünpffel des wassers Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) B 5
a; o hettestu auff meine gebott achtung gehabt, dein frid wAer wie ain flieszendes wasser worden, vnd dein gerechtickait wie die dmpffel des mOers Spalatinus
klage d. frids (1521) A 3
a; also vergleichet er da entgegen falsche lehr, jrthumb und verfrung, menschentandt und satzung, stehenden, stinckenden und unfletigen kolcken, tmpeln und pftzen
M. Christophorus Irenaeus
wasserspiegel (1566) P 3
b;
vereinzelt noch in moderner sprache: in seiner grüblerischen, weltscheuen art kam er mir oft vor wie ein regloser tümpel moorigen wassers Auguste Supper
holunderduft (1910) 201. C@22)
bildlich: seiner eren tumpfel wurd nimmer lere auszgest
hist. volksl. 1, 517
Liliencron; vnd wat aus den siben tümpfelln (
der sieben todsünden) tieff, so tilgest du gantz ab den prieff, da all dein sünd an geschriben ist
fastnachtsp. 1100
Keller; erstlich soltu dich deszhalb bekümmern, dasz du dich sehend unnd wissend, in disen dümpffel (
der liebe) gestürtzet hast Chr. Bruno
de institutione christ. foeminae (1566) 36
b; wir werden ... in den dümpffel desz elends gleichsam versencket Schupp
schr. (1663) 1, 775; so frasz in dem tümpfel des kriegs der wüthende spiesz des Aradi Naumann
Nimrod bei Schönaich
ästh. i. einer nusz (1754) 356
ndr.; unsre romantischen tümpel Tieck
nov. 5 (1823) 118; dasz ihr nöthigenfalls vor seiner (
des diskussionspartners) verfolgung könnt fliehen auf die tümpel des leugnens Harms
verm. aufs. (1853) 119.
redensartlich: die tümpel durchwaten
schwierigkeiten überwinden: wann solt wir alles das offenbern vnd auch mit worten gantz erclern, wie, wo vnd wann jm an gang der judisch glaub nem sein anfang ... sölten wir die tümpffel all durchwatten ... eins monats würden wir nit vereint
fastnachtsp. 1118
Keller; ähnlich: er solle schweigen still, sich selbst und mich dartzu beileibe nicht verrahten, wir wrden mssen sonst sehr tieffer dmpffel waten W. H. v. Hohberg
habspurg. Ottobert (1664) S 7
b. C@33)
übertragen; als bezeichnung eines menschen in verschiedener sinnesfärbung: ein tumphel der lebendigen wasser (
puteus aquarum viventium, hohes lied 4, 15)
qu. v. 1417
bei Schmeller-Frommann 1, 512;
meist verächtlich gebraucht (
s. auch Lexer 2, 1567): schaw die nackende tümpel, was sie über ir scham gespannen hat!
qu. v. 1485
bei Schmeller-Fr. 1, 510;
im ostmd. findet sich: trbe tmpel '
ein mensch, der sich verstellt und tückisch ist, homo subdolus' Steinbach
wb. (1734) 2, 881; trübe tümpel
trüber stiller mensch, nd. dröves drumpel, dreves drumpler Weinhold
schl. 101; tumpel
langsamer, träumerischer mensch Müller-Fraureuth
obers. 1, 262;
redensartlich: a isz a rechter trübe tümpel Bomolcke
sprüchw. (1734) A 5
a; ein timpel war ich doch nich Stehr
abendrot (1916) 15;
wohl an B 2
anschlieszend im schwäb. dümpfel '
kleiner dicker mann' Fischer 2, 455;
ebenso im bair. dumpfel '
dicker mensch' (
dort auch '
gefüllter schweinsmagen, blutwurst') Schmeller 1, 512.