stiften,
vb. kontinentalwgerm. wort; ahd. stiften
glossiert moliri, (
contumelias)
irrogare, (
dolos)
concinnare, (
bella)
nutrire, (
insidias)
tendere, (
synagogam)
fundare, gistiften
statuere, stabilire, mhd. stiften '
gründen, einsetzen, bauen',
mnd. stiften (
selten neben stihten),
afries. stifta '
stiften, gründen, erbauen, in ordnung bringen'
; neben diesem j-
verb steht vielleicht (
s. u.)
ein ō-
verb im altostndfränk. gestiftoda
s. u. I.
entlehnt sind norw., schwed. stifta,
dän. stifte '
stiften, anstiften, errichten'.
die herkunft des wortes ist unklar. meist wird es unmittelbar zur idg. wurzel stip- '
steif'
gestellt, doch bleibt dabei bildungsweise (
nur das ō-
verb hätte ausreichende parallelen, s. Specht festschr. f. Voretzsch 1927, 32
ff.)
und bedeutungsentwicklung dunkel; besonders schwebt die angabe von Walde (Walde-Pokorny 2, 647) '
holz- und ständerbauten ausführen'
in der luft, da der anfrk. beleg in seiner vereinzelung nichts besagt. die auffassung als denominativum von 1stift
mit der grundbedeutung '
anspornen' (Falk-Torp 1161, 713)
macht zwar die bildungsweise verständlich, wird aber der wirklich bezeugten bedeutung des wortes nicht gerecht. —
im nord. und ags. steht dem (
im weiteren sinne)
deutschen stiften
*stihtan
und *stihtōn
gegenüber, an. stétta '
fördern, helfen, unterstützen',
norw. stetta
dasselbe, ags. stihtan, stihtian '
regieren, stiften, einrichten, ordnen, anreizen',
die wohl denominativa von an. stétt '
stieg, tritt, steine zum aufsteigen',
norw. stett,
schwed. dial. stätt '
fuszstück'
aus *stihti-
zu stīgan '
steigen' (Falk-Torp, Torp
a. a. o., Hellquist 869, 899),
ohne dasz auch hier die bedeutungsverhältnisse namentlich des ags. genügend geklärt wären. da im nfrk. und nd. ft
in ht
übergeht, sind anfrk. stichtan
aedificare (
eos, vgl. psalm 27, 5),
mnl. stichten '
stiften, gründen, einrichten, erbauen',
mnd. stichten,
aus dem aschwed. stikta '
stiften, einrichten, ordnen, verordnen',
ädän. stigte
entlehnt sind, zweideutig: sie können entweder mit ahd. stiften
oder mit ags. stiht(i)an
identisch sein; auch anfrk. stifton
aedificare (
vgl. psalm 68, 36)
kann stihton
mit umgekehrter schreibung meinen, vgl. v. Helten
aostnfrk. psalmenfragm. 144.
bedeutung und gebrauch. gemeinsam ist den beiden hauptbedeutungen (I
und II)
von stiften
der sinngehalt '
durch einen willensentschlusz und zweckentsprechendes handeln den beginn eines werkes oder einer handlung herbeiführen',
doch kann damit keine grundbedeutung festgelegt werden; bereits in den ältesten zeugnissen auf die einmalige handlung des einrichtens bezogen, nicht auf die handwerkliche tätigkeit wie bei gründen
und bauen;
daher ist eine konkrete grundbedeutung unwahrscheinlich, der auch die sonstigen ahd. glossierungen widersprechen würden (
s. unten II).
anfrk. gestiftoda sulun werthan burge Judae (
aedificabuntur civitates Judae, psalm 68, 36) v. Helten
aostnfrk. psalmenfragm. 144
erscheint als lokal begrenzter und wohl von stichtan (
s. oben herkunft und form)
aus zu deutender sonderfall. wichtig ist für die wortgeschichte vor allem, dasz stiften
früh in einem bestimmten bereich kirchlicher anwendung festen fusz faszte (
s. I A 1 b
und I B 1)
und sich daran bis heute geläufige bedeutungen (
s. I A 2-6
und I B 2-5)
angeschlossen haben. II.
einen bau, eine einrichtung u. dgl. ins werk setzen, die nach der absicht des urhebers dauernden bestand haben sollen, dann auch das so geschaffene für bestimmte zwecke zur verfügung stellen. I@AA.
gründen, errichten, als dauernde einrichtung schaffen, vgl. stifften,
grunden oder grundfest machen
fundare voc. theut. (1482) ff 2
b; fundieren, grund legen, stiften
fundare Henisch 1289. I@A@11)
von städten, gebäuden, kultstätten, '
gründen'. I@A@1@aa)
allgemein: lerta er sar dia lantwisun, stifta ouh Sipnum, daz ist tiu burg Sipona Notker 1, 820
P.; (
Alexander) ... stifte dâ zêren sînes namen eine burch, die wart nâh im genant
Vorauer Alexander 666
Kinzel; die alten Babilonie stiphti si (
Semiramis) van cîgelin den alten
Annolied 154
R.; der selbe stift ouch Ninnivê Wolfram v. Eschenbach
Parz. 102, 13; dô bat er im mit triuwen stiften unde biuwen ein hiuselîn doch etewâ Konrad v. Würzburg
Engelhard 5222; Dido stifftet die stat Carthago Stainhöwel
de claris mulieribus 7
lit. ver.; und waz daz dusentste jor von dem, daz Rome gestift wart
städtechron. (
Straszburg 1362) 8, 29; deszhalb die loblich, lieblich statt Zürich, die nach seim nam stiften that Turich, ein künig der Heldwallen Fischart
glückh. schiff 5
ndr.; im jüngeren nhd. ungewöhnlich: Lübeck ist in einem tage gestiftet, aber nicht in einem tage gebaut Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 195
a.
ähnlich von den schöpfungstaten gottes, dem erschaffen von himmel und erde, vgl. fore werltstiftido
ante mundi constitutionem Notker
ps. 86, 5
P.; wî er (
gott) von êrest began daz hymelrîche stiften
dtsche ged. d. 11. u. 12. jhs. 3, 6
Diemer; sît daz diu welt gestiftet wart Konrad v. Würzburg
trojan. kr. 17683
K. I@A@1@bb)
früh in besonderem sinne von kirchlichen gebäuden und kultstätten '
erbauen lassen und die mittel für ihre erhaltung zur verfügung stellen'
; der begriff des gründens verbindet sich hierbei meist schon mit dem des schenkens, darbringens, weihens: sie stiftent monasteria an iro eigenen, daz darinne si sanctorum fratrum communio Notker 2, 437
P; ci demi tiurin gotis lobe stift er selbo vier munister
Annolied 644
R.; ein rîche fürsten apteystifte vrou Uote nâch Dancrâtes tôdevon ir guote, mit starken rîchen urborn,als ez noch hiute hât, daz klôster dâ ze Lôrsedes dinc vil hôhe an êren stât
Nibel. C 1142, 5
Bartsch; daz du dem almehtigen gote alle tage ein klôster stiftest Berthold v. Regensburg 1, 138
Pf.; wer eine kirchen stifftet Luther 24, 388
W.; (
Geronis epithaphium) zu Lusatz erster fürst war ich, dreyszig wendisch herrn ertödtet ich und stifft Gernrod aus eigner hab Chr. Entzelt
altmärk. chron. (1579) 141
Bohm; sie stifftete nach Ansegisi tode das an der Maas gelegene kloster Anden S. Fr. Hahn
vollst. einl. z. d. teutschen staatshist. (1721) 1, 7; meine ahnen, sie stifteten durch ihre frommen gaben dies kloster Zach. Werner
Martin Luther (1807) 35;
hierher: stifte mir siben alter (
aedifica mihi hic septem aras)
Wenzelbibel numeri 23, 1
bei Jelinek
mhd. wb. 685.
