see,
m. f. groszes stehendes gewässer, lacus, mare, oceanus. II.
formales. I@11) see
ist ein gemeingermanisches wort; es findet sich in allen germanischen sprachen durch alle perioden: got. saiws,
m. (
dazu marisaiws,
beides für λίμνη);
altn. sjár, sjór, sær,
m. (
gen. sjáfar, sjófar, sǽfar,
auch sjós, sæs),
norw. sjo, sjø,
auch sjaa, sæ, sy, sjy,
m. Aasen 654
b,
schwed. sjø,
m. (
mundartlich sjög, sè, sju, si Rietz 574
b),
dän. sø;
ags. sǽ,
m. f. (
gen. sǽs, sǽes, sæ, sǽwe, séo),
vergl. zeitschrift für d. alterthum 9, 219;
daraus engl. sea,
vgl. Skeat 536
b;
altfries. se,
m. (
gen. sees),
neufries. sae, see,
nordfries. sie, seie Richthofen 1001
b;
alts. sêo, sêu,
m. (
im Heliand, ebenso in den altnfr. psalmen für mare),
mnd. se,
f. Schiller-Lübben 4, 161
b,
mnl. see,
f., holl. zee,
f., vgl. Franck 1196;
ahd. sêo,
mhd. sê.
aus dem urnord. ist finn. saivo '
klare stelle im see'
entlehnt, vgl. Thomsen
s. 57. 168.
während man hiernach einen a-
stamm erwarten würde (
wie in sanskr. séka,
s. u.),
scheinen die altn. und die ags. wortform einen i-
stamm zu verlangen, bei dem auch der geschlechtswechsel (
s. unten 2)
leichter seine erklärung fände (
vgl. auch den ahd. instr. ze demo sêuuiu
denkm. nr. 64, 2, 13).
während meer
den westlichen und nördlichen Indogermanen gemeinsam angehört, ist see,
wenigstens in dieser bedeutung, dem germanischen eigenthümlich. die etymologie ist nicht mit sicherheit zu geben. doch ist die früher übliche zusammenstellung mit der sanskr. wurzel su (Skeat
a. a. o.),
oder mit lat. saevus,
griech. αἰϜόλος (
s. z. b. Franck
a. a. o.)
jedenfalls aufzugeben, da das w
in *saiwiz
nach maszgabe des ahd. gisig (gesich, gesik,
stagnum, palus Graff 6, 131,
vergl. auch nd. sek?,
sumpf, niederung, by dem Gosedickes zege dale
nd. korrespondenzbl. 15, 96)
aus gw
hervorgegangen zu sein scheint. viel wahrscheinlichkeit hat daher die vergleichung mit sanskr. séka
ergusz, avest. frašaêka,
s. Fick3 3, 313. Noreen
bei Paul-Braune
beitr. 7, 439 (
und urgerm. lautl. 179). Osthoff
ebenda 8, 258. Kluge
5 344
a. Uhlenbeck
etym. wb. 121.
das wort würde dann zu indogerm. seikô
gehören, ebenso wie seihen, sinken (seichen?),
s. diese. I@22)
das geschlecht ist ursprünglich in allen german. sprachen masc., weicht aber im westgermanischen später in das fem. aus. so sind schon im ags. beide geschlechter gleich häufig. während im altnd. sêo
ausnahmslos noch masc. ist, ist im mnd. das fem. durchgedrungen (
doch findet sich noch ein genitiv sees, zees
in der formel weke sees
als wegmasz, s. Walthers
gloss. zum seebuch s. 112
a),
ebenso im mnl. länger hält sich das masc. im hochd., hier ist es noch in mhd. zeit weitaus überwiegend; das fem. findet sich (
mit éiner ausnahme, s. unten)
nur mitteldeutsch (
der älteste beleg vielleicht Rother 810,
s. unten II, 1,
d).
nhd. stehen beide geschlechter gleichberechtigt, doch mit differenzierter bedeutung neben einander: der see
bezeichnet den landsee, binnensee, die see
das offene meer (
vgl. engl. lake
und sea).
diese scheidung ist schon im mhd. vorgebildet, insofern dort das fem. nur im letzteren sinne gesagt wird. ausgenommen ist nur eine stelle, die zugleich den einzigen oberdeutschen beleg des fem. bildet: ich wil sîn vergeʒʒen alsam daʒ entel der sê. Heinr. v. Beringen
ged. 1, 15 (
s. 356
Zimmermann).
