süsz,
adj.; dulcis, suavis, iucundus, gratus, benignus, mitis. herkunft und form. ahd. suozi;
mhd. süeze (
md. suze, soze);
mnd. sote;
mnl. soet;
ndl. zoet;
afries. swēt;
ags. swēte;
engl. sweet;
anord. str;
schwed. söt;
dän. söd;
dazu nach Specht
zs. f. vergl. sprachforsch. 62, 31
anm. 2
die tiefstufe wie in aind. svadati
in ahd. suuazzi, suuazlihho, suuazzitha
ahd. gl. 1, 143, 21; 79, 21; 215, 4
St.-S. u. ö. (
d. i. swazzi
u. s. w., sw-
als anlaut für Keron. gloss. schon von Kögel
über d. Keron. glossar [1879] 10
anm. festgestellt)
sowie vielleicht in ags. swatan
pl. '
bier'. —
dagegen ist got. sutis
in der merklich abliegenden bedeutung '
ruhig, sanft, gelind'
schwerlich anzureihen; formal wäre das nur dann möglich, wenn sutis
mit langem wurzelvokal angesetzt und im ablaut zu as. swōti
gesehen werden dürfte, doch sprechen gewichtige gründe (
bes. der stammauslaut)
für kurzes u,
s. Braune literaturbl. (1908) 328; Streitberg
got. elementarb.5 74
f.; vgl. auch Ehrlich
unters. über d. natur d. griech. beton. 132,
wo got. sutis
zu aind. su- '
gut, wohl'
gestellt wird. zum ganzen s. Armknecht
gesch. d. wortes '
süsz' (
diss. Berlin 1936) 31
ff. —
germ. *swōtja-
ist wie lat. suavis (
aus sādis) '
lieblich, angenehm, wohlschmeckend'
durch das fem. (
vgl. aind. svādv)
aus älterem u-
stamm erwachsen; dieser ist im germ. durch den an. (
aisl., aschw., adän.)
namen Sóte (Lundgren
Uppsalastudier 19)
und die ags. kompositionsform swōt-
indirekt bezeugt (
zweifelhaft ist die beurteilung des seltenen ags. adjektivs swōt,
das nach Holthausen
aengl. etym. wb. 339
nach dem adverb neugebildet ist).
germ. *swōtu-
entspricht genau gr. ἡδύς '
süsz, angenehm',
aind. svād- '
wohlschmeckend, lieblich'
zur idg. wurzel *suād- '
süsz; woran geschmack, freude finden',
vgl. des weiteren aind. svadati '
macht schmackhaft, würzt',
gr. ἦδος '
essig',
ἥδυσμα '
würze',
sowie gr. ἡδονή '
freude, gefallen',
ἥδομαι '
freue mich',
lat. suadeo '
rate' (
d. i. '
mache angenehm, stelle als gefällig dar'),
vgl. Walde-Pokorny 2, 516 (
wo aber lit. súdyti
zu streichen ist, s. Trautmann
baltosl. wb 293).
der ursprüngliche anlaut sw-
hat im ahd. lautgesetzlich das w
vor ō (uo)
eingebüszt; gelegentlich auftretendes w
wird in den ältesten belegen auf einflusz des ablautenden swazzi (
s. o.)
beruhen (
anders rechnet Schatz
ahd. gr. 187
mit dialektischer erhaltung des w);
es sind suuozzi (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 114
St.-S.; suuozssera
Isidor 32, 6; suuazi
bei Kelle
Otfrid 2, 483 (
Freisinger hs.);
ein swuoze
kaiserchron. 3204
var. ist wohl als schreiberwillkür zu werten. in glossen des 8.
jh. noch undiphthongiert: sozzi
ahd. gl. 1, 114, 9. 10; soozo 1, 45, 22; soziu 1, 143, 18
St.-S. —
md. suze
der mhd. zeit, mfrk. auch soze, soess, soes,
monophthongiert und umlautlos, überwiegt als susz, susse
noch bei Luther,
vgl. z. b. 7, 9; 23, 521; 34, 1
W. und oft (
gegen süsz, süsse 7, 29; 15, 496; 32, 305
u. ö.).
entrundung des wurzeldiphthongs zu -ie-
in obd. quellen des 16.
und 17.
jh. nicht selten, vgl. siesse ding Ryff
spiegel u. regim. d. gesundth. (1544) 27
a; siess Eberlin v. Günzburg 3, 120
ndr.; das siesse
österr. weist. (16.
jh.) 5, 38; siesz Frz. Ad. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 75.
häufiger noch begegnet im inlaut die schreibung mit einfacher spirans: suse Luther 18, 262
W.; ssest Fischart
bibl. histor. 29
Kurz; süse Theob. Höck
blumenfeld 13
ndr.; noch bei Göthe,
wohl unter mundartlichem einflusz (
s. u.): süse unterhaltung IV 5, 78; 8, 22
W. u. ö. in der flexion unterliegt süsz
mancherlei schwankungen. unter rhythmus- und reimzwang steht oft in flexionslosen formen die alte vollform süsze,
so Zinkgref
auserles. ged. 60
ndr.; Tieck
schr. (1828) 1, 9; Göthe I 15, 314
W. u. ö., gelegentlich auch sonst: der das honig ssze heiszet Schottel
haubtspr. (1663) 16; süsze Schiller 2, 333
G., besonders im adverb: suse Luther 18, 262
W.; ssze pfeiffen Spannutius
sprichw.-lex. (1720) 584; Göthe IV 1, 228
W.; es schmeckt süsze Scheffel 1, 184
Proelsz. anderseits verlieren flektierte formen die endung: der sss ... ewig gott
manuale curatorum (1516) 59
b;
namentlich im sgl. d. neutr.: ein ... süsz ding
nomencl. lat.-germ. (1634) 166; süsz lieb Brentano
ges. schr. 5, 166; Göthe I 14, 158
W. verkürzter superlativ: süste speis Ph. Bech
Agricolas bergw.-buch (1621) 4;
oft im vers: P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 430; Hagedorn
s. poet. w. 2 (1764) 75; Göthe I 1, 44
W. u. ö. mundartlich ist süsz
über das ganze sprachgebiet verbreitet. im obd. vorwiegend in diphthongischen formen vom grundtypus süess,
seltener süas,
woneben zahlreiche -ie-,
auch -ia-
formen, seltener und nur in den nördlichen randgebieten monophthongisches sêsz, sēss, sīs: süess, siess
schweiz. id. 7, 1407; süess Martin-Lienhart
elsäss. 2, 377
a; süss, sīəs, sīs, sēs Fischer
schwäb. 5, 1970; süesz, siəsz,
oberpfälz. sêisz Schmeller-Fr.
bair. 2, 333; süas Bacher
Lusern 349.
md. vornehmlich monophthongiert und entrundet, im östlichen teil stärker als im westlichen mit einfacher spirans und auslauts-e
in der unflektierten form: sise Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 591
a; sisə
Hofmann niederhess. 236; sisz Crecelius
oberhess. 828
neben diphthongischem seusz, sois
ebda; siess Follmann
lothring. 478
b; se
iss
luxemburg. 407;
im ripuarischen mit nd. stammvokal -ö-: sösz Hönig
Köln 170; Rovenhagen
Aachen 135.
die nd. grundform ist söt,
s. Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 259;
brem.-nds. wb. 4, 927; Mensing
schlesw.-holst. 4, 713; Dähnert
pomm.-rüg. 442
b; Frischbier
preusz. 2, 249
a.
diphthongierte und zweisilbige formen mit -e
im auslaut mehr im süden des gebietes: soite Schambach
Göttingen 201
a; Flemes
Kalenberg 146; seut(e)
ebda 360; zȳetə Leihener
Cronenberg 119;
soüt
e Bauer-Collitz
Waldeck 96
b;
doch vgl. auch seut Mensing 4, 713.
bedeutung und gebrauch. schon in den auszer- und innergermanischen verzweigungen der idg. wurzel sād-
liegen die spezifische geschmacksbedeutung '
süsz' (
wie honig, zucker)
und die allgemeinere '
wohlschmeckend'
sowie die nicht auf sinnlichen gebrauch einzuschränkende vorstellung '
angenehm, lieblich'
so eng neben- und ineinander, dasz eine historische entwicklung der bedeutungen nicht aufzuzeigen ist. so erscheint denn auch das deutsche wort süsz
bereits bei seinem eintritt in die quellen auf der gemeinsamen basis '
angenehm, wohltuend'
in seinen wichtigsten sinnlichen und auszersinnlichen bedeutungen, in genauer übereinstimmung mit seinen häufigsten latein. entsprechungen dulcis und suavis. von einer priorität der bedeutung '
süsz wie honig',
ihrer '
erweiterung'
zu '
wohlschmeckend',
ihrer '
übertragung'
auf die andern sinnlichen und die abstrakten bereiche kann (
gegen Armknecht
gesch. d. wortes '
süsz' 35-40; 69
f.)
um so weniger die rede sein, als gerade im ahd. des 8.-10.
jh. die unsinnliche verwendung weit überwiegt, was freilich z. t. im inhaltlichen charakter der quellen begründet ist. erst seit Notker
tritt der spezifische geschmacksbegriff (
s. u. I A 2)
so in den vordergrund, dasz bis in den jungen gebrauch hinein, besonders fühlbar im barock, alle andern verwendungsweisen in bild und vergleich dort sehr häufig anknüpfen, wie auch die mundarten diese bedeutung sichtlich bevorzugen. im auszersinnlichen gebrauch ist süsz
ein wort mehr des affekts als der vorstellung, und durch die sich vielfach überschneidenden oder verwischenden bedeutungen hindurch werden bestimmte bereiche greifbar, die süsz
als eine art kennwort an sich ziehen, so seit dem mhd. der erotische (
s. vor allem I D 3; II A 2 b
β; C 3; D 2),
nur in älterer sprache der höfische (
s. I C 1 b; II B 2 a; 4; C 2 c),
bis in den spätbarock der religiöse (
s. II C 1; D 1),
in jüngerer der psychologische (
s. II A 2 b
α);
innerhalb dieser bereiche, der ihnen zugehörigen zeitlichen epochen und häufig auch bei den in ihnen hervortretenden schriftstellern wird süsz
vielfach zum mode- oder lieblingswort, als welches es auch in bestimmten schichten der modernen umgangssprache lebt (
s. II B 2 a; 4).
obwohl im grunde eine subjektive empfindung kennzeichnend, erscheint süsz
in seiner sprachlichen anwendung überwiegend wie eine den objekten zugehörige eigenschaft, die in gewissen fällen sogar aktivische funktion annimmt (
s. u. II C). II.
im bereich der sinnlichen empfindung. I@AA.
als geschmacksbezeichnung. I@A@11)
in der frühesten bezeugung, aber immer wieder auch noch bis in den jüngeren sprachgebrauch hinein soviel wie '
wohlschmeckend, schmackhaft'
oder auch nur '
genieszbar' (
vgl. auch ältere synonymität von süszen
und salzen
unter süszen 1 a
α und oben herkunft und form).
ursprünglich also nicht auf eine spezifische geschmacksqualität (
s. u. 2)
zielend, wenn auch seit dem mhd. wohl weithin von dort her als erweiterung empfunden. I@A@1@aa)
vom brot (
s. auch 2 b
α; d
β)
und von speisen allgemein, '
wohlschmeckend',
auch mit dem beisinn '
nahrhaft, bekömmlich'
; eigentlich und bildlich: thoh findu ih melo tharinne (
im gerstenkorn),in thiu ih es joh brosmun suaza in alawar beginne, Otfrid III 7, 28;
vom sakrament: aller brote suzzeste heil den guomen mines hercen
dt. ged. d. 11.
u. 12.
jh. 379
Diemer; wir lesen ir leben, wir lesen ir tôt: und ist uns daz süez alse brôt Gottfried
Tristan 236; das liebe tägliche brod schmeckt einem doch süsze maler Müller (1811) 1, 308; zi suazeren goumon (
zu wohlschmeckenderen mahlzeiten) Otfrid II 9, 28;
vgl. kl. altniederdt. denkm.2 54, 15
Heyne und ags. swête mete
dapis fram swêtrum mettum
a cibis luculentioribus bei Bosworth-Toller 952
b; sîn salse was diu hungernôt, diuz im briet unde sôt daz ez ein süeziu spîse was und wol vor hunger genas Hartmann v. Aue
Iwein 3281; under den speiszen, deren etzliche allein süsz und schmackhafftig, etzliche auch darzu gesundt und heylsam seint Hutten
op. 1, 448
Böck.; wie der storch ... die schlangen ... mit seinem schnabel todt stosze, und solche auch, als eine süsze speise, seinen jungen mitbringe J. Prätorius
winterfl. d. sommervögel (1678) 205; hinfort wird keine wonn am süszen mahl mehr sein, wird unlust herrschen immerdar Bürger 149
Bohtz. namentlich vom fleisch: menschenflaisch ist zimleicher und süezer ze essend wan kain ander flaisch Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 148, 4
Pf.; dein lust lieber am hasen büsz, des fleisch ist ausz der maszen süsz ... thut basz denn alle wildpret schmecken Burkhard Waldis
Esopus 1, 303
Kurz; komm! dein fleisch wird süszer seyn als dein grusz (
der löwe zum widder) Lessing 8, 57
M.; vgl. Mensing
schlesw.-holst. 4, 713.
sprichwörtlich in dieser bedeutung weit verbreitet, vgl. schon: michel hunger tuot prot suozze Notker 2, 268, 11
P.; hunger macht rohe bonen süsze Tappius
adagiorum centuriae septem (1545) m 5
a; Binder 98; je näher am bein, je süszer das fleisch Binder 52; so söt as de rand vun n pankoken Schütze
holstein. 4, 158.
nur in älterer sprache gelegentlich auch einfach '
eszbar': echinus ist ein suoze fisg luzzeler samo ruoh so ein igel Notker 1, 167, 28
P.; edulis zote spise Diefenbach
n. gl. 145
a (
edule eyn dingh dat ethe is [1417
nd.]
ebda). I@A@1@bb)
vom wasser (
s. auch 2 d
β),
sofern es '
genieszbar, schmackhaft'
ist; dabei spielt, besonders im bildgebrauch, die vorstellung '
erquickend, labend'
mit. beim vb. süszen
schon im 8.
jh., s. u. süszen 1 a
α: 'so gange im herod drincan te mi', quathie, 'dago gehuilikes suotian brunnon'
Heliand 3914
S.; vgl. Otfrid II 9, 64; unde genuoge getrunchin gerner so suozes wazeres (
ex eodem dulcissimo gurgite) Notker 1, 708, 5
P.; auch würd das dorffwasser im brunnen so süsz und geschmack werden, das manchem durstigen schnitter ein kalter trunck wassers basz schmacken würd, dann den reichen hünerfressern der badwarm gänszwein Fischart
praktik 5
ndr.; die wiese wird erfrischt von vielen süszen bronnen Opitz
teutsche poemata 53
ndr.; so angenehm wie diese rieselt keine quelle; kein wasser ist so kühl; kein wasser ist so süsz Sal. Geszner
w. (1778) 2, 6.
in bildlicher wendung: dasz sie die erlahmte kraft seines geistes neu belebt habe, indem sie ihm den süszen trank aus dem flusse Eunoe ... gewährte Döllinger
akad. vortr. (1888) 1, 92. I@A@1@cc)
neben anderen getränken gewinnt süsz '
wohlschmeckend'
den charakter eines schmückenden, auszeichnenden beiwortes im sinne von '
köstlich, kostbar',
namentlich in poetischer sprache. am geläufigsten in der verbindung süszer
wein (
anders dagegen 2 a
β, b
α, d
α): die praedicatio ... samo suoze ... so der tuiresto win Williram 124, 5
Seem.; man vleiz sich guoter spîse und süezer wîne zuo dem spil Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 16191; die nacht, die lieb, der ssze wein, nicht gute rathgeber seyn Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, r 1
a; süszer schmeckte der wein, weil ihn blühende götterjugend den menschen gab Novalis 1, 30
Minor; bildlich: sie ist mein stern, mein sonnenlicht ... mein süszer wein, mein himmelbrodt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 375
b.
ähnlich süsze
milch (
doch s. auch 2 d
α): ... daz ir den wîn habt trunken mit der milch so süezen Frauenlob 4, 11; die besten lämmer auf den feldern, die süszte milch, den schönsten strausz Fr. v. Hagedorn
s. poet. w. 2 (1764) 75. I@A@1@dd)
gelegentlich schwingt in diesem wortgebrauch '
wohlschmeckend'
spürbar das moment des lockenden, verführerischen mit, das auch sonst in sinnlicher und auszersinnlicher anwendung des wortes begegnet (
s. u.C 2 b; II C 2 a
β): verstolniu wazzer süezer sint denne offen wîn, jehent diu kint Freidank 136, 9
Gr.; gestolen wasser ist ssze Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) s 2
b; verbotten obs ist süsz Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 6
b; nichts schmeckt so süsz, als das gestohlne brot Ramler
fabellese (1783) 1, 87.
ähnlich in der bildlichen wendung süszes gift: huorerey ain sszes gifft G. Mayr
sprüchw. (1567) c 7
b; ein mensch, der aus dem zauberkelche der sinnlichen ergözzungen, des süszen gifts zu viel schlürft Schubart
leben u. gesinn. 1 (1791) 222; als könne sies nicht abwarten, immer mehr von seinen frivolitäten einzusaugen, von all dem süszen gift Fontane I 4, 437. I@A@22)
als bezeichnung einer bestimmten physiologischen geschmacksempfindung. in engerer bedeutung als 1
von jener hervorstechenden geschmacksqualität, wie sie namentlich dem honig, dem zucker, bestimmten früchten und anderen naturprodukten eigen ist. vor Notker (
s. u. a
und vgl. auch suuazzitha honakes [8.
jh.]
ahd. gl. 1, 215, 4
St.-S.)
selten bezeugt, dann aber zu einer der wichtigsten bedeutungen entfaltet, in der die allgemeine vorstellung '
angenehm'
nur noch sekundär gegeben ist oder an eine sinnliche empfindung bestimmter art gebunden bleibt. I@A@2@aa)
in fester anwendung. I@A@2@a@aα)
von honig und zucker: also honang sueze heizet, wanda diu suezi in imo ist Notker 1, 453, 16
P.; honig und honigseim, das uswendig das ssseste heist Tauler 228, 14
V.; (
die rose,) die durch geruch und safft die bienen offt ergötzet, wenn sie aus selbiger ihr süszes honig ziehn Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1697) 7, 283; auch die disteln tragen für dich des süszen honigs viel Fouqué
gefühle (1819) 1, 45;
von hier aus auch: bienen ... wol etwaz von den sssen blmlin nemen Heyden
Plinius (1565)
vorr. 6
a; blumenkosende biene, warum verlässest du deine süsze blumen und störst sumsend der liebenden kusz? Herder 26, 11
S. besonders als vergleichsmittel (
s. honigsüsz): suottera ovir honog in râta (9.
jh.?)
kl. altniederdt. denkm.2 6
Heyne (
dulciora super mel ps. 18, 11); waz ist suszer denn daz honig: und was ist stercker denn der lewe?
erste dtsche bibel 4, 395; doch zieht er nicht die traube zum erwerb, mit seinen söhnen trinkt er selbst den saft, der nicht wie honig süsz, doch frisch und herb G. Keller (1889) 10, 24.
ein gewisses übergewicht dieser spezifischen geschmacksbedeutung über alle anderen kommt auch darin zum ausdruck, dasz die vergleichenden wendungen süsz wie honig
und, seit dem mhd., süsz wie zucker (
s.zuckersüsz),
auch in solchen sinnlichen oder auszersinnlichen gebrauchsweisen begegnen, in denen süsz
unabhängig von der geschmacksbedeutung seit alters zu hause ist, so z. b. in der anwendung auf gehörsempfindungen, s. I C 1 e: sein (
Nestors) stimm fürbasz vil süszer weder hönig was Spreng
Ilias (1610) 6
a; seine rede war süszer als honig Gerstenberg
br. über merkwürdigk. d. litter. 184
dt. lit.-denkm.; im ästhetischerotischen bereich, s. II B 2 b: untz daz ir ietweders lip dem andern suzer muz sin danne zucker und zimin
kl. mhd. erz. 115
Rosenhagen; seine härtliche lippen sein so schöhn als korallen, und so sühsze als honig und honigsäum Ph. Zesen
adriat. Rosemund 264
ndr.; in der religiösen anwendung II C 1 (
über die reiche verwendung in der mhd. geistlichen metaphorik vgl. Armknecht
gesch. d. wortes '
süsz' 45
f., in barocker religiöser dichtung Brzóska
anthropomorphe auffassung d. gebäudes u. s. teile [1931] 40
ff): truhtenes urteilda sint ... suozeren danne honang unde selbiu diu uuaba (
iudicia domini ... dulciora super mel et favum) Notker 2, 59, 20
P.; (
Jesus) wie zucker und honig ssz im mund, wie himmeltaw im hertzen grund Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 273;
im bereich der bedeutung '
freundlich'
und ihrer erotischen steigerung '
verführerisch, verlockend',
s. II C 2, 3: alle meine reden fielen mitleidenlicher und süszer als zucker Grimmelshausen 2, 558
Keller; das lächeln um ihren süszen mund war süszer als honigseim E.