einen heidnischen tempel bauen: als er ändert das Pantheon, welchs war zu Rom ein tempel fron, von den heyden gestifftet zwar aller heydnischen götter schar W. Spangenberg
ausgew. dicht. 58
Martin; Constantinus ... all den abgöttern gestiffte tempel zusperren ... (
liesz)
theatrum amoris (1626) 138; (
wenn Camillus) ein heiligthum ... stiftete Mommsen
röm. gesch. (1856) 1, 270. I@A@22)
ähnlich auch gemeinnützige anstalten errichten, wie spitäler, schulen, universitäten, und ihren unterhalt sicherstellen; die vorstellung des bauens tritt dabei meist hinter der des einrichtens zurück und schwindet oft völlig: kirchen zieren, spital stifften und ander guote werch ... werden in aigner lieb erzaigt Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 344
R.; vgl. ort,
die jetz klosterleut oder stifftherren besitzen, sind anfencklich gestifft worden uff eerlich wonung der alten, armen, krancken Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 37
ndr.; die Türken haben almosen und spitäler für thiere gestiftet Bode
Montaignes ged. u. mein. (1793) 3, 252; invaliden poeten ist dieser spittel gestiftet Göthe 5, 1, 211
W.; Lehne bat ihn um die erlaubnisz, ein findelhaus zu stiften A. v. Arnim
s. w. 1, 310. schule stiften,
in uneigentlichem gebrauch schon mhd.: zwâr sî wellen daz bewarn, daz sî iht die êrsten sîn, dâ man mit die schuole stifte. waz ob sî der schuolemeister wifte und sîn scharpfez schærelîn? pseudo-Neidhart 241
Haupt; eigentlich: dazu sind auch die schulen gestifftet Luther 19, 74
W.; der und der fürst hat zu Lutheri zeiten die und die schul gestifftet! Prätorius
abenth. glückstopf (1669) 155; sechzehn neue schulen, die er auf seinen gütern gestiftet ... hat J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 83; sage mir, wo kamen die gelährte leut her, ehe so viel universitäten in Teutschland gestifftet waren? Schupp
freund in d. not 60
ndr.; (
Gesner) stiftete auch das philologische seminar J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 107; die universitäten zu Leyden ... Utrecht und Harderwyck waren gestiftet Moltke
ges. schr. u. denkwürd. (1892) 2, 29; für die während seiner abwesenheit gestiftete kunstacademie Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 82. I@A@33) '
einrichten, gründen'
ohne den beisinn des bauens, besonders bei der schon mhd. gebräuchlichen anwendung auf das schaffen kirchlicher, staatlicher und privater gebilde, namentlich fester organisationen. I@A@3@aa)
kirchliche und weltliche verwaltungskörper schaffen; nhd. allmählich von gründen
zurückgedrängt: der keiser stiftez (
erzbistum) bî der zît mit solhen kreften, daz ez treit von rîcheit immer werdekeit Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 183
Haupt; der stiftede das bischthum zu Hamburg Wigand Gerstenberg
chron. 63
Diemar; und wie die stifter hiezin, ... (
die) dú lant stiftin begunden, und wie dú lant wurdin genant, dar sih sit zinsten ellú lant Rudolf v. Ems
weltchron. 158
Ehr., vgl. 3329; gleich demnach haben sie der Parthier unnd Bactrianer künigreich gestifftet H. Boner
Justinus (1532) e
a; sind ferner gangen (
die Goten), sich ausgebreitet und haben ... das longobardische reich gestifftet A. Olearius
pers. reisebeschreib. (1696) 36; als die Wandalen, Alanen, Sveven, Gothen und andre teutonische völker ihren wilden durchzug durch die Pyrenäen nahmen, und einige derselben in ihrer nachbarschaft reiche stifteten, waren sie noch das tapfre, unruhige volk Herder 14, 260
S.; unterwürfige völker stiften keine colonien Niebuhr
röm. gesch. 1, 53.
hierher: ich stifte ein majorat Holtei
erz. schr. 16, 293.
poetisch: du willst mit mir ein reich der sonne stiften, darinnen uns allein die freude ziere Stefan George
das jahr d. seele 38. I@A@3@bb)
nhd. besonders gebräuchlich für '
eine gemeinschaft, die bei wechselnden mitgliedern weiter besteht, nach festen satzungen aufbauen'. I@A@3@b@aα)
von geistlichen orden, ritterorden: welcher ritterlich orden mit einem roten kreutz von keyser Friderichen dem dritten gestifft unnd geordnet Paracelsus
op. (1616) 1, 251; die Jesuiten kannten das menschliche herz besser und stifteten geistliche kongregationen für alle verschiedene klassen im staat H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 144; in den Karthäuserorden ..., der ... für frauen nicht gestiftet wurde Fontane
ges. w. I 4, 318. I@A@3@b@bβ)
von einer gesellschaft zur förderung bestimmter wissenschaftlicher, künstlerischer, wirtschaftlicher und anderer zwecke: worzu der ... nährende ... durch seine gestiftete fruchtbringende gesellschaft ... viel geholffen Ph. Zesen
rosenmând (1651) 13; ... ist unser palmenorden ... zum ersten mal gestift und aufgerichtet worden Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 19; die zu Eszlingen gestiftete gesellschaft, um naturhistorische reisen zweckmäszig zu befördern Göthe IV 41, 229
W.; ein zunfft oder gesellschafft stifften
instituere collegium Maaler (1561)
t. spraach 388
b; während der zeit hatte capitain Neares ... mit einigen sowohl englischen als portugiesischen kaufleuten eine neue handlungsverbindung gestiftet G. Forster
s. schr. (1843) 4, 58; dasz er, um das geld im thale zu behalten, eine eigene versicherung stiftete Pichler
gesch. aus Tirol (1897) 1, 30; eine menge vereine ... wurden gestiftet, welche meistens irgend eine versicherung zum wohle der mitglieder und ihrer angehörigen zum zwecke hatten G. Keller
ges. w. (1889) 1, 23. I@A@3@cc)
verallgemeinert auf jede art menschlichen zusammenschlusses angewandt, ohne dasz eine bestimmte äuszere form notwendig wird; von politischen verbindungen: eine alliantz ... stiften
stabilire, fare una lega Kramer 2 (1702) 97
b; wir stiften keinen neuen bund, es ist ein uralt bündnisz nur von väter zeit, das wir erneuern Schiller 14, 324
G.; Napoleon machte sich durch hinterlist und verrätherei zum herrn von ganz Süddeutschland und stiftete den Rheinbund E.
