spur,
f. vestigium. 11)
formelles. spur
steht neben dem gemeingermanischen neutr. spor (
theil 10, 1, 2674
f.),
welches den durch niedertreten oder -stoszen gebildeten eindruck des fuszes im boden bezeichnet, und mit dem das verbum spüren (
s. d.)
in engster beziehung ist. zu diesem verbum wird das substantiv ahd. spurunga,
handlung des spürens, spürung (Graff 6, 356)
bezeugt; daneben musz es auch ein ahd. nicht bezeugtes *spurî
und *spura
gegeben haben, von denen ersteres mit spurunga
gleichsinnig war, das letztere mehr die art und fähigkeit des spürens ausdrückte. beide bildungen sind seit dem mhd. als spüre, spür
und als spur
bezeugt: die erstere noch bis ins 16.
jahrh.: der jeger machte sich mit seinen hunden auff die spür nach holtze zu. Spangenberg
jagteufel (1560) D 3
b;
besonders in festen verbindungen, die den alten ursprünglichen begriff der handlung des spürens bewahren, auf der spür stehn, spür auf einen haben: (
er) hat sein spür jetzt auff die pöden, dan im keller. H. Folz
in den fastn. sp. 1292; ich wil die weil stehn auf der spür, ob iemandt gieng wider und für. H. Sachs 3, 2, 212
d; siehst du nit, das hausz ist verhütet mit den kriegsleuten umb die thür, die haben all auf dich jr spür. 4, 1, 11
b; heint öffn ich dir die kammerthür, darauff der ritter hett sein spür. 4, 2, 5
a; deshalb soll im krieg ein hauptman augen und ohren offen han auff den feind haben gute spür. 5, 306
a; du sichst wol wie er mir zu setzt und allzeit hat auff mich sein spür: ich darff kein tritt thun für die thür.
dessen fastn. sp. 4, 90, 27
Götze; (
nun will ich) am thennen stehn in die holtzkammer und auff den pfaffn haben mein spür (: thür). 96, 214;
andererseits aber hat spüre, spür
schon eher sich in den sinn des neutrums spor
verloren, vgl. vestigium fuoszspür Dief. 616
b; nû het der edel keiser für sich mit suoch gemachet, als ûf niuwer spür ein edel hunt, den man nâch wilde henget.
Lohengrin 5542; sniudeln (
thoren) und mundaffen mich dunkt, du rîtest ûf der spür (: vür).
Virginal 320, 9; Wolfhart, nû rît du balde vür, wir sîn ûf der rehten spür. 666, 5; ich hân gehaget (
einen wildzaun gemacht) und wil jagen, die spüri wil ich nieman sagen.
liedersaal 3, 637, 8;
[] und so noch im 16.
jahrh.: wie ein schiff auf den wasserwogen dahin leufft, welches man, so es furuber ist, keine spür finden kan (
non est vestigium invenire vulg.), noch desselbigen ban in der flut. oder wie ein vogel der durch die lufft fleuget, da man seines weges keine spüre finden kan (
cujus nullum invenitur argumentum itineris vulg.).
weish. Sal. 5, 10. 11; da kam ich (
ein wolf spricht) auff eins hundes spür, der war gelaufen kurtz vor mir. B. Waldis
Esop 4, 49, 27.
das fem. spur
zeigt seine alte bedeutung der spürkraft noch bei Lichtwer: es lebt aus Reineckens geschlechte ein jung und eitler abkömmling, der oft mit mehrerm glück als rechte der schnellen hunde spur entging.
s. 90 (
fab. 3, 6); der schnupfen, der mich plagt, benimmt mir alle kraft, das wildpret auszuspüren, deswegen könntest du mich führen; es mangelt dir nicht an der spur.
s. 123 (
fab. 4, 4);
aber auch hier tritt vermischung mit spor
nach bedeutung und form ein, indem spur
dasselbe besagt wie spor:
vestigium fuoszspure, fuoszspur Dief. 616
b; auf rehter spur des hirzen vart. Suchenwirt 18, 18;
und theilweise auch das neutrale geschlecht von spor
annimmt: auff dem spur, den sie gegangen. Thurneisser
magna alchymia (1583)
vorrede 2; wie ein frisches wind das spur der schlauen hinden, durch berge, busch und thal mit riechen weisz zu finden. Rachel
sat. ged. s. 19, 109
Drescher; das neutrale geschlecht schlägt auch in das masculine um (
man denkt an synoymes tritt,
s. d.): such den spur. Paracelsus
opp. 1, 626 B;
mit dem plur. spüre, spür: vertrit die alten spür! (: für). O. v. Wolkenstein 44, 31 (
s. 122)
Schatz; endlich entsteht ein feminines die spor: uf die recht spor kommen.