M. Arndt 6, 220
R.-M. I@A@2@a@bβ)
von bestimmten früchten und den aus ihnen gewonnenen getränken (
doch s. auch 2 d
α): die rifon unte die suozon vigon Williram 41, 7
Seem.; agrumen reizend, feigen süsz und milde Göthe I 4, 12
W.; doch læse ich samfter süeze birn
Wolfram Parzival 80, 1; der birnen süsz geschlecht, die honigreiche pflaume A. v. Haller
ged. (1882) 29; die sconen unte die suozon epfele Williram 28, 4
Seem.; äpfel, wenn sie zeitig sind, sind auch am geschmack recht süsze Stoppe
Parnasz (1735) 89; da saszen beide ehrliche alte grauköpfe in den ästen des kirschbaumes und genossen noch einmal zusammen die süszen früchte ihrer jugend Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 93; das klima mild. die trauben, auch am boden, werden zeitig und süsz
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 127; braune nüsse haben süsze kerne Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, l 5
a; pyren, nussz, öpffel und ander süsz opss ... iszt er gern Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 13. süsze frucht
in geläufigster verbindung: aller art gut fruchtbare baum, daran die süszen früchte hangen Hans Sachs 1, 25
K.; des oceans süszeste früchte und farbige muscheln maler Müller (1811) 1, 153;
metaphorisch: der ficboum nepluot noh win newirt in wingarten. so Christus chumit, so nibiret diu iudisge diet suozen wuocher Notker 3, 367, 13
P.; ja Karl! dein himmlisches gemüthe schenkt itzt der welt des friedens süsze frucht Gottsched
ged. (1751) 1, 5.
von gebrannten oder gekelterten getränken, deren geschmack durch den zuckergehalt der fruchtsäfte bestimmt wird: so wrdt er (
ein brennter wein) milt und ssz, einem malvasier gleich Osw. Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 387; unter andern (
likören) war einer namens baume humain, welcher weniger süsz, aber stärker, ganz besonders erquickte Göthe I 33, 38
W.; (
sie) schenkten sich ein aus dem fläschchen ... und schlürften wohlgefällig das süsze feuer Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 308; diser berlimost (
d. i. bergbirnenmost) ... wirt gar bestendig und süsz Stumpf
Schweizerchron. (1606) 349
a; Adam gosz nun in eine muschel süszen, aus äpfeln gepreszten trank ein maler Müller (1811) 1, 65.
terminologisch süszer
most, süszer
wein für den jungen, stärker zuckerhaltigen, noch nicht ausgegorenen traubenwein: nim ein halbe tonnen guten sszen most, welcher am vorlauff, ehe die trauben gedruckt worden, heraus geloffen sey Thurneysser
magna alchymia (1583) 46; es wird, da wir dich (
den neugeborenen prinzen) itzt
zur traubenzeit erblicken, ein steter seegensherbst durch dich das land beglücken, der landmann wird, wie itzt von most und süszem wein, einst auch vom überflusz des himmels trunken seyn Joh. Ulr. v. König
ged. (1745) 82; newe wein seynd ssz Lehman
floril. polit. (1662) 1, 159.
so schon in der bekannten, als redensart weiterlebenden bibelstelle: sie sind voll süszen weins (
gr. γλεύκους,
lat. musto)
acta 2, 13; weswegen man sich nicht wundern darf, wenn er voll des süszen weines ein u für ein x gelesen Görres
ges. br. (1858) 2, 510;
vgl. Mommsen
röm. gesch.2 (1856) 1, 204. süez als ein mete Konrad v. Würzburg
Pantaleon 264; ssz mett ... trincken Fischart
binenkorb (1588) a 86; uns ist wein gerecht als suss honigwasser, der milt ist und nicht vil hinder im hat (1472) Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 157;
nectar susz tranck (
md., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 377
b; (
er) begann, dem krater süszen nektar zu entschöpfen Bürger 149
Bohtz. I@A@2@bb)
im sinne von '
gesüszt',
bei den durch zusatz von honig, zucker oder gewissen würzmitteln hergestellten speisen und getränken, vgl. mellitus gehonicht vel soesz (1507) Diefenbach
gl. 354
c;
edulco süsz machen Frisius (1556) 460: nim ein gantz frischen roszzirch ... machs mit zuckercandi oder anderm zucker ein wenig ssz Osw. Gäbelkover
artzneyb. (1596) 1, 159. I@A@2@b@aα)
in verschiedenen verbindungen, eigentlichen und bildlichen gebrauchs: dasz sie schon den zucker gebrauchet, unnd ire hypocras, claret unnd juleb darausz gemachet haben ... darumb haltens die gelerten, die Lamechiten haben solcher sszer, gewrtzter und hitziger mOeste und gedrenck gebraucht Mathesius
Sarepta (1571) 10
a; ein süszer wein 'ypocras' genannt, dem seiner zusammensetzung nach unser glühwein gleichkommen dürfte Fr.
M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 323; trank beim zuckerbäcker einen schönen süszen kaffee Gaudy (1844) 2, 87; wie die artzet die pillulen mit zucker und gewürtz bedecket, dem krancken darreichen, und under dem schein eines süszen pülverlins, auch das bitter zu irem nutz ... einbringen Casp. Scheit
Grobianus 5
ndr.; selten süszes
brot (
doch s. 1 a; 2 d
β): wildu aus saurm hertten taig suess prot pachen, muos derselb taig ... der mass zuoberait werden, daz er geschickt sey, suess honig in sich zenemen Berthold v. Chiemsee
t. theol. 41
Reithmeyer; etwas in einer süszen brühe einmachen
M. Kramer 2 (1702) 1042
a,
vgl. in schwäbischer redensart versauren in der süszen brüe '
geistig verkommen' Fischer 5, 1970; nun waren sie ihrer armuth und ihres hungers ledig und aszen süszen brei, so oft sie wollten
kinder- u. hausmärch. 2, 144
Panzer. in bildlichen wendungen dient süsz
hier zur umschreibung des verlockenden (
s. auch II C 2 a
α,
β): (
die poeten) machen ein ssze br darber, das jederman solchs (
ihre lehren) einnemm lieber Fischart
vorbereit. in den Amadis (1572) a 8
a; reiche worte, breite tittel sind des hofes süszer brey Logau
s. sinnged. 625
lit. ver.; wie die katze um den süszen brei, so schlich ich um meinen vater herum, und endlich hatte er meinen stummen blick verstanden Storm
ges. schr. (1868) 9, 25. I@A@2@b@bβ)
in spezielleren anwendungen: der mertz die feuchtigkeit auff thuot, eyn ssze spysz macht dir guot bluot
d. ewig. wiszheit betbüchl. (1518) a 4
a; durch solche schmierbung und undermischung des süszen geschlecks (
zucker, mandeln, rosinen u. ä.) Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 769; süsze speisen
vivande, cibi dolci M. Kramer 2 (1702) 1041
c.
in jüngerem gebrauch süsze
speise im sinne von '
nachtisch' (
s. u. süszspeise): als er beim abendtische mit einer süszen speise vorüber eilte Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 4; und dann eine süsze speise. so was mit schlagsahne Fontane I 5, 210.
besonders neben konfekt
u. ä.: da ... die ritterschaft aus diesem zuckerbäcker ein landesgravamen machte und seiner durchlaucht ... vorstellte, dasz das süsze konfekt dieses mannes die bitterkeit der papistischen lehre nimmermehr versüszen könnte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 73; wenn die frommen bäckersleut viele süsze zuckersachen backen und zurechte machen W. Busch
Max u. Moritz (1865) 38; es ist ein motiv, das jedem roman als würze beigegeben wird wie bittere mandeln einem süszen kuchen W. Hauff
s. w. (1890) 3, 208;
substantiviert: süszes essen
mangiar cose dolci, dolciumi M. Kramer 2 (1702) 1042
a; endlich entwickelte sich ein hunger nach süszem, der an das krankhafte grenzte v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 140;
auf den genieszenden übertragen: wer ist ein süszer schlecker? lasz er sich holen weinverderb vom nachbar zuckerbäcker Rückert (1882) 5, 346. I@A@2@cc)
seit alters erscheint süsz
häufig in der gegenüberstellung zu gegenbegriffen wie bitter,
sauer,
auch herb, scharf
u. ähnl. I@A@2@c@aα)
im eigentlichen gebrauch: taz honang ist ouh teste suozera, ube der munt pefore ieht pitteres kechorota Notker 1, 128, 6
P.; wil ich schmecken, ob der apffel süsz oder sawer ist
engl. comed. u. traged. (1624) d 1
a; sauer und süsz kochen '
eine speise mit gesüszter saurer sauce bereiten' Frischbier
preusz. wb. 2, 249
a; wie der artzt einem herben safft mit honig gibt ein ssze krafft Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 4
b; ettliche under in (
den quitten) seint streng, ettlich ssz (
quaedam acetosa et quaedam dulcia)
Petrus de Crescentiis v. d. nutz der ding (1518) 73
b;
in der physiologischen begriffsbestimmung: eiveriu ding ... unde sueziu Notker 1, 501, 3
P.; der gewechsz complex, so ssz und sawr, bitter, scharff, rAesz, herb, temperirt Thurneysser
magna alchymia (1583)
vorr. 6; die vorstellungen (
beim schmecken) sind von schmackhaft und unschmackhaft, scharf, süs, sauer, bitter u.
s. w. Schiller 1, 82
G. I@A@2@c@bβ)
besonders in der bildlichen und sprichwörtlichen anwendung auf auszersinnliche bereiche ist die gegenüberstellung von süsz
und sauer, süsz
und bitter
reich entwickelt, vgl. auch die anwendungsweisen II A 1 a
γ, b
γ, C 2 b,
in denen aber die sinnliche wurzel der antithese schon nicht mehr fühlbar ist: denn solche leut sind sehr gebt, habn sawr und sszes wol geprbt Ringwaldt
d. lauter warheit (1597) 44; (
der alte Derfflinger,) der, wie er sich selber ausdrückte, bei hofe 'viel saures und süszes' gekostet hatte, 'aber des sauren mehr' Fontane (1890) 7, 88; einer hungerigen seel ist alles bitter süsz Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, t 5
b; beim anblick des lieben hauses, in dem ich an die funfzig jahre gelebt, und wechselnd den kelch süsz und den kelch bitter geschmecket Gaudy (1844) 17, 136;
vor allem in der sprichwörtlichen abwandlung des satzes '
kein freund ohn leid': süezer slic hât sûren slac Hugo v. Trimberg
renner 725; ssz getruncken, saur bezalt Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 23
a; Binder 191; aus sszem wein wird sawer essig Lehman
floril. polit. (1662) 1, 218.
gelegentlich auch als blosze gegensatzbestimmung: waz wær tunkel, wær niht klâr? waz wær liep, wær kein leit? waz wær ruow ân arebeit? waz wær süez ân sûren?
Reinfrid v. Braunschweig 16286; das ist ir zu susse, das ist ir zu sawer; des ist ir zu vil, des ist ir zu wenig; nu ist es zu fru, nu ist es zu spate
ackermann aus Böhmen 35
Hübner; die aus sawr süsze, und aus süsze sawr machen
Jes. 5, 20. I@A@2@dd)
vom ausgesprochenen oder unausgesprochenen gegensatz des sauren, bitteren, herben, salzigen her auch in ganz bestimmt unterscheidender, spezifizierender bedeutung; durchweg in festen anwendungen. I@A@2@d@aα)
zur unterscheidenden bestimmung solcher fruchtsorten und getränkarten, die auch in mehr oder minder entgegengesetzter geschmacksrichtung begegnen. süsze
äpfel, kirschen (
im gegensatz zu sauren,
s. u.süszapfel, -kirsche,
anders oben a
β),
vgl. schon malomellum suzephel (12.
jh.)
ahd. gl. 3, 98, 44
St.-S., mellum susze apfel (15.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 355
a: Eva hat in einen süszen apffel gebissen wider gottes verbot, dafür müssen wir offt in einen sawren apffel beiszen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, c 4
a; die sszen kirschen gon baldt usz den magen, ... aber die sauren trucknen mer
Petrus de Crescentiis v. d. nutz d. ding (1518) 63
b; süsze kirschen
cirieggie dolci (
non vischiole ò marasche)
M. Kramer 2 (1702) 1042
a;
amigdale dulces suzz mandelkeren (13.
jh.)
ahd. gl. 3, 534, 13
St.-S. (
vgl. amigdala amara bidder mandulun
ebda 494, 7);
M. Kramer 2 (1702) 19
a; anisium haizt aneis und haizt auch rœmischer venichl ... und haizt man ez auch süezen kümel Konr. v. Megenberg
buch d. nat. 385, 1
Pf.; annisium annis, eyn soute crut (
nd., 15.
jh.) Diefenbach
n. gl. 24
b.
mehr zur abgrenzung gegen verwandtes, das nur '
nicht süsz'
ist: süsze kartoffeln ... werden zu eben diesem behuf (
auf Madeira) gepflanzt und machen nebst den castanien die hauptartikel ihrer kost aus G. Forster
s. schr. (1843) 1, 43.
mit der vorstellung des eszbaren, genieszbaren verbunden: wir trafen noch immer süsze kastanienbäume an fürst Pückler
briefw. (1873) 2, 200; das süsze holtz
glycyrrhiza Amos Comenius
janua (1644) 38 (
s. u.süszholz);
redensartlich: nun wil ich mich heim machen zu hauss und süszes holtz nemen ins maul (
d. h. schmeicheln) Hans Sachs 9, 135
K. süszer
wein (
anders oben 1 a; 2 a
β; b
α),
von den weinen südlicher länder im unterschied zu den säuerlich schmeckenden der nördlicheren zonen (
s. u. süszwein): daz waz der suoze kippirwin (
Cypernwein)
St. Georg. pred. 303
R.; vgl. 309, 22; in sieszem wein oder malvasier geweichet Osw. Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 23; confeckt und süsen rothen wein Göthe IV 5, 16
W.; ihre stimme war tief und warm, ich trank sie wie süszen wein Herm. Hesse
Demian (1930) 194;
daneben: süsz bier
birra dolce (
non piccante)
M. Kramer 2 (1702) 1042
a. süsze
milch die frische, noch ungesäuerte (
anders oben 1 a),
im gegensatz zu saure milch,
vgl.soete melc
bei Verwijs-Verdam 7, 1480: sol sie (
die schwangere) eine ssze milch stAehlen lassen und dieselbige essen oder trincken Jac. Ruff
hebammenbuch (1580) 47; etliche geben ihnen gepülverten schweffel und niesewurtz in süszer milch zu trincken
viehbüchlein (1667) 80; in Osterstade besteht diese mahlzeit fast täglich aus gerstengraupen, in buttermilch dick gekocht und mit süszer milch übergossen Allmers
marschenbuch3 (
o. j.) 229;
ähnlich: vermischet 6 eyer, etwas kern oder süszen ram Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 170
b.
von hier aus: der senn sol all das geschäft auf den spann aufschneiden, sowohl das saure als das siesze (16.
jh.)
österr. weist. 5, 38; süszer käse: wann du ainen sszen kAesz darin thon haust, gaut der an dem boden, so ist es (
das salzwasser) noch unzittig; schwimpt er so ist es zittig Österreicher
Columella 280
lit. ver.; süeszer chǟs
im gegensatz zu dem aus sauer gewordener milch hergestellten, s. schweiz. id. 7, 1407 (
s. u.süszkäse, süszmilchkäse). I@A@2@d@bβ)
in anderen festen verbindungen wird süsz
schon früh ein blosz relativer begriff, der das geschmacklich mehr oder weniger indifferente gegen verwandtes abhebt, das stark salz- oder säurehaltig ist. bei brot oder speisen im sinne von '
ungesäuert'
oder '
ungesalzen'. süszes
brot (
anders s. oben 1 a; 2 b
α)
vom frühen 15.
bis ins frühe 18.
jh., daneben und später ausschlieszlich ungesäuertes brot:
acrisima sote brot (
nd. 1417) Diefenbach
n. gl. 7
a; und nach zween tagen war ostern, und die tage der sszen brot
Mark. 14, 1;
vgl. M. Kramer 2 (1702) 1041
c; das fromme lamm, der heyland, kam, asz süszes brodt und osterlamm Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 302;
im geistlichen bildgebrauch: als dann ir das ssz unverheblet brot sind Zwingli
dtsche schr. 1, 339.
in älterer sprache bezeichnet der gegensatz süszes — saures brot
den des feinen weiszbrotes und des groben schwarzbrotes (
s. u.süszbäcker 1, süszbrot 1): chainerlay prot, weder saurs noch suesz
bei Schmeller-Fr.
bair. 2, 320.
weiterhin: süsze butter
butiro dolce cioè fresco, non salato nè strutto M. Kramer 2 (1702) 1041
c; ste botter Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 259; der vierdte kOel wird bey uns lattichkOel und ssz kOel genannt, der ist sszer denn alle andere arten desz kOels Wirsung
artzneyb. (1588)
reg. s. v. kappisz; süsz kraut
cauoli capucci, cioè freschi, non conciati M. Kramer 2 (1702) 1041
c; süesz krüt, süeszi ruewe
n '
gegensatz zu sauerkraut, sauerrüben' Martin-Lienhart
els. 2, 377
a (
vgl. auch süszkraut Fischer
schwäb. 6, 3262; Martin-Lienhart 1, 532
b).
gelegentlich geradezu '(
zu)
schwach gesalzen': süsze böckling
arenghe fumate dolci cioè con poco sale M. Kramer 2 (1702) 1042
a; allzu süsz gesaltzen
dolce di sale, cioè non salato abbastanza ebda; vgl. mnl. eene tonne haarincx, vol ende zoete (1495)
bei Verwijs-Verdam 7, 1482. süszes
wasser (
s. u.süszwasser),
lat. dulcis aqua, im deutschen seit dem 13.
jh., doch s. schon oben 1 b;
vornehmlich zur unterscheidung des flusz- und binnenwassers, auch des regenwassers vom salzwasser des meeres: durch ein süezez wazzer, daz heizet der Jordân Berthold v. Regensburg 2, 37, 5
Pf.; von den fischen, die sich im meer, sszen wassern ... regen Heyden
Plinius (1565)
titelbl.; ein seemann auf süszem wasser.
i. e. ein erbsenbrater, so nicht weit kommen ist Castelli
ital.-teutsch. wb. (1741) 1, 14
a; under allen wazzern ist rainz regenwazzer daz gesündist dar umb, daz ez leicht ist und süez Konrad v. Megenberg
b. d. nat. 104, 5
Pf.; es regnete heftig und das süsze wasser mit dem gischt des salzigen rann an ihrem leibe herunter Peschel
völkerkde (1874) 429;
in verwandten verbindungen: zu dem ist dieser see im anfang ein meer gewesen, gleiches flusz und wassers mit dem pontischen meer ... nun aber ist es ein sszer see Xylander
Polybius (1574) 221; nach etwa 14 wersten legten wir einen süszen, schilfreichen see ... mit vielen einbusen ... zurück Nehring
tundren u. steppen (1890) 50; Mithridates ... vergewisserte sie, dasz eine tagereise von dar ein süszer flusz ... sey Lohenstein
Arminius (1689) 1, 224
b;
bildlich: das meer trinkt süsze ströme, und dennoch bleibt es bitter Herder 27, 29
S. süszes wasser
das genieszbare trinkwasser: der patron des schiffes ... an das lant ab gesessen was, süszes wasser auf ze laden Arigo
decamerone 148
K.; in felsen neben zu ein hol, desz sszen brunnenwassers vol Spreng
Äneis (1610) 6
a; welche inseln zu jener zeit eine ... wüste ...
ohne süszes wasser waren Ratzel
völkerkde (1885) 2, 316;
bildlich: wenn so ein musje von, sich da und dort, und dort und hier schon herumbeholfen hat (
in der liebe) ... schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben Schiller 3, 357
G. speziell auch das von bodensalzen und -säuren freie wasser: (
man soll auch) die mistgruben nicht mit versaltzenem sondern mit sszem wasser fllen Michael Herr
feldbau (1551) 36
a;
vgl. Sebiz
feldbau (1579) 11;
chemisch: so offt davon distilliert, bisz das wasser wider gantz ssz gehet, und nicht nach schwefel stincket Paracelsus
op. (1616) 1, 894
H.; fachsprachlich süsze wäsche '
eine nochmalige kochung (
der stearinkerzen)
mit brunnenwasser' Prechtl
technol. encyclop. (1830) 24, 12.
hierhin auch die anwendung des wortes auf den boden, die wiesen, den wiesenwuchs; nur in älterer sprache, zur kennzeichnung des guten, fetten bodens, der frei von schädlichen salzen ist: dise (
roggen- und gerstenspreu), wann sie erfaulet seind, begttigen sie gleichsam das versaltzen erdtrich, und machens ssz Mich. Herr
feldbau (1551) 43
b; 35
a; der best grund ist der schwartz ... und den man leicht, süss und feisst im antasten und handlen fület Sebiz
feldbau (1579) 22;
in fast wörtlichem anschlusz noch bei Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 6
a.
vergleichbar ist die unterscheidung süsze — saure
wiesen, süszes — saures
gras, heu u. ä. (
vgl.sauer 5 b
teil 8, 1869),
die den allgemeinen gegensatz gut, trocken —
schlecht, feucht ausdrückt, in der aber süsz
im grunde nur das fehlen säurehaltiger säfte anzeigt: in süszen wiesen, mit gutem heu, besonders berggras Buck
flurnamenbuch (1880) 274.
so namentlich süsze gräser
für die als futtermittel vorzüglichen gramineen (
s. u. süszgras 2)
im unterschied zu den geringerwertigen sauren gräsern,
riedgräsern: auf der wiese prägt sich der charakter der säure überall aufs deutlichste aus, denn, wenn auch süsze gräser ... genug vorhanden sind, so trifft man doch überall wiesenwolle, rietgras Ratzeburg
standortgewächse (1859) 352;
wiesen mit süszen gräsern Fischer
schwäb. 6, 3262.
in botanischer bestimmung: ranunculus dulcis seu pratensis sszer hanen fuosz Hier. Bock
eigentl. contrafactur aller kreutter (1553) 40;
ranunculus auricomus süszer hahnenfusz ... die pflanze hat gar nicht die schärfe wie die übrigen arten Nemnich
wb. d. naturgesch. 4, 1128.
daneben auch von 1 a
beeinfluszt mit dem nebensinn '
schmackhaft, nahrhaft': das hAew so man disen monat macht, soll man am schatten dOerren, so gibt es süsz futer Sebiz
feldbau (1579) 56; die kälberkühe aber mit gutem grummet und süszem heu füttern
allgem. haushalt.-lex. (1749) 1, h 2
b;
in bildlich-poetischem gebrauch: wOelcher sin ampt ... miszbrucht zuo sim nutz, die schAefflin verlasset, nit mit sszer weid der gschrift, sonder mit disteln Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 38
ndr.; seine 'idee der vollkommenheit der malerei', ... die derselbe gröszte maler Frankreichs eine süsze weide für bekümmerte seelen nannte Justi
Winckelmann (1866) 1, 298. I@A@33)
im ganzen bereich von A
seit dem mhd. in den festen wendungen süszer
geschmack, süsz
schmecken: (
speise) die hât alsô suozen smac Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 2189; wann sie (
die erde) inn wasser wird getreiffelt, gibets demselben eynen sszen geschmack Sebiz
feldbau (1579) 22; die zunge (
wird) durch den süszen geschmack gekitzelt Reimarus
wahrheiten d. natürl. religion (1766) 226; daz ir werdet obez trechtic, daz gote suze smacke Heinrich v. Hesler
apokalypse 14995; je mehr man gottes wort treibt, je süszer es schmeckt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 5
b; wie könnten sie (
die menschen) das süsze und scharfe schmekken ..., hätten sie nicht die zunge von ihm (
gott) erhalten W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 8. I@BB.
als bezeichnung einer geruchsempfindung. seit dem 8.
jh. bezeugt (
s. 1 a).
