lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

stiften

ahd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
29 in 21 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
88
Verweise raus
69

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stiften vb.

Bd. 18, Sp. 2876
stiften, vb. kontinentalwgerm. wort; ahd. stiften glossiert moliri, (contumelias) irrogare, (dolos) concinnare, (bella) nutrire, (insidias) tendere, (synagogam) fundare, gistiften statuere, stabilire, mhd. stiften 'gründen, einsetzen, bauen', mnd. stiften (selten neben stihten), afries. stifta 'stiften, gründen, erbauen, in ordnung bringen'; neben diesem j-verb steht vielleicht (s. u.) ein ō-verb im altostndfränk. gestiftoda s. u. I. entlehnt sind norw., schwed. stifta, n. stifte 'stiften, anstiften, errichten'. die herkunft des wortes ist unklar. meist wird es unmittelbar zur idg. wurzel stip- 'steif' gestellt, doch bleibt dabei bildungsweise (nur das ō-verb hätte ausreichende parallelen, s. Specht festschr. f. Voretzsch 1927, 32 ff.) und bedeutungsentwicklung dunkel; besonders schwebt die angabe von Walde (Walde-Pokorny 2, 647) 'holz- und ständerbauten ausführen' in der luft, da der anfrk. beleg in seiner vereinzelung nichts besagt. die auffassung als denominativum von 1stift mit der grundbedeutung 'anspornen' (Falk-Torp 1161, 713) macht zwar die bildungsweise verständlich, wird aber der wirklich bezeugten bedeutung des wortes nicht gerecht.im nord. und ags. steht dem (im weiteren sinne) deutschen stiften *stihtan und *stihtōn gegenüber, an. stétta 'fördern, helfen, unterstützen', norw. stetta dasselbe, ags. stihtan, stihtian 'regieren, stiften, einrichten, ordnen, anreizen', die wohl denominativa von an. stétt 'stieg, tritt, steine zum aufsteigen', norw. stett, schwed. dial. stätt 'fuszstück' aus *stihti- zu stīgan 'steigen' (Falk-Torp, Torp a. a. o., Hellquist 869, 899), ohne dasz auch hier die bedeutungsverhältnisse namentlich des ags. genügend geklärt wären. da im nfrk. und nd. ft in ht übergeht, sind anfrk. stichtan aedificare (eos, vgl. psalm 27, 5), mnl. stichten 'stiften, gründen, einrichten, erbauen', mnd. stichten, aus dem aschwed. stikta 'stiften, einrichten, ordnen, verordnen', ädän. stigte entlehnt sind, zweideutig: sie können entweder mit ahd. stiften oder mit ags. stiht(i)an identisch sein; auch anfrk. stifton aedificare (vgl. psalm 68, 36) kann stihton mit umgekehrter schreibung meinen, vgl. v. Helten aostnfrk. psalmenfragm. 144. bedeutung und gebrauch. gemeinsam ist den beiden hauptbedeutungen (I und II) von stiften der sinngehalt 'durch einen willensentschlusz und zweckentsprechendes handeln den beginn eines werkes oder einer handlung herbeiführen', doch kann damit keine grundbedeutung festgelegt werden; bereits in den ältesten zeugnissen auf die einmalige handlung des einrichtens bezogen, nicht auf die handwerkliche tätigkeit wie bei gründen und bauen; daher ist eine konkrete grundbedeutung unwahrscheinlich, der auch die sonstigen ahd. glossierungen widersprechen würden (s. unten II). anfrk. gestiftoda sulun werthan burge Judae (aedificabuntur civitates Judae, psalm 68, 36) v. Helten aostnfrk. psalmenfragm. 144 erscheint als lokal begrenzter und wohl von stichtan (s. oben herkunft und form) aus zu deutender sonderfall. wichtig ist für die wortgeschichte vor allem, dasz stiften früh in einem bestimmten bereich kirchlicher anwendung festen fusz faszte (s. I A 1 b und I B 1) und sich daran bis heute geläufige bedeutungen (s. I A 2-6 und I B 2-5) angeschlossen haben. II. einen bau, eine einrichtung u. dgl. ins werk setzen, die nach der absicht des urhebers dauernden bestand haben sollen, dann auch das so geschaffene für bestimmte zwecke zur verfügung stellen. I@AA. gründen, errichten, als dauernde einrichtung schaffen, vgl. stifften, grunden oder grundfest machen fundare voc. theut. (1482) ff 2b; fundieren, grund legen, stiften fundare Henisch 1289. I@A@11) von städten, gebäuden, kultstätten, 'gründen'. I@A@1@aa) allgemein: lerta er sar dia lantwisun, stifta ouh Sipnum, daz ist tiu burg Sipona Notker 1, 820 P.; (Alexander) ... stifte dâ zêren sînes namen eine burch, die wart nâh im genant Vorauer Alexander 666 Kinzel; die alten Babilonie stiphti si (Semiramis) van cîgelin den alten Annolied 154 R.; der selbe stift ouch Ninnivê Wolfram v. Eschenbach Parz. 102, 13; dô bat er im mit triuwen stiften unde biuwen ein hiuselîn doch etewâ Konrad v. Würzburg Engelhard 5222; Dido stifftet die stat Carthago Stainhöwel de claris mulieribus 7 lit. ver.; und waz daz dusentste jor von dem, daz Rome gestift wart städtechron. (Straszburg 1362) 8, 29; deszhalb die loblich, lieblich statt Zürich, die nach seim nam stiften that Turich, ein künig der Heldwallen Fischart glückh. schiff 5 ndr.; im jüngeren nhd. ungewöhnlich: Lübeck ist in einem tage gestiftet, aber nicht in einem tage gebaut Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 195a. ähnlich von den schöpfungstaten gottes, dem erschaffen von himmel und erde, vgl. fore werltstiftido ante mundi constitutionem Notker ps. 86, 5 P.; wî er (gott) von êrest began daz hymelrîche stiften dtsche ged. d. 11. u. 12. jhs. 3, 6 Diemer; sît daz diu welt gestiftet wart Konrad v. Würzburg trojan. kr. 17683 K. I@A@1@bb) früh in besonderem sinne von kirchlichen gebäuden und kultstätten 'erbauen lassen und die mittel für ihre erhaltung zur verfügung stellen'; der begriff des gründens verbindet sich hierbei meist schon mit dem des schenkens, darbringens, weihens: sie stiftent monasteria an iro eigenen, daz darinne si sanctorum fratrum communio Notker 2, 437 P; ci demi tiurin gotis lobe stift er selbo vier munister Annolied 644 R.; ein rîche fürsten apteystifte vrou Uote nâch Dancrâtes tôdevon ir guote, mit starken rîchen urborn,als ez noch hiute hât, daz klôster dâ ze Lôrsedes dinc vil hôhe an êren stât Nibel. C 1142, 5 Bartsch; daz du dem almehtigen gote alle tage ein klôster stiftest Berthold v. Regensburg 1, 138 Pf.; wer eine kirchen stifftet Luther 24, 388 W.; (Geronis epithaphium) zu Lusatz erster fürst war ich, dreyszig wendisch herrn ertödtet ich und stifft Gernrod aus eigner hab Chr. Entzelt altmärk. chron. (1579) 141 Bohm; sie stifftete nach Ansegisi tode das an der Maas gelegene kloster Anden S. Fr. Hahn vollst. einl. z. d. teutschen staatshist. (1721) 1, 7; meine ahnen, sie stifteten durch ihre frommen gaben dies kloster Zach. Werner Martin Luther (1807) 35; hierher: stifte mir siben alter (aedifica mihi hic septem aras) Wenzelbibel numeri 23, 1 bei Jelinek mhd. wb. 685. einen heidnischen tempel bauen: als er ändert das Pantheon, welchs war zu Rom ein tempel fron, von den heyden gestifftet zwar aller heydnischen götter schar W. Spangenberg ausgew. dicht. 58 Martin; Constantinus ... all den abgöttern gestiffte tempel zusperren ... (liesz) theatrum amoris (1626) 138; (wenn Camillus) ein heiligthum ... stiftete Mommsen m. gesch. (1856) 1, 270. I@A@22) ähnlich auch gemeinnützige anstalten errichten, wie spitäler, schulen, universitäten, und ihren unterhalt sicherstellen; die vorstellung des bauens tritt dabei meist hinter der des einrichtens zurück und schwindet oft völlig: kirchen zieren, spital stifften und ander guote werch ... werden in aigner lieb erzaigt Berth. v. Chiemsee teutsche theol. 