Zimm. chron. 1
2, 272, 27; ich hoff nimmer uf die spor, darauff ich bin gewesen. 4
2, 231, 3.
vgl. über die mannigfaltigkeit der formen auch gespor
theil 4, 1,
sp. 4158
f., gespur, gespür
sp. 4173.
das schwanken beginnt im 17.
jahrh. sich zu verlieren und seit dem 18.
hat das fem. spur
sich für die schriftsprache die alleinige herrschaft erobert. 22)
die bedeutung des wortes geht zunächst auf den hinterlassenen eindruck der fusztritte eines wildes oder menschen, im collectiven singular: spur,
f. vestigium Schottel 1420. 2@aa)
beim wilde, als technischer ausdruck der jäger: spur bedeutet eben das, was färthe heisset. spur aber wird am meisten vom geklaueten wildpret, als dem hasen, luchs, wolf, dachs und dergleichen gesagt. Heppe
leithund 113; die schweine haben ihre spuhr gröszer und mehr geschlossen als die säue. Hohberg 2, 619; das männlein (
unter den rehen) hat einen stärkeren fusz ... als das weiblein, welches eine hohle und auswärts gewandte spuhr hat. 624
b; wegen seiner (
des tigers) spuhr und gefährd hat man ... bey uns wenig nachricht, auszer, dasz sie ... der katzen art nach solche an ballen und klauen ... formiren sollen. Fleming
teutscher jäger 86
b; (
es ist notwendig, dasz ein jäger) den fusz oder die spuhr eines jeden thiers, das über einen weeg hingegangen, und die form oder gestalt eines fuszes allda mithin eingedruckt, oder hinderlassen, zu erkennen wisse: und ist solche spuhr gar leicht zu beobachten, wann entweder ein schnee liget, oder die erden weich ist, oder auch wann es vorhero einen kleinen regen gethan, und absonderlich frühe morgends, ehe noch einige menschen, oder das auszgetribne vieh darüber gewandlet; als wordurch sonsten der wilden thier spuhr vertretten wurde.
adelicher zeitvertreiber 4, 6
f.; ebenso in allgemeiner sprache, besonders in festeren verbindungen, auf die spur kommen, geraten, auf der spur sein, ein wild auf der spur haben; man findet keine spure von wilde,
nullius ferae vestigium exstat. Steinbach 2, 650; der hund laufft der spur nach,
canis investigat. ebenda; das wild auff der spur fangen,
feras indaganter capere. ebenda; der spur nach das wild fangen,
indaganter feras capere. Hederich 2124; die hunde sind mir auf eine falsche spur gerathen. Weisze
kom. opern 1, 107; deine gedanken eilen gerade vorwärts, wie der hund auf der spur eines hirsches. Freytag
ahnen 1, 170; alsdann in (
den hunden) erst die waffel schaumt, und kommen auf die spur ungsaumt. Fischart
glückh. schiff 378;
[] wo (
sind) die augen, falkenhelle, die des rennthiers spur zählten auf des grases welle, auf dem thau der flur. Schiller 11, 234 (
nadowess. todtenklage); eines wildes spur entdecken, verfolgen, verlieren, eine spur verwischen: wie der löw sein spur mit dem schwantz selbst verschlägt.
Garg. (1590) 534; die spur (
der thiere in die höhle des löwen) ist wol hinein gericht, aber keine herausz nicht sicht. 441; mit leichten läuften streicht jetzt ein heer gefleckter hindinnen, und hirsche, mit ästen gekrönt, durch grüne, rauschende büsche, setzt über klüfte, gewässer und rohr.moräste vermissen die spur der fliegenden last. E. v. Kleist
werke 1, 171
Körte (
frühling 273); einem wilde, raubthiere auf der spur jagen,
seine fährte verfolgend: wenn wir zusammen oft dem wilde nach durch berg und thäler rannten, und dereinst an brust und faust dem hohen ahnherrn gleich mit keul und schwert dem ungeheuer so, dem räuber auf der spur zu jagen hofften. Göthe 9, 31 (
Iphig. 2, 1);
bildlich: ich habe ein ganz ander wildpret auf der spur. Lessing 1, 244 (
j. gel. 2, 3); hr. Klotz kann staat darauf machen, dasz ich mich so bald von seiner spur nicht will abbringen lassen, er mag auch noch so viel seitensprünge versuchen. 12, 208; herr von K. ist in Hamburg, und geht in allem ernste darauf um, eine reiche frau dort aufzujagen. er hat auch schon wirklich etwas auf der spur. 359. 2@bb) spur,
anzeichen der fusztritte eines menschen: wann jemand an einen ort kam, da ich die schuhe verwechseln lassen, sahe es nicht anders in der spure, als wann zwo partheyen allda zusammen kommen, auch mit einander wieder verschwunden wären.