viel stärker als bei A
tritt hier, namentlich in älterer sprache, die allgemeine vorstellung '
angenehm'
vor diejenige einer spezifisch gearteten sinnlichen empfindung. dabei verbindet sich süsz
meist mit den geruchsbezeichnungen selber, seltener mit den gegenständlichen trägern des geruchs, erreicht also nicht die prägnanz des gebrauchs A,
s. dagegen süsze 2 a. I@B@11)
in dem vorwiegenden sinne von '
angenehm, lieblich, köstlich duftend'. I@B@1@aa)
ohne feste gegenständliche beziehung: vel suavis odor edho suuazzi suuek(h)e (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 142, 21
St.-S., vgl. im gegensinne unsuoti suek (
von dem toten Lazarus)
Heliand 4082;
fraglancia i. odor suze stanc Diefenbach
n. gl. 181
a (
zu der verbindung süszer stank
vgl. teil 10, 2, 823); sszer geruch
odor dolce cioè soave, grato, fragrante. v. lieblich
etc. M. Kramer 2 (1702) 1042
a. I@B@1@bb)
seit alters in fester anwendung auf den angenehmen geruch erlesener spezereien, gewürze und duftkräuter: der liument guotero tugendi, der also suoze ist also der stanc tiurere chrutere Notker 3, 150, 23
P.; astrica unt wichpoum habent ouch suozen toum
altdt. genesis 504
Dollmayr; sûzer den wîrouch
Straszburger Alexander 6029; gebt süszen geruch von euch wie weyrauch, blühet wie die lilien und riechet wol
Jes. Sirach 39, 18; und die birken streun mit neigen ihr (
Luna) den süszten weihrauch auf Göthe I 1, 44
W.; fromm reichen sie des orients reiche gaben, des goldes zier, der myrrhen süszes duften Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 158; (
die salbe der Maria) ein kostlich unguentum, das ein kostlichen geruch gehabt
etc. ein fein, sus wasser Luther 29, 221
W. auch gelegentliche gegenüberstellung mit sauer
führt über den gegensatz '
angenehm—unangenehm'
nicht hinaus: cardemôn, jeroffel, muscât, lac gebrochen undr ir füezen durch den luft süezen: sô daz mit triten wart gebert, sô was dâ sûr smac erwert Wolfram
Parz. 790, 4. I@B@1@cc)
mit b
hängt der anwendungsbereich des kultischen (
rauch- und brand)
opfers zusammen, der in verbindungen mit süsz
eigentliche und bildhafte bedeutung gewinnt (
s. auch Armknecht
a. a. o. 142
f.; vgl. zur sache E. Lohmeyer
v. göttl. wohlgeruch, sitz.-ber. Heidelb. 1919, 34
f.): min gibet reche sih uf also rouh fore dir. suozen stanc tuo dir min gebet Notker 3, 326, 20
P.; der súste geschmacke des opffers ist des herren (
odor suavissimus)
erste dt. bibel 3, 319, 58
lit. ver. (
2. Mos. 29, 18);
in der Luther
bibel und von dort aus auch sonst süszer geruch
für das gott wohlgefällige opfer: gleich wie Christus ... sich selbs dar gegeben für uns, zur gabe und opffer, gott zu einem süszen geruch
Epheser 5, 2;
Phil. 4, 18
u. ö.; das war ein brandopfer zum süszen geruch, ein feuer dem herrn (1623) Jac. Böhme
s. w. 6, 540
Schiebler; süszes weihrauchopfer,
s. d. teil 14, 1, 747
u. oben b; ein heiszes, herzliches, beständiges lob ist dem hohen himmel ein süszerer geruch als ein geopfertes Arabien J. A. Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 118.
ferner: die gebeyn des gefressnen pferds verbrennen die (
tartarischen) weiber zum süszen geruch des verstorbnen Seb. Franck
weltb. (1542) 97
a; süszer opferduft Rückert
poet. w. (1867) 3, 121. I@B@1@dd) süszer atem,
in festem gebrauch: (
emplastrum) machit die suzzin atemzuge
denkm. dtscher prosa d. 11.
u. 12.
jh. 284
Wilhelm (
Züricher arzneib.); (
die kleinen fische) locket er (
der walfisch) zuo im mit seinem süezen âtem, der im auz dem hals gêt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 247, 28
Pf. später gern erotisch gefärbt: hab ihm die purpurfüsz gekühlt mit hertzen winden, mit meinem athem süsz Spee
trutznachtig. (1649) 64; vor seiner seele ... hing das bild der sanften wange, des süszen athems und der spiegelnden augen A. Stifter
s. w. (1901) 3, 238;
bildlich: die luft, die er athmete, war nicht mehr dieser süsze athem der liebe, von dem jeder hauch die flammen seines herzens stärker aufzuwehen schien Wieland
Agathon (1766) 1, 387. I@B@1@ee)
in der allgemeinen beziehung auf den duft der blumen, des frühlings, der natur im weitesten sinne (
s. auch I D 1 c);
poetischer formel zuneigend: ouch stuont dâ d' erde niht blôz gegen einer hande breit: diu was mit bluomen zerbreit die missevar wâren und süezen smac bâren Hartmann v. Aue
Erec 8729
H.; da gund es (
das blümlein) lieblich blicken, gab auch so süszen ruch Spee
trutznachtig. (1649) 76; süszer duftet die flur, und kühler hauchet der abend grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 1, 14; in der luft schwammen die 'süszen ahnungsreichen' düfte des frühlings Storm (1899) 1, 167; sie starrte zum fenster empor, hinter dem allmählich eine blaue mondnacht aufgestiegen war: taukühl, rein und süsz atmete sie in die vom tage noch dumpfe stube herein Ina Seidel
Lennacker (1938) 267.
in jüngerer sprache auch stark entsinnlicht, mit dem beisinne '
erquickend, belebend': ein blümchen blüht an stillen quellen und athmet süszen lebensduft Körner
w. 2, 15
Hempel; ein herz, vom süszen duft des himmels trunken Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 141. I@B@22)
in gewissen anwendungen gewinnt süsz
den charakter einer bestimmten physiologischen geruchsqualität, die der spezifischen geschmacksemfindung I A 2
verwandt oder doch vergleichbar ist. die vorstellung des angenehmen bleibt freilich immer mitgegeben. I@B@2@aa)
so in der festen anwendung auf den duft bestimmter blumen, kräuter und früchte; in den ersten belegen wohl noch mit komplexerem gehalt, vorwiegend von 1
her bestimmt: thar (
im himmel) blyent thir iolilia inti rosa, suazo sie thir stinkentjoh elichor nirwelkent Otfrid V 23, 274; daz vil suozze thimian
genesis 9, 8
Diemer; rosen knospen dir auf, dasz sie mit süszem duft dich umströmen Klopstock
oden 1, 111
M.-P.; diu suoze lavendele
altdt. genesis 496
Dollmayr; die suoze fiole steit ouch da bi
die lilie 64, 19
Wüst; und doch voll liebreiz duftest du (
veilchen), so bald man dich nur pflückt, uns süszre wohlgerüche zu als manche (
blume), die sich schmückt Chr. Fel. Weisze
lieder f. kinder (1767) 5; der dechant hatte ein wenig ... geschlummert, hatte den süszen, weichen lindenduft eingeathmet Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 2, 150; süsz und schwer vom duft der bergwiesen war die luft
Leipziger illustrierte zeitung (30. iv. 1936) 562.
bei objekten aus dem anwendungsbereich I A 2 a
β,
die süsz
riechen, weil sie süsz
schmecken: es düncke sie nicht anders dann wie ein lieblicher, süszer und wolreiffer apffelgeruch J. Barth
weiberspiegel (1565) e 5
b; der Monte Testaccio ist ausgehöhlt und verbreitet süszen kelterduft aus zahllosen weinkellern Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 9, 489. I@B@2@bb)
vereinzelt in andern anwendungen: die wachteln viel ein süszere spur als die hüner haben sollen Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 43; der geruch der pferde, streng und süsz E. Wiechert
hirtennovelle (1935) 46. I@CC.
zur kennzeichnung einer gehörsempfindung. im ahd. vereinzelt vor, häufiger seit Notker
bezeugt, im frühmhd. bis auf den noch heute gültigen bereich weiter ausgedehnt; stärker noch als bei B
herrscht hier die vorstellung der angenehmen, wohltuenden empfindung vor, die freilich eine spezifizierung des klanges im sinne des leisen, hellen, weichen mehr oder weniger einschlieszt. anderseits bringen musik und rede vom ästhetischen oder vom gefühlsmäszigen her das wort in so enge berührung mit seinem auszersinnlichen gebrauch, dasz die grenzen sich gelegentlich verwischen. I@C@11)
in ausschlieszlich oder doch vorwiegend sinnlicher bedeutung '
wohllautend, wohlklingend',
mit gelegentlicher anspielung auf färbung oder intensität des klanges; vor allem im musikalischen bereich. I@C@1@aa)
vom menschlichen gesang schon früh bezeugt und bis heute in formelhaften verbindungen. als süszer
(ge)sang schon in glossierungen des 9.
jh., seit Notker
auch süsz singen (
s. auch 2 b), süsze stimme:
melodia suazzaz sanc (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 587, 38
St.-S.; vgl. 2, 345, 5; ze suozemo sange Notker 1, 704, 26
P.; gesprech gelyche aller süszistem gesange
N. v. Wyle
translationen 23
Keller; samt dem süszen gesang der hesperischen jungfraun Ed. Gerhard
akad. abhandl. (1866) 1, 18.
im vergleich mit B
oder A: ir sank der ist also suzze als balsame und cynamomes ruche
altdeutsche pred. 1, 147
Schönbach; eure lieder sind süsz wie honig Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 21. süsz
singen: (
sie) sungen in einhellen luton suozor danne du er hortist Notker 1, 721, 16
P.; und uns auch trewlich lassen warnen vor den schmeichlen, betrigling garnen der süsz singenden syrenes Hans Sachs 7, 413
K.; süsz durch den abend, den hellen abend, singen die mädchen dort vor der scheune Agnes Miegel
herbstgesang (1933) 55. süsze
stimme: an diu ward ein suoze stimma fore iro turen mit manigfaltero lustsami Notker 1, 788, 10
P.; erst befiehlt uns die göttin, der zauberischen sirenen süsze stimme zu meiden J. H. Voss
Odyssee 222
Bernays. gelegentlich ausdrücklich im sinne des leisen, hellen, weichen: under des hôrt man singen ein ritter vor dem kastel mit einer stimme, diu was hel, süeze unde kleine als einer sireine Heinrich v.
d. Türlin
krone 936; sie hauchte mit süszer leiser stimme harmonische laute zu ihrem spiele Göthe I 19, 132
W. jünger ist süsze
melodie: diese unterscheid ... macht sie alle melodey süsze und lieblich
M. Agricola
musica choralis deudsch (1533) a 5
b; doch die lieberfüllten sänger dehnten nachts vor meinem fenster ihre süszen melodien Göthe I 2, 96
W. anderes gelegentlich: in luft und auf der weide ertönt das lied der freude, und weckt in süszem schall den dankbarn wiederhall Chr. Fel. Weisze
lieder f. kinder (1767) 61; doch den sänger vermisz ich, den bringer der lust, der mit süszem klang mir bewege die brust Schiller 11, 383
G. in poetischer umschreibung: auch der sirenen süszer mundt und harfen ihn nicht halten kundt Opitz
teutsche poem. 51
ndr.; ihm schenkte des gesanges gabe der lieder süszen mund Apoll Schiller 11, 240
G. selten in unmittelbarer übertragung auf den singenden: des Bacchus lob stimmt nun der süsze künstler an Ramler
lyr. ged. (1772) 306. I@C@1@bb)
vom gesang der vögel, vorzüglich der nachtigall. seit dem mhd. und dort zum festen formelbestand lyrischer und epischer dichtung gehörend, besonders in der verbindung naturhafter und minniglicher elemente; teils in den gleichen, meist in freieren verbindungen wie unter a: ûf des boumes esten sâzen mit resten manic vogel êrlîch ... mit manicvalten stimmen süeze was ir singen
visio Tnugdali 1922
Wagner; vgl. Hartmann v. Aue
Erec 8724; grôzen schal hœr ich die vogele singen über al, süezen sanc den âbent und den morgen Neidhart 22, 5
H.-W.; beleytet von dem süszen gesange der nachtigall Arigo
decamerone 163
K.; horch! wie dort durch des haines schweigen das süsze lied der vögel klingt Körner
w. 2, 15
Hempel; von ihrer (
der singdrossel) süszen stimme O. Ludwig
ges. schr. 2, 136
Schm.-St. in dichterischer übertragung auf das organ des gesanges: dâ (
im walde) was manc süeziu zunge, diu dâ schantoit und discantoit Gottfried
Tristan 17374; die nachtigall sang mir mit süszer kehle E. v. Kleist
w. 1, 86
Sauer. nicht selten vom vogel selbst: und di susse nachtegal Heinrich v. Neustadt
Apollon. 13157; ein zwillingsstern auf Burnecks grauer veste blinkt Alhard mit der süszen nachtigall Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 210; zusampt der süszen lerch Spee
trutznachtig. (1649) 3. I@C@1@cc)
vom klang solcher musikinstrumente, deren ton fein, klingend, hell ist, oft auch von diesen instrumenten selbst: suozo hellentiu seitsang Notker 1, 223, 15
P.; dantzen, hoffieren unde singen, auch manig süszes seitenspiel Hans Sachs
s. fastnachtsp. 1, 20
Götze; süszer wohllaut schläft in der saiten gold Schiller 11, 383
G.; die gütigen geister von der süszen harpffen bewegt, haben so grosze freud Orpheo nit erbotten ... als viel mir dein brieff
buch d. liebe (1587) 115
d; du süsze laute! lasz uns beide sterben, beklagt vom wiederhallen zarter töne Eichendorff
s. w. (1864) 1, 556; ein hornelîn süeze unde hel hiez er im geben an sîne hant Gottfried
Tristan 3416; ein silbernes horn von süszem schall Geibel
w. (1888) 1, 6; die süsze geige Simon Dach 711
Österley; da hört er ein klingen wie flöten so süsz Schiller 14, 271
G. (
s. u. 2 b süsz pfeifen);
ungewöhnlicher: und diese glocken all, sie geben süszen schall A. v. Arnim
s. w. (1853) 13, 14.
gelegentlich wird das zarte des klanges ausdrücklich hervorgehoben: süezer unde senfter videln er began
Nibelungenlied 1773, 3
L.; die luten schlach ich süesz und fin
N. Manuel 4
Bächtold; doch begegnet auch: und ruorte er alleine die saiten alle sant in einem süszen done, das es gar lawt erdosz
heldenbuch 116
Keller. I@C@1@dd)
allgemeiner von musikalischem klang überhaupt, in den verschiedensten verbindungen: ei waz man süezer notten vor in schôn dur güften (
freude) blies
Reinfrid v. Braunschweig 1418;
armonia ein susze clang (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 49
b; am vormittag vernahm man darin (
in der grotte) einen angenehmen süszen klang maler Müller (1811) 1, 29; himmel und erde flossen in süsze musik zusammen Novalis 4, 191
Minor. namentlich: deine (
eines virtuosen) süszen harmonien nehmen ohr und herzen ein Gottsched
ged. (1751) 1, 236; hier sitzen wir, und lassen die musik zum ohre schlüpfen; sanfte still und nacht, sie werden tasten süszer harmonie
Shakespeare (1797) 4, 136;
freier: kein künstler erfand einen ton ...; er fand ihn aber und zwang ihn mit süszer macht hervor Herder 22, 180
S.; selten absolut: hilff szo wyr ettwas susses hören, etwas lieblichs empfinden, das nit darynnen lust, szondern deyn lob und ehre gesucht werde von uns Luther 10, 2, 405
W. I@C@1@ee)
vom musikalischen her kann auch die anwendung auf den sinnlichen wohlklang der sprechstimme und des gesprochenen wortes empfunden werden: grozze gelide, wizze hut, suzze stimme nit lut (
von Priamus gesagt) Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 3148; und noch höre ich den süszen ton ihrer stimme Storm (1904) 1, 186.
oft schwingen hier gefühlswerte aus den unsinnlichen bereichen des wortes mit, vor allem die des zärtlich-verliebten (
s. u. II C 3)
oder des erotisch erregenden (
s. u. II A 2 b
β): er sprach suoze unde lîse (
beim ersten, zaghaften minnegeständnis) Gottfried
Tristan 11986; ich ... zischelte ihr ... in einem süszen, gefälligen tone zu Klinger (1809) 3, 160; wo ist das süsze sprechen (
der geliebten)? wo ist die schöne lach? wo ist der trotze gang? Zinkgref
auserles. ged. 27
ndr.; so nah ihr! o gott! ihre süsze stimme, ihr blick! maler Müller (1811) 3, 47.
mehr in ästhetischem sinne, auf den einklang mit körperlicher schönheit zielend (
s. u. II B 2 a, b): din stimma ist suoze unte din antluzze scone Williram 44, 3
Seemüller; wann sie was von ungesehner schOeny über alle wyb, senfter wort, sszer stimm, schmaichender uszsprechung und lieplicher gebAerd Stainhöwel
de claris mul. 286
lit. ver.; ach rosinfarber mund ..., ausz dem die süszeste stimme geflossen Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 14; die wang ist morgenröthe; und ihre stimme tönt so süsz wie könig Friedrichs flöte Bürger 16
b Bohtz. I@C@22)
häufig greift hier das wort bei noch fühlbar sinnlichem gehalt zugleich ins unsinnliche hinüber oder beschränkt das sinnliche auf bild und vergleich. I@C@2@aa)
schon sehr früh begegnet süsz
von der vorstellung '
wohlklingend'
ausgehend im bereich der dicht- und liedkunst (
zum ganz entsinnlichten gebrauch dieser sphäre s. u. II B 1);
zunächst als eine art ästhetischen formbegriffs, vgl. schon rithmos suazaz wort (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 509, 18
St.-S.; underweylent es wirt ausgesprochen ein süsz reim guotz gedOens
erste dtsche bibel 7, 142 3.
vorr. z. Hiob; ter suozo chosonto Homerus (
Homerus melliflui oris) Notker 1, 313, 26
P.; vgl. 1, 693, 16; 1, 791, 17; sîn Tristan! swer den ie gelas, der mac wol hœren, daz er was ein schrôter süezer worte Rudolf v. Ems
Alexander 3161;
in offenbar neuem ansatz seit der zweiten hälfte des 18.
jh.: von dem dichterischen feuer, welches in diesem gemählde glühet, und dem süszen wohlklang der Homerischen verse entzückt Wieland
Agathon (1766) 1, 288;
in mehr bildhafter wendung: hat je von meinen lippen ein süszer laut geschallet, so höre (
dichtkunst) jetzt den sänger! Dusch
verm. w. (1754) 11.
hierhin am ersten gehört wohl die im meistersang häufige benennung der töne und weisen durch süsz: sües th. H. Vogl Hans Sachs
gemerkbüchl. 104
ndr.; sües weinachtw.
M. Vogels
ebda 119;
auch mit anspielung auf den wortgebrauch A: sües hönigw. L. Ferbers
ebda 119 (
weitere belege s. Armknecht
gesch. d. wortes '
süsz' 58).
vergleichbar auch: der (
Eck) bekennet, das mein deutsch susze und gut sey, und sahe wol, das ers nicht besser machen kundt Luther 30, 2, 634
W. daneben mehr zur kennzeichnung eines bestimmten, meist erotischen oder religiösen inhaltes: ich wil me danne tusent (
liebeslieder) senden dar (
an so si ir alle bringent
die geliebte): den vil süezen sank, unt mir schone singent, so wirt mir vil lihte ein habe dank Rudolf v. Rotenburg
in: minnesinger 1, 88
b v. d. Hagen. mhd. süszer sang
prägnant für das hohelied: also gescriben ist in deme suozzen sange (
in cantico canticorum)
denkm. dtscher prosa d. 11.
u. 12.
jh. 5
Wilhelm; vgl. noch: vnd er (
Salomo) singt einen sússen hochzeitlichen gesangk des heiligen prautlaufs
erste dtsche bibel 3, 29, 24; süsze, süsze liebeslieder steigen meinem mädchen auf maler Müller (1811) 2, 149; ewarten und Leviten die sungen so sssen sang der gote in sin ore clang Rudolf v. Ems
weltchron. 35483; alle lande dich beten an, lobsingen dir in süszem thon Hans Sachs 18, 261
K.-G.; o tönet fort ihr süszen himmelslieder! die thräne quillt, die erde hat mich wieder Göthe I 14, 43
W. (
Faust 783).
in der anwendung auf klagelieder mit dem gefühlsgehalt von II A 2 b
α cc,
β cc: wie sonderlich der schwan sein süszes grabelied ihm selber tichten kan Opitz
teutsche poemata 64
ndr.; der sänger ... der süszen nänie auf die wachtel und das schnittermädchen Herder 5, 162
S.; nach einiger zeit ging er (
ein sänger) einmal am ufer des meers allein, und klagte in süszen tönen über seine verlorenen kleinode Novalis 4, 77
Minor. I@C@2@bb)
in andern fällen geht süsz
im sinne des erwünschten, gern gehörten, erfreulichen, auf ein wirklich oder bildlich hörbares angewandt, in den stark gefühlsbetonten gebrauch von II A 2 a '
beglückend, beseligend'
über; so vielleicht schon, wenn nicht von II C 1 c '
heilsam, gnädig'
aus zu verstehen: habda ina (
Christus) thiu smala thiodthuru is suotiun uuord uuerodu biuuorpan
Heliand 4226
S.; diu vil süezen mære benâmen im sîn swære
Eraclius 3761; dasz eben um die zeit ... das süsze geschrey und die höchsterwünschte zeitung ... erschollen, es würde ... der friede ... verkündiget J. Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 15; und hör das süszeste aller lieder: das lederknirschen der sättel wieder Münchhausen
balladen u. ritterl. lieder (1908) 142.
erotisch vom wort der liebeserhörung: so suoche ab ich daz si (
die geliebte) dâ hât verborgen, daz vil süeze wort geheizen jâ Reinmar v. Hagenau
in: minnesangs frühling 195, 2; so erlangt dein treues flehen niemals doch ein süszes ja B. Neukirch
ged. (1714) 29.
mit dem nebensinn '
verlockend, verführerisch' (
vgl. dazu auch II C 2 a),
mit und ohne abschätzigen ton: (
Christi gebaren) loccheta ze imo mit suozemo mare, die iz geeisketon Williram 90, 9
Seem.; ist daz sy villeicht von werntlichen schriften kumen zuo den heiligen schriften, so machen sy susse zuosamen geseczte wort in den oren des volcks: und was sy sprechen: das wenen sy es sey gottes gesetz
erste dtsche bibel 3, 18, 49
vorr.; darumb, meyn h. vatter, woltist yhe nit hören deyne szussen orensinger Luther 7, 9
W.; eh noch des nachruhms lockender silberton dem ohre süsz klang Klopstock
oden 1, 5
M.-P.; den süszen und glühenden ruf des ruhms O. Gmelin
d. ruf zum reich (1936) 101.
mit der gefühlsabstufung '
teuer, lieb, vertraut'. o süsze stimme! vielwillkommner ton der muttersprach in einem fremden lande Göthe I 10, 35
W.; ich sollte die süszen töne meiner muttersprache nicht mehr hören H. Steffens
was ich erlebte (1842) 5, 111.
die an 1 a
und c
anknüpfenden bildlichen wendungen süsz
singen, süsz
pfeifen '
verführen, verlocken',
die aufs 16.
und frühe 17.
jh. beschränkt bleiben, stehen zugleich der stärker entsinnlichten bedeutung '
freundlich'
nahe (
s. u.süsze worte II C 2 a
α,
β): darmit der teuffel so süsze und seuberlich singet Luther 28, 22
W.; sie sind wie einr der vogel fing, der mit der pfeiffen ssze sing
jedermannes jammerklage (1621) b 4
a;
gern im gegensatz zu sauer singen, pfeifen
unter verwischung der sinnlichen gebrauchssphären des wortes: er pfeife oder heule, er singe süsz oder sauer, noch kann er (
gott) uns nicht bewegen Luther
tischreden 3, 498
W.; wenn sie mehr gefraget werden, als sie wissen zu berichten, schweigen sie stille und wollen kein wort mehr reden, man pfeiffe ihnen ssz oder saur Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) k 7
b. I@C@33)
auszerhalb der musik und rede bleibt der gebrauch in der akustischen sphäre auf wenige möglichkeiten beschränkt: daz swert im erchlanc vil suze in der hant pfaffe Konrad
Rolandslied 5107
Wesle; ieslîcher von dem anderen sluoc dâ mangen stêlînen rinc. nu slahâ slach! nu clingâ clinc! ir swert sô suoze erclungen Heinrich v. Freiberg
Tristan 1807.