344 R.; vgl. ort, die jetz klosterleut oder stifftherren besitzen, sind anfencklich gestifft worden uff eerlich wonung der alten, armen, krancken Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 37 ndr.; die Türken haben almosen und spitäler für thiere gestiftet Bode Montaignes ged. u. mein. (1793) 3, 252; invaliden poeten ist dieser spittel gestiftet Göthe 5, 1, 211 W.; Lehne bat ihn um die erlaubnisz, ein findelhaus zu stiften A. v. Arnim s. w. 1, 310. schule stiften, in uneigentlichem gebrauch schon mhd.: zwâr sî wellen daz bewarn, daz sî iht die êrsten sîn, dâ man mit die schuole stifte. waz ob sî der schuolemeister wifte und sîn scharpfez schærelîn? pseudo-Neidhart 241 Haupt; eigentlich: dazu sind auch die schulen gestifftet Luther 19, 74 W.; der und der fürst hat zu Lutheri zeiten die und die schul gestifftet! Prätorius abenth. glückstopf (1669) 155; sechzehn neue schulen, die er auf seinen gütern gestiftet ... hat J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 83; sage mir, wo kamen die gelährte leut her, ehe so viel universitäten in Teutschland gestifftet waren? Schupp freund in d. not 60 ndr.; (Gesner) stiftete auch das philologische seminar J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 107; die universitäten zu Leyden ... Utrecht und Harderwyck waren gestiftet Moltke ges. schr. u. denkwürd. (1892) 2, 29; für die während seiner abwesenheit gestiftete kunstacademie Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 82. I@A@33) 'einrichten, gründen' ohne den beisinn des bauens, besonders bei der schon mhd. gebräuchlichen anwendung auf das schaffen kirchlicher, staatlicher und privater gebilde, namentlich fester organisationen. I@A@3@aa) kirchliche und weltliche verwaltungskörper schaffen; nhd. allmählich von gründen zurückgedrängt: der keiser stiftez (erzbistum) bî der zît mit solhen kreften, daz ez treit von rîcheit immer werdekeit Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 183 Haupt; der stiftede das bischthum zu Hamburg Wigand Gerstenberg chron. 63 Diemar; und wie die stifter hiezin, ... (die) dú lant stiftin begunden, und wie dú lant wurdin genant, dar sih sit zinsten ellú lant Rudolf v. Ems weltchron. 158 Ehr., vgl. 3329; gleich demnach haben sie der Parthier unnd Bactrianer künigreich gestifftet H. Boner Justinus (1532) ea; sind ferner gangen (die Goten), sich ausgebreitet und haben ... das longobardische reich gestifftet A. Olearius pers. reisebeschreib. (1696) 36; als die Wandalen, Alanen, Sveven, Gothen und andre teutonische völker ihren wilden durchzug durch die Pyrenäen nahmen, und einige derselben in ihrer nachbarschaft reiche stifteten, waren sie noch das tapfre, unruhige volk Herder 14, 260 S.; unterwürfige völker stiften keine colonien Niebuhr m. gesch. 1, 53. hierher: ich stifte ein majorat Holtei erz. schr. 16, 293. poetisch: du willst mit mir ein reich der sonne stiften, darinnen uns allein die freude ziere Stefan George das jahr d. seele 38. I@A@3@bb) nhd. besonders gebräuchlich für 'eine gemeinschaft, die bei wechselnden mitgliedern weiter besteht, nach festen satzungen aufbauen'. I@A@3@b@aα) von geistlichen orden, ritterorden: welcher ritterlich orden mit einem roten kreutz von keyser Friderichen dem dritten gestifft unnd geordnet Paracelsus op. (1616) 1, 251; die Jesuiten kannten das menschliche herz besser und stifteten geistliche kongregationen für alle verschiedene klassen im staat H. P. Sturz schr. (1779) 1, 144; in den Karthäuserorden ..., der ... für frauen nicht gestiftet wurde Fontane ges. w. I 4, 318. I@A@3@b@bβ) von einer gesellschaft zur förderung bestimmter wissenschaftlicher, künstlerischer, wirtschaftlicher und anderer zwecke: worzu der ... nährende ... durch seine gestiftete fruchtbringende gesellschaft ... viel geholffen Ph. Zesen rosenmând (1651) 13; ... ist unser palmenorden ... zum ersten mal gestift und aufgerichtet worden Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 19; die zu Eszlingen gestiftete gesellschaft, um naturhistorische reisen zweckmäszig zu befördern Göthe IV 41, 229 W.; ein zunfft oder gesellschafft stifften instituere collegium Maaler (1561) t. spraach 388b; während der zeit hatte capitain Neares ... mit einigen sowohl englischen als portugiesischen kaufleuten eine neue handlungsverbindung gestiftet G. Forster s. schr. (1843) 4, 58; dasz er, um das geld im thale zu behalten, eine eigene versicherung stiftete Pichler gesch. aus Tirol (1897) 1, 30; eine menge vereine ... wurden gestiftet, welche meistens irgend eine versicherung zum wohle der mitglieder und ihrer angehörigen zum zwecke hatten G. Keller ges. w. (1889) 1, 23. I@A@3@cc) verallgemeinert auf jede art menschlichen zusammenschlusses angewandt, ohne dasz eine bestimmte äuszere form notwendig wird; von politischen verbindungen: eine alliantz ... stiften stabilire, fare una lega Kramer 2 (1702) 97b; wir stiften keinen neuen bund, es ist ein uralt bündnisz nur von väter zeit, das wir erneuern Schiller 14, 324 G.; Napoleon machte sich durch hinterlist und verrätherei zum herrn von ganz Süddeutschland und stiftete den Rheinbund E. M. Arndt schr. an u. für s. l. Deutschen (1845) 1, 235; wir erinnern uns, dasz kaiser Maximilian einst die vereinigung von Cleve und Jülich eigentlich gestiftet Ranke s. w. (1867) 4, 129. von verbindungen durch gegenseitige sympathie, freundschaft u. s. w.: ach, da (in der hölle) ist alles umbgewandt, darzu die freundtschafft gar getrant, so wider ehr und gottes schrifft zuvor war in der welt gestifft Ringwaldt christl. warnung e 8b; wann sie eine unzertrennliche freundschaft zwischen ihnen stifften wollen Grimmelshausen 2, 345 Keller; er hatte eine besondere neigung, mit allen landgeistlichen freundschaft zu stiften Göthe 22, 242 W.; wir stiften brüderschaft.der trunk macht alle gleich P. Fleming dtsche ged. 1, 96 Lapp.; bekanntschafft neu gestifft, zum theil itzt nur erneurt v. König ged. (1745) 212; ihr junker, der auch liebschaft mit ihr habe stiften wollen Laukhard leb. u. schicksale 2 (1792) 217. I@A@3@dd) freier und gelegentlich in II A 2 übergehend 'hervorbringen': wollust stiftete familien Schiller 1, 155 G.; wo Flor und Blankflor drauf ein ehlich paar geworden, um ein grosz geschlecht zu stiften Rückert w. (1867) 3, 189; um so dringender war ich an die zukunft gewiesen, an die notwendigkeit, selbst ein langandauerndes geschlecht zu stiften G. Keller ges. w. (1889) 5, 77. I@A@44) von gewissen ordnungen, lehren, gebräuchen, vorschriften u. dgl., die nach der absicht des stifters für alle zeiten fortbestehen sollen. I@A@4@aa) zunächst von religiösen lehren und ordnungen: du (der heilige geist) hast all gaistlich ler gestifft liederbuch d. Hätzlerin 253 H.; do Jêsus Kristus daz sacrament sîns lîchamen unde sînes bluotes stifte und ûf sazte dt. mystiker 2, 35 Pf.; von onser heiligen tauffe, darin fein kurtz gefasset, was sie sey? wer sie gestifftet habe Luther s. dtsche geistl. lieder 56 Klippgen; ein heilig liebesmahl für Christen hat du gestiftet, Jesu Christ allg. dtsche bibl. anh. 53-86, 39; wol das god die e (ehe) had selbir gestift Joh. Rothe lob d. keuschheit 232 Neumann; das der ehestand von keinem engel oder menschen gestifft oder verordent, sonder ist ein geschaffen werck gottes Luther 17, 1, 12 W.; denn er hat selbs den ehelichen stand im paradis mit eigner hand gestifft N. Hermann sonntagsev. 