M. Arndt
schr. an u. für s. l. Deutschen (1845) 1, 235; wir erinnern uns, dasz kaiser Maximilian einst die vereinigung von Cleve und Jülich eigentlich gestiftet Ranke
s. w. (1867) 4, 129.
von verbindungen durch gegenseitige sympathie, freundschaft u. s. w.: ach, da (
in der hölle) ist alles umbgewandt, darzu die freundtschafft gar getrant, so wider ehr und gottes schrifft zuvor war in der welt gestifft Ringwaldt
christl. warnung e 8
b; wann sie eine unzertrennliche freundschaft zwischen ihnen stifften wollen Grimmelshausen 2, 345
Keller; er hatte eine besondere neigung, mit allen landgeistlichen freundschaft zu stiften Göthe 22, 242
W.; wir stiften brüderschaft.der trunk macht alle gleich P. Fleming
dtsche ged. 1, 96
Lapp.; bekanntschafft neu gestifft, zum theil itzt nur erneurt v. König
ged. (1745) 212; ihr junker, der auch liebschaft mit ihr habe stiften wollen Laukhard
leb. u. schicksale 2 (1792) 217. I@A@3@dd)
freier und gelegentlich in II A 2
übergehend '
hervorbringen': wollust stiftete familien Schiller 1, 155
G.; wo Flor und Blankflor drauf ein ehlich paar geworden, um ein grosz geschlecht zu stiften Rückert
w. (1867) 3, 189; um so dringender war ich an die zukunft gewiesen, an die notwendigkeit, selbst ein langandauerndes geschlecht zu stiften G. Keller
ges. w. (1889) 5, 77. I@A@44)
von gewissen ordnungen, lehren, gebräuchen, vorschriften u. dgl., die nach der absicht des stifters für alle zeiten fortbestehen sollen. I@A@4@aa)
zunächst von religiösen lehren und ordnungen: du (
der heilige geist) hast all gaistlich ler gestifft
liederbuch d. Hätzlerin 253
H.; do Jêsus Kristus daz sacrament sîns lîchamen unde sînes bluotes stifte und ûf sazte
dt. mystiker 2, 35
Pf.; von onser heiligen tauffe, darin fein kurtz gefasset, was sie sey? wer sie gestifftet habe Luther
s. dtsche geistl. lieder 56
Klippgen; ein heilig liebesmahl für Christen hat du gestiftet, Jesu Christ
allg. dtsche bibl. anh. 53-86, 39; wol das god die e (
ehe) had selbir gestift Joh. Rothe
lob d. keuschheit 232
Neumann; das der ehestand von keinem engel oder menschen gestifft oder verordent, sonder ist ein geschaffen werck gottes Luther 17, 1, 12
W.; denn er hat selbs den ehelichen stand im paradis mit eigner hand gestifft
N. Hermann
sonntagsev. 45
Wolkan; ähnlich: underskeet der stand und orden isz den lüden man ein spott, welker doch wyszlyck van gott sulvest isz gestifftet worden Lauremberg
inholt 34
Schr. von religionen, sekten: folglich ist Jesus Christus unstreitig wahrer gott ..., und seine religion, so wie er sie gestiftet hat, die wahre Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 275; eine neue sekte zu stiften, eine neue religion zu predigen Lessing 14, 326
M. I@A@4@bb)
von anderen ordnungen, gesetzen und gebräuchen u. s. w.: aber damit ... man rührig und fridsam leben mög, seind die gesatz und rechtbücher auffkommen und gestifft worden G. Rivius
Vitruv (1575) 348; das interesse aller, die sich in eine gesellschaft vereinigen, bildet darauf ordnung, stiftet gesetze und innerlichen frieden Heinse
s. w. 4, 395
Sch.; den olympischen kampf stiftete Herkules Herder 26, 192
S.; seit fünf jahrhunderten erschien kein könig anders bei den spielen, die dein gewaltger ahn gestiftet hat Hebbel
w. 3, 242
Werner; dann wil von lauter marmerstein gott Phoebo und Dianae rein ich einen schönen tempel bawen vnd ewig auff ihr güte trawen, wil feyrtäg stifften weit erkannt (
lat. instituam festosque dies de nomine Phoebi Än. 6, 70) Spreng
Äneis (1610) 107
b; es werden ... jahresfeste gestiftet, um das denkwürdige nicht untergehen zu lassen Fr. Creuzer
symbolik u. mythologie (1810) 1, 99. I@A@55)
in formelhaften wendungen mit dem sinne '
dem namen und leben eines menschen oder der erinnerung an ein geschehen ein dauerndes andenken begründen': er (
gott) hat ein gedechtnis gestifftet seiner wunder
psalm 111, 4; unsere geliebte ... vorältern ... durch genad und milte ein ewiges auff die nachkommene onvergeszliches und erbliches ehrengemerck und gedächtnuszmal ihres gütlich und vernünfftig geprauchten sigs stiffteten Fischart
Gargantua 428
ndr.; ich wil ins künftige solch ein gedächtnusz stifften, dir, du mein augentrost G. Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 68;
noch poetisch: lasz dir stiften zum gedächtnisz diesen reim Rückert
w. (1867) 2, 226; die künstlich aufgesetzte schriften, da weisheit in vergraben liegt, die können solch ein denkmahl stiften, das allen zeiten abesiegt G. Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustwäldchen (1657) 1, 152; ich habe diese gedichte ... ihrem sohne gewidmet und auf solche weise der freundschaft ... ein denkmal gestiftet Hebbel
tageb. 2, 182
Werner; jeder mensch mag gern das andenken seines daseins stiften Göthe I 47, 214
W.; (
cardinal Guise) unterliesz nichts, was ein groszer prälat tun kann, um sich in seiner residenz ein unvergängliches andenken zu stiften Ranke
s. w. 8, 141; darmit sie ihn und ihrem stammen haben gestifft ewigen namen Reutter v. Speir
kriegsordn. 114; um sich nur ruhm in zeitungen zu stiften B. Neukirch
ged. (1744) 170; auch will ich ruhm recht viel dem toten freunde stiften A. v. Arnim
w. 19, 23. I@BB.
fertige gegenstände, kapitalien u. dgl. zu einem bestimmten zweck als geschenk darbringen, als vermächtnis aussetzen u. s. w. I@B@11)
in unmittelbarem anschlusz an A 1 b '
etwas für kirchliche zwecke zur verfügung stellen, als geschenk, gabe stiften'
; von kultischen gegenständen, weihgeschenken, pfründen, kapitalien u. s. w.: wellik altare wy kerspelslude ghestichtet hebbet unde wyggen laten (
Oldenb. urk. v. 1491)
bei Schiller-Lübben 4, 396; den altar haben die ritter von der Laurenburg gestiftet Brentano
ges. schr. (1852) 4, 29; zuom dritten hand sie (
die geistlichen) die orglen ihnen selbs auch zum burgerlust stifften lassen Jac. Frey
gartenges. 131
Bolte; einen solchen hohen potentaten, der viel gutes gestifftet in kirchen und klöstern J. Prätorius
saturnalia (1663) 54; wachskerzen auf dem altar stiften Thümmel
s. w. (1853) 3, 19; die gemeinde des Kar erstand die bibel, um sie in ihre kirche zu stiften A. Stifter
s. w. (1901) 5, 1, 139.