Simpl. 1, 245
Kurz; so waren ohn das meine gänge, wann es eine spure hatte, viel verwirrter, als in einem irrgarten, also dasz es denjenigen die mich vermittelst der spure hätten auskündigen oder sonst nachjagen sollen, unmüglich gefallen wäre, mich zu kriegen und in ihr netz zu bringen. 246; der alte ... zeigte ihnen eine ziemlich frische menschenspur auf dem boden. mehrere konnten sie nicht finden, und so glaubte der alte, ohne fürchten zu müssen, auf räuber zu stoszen, der spur nach gehen zu können. Novalis 2, 102
Meiszner; an deiner spur sehe ich, dasz du von unserm volke bist, denn die spitze des fuszes strebt auswärts und stark drückt der ballen. Freytag
ahnen 1, 9; der schatten ist klein geworden, er deckt nicht mehr die spur eurer füsze. 109; das schnobern nach der spur seines herrn hemmt die schnelligkeit seines (
des hundes) laufes. Vischer
auch einer 1, 249; eines mannes spur im sande, die von dem linken eingang dieser laube nach einer grotte sich verlor. Schiller 5, 2, 283 (
don Karlos 3, 3); erst eil ich nach dem thor, das rettung uns gewährt, und meiner tritte spur musz mir den rückweg zeigen. 6, 381 (
zerstörung Trojas 127);
Faust. für was hältst du das thier?
W. für einen pudel, der auf seine weise sich auf der spur des herren plagt. Göthe 12, 62; find ich im schnee, ihr herrn euch eine spur — was find ich euch für eine spur im schnee? rechts fein und scharf und nett gekantet immer, ein ordentlicher menschenfusz, und links, unförmig grobhin eingetölpelt, ein ungeheurer klotzger pferdefusz. H. v. Kleist 3, 150 (
zerbr. krug 11). 33)
erweiterung der bedeutung vollzieht sich, wenn dieses spur
auch den hinterlassenen eindruck von anderem, als getretenem bezeichnet: spur eines wagens, schlittens; die spur der räder läuft im sande;
bei fuhrleuten spur halten,
genau in der bahn eines vorausgegangenen wagens bleiben, auch spur fahren; halbe spur fahren,
mit den rädern auf einer seite des wagens zwischen den beiden gleisen und mit den rädern auf der andern seite auszerhalb desselben fahren. Campe,
vgl. auch wagenspur
th. 13, 474; er (
der postillion) wisse nicht wo wir wären, könne keine spur sehen. Göckingk
an Bürger 1, 267
Strodtmann; wenn aber der weg nur einiger maszen in ordnung ist und durchaus kein wagen die spur des vorhergehenden hält, so kann kein gleis und kein einschnitt entstehen. Seume
spazierg. 1, 111;
auch in freier anwendung: die weisheit, die ihn führt, hält deiner tugend spur. Besser
schriften (1720)
s. 378; bei den pferdemühlen müssen die pferde immer in einer und ebenderselben spur bleiben. Adelung;
[] jene gewaltigen wetterbäche ... ihres laufes furchtbare spur geht verrinnend im sande verloren. Schiller 14, 25 (
braut v. Mess. v. 250); hatte ... die spur verloren, die mich hierher führte. Thümmel 2 (1791), 78. 44)
auch weniger sinnlich, der hinterlassene eindruck eines menschen nach seinem aufenthalt, wesen, seiner erscheinung, wirksamkeit: keine spur von einem wahrnehmen,
non videre vestigium alicujus. Steinbach 2, 650; keine spur wo von sich lassen,
non relinquere vestigium sui in aliquo loco. ebenda; bis itzt ist es unmöglich gewesen auf ihre (
der verschwundenen Lais) spur zu kommen. Wieland 36, 20 (
Aristipp 4, 2); ich denke ich bin auf der spur. 8, 295 (
Danischmend 37); man fand nirgendwo die geringste spur. Heinse
Ardingh. 1, 157; die polizei ist einem verbrecher auf der spur; sie haben uns die spur abgelauert — rings ziehen ihrer etliche tausend einen kordon um den mittlern wald. Schiller 2, 97 (
räuber schausp. 2, 3); er war durch einen sehr sonderbaren zufall den thätern jener nächtlichen miszhandlung auf die spur gekommen. Göthe 18, 314 (
lehrjahre 3, 11); nur kurze zeit werden das zertretene stroh und die ein-; gegrabenen kochlöcher noch eine spur zeigen; dann wird .. die gegenwart so vieler tausend rüstigen menschen in dieser gegend ... nur noch in den köpfen einiger alten leute spuken. 19, 3 (4, 1); unterrichtete ihn, wie er die drei musikanten sich merken und ihre spur verfolgen müsse. Keller 7, 168; wie er Lucretias verschwinden spät bemerkt, dann aber gleich sich aufs pferd geworfen und die reisende mit leichtigkeit von spur zu spur verfolgt habe. C.
