Meer rund 650 Belege, vor allem im Zshg der Italienreise u Antike-Rezeption; sehr oft in poetischer Diktion (vgl Pkt 1a); — - Goethes Begriff vom Meer verbindet sich mit der reich gegliederten u vielgestaltigen Mittelmeerregion, während Nord- u Ostsee sowie die Ozeane nur punktuell ins Blickfeld treten. 1
sich weithin erstreckende Wassermassen (iGz Festland) a
die See als irdischer Raum (neben ‘Himmel’ u ‘Erde’/‘Land’); überwiegend ohne präzise geogr od physikalische Bestimmung; öfter (auch pl) auf größere od kleinere Teile eines Meeres, vereinzelt auf ein Binnenmeer bezogen; wiederholt in Beschreibung einer Küstenlandschaft; prägnant ‘das M.’, insbes als eindrückliche Erfahrung des Italienaufenthaltes; gelegentlich in Eigennamen (‘Adriatisches, Ägäisches, Kaspisches, Mittelländisches, Rotes, Totes, Schwarzes M.’ ua); einmal in metasprachlichem Zshg Den projectirten Canal durch's mittlere Amerika von einem
M. zum andern bedacht GWBT10,26,21 v 7.3.25 [
Sizilien] Die Klarheit des Himmels, der Hauch des M-es, die Düfte, wodurch die Gebirge mit Himmel und
M. gleichsam in Ein Element aufgelös't wurden, alles dieß gab Nahrung meinen Vorsätzen [
zur poetischen Produktion] GWB31,199,5u6 ItR [
aus Rom] Meine Begriffe von Welt weiten sich nun gar schön aus, ich habe zweymal das
M. gesehn, das Mittländische und Adriatische GWBB8,181,15 ChStein [7./10.]2.87 Es hat mit euch eine Beschaffenheit wie mit dem
M., dem man unterschiedentliche Namen gibt, und es ist doch endlich alles gesalzen Wasser GWB42
2,122,7 MuR(131) T1,286,17u23 v 9.10.86 30,175,2 ItR B8,222,22u27 CarlAug [28.?]5.87 B11,274,13 Meyer 5.12.96 31,90,16 ItR 15
2,205 Helena Plp 1,151
uö ‘hohes M.’, ‘das M. wächst, geht höher’ uä iSv starker Wellengang, Flut; ‘vom M. leiden’ iSv seekrank werden [
Faust:] Mein Auge war auf's hohe
M. gezogen,|Es schwoll empor, sich in sich selbst zu thürmen GWB15
1,251 Faust II 10198 31,83,17 ItR B8,223,23 CarlAug [28.?]5.87
uö(selten) ‘offenes, hohes, freies M.’: (von der Küste, vom Betrachterstandpunkt aus) sich weit ausdehnendes Gewässer ohne Begrenzungen durch das Festland; auch mit der Nuance: herrschaftsfreier (gesetzloser) Raum [
Herzog, mBez auf Eugenie:] So hofft' ich ihr des Reichs bebaute Flächen,|Der Wälder Tiefen, der Gewässer Fluth|Bis an das offne
M. zu zeigen, dort|Mich ihres trunknen Blicks in's Unbegränzte|Mit unbegränzter Liebe zu erfreun GWB10,321 NatT 1620 Mit Sonnenuntergang wendete der Capitän das Schiff wieder dem hohen
M. zu GWB31,85,22 ItR [
Mephisto:] Das freie
M. befreit den Geist,|Wer weiß da was Besinnen heißt!|..Ich müßte keine Schifffahrt kennen:|Krieg, Handel und Piraterie,|Dreieinig sind sie, nicht zu trennen GWB15
1,296 Faust II 11177 32,30,9 ItR 50,288 Achilleis 492 18,380,25 ReiseMegapr 49
1,93,10 Philostrat
uö in Akzentuierung einer distanzschaffenden Wirkung; in der Vbdg ‘über das M.’ auch als Richtungsangabe (in Berührung mit 1c) [
Iphigenie, in Tauris:] mich trennt das
M. von den Geliebten,|Und an dem Ufer steh' ich lange Tage|Das Land der Griechen mit der Seele suchend GWB10,3 Iph