eine pfründe einrichten: ich habe gestiftit und gewedemit eynen altir mit zcwen vicarien und lehin (
v. j. 1397)
in: ztschr. d. ver. f. thür. gesch. 39, 354; ob wol ettlicher mensche ain pfründ stiffte in das ende, daz ain priester yemer ewenklich teglig ... messz haben sölt Niclas v. Wyle
translat. 171
Keller; damit würdt aber nit erfült, darumb man geben hat die gilt, darumb die pfrndt gestifftet ist Th. Murner
narrenbeschw. 95
ndr.; er weitert die kirchen zu Bischoffszell und stifftet etliche pfrnden zu S. Steffan Stumpf
Schweizerchron. (1606) 401
b.
der kirche eine summe geldes zu bestimmten zwecken überantworten, insbes. aus anlasz regelmäszig zu lesender messen u. dgl.; bis heute in fester wendung eine messe stiften: vil ewiger mess stiften
sächs. weltchron. 374
W.; nit verzag an got, du hest doch das und das guot werck gethon und do die mess gestifftet Geiler v. Keisersberg
bilgerschaft (1512) 24
b; hat ertzhertzog Sigmund zur dancksagung ... ein ewige mesz gestifftet J. A. v. Brandis
immergrün. ehrenkräntzel (1678) 1, 174; zugleich entschlossen sie sich ... jene gestifteten, für geld abzuhaltenden messen ... abzuschaffen Ranke
s. w. (1867) 2, 12.
ähnlich eine jahrzeit (jahrgedächtnis) stiften
für verstorbene (
vgl. teil 4, 2, 2249): der jarzit halb ... begeren wir ... desgleichen was gestift ist, do die stifter oder naturlich erben noch im leben sind ... dieselben jarzit zu halten fry sigend (
v. j. 1525)
d. dtsche bauernkrieg, aktenband 260
Franz; gestiftete jahrzeit (
vom verstorbenen letztwillig verfügte)
als fester ausdruck im gegensatz zur begehrten jahrzeit,
s. schweiz. id. 10, 1473 (
wo ein beleg v. j. 1729): was soll ich denn sagen von gestyfften jarzyten, die selten werden gehalten uber 20 oder 30 jar Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 74
ndr. occasioneller: szo sein wir zcugefallenn und haben kirchen auffgericht, geseng gestifft, lehen, begencknusz und was des dings mehr Luther 14, 393
W.; mein eltern haben vil gottesdienst gestifft, den pfaffen rent und zinst Hans Sachs 17, 260
K.-G.; sie ist neidisch über das unverdiente glück andrer menschen, aber sie hat eine predigt gestiftet Rabener
s. schr. (1777) 5, 173.
in diesem kirchlichen bereich zunächst auch etwas stiften,
auch mit der summe als objekt, heute in dem weiteren bereich eines gemeinnützigen '
zweckes'
überhaupt üblich: heutiges tages wil niemand etwas zu kirchen und schulen stifften B. Schupp
schr. (1663) 71; der kommerzienrat habe neulich dreiszigtausend mark gestiftet zu einer neuen kirche W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 58.
scherzhaft redensartlich ins (zum) kloster Maulbronn stiften '
aufessen',
vgl.das seinige zum kloster Maulbrunn stiften
mangiar'e beverlo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 971
c: wolte lieber alles das meine zu dem kloster Maulbronn stiften oder an nasse wahr (
getränke) legen als in einen solchen sack schütten Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, k 7
b; alles ins kloster Maulbronn stiften
durch essen und trinken verschwenden A. Schellhorn
sprichw. (1797) 105.
ohne bestimmtes objekt gebraucht: thut gute werck! halt bäpstlich bot! stifft und opffert! es gfelt gott Hans Sachs 6, 381
Keller; wir finden yr viel, die do beten, fasten, stifften, dis und das thun, ein gut leben furen vor den menschenn Luther 6, 205
W. I@B@22)
milde stiftungen machen, wie z. b. geld als stipendien für bedürftige schüler, zur unterstützung armer u. dgl. aussetzen: wie auch jetz uff den hohen schuolen stipendia gestyfft sind für arme gesellen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 36
ndr.; er liesz waisenkinder erziehen, stiftete stipendien Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 257; der meister rührte das geld nicht an, sondern stiftete es für die armen Hebel
s. w. (1832) 3, 218; dann machte sie auch ihr testament und stiftete, dasz an ihrem todestage die ganze gemeinde gespeist ... werden sollte Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 7.
ähnlich: mit einem wort: ich möchte für den unglücksvogel eine bescheidene pension stiften, die ein paar jährchen hinreicht G. Keller (1889) 2, 220. I@B@33) einen orden, einen preis stiften
in festen verbindungen: es wird ... der adlerorden noch von deiner hand gestiftt v. König
ged. (1745) 16; des eisenkreuzes orden ward gestiftet für alle streiter dieses deutschen krieges Cl. Brentano
ges. schr. 7, 481; den (
orden, den) ich zur belohnung an grosze tonkünstler gestiftet habe Franz Pocci
lust. komödienbüchl. 3 (1869) 222; die reichsmessestadt Leipzig hat einen Johann-Sebastian - Bach - preis gestiftet, der jeweils am geburtstag des meisters einem komponisten deutschen blutes überreicht wird
d. ev. Deutschl. 15 (1938) 320. I@B@44)
ganz allgemein eine sache weggeben, um sie für die allgemeinheit zugänglich zu machen, einen wertvollen gegenstand der allgemeinheit zur verfügung stellen: stiften sie es (
das buch) auf die rathsbibliothek Wieland
s. w. (1795) 20, 262; wegen des zu Eger gefundenen, ins Prager museum gestifteten backenzahns Göthe IV 36, 274
W.; jener Italiener Minoni ... stiftete dem jungen corps eine ganz schöne grosze trommel Kerner
bilderbuch (1849) 26. I@B@55)
einem einzelnen menschen etwas als besondere gabe schenken: hat man auch ain zimlichen lon gestifft den treuen dienernn und pflegern sollicher gütter Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 176
ndr.; an den täntzen ... ward ouch einer dirnen, so den ersten vortantz hat, ... ein gulden gestift Äg. Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 242; kammerkätzchen, kammermäuschen stifteten die schönsten nelken (
dem dichter zum anbauen im garten) Göthe 5, 165
W.; anbei erfolgt ein zweiter kasten mineralien, den ich freilich nicht selbst, sondern der apotheker H. ... gesammelt und für sie gestiftet hat Levin Schücking
an Annette v. Droste-Hülshoff 240;
umgangssprachlich oft scherzhaft, z. b. ich will dir eine tafel schokolade stiften
u. ähnl., vgl. auch Fischer
schwäb. 5, 1764,
schweiz. id. 10, 1472. I@B@66)
mit persönlichem objekt heute ungewöhnlich; von 1
ausgehend '
jem. durch eine stiftung in eine pfründe einsetzen': allen frummen thumherren, die vom adel gestifft seind Ulr. v. Hutten
opera 3, 549
B.; etliche fromme mönch dareyn (
in das münster) stifften
buch d. liebe (1587) 711; priester will ich stiften und nonnen Törring
Agnes Bernauerin 69
Hauffen; wer wird priester, mönche stiften? Tieck
schr. (1828) 1, 376.