vornehmlich im naturbereich, oft durch den zusammenhang erotisch gefärbt: er (
der brunnen) rûnete suoze den gelieben ze gruoze Gottfried
Tristan 17383; sein (
des silberbaches) süszer lispelklang Grob
dichter. versuchgabe (1678) 115.
seit dem ende des 18.
jh. mit stärkerem gefühlsgehalt, mit dem romantisierenden gebrauch von II A 2 d
β verwandt: und die waldung rauschet süsze Tieck
schr. (1828) 1, 272; das aufschlagen (
des wasserfalls) in den zurückspringenden wasserstaub macht einen heroisch süszen ton Heinse 4, 365
Schüdd.; o süszes lied des meeres: leise rauschte und stampfte es unter mir und um mich O. Gmelin
sommer mit Cordelia (1933) 70. I@DD.
als bezeichnung einer angenehmen körperlichen empfindung überhaupt, ohne zuordnung zu einem bestimmten sinnesgebiet. in verschiedenen anwendungen auf der gemeinsamen grundlage '
angenehm, wohltuend'
entwickelt und von da aus auch in spezielleren bedeutungsnuancen entfaltet, durchweg seit dem mhd., nur vereinzelt (
s. u. 3)
schon im späten ahd. I@D@11)
von den naturhaften kräften und wirkungen der luft, der witterung, der jahreszeit, sofern sie eine angenehme körperliche empfindung auslösen; dabei kann süsz
weithin zugleich, mehr objektiv, den gehalt von '
warm, mild'
u. ä. gewinnen. I@D@1@aa)
neben wind, luft u. ä. im sinne von '
milde, sanft, weich',
auch '
warm'
; in der mhd. lyrik und epik voll ausgebildet und im gegensatz zu unsuoze,
auch sûr (
vgl.sauer 2)
im sinne von '
scharf'. süszer wind (
s. auch II A 1 a
β)
oft zur kennzeichnung bestimmter windarten: ich hânz dâ für daz dô wât der süeze wint westen Reinbot v. Durne
hl. Georg 263
v. Kraus; auster der susz warm wint (
ende d. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 63
a; wan id eyn clar, soyte weder is, wan de suden edder sudwesten wind weyget (1483)
bei Schiller-Lübben 4, 297
a; der brausende sturm, und der süsze zephyr Herder 5, 54
S.; ich erlebte das ruhige atmen meines kindes wie einen süszen nachtwind W. Flex
ges. w. (1927) 1, 183;
vergleichbar: süsze wärme, leicht wie bebende sommerluft über einer blühenden wiese, kreiste zwischen den (
schlafenden) kindern Ina Seidel
d. wunschkind (1930) 213;
in religiöser metaphorik: heb dich du unfruchtbarer kalter wind aquilo, du verfluochter geist, ... und kum zuo mir du sszer heilsamer osterwind Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) 11
b.
in andern verbindungen ist gelegentlich wohl mit einflusz von B 1 e '
wohlriechend'
zu rechnen: der wirt schuof sedel ûf daz gras, dâ der luft süeze was Konrad v. Fuszesbrunnen
kindh. Jesu 1820; da geht ein sszes lfftlin rein vom grnen waldt, o gott wie gut, das einem sanfft im hertzen thut Erasmus Alberus
fabeln 157
ndr.; die bewegten erlen schwanken ihm aus braunen wipfeln süszen hauch maler Müller (1811) 2, 126.
deutlich als grundlage von b: vil boume stuont in blüete von dem süezen luft des meien Wolfram
Parz. 96, 19;
vgl. 281, 20; rauher und immer rauher blies der wind mich an: in mir aber wehte süsze frühlingsluft O. Ludwig
Schm.-St. 2, 406; wo auf dem platz der maibaum steht, dem süszer wind die bänder dreht Weinheber
o mensch gib acht (1937) 52. I@D@1@bb)
von a
aus in dichterischer, stark affekthaltiger sprache auf den mai, den frühling, den sommer erweitert; namentlich mhd., dann wieder seit dem 18.
jh., doch schlieszt besonders der jüngere gebrauch meist andere bedeutungszweige mit ein (
s. I B 1 e): die blüenden vier wochen, sô der vil süeze meie în gât unz an daz, dâ er ende hât Gottfried
Tristan 537; wie man ... durch gefrornen saft bey süszer sommerzeit den winter wiederschafft B. Neukirch
auserles. ged. (1744) 132; freut auch mich nichts weiter mehr: nicht die süsze maiensonne, bienenton und schaukelwonne Mörike (1905) 1, 170; du (
cicade) den sterblichen verehrte, süszen frühlings süszer bote Göthe I 2, 110
W.; prägnant: sich hât aber diu süeze zît verkêret Gottfried v. Neifen 14, 8. I@D@1@cc)
von a
und b
her, aber kaum ohne einflusz des frühen gebrauchs I A 1 b,
erfolgt die anwendung auf tau und regen im sinne von '
erquickend, belebend': der anger wol geblüemet stât in süezem meientouwe Ulrich v. Winterstetten 5, 4
Minor; des fürsten milte ûz Osterrîche fröit dem süezen regen gelîche beidiu liute unt ouch daz lant Walther 21, 2; laub, grasz, und blmlein new gekleid, mit sszem taw berisen Spee
trutznachtig. (1649) 39; holde düfte strömten von den blüthen, neu erfrischt vom süszen morgenthau Th. Körner
w. 2, 22
Hempel; vergleichbar: wann das volle mondenlicht durch die trüben wolcken bricht, kan es in den'n sommerzeiten uns mit süszer kühle leiten Ettner v. Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 19. I@D@22)
auch in der ausgedehnten anwendung auf begriffe des schlafens und ruhens steht das körperliche wohlgefühl im sinne des erquickenden, stärkenden, lösenden fühlbar im vordergrunde. I@D@2@aa)
am häufigsten zur kennzeichnung des körperlichen schlafs, rein formelhaft, aber auch mit leisen verschiebungen des gefühlstons. süszer
schlaf (
gr. γλυκύς ὕπνος,
lat. dulcis somnus)
in ältester und bis heute durchstehender verbindung. zufrühest bildlich, eigentlichen gebrauch voraussetzend: stant uf vone demo suozzen slaffe contemplationis Williram 38, 5
Seem.; schon früh zur formel verblaszt und allgemein, besonders in der verbindung mit bestimmtem artikel: suozes slâfes er dâr phlac Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 1738; heint als der monde war in seinen craisz gezogen, und mich der süsze schlaf umbfangen durch die nacht Opitz
teutsche poem. 94
ndr.; wirst wohl gar aus dem süszen schlafe geweckt werden graf Pocci
lustiges komödienbüchl. (1859) 81.
in älterem gebrauch auch speziell für den im eigentlichen sinne festen, tiefen schlaf: sopor siesz schlauff (15.
jh.), ein sieszer schlaff (1512) Diefenbach
gl. 542
b; in der dageringe (
morgendämmerung), wan de slap den luden up deme sotesten is (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 4, 297
a; dasz die dewung im magen zu morgens frue bey süszem schlaff geschehe Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 769.
gelegentlich mehr gefühlsmäszig empfunden und zu II A 2 b
γ bb süszer traum
hinüberdeutend: eine art von süszem schlummer befiel ihn, in welchem er unbeschreibliche begebenheiten träumte Novalis 4, 55
Minor; den süszten schlaf und träume schönster ahndung, die je gekommen in ein müdes haupt
Shakespeare (1797) 9, 201.
mit erotischer färbung (
s. u. 3): die red ain fräwlin wachen tett usz süssem schlauff, den sy da hett an heldes arm in süsser minne schrencken
liederbuch d. Hätzlerin 3.
bildlich für den tod: zu dem ist unser tod, den wir leiden, kein rechter, das ist schrecklicher tod mehr, sondern ein gemalter tod, ja ein suszer schlaff Luther 23, 714
W. die verbale verbindung süsz
schlafen in gleicher verbreitung und abstufung; vgl. schon: er mohte entslâfen suoze: diu werde mit unmuoze in maneger liebe sîn dâ phlac Konrad v. Würzburg
Partonopier 2177; nu slafent ir vil suze Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 102; sie möchte wol dadurch ihr einen Daphnis wehlen, indem du ssze schlAefst, der lieber wehr als du Rachel
satyr. ged. 113
ndr.; seid sorgenlos, meine lieben töchter, und schlafet süsz, wie vor vielen jahren in eurem kinderbettchen A. Stifter
s. w. (1901) 1, 275; an der seite der geliebten süsz entschlafen, sanft erwachen Göthe I 5, 22
W. entsprechend II B 2 a
gern vom schlaf der kinder: wie süsz die kindlein schlafen Tieck
schr. (1828) 1, 64.
in verwandten verbindungen mit dem gleichen allgemeinen oder spezielleren gebrauch. süsze
ruhe (
s. auch c
und II A 2 c
α): die meit entslief von muodekeit, daz houbet hâte sie geleit, dâr ez suoze ruowe vant Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 3527; bald weckt er (
Christus) seine schaaren ... könt ihr so sicher fahren? wilst du die süsze ruh nicht eine stund auffschieben? A. Gryphius
lyr. ged. 301
Palm; als den lustigen nun der dunkle abend herabsank, gingen sie alle heim, der süszen ruhe zu pflegen J. H. Voss
Odyssee 16
Bernays; traurt ferner nicht um sie, die nun der höchst erquickt, die aus der strengen müh in süsze ruh (
des todes) versetzt A. Gryphius
trauersp. 240
Palm. jünger ist süszer
schlummer: so überfiel mich augenblicklich ein abscheulicher süszer schlummer Chr. Reuter
Schelmuffsky 94
ndr.; wann ihn der süsze schlummer überfiel Bürger 149
Bohtz. in gelegentlicher übertragung: uns naht auf freiem felde tiefer schlummer und faules stroh ist uns ein süszes bette
Liller kriegszeitung (
auslese 1915) 2, 203. I@D@2@bb)
vom zustand körperlicher ermattung als einer sinnlich angenehmen empfindung, nicht vor dem späten 18.
jh.: wird nicht oft der kleinste garten ... so in die länge gezogen, dasz sich eine so süsze ermüdung darin erholen läszt, wie in den gröszten anlagen? Thümmel
reise i. d. mittägl. prov. v. Frankr. (1791) 7, 94; bald ergreift sie eine süsze müdigkeit und ruhig schläft sie ein Göthe I 20, 140
W. mehr auf eine erschlaffung des willens bezogen: lieder der mädchen und knaben stiegen auf, eine genieszerische, süsze schwäche lockerte die reihen Ad. Meschendörfer
d. stadt im osten (1933) 94. I@D@2@cc)
neben ausdrücken des müsziggangs, des nichtstuns, an der grenze zwischen körperlicher und seelischer empfindung (
s. u. II A 2 c
α): die ruhe, oder mszig gehen, ist gar ein ssz ding Friedrich Wilhelm
sprichw.-register (1577) h 1
b; trägheit macht es dem müsziggänger ... schwer, die süsze ruhe mit beschäftigung zu vertauschen Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 2, 9; der süsze müsziggang Mommsen
röm. gesch. (1874) 1, 23.
im anschlusz an das ital. dolce far niente: würdest du wohl dem faullenzer weiche polster verschaffen, damit er im süszen nichtsthun sein leben dahinbringe? Kant
w. (1838) 5, 323. mit süszem nichts die tage zu verträumen Platen 1, 152
Redlich. I@D@33)
speziell in erotischem gebrauch, sofern deutlich das körperliche lustempfinden der liebe, der sinnliche liebesgenusz gemeint ist. in derselben typischen, mehr oder minder prägnanten verwendung, wie sie namentlich als kennwort für die seelisch-gefühlsmäszige seite oder doch für den ganzen umkreis der erotischen beziehungen lebendig ist (
s. u. II A 2 b
β). I@D@3@aa)
neben verschiedenen ausdrücken für das sinnliche erlebnis und seine einzelnen äuszerungen: si lâgen in der wunne mit senfter unmuoze und triben dâ vil suoze ir vil reiniu minnewerc Konrad v. Würzburg
Engelhart 3158; do peyde der süszen liebe mit einander spilten Arigo
decamerone 36
K.; und beide pflagen süszer liebe drin (
im ehebett) Bürger 156
Bohtz; süsze wollüste
dolci piaceri M. Kramer 2 (1702) 1042
b; drauff band ich ihn in armen, küszt ihn mit süszem truck Spee
trutznachtig. (1649) 43; also ewer (
der liebenden in der hochzeitsnacht) stehts soll dies süszen kampfs ohn blut frischer muth euch wider und wider gewehren Weckherlin
ged. 1, 243
lit. ver.; wenn er dem ewigen bund süszer umarmungen schwört Klopstock
oden 1, 35
M.-P.; er stak der süszen umarmungen (
von der verflossenen liebesnacht her) noch so voll W. Schäfer
d. haus mit den drei türen (1931) 31.
in anderen verbindungen mehr prägnant; süsze
nacht '
liebesnacht': dô dirre helt sô sanfte lac, dô erschein der underwünschte tac und was diu süeze naht für (
vorbei) Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 1115; do er sie zuo sülchen süszen nachten geladen het Arigo
decamer. 110
K.; ach! wenn ichs nur nicht vergessen hätte, was mir die wirthin alles von den süszen nächten (
mit mädchen) ... erzehlet hat Stranitzky
ollapatrida 162
Wiener ndr.; ähnlich: viel süsze stunden flogen nun (
dem Jupiter) in seiner Semele umarmungen (
vorüber) Schubart
s. ged. (1825) 2, 110; die sich wiederfindenden liebenden besiegeln den bund ewiger treue ihrer herzen unter dem apfelbaume ihrer ersten süszen zusammenkunft Göthe I 42, 2, 41
W.; tausende ihres geschlechts hättens klug ... verschwiegen, und es erst dem mann in einer stunde süszer vergessenheit in ohr und seele geschmeichelt Hebbel
w. 2, 52
Werner; die ausgelassenen geister der nacht ... umschwärmen verlockend ein unschuldiges mädchen, sie preisen die wonne süszer sünden Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 6.
substantiviert, mit einfärbung von II B 2: aber mit geborgtem leibe fühlt man nicht das süsz am weibe Logau 146
lit. ver.; nur Septimius widmet Akme treulich all ihr süszes und alle liebewonnen Mörike (1905) 1, 107;
vgl. süszlöchlein, süszloch '
hurenwinkel'
in flurbezeichnungen Fischer
schwäb. 5, 1972.
gelegentlich in bildlicher anspielung auf den geschmacksbegriff I A: nun geht, ihr kinder (
ein hochzeitspaar), und schmeckt die süsze gaben, die Venus und ihr sohn euch eingeschencket haben Zinkgref
auserles. ged. 30
ndr.; zarter: ihr (
Ophelias) ganzes wesen schwebt in reifer süszer sinnlichkeit Göthe I 22, 78
W. I@D@3@bb)
besonders süszer
kusz u. ä., seit dem mhd. in geläufiger formel: sît daz ich vermîden muoz dînen munt, der mangen gruoz mir bôt und och dîn süezen kus Wolfram
lieder 8, 39; magstu begeren den lieblichen und aller süszesten kusz Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) g 8
a; und gibet dir ohn hindernusz freundlicher weisz ein sszen kusz Spreng
Äneis (1610) 18
b; so genosz entfernt vom neide er noch manchen süszen kusz Göthe I 37, 19
W.; von da aus erweitert: ey so nehm sie dann darauff diesen kusz zum süszen kauff Chr. Reuter
d. Harlequins hochzeitschmausz 49
ndr.; küsz mich ... das thut noch süszer, als das schlagen weh thut Storm
w. (1899) 5, 189.
die anspielung auf die geschmackliche sphäre I A 2 (
vgl. auch zuckersüsz
teil 16, 312)
liegt nahe; häufig in barocker dichtung: sucht ihr die schmätzlein süsz, so geht in Venus garte, da wachsen sie gewisz
schausp. d. engl. komöd. 250
Creizenach; ich geb es zu, ein kusz ist süsz, doch süszer ist der wein Hölty
ged. 126
Halm. die sonst dem ästhetischen gebrauch II B 2
zugehörigen verbindungen süszer
mund, süsze
lippen sind, soweit auf den geschmacksbegriff angespielt wird, mehr von hier aus empfunden: und dasz der süsze mund (
der geliebten) sey zimmetrinden reich Rachel
satyr. ged. 81
ndr.; en söten mund haalen
sich einen kusz holen Schütze
holst. 4, 158; deine süszen lippen, deine nektarlippen, deine wonnelippen Gerstenberg
Ugolino 247
dtsche nat.-lit.; gelegentlich mit süsz I B
verglichen: ihr lippen, süsz wie nelkenduft Bürger 47
a Bohtz. I@D@3@cc)
vereinzelt, aber nur jünger, von personen, mit stärker sinnlichem gehalt als der sehr entwickelte gebrauch II B 2 a: strenge fräulein zu begrüszen musz ich mich bequemen; mit den lüderlichen süszen werd ichs leichter nehmen Göthe I 3, 142
W.; sie fand das mädchen im bett sehr schwer und sehr süsz, mit lippen, die plötzlich weich und voll geworden Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 154. I@D@3@dd)
in euphemistischen umschreibungen für die männliche oder weibliche scham: daz wazzer sprang ir under die wât, biz hin dâ daz süeze stât Ulrich v. Türheim
Tristan 402,
vgl. Wolfram
Parz. 203, 8; und da er ir das süsz ding der welt eingethon hette unnd ir gut frewd gemacht hette Lindener
rastbüchl. 48
lit. ver.; ins loch (
gefängnis), wann so ein junger geelschnabel gern ins süsze loch kriechen will, musz man ihm ein ander loch weisen Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 210
ndr. IIII.
in auszersinnlichem gebrauch. II@AA.
in dem vorherrschenden sinne von '
angenehm'.
durch den sinnzusammenhang in dieser bedeutung mannigfach schattiert und abgestuft, dient süsz
hier stets als ausdruck einer angenehm empfundenen inneren wirkung; seit frühester zeit neben I A
das wichtigste und ausgedehnteste anwendungsgebiet des wortes. II@A@11)
mit noch spürbar objektivem gehalt, geistigen und sachlichen werten, erlebnissen und erfahrungen verschiedenster art im sinne des erfreulichen wertend zugeordnet. II@A@1@aa)
in dem allgemeinen sinne von '
erwünscht, erfreulich, willkommen'. II@A@1@a@aα)
in verbalen verbindungen; am ältesten in der prädikativen formel mit persönlichem dativobjekt und sachlichem subjekt bzw. abhängigem subjektssatz: uzzan diu selba hoorsami denne antfanclih ist cote inti suazi mannum (
acceptabilis erit deo et dulcis hominibus)
Benedictinerregel in: kl. ahd. sprachdenkm. 208
Steinmeyer. seit Otfrid
häufig einfach soviel wie '
es ist mir lieb': quad, war in liob ioh suazi,man Barabban in liazi Otfrid IV 22, 16,
vgl. III 23, 12
u. IV 11, 34; daz sehen (
ihres herrn) was in süeze
Laubacher Barlaam 15292; dise red was dem senat und der gantzen gemeyn vast süsz und genem Carbach
Livius (1546) 127
b; es musz ihm (
dem frommen) alles gleich süsz, gleich angenehm, gleich lieb seyn Chr. Scriver
seelenschatz (1737) 2, 7
a.
ahd. gelegentlich auch im sinne von '
angelegen',
wobei die vorstellung '
gern, willig' (
s. u. II C 4 a)
naheliegt: thaz (
die darbietung der heilsgeschichte in deutschen versen) laz thir wesan suazi Otfrid I 1, 41.
seltener ohne persönliches dativobjekt: nichts ist süszer auf dem lande, als wenn nach einem nützlich verlebten tage, ... des abends sich der kleine cirkel ... wieder versammelt Knigge
umgang mit menschen (1796) 1, 114.
gelegentlich in anderen verbalverbindungen: hueder im suotera thunke
Heliand 3406
S., vgl. 5348; zu suchen einsamkeit und schatten, da dünckt mich es recht süsz und gut Dieter. v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) b 2
b; bald schien ihnen süszer der krieg als wiederzukehren grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 11, 65; er (
der fuchs) sprach 'wie ist diu vorgâbe (
beim wettlauf) der krebez sprach 'die mache ich dir süeze' getân'?
fuchs und krebs in: zs. f. dt. alt. 1, 399, 53; ihr Mährer, seyd jetzt mein zuflucht, dieweil ihr mich zuvor ersucht, dasz ich mich uberreden liesz und mir die cron gemacht so süsz
lieder auf den winterkönig 107
Wolkan; halt mich, du sollst es haben süsz und gut Brentano (1852) 6, 35. II@A@1@a@bβ)
in attributivem gebrauch: also ein ssz ding ist umb thorheit, das wir ee manglen aller ding on der narrheit Eberlin v. Günzburg 1, 156
ndr.; welcher dapfferer soldat ... wolt ohne der ssze hertzerfrischende ehr vor land und leut wider den feind streiten Lehman
floril. polit. (1662) 1, 178; dasz ja ... der ssze anblikk des friedens nun endlich bald mOechte anbrechen Schottel
friedenssieg 6
ndr.; nun kommen süsze (
erwünschte, willkommene) einladungen Göthe IV 28, 180
W.; stärker objektiviert, mehr als wertbegriff; in verbindungen wie süsze
freuden (
doch s. auch 2 b
α aa), süsze
gaben, süsze
schätze u. ä.: dîn (
der frau Welt) zart hât mich vil nâch betrogen, wand er vil süezer fröiden gît Walther 101, 8; die süszesten freuden seines lebens Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 32; süsze gabe des gebers (
freude), giesze dich ganz in mich Herder 18, 300
S.; jede (
der göttinnen) überschüttete ihn ... mit ihren süszesten wohltaten J. Jac. Engel
schr. (1801) 1, 4; allda will in süszen schätzen ich mein hertz auf den schmertz ewiglich ergötzen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 362
a.
speziell von solchen dingen, die bezug auf die liebe haben: süeze Minne, sît nâch dîner süezen lêre mich ein wîp alsô betwungen hât Walther 109, 25; doch Phyllis sucht die süsze spur des schönen unbekannten nur Schwabe
belustigungen (1741) 1, 382; kaum war mein schreiben vom 27. an dich abgegangen, so erfreute mich der briefbote mit deinem süszen brief vom 26. Moltke
ges. schr. (1892) 6, 5.
vereinzelt objektiviert bis zur bedeutung '
günstig',
neben wind (
s. o. I D 1 a): in quam ein suzze wint nach ... der warf si durch des meres flut harte snelliche zu Troyge in daz riche Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 342; ein fürstlicher befehl ist ... ein süszer wind, welcher unsere segel ... treiben kan Chr. Weise
polit. redner (1677) 12. II@A@1@a@gγ)
in der antithese zu sauer, bitter
u. ä., die aber hier, und schon früh, den sinnlichen gehalt von I A 2 c
ganz eingebüszt hat und der landläufigen wendung '
freud und leid'
nahesteht (
in etwas anderer wendung s. u. b
γ).
meist substantiviert oder adverbial; besonders im 16.
jh., aber noch bis in die junge sprache hinein geläufig: hiute süeze, morgen sûr: leit ist liebes nâchgebûr der wilde Alexander
in: minnesinger 2, 364
b v. d. Hagen; die ewig wiszheit ... zoch in durch ssz und sur, untz das sy in brAecht uff das recht pfatt der gOettlichen warheit
d. ewigen wiszheit betbüchl. (1518) 3
a; süser anfang, sawer endt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 24; derley geschichtgen, kurz alles, was mir süszes oder sauers wiederfuhr ..., schrieb ich dann fleiszig nach hause Ulr. Bräker
ges. schr. (1789) 1, 105.
die paarung mit bitter
ist seltener: sszer und bitterer hendel Stainhöwel
de claris mulieribus 318
lit. ver.; ohne gehemmt zu werden durch das bittere oder süsze einer im wege angetroffenen einzelheit A. Schopenhauer
w. 1, 396
Griseb. okkasionell: und ob sichs gleich übel anliesz, so machet ers (
gott) doch nachmals süs, das einer hat sein lust daran Chr. Lasius
new trostspil v. d. geburt Christi 676
Bolte; das er (
der name Amadis) zu teutsch heiszt gottes lieb, darumb besteht er ssz und trb Fischart
ein vorbereit. in d. Amadis (1572) 112. II@A@1@bb)
in dem speziellen sinne von '
leicht zu tragen, ertragen',
je nach dem zusammenhange mit leiser schattierung der bedeutung. II@A@1@b@aα)
wie auch sonst oft im oxymoron neben ausdrücken der schwere, der mühe, des zwanges, der not. das süsze
joch (Christi)
nach Matth. 11, 30,
im sinne von '
milde, sanft': mîn ioh ist suozi inti mîn burdin ist lîhti (
gr. χρηστός,
vulgata: suave)
Tatian 67, 9,
vgl. Notker 3, 400, 2
P.; diu ringe bürde unde daz süeze joch unsers herren Berthold v. Regensburg 1, 231
Pf., vgl. 220; 69; und das ssz joch Christi und lychten burde nit lassen verbitren Zwingli
v. freih. d. sp. 22
ndr.; dein verstand und deine gaben (
der geliebten) bleiben doch mein sszes joch B. Neukirch
ged. (1744) 27.