sie findet sich ganz in der heutigen weise in der Livländer reimchronik, die gewöhnlich das fem. gebraucht (838. 1228),
dagegen für einen landsee das masc. (9926,
s. II, 1,
b, δ; umgekehrt hat Oswald v. Wolkenstein
gewöhnlich der see [
mare],
aber die schwartzen see 1, 2, 18,
vgl. Weber im glossar).
dies erklärt sich daher, dasz die hochdeutschen stämme des binnenlandes, die das masc. bewahrten, nur binnenseen kannten und demgemäsz auch das wort see
in diesem sinne verwendeten (
für ocean daher im ahd. mâreo sêo, wentilsêo
und ähnl., vergl. Grimm gramm. 3, 382),
während die meeranwohnenden Niederdeutschen unter see,
das bei ihnen zum fem. geworden war, eben so durchgehend das ihnen geläufige offene meer verstanden (
vgl. engl. sea
und lake).
man kann also die see
gewissermaszen als lehnwort aus dem niederdeutschen betrachten (
vgl. die angaben von Kramer
und Steinbach,
s. unten). Grimm
gr. 3, 382. Weigand 2, 678
f. I@33)
doch ist auch im nhd. die erwähnte unterscheidung erst sehr allmählich durchgedrungen; die ältere sprache kennt zwar auch das fem. neben dem masc., gebraucht aber beide ohne unterschied. I@3@aa)
die ältesten oberd. wörterbücher halten am masc. in der alten bedeutung fest: see,
lacus, lacusculus, dim. stagnum. zu eym see werden,
stagnare Dasypodius; see (der) still wasser,
stagnum, lacus Maaler 369
b;
dafür später gewöhnlich das fem. in beiden gebrauchsweisen; so zumeist in den nord- und mitteldeutschen wörterbüchern des 17.
jahrh.: see,
f. stehend wasser,
un lac, estang Hulsius 294
b; see,
f. lacus, stagnum, estang. it. mare. Schottel 1414;
vgl.: see, die,
plur. seen,
lacus, stagnum. Belgae autem ipsum mare appellant die see. Stieler 1990
und: see (die,
quibusdam etiam der,
plur. seen)
lacus, mare. Steinbach 2, 557.
einen unterschied macht zuerst Kantzow 2, 397: es hat aber in der rede dieszen unterscheid, das man dis meer (
die Ostsee) bey uns die sehe in feminino genere, und ein ander stehende waszer, den sehe in masculino genere sagt.
ferner: die schiffleute, wenn sie wollen etwas von frembden örtern über see herzuführen, so schiffen sie .. auf dem meer (der see). Comenius
sprachenthür 462;
daneben: der fischer fischet im see (weicher) den fischteich mit dem garn. 427
ebenso Corvinus
fons latin.: lacus .. ein sumpff, ein see, ein teich. 346
a;
stagnum eine wasserstehe, ein see oder teich, so keinen ausflusz hat. 634
b.
dagegen: oceanus reciprocus, die see so ab und zu fleust. 514
b;
praeesse classi, admiral seyn, (
qs. obrister
ad mare) zur see. 157
b.
ebenso Kramer
diction. 2, 729
b: see,
m. lago, it. stagno .. see,
f. (
voce presa dal fiamengo)
v. meer.
s. auch Frisch 2, 253
a. I@3@bb)
zuweilen stehen das masc. und das fem. ohne unterschied neben einander: also wanderten wir miteinander über berg und thal und kamen zu der Mummelsee.
Simplic. 2, 53, 18
Kurz; (
da) wolte ich auch probiren, was wahrheit an der sagmehr wäre, dasz ein ungewitter entstehe, wann man einen stein in die see werffe. 54, 2; solche probe nun ins werck zu setzen, gieng ich gegen der lincken hand an der see hin, an denjenigen ort, da das wasser .. wegen der abscheulichen tieffe des sees gleichsam kohlschwartz zu seyn scheinet. 7. 9 (
sonst hier immer fem., s. auch 53, 22. 24. 28. 54, 3. 18. 21. 55, 1. 17. 56, 3. 8. 12. 19. 22. 29
u. s. w.); da sie nun kamen auf die see ... ein wetter kam ... der see schlug an das schiff hinan.