ähnlich: (
Manasse) stifftet warsager und zeichendeuter
2. chron. 33, 6. '
jem. in ein amt einsetzen, bestallen': auch so, das zu hilf ainem pfarrer soliche nebenpfaffen gestift sendt Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 187
ndr.; wiewol er auch ob dem gotsdienst und altem brauch der künig von Israel, seiner vorvodern, und iren gestiften geistlichen hielt Turmair
s. w. 4, 1, 259
L.; ihr (
adlichen) habt eweren sold und lehengut und seit damit zu solchem ampt gestifft und nemets wohl bezahlt Moscherosch
gesichte (1650) 2, 419; ob und wie der schulmeister gestiftet sei (
v. j. 1775)
hist.-pol. blätter f. d. kath. Deutschland 128, 11.
von hier aus erklärt sich wohl mundartliches wie 'dar it da nei (
hinein) gstift!
wenn jem. an einem platze ... festhält',
vgl. auch des it sei gstifts platzla Rückert
unterfr. 176. gestiftete krieger
berufsmäszige krieger: und dieses sind alle Röhmer und in ihren landen auszgeklaubte und gestiffte krieger gewesen W. Dilich
kriegsb. (1607) 18; das römische kriegsvolk wurd gantz verderbt mit fressen, saufen, hurerey ..., die gestifften knechte namen ab H. Megiser
annales Carinthiae (1612) 274. IIII.
seit alters in der bedeutung '
eine handlung ins werk setzen, einen zustand herbeiführen; etwas erzeugen, hervorbringen, veranlassen, durchführen'
; der gedanke an die dauer des bewirkten tritt dabei im gegensatz zu I
nicht hervor, dafür steht die vorstellung der geistigen urheberschaft oft stärker im vordergrund (
s. unten A 3
und B). II@AA. '
etwas ins werk setzen und selbst ausführen'
; mhd. und im älteren nhd. geläufig, in neuerer sprache veraltend und fast nur noch in halb formelhaften wendungen gebraucht. II@A@11)
von handlungen und werken; '
handelnd ausführen, tun, hervorbringen'. II@A@1@aa)
allgemein: er (
gott) geruohte ime (
dem pharao) offenen,daz er wil stiften
genesis 4077
Dollm.; duo stifter heriverti
Anno 132
R.; und hîz daz lant berihten und ein brûtlofte stiften
Straszburger Alexander 4009
Kinzel; sîne frasûme (
säumnisse), die wolte er dâ ervollen, stiften gotes willen Wernher
Maria 418
Wesle; der teufel, die welt und unser fleisch stifften und schaffen allzeit das widerspiel Luther 28, 639
W.; unser schrei was 'Osterriche!' und zogten fürbaz an den perch, da man sach stiften heldes werch (
v. j. 1298)
hist. volksl. 1, 14
v. Liliencron; einer vom adel, ein wunderbarlicher, seltzamer edelmann, der sein lebenlang vil abenthewr angefangen unnd gestifft het
M. Lindener
katzipori 125
lit. ver. auch später noch in gehobener schreibweise: nicht du hast diesen sieg gestifft H. Anselm v. Ziegler
asiatische Banise (1689) 819; seht aber auch, wie er sie übertrifft: und schaut, was er (
der könig) für grosze werke stiftt
bei Weichmann
poes. d. Niedersachsen (1721) 1, 34; und Meiszens Triller auch in schriften sich weis ein zwiefach lob zu stiften Gottsched
ged. (1751) 1, 186; zu den zeiten ... studirte ich die von Robert Boyle gestifteten reden Klopstock in:
Herders nachl. 1, 211; ja, lieber bruder, ich musz das (
Herders berufung nach Weimar) stiften, eh ich scheide Göthe IV 3, 13
W.; der geist soll alles stiften, was er vermag Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 61; wenn unsre Deutsche einen mann erst loben, dann weilt er sicher schon im himmel oben, wo so ein abgeschiedner klarer geist den dankeszoll verdrossen von sich weist, weil er voll mängel sieht und widerstreit, was er gestiftet in der sterblichkeit
M. Greif
ged. (1889) 396.
vereinzelt mit personalem objekt: ein moralisches volk gottes zu stiften Kant
w. (1838) 6, 270
Hartenst. auch mit konkretem objekt stiften in '
machen zu etw.': got stifd das rippe, das er hette genummen aus Adamen in ein wip
Wenzelbibel gen. 2, 22
nach Jelinek
mhd. wb. 685.
passivisch '
geschaffen': so vil als hie der mensch vortrift allem gschöpff, auf erden gstifft Fischart
w. 3, 174
Hauffen II@A@1@bb)
formelhaft in festen verbindungen; wunder stiften wunderbare taten vollführen: si stichten michel wunder Heinrich v. Veldeke
Eneide 105, 7
Ettm.; was Fortunatus ... mit dem zwayen klainaten wunders gestifft und erfaren
Fortunatus 3
ndr.; der gesetzgeber Moyses hat viel wunderdinges gestifftet, in dem er sich eines stocks oder ruthen gebrauchet J. Prätorius
abentheuerl. glückstopf (1669) 18;
ein beispiel stiften: sein name und wapen ... (
sollen) ein gutes beyspiel stiften Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 214; an dem will ich ein beispiel stiften Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 3, 248. II@A@22)
von zuständen (
oft subjektiven)
und geschehnissen; '
einen zustand herbeiführen, zustande bringen, verursachen'. II@A@2@aa)
allgemein: ich wil die fröude hazzen, die man vor mir hie stiftet Konrad v. Würzburg
trojan. kr. 23287
K.; Stûdenfuhses mannenstifte er nôt und arebeit
Alpharts tod 369, 4
Jän.; sy stiften jamer und not in den landen hie und dort Seifrit
Alexander 8958
Gereke; ihr obrigkeiten in gemein, raumt nicht zuviel den pfaffen ein! halt sie in ehren mit bescheid, dass sie nicht stiften herzeleid
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 109; me helt do de groten wachte eine tyt lanck yo by nachte myt borgheren uth vyff richten van vrochten, den se sick stichten (
Braunschweig 1492)
städtechron. 16, 124; die meinem hertzen schrecken stifft Hans Sachs 6, 148
K.; unterdessen stiffteten solche seine siegreiche verrichtungen ... so gewaltige furcht und schrecken, dasz ... Er. Francisci
traursaal (1669) 2, 160; diesz alles zeigt vielmehr, dasz er (
der donner) uns als in der fernen wolkenhöh, näher steh und in dem reich der niedern lüfte vielmehr ein solches schrecken stifte D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 1, 374; ir kommet von der schlang on zweiffel, das ihr die kind stecht und vergifft, ihn in dem schlaaf solch unrhuow stifft Fischart
d. flöhhatz 34
ndr.; o mein herr, was stiften sie bey uns für unruhe Lessing 1, 408
Muncker; dasz diese ... zeitung fast eben dergleichen zerrüttung in meinem gemüthe stifftete Schnabel
insel Felsenburg 9
U.; diese neue vertraulichkeit, die ich mit ihnen itzt gestiftet habe Rabener
s. schr. (1777) 5, 21; durch finstres sauer sehen ist liebe nie gestifft und nie kein bund geschehen Logau 232
E.; herr, solange stöcke wuchsen gab es niemals solche hiebe; weisz nicht, ob sie gutes stiften, doch sie stiften keine liebe Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 323.
objektiv, in festerer verbindung ordnung stiften: bei der justiz müsse eine bessere ordnung gestiftet werden H. Prutz
preusz. gesch. (1900) 3, 228; o, Toni Häusler, schäme dich und stifte mir hier auf der stelle ordnung W. Raabe
schüdderump (1870) 2, 190; der alte gott, der ... die ordnung in der welt stiftete und erhält P. Zaunert
dtsche natursagen (1921) 1, 14. II@A@2@bb)
besonders in festen verbindungen. II@A@2@b@aα) mord, raub, brand stiften: (
ein held,) der des tages stifte mort an den heiden ...