2 10 Es ist eine sehr angenehme Empfindung zu erfahren daß man unter einer verehrten Nation, die durch
M. und Sprache so sehr von uns getrennt ist, Freunde gefunden hat GWBB14,130,5 d'Alton 10.7.99 K Die einen hatten Abschied genommen über das
M. zu setzen, die andern um auf dem festen Lande ihr Unterkommen zu finden GWB25
1,287,15 Wj III 16 [
Eugenie zum Mönch:] In's Elend über's
M. verbannst du mich GWB10,374 NatT 2745 B48,210,18 Carlyle 2.6.31 B2,172,27 Schönborn 8.6.[74] 25
1,127,20 Wj III 5 LenardosTgb [G/Meyer] 49
1,251,21 Üb:Noehden,Observations
uö in naturwiss Betrachtung Das vulkanische Hervorsteigen von Inseln im M-e, von Bergen auf dem Lande..geschieht noch immer vor unsern Augen GWBN9,187,10 Üb:KWNose [1820] wie sie [
die Schneelinie] sich von ihrer Höhe unter dem Äquator nach Norden und Süden auf's
M. legt GWBN12,85,18 Witterungslehre 1825 [
betr schematische Zeichnung des Jupiter-Tempels bei Pozzuoli] a. Niveau des M-
s. b. Niveau der Fläche worauf die Säulen stehen GWBLA II 7,181,3 M90 ArchitNathistProbl Plp N10,95,7 Kälte N9,254,12 GeologProbl N10,268 MinGeol Plp
uö in mythologischem Zshg; ‘Braut des M-es’ für Venedig; wiederholt mBez auf die bildkünstlerische Darstellung antiker u biblischer Sujets; auch in personifizierender Vorstellung das
M. gebar Aphroditen GWB1,329 Vs 421 VenEpigr 95 Hab' ich dir nicht oft erzählt,|Wie der Doge von Venedig|Mit dem M-e sich vermählt? GWB6,150 Div Dieß zu deuten 4 um zu zeigen, wie das
M. sich mit der Erde verbindet, machte ich zwei Figuren..die mit verschränkten Füßen gegen einander saßen, so wie man die Arme des M-s in die Erde hineinlaufen sieht. Das
M., als Mann gebildet, hielt ein reich gearbeitetes Schiff GWB44,12,27 u 13,2u3 Cell III 2 ein Engel fährt hinter ihm [
Joseph] her, ergreift seinen Mantel und deutet nach dem M-e hin GWB49
1,158,14 Antik uModern Christus, der leicht über das
M. wandelnd, dem sinkenden Petrus zu Hülfe tritt GWB49
1,433,19 Zu malende Gegenstde B51,36 Langer 17.1.69 4,326 Auf Odyssee 7 Vs 2 15
1,159 Faust II 8102 T1,240,25 v 27.9.86 50,283 Achilleis 347 49
1,106,3 Philostrat
uö(bes ebd) metonymisch für Wasser (als eines der vier Elemente); auch in Wassermetaphorik [
Sirenen:] Heil dem M-e! Heil den Wogen!|Von dem heiligen Feuer umzogen;|Heil dem Wasser! Heil dem Feuer!|..Heil den mildgewogenen Lüften!| Heil geheimnißreichen Grüften!|Hochgefeiert seid allhier,|Element' ihr alle vier! GWB15
1,176 Faust II 8480 [
Gabriel:] Und Fels und
M. wird fortgerissen|In ewig schnellem Sphärenlauf GWB14,19 Faust I 257 6,227 Vs 1 DivParab 14,68 Faust I 1368
uö(selten) ‘erlogene M-e’, mBez auf Fata Morgana GWB6,96 Vs 30 DivUnmut
redensartl; wiederholt ‘ein M. austrinken’; ‘das M. verlangt/will Feigen’ iSv die süßeste Frucht als Tribut1) Kein Berg sei ihm [
dem geol Beobachter] zu hoch, kein
M. zu tief GWBB5,24,18 Ernst II 27.12.80 Mache der Schwärmer sich Schüler, wie Sand am M-e — der Sand ist|Sand; die Perle sei mein GWB1,310 Vs 71 VenEpigr 12 Aus dem Französischen war ihm sehr geläufig zu sagen: das ist ein