Teuerdank cap. 64, 31—35
Gödeke (
überschrift: Teurdank der leid ein merklich not in einem tiefen tümpfel); darnach gieng Ulysses zum teich ... odr (
mein schiff) verbrant auch mitten im see ... ich fahr im schiff nicht ubr die see.
froschmäus. E 6
b f.; von dem ufer einer see krochen annoch abends späte eine wassermaus und kröte an den bergen in die höh'. aber mitten in dem wandern rollt die eine mit der andern plötzlich in den see herab. Lichtwer
s. 150 (
fabeln 4, 24); viel sprangen in die see hinein und dürsteten doch nicht ... auf schiffen fuhr man in den see, schlug sie mit rudern todt. das waidwort war nur ach und weh, die grüne see ward roth.
wunderh. 1, 101
Boxberger (
schlacht bei Murten);
so noch: ach brüderchen im tiefen see (
teich), wie thut mir doch mein herz so weh! ... ach schwesterchen in der höh, wie thut mir doch mein herz so weh in dieser tiefen see! Grimm
märchen s. 537.
man beachte, dasz in allen angeführten stellen von einem landsee oder teich die rede ist. I@3@cc)
weitere belege für das fem. in diesem sinne: diese see .. hatte drey quell in der mitten .. unsere vorfahren haben einen tempel dahin gebawt, welchen unsere priester hoch in acht nehmen, und jhn nebenst der see verwahren. Opitz
Arg. 2, 39 (
auf derselben seite auch als neutr., s. unten e); die Wolchda .. kompt aus einer see hinter grosz Neugart, welche sie die Ilmer see nennen, und ergeust sich in die Ladogais see. Olearius
reisebeschr. 12
b (
s. auch unter II, 1,
d); hierauf besahen wir die see, aus welcher der sich in 2. arme theilende flusz entspringet.
Felsenburg 1, 166; die lange (
angel-) schnure wird ordentlich in den kahn gelegt .. und so bald mit auf den flusz, die land - see, oder den teich gefahren. Döbel 4, 102
a; unten sammelt sie (
die quelle) sich zur kleinen see. Gessner 2, 9; wasserschild, hydraspis genannt, .. der denn auch sowol hier, als nach diesem auf der Zürcher-see, die probe ausgehalten hat. Will
Nürnberger gelehrten-lex. 5 (1758), 146; unmittelbar dahinter dachte man sich in sehr verjüngtem maszstab eine ziemlich weit verbreitete see mit lieblichen, duftigen inseln. Mörike
Nolten3 2, 80;
weitere stellen s. unter II, 2. I@3@dd)
umgekehrt das masc. für das offene meer (
so im mhd. gewöhnlich): walfisch im Norvegersee. Fischart
groszm. 136 (
kloster 8, 655); das rohr, so an gestaden desz sees stund.
buch der liebe 185
a; o wäre der see noch so tief und lägind sie darin am grund, das wäre ein glückselige stund! Manuel
s. 108, 122
Bächtold; als zu Lüweck in Sachsen ich ein jüngling erwachsen gieng an den see spaciern. H. Sachs 1, 289
d;
von der Nordsee (?): ich will ... nach England fliehen ... die beiden schiffer an dem see, die ich für diesen fall seit längerer zeit gedungen habe, sollen sich bereit halten. Raimund 3, 241.
so auch der Südsee
bei Baggesen 2, 335,
siehe II, 2,
b. I@3@ee)
eigenthümlich ist die verwendung von see
als neutrum; sie findet sich nur bei Opitz,
vgl. Weinhold über deutsche dialektforschung s. 134: doch ist mir noch seltzamer fürkommen die pfütze oder das see bei Thorda in Siebenbürgen, welches, ob es zwar von unglaublicher tieffe ist, dennoch keinen menschen untersincken leszt.
Hercin. (1630) 60; der flusz Simethus .. lieffe mit stillem rinnen nachmals in ein see, welches den Palicianer göttern geheiliget were.