Ludwigs kreuzfahrt 4433
Naum.; und stifte do grozen mort (
der kaiser mit seinem heer in Indien)
Marco Polo 71
v. Tsch.; unde stifte rouf unde brant
könig Rother 3807
Rückert; er stifft diebstal, ouch brand und mort H. R. Manuel
weinspiel 2693
ndr.; so braucht ein arzt das gift, das auszer seiner hand nur hämsche morde stift Lessing 5, 113
M.; aber sie (
die Römer) werfen uns in den kerker, ... tödten unsre kinder, stiften raub und brand Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 110. II@A@2@b@bβ) arges, böses, übel, unheil, unglück, schaden, laster
u. s. w. stiften: (
die zunge,) diu niemer nút wan argez stift Boner
edelstein, vorr. 62
Pf.; (
die feinde,) die sô grôz mein stiften an den siben volken Berthold v. Regensburg
pred. 1, 184, 39
Pf.; he wyl wat boses stychten meister Stephan
schachbuch 396; er hat gewiszlich, antwort derselbige mann, soviel böses hierumb gestifft und begangen
Amadis 1, 354
lit. ver.; schon hast du viel böses damit (
mit lügen) gestiftet Göthe 23, 108
W.; welche ausz ... lieb ... grosz übel gestifft hat Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 47
b; eine unvorsichtig ausgefällte strafe ... stiftet des übels mehr, als sie vernichtet H. Zschokke
s. ausgew. schr. (1824) 2, 161; dich schätzet sie vor einen knaben, der nichts als unheil stiften kan Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 338; ich sage, der mammon stiftet doch nichts als unheil in der welt H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 254; ... geist der unreinigkeit ... durch welches einblasung der Luther als unglück auff erden stifft Joh. Diettemberger
wider M. Luthers missbrauch d. messe (1526) g 1
b; welch groszes unglück kan eine scharfe critick nicht stiften Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741) 2, 50. unrat stiften,
im 16.
und 17.
jh. belegt: die ich so unzalbar unrhat gestifftet hab in dieser statt Hans Sachs 17, 125
K.-G.; die ... allen unrath, den der krieg mit sich bringt, befürdern und stifften helffen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 469; wie die unhulden und hexen ... mit dem cobalt ... viel unfugs stifften Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 109
b; unrecht myt welde stichten
beleg v. j. 1489
bei Schiller-Lübben 4, 396; ich wil mich ... hütten ... fur denen, so ... vil unrechts ... stiften Butschky
Pathmos (1677) 71; seidher ist noch die arme welt mit dem trifachen ghürn beladen und kan nichts stifften dan nur schaden Fischart 1, 241
Hauffen; ohne rücksicht auf den schaden, den sie stifteten Fontane
ges. w. I 5, 123; wanne her (
der wein) alle laster stift Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2174
Neumann; dass ein sollicher bub drey laster stifftet H. Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 1130; dasz gott solche arge weiber bösz mit den männern
also verbind, die täglich stifften grosze sünd Eyering
prov. (1601) 3, 126,
vgl. also he de sunde hat gesticht
Marienkl. 125
Schönemann; denn Eulenspiegel was nit scheu, wo er nur stifft ein büberey, mahlt er ein eul uber die thür Fischart
Eulenspiegel 207
Hauffen; stift ich tausend bubereien, gehn sie alle auf ein loth Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 407. II@A@2@b@gγ) nutzen, gutes, segen stiften: das vierde, einen sollichen notz si (
die mäszigkeit) stifft Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2079
Neumann; (
Dithmarus) hat ... mit seinen predigten groszen nutzen gestifftet J. Micraelius
Pommerland (1640) 1, 194; (
ich) dachte aber auch daran, nicht blos so müszig herum zu laufen, sondern nutzen zu stiften Tieck
schr. (1828) 9, 275; mir kompt gar steiff zue meinem mueth, die juden haben gstifft nichts gueth
Endinger judensp. 44
ndr.; ich fürchte, dasz eine erklärung nichts gutes mehr stiften kann Iffland
theatr. w. (1827) 4, 251; weise fromme leut stifften im regiment viel guts und bestes Lehman
floril. polit. (1662) 2, 799; (
er) ist durch sein ansehn und durch das gute, das er stiftet, wirklich ein fürst Göthe 24, 72
W.; was ist der ruhm des ersten tonkünstlers gegen den segen, den ein guter prediger, ein volkslehrer zu stiften vermag Schubart
leb. u. gesinn. 1, 112; was so eine dame fer segen stift G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 40. II@A@2@cc)
aus b
β entwickelt sich mit unbestimmtem objekt etwas stiften
im prägnanten sinne '
etwas (
böses, unheil u. s. w.)
anrichten',
vgl. auch in derselben bedeutung das noch heute geläufige etwas anstiften: ey, ey, was habens da gestift, sich selber bracht in todes noth? Hans Sachs 12, 430
K.; do hat man drey burger eingelegt, ... die andern mitburger fragten, was für leüte wären, und was sie gestift hetten
M. Lindener
katzipori 170
lit. ver.; ach ich unglückseliger! hab abermahl was gestifftet! Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 18; was hab ich querkopf nun gestiftet! Lessing 3, 149
M.; aber ich habe ein gutes gewissen, ich weisz, dasz ich nichts gestiftet habe J. E. Schlegel
w. 2, 113.
so auch in mundarten geläufig, vgl. z. b. stiften
unheil anrichten Knothe
Nordböhmen 518; štîchten
anrichten (
etwas böses)
luxemb. ma. 425. II@A@33)
bis ins frühnhd. von geistigem schaffen, '
ersinnen', '
erdichten',
vgl. stiftenti
molirentur (
statt '
moliretur'
in: ne aliquid contra fidem ... moliretur)
ahd. gl. 2, 344, 12
St.-S. (11.
jh.); (
lingua tua)
concinnabat (
dolos) stiphta 1, 517, 19 (10./11.
jh.); dihten o. (
oder) stifften
fingere (1440
md.) Diefenbach
gl. 236
a;
poema ein gedicht gestifter ding (
v. j. 1468)
nov. gl. 296
a: so wir it guotes stiften, daz man in allen sriften noch nie gehort noch gelasz
d. sœlden hort 97
Adrian; besonders im pejorativen sinne: der den lug gestiftet hat (
v. j. 1252)
schweiz. id. 10, 1472.