45 Wolkan; ähnlich: underskeet der stand und orden isz den lüden man ein spott, welker doch wyszlyck van gott sulvest isz gestifftet worden Lauremberg inholt 34 Schr. von religionen, sekten: folglich ist Jesus Christus unstreitig wahrer gott ..., und seine religion, so wie er sie gestiftet hat, die wahre Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 275; eine neue sekte zu stiften, eine neue religion zu predigen Lessing 14, 326 M. I@A@4@bb) von anderen ordnungen, gesetzen und gebräuchen u. s. w.: aber damit ... man rührig und fridsam leben mög, seind die gesatz und rechtbücher auffkommen und gestifft worden G. Rivius Vitruv (1575) 348; das interesse aller, die sich in eine gesellschaft vereinigen, bildet darauf ordnung, stiftet gesetze und innerlichen frieden Heinse s. w. 4, 395 Sch.; den olympischen kampf stiftete Herkules Herder 26, 192 S.; seit fünf jahrhunderten erschien kein könig anders bei den spielen, die dein gewaltger ahn gestiftet hat Hebbel w. 3, 242 Werner; dann wil von lauter marmerstein gott Phoebo und Dianae rein ich einen schönen tempel bawen vnd ewig auff ihr güte trawen, wil feyrtäg stifften weit erkannt (lat. instituam festosque dies de nomine Phoebi Än. 6, 70) Spreng Äneis (1610) 107b; es werden ... jahresfeste gestiftet, um das denkwürdige nicht untergehen zu lassen Fr. Creuzer symbolik u. mythologie (1810) 1, 99. I@A@55) in formelhaften wendungen mit dem sinne 'dem namen und leben eines menschen oder der erinnerung an ein geschehen ein dauerndes andenken begründen': er (gott) hat ein gedechtnis gestifftet seiner wunder psalm 111, 4; unsere geliebte ... vorältern ... durch genad und milte ein ewiges auff die nachkommene onvergeszliches und erbliches ehrengemerck und gedächtnuszmal ihres gütlich und vernünfftig geprauchten sigs stiffteten Fischart Gargantua 428 ndr.; ich wil ins künftige solch ein gedächtnusz stifften, dir, du mein augentrost G. Neumark poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 68; noch poetisch: lasz dir stiften zum gedächtnisz diesen reim Rückert w. (1867) 2, 226; die künstlich aufgesetzte schriften, da weisheit in vergraben liegt, die können solch ein denkmahl stiften, das allen zeiten abesiegt G. Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustwäldchen (1657) 1, 152; ich habe diese gedichte ... ihrem sohne gewidmet und auf solche weise der freundschaft ... ein denkmal gestiftet Hebbel tageb. 2, 182 Werner; jeder mensch mag gern das andenken seines daseins stiften Göthe I 47, 214 W.; (cardinal Guise) unterliesz nichts, was ein groszer prälat tun kann, um sich in seiner residenz ein unvergängliches andenken zu stiften Ranke s. w. 8, 141; darmit sie ihn und ihrem stammen haben gestifft ewigen namen Reutter v. Speir kriegsordn. 114; um sich nur ruhm in zeitungen zu stiften B. Neukirch ged. (1744) 170; auch will ich ruhm recht viel dem toten freunde stiften A. v. Arnim w. 19, 23. I@BB. fertige gegenstände, kapitalien u. dgl. zu einem bestimmten zweck als geschenk darbringen, als vermächtnis aussetzen u. s. w. I@B@11) in unmittelbarem anschlusz an A 1 b 'etwas für kirchliche zwecke zur verfügung stellen, als geschenk, gabe stiften'; von kultischen gegenständen, weihgeschenken, pfründen, kapitalien u. s. w.: wellik altare wy kerspelslude ghestichtet hebbet unde wyggen laten (Oldenb. urk. v. 1491) bei Schiller-Lübben 4, 396; den altar haben die ritter von der Laurenburg gestiftet Brentano ges. schr. (1852) 4, 29; zuom dritten hand sie (die geistlichen) die orglen ihnen selbs auch zum burgerlust stifften lassen Jac. Frey gartenges. 131 Bolte; einen solchen hohen potentaten, der viel gutes gestifftet in kirchen und klöstern J. Prätorius saturnalia (1663) 54; wachskerzen auf dem altar stiften Thümmel s. w. (1853) 3, 19; die gemeinde des Kar erstand die bibel, um sie in ihre kirche zu stiften A. Stifter s. w. (1901) 5, 1, 139. eine pfründe einrichten: ich habe gestiftit und gewedemit eynen altir mit zcwen vicarien und lehin (v. j. 1397) in: ztschr. d. ver. f. thür. gesch. 39, 354; ob wol ettlicher mensche ain pfründ stiffte in das ende, daz ain priester yemer ewenklich teglig ... messz haben sölt Niclas v. Wyle translat. 171 Keller; damit würdt aber nit erfült, darumb man geben hat die gilt, darumb die pfrndt gestifftet ist Th. Murner narrenbeschw. 95 ndr.; er weitert die kirchen zu Bischoffszell und stifftet etliche pfrnden zu S. Steffan Stumpf Schweizerchron. (1606) 401b. der kirche eine summe geldes zu bestimmten zwecken überantworten, insbes. aus anlasz regelmäszig zu lesender messen u. dgl.; bis heute in fester wendung eine messe stiften: vil ewiger mess stiften sächs. weltchron. 374 W.; nit verzag an got, du hest doch das und das guot werck gethon und do die mess gestifftet Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 24b; hat ertzhertzog Sigmund zur dancksagung ... ein ewige mesz gestifftet J. A. v. Brandis immergrün. ehrenkräntzel (1678) 1, 174; zugleich entschlossen sie sich ... jene gestifteten, für geld abzuhaltenden messen ... abzuschaffen Ranke s. w. (1867) 2, 12. ähnlich eine jahrzeit (jahrgedächtnis) stiften für verstorbene (vgl. teil 4, 2, 2249): der jarzit halb ... begeren wir ... desgleichen was gestift ist, do die stifter oder naturlich erben noch im leben sind ... dieselben jarzit zu halten fry sigend (v. j. 1525) d. dtsche bauernkrieg, aktenband 260 Franz; gestiftete jahrzeit (vom verstorbenen letztwillig verfügte) als fester ausdruck im gegensatz zur begehrten jahrzeit, s. schweiz. id. 10, 1473 (wo ein beleg v. j. 1729): was soll ich denn sagen von gestyfften jarzyten, die selten werden gehalten uber 20 oder 30 jar Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 74 ndr. occasioneller: szo sein wir zcugefallenn und haben kirchen auffgericht, geseng gestifft, lehen, begencknusz und was des dings mehr Luther 14, 393 W.; mein eltern haben vil gottesdienst gestifft, den pfaffen rent und zinst Hans Sachs 17, 260 K.-G.; sie ist neidisch über das unverdiente glück andrer menschen, aber sie hat eine predigt gestiftet Rabener s. schr. (1777) 5, 173. in diesem kirchlichen bereich zunächst auch etwas stiften, auch mit der summe als objekt, heute in dem weiteren bereich eines gemeinnützigen 'zweckes' überhaupt üblich: heutiges tages wil niemand etwas zu kirchen und schulen stifften B. Schupp schr. (1663) 71; der kommerzienrat habe neulich dreiszigtausend mark gestiftet zu einer neuen kirche W. v. Polenz Grabenhäger 2, 58. scherzhaft redensartlich ins (zum) kloster Maulbronn stiften 'aufessen', vgl.das seinige zum kloster Maulbrunn stiften mangiar'e beverlo Kramer t.