Argenis 2, 39 (
vergl. unter c); hier sieht man hoch empor den stoltzen reiger nisten, fast umb ein dickes see, auff einen tannebaum.
gedichte 3, 174;
so auch: das trübe Hellen-see stund schwartz und bodenlosz. 2, 173; was ist die tugend doch als der gewohnheit weg, so dem gemüte macht durch gut-thun einen steg, damit es angeführt von klugen wahren sinnen der laster trübes see fürbey mag segeln können? 3, 366. I@44)
die flexion ist ursprünglich stark; so lautet der plur. im mhd. die sêwe, sê,
mitteldeutsch auch sêhe
geschrieben, z. b.: des winters macht die was sô grôʒ, daʒ sie die wilden sêhe beslôʒ.
livländ. reimchron. 6156;
diese schreibung ist offenbar bedeutungslos, sie findet sich auch im sing., s. deutsche städtechron. 2,
reg. Alsf. passionssp. 2003.
ebenso noch nhd. (
z. b. Mathesius
Sarepta 57
a unter II, 1,
d. Zimm. chron. s. II, 1,
f. Kantzow 2, 397
s. I, 3,
a und II, 2,
b).
daneben steht im mhd. ganz vereinzelt ein schwaches masc.: sô si (
die elefantin) schol erwerfen, sô vert si zeinem sêwen, und erwirfet in daʒ waʒʒer. Karajan
sprachdenkm. 84, 10.
im ältern nhd. ist die starke pluralform see
zuweilen erhalten: recke deine hand aus uber die wasser in Egypten, uber jre beche und ströme und see.
2 Mos. 7, 19; da werden meine bechlin zu grossen strömen, und meine ströme werden grosse see.
Syr. 24, 43; vil kleiner see durch gantz Helvetiam, die hie nit benennt werden. nur die landschafft der statt Zürych hat II grosse und kleine see. Stumpf 290
a (
etwas weiter oben: dann es —
Helvetien — hat vil schöner seen grosz und klein); zu unseren tagen werden an vilen orten kleine see gesähen. 390
a; in der Eifel ... sind zweene see die sind sehr tieff. Hammer
roseng. s. 476;
daneben steht indes von anfang an die schwache: ein land da beche und brünnen und seen innen sind.
5 Mos. 8, 7; ich wil ... die wasserstrom zu insulen machen, und die seen austrocken.
Jes. 42, 15; das ... die furt eingenomen, und die seen ausgebrand sind.
Jer. 51, 32.
diese ist zunächst zum fem. gebildet, dann aber auch auf das masc. übertragen, und gehört jetzt der bedeutung nach in der regel zu letzterem. —
ganz vereinzelt und nicht gut wird see
in zusammensetzung neuerdings ohne flexion gelassen: westwärts von den ufern des Bodensee. Scheffel
Juniperus (1883) vii; die rebenhügel des Bodensee. xi. I@55)
formen lebender mundarten: schweiz. sé,
m. (
plur. sée
zweisilbig) Hunziker 237;
bair. sê (
oberpfälz. sèi,
schwäb. sai, sèe,
plur. sê Schm. 2, 200),
tirol. sê, sea,
m. (
dazu ableitungen wie Seeberthal, Seewer, Seber
als familiennamen u. s. w.) Schöpf 664, söe
oder söew Hintner 201, sea,
m. Zingerle 50
b,
kärnt. sea, seaw,
m. Lexer 230;
cimbr. sea,
m. (
plur. seaden)
lago. cimbr. wb. 230
a;
schles. sê, sî,
n. (
vgl. oben 3,
a, auch für einen natürlichen teich geringeren umfanges),
ebenso ungarisch das sei (
plur. sein) Schröer 205
b;
dagegen im Norden die see,
so in Liv- und Estland auch von einem landsee Hupel 216,
nd. see
brem. wb. 4, 727. Dähnert 419
b. Stürenburg 242
b, se, sei,
m. und fem. Schambach 188
b (
als masc. immer lacus, zuweilen auch als fem.),
märk. sei,
f. (
hat '
meer'
ganz verdrängt, daher auch libbersei
für ahd. lebarmeri
u. a.),
s. Frommann 5, 64. 47,
ostfries. sê,
auf den inseln, besonders Norderney auch seu, söi ten Doornkaat Koolman 3, 167,
der auch die neufries. formen sê,
nordfries. sie, seie, sia
anführt (see
in dem Wurstener voc. von 1688,
s. nd. korrespondenzbl. 11, 34. 36.
weiteres s. bei Siebs
gesch. der engl.-fries. sprache 267.
danach westfries. see, sê,
wang. si,
saterl. sê,
nordfr. sîe, sîa, sæie,
daneben sê
als niederd. lehnwort). IIII.
bedeutung. II@11)
landsee, binnensee, lacus (der see),
vergl. öcon. lex.2 2685
f. Eggers 2, 873
f. Behlen 5, 601. II@1@aa)
lacus .. seiw, sehe, see, zee, ze, se, meere Dief.
gloss. 316
a; ein see,
lacus, der einen ausflusz hat. ein see der keinen ausflusz hat,
stagnum Frisch 2, 253
b; etleich sê sint, der waʒʒer dreistunt an dem tag pitter sint und dreistunt süeʒ. Megenberg 484, 25; und das wasser in den seen wird vertrocken.