ähnlich: dina (
gottes) urteila sint suoza, wanda si war sint (
quia iudicia tua iocunda) Notker 3, 258, 18
P.; schwächer: (
Neptun) beweget ihre hAend und fsz, das ihnen wurd die arbeyt ssz Spreng
Ilias (1610) 169
a; eine predig (
ist) dem gemeinen mann ... ein süszer zwang zu allen löblichen thaten Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 222.
am geläufigsten süsz
machen '
leicht, erträglich machen': joh uns gidua thu syazothio unse thurfti grozo thaz uns ni wese thaz zi swar,wir unsih io firdragen hiar Otfrid III 5, 20; fried und einigkeit macht alle mhe und arbeit ... ssz und treglich Mathesius
Sarepta (1571) 232
a; sie bedanken sich auch bei dem ... herrn pfarrer und seelsorger für die tröstlichen zusprüche, mit welchen er ihm ... das sterben leicht und süsz gemacht hat Leoprechting
aus d. Lechrain (1855) 253;
vgl. auch: die (
beghine) mant in, das er sich bereit, dasz er von hinnen frOelich scheid vnd solt sich vmb gut werck bewerben, auff dasz er mOecht dest sszer sterben. da antwort Eulenspiegel bald: 'es ist nicht mOeglich der gestalt, dasz ich sterb ssz in dieser not, dieweil doch bitter ist der todt' Fischart
Eulenspiegel 12612
Hauffen (süsz
vom tode in anderm sinne s. u. 2 a
α). II@A@1@b@bβ)
mehr im sinne von '
sorglos, unbeschwert, heiter'
zur kennzeichnung angenehmer lebensumstände oder bequemer lebensführung, aber kaum über das späte 18.
jh. hinaus üblich: lât got diu (
mann und frau in schöner gemeinschaft) alten, diu gwinnent manege süeze zît Hartmann v. Aue
Iwein 8147; und wiewol ynen etliche wenig tzeit (
im wohlleben) ssz und lieblich was
Fortunatus 153
ndr.; wie angenehm ist deiner stunden und heitern tage süszer lauf Gottsched
ged. (1751) 1, 251.
besonders süszes
leben (
anders s. u. c): der dir mit sîner tôrheit diz süeze leben (
eines königs) machet leit und liebet dir ein hertze leben
Laubacher Barlaam 9548; erzähltest mir wie schön, wie kummerfrey, wie gut, wie süsz dein seelig leben sey Göthe IV 1, 172
W. mit tadelndem beisinn: denn sie haben gross gutt und ehre von den fursten und aller welt, und das gantz ihr szüss leben ist der andern schweysz und blutt Luther 10, 1, 1, 645
W.; '
bequem': aber das ruchlose (
sorglose), sichere, freye leben ist ... das süszeste und lustigste leben Joh. Arnd
theologia (1631) 23
f. II@A@1@b@gγ)
auch die gegenüberstellung mit sauer
oder bitter (
s. o. I A 2 c, II A 1 a
γ)
bringt in bestimmten verbalwendungen älterer sprache den gegensatz '
leicht'
und '
schwer'
zum ausdruck: komet der künec Matûr, ez werde mir süez oder sûr, er wirt von mir bestanden Stricker
Daniel 1008
Rosenh.; wiewohl es ihm nicht süsse abgangen, sondern gar schwer und bitter worden ist Luther 34, 271
Erl.; desz todes ein zwiefache ban, deren ich eine wandlen msz, es komm mich saur an oder ssz Spreng
Ilias (1610) 116
b;
gelegentlich auch auszerhalb des ausdrücklichen gegensatzes: das kömet die regenten nicht leicht noch süsse an Luther 28, 522
W. II@A@1@cc)
in bestimmten sachlichen verbindungen nimmt süsz
von der vorstellung des angenehmen, erwünschten aus mehr den charakter eines wertbegriffs im sinne von '
lieb, wert, teuer'
an, wie er auf anderer grundlage und stärker neben personen entwickelt ist (
s. u.D),
meist mit einer schon nach 2
hinüberweisenden steigerung des gefühlsgehaltes. in der anwendung auf solche güter, die zum grundbestand des irdischen oder himmlischen lebens gehören, doch vgl. ohne beziehungswort schon sehr früh: (
so wie den an Christi erscheinung zweifelnden jüngern nach der auferstehung) so giburit (
ergehts) manne, thara er so ginget (
sich sehnt) thanne; gisihit thaz suaza liabaz sin; thoh forahtit, theiz ni megi sin Otfrid V 11, 30.
in älterer sprache vornehmlich religiös, vom jenseitigen leben: dhasz ist in dheo walaæhti des ewighin libes, hwanda dhemu neowihd nist suuozzera
Isidor 32, 6
Hench; vgl. so is deer in der wrald naet so swetis so dat godesryk Richthofen
afries. wb. 1061
a; und vür der werlte trügeheit das süeze himelrîche weln
kl. mhd. lehrged. 61, 10
Leitzmann; auch später noch: zu schtzen seine kirch und sie durch harten streit zu fhren auf den trohn der sszen ewigkeit J. Rist
neuer teutscher Parnass (1652) 54.
in fester verbindung süszes
vaterland, vgl. lat. dulcis patria: zuo letsten ... schiedent sie sich von irem süszen vaterlande
herzog Ernst (
volksbuch) 252
Bartsch; sie ... verlassen yre fromme weyber unnd unertzogene liebe kindlin, yr siess vatterlandt Eberlin v. Günzburg 3, 150
ndr.; gehaltvoller: o des geliebten süszen vaterlands Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 104.
ähnlich: den anger seiner kindheit sieht er in den lindenzweigen spielen, die süsze heimat, und das haupt der eltern auf den sterbepfühlen Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 25.
gelegentlich: der, der euch kan unterhalten hier in unsrer süszen stadt, eben der wird meiner halten, wo er auch zu herrschen hat Treuer
Dädalus (1675) 1, 25.
in der verbindung süszer
name (
s. auch D 2): er ist vater, wir diu chint: wie suoze dise namen sint!
vaterunser 8
in: dtsche ged. d. 11. u. 12. jh. 43
Waag; dan der nam 'vatter' ist von natur eyngeborn und natürlich sussz Luther 2, 83
W.; sintemal solcher noch mehr süszere namen ... pringet, also dasz man einander mit den allerholdesten namen des vatters, der mutter, der brder, der geschwister benennet Fischart
Gargantua 94
ndr.; und werd es nur zu feiertagen süszer namen und lieber geburten tragen Göthe I 4, 25
W.; der süsze und anmuthige nahme des friedens Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 6;
ähnlich: ein redner gebrauchte das wort: 'das süsze wort republick' Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 5, 36.
in der zuordnung zu begriffen des lebens und daseins (
s. o. b
β),
sofern das leben schlechthin, nicht eine besondere form desselben gemeint ist (
vgl. im gegensinne der bittere tod): eim jeden ist das leben sein eben so ssz als dir das dein Wolfh. Spangenberg
griech. dramen 1, 119
Dähnhardt; umsonst. in bauch getroffen liesz er das süsze leben Scheffel
ges. w. 2, 186
Proelsz. gehaltvoller: süszes leben! schöne, freundliche gewohnheit des daseins und wirkens! von dir soll ich scheiden Göthe I 8, 299
W.; weil under desz wir nieszen den sszen sonnenschein, wolt ich, wir nie verlieszen den minsten willen dein Spee
trutznachtig. (1649) 81; ein sünder, dem der spruch geschehn, geht, um das süsze licht ein weilchen länger noch zu sehn, zum tode sachter nicht Ramler
fabellese (1783) 3, 131. II@A@22)
als eigentliches gefühlswort, z. t. in enger berührung mit 1,
aber durchweg mit höherem intensitätsgehalt gefüllt und stärker subjektiv gefärbt, zur kennzeichnung einer steigernden, erhöhenden, erregenden inneren wirkung. schon ahd. bezeugt, im mhd. namentlich für das erlebnis der minne
ausgebildet (
s. u.b
β),
auf breiter grundlage und stärker verinnerlicht seit der zweiten hälfte des 18.
jh. II@A@2@aa)
im umkreis äuszerer erfahrungen und erlebnisse, deren rückwirkung auf gefühl und bewusztsein als beglückend, beseligend empfunden wird. II@A@2@a@aα)
vom tod, namentlich in der verbindung süszer
tod, der als seelisch beglückend empfundene, weil einem höheren zweck dienende tod (
anders s. 1 b
β);
vgl. schon: ther tod was in (
den märtyrern) in wunnathuruh gotes iz krist in deta suazi,thaz in iz wola sazi minna; Otfrid IV 5, 48; dâ von sol ich disen tôt hân für eine süeze nôt Hartmann v. Aue
arm. Heinrich 1166
Gierach; der tôt ist mir ein süeziu gebe, ob ich den für dich (
der freund für den freund) lîden muoz Konrad v. Würzburg
Engelhardt 5910
Ger.; o, es musz ein süszer, erhabener tod seyn, für seine geliebte zu sterben Klinger
w. (1809) 8, 31; und setzten blut und leben für ihren herrn, für ihren könig ein, ihr tod war süsz, und ihre ehre rein Bismarck
ged. u. erinn. 1, 58; märtyrer starben den süszen tod unter den heiden O. Gmelin
d. ruf zum reich (1936) 102.
fest geprägt auch in der nachbildung des Horazischen dulce et decorum est pro patria mori, od. 3, 2, 13: ihm würde es nichts weniger süsze seyn, fürs vaterland zu sterben Lohenstein
Arminius (1689) 1, 20
b; süsz und ehrenvoll ist es, sterben fürs vaterland Klopstock
oden 1, 149
M.-P. II@A@2@a@bβ)
in der verbindung mit begriffen wie zeit, tag, stunde, augenblick. als ausdruck eines beglückenden lebensgefühls: jene zeit war zwar die süszeste, aber auch qualvollste meines lebens
jahrb. d. Grillparzergesellsch. (1890) 3, 103; süsze glückliche stunden, die ich mit diesen kindern hinbringe S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 29; in den süszesten augenblicken wie in den bittersten und gräszlichsten (
sei der wundarzt willkommen) Göthe I 25, 59
W. speziell in erotischem zusammenhang: seht diese süszen stunden (
des hochzeitstages) noch tausentmal wie ietzt P. Fleming
dtsche ged. 1, 75
lit. ver.; erinnert er sich ... der süszen stunden, die ihm in den entzükungen einer ersten und unschuldigen liebe zu augenbliken geworden waren Wieland
Agathon (1766) 2, 55.
etwas objektiver gewendet, auf eintritt und zeitpunkt einer lebenserfüllung bezogen: an dem süezen gotes tage, dô ich den touf wolte enphâhen, als ich solte Rudolf v. Ems
Barlaam 305, 36; bis dasz sich denn zur zeit die süsze zeit erweist, die eltervater euch, euch eltermutter heist Logau
sinnged. 12
lit. ver.; ja, süsz war die stunde meines ersten erwachens ins leben maler Müller (1811) 1, 8. II@A@2@a@gγ)
allgemeiner. in prädikativer formel wie oben 1 a
α: uurthun im thia lera Cristes so suotea them gisithie
Heliand 1148
S; nichts ist suesser dann aufzesehen in des herrn gepot, daraus sælikait kummbt Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 208
Reithmeyer; mir ists unendlich süszer, dem unglücklichen geholfen ... zu haben Göthe I 45, 60
W.; wie ist es so süsz überwunden zu haben! welch eine himmlische empfindung ist es seinem herzen zu folgen! Göthe I 23, 98
W.; es ist süsz, verehrt zu werden Löhe
evangelienpostille (1848) 1, 147; 'denn es kann uns ja nichts geschehen, als was er will. du hast es immer gesagt', sagte sie mit einem ernst, der ihm süsz war Ina Seidel
Lennacker (1938) 193. süsze
rache in fester anwendung: so war es doch unmöglich, ... in ihren kriegerischen gemüthern das gedächtnüsz so mannigfaltigen unrechts, als einen leicht fangenden zunder der so süszen rache zu vertilgen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 60
b; ich werde wenigstens dabey empfinden, wie süsz die rache sey Lessing 2, 296
M. von innerlich befriedigender, beglückender tätigkeit: wie es ein süszes thun sey, sich umb die naturen der thiere zu bewerben J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 367; o es sind goldne ... tage, voll von den freuden der liebe und süszer beschäftigung Hölderlin 2, 73
Litzmann; das gefühl der selbsthätigkeit, das ihm der schöpfer gegeben hat, regt ihn zu handlungen auf und belohnt ihn mit dem süszesten lohn einer selbstvollendeten handlung Herder 13, 393
S. von II D 4,
der beziehung zu geliebten personen her beeinfluszt: nach jenen unaussprechlich süszen sorgen für wesen, die durch uns sich ihres daseyns freun Fr. W. Gotter
ged. (1787) 1, 178; sie verloren einen sohn ..., aber schon freut sich ein zweiter, die doppelte süsze pflicht zu tragen Schiller
br. 1, 14
Jonas; süsz ist die mühe für geliebte herrn Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 240. II@A@2@bb)
in der beziehung auf geistige und seelische vorgänge. II@A@2@b@aα)
allgemein in der sphäre des gefühls, mit dem gehalt des angenehm erregenden. im jüngeren gebrauch vielfach als ausweitung der im gefühlsbereich der liebe schon früh entwickelten anwendungen (
s. u.β)
anzusehen. II@A@2@b@a@aaaa)
seit alters in pleonastischem gebrauch neben ausdrücken der freude: zi suazeru gilusti (
mehrte sich ihnen das brot im munde) Otfrid III 6, 39; mit suazeru giwurti (
gab Maria dem engel antwort)
ders. I 5, 34,
vgl. II 7, 57; so was doch ir trübsal und trauricheit so grosze geworden, daz ich nicht wol gelauben mage, daz ye mer süsze frölicheit genczlich mochte nach volgen Arigo
decam. 90
K.; denn sie gedachten: nun wolln wir allzeit leben in ehren und süszester freud
Reinicke fuchs (1650) 419; nicht weniger süsz ... war die freude, sich zum ersten male gedruckt zu sehen Justi
Winckelmann (1866) 1, 385; so wird ihm diese welt zur last und gott zur süszten lust Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 57; hier genosz Sebaldus das süsze vergnügen, von seinem feinde verdienten dank einzuärnten Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 154; wer fühlte nicht alle schauer der süszesten wonne — des entzückens, der staunenden angst seine adern durchgleiten E. T. A. Hoffmann 4, 60
Griseb. II@A@2@b@a@bbbb)
als kennzeichnendes beiwort neben neutralen gefühlsbegriffen, die dadurch an intensität und tiefe gewinnen; im zeitalter der empfindsamkeit aufkommend: mit lusttrunkenem blicke hieng ich eine weile auf diesen schönen kindern gottes (
den blumen), und in diesem süszen gefühl stieg ich in meinen gedanken zu lebendigern thierschönheiten Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 70; das gibt das süsze, schwärmerische gefühl der kraft Hölderlin 2, 98
Litzmann; eine krankheit ..., welche uns zu süszen empfindungen stimmt Göthe I 23, 73
W.; bestimmter: also befiel den jüngling ein süszer, festlicher schauer Bodmer
d. Noah (1752) 8; unendlich und geheimnisvoll durchströmt uns süszer schauer Novalis
schr. 1, 55
Minor; das wort mit seinen süszen schauern Meschendörfer
d. stadt im osten (1933) 11.
auf innerlich triebhaftes bezogen: fühlten wir doch oft süszen drang ... zum schaffen maler Müller (1811) 2, 3; im meinem herzen spielt ein süszer brand (
für Christus und die kirche zu streiten) Tieck
schr. (1828) 1, 232.
auf eine gefühlsstarke innere bewegung gehend: dasz du, seele ... so süsz, so himmlisch dann dich in mir hebst Hölderlin 1, 48
Litzmann; damals aber, als knabe, Konradin, standest du nur süsz und wogend umfangen (
in noch kindlichem naturgefühl) O. Gmelin
Konradin reitet (1933) 11. II@A@2@b@a@cccc)
in gegensätzlicher verbindung mit ausdrücken des leides und der trauer, im erlebnisbereich der liebe schon früh (
s. u.β cc),
in allgemeiner anwendung poetischer sprache seit dem zeitalter der empfindsamkeit, im sturm und drang und namentlich in der romantik, vorher nur vereinzelt: es ist kein sszer leiden dann hoffen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 140
a.
gefühlstöne des innigen, sanften, weichen schwingen fühlbar mit: o! wie da mein herz in süszer wehmuth zerschmolz Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 280; ein unnennbar süszes weh durchbebte sein inneres E. T. A. Hoffmann 10, 146
Griseb.; dasz mein spiel in tausend herzen laut entzücken, süsze schmerzen, beydes hebt und wieder stillt Wackenroder
herzenserg. (1797) 249; es überrieselt mich süsz und schmerzlich, und ich weisz nicht, ob es hoffen ist oder bangen (
in erwartung des neuen jahres) Fontane
ges. w. I 1, 363; das wünsche ich mir bey dem tragischen doch sonst nicht; ich verweile gern dabey; und danke dem dichter für eine so süsze qual Lessing 10, 119
M.; jedes gefühl von heiterkeit oder von süszer schwermuth Schubart
ästhet. d. tonkunst (1806) 5; leis umrauscht von himmelsquellen, süsze sehnsucht in der brust Lenau
s. w. 17
Barthel; dämmerte dann nicht süsz und fern das unendliche heimweh in dir auf, ungewusztes, süszes heimweh nach fernem? O. Gmelin
Konradin reitet (1933) 11. II@A@2@b@a@dddd)
auf extreme gemütszustände bezogen, besonders solche, die der nüchternen einwirkung des verstandes und willens entzogen sind. vom erotischen gebrauch abgesehen (
s. u.β dd)
nicht vor dem späten 18.
jh.: bis er aus dem süszen taumel des allgemeinen zujauchzens erwachte Lenz
vertheid. d. herrn W. (1776) 46; in süszer trunkenheit entfaltest du die schweren flügel des gemüths Novalis 1, 8
Minor; welchen süszen wahnsinn ihr mir mit diesem herrlichen buche ... schicktet, konntet ihr freilich nicht wissen Tieck
schr. (1828) 19, 425; ohne sich der süszen oder angstvollen schwärmerei zu überliefern Kant
rel. i. d. gr. d. bloszen vernunft 77
v. Kirchmann; dasz das geweihte blut der lichtgehaarten noch pulst in süsz unsinnigem verschwenden Stefan George
d. neue reich 20.
schwächer: beides (
Mozarts komposition und spiel) zusammen bewirkte einen totaleindruck auf unsere seelen, welcher einer süszen bezauberung glich O. Jahn
Mozart 4, 288.
in gegensätzlicher gefühlsmischung: mit süszem schauder die notwendigkeit des vernünftigen verklärend über dem schmerze der leichen schweben sehn O. Ludwig 5, 361
Schm.-St.; er blieb ... in demselben süszen grauen, das ihn erfüllte, wenn die flöte schwieg E. Wiechert
d. kleine passion (1929) 88. II@A@2@b@bβ)
in der kennzeichnung der liebe als einer auf gefühl und empfindung erregend wirkenden macht; mit dem auf das sinnliche zielenden gebrauch I D 3
verwandt, aber mehr vom seelischen aus empfunden, wobei im einzelfall das körperliche mit gemeint sein kann. schon in der mhd. minnesprache voll ausgebildet und in vielen festen wendungen bis in die neuere zeit durchstehend; vielfach in ganz oder halb prägnanter anwendung. II@A@2@b@b@aaaa)
in fester zuordnung zu ausdrücken der liebe und des liebesglücks, gegenüber I D 3 a
auf das erotische gesamterlebnis bezogen. süsze
minne (=
dulcis amor): doch wæn ich, swesterlin, daz dir won diu szze minne bi Johann v. Würzburg
Wilhelm von Österreich 1555
R.; ja! wunder sinds der süszen minne, die minne hat der wunder viel Uhland
ged. (1898) 1, 14.
in der gleichen verbindung ist minne
oft personifiziert, dann ist süsz
mehr von II C '
freundlich, gütig'
oder II D '
lieb'
her empfunden: süeze Minne, sît nâch dîner süezen lêre mich ein wîp alsô betwungen hât Walther v.
d. Vogelweide 109, 25. süsze
liebe: dergleich die jungkfraw gantz und gar inn süszer lieb erflammet war Hans Sachs 2, 253
K.; süsze liebe für ihn hatte ihr herz empfunden maler Müller (1811) 1, 261.
die in älterem gebrauch auch auf religiösem boden heimischen verbindungen (
s. u. II C 1 b)
sind in der sprache der mystik auf die liebe des menschen zu gott von der minne her übertragen: nu sonst wir mit drier hand minne zuo unserm herren gebunden sin. dú erst ist starkú minne: dú gelichet sich aim sidin saile; dú ander ist sssú minne: dú gelichet sich aim geblmten saile
St. Georgener pred. 32, 3;
vgl. Tauler 248, 9
V. seltener: sol sich der mensch, die kleine welt, jetzt nicht auff süsze heyraht lenken?
Königsberger dichterkr. 19
ndr.; je süszer eh, je gröszer qual (
beim tode) J. v. Besser
schr. (1732) 1, 289.