-ital. 2 (1702) 971c: wolte lieber alles das meine zu dem kloster Maulbronn stiften oder an nasse wahr (getränke) legen als in einen solchen sack schütten Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, k 7b; alles ins kloster Maulbronn stiften durch essen und trinken verschwenden A. Schellhorn sprichw. (1797) 105. ohne bestimmtes objekt gebraucht: thut gute werck! halt bäpstlich bot! stifft und opffert! es gfelt gott Hans Sachs 6, 381 Keller; wir finden yr viel, die do beten, fasten, stifften, dis und das thun, ein gut leben furen vor den menschenn Luther 6, 205 W. I@B@22) milde stiftungen machen, wie z. b. geld als stipendien für bedürftige schüler, zur unterstützung armer u. dgl. aussetzen: wie auch jetz uff den hohen schuolen stipendia gestyfft sind für arme gesellen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 36 ndr.; er liesz waisenkinder erziehen, stiftete stipendien Nicolai Seb. Nothanker (1773) 2, 257; der meister rührte das geld nicht an, sondern stiftete es für die armen Hebel s. w. (1832) 3, 218; dann machte sie auch ihr testament und stiftete, dasz an ihrem todestage die ganze gemeinde gespeist ... werden sollte Grimm dtsche sagen (1891) 1, 7. ähnlich: mit einem wort: ich möchte für den unglücksvogel eine bescheidene pension stiften, die ein paar jährchen hinreicht G. Keller (1889) 2, 220. I@B@33) einen orden, einen preis stiften in festen verbindungen: es wird ... der adlerorden noch von deiner hand gestiftt v. König ged. (1745) 16; des eisenkreuzes orden ward gestiftet für alle streiter dieses deutschen krieges Cl. Brentano ges. schr. 7, 481; den (orden, den) ich zur belohnung an grosze tonkünstler gestiftet habe Franz Pocci lust. komödienbüchl. 3 (1869) 222; die reichsmessestadt Leipzig hat einen Johann-Sebastian - Bach - preis gestiftet, der jeweils am geburtstag des meisters einem komponisten deutschen blutes überreicht wird d. ev. Deutschl. 15 (1938) 320. I@B@44) ganz allgemein eine sache weggeben, um sie für die allgemeinheit zugänglich zu machen, einen wertvollen gegenstand der allgemeinheit zur verfügung stellen: stiften sie es (das buch) auf die rathsbibliothek Wieland s. w. (1795) 20, 262; wegen des zu Eger gefundenen, ins Prager museum gestifteten backenzahns Göthe IV 36, 274 W.; jener Italiener Minoni ... stiftete dem jungen corps eine ganz schöne grosze trommel Kerner bilderbuch (1849) 26. I@B@55) einem einzelnen menschen etwas als besondere gabe schenken: hat man auch ain zimlichen lon gestifft den treuen dienernn und pflegern sollicher gütter Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 176 ndr.; an den täntzen ... ward ouch einer dirnen, so den ersten vortantz hat, ... ein gulden gestift Äg. Tschudi chron. helv. (1734) 1, 242; kammerkätzchen, kammermäuschen stifteten die schönsten nelken (dem dichter zum anbauen im garten) Göthe 5, 165 W.; anbei erfolgt ein zweiter kasten mineralien, den ich freilich nicht selbst, sondern der apotheker H. ... gesammelt und für sie gestiftet hat Levin Schücking an Annette v. Droste-Hülshoff 240; umgangssprachlich oft scherzhaft, z. b. ich will dir eine tafel schokolade stiften u. ähnl., vgl. auch Fischer schwäb. 5, 1764, schweiz. id. 10, 1472. I@B@66) mit persönlichem objekt heute ungewöhnlich; von 1 ausgehend 'jem. durch eine stiftung in eine pfründe einsetzen': allen frummen thumherren, die vom adel gestifft seind Ulr. v. Hutten opera 3, 549 B.; etliche fromme mönch dareyn (in das münster) stifften buch d. liebe (1587) 711; priester will ich stiften und nonnen Törring Agnes Bernauerin 69 Hauffen; wer wird priester, mönche stiften? Tieck schr. (1828) 1, 376. ähnlich: (Manasse) stifftet warsager und zeichendeuter 2. chron. 33, 6. 'jem. in ein amt einsetzen, bestallen': auch so, das zu hilf ainem pfarrer soliche nebenpfaffen gestift sendt Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 187 ndr.; wiewol er auch ob dem gotsdienst und altem brauch der künig von Israel, seiner vorvodern, und iren gestiften geistlichen hielt Turmair s. w. 4, 1, 259 L.; ihr (adlichen) habt eweren sold und lehengut und seit damit zu solchem ampt gestifft und nemets wohl bezahlt Moscherosch gesichte (1650) 2, 419; ob und wie der schulmeister gestiftet sei (v. j. 1775) hist.-pol. blätter f. d. kath. Deutschland 128, 11. von hier aus erklärt sich wohl mundartliches wie 'dar it da nei (hinein) gstift! wenn jem. an einem platze ... festhält', vgl. auch des it sei gstifts platzla Rückert unterfr. 176. gestiftete krieger berufsmäszige krieger: und dieses sind alle Röhmer und in ihren landen auszgeklaubte und gestiffte krieger gewesen W. Dilich kriegsb. (1607) 18; das römische kriegsvolk wurd gantz verderbt mit fressen, saufen, hurerey ..., die gestifften knechte namen ab H. Megiser annales Carinthiae (1612) 274. IIII. seit alters in der bedeutung 'eine handlung ins werk setzen, einen zustand herbeiführen; etwas erzeugen, hervorbringen, veranlassen, durchführen'; der gedanke an die dauer des bewirkten tritt dabei im gegensatz zu I nicht hervor, dafür steht die vorstellung der geistigen urheberschaft oft stärker im vordergrund (s. unten A 3 und B). II@AA. 'etwas ins werk setzen und selbst ausführen'; mhd. und im älteren nhd. geläufig, in neuerer sprache veraltend und fast nur noch in halb formelhaften wendungen gebraucht. II@A@11) von handlungen und werken; 'handelnd ausführen, tun, hervorbringen'. II@A@1@aa) allgemein: er (gott) geruohte ime (dem pharao) offenen,daz er wil stiften genesis 4077 Dollm.; duo stifter heriverti Anno 132 R.; und hîz daz lant berihten und ein brûtlofte stiften Straszburger Alexander 4009 Kinzel; sîne frasûme (säumnisse), die wolte er dâ ervollen, stiften gotes willen Wernher Maria 418 Wesle; der teufel, die welt und unser fleisch stifften und schaffen allzeit das widerspiel Luther 28, 639 W.; unser schrei was 'Osterriche!' und zogten fürbaz an den perch, da man sach stiften heldes werch (v. j. 1298) hist. volksl. 1, 14 v. Liliencron; einer vom adel, ein wunderbarlicher, seltzamer edelmann, der sein lebenlang vil abenthewr angefangen unnd gestifft het M. Lindener katzipori 125 lit. ver. auch später noch in gehobener schreibweise: nicht du hast diesen sieg gestifft H. Anselm v. Ziegler asiatische Banise (1689) 819; seht aber auch, wie er sie übertrifft: und schaut, was er (der könig) für grosze werke stiftt bei Weichmann poes. d. Niedersachsen (1721) 1, 34; und Meiszens Triller auch in schriften sich weis ein zwiefach lob zu stiften Gottsched ged. (1751) 1, 186; zu den zeiten ... studirte ich die von Robert Boyle gestifteten reden Klopstock in: Herders nachl. 