F. Meyer
Jenatsch s. 17; dasz man ... dem verräther des mobilmachungsplans auf die spur kommen wolle. Freytag
erinn. 258; scheelsucht käme dann uns auf die spur. Götz 3, 7; vom kleinsten bis zum gröszten geht alles seinen gang, bringt alles auf die spur des gröszten wesens und des besten. Gleim 7, 168; wo erruft sie meine stimme? wie entdeck ich ihre spur? Gotter 3, 449; schnell ware ihre spur verloren, sobald das mädchen abschied nahm. Schiller 11, 197; Titan, deine strahlen alle sandt' ich nach der theuern spur (
des kindes). 199; ist mir nichts von ihr geblieben, nicht ein süsz erinnernd pfand, dasz die fernen sich noch lieben, keine spur der theuren hand? 201; und auf ihrem pfad begrüszte irrend nach des kindes spur, Ceres die verlaszne küste. 292; eher nicht beschlieszt er umzukehren, bis er Heliodorens spur gefunden und die spur des räubers, sollt' er jagen bis zum fernsten Indien. Platen 333
a (
Abbasiden 5, 131); du kamst, du giengst mit leiser spur, ein flüchtger gast im erdenland. Uhland 118 (
auf den tod eines kindes). 55)
ferner die deutlich merkbar haftenden anzeichen von zuständen, thätigkeiten, dingen: spur eines verbrechens, eines schlages, einer miszhandlung; spur des alters; der lange verweilende kusz auf ihren entblöszten arm, dasz noch die spur seiner zähne im flammenrothen fleck zurückblieb. Schiller 3, 9 (
Fiesko 1, 1); bei ihrem jetzt den siebzigern nahen ehemann begann schon das greisenalter seine leise spur zu ziehen. Storm 4, 297; (
die heere der sterne) zeigen von des schöpfers macht in der wirkenden natur, uns die allerklärste spur. Brockes 5, 241; den rost der welt, der leidenschaften spur, hat längst der flusz der zeit von ihr hinweg gewaschen. Wieland 23, 79 (
Oberon 8, 15); ihn hält in schranken nur das deutliche gesetz, und der gebräuche tiefgetretne spur. Schiller 12, 327 (
Wallensteins tod 4, 2); viele tage gehen vorüber, ohne eine spur hinter sich zu lassen. Novalis 1, 36
Meiszner; hinter mir blieb der gärten, der hecken vertraute begleitung, hinter mir jegliche spur menschlicher hände zurück. Schiller 11, 90 (
spazierg. 177); ihr alle fühlt geheimes wirken der ewig waltenden natur, und aus den untersten bezirken schmiegt sich herauf lebendge spur. Göthe 41, 19 (
Faust II, 1); es kann die spur von meinen erdentagen nicht in äonen untergehn. 321 (II, 5);
[] in festeren verbindungen, die da sehen lassen, dasz auch hier im hintergrunde die vorstellung von jagd und verfolgung steht: auf der spur sein,
vestigia persequi, auf die spur kommen,
rem odorari, in vestigia currere. Stieler 2109; aber was für eine unternehmung kann denn das sein? ... ich denke ich bin auf der spur. Wieland 8, 295 (
Danischmend 37); auf eine neue spur geleitet (
für den bezug besserer waren). Möser
patr. phant. 1, 11; wenn ich die spur finden sollte, woher diese widersezlichkeit stammt? Schiller 3, 386 (