in andern verbindungen mehr oder minder prägnant: der süezen fröuden anger, da minnen bluomen unde klê gelesen ûfe wâren ê, den liez er unde entslief alsus Konrad v. Würzburg
Partonopier 2170; du, der liebenden vertraute, die mich oft an Laurens hand voll des süszten glückes fand
Göttinger musenalmanach (1777) 105; die süszeste gewalt, die sinn, gemüth und herz in ihre bande bringet Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1697) 2, 24; jünglinge, männer, frauen, ..., die ihr die süszen bande erkennet, womit uns die natur umschlingt E. T. A. Hoffmann 10, 44
Griseb.; lasz uns vereinet sterben. liebevereint leben und sterben wir süsz Herder 26, 32
S. II@A@2@b@b@bbbb)
besonders neben bezeichnungen des gefühls, seit der mitte des 18.
jh. in fühlbarer zunahme, entsprechend dem allgemeineren gebrauch α bb: ir wunne gât sô suoze mir ze herzen ... Hadlaub 50
Ettmüller; was ists, das schmerzlich sanft dich lächeln hiesz, was rührt dein herz so minniglich, so süsz? Annette v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 198.
vor allem im sinne des angenehm erregenden auf die triebhaft bestimmten gefühle bezogen: zuo erweckung der senften süszen hitze und der groszen craft des gemütes, die wir nennent die liebe Niclas v. Wyle
translationen 24
Keller; ich weisz fürs kaysers seel und seine süsze flammen was liebenswürdigers (
eine schönere geliebte als die frühere) Lohenstein
Ibrahim Sultan (1679) 17; du (
die geliebte) bist das süsze feuer, das mir am herzen zehrt Geibel (1888) 1, 25; kann der liebe süsz verlangen, Emma, kanns vergänglich seyn? Schiller 11, 207
G.; seine süszen wünsche (
nach liebe) in seinen busen ... verschlieszen Göthe I 21, 197
W.; ein jüngling, der die süszen triebe, das schönste erbtheil, das uns die natur gab, in sich verschlieszen (
musz) Göthe I 21, 106
W.; dasz es gelehrte dichter waren, die hier (
in den carmina burana) ihre süszen triebe verewigten L. Steub
wander. im bayr. gebirge (1862) 191; so feierte sie erst jetzt ihre rechte verlobung aus tief entschlossener seele, indem sie in süszer leidenschaft ein schicksal auf sich nahm und treue hielt G. Keller (1889) 5, 57. II@A@2@b@b@cccc)
sehr gefestigt in der auf einer gegensätzlichen gefühlsmischung beruhenden verbindung mit pein, schmerz, qual
u. ä., vgl. oben α dd;
namentlich innerhalb der höfischen minneauffassung, in der süeze arbeit
geradezu '
minnedienst'
bedeutet: si (
liebe und schönheit) hœhent mannes werdekeit: swer ouch die süezen arebeit dur si ze rehte kan getragen, der mac von herzeliebe sagen Walther 92, 30,
vgl. Reinmar
in: minnesangs frühl. 159, 24.
so auch in anderen verbindungen bis in junge sprache hinein: dû hâst daz sûze ungemach, daz was mir ouch hie vore kunt Heinrich v. Veldeke
Eneide 280, 5
Ettm.; der süeze herzesmerze, der vil manc edele herze quelt mit süezem smerzen, der liget in mînem herzen Gottfried
Tristan 1071; ich, sprach sie (
die schönheit), hab allein den schlüssel aller herzen, und niemand wirkt, als ich, der menschen süsze schmerzen Joh. El. Schlegel
in: Eschenburg
beispielsamml. (1788) 1, 290; (
Jesu liebe) hat mir mein hertz verwundet sehr, o wee der süszen peine Spee
trutznachtig. (1649) 5; Sappho ... besang die liebe in allen ihren freuden und süszen quaalen Herder 27, 183
S.; schon einmal früher bin ich durch Wafurlogas glut gesprengt — und fand ein süszes leid Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 149; süszes unglück: warum sprach sie so kurz zu ihm? O. Gmelin
Konradin reitet (1933) 32.
gleichen sinnes in der zusammenfügung mit sauer, bitter, herbe (
s. auch süszsauer: süszbitter; süszherb; sauersüsz; bittersüsz): unz daz der Waleis übersach sîn süeze sûrez ungemach (
sein bittersüszes liebesleid) Wolfram
Parz. 295, 4; von Amors lustbarkeiten, von den bittern süszen sachen Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 33; doch ach, wie hab ich büszen nun gemuszt so herbe, bitter, süsz für diesen frechen hohn und verachtung, ja an dieser brust will sich die liebe zu gewaltig rächen. Tieck
schr. (1828) 1, 306. II@A@2@b@b@dddd)
bei solchen gemütszuständen, in denen die liebe als eine vernunft und gefühl verwirrende oder betörende macht erscheint, s. oben α dd: dû wart mich dat herte binnen van sô sûter dumpheit wunt, dat mich wîsheit wart unkunt Heinrich v. Veldeke
in: minnesangs frühl. 56, 24; o süszer wahnwiz (
der liebe)! Stieler
geharnschte Venus 69
ndr.; do lockst ihn, der kaum ruhig war, zum schaukelkahn der süszen thorheit wieder Göthe I 1, 63
W.; nun bin ich vogelfrei, der süszen angst entkommen, ich lebe nun nicht mehr in schnöder liebeshaft Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 102; wie hält sie meinen sinn gefangen! ich nahe mich mit süszem bangen Uhland
ged. (1898) 1, 21. II@A@2@b@gγ)
im bereich der vorstellung, von der angenehmen wirkung eines bewusztseinsinhaltes. II@A@2@b@g@aaaa)
speziell von vorstellungen erotischer art, häufig prägnant: wan von der quâle, die ich dol, bin ich süezer gedanke vol nâch im in dem herzen Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 774
Weinhold; auf dise stund im eyn süsz gedanck erwachet, der im ze wissen thet, wie das die schönest junckfrawe wäre, die lebendiger mensche nie gesehen hete Arigo
decamerone 312
Keller; Fabricius: ich weisz, dasz Flavie nicht ohn mich leben kan.
Flavia: ich weisz, dasz dir der kopff voll süszer träume stecke A. Gryphius
lustsp. 247
Palm; am brunnen vor dem thore da steht ein lindenbaum; ich träumt in seinem schatten so manchen süszen traum Wilh. Müller
ged. (1868) 1, 48; fahret hin süsze goldene bilder der liebe Schiller 3, 468
G. II@A@2@b@g@bbbb)
schon früh süszer
traum '
angenehmer, erfreulicher traum',
auf den inhalt gehend: und liez im süeze tröume in dem slâfe werden kunt (
heilung von seiner krankheit) Konrad v. Würzburg
Engelhart 5440; wie alle fesseln brachen, sah ich im süszen traum Schneckenberger
dtsche lieder (1870) 41;
besonders erotisch: darmit Paris auch aufferwacht, dem süszen traumb (
von Helena) lang nach gedacht Hans Sachs 2, 150
K.; wie ... des nachts mein bild ihr stets in süszen träumen vorgeschwebt Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 2, 140.
daneben auch zur formel entleert, wohl in anlehnung an süszer schlaf (
s. I D 2 a): wann erst die mitternacht um den tyrannen liegt und seinen müden geist in süsze träume wiegt Göthe IV 1, 25
W. II@A@2@b@g@cccc)
zur kennzeichnung von vorstellungen anderer art, seit dem 16.
und 17.
jh., häufig in stehenden verbindungen. süszer traum
in übertragenem sinne: du hast den dichter fein und zart geschildert, der in den reichen süszer träume schwebt Göthe I 10, 112
W.; Bauer ist jetzt der eigentliche curator der universität, fühlt sich, gibt gesellschaften und hat süsze träume vom commandeurkreuz W. Grimm
an Dahlmann in: briefw. (1885) 1, 152. süsze hoffnung,
in früher bezeugung von der sinnlichen bedeutung I A
her empfunden: (
die gottlosen) ir hungerige seel mit der sszen hoffnung in gott nit spysend Zwingli
dtsche schr. 1, 59; o du süsze, o du angenehme hoffnung J. Rist
d. friedejauchzende Teutschland (1653) 46; nachdem ich mir nun mit der süszen hoffnung geschmeichelt, sowohl für den divan als für die beigefügten erklärungen ... noch manches wirken zu können Göthe I 7, 154
W.; ähnlich: jetzt oder nie! ein sonnenstrahl der hoffnung glänzt in mir auf, und eine süsze ahndung fliegt durch mein herz Schiller 5, 2, 198
G.; denn ob ichs wol gleube, so fallen doch imer mit zu die süssen gedancken, die mich kutzeln im hertzen Luther (
Jena 1561) 6, 68
b; der gedanke war süsz und lockend W. Flex
ges. w. (1927) 1, 421;
seltener: wann ein poet ein gedichte durch die stirne schwitzet, so ist die beste vergeltung seiner arbeit die süsze vorstellung, dasz man es bewundern werde v. Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 37.
oft mit dem negativen beisinn '
vergeblich, irrig'
in den gleichen verbindungen oder neben ausdrücken der täuschung und des selbstbetrugs: der süsze traum, ein nationaltheater hier in Hamburg zu gründen, ist schon wieder verschwunden Lessing 10, 218
M.; ich miszfiel der fürstin nicht und wiegte mich bereits in süszen hoffnungen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 233; in der süszen einbildung: es würde dieses landvolck ... sich so geschwinde wieder verlauffen, als es sich zusammen gerottet hätte Lohenstein
Arminius (1689) 2, 65
a; dasz wir des süszen irrthums nicht eher gewahr werden, bis wir von dieser zerstreuung ... erledigt ... werden Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 65; doch unterlasz ich nie, es ihm zu heucheln, weil ihn die süsze täuschung glücklich macht Schiller 5, 40
G.; wer will zu früh so süszem trug entsagen? Mörike (1905) 1, 140. II@A@2@b@g@dddd)
neben begriffen des gedenkens und sich erinnerns: so belustiget mich doch das süsze angedencken meiner blüenden jugend Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, b 2
a; alles, was ich erfuhr, ich würzt es mit süszer erinnrung Göthe I 1, 331
W.; das süsze gedächtnis längst ... verschiedener tage E.
M. Arndt 1, 99
R.-M. mit süsz I B
gekreuzt: die lebkuchen rochen süsz und strömten dichte wolken süszerer erinnerungen aus Herm. Hesse
Demian (1922) 122. II@A@2@cc)
zur kennzeichnung einer wohltuenden seelischen wirkung im sinne des lösenden, erquickenden, beruhigenden; gelegentlich spielt auch ein geborgenheitsgefühl mit; in einer dem sinnlichen gebrauch I D
vergleichbaren seelischen anwendung, vor dem 17.
jh. nicht bezeugt. II@A@2@c@aα)
neben ruhe, stille, friede u. ä. (
s. o. I D 2 a, c),
sowohl von äuszeren zuständen wie von einer inneren gemütslage: die welsche ort und stAet zusamen Latinus der alt frst mit namen regiert in ruh und friden ssz Spreng
Äneis (1610) 132
a; nun gute nacht! so süsze ruh und frieden, als mir im busen wohnt, sey dir beschieden
Shakespeare (1797) 1, 57; lebt hin in süszer ruh, bis kindes-kindeskind drück euer augen zu Logau
sinnged. 11
lit. ver.; süszer friede, komm, ach komm in meine brust Göthe I 1, 98
W.; wo wird die süsze stille sein, da ich mich könte schlieszen ein G. Arnold
göttl. liebesfuncken (1701) 1, 190. II@A@2@c@bβ)
in anderen verbindungen. süszer
trost: so ist mir dein liebreiches wort, ein süszer trost und starker hort G. Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 10;
sinnlich-bildhaft gefühlt: hab ich dich nicht im leide mit quellen süszes trosts getränkt? Gottsched
ged. (1751) 1, 332; was feuers wuth ihm auch geraubt, ein süszer trost ist ihm geblieben: er zählt die häupter seiner lieben, und sieh! ihm fehlt kein theures haupt Schiller 11, 312
G. weiterhin: die süsze erleichterung des gemütes durch mitteilung kannte er nicht, verachtete dergleichen als weibisch Polenz
Büttnerbauer (1895) 152; da wird ... dein geist und dein herz ewig in süszem vergessen schlummern Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 215; ganz wunschlos in einer tiefgestillten seligkeit sieht und fühlt er dies, in einem süszen vergessen R. Hohlbaum
Stein (1934) 140. II@A@2@c@gγ) süsze
tränen, im gegensatz zu bitteren tränen
von solchem weinen, das eine erleichternde, schmerzliche spannung lösende wirkung hat (
anders s. u. C 4 b): eröffnet euch, ihr trübe brunnen, ihr hölen süszer thränen voll (
die büszerin Magdalena zu Jesu füszen)
Königsberger dichterkr. 182
ndr. namentlich im zeitalter der empfindsamkeit: derjenige, der durch die blosze lesung, zum exempel eines trauerspiels, bis zu süszen thränen gebracht wird, musz schon selbst ein mensch von empfindungen seyn Lessing 4, 53
M.; sehnsuchtsthränen rinnen dir oft, die süszen sehnsuchtsthränen später erinnrung Hölty
ged. 57
Halm; und thränen flieszen gar so süsz, erleichtern mir das herz Göthe I 1, 86
W. II@A@2@dd)
auf der grenze zur ästhetischen anwendung (II C)
liegt ein vorwiegend jüngerer gebrauch, der die angenehme gefühlserregung an visuelle eindrücke aus dem naturbereich bindet, ohne doch als eigentlich sinnliche anwendung gelten zu können. II@A@2@d@aα)
früh und dann erst wieder spät bezeugt in der verbindung süsze
augenweide, die im jüngeren gebrauch von der bildlichen wendung süsze weide (
s. I A 2 d
β ende)
mit beeinfluszt sein kann: schier er gein eime gebirge steic, daz in in ein lant truoc, daz was wünneclîch genuoc von süezer ougenweide Heinrich v.
d. Türlin
krone 14337;
vgl. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 15717; und die Tyroler gebirge machen in blauer ferne süsze augenweide Heinse 4, 32
Schüdd.; noch tröstet mich mit süszer augenwaide dcr blaue himmel und die grüne flur Hölderlin
s. w. 1, 161
v. Hellingrath; und dieser schmerz, den mein gefolge zeigt, ich weisz, ist eurem auge süsze weide Schiller 13, 479
G. II@A@2@d@bβ)
in empfindsamer oder romantisierender naturbeschreibung mit starkem gefühlsgehalt, von eindruckswirkungen der farbe, des lichtes, der tageszeiten; vergleichbar schon: es ist das liecht süsse, und den augen lieblich die sonne zu sehen
prediger Salomo 11, 7;
sonst jung: süszer röthlicher dunst bekleidete glänzend den östlichen himmel Heinse 4, 55
Schüdd.; wer malt mir dies süsze, schimmernde blau, und wer rundum das warme gebirg? Mörike (1905) 1, 209; aber das mädchen begann und sagte: wie find ich des mondes herrlichen schein so süsz! er ist der klarheit des tags gleich Göthe I 50, 254
W.; auf einmal war ein unsagbar mildes und süszes licht überall Ina Seidel
Lennacker (1938) 593;
in bildlichem zusammenhang, von II D 2 '
lieb, geliebt'
her gefärbt: o vergisz es, vergieb (
die störung der '
goldenen götterruhe')! gleich dem gewölke dort vor dem friedlichen mond, geh ich dahin, und du ruhst und glänzest in deiner schöne wieder, du süszes licht (
Diotima)! Hölderlin
s. w. 2, 34
v. Hellingrath. die süsze helle des sommerabends blieb noch eine weile in der luft hängen W. Raabe
Horacker (1876) 155; montag
d. 20. (
mai). süszer morgen. arbeiter in meinem garten Göthe IV 3, 68
W.; ich stieg ... in den garten hinunter, ganz erfüllt von dem gefühl der süszen unberührten frühe Storm (1899) 1, 50.
in vergleich und bild süszer himmel: da strömten freuden, stark, wie meereswogen, süsz, wie der himmel, schön, wie regenbogen Denis
lieder Sineds (1772) 84; die feinen züge und die groszen augen sahen darunter (
unter den haaren), wie ein süszer himmel, heraus A. Stifter (1904) 3, 152.
auf der häufigen verbindung süsze dämmerung
u. ä. liegt zugleich der ton des traulichen, geborgenen: eine süsze dämmerung hatte schon die ganze schlummernde natur eingeschleyert Wieland
Agathon (1766) 1, 189; willkommen süszer dämmerschein! der du dies heiligthum durchwebst Göthe I 14, 133
W. (
Faust 2687).
ähnlich: nur verlorne worte schallen durch die süsze einsamkeit Tieck
schr. (1828) 1, 165. II@BB.
im sinne von '
zierlich, anmutig, lieblich, reizend'
u. ä. zur kennzeichnung einer ästhetischen wirkung; auf der grundlage angenehmer empfindung wie unter A,
aber vom fühlenden und erlebenden subjekt weitgehend losgelöst. vom ahd. bis zur mitte des 18.
jh. nur in ansätzen sichtbar, seither kräftiger entfaltet. II@B@11)
auf dem gebiet der kunst, namentlich der wort- und dichtkunst (
ein mehr vom sinnlichen aus empfundener gebrauch o. I C 2 a).
zur charakterisierung zierlicher, gefälliger sprachform: sie (
die griechischen und römischen dichter) duent iz (
das dichten) filu suazi Otfrid I 1, 21; ihre süsze und gefällige sprache des witzes ... erwirbt ihnen alsbald gehör und beyfall
allg. dtsche bibl. (1765) 1, 1, 288.
neben ausdrücken der beredsamkeit, vgl. suaviloquantia susz wort (
Augsburg 1510) Diefenbach
gl. 558
c; nun aber fuhr der weise Pylier, der süsz und laut beredte Nestor auf Bürger 145
a Bohtz. allgemeiner: so den von üch lesenden in gemelter schuol, ouch umbteilern göttlichs worts an der cantzel, vilvaltig artickel ssser kunst ... ussgeflossen Riederer
spiegel d. war. rhetor. (1493) a 2
a; aus süszer poesie quillt ewge wonne
Athenäum (1798) 3, 166
Schlegel. in hinsicht auf den künstlerischen gehalt soviel wie '
anmutig, lieblich': der künsterîche Ouwære mit mangem süezen mære Rudolf v. Ems
Alex. 3128; zwey oder mehrere recht süsze, sangbare und ungedruckte texte von meinem Gleim Bürger
an Gleim in: briefw. 1,
nr. 199
Strodtmann. darum in verbindungen wie: alle die sanften gefühle zu vergessen, die uns Geszners süsze idyllen ... einflöszen Klinger (1809) 1, 160; ist das nicht ein ganz ehrliches, einfältiges, süszes schäfergedicht? Erich Schmidt
Lenziana in: sitzungsber. d. preusz. akad. d. wiss. (1901) 999.
der hier mitschwingende ton '
sanft, mild, zärtlich' (
s. auch u. C 4 b)
tritt gelegentlich deutlicher hervor: die stille, süsze schönheit des Johannes Bellin oder des Perugino stehen in meiner ansicht eigentlich höher Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 15; Petrarch schlieszt sich noch unmittelbar an die letzten troubadoure, deren süsze weichheit er in einfachem masz auszuhalten wuste Jac. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 75.
mit leiser einschränkung, die dem negativen gebrauch (
s. u.E 1)
nahesteht: die tändelnden, süszen anakreontischen liederchen Gerstenberg
recensionen 387
lit.-dkm. II@B@22)
von körperlicher schönheit, seit dem mhd. bezeugt. II@B@2@aa)
auf personen bezogen. sehr verbreitet und weithin formelhaft, aber vielfach den gebrauch von süsz
als kosewort (
s. II D 2-4)
mit umfassend oder doch davon nicht unterscheidbar, besonders in der anrede; in erotischem zusammenhang spielt auch II A 2 b
β '
erregend'
mit. in der höfischen sprache des mhd. noch mit dem vollgehalt der bedeutung '
schön': sô bringt diz kleine vingerlîn der clâren süezen frouwen mîn Wolfram
Parz. 607, 16; diu süeze maget, diu schœne Isôt Gottfried
Tristan 9273,
vgl. Konrad v. Würzburg
herzmœre 60.
darum auch gern von männlicher jugendfrische und schönheit: si liuhten beide ein ander an, daz edel gesteine wider den jungen süezen man (
Philipp) Walther 18, 36; owê junc süezer man Wolfram
Parz. 47, 6; der süeze jungelinc Partonopier Konrad v. Würzburg
Part. 6190,
und sehr oft. der nhd., vor dem späten 18.
jh. nur spärlich bezeugte gebrauch hat durchweg leichteres gewicht und bleibt, im sinne von '
reizend, lieblich, anmutig',
fast ganz auf weibliche personen beschränkt: desz alten meergotts tochter süsz Spreng
Ilias (1610) 12
a; die süsze reizende Lydia Göthe I 23, 237
W. häufig substantiviert: da ruhte, wohlgeschmücket, eine jungfrau wunderhold. die süsze war umfangen mit frischen rosen dicht Uhland
ged. (1898) 1, 323; ich fürchte fürwahr dein erzürnt gesicht, du süszer, schöner und trauter Göthe I 1, 197
W. in spezieller anwendung von der zierlichkeit und anmut des kindes: si kuste dicker denne zwir des süezen kindelînes munt Konrad v. Fuszesbrunnen
kindh. Jesu 1901; nun sind sie endlich ruhig. ach die süszen! sieh, dieser lächelt, jener streckt das ärmchen Tieck
schr. (1828) 1, 82; es war einmal eine kleine süsze dirne (
Rotkäppchen)
kinder- u. hausmärchen 1, 120
Panzer. wohl von hier aus zu verstehen im sinne von '
zart': der iung milch glaub ist noch suesz und gering Luther 10, 3, 422
W. früh zur formel erstarrt: ja vörht ich daz die süezen wîp dar umbe hazzen mînen lîp Ulrich v. Eschenbach
Alex. 4431
Toischer. als jüngeres umgangssprachliches modewort sehr verbreitet, vor allem in der sprache der frauen, vgl. schon Meta Moller (1751)
über Klopstock: ich stellte mir doch auch nicht vor, dasz der verfasser des Messias so süsz aussähe, und so bis zur vollkommenheit schön wäre
br. von u. an Klopstock 80
Lappenb.; eine puppe, die nach dem urteile weiblicher kennerschaft 'einfach süsz' war H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 84;
vgl. ein süszes mädel
u. ä. besonders in der backfischsprache. s. auch unter 4,
sp. 1314. II@B@2@bb)
in der gleichen bedeutung wie a neben leib, gestalt und neben einzelheiten der körperlichen erscheinung; groszenteils durch den gebrauch I D 3
und II A 2 b
β im sinne des erotisch erregenden mitbestimmt: got selbe worhte ir süezen lîp Wolfram
Parz. 130, 23; du gönnst dem jüngling deinen süszen leib Tieck (1828) 1, 66; in diesen holden augen, dieser süszen gestalt, in diesen sanften zügen kann das harte herz, wovon du sprichst, nicht wohnen Schiller 13, 359
G.; unverwelklich ruht innen (
im sarg) die süsze gestalt (
Schneewittchen) Mörike
w. 1, 104
Maync. am geläufigsten, zur formel verblaszt süszer
mund, süsze
lippen (
s. o. I D 3 b): frou Uote und ir tohter: si kusten dicke ir (
Brünhilds) süezen munt
Nibelungenlied 546, 4
L.; doch um den süszen, sanftgeschwellten mund zieht sich ein weiches dämmerndes verlangen Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 213; (
das kind in der krippe) spricht mit süszen lippen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 330
a; 'mein Emil'! hauchte sie aus den süszen lippen hervor W. Hauff
s. w. (1890) 3, 115.