1, 211; ja, lieber bruder, ich musz das (Herders berufung nach Weimar) stiften, eh ich scheide Göthe IV 3, 13 W.; der geist soll alles stiften, was er vermag Bettine d. buch geh. d. könig (1843) 1, 61; wenn unsre Deutsche einen mann erst loben, dann weilt er sicher schon im himmel oben, wo so ein abgeschiedner klarer geist den dankeszoll verdrossen von sich weist, weil er voll mängel sieht und widerstreit, was er gestiftet in der sterblichkeit M. Greif ged. (1889) 396. vereinzelt mit personalem objekt: ein moralisches volk gottes zu stiften Kant w. (1838) 6, 270 Hartenst. auch mit konkretem objekt stiften in 'machen zu etw.': got stifd das rippe, das er hette genummen aus Adamen in ein wip Wenzelbibel gen. 2, 22 nach Jelinek mhd. wb. 685. passivisch 'geschaffen': so vil als hie der mensch vortrift allem gschöpff, auf erden gstifft Fischart w. 3, 174 Hauffen II@A@1@bb) formelhaft in festen verbindungen; wunder stiften wunderbare taten vollführen: si stichten michel wunder Heinrich v. Veldeke Eneide 105, 7 Ettm.; was Fortunatus ... mit dem zwayen klainaten wunders gestifft und erfaren Fortunatus 3 ndr.; der gesetzgeber Moyses hat viel wunderdinges gestifftet, in dem er sich eines stocks oder ruthen gebrauchet J. Prätorius abentheuerl. glückstopf (1669) 18; ein beispiel stiften: sein name und wapen ... (sollen) ein gutes beyspiel stiften Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 214; an dem will ich ein beispiel stiften Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 3, 248. II@A@22) von zuständen (oft subjektiven) und geschehnissen; 'einen zustand herbeiführen, zustande bringen, verursachen'. II@A@2@aa) allgemein: ich wil die fröude hazzen, die man vor mir hie stiftet Konrad v. Würzburg trojan. kr. 23287 K.; Stûdenfuhses mannenstifte er nôt und arebeit Alpharts tod 369, 4 n.; sy stiften jamer und not in den landen hie und dort Seifrit Alexander 8958 Gereke; ihr obrigkeiten in gemein, raumt nicht zuviel den pfaffen ein! halt sie in ehren mit bescheid, dass sie nicht stiften herzeleid bei Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 109; me helt do de groten wachte eine tyt lanck yo by nachte myt borgheren uth vyff richten van vrochten, den se sick stichten (Braunschweig 1492) städtechron. 16, 124; die meinem hertzen schrecken stifft Hans Sachs 6, 148 K.; unterdessen stiffteten solche seine siegreiche verrichtungen ... so gewaltige furcht und schrecken, dasz ... Er. Francisci traursaal (1669) 2, 160; diesz alles zeigt vielmehr, dasz er (der donner) uns als in der fernen wolkenhöh, näher steh und in dem reich der niedern lüfte vielmehr ein solches schrecken stifte D. W. Triller poet. betracht. (1750) 1, 374; ir kommet von der schlang on zweiffel, das ihr die kind stecht und vergifft, ihn in dem schlaaf solch unrhuow stifft Fischart d. flöhhatz 34 ndr.; o mein herr, was stiften sie bey uns für unruhe Lessing 1, 408 Muncker; dasz diese ... zeitung fast eben dergleichen zerrüttung in meinem gemüthe stifftete Schnabel insel Felsenburg 9 U.; diese neue vertraulichkeit, die ich mit ihnen itzt gestiftet habe Rabener s. schr. (1777) 5, 21; durch finstres sauer sehen ist liebe nie gestifft und nie kein bund geschehen Logau 232 E.; herr, solange stöcke wuchsen gab es niemals solche hiebe; weisz nicht, ob sie gutes stiften, doch sie stiften keine liebe Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 323. objektiv, in festerer verbindung ordnung stiften: bei der justiz müsse eine bessere ordnung gestiftet werden H. Prutz preusz. gesch. (1900) 3, 228; o, Toni Häusler, schäme dich und stifte mir hier auf der stelle ordnung W. Raabe schüdderump (1870) 2, 190; der alte gott, der ... die ordnung in der welt stiftete und erhält P. Zaunert dtsche natursagen (1921) 1, 14. II@A@2@bb) besonders in festen verbindungen. II@A@2@b@aα) mord, raub, brand stiften: (ein held,) der des tages stifte mort an den heiden ... Ludwigs kreuzfahrt 4433 Naum.; und stifte do grozen mort (der kaiser mit seinem heer in Indien) Marco Polo 71 v. Tsch.; unde stifte rouf unde brant könig Rother 3807 Rückert; er stifft diebstal, ouch brand und mort H. R. Manuel weinspiel 2693 ndr.; so braucht ein arzt das gift, das auszer seiner hand nur hämsche morde stift Lessing 5, 113 M.; aber sie (die Römer) werfen uns in den kerker, ... tödten unsre kinder, stiften raub und brand Grimm dtsche sagen (1891) 2, 110. II@A@2@b@bβ) arges, böses, übel, unheil, unglück, schaden, laster u. s. w. stiften: (die zunge,) diu niemer nút wan argez stift Boner edelstein, vorr. 62 Pf.; (die feinde,) die sô grôz mein stiften an den siben volken Berthold v. Regensburg pred. 1, 184, 39 Pf.; he wyl wat boses stychten meister Stephan schachbuch 396; er hat gewiszlich, antwort derselbige mann, soviel böses hierumb gestifft und begangen Amadis 1, 354 lit. ver.; schon hast du viel böses damit (mit lügen) gestiftet Göthe 23, 108 W.; welche ausz ... lieb ... grosz übel gestifft hat Schaidenraiszer Odyssea (1537) 47b; eine unvorsichtig ausgefällte strafe ... stiftet des übels mehr, als sie vernichtet H. Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 2, 161; dich schätzet sie vor einen knaben, der nichts als unheil stiften kan Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 338; ich sage, der mammon stiftet doch nichts als unheil in der welt H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 254; ... geist der unreinigkeit ... durch welches einblasung der Luther als unglück auff erden stifft Joh. Diettemberger wider M. Luthers missbrauch d. messe (1526) g 1b; welch groszes unglück kan eine scharfe critick nicht stiften Bodmer samml. crit.-poet. schr. (1741) 2, 50. unrat stiften, im 16. und 17. jh. belegt: die ich so unzalbar unrhat gestifftet hab in dieser statt Hans Sachs 17, 125 K.-G.; die ... allen unrath, den der krieg mit sich bringt, befürdern und stifften helffen Lehman floril. polit. (1662) 1, 469; wie die unhulden und hexen ... mit dem cobalt ... viel unfugs stifften Joh. Mathesius Sarepta (1571) 109b; unrecht myt welde stichten beleg v. j. 1489 bei Schiller-Lübben 4, 396; ich wil mich ... hütten ... fur denen, so ... vil unrechts ... stiften Butschky Pathmos (1677) 71; seidher ist noch die arme welt mit dem trifachen ghürn beladen und kan nichts stifften dan nur schaden Fischart 1, 241 Hauffen; ohne rücksicht auf den schaden, den sie stifteten Fontane ges. w. I 5, 123; wanne her (der wein) alle laster stift Joh. Rothe lob d. keuschheit 2174 Neumann; dass ein sollicher bub drey laster stifftet H. Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 1130; dasz gott solche arge weiber bösz mit den männern also verbind, die täglich stifften grosze sünd Eyering prov. (1601) 3, 126, vgl. also he de sunde hat gesticht Marienkl. 125 Schönemann; denn Eulenspiegel was nit scheu, wo er nur stifft ein büberey, mahlt er ein eul uber die thür Fischart Eulenspiegel 207 Hauffen; stift ich tausend bubereien, gehn sie alle auf ein loth Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 407. II@A@2@b@gγ) nutzen, gutes, segen stiften: das vierde, einen sollichen notz si (die mäszigkeit) stifft Joh. Rothe lob d. keuschheit 2079 Neumann; (Dithmarus) hat ... mit seinen predigten groszen nutzen gestifftet J. Micraelius Pommerland (1640) 1, 194; (ich) dachte aber auch daran, nicht blos so müszig herum zu laufen, sondern nutzen zu stiften Tieck schr. (1828) 9, 275; mir kompt gar steiff zue meinem mueth, die juden haben gstifft nichts gueth Endinger judensp. 44 ndr.; ich fürchte, dasz eine erklärung nichts gutes mehr stiften kann Iffland theatr. w. (1827) 4, 251; weise fromme leut stifften im regiment viel guts und bestes Lehman floril. polit. (1662) 2, 799; (er) ist durch sein ansehn und durch das gute, das er stiftet, wirklich ein fürst Göthe 24, 72 W.; was ist der ruhm des ersten tonkünstlers gegen den segen, den ein guter prediger, ein volkslehrer zu stiften vermag Schubart leb. u. gesinn. 