kab. u. liebe 1, 7); ein gewisses gerücht, dem ich auf die spur gekommen bin. 4, 347; um diesem verdacht näher auf die spur zu kommen. Göthe 18, 315 (
lehrjahre 3, 11); wie lange ich schon dieser entdeckung auf der spur war, und wie ich doch erst jetzt zur gewiszheit kommen konnte. 20, 231 (8, 6); helfen sie mir auf die spur wegen des jungen mannes. 292 (8, 10); ich suchte jede spur auf, die sich von dem charakter Hamlets in früher zeit vor dem tode seines vaters zeigte. 19, 27 (4, 3); doch kommt man freilich, nach und nach, auch in Frankreich auf die spur, dieses stück nach seinem wahren werthe zu schätzen. 36, 192; auch hier ist der sonderbare mann (
Göthe) der natur auf die spur gekommen und hat ihr einen artigen kunstgriff abgemerkt. Novalis 3, 40
Meiszner; (
Luther hat) gemeint, dasz Jeremia ... hier die übrigen frommen mit sich zugleich einschliesze; wozu aber an diesem orte wohl die spur fehlt. Hirschberger
bibel (1846)
zu Jer. 15, 15
ff.; wie kommt man oft auch bei denen, die fromm sein wollen und nie fehlen im hause des herrn, so viel häszlichem geiz, so viel unchristlichem mammondienst auf die spur. Gerok
psalmen 1, 132; wenn ein günstiger zufall auf dieser spur zu der handschrift leitet. Freytag
verl. handschr. 1, 17; sich des gestrigen vorfalles erinnernd, verfiel er ... endlich auf die richtige spur. Keller
werke 4, 117; ob noch eine andere bedeutung zu grunde liege, darüber habe ich lange vergeblich geforscht, glaube aber jetzt auf der richtigen spur zu sein. Vischer
auch einer 1, 116; ohne spur verschwunden. C.
F. Meyer
Jenatsch 158; kommst du aber auf die spur dasz du's nicht getroffen, zu der wahren kunstnatur steht der pfad schon offen. Göthe 3, 126; (
es) blieb doch nur vom besten wollen halb und halbe spur. 137; da seyd ihr auf der rechten spur. 12, 94 (
Faust I); sie gehn den flämmchen auf der spur, und glaub'n sich nah dem schatze. 229; den schätzen war ich auf der spur. 41, 215 (
Faust II, 3); spur haben von etwas: 'ei', sagte kopfschüttelnd der pfarrer, 'da fürcht ich, er richtet mir mit seinem branntwein mehr schaden an, als mit seinem gered!' so arg is's nit, hochwürden; und besonders, seit dö kramerin spur davon hat, werden die kleinen herzstärkungen immer seltner. Anzengruber 5, 80; vom guten hab' ich sichre spur, vom beszren leider nicht. Uhland
ged. 89; spur sehen, ergreifen: ich sah die spur (
der roheit) auf den entweihten wangen. Grillparzer 1
5, 231; wer ist es, der den geist und die natur, wie er (
Göthe) ergreift auf ungetrennter spur? Hebbel
ged. 7, 111; eine spur tilgen, verwischen; ja wohl würden wir eine zweyte kindheit antreten, wenn wir zur tabula rasa geworden, und nach ausgetilgter spur früherer grundsätze, die anfänge einer neuen welt wieder hervorzulocken unternähmen. Göthe 53, 153; und kehren wir zurück, so haben sie von diesem raschen eindruck die letzte spur vertilgt. 9, 169 (
Tasso 2, 5).
in diesen beispielen schon in die bedeutung unten 7
verlaufend. 66)
zu den bedeutungen 2
bis 5
hat sich seit dem 17.