ferner: süeze minneclîch gehiwer was al der meide antlütze gar Wolfram
Parz. 809, 6; lasse mich ... deines süszen angesicht meiner augen erfüllen Arigo
decamer. 567
lit. ver.; in der sonne lächelt ein süszes gesicht. er küszt das bild: wie warst du schön Agnes Miegel
balladen u. lieder (1922) 32; das süsze wangenroth
Königsberger dichterkr. 18
ndr.; wenn ich in dein blaues, süszes aug dringe, und drin mich mit forschen verliere Göthe I 11, 157
W.; träuft die rosenwange silbernässe! hangen aufgelöst die süszen haare Mörike (1905) 1, 107.
in junger sprache in freieren und zarteren verbindungen: so sah seine mutter gar nicht wie die mutter eines erwachsenen sohnes aus, so jung und süsz war der hauch über ihrem gesicht und haar Herm. Hesse
Demian (1930) 195; wir ... griffen mit händen das leben der form: ... die wölbung und süsze flucht dieser schläfe Binding
erlebtes leben (1928) 186.
in ähnlicher färbung auch in der Christusmystik (
s. auch II C 1 c
ende): (
die nägel) die durch sin hende süeze und durch die reinen füeze (
gingen)
v. d. jungesten tage 63
Will.; sein süszer mund macht all ihr leid mit seinem grüszen süsze Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 342
a; das heilge grab des auferstandnen sehn, die stapfen küssen seiner süszen füsze Tieck
schr. (1828) 1, 44. II@B@2@cc)
bei verbindungen, die im sinne von '
lieblich, anmutig'
mehr auf lebendigen, bewegten ausdruck in gebärde und haltung gehen, steht schon die bedeutung '
freundlich' (
s. u. II C 2 b)
nahe: seht, dô began daz kindelîn die zwêne mortgîtigen man sô rehte suoze lachen an Konr. v. Würzburg
troj. krieg 480; ir (
Marias) lachen ist gar süeze und ganz
von dem jungesten tage 80
Will.; dasz sie (
seine mutter) ... immer mit süszem lächeln nach dem lichtblauen frühlingshimmel hinauf gedeutet habe Fouqué
zauberring (1812) 1, 34; wenn nun ihr süszer blick auf euern sanften spielen ruht Sal. Geszner
w. (1778) 2, 11.
von hier aus erweitert: sie hat so viel geschmack, dasz alles, was sie thut oder spricht, für mich eine ganz unbeschreiblich süsze anmuth erhält Rabener
s. schr. (1777) 6, 211; eine süsze freundlichkeit verbreitete sich über ihr gesicht Göthe I 24, 30
W.; da gewinnt ihr blick einen süszen ernst und schlägt mir entgegen O. Gmelin
sommer mit Cordelia (1933) 148; ich suchte wie sie nach dem süszen ausdruck des menschlichen, das ihr so reizend erschien Binding
erlebtes leben (1928) 110. II@B@33)
vergleichbar in der poetischen anwendung auf blumen und blüten: brecht süsze blüth und blumen ab maler Müller (1811) 3, 124; ihr verblühet, süsze rosen Göthe I 11, 308
W. II@B@44)
nur gelegentlich auf sachlich-gegenständliches bezogen; im mhd. als eine art kennwort für das der höfischen sphäre (
s. auch unten sp. 1318)
zugehörige: mit zwein siulen süezen was ieglîch venster gezieret Heinrich v.
d. Türlin
krone 15776; daz süeze kleit Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 279, 7.
später in gezierter redeweise: dasz ein feiner lack, ein silberner knopf und ein süszes band sehr vieles zur zierde (
eines spazierstocks) beytragen kann B. Mayr
päckchen satiren (1769) 64; alles (
an dem waschtisch) ist so süsz und lieb, alles ist so fein und frisch Brentano (1852) 5, 96.
in der backfischsprache süsze kleider, süsze schuhe, hüte, süsze möbel
u. s. w. in vielfältigster anwendung wie oben 2 a
ende. II@CC. süsz
im sinne von '
gnädig, gütig',
von '
sanft, willig, freundlich',
im bereich der göttlich-menschlichen und der innermenschlichen beziehungen, vor allem als religiöser und ethischer begriff. das wort wird von einer als angenehm erlebten handlung oder wirkung auf die ihr ursächlich zugrundeliegende gesinnung übertragen und nimmt vielfach aktivischen sinn an. seit dem ahd. und bis ins 17.
jh. hinein stark entwickelt, später nur noch in teilbereichen und schwächer bezeugt. II@C@11)
speziell auf die gnade gottes, ihre äuszerungen und wirkungen bezogen. II@C@1@aa)
als beiwort zu gott, Christus, Maria (
über die einzelheiten dieses ahd. und mhd. sehr entwickelten gebrauchs s. bei Armknrcht
gesch. d. wortes '
süsz' 27
f.; 96
ff.; 130
ff.; 141
ff.).
zufrühest bei Notker,
noch prädikativ, im anschlusz an psalmstellen, namentlich ps. 33, 9,
und durchweg mit bildhafter anspielung auf die geschmacksbedeutung süsz I A (
s. auch oben I A 2 a),
wie sie im religiösen gebrauch des mittelalters und später des barock weit verbreitet ist (
vgl. Armknecht
a. a. o. 45
f.; 48; Brzóska
anthropomorphe auffass. d. gebäudes u. s. teile [1931] 40
ff.): chorot unde sehet iu daz unser trohtin suoze ist. chorot sinero suozi in sinemo lichinamen unde in sinem pluote. nieht wio suoze er si demo munde sunter dero sela (
vulgata: suavis; Luther
ps. 34, 9: freundlich;
im magnificat von 1521
noch: susz 7, 550, 12
W.) Notker 3, 99, 17
P., vgl. 2, 416, 5
u. 593, 20; alse bine die wabun umbehabeton sie mih. wanda mit dero passione getaten sie mih (
Christus) suozzeren Notker 2, 494, 25
P.; im barock lebt dieser sinnliche gehalt wieder kräftig auf: dasz ich dich schmekke Jesu Christ, wie süsz und lieblich du mir bist, dasz ich je mehr und mehr dich esse, du honigsüsze wurtzel Jesse A. Silesius
heil. seelenlust 124
ndr. deutlich in der abstrakten bedeutung '
gütig, gnädig, freundlich'
ohne bildlichen gehalt: quoniam tu domine suavis ac mitis wanda du truhten beidiu bist ioh suozze ad tollendam amaritudinem ioh mammende ad sustinendos peccatores. suozze demo, der an dih petot ex corde, mammende demo, der beton beginnet (Luther
ps. 86, 5: gut und gnedig) Notker 2, 354, 19
P., vgl. 2, 77, 25; der herr ist gut, richtig und ssz, allen die an im hangen Burkhard Waldis
psalter (1553) 40
a.
erst im mhd. als attribut neben personen: süezer got, süezer Krist
u. ähnl. im sinne von '
gnädig, barmherzig',
soweit nicht blosz formelhaft wie unser lieber gott (
s. u. II D 1): manegen er (
der teufel) mit trugeheit stillet unz er in bewillet: den hilfet doch got der suozze, suochent siz mit der buozze
genesis 17, 32
Diemer; sô vil güete als an dir ist, vil süezer got, sô bite ich dich Gottfried
Tristan 2491; es ist doch ja ein feiner gnediger suszer gott Luther 23, 521
W.; o wär ich da! o stünd ich schon, ach süszer gott, für deinem thron und trüge meine palmen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 399
a; dô sande in der süeze Krist, der bezzer danne genædic ist, den vil rehten wunschwint Hartmann v. Aue
Gregorius 785; erbarm dich, du süeszer Jesu Christ
N. Manuel 57
Bächtold; du bist der süsze menschenfreund Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 327
a;
archaisierend: denn als die heilge hostia vom priester wird erhoben, o schreck, so ist kein glöcklein da, den süszen gott zu loben G. Keller (1889) 10, 138.
seltener von Maria: milde, genêdige suoze Marîe
Arnsteiner Marienleich bei Müllenhoff-Scherer
dkm. 1, 313.
mhd. gewinnt süezer got
manchmal den typisch '
höfischen'
klang, den süsz
auch an anderen stellen hat (
z. b. u. 2 d;
vgl. oben II B 2 a; 4): der hôhe süeze werde got Ulrich v. Eschenbach
Wilhelm v. Wenden 3020; so het mir doch vil wol getan got der raine sze Crist Rudolf v. Ems
Willehalm 1697. II@C@1@bb)
neben ausdrücken der göttlichen gnade und liebe: quati er, man si (
die ehebrecherin) liazi,wanta ist ginada suazi, thes urdeiles inbunti (
so würde man ihm vorwürfe machen) Otfrid III 17, 27; wan er mit seiner süessen güet cunt wenden aller menschen schmertzen
altdtsche passionssp. aus Tirol 475
Wackernell; mit dem tode dem grimmen woltest du mich dir gewinnen durch dine suozze minnen
Milstätter sündenklage 308
Rödiger; ich erfreue mich mit ihnen, wann Jesus Christus ... ihnen in seiner süszen liebe erscheinet graf Zinzendorf
christl. bedencken (1735) 4.
mit anspielung auf den geschmacksbegriff: wie ihm gott wollte das wesen seiner süszen liebe zu einer speise geben Jac. Böhme
s. w. 6, 540
Schiebler; dieser kelch ist randvoll von süszer gnade W. Flex
ges. w. (1927) 1, 263. II@C@1@cc)
geradezu im sinne von '
heilbringend, erlösend',
doch ist auch mit einflusz von II A 1 c '
lieb, teuer'
zu rechnen. mhd. süeze lêre
prägnant für das evangelium; noch im metaphorischen zusammenhang: unte diu suoze gotes lêre, diu ist dritte labe der sêle
vaterunser 146
in: dtsche ged. d. 11. u. 12. jh. 48
Waag; vgl. pfaffe Konrad
Rolandslied 5795
Wesle, Konr. v. Würzburg
Silvester 1731
Ger. ähnlich: daz ewangelium bezaichet die sssen predie die unser her selber tet mit sim hailgen gOetlichen munde
St. Georgener pred. 9, 22
R.; âvê, daz vil süeze wort, brâht uns aller fröuden hort Hugo v. Trimberg
renner 137;
vgl. Marner 14, 121
Strauch. später noch: meine seele lebt in mir durch die süszen lehren, so die christen mit begier alle tage hören Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 385
a; Christus ... hett sie auch tzwingen künnen. neyn er wolt si ziehen mit seiner sssen lieplicher predig Luther 10, 3, 175
W. speziell von den worten Christi, über die allgemeine formel süsze worte '
freundliche worte' (
s. u. 2 a
α)
hinausreichend, vgl. schon: uueldun thia is suotiun uuord helag gihorian
Heliand 2092
S., vgl. 3784; mit worten wolt er (
Christus) suazenthia gilouba in imo buazen Otfrid III 2, 10; hast du mit süszen worten mir aufgethan die pforten Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 343
b.
von heilstatsachen: das auffstehen bedeut die aller susseste und gnedige zukunfft gottes ynn die menscheit Luther 18, 512
W. besonders im bereich der passion, z. t. mit erotisch-ästhetischen vorstellungen gekreuzt (
s. o. II B 2 b
ende): an daz cruce suze
Andreas 38
in: dtsche ged. d. 12. jh. Kraus; diser win ist nüt anders dann das heilig, wirdig, gefronte, ssze, rosenfarbe bluot Jesu Christi Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) 19
a; die vorzeit, wo in jugendglut gott selbst sich kundgegeben und frühem tod in liebesmut geweiht sein süszes leben Novalis 1, 55
Minor; ja ich beschwör dich bei den süszen wunden, die uns, den sündern, heil und segen brachten Tieck
schr. (1828) 1, 144. II@C@22) '
freundlich, gütig',
in den beziehungen von mensch zu mensch. II@C@2@aa)
von der rede. II@C@2@a@aα)
in positivem sinne. vor allem süsze
worte (
s. o. 1 c,
s. u.β, 3): biginnit er sie gruazenworton filu suazên Otfrid V 20, 65,
vgl. II 8, 15; mit senften und mit süezen worten sprach si dâ zehant Konrad v. Würzburg
troj. krieg 10444; dein freuntlichen und sszen wort, allerliebster Friedrich, mir mein fürnemen gäntzlich gebrochen hand Wickram 1, 7
Bolte; süsze worte helfen bei ihnen nicht, warnen und drohen auch nicht Körte
sprichw. (1837) 324.
in andern verbindungen des sprechens und sagens: süeziu rede senftet zorn Freidank 64, 12
Gr.; es waren anfangs nichts als händedrücken und küssen, umarmungen und süsze reden Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 107; iz suazo imo gisageta (
Christus dem Petrus) Otfrid IV 11, 26; welches alles das Annelin nicht glauben wolt, dem Gredtlin, seinem schwesterlin, ssz zuoredet, ihr die warheit zuo sagen Montanus
schwankb. 264
lit. ver. seltener von schmeichlerischer rede ohne den abschätzigen sinn von β: zur zeit der stillen mitternacht die schönste ambassade von (
Weinsberger) weibern sich ins lager macht, und bettelt dort um gnade. sie bettelt sanft, sie bettelt süsz Bürger 26
a Bohtz; er bittet wie betend, knieet und bittet mit so feurigen, holden augen, mit so süszen schmeichelnden worten, und so ward ich wieder verführt Göthe I 25, 293
W. II@C@2@a@bβ)
häufiger, und bereits ahd., in peiorativem sinn, besonders verbreitet im 16.
jh.; meist soviel wie '
schmeichlerisch, verführerisch, trügerisch',
von solcher rede, die unlautere absicht hinter falscher freundlichkeit verbirgt. in den gleichen oder ähnlichen verbindungen wie unter α: lüg hât vil süeziu wort Marner 15, 327
Strauch; die dir ssze wort geben, unnd thun das selbige gar nichts uberall umb deynet willen Hutten
op. 2, 218
B.; süsze worte brauchte der fuchs, die zwey zu betriegen Göthe I 50, 79
W.; viel süszer red ihm schwetzen ein vom vatter und der schwester fein Wolfh. Spangenberg
griech. dramen 2, 17
Dähnhardt; dasz mich dieser Plato mit seinem süszen geschwätze beynahe überredet hätte, ... meine leibwache nach hause zu schicken Wieland
Agathon (1766) 2, 129; der in des printzen hertz vorlängst sich eingetrungen durch süsze schmeichelkunst Rachel
satyr. ged. 96
ndr. in verbaler verbindung schon früh: themo alten (
Adam) det er (
der teufel) suazithaz er thaz obaz azi Otfrid II 5, 15; an dem erestem stoze sprach er (
der böse geist) ir (
Eva) zuo vile suoze
altdt. genesis 645
Dollmayr; indulcare zuze redin (1420) Diefenbach
n. gl. 214
b; söt snacken '
schmeicheln' Mensing
schlesw.-holst. 4, 714.
von hier aus auch auf andere äuszerung falscher gesinnung erweitert: wer durch die fynger sehen kan und loszt syn frow eym andern man do lacht die katz die müsz suossz an Seb. Brant
narrenschiff 34
Zarncke; er sah diese gleisnerblicke, dies süsze lächeln Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 5, 192.
mundartlich auch auf den menschen überhaupt bezogen: se is so söt '
schmeichlerisch' Mensing
schlesw.-holst. 4, 714; nimm dich in acht, des ist ein süszer! '
ein verschlagener' Fischer
schwäb. 5, 1970.
das naheliegende bildliche spiel mit der geschmacksbedeutung I A (
s. bes. I A 2 a
α)
wird in formeln und redensarten abgewandelt: das man gibt süsze wort als hönig, darhindter ist der trew gar wenig Hans Sachs 5, 84
K.; ihre rede schmeichelt süszer als honigseim, und wann sie mit liebe umhalsen, meinen sie arges E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Dtschen (1845) 1, 261; das tue der Uli schon, sagte er, wenn man ihm den mund recht süsz mache Jer. Gotthelf
ausgew. w. 2, 74
Bartels. vom akustischen her empfunden (
s. o. I C 2 b): durch den resonantz ihres (
der schmeichler) süszen lobes, mit dem sie ihnen die ohren kitzeln Butschky
Pathmos (1677) 6. II@C@2@bb)
auf den gesichtsausdruck bezogen, gelegentlich in naher berührung mit II B 2 c;
in ausgesprochener oder unausgesprochener gegenüberstellung zu sauer,
seltener zu bitter (
s. o. I A 2 c, II A 1 a
γ, b
γ;
s. u.süszsauer 2 b, süszsäuerlich 2, süszbitter 2 c): und das solt du tuon von minnen und senftmteklichen und mit einem sssen antlit und worten Tauler 148, 34
V.; wenn ich ihn (
den prinzen als partner Charlottens) heimlich beneidete, so würd ich doch ein süs gesicht dazu machen Göthe IV 5, 49
W.; e süess g
esicht mache
n '
heiter, fröhlich' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 377
b.
bildlich: das meer ist zwar allzeit bitter, und also macht es gar selten ein süszes gesicht Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 8.
so auch in der verbalen wendung: saur und ssz kan ich sehen frey Wolfh. Spangenberg
griech. dram. 2, 8
Dähnhardt; dasz es tag und nacht wird, wann es zeit ist, du magst gleich sauer oder süsz darzu sehen Grimmelshausen 2, 363
Keller; er is
t nidig, jetz kan er nit süess lueje
n '
freundlich schauen' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 377
b. II@C@2@cc)
in allgemeinerer anwendung, bis ins 16.
jh. reichlich, darüber hinaus nur vereinzelt bezeugt: ir wille was so süeze, daz sî daz alsô lange treip, unz in der bühsen niht beleip (
von der frau, die den wahnsinnigen Iwein mit salbe heilt) Hartmann v. Aue
Iwein 3478; durch dînes herzen süezen muot ... dû hâst enbunden uns von nôt Rudolf v. Ems
gut. Gerhard 6368; wenn du nu solch göttlich, himlisch mensch bist, und lest dir dein süs hertz nicht nemen, durch ander leute undanck oder bosheit Luther 6 (
Jena 1568) 51
b; dein freundlich grusz den nim ich an, den du mir wünscht von hertzen susz Forster
fr. teutsche liedl. 47
ndr. im sinne von '
milde, sanft': ein fein lieblich süszes freuntlich regiment Luther 24, 63
W.; dein süszes herrschen weisz von keiner strengigkeit B. Neukirch
ged. (1744) 193.
so namentlich von menschlicher gesamthaltung, oft mit gegen;
in älterer sprache von milden, freigebigen fürsten: der lieben, süezen, milten herren angesiht mich vröuwet
minnesinger 2, 370
v. d. Hagen; (
er) was en gutlik unde sote vorste (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 4, 297
a.
sonst vornehmlich in religiösem zusammenhang: das die menschen von grunde so ssse und senfte werdent, si envermügent nüt keine hertekeit Tauler 366, 27
V.; bisz güttig, süsz unnd wunsam gen allen menschen Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) f 2
d.
häufig bei Luther: von hertzen freundlich und gütig und süsze sein gegen einem iglichen 32, 401
W., vgl. 10, 1, 1, 447
u. 10, 3, 253
u. ö.; steiff, beständig, auch verständig, nicht vnartig, grob und wild, sondern gtig und demtig, zchtig, freundlich, ssz und mild (1604) Kehrein
kathol. kirchenl. 2, 47
b;
vereinzelt in vergleichbarer jüngerer anwendung: meine sanfte Marie wird das glück meines lebens machen. ihre süsze seele bildet sich in ihren blauen augen Göthe I 8, 51
W. II@C@2@dd)
nur der mhd. dichtung zugehörig ist ein bedeutungsmäszig viel umfassenderer gebrauch, in dem süsz
den begriff höfischer vollkommenheit (
s. auch oben sp. 1312, 1314, 1315)
ausdrückt, vgl. schon: du redest suozze unde scône, so iz ze hove zâme
altdt. genesis 5842
Dollmayr; zwelf wol geborner kinde dâ hinden nâch den knappen riten, an guoter zuht, mit süezen siten Wolfram
Parz. 18, 28; frowe, erst für küneges künne erkant ... sô bring ich iu den werden gast, dem süezer tugende nie gebrast
ebda 22, 26; ir werden und ir süezen gesellen unde künge rîch Konrad v. Würzburg
troj. krieg 26, 338; sîn süeziu muoter leite an in mit alsô süezem flîze ir sin Gottfried
Tristan 2049. II@C@33)
erotisch gesteigert zur bedeutung '
verliebt, verlockend'
; besonders süsze worte (
s. o. 2 a): als sy by ain ander lagen, susser wort sy vil pflagen
Friedrich v. Schwaben 1220
Jellinek; wollte dir süsze worte geben, als ein bräutigam seiner
braut gibt maler Müller (1811) 1, 180.
besonders mit negativem sinn, vom wort der verführung: sît man valscher minne mit sô süezen worten gert Walther 14, 25; siren, ein huor, die mit sszen worten die knaben zuo sich lockt Er. Alberus
nov. dict. gen. (1540) s 4
a; Ibrahim setzet der Ambre mit den süszesten worten zu Lohenstein
Ibr. sultan (1679) a 6
b.
in verwandten verbindungen: viel junge mAenner durch schOene und ssze gesprech der frawen sind gefangen worden
buch d. liebe (1587) 128
a; und liebkoste dem weib Agamemnons mit süszem geschwäze J. H. Voss
Odyssee 43
Bernays; die sprache, in der sie einander zuweilen mitten unter fremden süszestes hatten sagen dürfen Ina Seidel
Lennacker (1938) 381.
hierhin auch: vielleicht hat keine sprache der welt ein so süszes wörterbuch der liebe (
wie die griechische) Herder 3, 296
S.; wenn man künftig die fidibus hier zu lande so galant kneipen wird wie ein süsz zettelgen, wirds ein trefflich leben werden Göthe IV 3, 17
W. (
s. u. süszbriefchen).
von anderen äuszerungen der verliebtheit: sine bûweten den arcwân mit manegem süezen blicke Gottfried
Tristan 16491; wenn in zeit daucht er eyn süszen anplicke gen ir schieszen liesz Arigo
decamer. 470
K. in jüngerem gebrauch gern mit ironischem unterton, nach süsz II E
hinüberdeutend: die ältere, eine passabel hübsche dirne, ... schickte dem traurigen theilnehmend süsze blicke zu
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 1, 77; weil sie behauptete, ich und Sophie ... hätten uns beim begegnen auf der treppe 'süsze augen gemacht' Holtei
erz. schr. 2, 45; er hatte sich ... ausschlieszlich mit der frau vom hause unterhalten, mit der er eine seele zu sein schien, wie man von dem süszen zugespitzten munde beider abnehmen konnte Eichendorff
s. w. (1864) 2, 152;
vgl. Hofmann
niederhess. 236, Staub-Tobler 7, 1407. II@C@44)
von einer richtung des menschlichen willens oder einer geneigtheit des gemütes, religiös und weltlich; in sehr früher bezeugung. II@C@4@aa)
soviel wie '
gern, willig, geneigt',
vgl. schon avide suazlicho (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 315, 1
St.-S.: beitota er thar suazothero druhtines giheizo Otfrid I 15, 4; der (
Seth) was milte unde guot, vil suoze was ime sin muot zallen guten dingen
dtsche ged. d. 11. u. 12. jh. 11
Diemer; süsze (
gern) mach ich mich uff die fart
Alsfelder passionsspiel 21
Grein; dann wo ein hertz alszo Christum hOeret, das musz frOelich werden ... und ssz werden gegen Christo, yhn widderumb lieb zu haben Luther 7, 29
W.; vgl. 10, 3, 175.