1, 112; was so eine dame fer segen stift G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 40. II@A@2@cc) aus b β entwickelt sich mit unbestimmtem objekt etwas stiften im prägnanten sinne 'etwas (böses, unheil u. s. w.) anrichten', vgl. auch in derselben bedeutung das noch heute geläufige etwas anstiften: ey, ey, was habens da gestift, sich selber bracht in todes noth? Hans Sachs 12, 430 K.; do hat man drey burger eingelegt, ... die andern mitburger fragten, was für leüte wären, und was sie gestift hetten M. Lindener katzipori 170 lit. ver.; ach ich unglückseliger! hab abermahl was gestifftet! Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 18; was hab ich querkopf nun gestiftet! Lessing 3, 149 M.; aber ich habe ein gutes gewissen, ich weisz, dasz ich nichts gestiftet habe J. E. Schlegel w. 2, 113. so auch in mundarten geläufig, vgl. z. b. stiften unheil anrichten Knothe Nordböhmen 518; štîchten anrichten (etwas böses) luxemb. ma. 425. II@A@33) bis ins frühnhd. von geistigem schaffen, 'ersinnen', 'erdichten', vgl. stiftenti molirentur (statt 'moliretur' in: ne aliquid contra fidem ... moliretur) ahd. gl. 2, 344, 12 St.-S. (11. jh.); (lingua tua) concinnabat (dolos) stiphta 1, 517, 19 (10./11. jh.); dihten o. (oder) stifften fingere (1440 md.) Diefenbach gl. 236a; poema ein gedicht gestifter ding (v. j. 1468) nov. gl. 296a: so wir it guotes stiften, daz man in allen sriften noch nie gehort noch gelasz d. sœlden hort 97 Adrian; besonders im pejorativen sinne: der den lug gestiftet hat (v. j. 1252) schweiz. id. 10, 1472. so auch ohne objekt: das alles ... sei von seinen feinden ... erdacht und gestift Niclas v. Wyle bei Wackernagel leseb. (1839) 1042; er sagt, dasz das alles, so im fürgehalten worden, wäre fältschlich und lästerlich erdacht von seinen vienden ... und gestifft Äg. Tschudi chron. helv. (1734) 2, 60, vgl. die belege bei Schmeller-Fr. 2, 740 und schweiz. id. a. a. o., ähnlich sich stiften 'sich heuchlerisch verstellen': sô stift er (der fuchs) sich tôt sein Konrad v. Megenberg buch d. natur 163, 10 Pf. als part. praet. in adjekt. verwendung gestiftet 'falsch, erheuchelt', vgl. simulatum falsch vel angenumen nach dem schin, gedicht, gestifft vocab. predic. (1486) c 3b: disz synt gestiffte gelaszenheit Seuse dtsche schr. 414 Bihlm.; also bezalten sy ainander baidenthalb mit worten und gestiffter lieby Steinhöwel Äsop 155 lit. ver.; s. auch Fischer schwäb. 5, 1764 f. II@BB. den anstosz für die entwicklung eines geschehens geben, meist indem man sich anderer menschen als werkzeug bedient und sie zu einem bestimmten verhalten, einer tat antreibt. die für stiften durchweg bezeichnende vorstellung vom beginn der handlung spezialisiert sich hierbei oft auf das veranlassen durch ihren geistigen urheber, wobei der begriff der bemühung gern besonders betont erscheint. in heutiger sprache gilt nur noch das compositum anstiften in pejorativem sinne. II@B@11) eine tat, ein geschehen herbeiführen, veranlassen; mit sächlichem objekt; auf politischem gebiet, vgl. (bella) nutriunt stiftant (10. jh.) ahd. gl. 1, 705 St.-S.; dovon samete er ein volg an sich und stifte ein verretnysze wider Philippum und kam in mit maht ane (1400 Straszburg) städtechron. 8, 304; wider den Epigenem hat er ein ... verrhäterey gestifft Xylander Polybius (1574) 289; ist so unerhört nicht, dasz man — krieg stifte A. Gryphius teutsche ged. (1698) 1, 3; Maria lief nach England ..., stiftete dann verschwörung auf verschwörung gegen ihre beschützerin Grabbe w. (1874) 4, 276; wie mancher wird von fürsten und andern groszen zu reichthum und ehren erhoben, der nachgehends zur danckbarkeit gegen seine gutthäter aufstand und andre auch wol tödliche händel stiftet? H. Lindenborn Diogenes (1742) 1, 413. von verbrechen u. dgl.: da Agamennon wider zehus kam, ward er durch stifften Clitemnestre entlybet Riederer rhetoric (1493) c 2b; wer schaden stifft, ist gleich so gut, als der thatlich den schaden thut Burkard Waldis Esopus 1, 258 Kurz; die mörde, so von ihm begangen als gestifft A. Gryphius trauersp. 162 lit. ver.; noch vergleichbar: so läszt sichs fast nicht denken, dasz die tat von ihm gestiftet; denn warum sollt er so zwecklos dich noch mehr erbittern wollen ... ... ihr nicht die stifter? nun das nenn ich spaszhaft. er, der mörder, hat es selbst gestanden — ... H. v. Kleist 1, 94 und 96 E. Schm. mit persönlichem objekt: so stichteden (stellten auf) eme de keiser und andere fursten einen wedderman, Jekel Rebuck geheten ... den schundeden de fursten an, dat he moste ... seggen, dat he marggraff Woldemar were Kantzow chron. v. Pomm. 89 Böhmer; darum wolt er (Pilatus) sy stiften mit, wolt das Jesus disz gaiseln litt M. Myllius pass. Christi (1517) 17, 3; II@B@22) mit nebensatz; 'veranlassen, es dahin bringen, dasz jem. etwas bestimmtes tut'; besonders auch pejorativ 'aufreizen, aufhetzen': des sOellen wir ain bischafft hAvn an Taniel, dem wÿsen man, den hie vor by ainem zyt siner vyenden grosser nyd stifft, das in kúng Nabuchodonosor hiesz ... ablassen in des todes ban Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 2445 L.; je einer den andern heimlich stifft, was er dem herren raden soll spiegel d. regim. 480 d. (Raffenzan dicit:) ich hon auch gestifftet under en (den juden), dasz sie en (Jesus) nit woln horen adder sehen Alsfelder passionsspiel 9 Grein; die sechste schel ist, ander darzu stifften, dasz sie nit bezalen Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 141b; vermessne hand ..., durch deine schrifft hastu gestifft, das alle briefe sie wird ins feuer schmeiszen Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 13; vgl. auch schweiz. id. 10, 1473. ähnlich, als 'bewirken': du (Venus) kanst stifften, dasz frische schönheit wächst aus hartem stein und grüfften Lohenstein in: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen auserles. ged. 1, 260 Neukirch. II@B@33) einen zustand herbeiführen, durch den ein dritter das persönliche verhältnis zweier oder mehrerer menschen bestimmt. uneinigkeit, zank u. s. w. stiften: dissen stryt hebbe gy gesticht nd. Äsop 30 Hoffmann v. Fall.; hat mich mein herr vater ... angegeben, mich vom hofe wegzunehmen, denn ihm nicht lieb, dass zwischen den fürstlichen personen uneinigkeit sollte gestiftet werden v. Schweinichen denkwürd. 17 Öst.; so? will er ihn nicht leiden? — helf mir gott! — will hader unter meinen gästen stiften? Shakespeare 1, 43; als einmal gäste bei ihm waren, stiftete er einen zank, so dasz sie zornig auffuhren Grimm dtsche sagen (1891) 1, 56; weiter arbeitete er im beichtstuhl daran, uneinigkeit zwischen mutter und tochter zu stiften Schiller 3, 561 G. frieden, einigkeit, ruhe u. s. w. stiften: diser burger eerlich gestritten hat, unserm vatterland frid zuo stifften Fr. Riederer rhetoric (1493) a 8a; der ... zwischen allen völkern friede stifften wird Grimmelshausen Simplicissimus 209 Kögel (überschrift in der ausgabe von 1669): sie trennten die streitenden heere und stifteten frieden Niebuhr römische gesch. 