Jes. 19, 5; und die wasser werden verlauffen, das die seen an temmen werden geringe und treuge werden. 6; Ober-Oesterreich aber ist von berühmten seen trefflich versehen, die aus den hohen Steyerischen gebürgen entsprungenen frischen und reichen bronnenquellen sich zusammen sammlen. Hohberg 2, 466
b; es (
das wasser) ... sammelt sich in einem becken, das bald moorig oder sumpfig, bald von reinem, stehendem wasser erfüllt, ein see ist. Oken 1, 555; die beckenförmigen erweiterungen vieler thäler sind zum
theil mit stehendem wasser angefüllt, und stellen seen dar. 557; hinten gefilde voll seen, und büschichter thäler. E. v. Kleist 2, 16 (
frühling 129); ein see voll fliehender wellen rauscht in der mitte der au. 38 (336).
mhd. sê
synonym mit tîch: eʒ wolte ein affe über einen sê,dô kund er wol geswimmen niht, er bat ein schorpen, daʒ si in vuorte,als diu âventiure giht; eʒ sazt in ûf die bûlen sînunt vuorte in verre in den tîch.
minnes. 3, 16
b Hagen. II@1@bb)
die einzelnen werden benannt, indem zu see
ein zusatz tritt (
vgl.sowohl die see, als die seen, bekommen von gewissen umständen ihre eigene namen, die man an ihren ort suchen musz, als ... der Boden-see,
lacus Bodamicus, der Genfer-see. Frisch 2, 253
b).
dieser kann sein II@1@b@aα)
ein adjectiv, so ahd. in den uuîdînen sêo.
denkm. nr. 64 (
Würzburger markbeschreibung von 779), 1, 8; anan den rôrînon sêo. 24; in then lintînon sêo.
nr. 63 (
Hamelb. markbeschr. von 777), 19;
für Wîdînon sêo
später zusammengerückt Wîdinsio
palus, s. Förstemann
namenbuch 2
2, 1588 (
urk. von 786),
ebenso mhd. wydense
urk. von 1332,
s. Kehrein
alt- u. mitteld. wörter s. 56
b.
anderes: von dem Torhelin ein den langen see, aus dem langen see auf das geplät.
tirol. weisth. 2, 142, 7 (
vom jahre 1565). —
jetzt sind solche bezeichnungen als eigennamen kaum noch gebräuchlich (Langsee,
lacus Verbanus Stieler 1990). II@1@b@bβ)
ein substantiv, das mit see
in zusammensetzung steht, so ahd. Brezzulunsêo
denkm. nr. 64, 1, 24. 32. 2, 12; Anutsêo 2, 2; in den ôstaron egalsêo. 7 (der eggilse
noch in einer urkunde von 1324,
s. Kehrein
a. a. o.).
vgl. Grimm
gramm. 2, 518.
zahlreiche ahd. namen dieser art stellt zusammen Förstemann
namenb. 2
2, 1324
f., z. b.: Albensê, Arnsê, Armensê, Birchenensê, Buohsê, Carphsê, Grabensê, Huginsê, Mânansêo, Moensê, Ougensê, Reginsê, Slersê, Sluochsê, Suansê, Walhensê, Wirmsêo
u. s. w. so auch: das gejaid an der Röt, am Stöcklperg glegen, mitsambt Sacken - Wandt, und der waltsee.
tirol. weisth. 4, 5, 31.