so auch ohne objekt: das alles ... sei von seinen feinden ... erdacht und gestift Niclas v. Wyle
bei Wackernagel
leseb. (1839) 1042; er sagt, dasz das alles, so im fürgehalten worden, wäre fältschlich und lästerlich erdacht von seinen vienden ... und gestifft Äg. Tschudi
chron. helv. (1734) 2, 60,
vgl. die belege bei Schmeller-Fr. 2, 740
und schweiz. id. a. a. o., ähnlich sich stiften '
sich heuchlerisch verstellen': sô stift er (
der fuchs) sich tôt sein Konrad v. Megenberg
buch d. natur 163, 10
Pf. als part. praet. in adjekt. verwendung gestiftet '
falsch, erheuchelt',
vgl. simulatum falsch
vel angenumen nach dem schin, gedicht, gestifft
vocab. predic. (1486) c 3
b: disz synt gestiffte gelaszenheit Seuse
dtsche schr. 414
Bihlm.; also bezalten sy ainander baidenthalb mit worten und gestiffter lieby Steinhöwel
Äsop 155
lit. ver.; s. auch Fischer
schwäb. 5, 1764
f. II@BB.
den anstosz für die entwicklung eines geschehens geben, meist indem man sich anderer menschen als werkzeug bedient und sie zu einem bestimmten verhalten, einer tat antreibt. die für stiften
durchweg bezeichnende vorstellung vom beginn der handlung spezialisiert sich hierbei oft auf das veranlassen durch ihren geistigen urheber, wobei der begriff der bemühung gern besonders betont erscheint. in heutiger sprache gilt nur noch das compositum anstiften
in pejorativem sinne. II@B@11)
eine tat, ein geschehen herbeiführen, veranlassen; mit sächlichem objekt; auf politischem gebiet, vgl. (
bella)
nutriunt stiftant (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 705
St.-S.; dovon samete er ein volg an sich und stifte ein verretnysze wider Philippum und kam in mit maht ane (1400
Straszburg)
städtechron. 8, 304; wider den Epigenem hat er ein ... verrhäterey gestifft Xylander
Polybius (1574) 289; ist so unerhört nicht, dasz man — krieg stifte A. Gryphius
teutsche ged. (1698) 1, 3; Maria lief nach England ..., stiftete dann verschwörung auf verschwörung gegen ihre beschützerin Grabbe
w. (1874) 4, 276; wie mancher wird von fürsten und andern groszen zu reichthum und ehren erhoben, der nachgehends zur danckbarkeit gegen seine gutthäter aufstand und andre auch wol tödliche händel stiftet? H. Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 413.
von verbrechen u. dgl.: da Agamennon wider zehus kam, ward er durch stifften Clitemnestre entlybet Riederer
rhetoric (1493) c 2
b; wer schaden stifft, ist gleich so gut, als der thatlich den schaden thut Burkard Waldis
Esopus 1, 258
Kurz; die mörde, so von ihm begangen als gestifft A. Gryphius
trauersp. 162
lit. ver.; noch vergleichbar: so läszt sichs fast nicht denken, dasz die tat von ihm gestiftet; denn warum sollt er so zwecklos dich noch mehr erbittern wollen ... ... ihr nicht die stifter? nun das nenn ich spaszhaft. er, der mörder, hat es selbst gestanden — ... H. v. Kleist 1, 94
und 96
E. Schm. mit persönlichem objekt: so stichteden (
stellten auf) eme de keiser und andere fursten einen wedderman, Jekel Rebuck geheten ... den schundeden de fursten an, dat he moste ... seggen, dat he marggraff Woldemar were Kantzow
chron. v. Pomm. 89
Böhmer; darum wolt er (
Pilatus) sy stiften mit, wolt das Jesus disz gaiseln litt
M. Myllius
pass. Christi (1517) 17, 3; II@B@22)
mit nebensatz; '
veranlassen, es dahin bringen, dasz jem. etwas bestimmtes tut'
; besonders auch pejorativ '
aufreizen, aufhetzen': des sOellen wir ain bischafft hAvn an Taniel, dem wÿsen man, den hie vor by ainem zyt siner vyenden grosser nyd stifft, das in kúng Nabuchodonosor hiesz ... ablassen in des todes ban Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 2445
L.; je einer den andern heimlich stifft, was er dem herren raden soll
spiegel d. regim. 480
Göd. (
Raffenzan dicit:) ich hon auch gestifftet under en (
den juden), dasz sie en (
Jesus) nit woln horen adder sehen
Alsfelder passionsspiel 9
Grein; die sechste schel ist, ander darzu stifften, dasz sie nit bezalen Geiler v. Keisersberg
narrenschiff (1520) 141
b; vermessne hand ..., durch deine schrifft hastu gestifft, das alle briefe sie wird ins feuer schmeiszen Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 13;
vgl. auch schweiz. id. 10, 1473.
ähnlich, als '
bewirken': du (
Venus) kanst stifften, dasz frische schönheit wächst aus hartem stein und grüfften Lohenstein
in: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen auserles. ged. 1, 260
Neukirch. II@B@33)
einen zustand herbeiführen, durch den ein dritter das persönliche verhältnis zweier oder mehrerer menschen bestimmt. uneinigkeit, zank
u. s. w. stiften: dissen stryt hebbe gy gesticht
nd. Äsop 30
Hoffmann v. Fall.; hat mich mein herr vater ... angegeben, mich vom hofe wegzunehmen, denn ihm nicht lieb, dass zwischen den fürstlichen personen uneinigkeit sollte gestiftet werden v. Schweinichen
denkwürd. 17
Öst.; so? will er ihn nicht leiden? — helf mir gott! — will hader unter meinen gästen stiften?
Shakespeare 1, 43; als einmal gäste bei ihm waren, stiftete er einen zank, so dasz sie zornig auffuhren Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 56; weiter arbeitete er im beichtstuhl daran, uneinigkeit zwischen mutter und tochter zu stiften Schiller 3, 561
G. frieden, einigkeit, ruhe
u. s. w. stiften: diser burger eerlich gestritten hat, unserm vatterland frid zuo stifften Fr. Riederer
rhetoric (1493) a 8
a; der ... zwischen allen völkern friede stifften wird Grimmelshausen
Simplicissimus 209
Kögel (
überschrift in der ausgabe von 1669): sie trennten die streitenden heere und stifteten frieden Niebuhr
römische gesch. 1, 162; (
gott) der du allein eynigkeyt stifftest und erhalten kanst Luther 10, 2, 478
W.; zwischen den ständen des creisses selbst (
müsse) eine aufrechte, getrewe ... einigkeit ... gestifftet werden v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 302; vor allen dingen hüte dich, ... versöhnungen stiften zu wollen Knigge
umgang mit menschen (1796) 1, 52; wäre vielleicht selbst zu thätlichkeiten gekommen, hätte der immer phlegmatische Mehlberg nicht wieder ruhe gestiftet Castelli
s. w. (1844) 10, 122. eine ehe, eine heirat stiften: es ist mir diesmal, ehe zu stiften, übel bekommen, soll ein andermal von mir wohl nachgelassen werden v. Schweinichen
denkw. 341
Österley; conciliator nuptiarum der eine heyrath stifftet oder zu wege bringt Bas. Faber
thes. (1655) 254
a; ihre mütterliche anverwandten zu Rom hatten daselbst zwischen ihr abwesend und dem anwesenden prinzen Tyridates eine heurat gestiftet A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 52; (
der abbé) läszt nicht von der liebhaberei, manchmal eine heirath zu stiften Göthe 23, 220
W. hierzu: heimliche verlöbnis solten schlecht keine ehe stifften Luther 30, 2, 207
W.; die äcker grenzen nachbarlich zusammen die herzen stimmen überein — das stiftet ein gutes ehband Schiller 13, 172
G.; dasz ihr geld eigentlich diese heirath gestiftet habe ... W. Waiblinger
d. Britten in Rom (1880) 139. II@B@44)
in älterer sprache wird die richtung des bemühens herausgehoben durch präpositionalen anschlusz mit auf;
im sinne '
auf etw. richten, abzielen': und als ein mensche sich vor wol gewarnet hat siner werke und sich uf die tugende gestiftet hat, so es denne zuo der wúrklicheit kumet, so werdent die werk tugentlich und gOetlich Tauler
pred. 386
V.; dyn eygen fleysch würt syn bereyt zuo stifften dich uff üppig fröud
schweizer. schauspiele 1, 76
Bächt., vgl. 82; die juden, ... die stifftend auf krieg (
bella nutriunt 2.