1, 162; (gott) der du allein eynigkeyt stifftest und erhalten kanst Luther 10, 2, 478 W.; zwischen den ständen des creisses selbst (müsse) eine aufrechte, getrewe ... einigkeit ... gestifftet werden v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 302; vor allen dingen hüte dich, ... versöhnungen stiften zu wollen Knigge umgang mit menschen (1796) 1, 52; wäre vielleicht selbst zu thätlichkeiten gekommen, hätte der immer phlegmatische Mehlberg nicht wieder ruhe gestiftet Castelli s. w. (1844) 10, 122. eine ehe, eine heirat stiften: es ist mir diesmal, ehe zu stiften, übel bekommen, soll ein andermal von mir wohl nachgelassen werden v. Schweinichen denkw. 341 Österley; conciliator nuptiarum der eine heyrath stifftet oder zu wege bringt Bas. Faber thes. (1655) 254a; ihre mütterliche anverwandten zu Rom hatten daselbst zwischen ihr abwesend und dem anwesenden prinzen Tyridates eine heurat gestiftet A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 52; (der abbé) läszt nicht von der liebhaberei, manchmal eine heirath zu stiften Göthe 23, 220 W. hierzu: heimliche verlöbnis solten schlecht keine ehe stifften Luther 30, 2, 207 W.; die äcker grenzen nachbarlich zusammen die herzen stimmen überein — das stiftet ein gutes ehband Schiller 13, 172 G.; dasz ihr geld eigentlich diese heirath gestiftet habe ... W. Waiblinger d. Britten in Rom (1880) 139. II@B@44) in älterer sprache wird die richtung des bemühens herausgehoben durch präpositionalen anschlusz mit auf; im sinne 'auf etw. richten, abzielen': und als ein mensche sich vor wol gewarnet hat siner werke und sich uf die tugende gestiftet hat, so es denne zuo der wúrklicheit kumet, so werdent die werk tugentlich und gOetlich Tauler pred. 386 V.; dyn eygen fleysch würt syn bereyt zuo stifften dich uff üppig fröud schweizer. schauspiele 1, 76 Bächt., vgl. 82; die juden, ... die stifftend auf krieg (bella nutriunt 2. Machab. 14, 6) Züricher bibel (1531) 1, 333a; die hendel, so auff krieg gestifft waren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 102b, vgl. weitere belege des 16. jhs. im schweiz. id. 10, 1473. mit persönlichem objekt einen auf etw. stiften 'zu etw. veranlassen': (die hausgenossin habe) sy underwist und sy daruff gestüft, daz sy im das sin usz sinem zins getragen (habe) (v. j. 1442) schweiz. id. 10, 1473; als derselb jung herzog jetz 12 jar alt was, da stiftent in (text: stiftet er) sine redt (räte) daruf, das er sin land von dem kúng, sinem vettern vordere H. Brennwald Schweizerchron. 1, 151 Luginbühl. IIIIII. auf ältere sprache beschränkt bleiben bedeutungen, bei denen abstrakte sinngehalte hervortreten; wieweit diese bedeutungsgruppe zur etymologischen bestimmung beitragen kann, bleibt zweifelhaft, doch reicht sie bis ins ahd. zurück und steht in deutlicher parallele zu stichtan (s. oben herkunft und form). 'festigen, in ordnung bringen', vgl. ih ... chistiftu imu siin riihhi (stabiliam regnum eius, 1. paral. 17, 11) Isidor 37, 14 Hench: sîne bürge er stifteund vridete sîn lant wol nâch küneges rehte Kudrun 569, 1. 'einrichten': sîn hûs also gestiftet was daz man dar in niewan vröude vant Dietrichs flucht 124 Martin. 'gegründet sein, sich stützen' auf etw., passivisch gewendet, ist im 16. jh. nicht selten (vgl. dieselbe verwendung von gründen II B 1 c teil 4, 1, 6, 789 und stift 'grundlage' Rud. v. Ems weltchron. 184 Ehr.): das der geystlich stand fast auff lautter wucher gestifft ist durch den hoch vordampten tzinsskauff Luther 10, 1, 1, 639 Weim., vgl. 15, 322; warum sie vor im (papst) und seiner lere, auch was auff seine lere gestiftet und gegründet ist, nicht einen grewel haben J. Sleidanus reden 54 Böhmer; also ward sein (Romulus) regiment auff weiszheyt und mannheyt, darauff sich noch eyn jedes regiment gründen muosz, ... gestifft Carbach Livius (1551) 5a. 'geistlich festigen, erbauen' ist nur mnd. in dem etymologisch doppeldeutigen stichten bezeugt, vgl. Schiller-Lübben 4, 397, ebenso mnl., vgl. Verwijs-Verdam 7, 2117. IVIV. in älterer juristischer sprache sind einige sonderbedeutungen entwickelt, die 1stiften I A 3 nahestehen und z. t. aus rechtstechnischem 2stift 3 b rückgebildet sein können, sie bleiben auf das bair.-österr. beschränkt. 'bewirtschaften, bebauen': (das lehen) alle jar bewaren und stiften ze velde und ze dorffe, also daz ez iht pawlos werde (v. j. 1333) fontes rer. austr. II 16, 157; (wir haben) den selben ackcher mit unser chost gestifftet und gepawen ze einem weingarten (v. j. 1312) 18, 138. 'als pächter, mieter, nutznieszer, lehnsmann einsetzen': der pharrer ... sol holden auf der widem guet ... stiften (v. j. 1349) 21, 225; wo unser einer den andern in die hofmarch wolt einstiften; ehe nun er den stiftet, soll er das an die herschaft und nachparschaft pringen. so ver ihnen das gemaint oder gefällig ist, soll alsdann die stift ihren fürgang gewinnen (v. j. 1554) österr. weist. 3, 641. belehnen, in genusz setzen: daz dieselben zwen welde des reichs weren, vnd wer auch die stat damit gestifft (v. j. 1362) mon. Zoll. 3, 454. 'ein stück grund und boden mit lehnsleuten, pächtern u. s. w. besetzen': (unser eigen,) gestiftet mit vier holden (v. j. 1324) fontes rer. austr. II 16, 105; (ein lehen,) gestift oder ungestift (v. j. 1327) 6, 214; formelhaft stiften und stören ein grundstück besetzen und des grundholden entledigen: also gib ich in dem vorgenanten chloster ... ze stiften und ze stören, ze besitzen, ze verschauffen und ze versetzen (v. j. 1311) 16, 29; und hat si das gotshaus allein zu stiften und zu stern, das ist die hueben und güeter zu verlassen (v. j. 1638) österr. weist. 10, 249, vgl. 1, 110 u. 141. 'einen pächter aus dem pachtverhältnis entlassen': item von erst freie stift zu vaschang dem herren hie und den holden ze stiften vierzehen tag hat der herr freie wal vor der stift und der hold hat auch die wal vierzehen tag (15/16. jh.) österr. weist. 6, 320; so ainer von ungehorsam oder ander ursach wegen in der stift nit wurd aufgenommen und gestift wurd (17. jh.) österr. weist. 1, 47. 'ein vertragsverhältnis abschlieszen': wo ain kauf gestift würdt, und wer den seinigen abstehet, und ir beider willen nit ist, der ist den gesetzten peenfahl zu wandl verfallen (v. j. 1641) österr. weist. 9, 569; schon im fasching wird 'gstift', der mündliche mietvertrag eingegangen J. Schramek d. Böhmerwaldbauer 150. hierher auch: die wohnung hab ich nicht gestiftet, weil es euch nur ein wort kostet, dann könnt ihr auf dem Lindhamerhof bleiben gartenlaube 21 (1885) 468b. 'eine versammlung der pachtbauern abhalten', zu 2stift 3 b γ: er soll drei tag richten und soll drei tag stiften mit seinen armen leuten (14. jh.) österr. weist. 2, 91. 'steuerartige abgaben entrichten', zu 2stift 3 b β: es geschicht auch wol, die der arm man stiften, ayn anlayt oder wandl geben sol, so hat der probst oder amptman vor den ochsen, käs ... dorumb empfangen (Salzburg 1495) d. dtsche bauernkr. aktenb. 25 Franz.
49181 Zeichen · 1176 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    stiftensw. V. (1a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    stiften , sw. V. (1a) nhd. gründen, stiften (V.) (1), begründen, errichten, befördern, hervorbringen, stellen, zufügen, …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stiftenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    stiften stn. das bestiften, belehnen. als stiftens und stœrens reht ist Stb. 119. Ukn. 382 ( 1356 ) ;