jahrh. ein vereinzelnder plural spuren
eingefunden, der aber in technischer sprache der jäger (
vgl. 2,
a)
nicht statt hat: und ich machte darauf ein groszes lärmen im dorfe, dasz ich die menschen erregte, die spuren des wolfes zu finden. Göthe 40, 50 (
Rein. fuchs 3, 320);
meist, wenn das wort in freierer verwendung (4. 5)
ist: nämlich eines der indianischen mädchen zog ihn unwiderstehlich hinüber, dasz er seine ganze siegreiche vergangenheit vergasz und einem neuling gleich auf den spuren einer wilden umher irrte. Keller
sinngedicht 359; er liesz seine augen umher gehen an den wänden und zählte alle die vertrauten spuren von den vielen gesellen, die hier schon gewohnt kürzere oder längere zeit
werke 4, 244;
[] ich bin entdeckt, ich bin durchschaut — wie kam der unglückselige auf meine spuren! Schiller 12, 518 (
M. Stuart 4, 4); da der herr noch kraft verleihet, will ich alle seine (
meines gatten) spuren einmal noch in fels und fluren fromm besuchen. Tieck 1, 230; drum haben die obskuren und argen ihn gehaszt. sie folgten seinen spuren, verhetzten ihm die rast. Freiligrath 3, 46; spuren von wunden, schlägen; ruhmlose wunden auch birgt das hemde, die spuren der streiche, die den rücken bedrängten. Freytag
ahnen 1, 46;
unsinnlicher: ich habe ... diesen spuren der vorsehung oft mit tiefer ehrfurcht, obgleich mit einem innerlichen schauer, nachgedacht. Gellert 4, 360; (
er wird) viel bemerken, aber wenig ergründen; auf mancherley spuren gerathen, aber keine verfolgen. Lessing 11, 457; finden sich gleich auch viele solche mühlen in privathänden; so finden sich auch so viele spuren alter zersplitterter gerichtsbarkeiten und ämter, dasz man auch die mühle für einen solchen alten splitter ansehen kann. Möser
patr. phant. 2, 275; zieh hin! und find auch da der vorsicht goldne spuren, um dich besorgt, von dir verehrt. Lessing 1, 92; in der jugend ist ihm ein froher gefährte der leichtsinn, der die gefahr ihm verbirgt, und heilsam geschwinde die spuren tilget des schmerzlichen übels, sobald es nur irgend vorbeizog. Göthe 40, 238. 77)
in der bedeutung des nachgelassenen eindrucks und anzeichens tritt uns von vorn herein die vorstellung des geringen, kleinen, eben noch merkbaren entgegen, die in verschiedenen wendungen besonders scharf ausgeprägt ist. 7@aa)
im sing. spur,
besonders in den festen verneinenden formeln keine spur, nicht die geringste spur, nicht die blasse spur: auch in dieser ist nicht die geringste spur von der didaktischen klugheit. Lessing 6, 254; man fand abscheulich, ... dasz in der groszen welt keine spur von natürlichem und herzlichem umgang zu finden sei. Göthe 19, 17; hier sasz das wärzchen; sie sehen keine spur mehr davon. er sahe keine spur, aber er sah ihr ins auge. 20, 41; es ist immer ein hübscher bursche, aber keine spur von mir. 29, 8; feen ... von denen keine spur mehr existiert. Novalis 1, 57
Meiszner; sie ist schon wieder ganz bei besinnung, und die schwäche abgerechnet ... ist in diesem augenblick wenigstens keine spur von gefahr. Hauff 11, 11 (
die sängerin 2); der (
Bugsinger wald) hatte seinen namen von einer ortschaft auf dem berg, von welcher heutzutag die spur nicht mehr vorhanden ist. Mörike
erz. 169; nirgends auch die blasse spur von ahnung der eigentlichen intention des tiefsinnigen dichters. Vischer
auch einer 1, 96; was menschen schönheit nennen, ist doch nur staub, verwesung nur! das schönste, was wir hier erkennen, hat desz was dort ist, keine spuhr. J. C. Lavater
handbibtiothek 1790, III, 17; da war auch keine spur von neugier und verstand, nichts ging in seinen kopf, nichts ging ihm von der hand. Wieland 18, 130; sieh, deine zeit fliegt hin, und läszt dir keine spur dahier von ihrem gleis. Gleim 5, 332; du hast wohl recht; ich finde nicht die spur von einem geist, und alles ist dressur. Göthe 12, 63; zunächst der schwefel .. hier, bey diesen Griechen ist von dergleichen kaum die spur zu riechen. 41, 154; keine spur von donnern ... wahrhaftig, kein gedanke! Schiller 1, 322 (
Semele v. 254); und doch in ihrem aug' nicht eine spur der freude. 5, 6 (
dom Karlos 1, 1); ich sehe mich wie unter fremden menschen.keine spur von meinen vor'gen wünschen mehr und freuden. 12, 134 (
Picc. 3, 3); keine spur wird übrig bleiben, was die väter auch gethan. Grillparzer 3, 9;
ungewöhnlich keine spur
von der völligen abwesenheit einer möglichkeit zu handeln: er stutzt.was soll er thun?zur flucht ist keine spur. Hagedorn 2, 38;
auch auszerhalb solcher formeln im sinne des kleinen merkzeichens: eh ihr sie ins grab müszt senken, gebet mir die locke nur, gönnet meinem angedenken diese einzge dunkle spur. Rückert 96; das wechselspiel von blüten, früchten, garben war hinter mir geschwunden spur um spur (
kaum merklich). 301.