nhd. begegnen von zusammensetzungen mit appellativen nur wenige in der geltung von eigennamen, wie z. b. der Feldsee
im Schwarzwalde, der Seealpsee (
s. daselbst),
vergl. Oken 1, 557 (
über den Bodensee
vergl. theil 2, 217. Förstemann
a. a. o. 295
f.); Federsee (in Schwaben)
lacus plumarius. Steinbach 2, 557;
in mehr appellativer verwendung, z. b.: weil die meisten menschen schienen aus dem wunder-see in Mohren - land getruncken zu haben, dessen wasser einen nöthigte alles zu sagen, was ihm auf dem hertzen läge. Lohenstein
Armin. 2, 14
b. II@1@b@gγ)
gewöhnlich werden seen im deutschen nach dem lande oder volke oder häufiger der stadt benannt, in deren gebiet sie liegen. so mnd. Dampnesche zee
in einer hannov. urk. von 1281 (
neben Domanze 1272),
s. nd. korrespondenzbl. 16, 6
b.
fast immer tritt zu see
der als adjectiv empfundene gen. plur. der ableitung, die die bewohner bezeichnet (Genfer, Vierwaldstädter see),
selten ein wirkliches adjectiv oder unmittelbare zusammensetzung, Costnitzer - see,
il lago di Costanza. Gard-
ò Garzer - see,
il lago di Gardo ò Benaco. Genfer-see,
il lago di Geneva ò lago Lemano. Komer-see,
il lago di Como ò Comasco. Kramer
dict. 2, 729
b (
für letzteren hat Stieler 1990: Kummersee,
lacus Comacenus, vel Larius); troy, der von Freienberger alben herein in den Pallen und zu Tarscher see get.
tirol. weisth. 3, 310, 44; welcher von Tarscher see auf Tarscher alben get. 311, 16; die grösten namhafftigsten see, so der Helvetier landmarch berüren, .. sind dise: der Bodensee, der Zellersee, ober und nider Zürychsee, Pfäffickersee, Gryffensee, Egrisee, Zugersee, Lucernersee, Baldeckersee, Hallwylersee, Sempachersee, Clöntalersee in Glarusz, Lowertzsee zuo Schwytz, Saxlersee, Huweylersee, Lungerersee, alle drey zuo Underwalden, Brientzersee, Thunersee, Bielersee, Murtersee, Neüwenburgersee, Genffersee,
etc. Stumpf 290
a; item, bey Vopalko ist ein see den man den bairischen nennet. Hammer
roseng. 472; im windischen land ist ein see den man den Zirckner see heisset. 475; von den seen ist in Unter-Oesterreich nichts sonderliches zu vermelden, ausser der .. Neusidel-see, der sich bey Neusidel anfänget. Hohberg 1, 466
a;
s. auch Oken 1, 557. II@1@b@dδ)
bei ausländischen seen tritt gewöhnlich der fremde name unverändert vor see,
sodasz eine art von compositum entsteht: der Baikal-see, Wan-see, Ladoga-see, Michigan-see, Titicacasee (der see von Titicaca, Oken 1, 557
ist jetzt veraltet).
es kann aber auch der name nach der weise anderer eigennamen hinter see
treten; dies ist in der ältern sprache üblicher, jetzt besonders noch bei gewissen biblischen namen, z. b. der see Genezareth,
il lago di Genezareth in Galilea. Kramer
diction. 2, 729
b;
ahd. ist zuweilen der genitiv des namens aus dem lat. stehen geblieben: inti abur ûʒgangenti fon marcûn Tyri quam thuruh Sidonem zemo sêuue Galile.
Tatian 86, 1; zi themo sêuue ther Tiberiadis hieʒ. 235, 1; eʒ ist ain sê in dem land India, der haiʒt Aspaltides. Megenberg 482, 22; sô mag in dem sê Altes ze Porrentan nihts ob beleiben. 24; als aber Jonathas und Simon .. solchs merckten, flohen sie .. und schlugen ein lager am see Aspar. 1
Macc. 9, 33; aber Jonathas zog mit seinem heer an den see Genesara. 11, 67; und er stund am see Genezareth.
Luc. 5, 1; in dem jüdischen see Asphaltite kan nichts zu grund fallen, was auch darein geworffen wird. Hammer
roseng. 473;
vgl. auch: ûf einen sêe brâchte er si dô, der ist der Balât genant.
livländ. reimchron. 9926. II@1@cc) der see
im gegensatz zum lande, selten: swâ heide wechset oder clê, acker, walt oder sê, des ist zû Eistlant niht bliben, eʒ sie alleʒ wol beschriben.
livl. reimchr. 6706; wenn ich den schönen mond am tage dunkel sehe, ... und ohne blumen sehe see und wiesen. Herder 26, 413
Suphan (
ged. ein. brahm. 34).