M. auszutrinken, c'est une mer à boire, für: das ist zu weitläufig, zu umständlich, zu schwierig GWBGespr(He5,47) Riemer undat da der Beobachter nie das reine Phänomen mit Augen sieht..so ist ein
M. auszutrinken, wenn man sich an Individualität des Phänomens halten und diese beobachten, messen, wägen und beschreiben will GWBN11,39,4 ErfahrgWissensch 1798 Dich lockt der West mit seinen leichten Flügeln,|Von deinen kaum erreichten Hügeln|Zurück ins
M., das wieder Feigen will GWBGOETHE3,229 Im Abendrot liegt 4 B32,131,12 Knebel 29.12.19 K B23,186,11 Zelter 3.12.12
uö im Bild od (bildhaften) Vergl [
Adelheid über ihr Verhältnis zu Franz:] Ich habe mich hoch ins
M. gewagt und der Sturm fängt an fürchterlich zu brausen GWB39,171,29 Götz
1 V Dem Hafen häuslicher Glückseeligkeit..wähnt ich vor kurzem näher zu kommen, bin aber auf eine leidige Weise wieder hinaus in's weite
M. geworfen GWBB2,262,1 Herder [etwa 12.5.75 Korr DjG
35,24] [
Faust:] In's hohe
M. werd' ich hinausgewiesen,|Die Spiegelfluth erglänzt zu meinen Füßen,|Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag GWB14,40 Faust I 699 [
Egmont:] Und wie das
M. durch eure Dämme bricht..so reißt den Wall der Tyrannei zusammen GWB8,304,21 Egm V [
betr orientalische Studien] Man unterrichtet sich im Allgemeinen und Zerstückelten..geht man aber einmal ernstlich hinein, so ist es vollkommen als wenn man in's
M. geriethe GWBB25,144,4 Knebel 11.1.15 B7,87,13 ChStein 5.9.[85] 37,25,17 Annette Kunst Spröden zu fangen II 3,361 ZXen VI 1736 AA112,30 Werth
1 II B26,288,8 Zelter 11.3.16 N7,223,21 AllgVergleichungslehre
uö b
in der Vbdg ‘über dem M.’, mBez auf die (mittlere) Höhe der Wasseroberfläche iSv Meeresspiegel (als Nullpunkt für geodätische Höhenmessung) Jene Berge..sind nur Hügel, wenig erhöht. Etwa 440 Metres über dem
M. GWBN13,377,16 MinGeol Plp Der größte Gewinn unserer meteorologischen Anstalten war mir die Anerkennung des entschieden gleichförmigen Ganges der Barometer in Bezug auf ihre Höhenstellung über dem M-e GWBB45,319,9 Sternbg 29.6.29 LA I 11,102,8 Anz:Mechels Höhenkarte
uö c
in Vbdg mit Präpositionen als Ortsangabe; wiederholt ‘(drüben) über dem M.’ für: in Amerika, in England; auch ‘(diesseits u) jenseits des M-es’ Er [
der Oheim] ist drüben über dem M-e, von seinen Vorfahren her, Eigenthümer GWB25
1,264,4 Wj III 14 was sagen Sie zu Carlyle?..ja überm M-e gibt es auch gescheite Leute, die uns kennen und zu würdigen wissen GWBGespr(FfA II 12,256,24) Eckerm 15.7.27 Betrachtungen über Kunst und Technik diesseits und jenseits des M-es GWBT10,271,1 v 18.11.26 [
mBez auf Byrons Teilnahme am Unabhängigkeitskampf der Griechen] das Gerücht..der Lord werde seinen großen Sinn..an erhaben-gefährliche Thaten über
M. verwenden GWB42
1,103,4 AndenkByrons [
Susanne:] Das überhand nehmende Maschinenwesen..ängstigt mich..Hier bleibt nur ein doppelter Weg..entweder selbst das Neue zu ergreifen..oder aufzubrechen..ein günstigeres Schicksal jenseits der M-e zu suchen GWB25