[] 7@bb)
im plural spuren: spuren ehemaliger schönheit;
in wissenschaftlicher sprache: im wasser befanden sich spuren von kalk (
eine wegen ihrer kleinheit nicht mehr bestimmbare menge); man hat die spuren vom gifte an dero cörper wahrgenommen,
quae solent esse indicia et vestigia veneni, in illius mortuae corpore fuerunt. Hederich 2124; sein kurzes aufgelaufnes haar gab indessen seinem gesichte, bis auf etliche spuren von kummer, die aus seinen augen nicht vertrieben werden konnten, ein unerschrocknes ansehn. Gellert 4, 405; des zergliederers messer findet ja keine spuren von wunde oder korrosivischen gift. Schiller 2, 59 (
räuber schausp. 2, 1); wirst du auch die welken lippen, die bleichen wangen mit zärtlichkeit an deine lippen drücken? werden die spuren des alters nicht die spuren der vorübergegangenen liebe seyn? Novalis 2, 160
Meiszner; seine frau, welche spuren von kindlichkeit zeigt. Brentano 9, 286; spuren uralter cultur. Freytag
bilder 1, 67
anmerkung; es sind spuren erhalten von noch älterer strenger volkssitte. 87; die farben und abzeichen der einzelnen stämme und ihrer häuptlinge sind uns bis auf wenige spuren verloren. 136; solch innige verbindung zweier männer begegnet einige male in der deutschen heldensage, spuren davon haben sich im volk bis zur neuzeit erhalten. 2, 1, 6; Erwin küszte die erwachenden spuren eines neuen geistes ihr von augen und mund. Keller 7, 86; die dame des hauses, fast jung noch, aber die spuren vergangenen leides in dem blassen gütevollen angesicht. Storm
ges. schr. 6, 60; ineinander zukender naturen ach! nur matte spuren. Schiller 1, 283; ein blick auf frühlingsfluren söhnt stracks uns mit dem leben aus und löscht des tiefsten kummers spuren sogleich aus sinn und busen aus. Novalis 1, 195
Meiszner. 88)
andrerseits aber kann spur
als quantitätsbegriff ein völliges, reichlich merkbares bezeichnen, mit verdeutlichendem adjectiv: die natur hat reichlich bracht hieher (
auf die wangen der jungfrauen) in einer vollen spur die gaben ihrer kunst. Logau 2, 63, 57; es ist kein einzger hier, dem sie nicht wohlgethan, der nicht an sich, in haus und feld, an gut und bei den seinen, von ihrer milde reiche spuren trägt. Grillparzer 3, 238. 99) spur,
in dem sinne solches merkzeichens, aber nun deutlich auf die zukunft weisend, und eine zu verfolgende bahn betonend: auf einigen spuren seiner menschenphilosophie ist augenscheinlich Rousseau sein führer. Herder 2, 276
Suphan; die frage wäre nun, wie schafft man auf seiner (
Shakespeares) spur dankbare rollen? Ludwig 5, 118; und auf der spur des Griechen und des Britten ist er dem bessern ruhme nachgeschritten. Schiller 11, 322;
auf den anfang eines weges, einer entwickelung bezogen: wenn wir mit trunknen blicken an dir hangen, als zög ein neuer stern die erste spur. Hebbel
werke 8, 26;
im plur.: viel böses kümt gegangen vielmal ausz guten spuren; ausz engeln werden teuffel, ausz jungfern werden huren. Logau 3, 195, 22. 1010) spur,
aus der bedeutung des merkzeichens in die handlung des fliehens selbst übergegangen: ach lasz dich nur zum bleiben, wo du nicht anders willt, durch meine seufzer treiben, durch meiner thränen flusz.halt ein die schnelle spur! Postel
Wittekind (1724)
s. 196 (7, 1271);