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stiftensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    stiften , sw. V. Vw.: s. stichten L.: MndHwb 3, 482 (stiften), Lü 380a (stiften)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stiften

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Stiften , verb. regul. act. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Mit dem herrschenden Begriff der Sp…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stiften

    Goethe-Wörterbuch

    stiften [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. modern
    Dialekt
    stiften

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    stifte n [tìftə Bf. ; teftə Su. M. Dü. Bisch. K. Z. ] 1. eine Geldsumme u. dgl. zu einem bestimmten wohltätigen oder r…

  7. Sprichwörter
    Stiften

    Wander (Sprichwörter)

    Stiften Er hat viel gestiftet, aber wenig in die Kirche. – Mayer, I, 75.

  8. Spezial
    stiften

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    stif|ten vb.tr. 1 (gründen) fondé (-dëia) 2 (spenden) doné (donëia) , scinché (-ca) 3 ‹fig› (schaffen) provoché (-chëia)…

Verweisungsnetz

113 Knoten, 128 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 16 Hub 1 Wurzel 2 Kompositum 82 Sackgasse 12

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stiften

44 Bildungen · 22 Erstglied · 17 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von stiften 2 Komponenten

stif+ten

stiften setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stiften‑ als Erstglied (22 von 22)

stiften* 2

KöblerAnfrk

stiften* 2 , sw. V. (1) nhd. „stiften“ (V.) (1), gründen, bauen ne. build (V.) ÜG.: lat. aedificare MNPs, MNPsA Hw.: vgl. ahd. stiften* Q.: …

Stiftenkopf

SHW

Stiften-kopf Band 5, Spalte 1425-1426

Stiftendöscher

MeckWB

stiften·doescher

Stiftendöscher m. kleinere von Pferden angetriebene Dreschmaschine, deren Dreschtrommel mit Eisenstiften besetzt ist Wo. Sa. ; Syn. s. Dösch…

Stiftenfeile

RhWB

stiften·feile

Stiften-feile (s. S.) aus der Schusterspr. f.: Raspel, zum Abfeilen der vorstehenden Holzstifte.

Stiftenfil

MeckWB

stiften·fil

Stiftenfil f. Gerät des Schusters zum Abfeilen der Holzstifte: de Raspel un de Stiftenfil filen buten an den Stäwel rüm Ha Belsch .

stiftengehen

Pfeifer_etym

stiften·gehen

stiftengehen Vb. ‘sich heimlich entfernen, abhauen’ (um 1900), geläufig in der Soldatensprache. Herkunft unbekannt. Bisherige Erklärungsvers…

Stiftenkopf

PfWB

stiften·kopf

Stiften-kopf m. : 1. 'Frisur mit kurzgeschnittenen, nach oben stehenden Haaren, Bürstenschnitt', -kopp [mancherorts, Andre 122 Bernhard 155 …

Stiftenmesser

RhWB

stiften·messer

Stiften-messer -męs, –męts (s. S.) Kobl-Metternich , Berg, Ruhr, Rees-Elten , Mörs n.: Schustermesser, zum Abschneiden hervorstehender Holzs…

Stiftenschnitt

PfWB

stiften·schnitt

Stiften-schnitt m. : 'Reberziehungsart, Schnitt auf Stift 1 a', Winzerspr., -schnitt [ RO-Schiersf ].

Stiftenseule

RhWB

stiften·seule

Stiften-seule -zȳ:l Sieg f.: Pfriem, zum Vorstechen der Löcher für die Holzstifte.

Stiftenständer

RhWB

stiften·staender

Stiften-ständer Geilk-Bauchem m.: drehbarer St., in Fächer eingeteilt, für jede St.art ein besonderes Fach, in der Mitte des Tisches, so das…

stiften als Zweitglied (17 von 17)

ēstiften

KöblerMnd

*ēstiften , sw. V. nhd. Ehevertrag aufsetzen, verheiraten, Ehe schließen Hw.: s. ēstiftesbrēf, ēstiftære, ēstiftinge E.: s. ē (1), stiften

abestiften

KöblerMhd

abe·stiften

abestiften , sw. V. nhd. „abstiften“, entziehen Hw.: vgl. mnd. afstichten Q.: BairFeibr, WeistÖ (1381) E.: s. abe, stiften W.: nhd. abstifte…

abstiften

DWB

abstiften , auferre, detrahere, gegensatz von anstiften , stiften : sorgsam vermeid der welt gift, so glauben, ehr und trew abstift. Wickram…

anstiften

DWB

anstiften , instruere, machinari, subornare, anstellen, in gutem und schlimmem sinn: einen anstiften etwas zu thun, er war angestiftet von a…

aufstiften

DWB

auf·stiften

aufstiften , instigare, anstiften: was sie nicht mögen mit der that begehn, thun sie doch solches mit aufstiften und anreizen. Keisersberg b…

ausstiften

DRW

aus·stiften

ausstiften abstiften als offt ain erb abstirbt oder aussgestift wirt 1477 Indersdorf II 26 (nr. 1057) Faksimile

bestiften

DWB

bestiften , beneficiis donare: eine kirche bauen und bestiften; mhd. heiʒ dîne cappelâne gân daʒ heilictuom gewinnen, die soltu bestiften. k…

bistiften

AWB

bistiften s. bi- stiften sw. v.

būstiften

KöblerMhd

būstiften , st. V. nhd. „baustiften“, zum Bebauen verpachten Q.: Urk (1417) E.: s. bū, stiften W.: nhd. DW- L.: MWB (bûstiften), DRW

enstiften

MWB

enstiften swV. → entstiften MWB 1 1657,23;

entstiften

MWB

ent·stiften

entstiften swV. nur in der Wendung stiften unde ~ ‘frei über Grundbesitz verfügen’ (s.a. DRW 3,13): daz der maister von dem spital [...] gew…

gestiften

DWB

gestiften , verb. , verstärktes stiften ( s. d. ), mhd. gestiften. 1 1) ins werk setzen, richten: sigihaft gein allen den, die wider in ie g…

gistiften

KöblerAhd

gistiften , sw. V. (1a) nhd. gründen, stiften (V.) (1), festigen, befestigen, begründen, einsetzen, anordnen ne. found (V.), confirm ÜG.: la…

instiften

MNWB

* instiften , swv. , (Satzung) stiften, begründen .

umstiften

Idiotikon

umstiften Band 10, Spalte 1474 umstiften 10,1474

widerstiften

KöblerMhd

wider·stiften

widerstiften , sw. V. nhd. wiederherstellen Q.: EvA (vor 1350) (FB wider stiften) E.: s. wider, stiften W.: nhd. DW- L.: FB 467b (widerstift…

ūzstiften

KöblerMhd

ūzstiften , sw. V. nhd. auslegen E.: s. ūz, stiften (1) W.: nhd. DW- L.: Lexer 475b (ūzstiften)

Ableitungen von stiften (5 von 5)

bestiften

DWB

bestiften , beneficiis donare: eine kirche bauen und bestiften; mhd. heiʒ dîne cappelâne gân daʒ heilictuom gewinnen, die soltu bestiften. k…

entstiften

MWB

entstiften swV. nur in der Wendung stiften unde ~ ‘frei über Grundbesitz verfügen’ (s.a. DRW 3,13): daz der maister von dem spital [...] gew…

erstiften

MeckWB

erstiften anstiften; vom Gälknoeker heißt es: wat Gaud's hett hei ok erstift't Ro Behnk .

gestiften

DWB

gestiften , verb. , verstärktes stiften ( s. d. ), mhd. gestiften. 1 1) ins werk setzen, richten: sigihaft gein allen den, die wider in ie g…

verstiften

DWB

verstiften , verb. 1 1) zu stift ' runder, spitzer körper ': verstiften ' mit stiften versehen und befestigen ' Campe ; die enden der griffe…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „stiften". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stiften/dwb?formid=S47012
MLA
Cotta, Marcel. „stiften". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stiften/dwb?formid=S47012. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stiften". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stiften/dwb?formid=S47012.
BibTeX
@misc{lautwandel_stiften_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„stiften"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/stiften/dwb?formid=S47012},
  urldate      = {2026-05-13},
}