Machab. 14, 6)
Züricher bibel (1531) 1, 333
a; die hendel, so auff krieg gestifft waren Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 102
b,
vgl. weitere belege des 16.
jhs. im schweiz. id. 10, 1473.
mit persönlichem objekt einen auf etw. stiften '
zu etw. veranlassen': (
die hausgenossin habe) sy underwist und sy daruff gestüft, daz sy im das sin usz sinem zins getragen (
habe) (
v. j. 1442)
schweiz. id. 10, 1473; als derselb jung herzog jetz 12 jar alt was, da stiftent in (
text: stiftet er) sine redt (
räte) daruf, das er sin land von dem kúng, sinem vettern vordere H. Brennwald
Schweizerchron. 1, 151
Luginbühl. IIIIII.
auf ältere sprache beschränkt bleiben bedeutungen, bei denen abstrakte sinngehalte hervortreten; wieweit diese bedeutungsgruppe zur etymologischen bestimmung beitragen kann, bleibt zweifelhaft, doch reicht sie bis ins ahd. zurück und steht in deutlicher parallele zu stichtan (
s. oben herkunft und form). '
festigen, in ordnung bringen',
vgl. ih ... chistiftu imu siin riihhi (
stabiliam regnum eius, 1.
paral. 17, 11)
Isidor 37, 14
Hench: sîne bürge er stifteund vridete sîn lant wol nâch küneges rehte
Kudrun 569, 1. '
einrichten': sîn hûs also gestiftet was daz man dar in niewan vröude vant
Dietrichs flucht 124
Martin. '
gegründet sein, sich stützen'
auf etw., passivisch gewendet, ist im 16.
jh. nicht selten (
vgl. dieselbe verwendung von gründen II B 1 c
teil 4, 1, 6, 789
und stift '
grundlage' Rud. v. Ems
weltchron. 184
Ehr.): das der geystlich stand fast auff lautter wucher gestifft ist durch den hoch vordampten tzinsskauff Luther 10, 1, 1, 639
Weim., vgl. 15, 322; warum sie vor im (
papst) und seiner lere, auch was auff seine lere gestiftet und gegründet ist, nicht einen grewel haben J. Sleidanus
reden 54
Böhmer; also ward sein (
Romulus) regiment auff weiszheyt und mannheyt, darauff sich noch eyn jedes regiment gründen muosz, ... gestifft Carbach
Livius (1551) 5
a. '
geistlich festigen, erbauen'
ist nur mnd. in dem etymologisch doppeldeutigen stichten
bezeugt, vgl. Schiller-Lübben 4, 397,
ebenso mnl., vgl. Verwijs-Verdam 7, 2117. IVIV.
in älterer juristischer sprache sind einige sonderbedeutungen entwickelt, die 1stiften I A 3
nahestehen und z. t. aus rechtstechnischem 2stift 3 b
rückgebildet sein können, sie bleiben auf das bair.-österr. beschränkt. '
bewirtschaften, bebauen': (
das lehen) alle jar bewaren und stiften ze velde und ze dorffe, also daz ez iht pawlos werde (
v. j. 1333)
fontes rer. austr. II 16, 157; (
wir haben) den selben ackcher mit unser chost gestifftet und gepawen ze einem weingarten (
v. j. 1312) 18, 138. '
als pächter, mieter, nutznieszer, lehnsmann einsetzen': der pharrer ... sol holden auf der widem guet ... stiften (
v. j. 1349) 21, 225; wo unser einer den andern in die hofmarch wolt einstiften; ehe nun er den stiftet, soll er das an die herschaft und nachparschaft pringen. so ver ihnen das gemaint oder gefällig ist, soll alsdann die stift ihren fürgang gewinnen (
v. j. 1554)
österr. weist. 3, 641.
belehnen, in genusz setzen: daz dieselben zwen welde des reichs weren, vnd wer auch die stat damit gestifft (
v. j. 1362)
mon. Zoll. 3, 454. '
ein stück grund und boden mit lehnsleuten, pächtern u. s. w. besetzen': (
unser eigen,) gestiftet mit vier holden (
v. j. 1324)
fontes rer. austr. II 16, 105; (
ein lehen,) gestift oder ungestift (
v. j. 1327) 6, 214;
formelhaft stiften und stören
ein grundstück besetzen und des grundholden entledigen: also gib ich in dem vorgenanten chloster ... ze stiften und ze stören, ze besitzen, ze verschauffen und ze versetzen (
v. j. 1311) 16, 29; und hat si das gotshaus allein zu stiften und zu stern, das ist die hueben und güeter zu verlassen (
v. j. 1638)
österr. weist. 10, 249,
vgl. 1, 110
u. 141. '
einen pächter aus dem pachtverhältnis entlassen': item von erst freie stift zu vaschang dem herren hie und den holden ze stiften vierzehen tag hat der herr freie wal vor der stift und der hold hat auch die wal vierzehen tag (15/16.
jh.)
österr. weist. 6, 320; so ainer von ungehorsam oder ander ursach wegen in der stift nit wurd aufgenommen und gestift wurd (17.
jh.)
österr. weist. 1, 47. '
ein vertragsverhältnis abschlieszen': wo ain kauf gestift würdt, und wer den seinigen abstehet, und ir beider willen nit ist, der ist den gesetzten peenfahl zu wandl verfallen (
v. j. 1641)
österr. weist. 9, 569; schon im fasching wird 'gstift', der mündliche mietvertrag eingegangen J. Schramek
d. Böhmerwaldbauer 150.
hierher auch: die wohnung hab ich nicht gestiftet, weil es euch nur ein wort kostet, dann könnt ihr auf dem Lindhamerhof bleiben
gartenlaube 21 (1885) 468
b. '
eine versammlung der pachtbauern abhalten',
zu 2stift 3 b
γ: er soll drei tag richten und soll drei tag stiften mit seinen armen leuten (14.
jh.)
österr. weist. 2, 91. '
steuerartige abgaben entrichten',
zu 2stift 3 b
β: es geschicht auch wol, die der arm man stiften, ayn anlayt oder wandl geben sol, so hat der probst oder amptman vor den ochsen, käs ... dorumb empfangen (
Salzburg 1495)
d. dtsche bauernkr. aktenb. 25
Franz.