häufiger werden see(n)
und flüsse, bäche
zusammengestellt: darzue auch des vischens auf dem Innstram, wilt- und haimbischen seen, pächen, güssen und andern vischwassern.
tirol. weisth. 1, 17, 23; die pache jouch die sêwe.
laudate dominum (
denkm. nr. 45) 7, 6; auf seen und strömen das grundeis borst. Bürger 36
a. insel im see: Huttens schatte, sei mir gegrüszt! du asche des dichters, dem eine insel im see endlich die ruhe gewährt. Herder 16, 294
Suphan. II@1@dd) see
mit beiwörtern, theils allgemeiner, schmückender oder hervorhebender, theils charakterisierender art: stiller see,
mite stagnum Maaler 369
a; ein groszer see,
un gran lago. Kramer
dict. 2, 729
b; eine schlammichte see,
lacus caenosus Steinbach 2, 557; auch vleuʒt des merwaʒʒers vil in des ertreichs hölr, dâ von dicke die grôʒen sê koment und diu stilstênden mer. Megenberg 102, 24; der herr .. versenckte die fünff königreich, die jren trewen prediger nicht hören wolten, unnd machet ein wunderbarlichen sehe drausz. Mathesius
Sar. 57
a; dieser orth (
Neuschanz), wie lustig er lieget, so ungesund scheinet er hergegen zu seyn wegen der süssen see, und vielen herumb ligenden morasten. Olearius
reisebeschr. 9
a; in meim grosen see dort unden hab ich vil wilder enden funden. Ayrer 1793, 15
Keller; bald scheint ein breiter see ein meilen langer spiegel. Haller
ged.10 37 (
alpen).
s. auch b, α. —
anders in den tiefsten see,
den see da wo er am tiefsten ist: den hammer werf' ich in den tiefsten see, der mir gedient bei diesem fluchgebäude! Schiller
Tell 1, 3. II@1@ee)
verbale fügungen: es lächelt der see, er ladet zum bade. Schiller
Tell 1, 1; der föhn ist los, ihr seht wie hoch der see geht.
ebenda, 's ist heut Simons und Judä, da ras't der see und will sein opfer haben.
ebenda; schon stiebt es von den wipfeln und dunkler treibt der see. Geibel 3, 91; der see schlägt ans ufer,
s. Wigalois 5281
unter f; die see lauft über die maaszen auf,
lacus praeter modum crescit. Steinbach 2, 557. — see
als object; den see befahren
u. ähnl., so mit richtungsadverbien: (
er) fur darvon den sehe abhin nach Pettershausen.
Zimm. chron.2 2, 239, 32; nun komm, mein süszes weib, und rasten wir, ... und horchen, wie im winde reingestimmt das spätgeläut den see herüberschwimmt. Geibel 3, 119. II@1@ff)
mit präpositionen. an: item Ampaner haben recht, alle erichtag mit iren küen in Laebeins .. ze farn an den see.
tirol. weisth. 1, 247, 32; und er stund am see Genezareth, und sahe zwey schiff am see stehen.
Luc. 5, 2; er kom des âbnts an einen sê.
Parz. 225, 2.
daher in ortsangaben: Seeburg am see; ain graf von Newenburg am sehe.
Zimm. chron.2 1, 115, 24
Barack. —
auf: und es kam ein windwürbel auff den see.
Luc. 8, 23; wer auch holz treibt auf dem see oder heu darauf zeucht.
tirol. weisth. 4, 525, 10; nu sâhen si, wâ vor in ein schiffelîn flôʒ ûf dem sê.
Wigalois 5289.
aus: wie ein wasser ausleufft aus dem see.
Hiob 14, 11. —
bei: die waldung ober den droi bei dem see.
tirol. weisth. 3, 310, 23; disiu (
burg) lac sô nâhen bî dem sêwe, daʒ er rehte für der frouwen kemenâten tür sluoc, als eʒ wint was.
Wigalois 5281.
in: im see fischen,
pescare nel lago. Kramer
dict. 2, 729
b; aus dem Erzberg hindan ab in den see.
tirol. weisth. 2, 100, 8; die herde stürtzet sich mit einem sturm in den see, und ersoffen.
Luc. 8, 33; die tuont sam die frösche in einem sê. Walther v.
d. Vogelweide 65, 21.
ob: so man holz ob dem see .. herausz fiert.
tirol. weisth. 3, 66, 35. —