dann auf den gewiesenen pfad, weg bezogen, den man dauernd verfolgt, eigentlich und bildlich: daher auf deiner wahrheit spur fortfahrend, bin ich, mein gewissen rein zu behalten, sehr geflissen. Weckherlin 114; und euch hat eures fleiszes spur der heimlichkeiten der natur, die jemal würdiglich vermehret, gewehret bald, und ganz erkläret. 548; er treibt philosophey, die auff die kunst zu lügen gibt regel und gesetz, die schicken, schmügen, biegen um zu gefallen lehrt, die allen fluch und schwur dem wasser und der lufft heist geben in die spur. Logau 3, 245; der ehstand ist zur zeit dem uhrwerck zu vergleichen, das nach dem weter oft von rechter spur wil weichen. 1, 105, 40; (
es) war keiner, der verharren und ferner fechten wollt': ein jeder suchte nur die freyheit in der fern', im fliehn des lebens spur. Postel
Wittekind s. 292 (10, 602);
[] drum, liebes paar, zagt nicht! eilt auf beblümter spur zum altar. Gotter 1, 81; süsze, heilige natur, lasz mich gehn auf deiner spur, leite mich an deiner hand. Stolberg 1, 113; nachahmung der natur — der schönen — ich ging auch wohl auf dieser spur. Göthe 3, 124; doch furchtbar wird die himmelskraft wenn sie der fessel sich entrafft, einhertritt auf der eignen spur (
den weg sich selbst bahnend) die freye tochter der natur. Schiller 11, 310; es ist nicht lange her, da gieng ich jagen durch die wilden gründe des Schächenthals auf menschenleerer spur. 14, 341 (
Tell 3, 1); als es des schäfers sein mutter erfuhr (
dasz der sohn gefangen war) ... da macht sie früh sich auf die spur.
wunderhorn 1, 258
Boxberger; ists möglich, ein geschöpf in der natur zu sein, und stets und wiederum auf falscher spur zu sein? Platen 84
b (
ghaselen 113); auf die spur helfen,
auf den richtigen weg: unsere ehrlichen altvordern mögen wohl nicht so unrecht gehabt haben, wenn sie glaubten, dasz ein guter genius ... sich damit abgebe, einen ehrlichen kerl in Danischmends umständen auf die spur zu helfen. Wieland 8, 24. 1111) spur,
in technischer sprache. 11@aa)
im straszenwesen die weite eines weges in rücksicht auf das ihn befahrende fuhrwerk, und der abstand des räderpaares eines wagens von einander: durch das dorf selbst ist der weg schlecht und enge spur, hinter demselben aber hat man, vor kurzem, den weg bergauf dergestalt verbreitert und mit quergelegten holzstämmen zur ableitung des wassers eingerichtet, dasz er gar wohl verhältniszmäszig für gut gelten kann, wenigstens leidet eine breitere spur keinen anstosz. Göthe 51, 107; der bald auf-, bald absteigende weg ist schlecht und hier findet man wieder enge spur. 108; einen wagen auf schmale, breite, weite spur bauen; hierbey fällt mir ein, ob sie nun auch den Wiener wagen behalten wollen? er ist ungemein bequem. sagen sie mirs in antwort, so lasse ich ihn zur weiten spur einrichten. E. König
bei Lessing 13, 570; dem Wiener wagen lasse ich weitere spur geben. 573.
bei eisenbahnen abstand der schienen des geleises: normalspur, schmalspur; doppelspur
bei zweigeleisiger bahn. 11@bb)
vertieftes, eingedrücktes verschiedener art. 11@b@aα)
beim bergbau spur
das durch die schieszpflöcke gebohrte loch zur durchführung des zünders; der zwischenraum zwischen den das hundegestänge bildenden brettern, in welchem der spurnagel läuft; die erste vertiefung, welche zum zweck des abbohrens eines sprengbohrloches in das gestein eingehauen wird. Veith 457. 11@b@bβ) spur
im hüttenwesen, was spor,
theil 10, 1, 2676. 11@b@gγ) spur
im deichbau, loch für den untersten soden der besodung. 11@b@dδ) spur
im schiffbau, hölzernes oder eisernes zapfenloch, viereckig oder rund, in das ein häufig ebenfalls spur
genannter spurzapfen eingesetzt wird. Stenzel
deutsches seemänn. wörterb. 395
a. 11@b@eε)
anatomisch: auf der rechten seite und gegen die mitte befindet sich (
im rechten vorhofe des herzens) ... die spur des eirunden loches (vestigium foraminis ovalis). Mechel
anat. 3, 32.