gelegentlich mehr objektiv bis zur bedeutung '
fromm, rein',
vgl. in früher glossierung: dulces in actus suazze in tati
Murbacher hymnen 5, 2
Sievers; ain rain gedank, ain sss gedank, ssser wille und kurtzlich ain ieglich guot werch oder wort oder gedank
St. Georgener pred. 151, 14
Rieder; frt ein solichen sszen wandel, das ir dem exempel Christi gleich werdet und dem nechsten helfft mit leib und gut Luther 10, 3, 169
W.; gi sint van soter wandelingen ... geistlik unde van guder sede
Reinke de vos 2812
Lübben. II@C@4@bb)
im sinne von '
innig, zärtlich, andächtig',
in alten und jungen wendungen, oft als reines stimmungswort: ni minno wiht so suazo,io so spor thero fuazo (
Christi) Otfrid III 7, 12;
vgl. II 9, 37; nit ist das gebet gut und recht, das vil ist, andechtig, suessz, langk ..., sundern das fest bawet und trawet, es wirdt erhoret Luther 2, 127
W.; die wenigen verwelkten blumen, die er mit süszer zärtlichkeit betrachtete Tieck
schr. (1828) 16, 82. schäferin, o wie haben sie dich so süsz begraben Rückert (1867) 2, 395.
speziell vom weinen, sofern es innigste persönliche beziehung ausdrückt (
anders s. II A 2 c
γ): si weinote vil suoze an die gotes vuozze Ava
leben Jesu 851
in: zs. f. dt. philol. 19
Piper; sie (
Maria) nam ihr kindelein auff den schosz, viel süszer thränen sie vergosz (1619) Kehrein
kathol. kirchenl. 1, 225; süsze thränen der dankbarkeit Thümmel
s. w. (1832) 6, 286.
nur in älterer sprache zur kennzeichnung einer geste, einer ausdrucksgebärde, '
demütig': oda ih giknewe suazofora sinen fuazon Otfrid I 27, 59;
vgl. altdt. genesis 3125
Dollmayr; und (
er) liesz sich nider suesse zu desz heren (
des königs) fuesse Heinrich v. Neustadt
Apollon. 1015; 9561;
vgl. auch Verwijs-Verdam 7, 1482. II@DD. süsz
als '
geliebt, lieb, wert' (
s. schon II A 1 c)
in der anwendung auf personen, besonders als kosewort und in der anrede, teils aus II C 1 '
gnädig, gütig',
teils aus II B 2 '
lieblich, reizend'
entwickelt; doch ist die anwendung stark gefühlsbetont, bedeutungsmäszig vielfach unscharf und weithin durch formelgebrauch abgenutzt. seit dem frühmhd. zu belegen, doch vgl. schon ags. ðu eart dohtor min seo dyreste and seo sweteste (900)
bei Murray 9, 309
c. II@D@11)
in religiöser sprache namentlich der älteren zeit neben bezeichnungen gottes und Christi, als weniger gewichtige spielform zu den gleichen verbindungen unter II C 1 a,
denen '
freundlich, gnädig'
zugrunde liegt (
doch s. auch u. 2, 3). süszer gott
wie später lieber gott: daz sî dir, süezer got, gekleit Walther 25, 23;
ähnlich: lieber herre, suzzer vater
litanei bei v. Kraus
mhd. übungsbuch 235, 50; also gelft für durst zerlechzet mein sel zuo dir, herre süs Schede
psalmen 162
ndr.; vgl. noch schlesw.-holstein. du söte gott! Mensing 4, 714; ei suze muder des suzen Jhesu
Marienlieder in: zs. f. dtsche alt. 10, 11; also hand wir alle den sszen herren Jesum Christum hinder sich gestellt Zwingli
dtsche schr. 1, 98; der süsze erlöser Chr. Scriver
seelenschatz (1737) 1, 835
a. II@D@22)
in der sprache der liebe und von dorther gefärbt auch in religiösem gebrauch als wort zärtlicher rede und anrede, in enger berührung und oft in überschneidung mit dem ästhetischen gebrauch II B 2 a: ouwê, wan wær ich begraben bî mînem süezen trûte Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 10013; â süeze âmîe, liebe Isôt Gottfried
Tristan 19480; mein aller sster Camille
buch d. liebe (1587) 113
d; o du süsze Emilia
ebda (
aber o meine liebe Emilia
ebda 114
b); gute nacht mein süszes, liebes, theures Mariechen Moltke
ges. schr. (1892) 6, 6; süsz liebchen (
Faust zu Gretchen) Göthe I 14, 158
W. (
Faust 3179).
häufig substantiviert: ohne dich, liebste, was wären die feste? ohne dich, süsze, was wäre der tanz? Göthe I 1, 27
W.; leb herzlich wohl, ich küsse deine hände, mein süszes, und will schlafen gehn Bismarck
br. an s. braut 123;
vgl. Mensing
schlesw.-holst. 4, 714.
in formelhaften umschreibungen: o du aller liebste und süsziste herberg aller meiner begir Arigo
decamer. 254
K.; mein schatz, mein augentrost, spricht sie, mein süszes leben, mein einig aufenthalt J. Rachel
satyr. ged. 21
ndr.; lebe wohl du süses herz Göthe IV 8, 22
W. von dieser innig-zärtlichen anwendung aus auf den sprachgebrauch katholischer wie protestantischer Christusmystik einwirkend (
s. oben II B 2 b
ende): (
durch selbsterkenntnis) kumet dú sele zuo der erkantnust des sssen gottes
St. Georgener pred. 331, 22
R.; süszes heyl, lasz dich umbfangen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 330
b; ich sehne mich nach deinem mund du süszer Nazarener A. Silesius
heilige seelenlust 122
ndr. auch die anwendung auf Maria hat den ton des zärtlichen: Marjâ klâr, vil hôhgeloptiu frowe süeze Walther 36, 21,
vgl. 3, 28; Maria zu lieben ist allzeit mein sinn ... Maria, du milde, du süsze jungfrau
im kathol. kirchenl. der gegenwart; die süsze gottesmutter oben hat sich von ihrem thron erhoben Uhland
ged. (1898) 1, 335.
bis in jungen gebrauch durchstehend der süsze
name Jesu(s), Maria: eyn gebett von dem sssen namen Jesu Christi
d. ew. weiszh. betbüchl. (1518) h 2
b; am feste vom süszen namen Jesus Annette v. Droste-Hülshoff 3, 11
Schücking; drücke deinen süszen Jesusnamen brennend in mein herz hinein Albert Knapp
in: evang. gesangb. f. Rheinland u. Westfalen (1930) 55; des sey gelopt dein süsser nam, Maria, hochster himel flam Hans Folz
meisterl. 87, 2
Mayer; der sösse nam '
die zeichen J. H. S. oder J. M. J.' Rovenhagen
Aachen 135;
s. dazu Frommann
dtsche maa. 2, 543;
vgl. auch süsznamensonntag Unger-Khull
steir. 601
b. II@D@33)
von kindern, wie bei 2
oft ohne möglichkeit sicherer unterscheidung von II B 2 a '
zierlich, anmutig',
aber im ganzen mehr als ausdruck innigster persönlicher beziehung; noch wie C 2 d
als höfisches epitheton: die (
brust der hindin) souc der junge süeze knabe und hete sîne genist dar abe Konrad v. Würzburg
troj. krieg 539;
anders erst jung: ein vater meinen süszen kindern, und meinem volk ein guter fürst zu sein H. v. Kleist 2, 342
E. Schm.; gott, mein süsz Gretel, ... was sprichst du nur? du bist ja ein gutes und liebes kind Fontane I 2, 343,
vgl. auch Mensing
schlesw.-holst. 4, 714.
umschreibend: wie eine mutter thut, in derer schoosz das süszste pfand der keuschen liebe ruht Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 401
b; und als der liebe erste süsze frucht die zarte blume brach in todesschmerzen Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 200.
in der volkstümlichen frömmigkeit vom Christuskinde: Jesus dat sOete kindelin schal stedes in unsen herten syn Husemann
spruchsamml. (1575)
nr. 1; o Jesulein süasz! o Jesulein süasz! Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österr. 3.
als kosewort für tiere: süszes böckchen, wie gehts? J. H. Voss
Odyssee 166
Bernays. II@D@44)
auch sonst in der anrede, mit dem ton des innigen wie des formelhaft unverbindlichen. mhd. sehr geläufig, nhd. nur spärlich bezeugt und mehr durch lieb, gut, teuer
vertreten. am meisten fest geblieben süsze
mutter: ach, süeziu muoter ... Gottfried
Tristan 2602; theure, süsze mutter, lasz deine Tirza nicht umsonst hoffen maler Müller (1811) 1, 9; oh süsze mutter, lasz mich dies dir sagen
Liller kriegszeitung (
auslese 1915) 2, 203; o du mein sser Gabriotto, sieh mich doch noch einmal an, dein lieben und getrewen gesellen und freundt Wickram 1, 209
Bolte; nun zeuchst du, süszer freund, mit ehren wieder heim, wo deine sonne scheint P. Fleming
teutsche poemata (1642) 46; allein mir scheint, was herzen redlich fühlen, mein süszer freund, das soll man nicht befeilen Göthe I 2, 17
W.; vgl. IV 3, 27.
in früher bezeugung wohl mit religiösem beiklang: er (
Roland) sprach: wole ir suozen Karlinge, ich pit iuch in der waren gotes minne pfaffe Konrad
Rolandslied 5807
Wesle. abgeschliffener: süezen lieben herren mîn Rudolf v. Ems
guter Gerhard 5569; mein süszer meister Arigo
decamer. 521
K. mundartlich im nd.: in Flensburg und Angeln wird mien söte
auch als anredeform im sinne von '
mein lieber!', '
mein guter!'
gebraucht Mensing
schlesw.-holst. 4, 714.
geziert: machen sie mir nicht angst, mein süszer (
hofmarschall v. Kalb zum präsidenten) Schiller 3, 428
G. (
kabale u. liebe);
ironisch: auch du bist gar zu höflich, süszer bote die klauen sind dem adler nie zur last (
Hagen zu Werbel, der ihm den schild tragen will) Hebbel
w. 4, 254
Werner. II@EE.
ein abschätziger gebrauch des wortes, der etwa dem heutigen süszlich (
s. d. 2 b)
entspricht, geht von den bedeutungen süsz II B '
zierlich'
wie von II C '
freundlich'
aus, die sich hier übersteigern und veräuszerlichen und mit der vorstellung des ungehörigen oder unpassenden verbinden. in der zweiten hälfte des 18.
jh. sehr lebendig, nur ganz vereinzelt früher, aber noch bis in die mitte des 19.
jh. nachwirkend. II@E@11)
auf literarischem gebiet im sinne von '
geziert, maniriert'
oder '
schönrednerisch, oberflächlich': aber die humoristen plerrend von den vier humoribus ... aber es ist ein ssz geschwAetz, braucht wenig kunst Paracelsus
op. (1616) 1, 303
H.; alle Klotzische schriften sind von diesem süszen geschwätze voll Herder 3, 55
S.; der schleichende, süsze komplimentierton schickt sich weder zu dem vorwurfe, noch zu der einkleidung (
der '
antiquarischen briefe') Lessing 10, 231
M.; ob nicht die süsze phrase in Deutschland so regiere, dasz sie selbst ... das frische gefühl und die ... thatsachen überpinselte Gutzkow
die ritter v. geiste (1850) 3, 342. II@E@22)
mehr moralisch gemeint, zur kennzeichnung menschlicher haltung. II@E@2@aa) süszer herr,
bedeutungsmäszig verschieden getönt, aber immer im sinne des unmännlichen, gezierten, weichlichen. im erotischen (
s. o. II C 3) '
galant',
von courschneidern, s. Adelung wb. 4 (1801) 507: Charmant gehört zu denen mannspersonen, die man die süszen herren nennt ... ein süszer herr kriegt nie verstand .... Charmant kann vor euch niederknien und euren blick liebäugelnd auf sich ziehn Gellert
s. schr. (1784) 3, 137; wo ist sie hin die zeit, da noch zu ganzen schaaren die süszen jungen herrn zu deinen füszen waren? Göthe I 9, 51
W. '
stutzer, geck': eitelkeit und moden können ... aus mancher mannsperson einen süszen herrn ... machen Kant (1838) 7, 421. '
geziert, fade': der charakter des Fribble, eines faden, süszen herrn H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 23.
gelegentlich auf 1,
den literarischen bereich angewendet: einige süsze herren unsers jahrhunderts haben sich ... von diesem dunkeln und beschwerlichen wege losgezählet, und vornehm zwischen reichsgeschichte und geschichte Deutschlands ... unterschieden Herder 3, 466
S., vgl. 376; hier ist man grösztentheils auch sehr für den Homer, bis auf einige süsze empfindsame junge herrn, denen Homer zu grausam und wild ist Boie in:
br. v. u. an Bürger 1, 286
Strodtmann; wenn wir wieder einen selbstgefälligen theologischen süszen herrn auftreten sahn, der ... dem armen, leidenden christen seinen heiland ... wegphilosophiren und sophistisiren wollte J.
M. Miller
ged. (1783)
anhang 455. II@E@2@bb)
auszerhalb dieser wendung in der gleichen bedeutung '
geziert, geckenhaft, kraftlos': hohl der teufel die fein geschnitzelten manirierten bursche, und alle süszen affen dazu H. Beck
schachmaschine (1798) 12;
vgl.en söten '
weichlicher mensch' Leithäuser
Barmer ma. 146
a; dasz er ... die gewohnheit hat, allen frauenzimmern die hand zu küssen ... es kommt so süsz heraus, und das süsze wesen kann ich, mit noch vielen meines geschlechts, gar nicht ausstehn; ein mann musz ein mann seyn J.
M. Miller
beitr. z. gesch. d. zärtlichkeit (1780) 19; jetzt übersah Lucinde die ganze lange, starke, breitschulterige persönlichkeit, deren zartes, fast süszes benehmen mit diesem äuszeren in einem fast komischen contraste stand Gutzkow
d. zauberer v. Rom (1858) 1, 78; dann sah er auf die uhr, griff in süszer liebkosung nach dem überaus feinen backenbart S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 229. IIIIII.
zusammensetzungen mit süsz-
als erstem bestandteil sind ahd. und mhd. noch vereinzelt, z. b. suozstanchperge (
Lybano monte)
bei Notker 2, 390, 11
P.; suzsanc
melodia Graff 6, 314; suozephel
malomellum (12.
jh.)
ahd. gl. 3, 98, 44
St.-S. (
s. u.süszapfel), suzkosi ...
lepidus (12.
jh.)
ebda 144, 28, süezholz Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 414
Pf. (
s. u.süszholz), süesreder (14.
jh.)
Germania 18, 69 (
s. u. süszreder), sssemtig Tauler
pred. 106, 28
V.; im 15.
und namentlich im 16.
jh. kommen sie stärker auf, zunächst vorwiegend als substantiva, während das 17.
jh. vor allem adjektivische bzw. partizipiale bildungen beisteuert. die hauptzahl der kompositionen entsteht seit der zweiten hälfte des 18.
jh., weithin im anschlusz an den im zeitalter der empfindsamkeit und frühen romantik stark ausgebildeten gebrauch von süsz
als gefühlswort (
s.süsz II A 2 b
und c)
sowie —
durchweg von süsz I A
aus —
auf fachsprachlichen gebieten, in der begriffssprache der botanik, auch der mineralogie, in der bezeichnung von speisen und getränken u. ähnl. —
die komposition erfolgt durchweg mit der form süsz-,
nur ganz vereinzelt mit der alten adverbialform süsze-,
vgl. sssemtig Tauler
pred. 106, 28
V., süszerüchend Lohenstein
Arminius (1689) 2, 308
b.
zwei gruppen, bei denen innerhalb eines geschlossenen gesamttypus die gelegenheitsbildungen überwiegen, sind hier vorwegzunehmen (
ohne stellenangabe aufgeführte wörter sowie alle übrigen sieh unter eigenem artikel.) III@11)
partizipiale bildungen mit adjektivischer funktion. sie umfassen, namentlich als part. präs., fast ein drittel aller süsz-
composita überhaupt, bleiben aber in der mehrzahl der fälle auf gelegentlichen, meist poetischen gebrauch beschränkt und sind formal als zusammenrückungen einer partizipialform mit adverbialem süsz
aufzufassen, wie sie sich aus der häufigkeit dieser wortbegegnung leicht ergaben, ohne dasz durch sie die getrennt geschriebenen bildungen verdrängt oder ausgeschlossen würden. im 16.
und 17.
jh. als eigene gruppe innerhalb des sinnlichen gebrauchs von süsz
schon deutlich erkennbar (
s.a),
verdankt dieser kompositionstyp dem vertieften und verinnerlichten gebrauch des wortes seit der zweiten hälfte des 18.
jh. eine fülle neuer bildungen (
s. b). III@1@aa)
im bereich süsz I.
am gebräuchlichsten und schon im 16.
jh. häufig in der anwendung auf gehörseindrücke, entsprechend süsz I C,
gern, wie süsz I C 2,
unsinnliche gebrauchsweisen streifend: süszredend (1530); -singend (16.
jh.); -lautend (16.
jh.); -klingend (16.
jh.); -tönend (16.
jh.); -pfeifend Nigrinus
anticalvinism. (1595) 204; -rauschend (
von bächen) Tobias Hübner
d. andere woche (1622) 185; -schallend (1652); -lockend (1717); -sprechend Herder 26, 71
S.; -schwatzend (1774); -flötend (1792); -flüsternd Fr. Kind
ged. (1817) 1, 277; -klagend Droysen
Äschylus (1841) 246.
zu süsz I A,
im sinne des wohlschmeckenden wie des spezifisch süszschmeckenden: süsztriefend (
von der weinrebe) J. Helwig
Ormund (1666) (*) (*) 8
a; -schmeckend (1682); -gefüllt (
vom pfirsich)
allg. dtsche bibl. 15 (1771) 353; -berauschend (1844); -nährend (
von der frucht) W. Waiblinger
ged. aus Italien (1894) 140.
zu süsz I B,
von gerüchen: süszlabend Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, ):( ):( 4
a; süsz(e)riechend: süszerüchenden weyrauch Lohenstein
Arminius (1689) 2, 308
b; süszduftend (1754); -berauschend (1818); -betäubend (19.
jh.).
wie süsz I D,
von angenehmer körperlicher empfindung. erotisch (
s.süsz I D 3): süszempfindend (
von küssen) Weckherlin
ged. 1, 241
lit. ver.; -berauschend (
von küssen, 1880).
von wirkungen der luft, der jahreszeit u. ä. (
s.süsz I D 1): süszhauchend (
von wolken) Wieland I 2, 28
akad.; -erquickend (
von der luft, 18.
jh.); -atmend (
vom wind, 19.
jh.).
vom schlaf (
s.süsz I D 2): süszschlafend Klinger (1809) 8, 336; -schlummernd grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 11, 120; -betäubend (
vom traumgott, 19.
jh.), -schläfernd Mörike (1905) 1, 46. III@1@bb)
in den unsinnlichen gebrauchsweisen von süsz II.
vorwiegend wie süsz II A 2 b
und c,
gefühls- und gemütszustände oder vorstellungen kennzeichnend. bis zur mitte des 18.
jh. nur vereinzelt: süszverliebt Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 6 (1646) )( )( )( )( )( )( 3
b; -betäubt (
vom gefühl) Gottsched
d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 773.
die sprache des empfindsamen zeitalters prägt eine fülle von verbindungen, denen gelegentliche bildungen des 19.
jh. an die seite treten: süszbegeistert Wieland I 1, 400
akad.; -berauscht Pfeffel
poet. versuche (1812) 8, 48; -erregt Heinse 6, 210
Schüdd.; -bestürzt Wieland I 1, 385
akad.; -beklommen Eichendorff (1864) 2, 152; -schwärmend (J. H. Voss); -schauernd (Jean Paul); -betäubend (
vom gefühl des ewigen lebens, Klopstock); -täuschend (
die hoffnung) Herder 26, 24
S.; -betörend Böttiger
kl. schr. (1837) 1, 185; -betört E.
M. Arndt 3, 24
R.-M.; -verwirrend Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 179; -betränt
dichter. kleinigkeiten (1792) 21; -weinend Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 4, 686; -tröstend E.
M. Arndt 3, 119
R.-M.; -vertraut Herder 26, 100
S.; -träumend (Lavater).
eine kleine, romantisierender naturbeschreibung zugehörige gruppe knüpft an süsz II A 2 d
β an: süszgefangen (
die welt im strahlennetz der sonne) Jean Paul 15/18, 542
Hempel; -verborgen (
ein tal) E.
M. Arndt 3, 124
R.-M.; -dunkelnd (
vom wald) Rosegger II 15, 79.
zu süsz II B '
lieblich, anmutig': süszschmollend (
vom munde der geliebten) Weckherlin
ged. 1, 177
lit. ver.; -entzückend: ihr syszentzyckend lächeln Wieland I 1, 340
akad.; -verschlossen (
ein gesichtsausdruck) Lavater
physiognom. fragm. (1775) 3, 282; -gespitzt (
von lippen) Thümmel
reise in d. mittägl. prov. v. Frankr. (1791) 6, 10; -aufblühend (
eine rose) v. Knebel
liter. nachlasz (1835) 1, 67; -lächelnd (18.
jh.); -erzählend (
die Griechen) Böttiger
kl. schr. (1837) 2, 250; -geschmückt (
ein knabe) Eichendorff (1864) 1, 452; -schimmernd (
vom auge)
mod. dichterchar. (1885) 125.
zu süsz II C '
freundlich'
nur gelegentlich: süszvergiftet (
von der zunge) Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 7 (1647) a 7
b vorrede; -umarmt: süszumarmt von allen deinen Herder 29, 573
S.; -lächelnd (18.
jh.); -einschmeichelnd Wieland I 1, 398
akad.; -schmeichelnd (1844). III@22)
unter den adjektivischen zusammensetzungen tritt eine besondere gruppe heraus, in der süsz
nur tautologisch verstärkenden, den gefühlston bestimmenden oder vertiefenden sinn hat. schon im dichterischen gebrauch des barock bezeugt, stärker seit der zweiten hälfte des 18.
jh.: süszedel Weckherlin
ged. 2, 215
lit. ver.; -williglich
ebda 1, 104; -angenehm Gottsched
beytr. z. crit. historie (1732) 1, 241; -herzig J. J. Chr. Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 5, 114; -lieblich Th. Körner 2, 213
Hempel; -fröhlich Fouqué
reiseerinner. (1823) 2, 211; -vertraulich Tieck
schr. (1828) 16, 167; -verwandt Lenau 16
Reclam; -blau (1831); -träumerisch Gaudy
s. w. (1844) 20, 159; -heimlich
ebda 21, 123; -still J. v. Düringsfeld
Dalmatien (1857) 1, 21; -braun C.
F. Meyer
ged. (1900) 132.