1,249,27 Wj III 13 24,121,21 Wj I 7 25
1,94,10 Wj III 3 23,20,18 Lj VII 3 B32,372,14 Nees [März 20] K 42
1,187,24 Carlyle,Schiller
uö 2
mBez auf das einst die Erdoberfläche bedeckende Urmeer, insbes im Hinblick auf die (neptunistische) Theorie der Erdentstehung u die Basaltgenese; wiederholt ‘(ur)altes M.’, auch ‘vulkanisches M.’; überwiegend im Zshg geol bzw mineralog Studien [
betr Hypothese zur Basaltentstehung] Das große, die Erde überdeckende
M. hatte aus seiner Masse schon die sogenannten Grundgebirge abgesetzt, als es in einen siedenden Zustand gerieth..Basalte waren also Ausgeburten eines allgemeinen vulkanischen M-es GWBN9,305,6u16 EntstehgBasalt Der Weg [
von München über die Tiroler Alpen an das Mittelmeer] geht auf den Höhen, wo man unten die Isar fließen sieht, über zusammengeschwemmte Kieshügel [
pleistozäne Fluß- u Moränenablagerungen] hin. Hier wird uns die Arbeit der Strömungen des uralten M-es faßlich GWB30,12,10 ItR [
mBez auf die Gletscherschmelze nach der Eiszeit] Leina, guter Boden von den letzten weichenden Wassern des alten M-es wohl gemischt GWBN10,135,5 MinThür [1782] Toskana. Weil es soviel tiefer lag, hat das alte
M. recht seine Schuldigkeit gethan und tiefen Leim Boden aufgehäuft GWBT1,317,5 v 25.10.86 Des alten M-es Muscheln|Im Stein sucht' ich die versteinten GWB6,59 Div Gruß 4 N9,268,15u20 BildgErde N10,88,18 ChemKräfte N9,306,3 EntstehgBasalt N9,261,3 VerschBekenntn
uö 3
übertr: zum Ausdruck unermeßlich großer Weite, Tiefe, Fülle (im Anschluß an 1a); mBez auf Gegenständliches od Ideelles; auch im Oxymoron die Erzväter. Ihre Lebensweise auf dem M-e der Wüsten und Weiden gab ihren Gesinnungen Breite und Freiheit GWB26,214,2 DuW 4 [
auf dem Turm von Cento] ein
M. von Pappelspitzen GWB30,157,10 ItR [
Faust:] O glücklich, wer noch hoffen kann|Aus diesem
M. des Irrthums aufzutauchen GWB14,55 Faust I 1065 Ein klingend
M. von Liedern GWB6,191 Div Geheimschrift 23 16,342 Epimen 160 39,53,17 Götz
1 II N3,109,5 FlH II FarbBehandlg dAlt 14,74 Faust I 1511 37,187,24 Zwo biblFragen [1773]
uö als poetische Chiffre des Unerschöpflichen, Unendlichen, auch des Unergründlichen [
in Betrachtung des Schillerschen Schädels] Wie mich geheimnisvoll die Form entzückte!|Die gottgedachte Spur die sich erhalten!|Ein Blick der mich an jenes
M. entrückte|Das fluthend strömt gesteigerte Gestalten GWB3,93 Im ernsten Beinhaus 24 [
Erdgeist:] In Lebensfluthen, im Thatensturm|Wall' ich auf und ab|..Geburt und Grab|Ein ewiges
M. GWB14,32 Faust I 505 21,311,5 Lj III 11
→ GWB
Binnen- GWB
Dichtungs- GWB
Eis- GWB
Feuer- GWB
Flammen- GWB
*Halmen- GWB
Luft- GWB
Mittel- GWB
Nebel- GWB
Perlen- GWB
Pflanzen- GWB
Salz- GWB
Schilf- GWB
Theater- GWB
Ur- GWB
Wellen- Welten- GWB
Welt- GWB
West- GWB
Wogen-GWB
Wellen- Wut- GWB
übermeerisch GWB
untermeerisch Syn zu 1a und c Ozean Weltmeer zu 1a Bai Bucht Busen Flut Gewässer Golf Meerbusen Meeresfläche Meeresflut Meeresraum See Sinus Wasser zu 1b Meeresfläche Meeresspiegel Wasserspiegel zu 2 Urmeer Urozean 1) vgl Komm MA203,301 zu 294,27 Elke DreisbachE.D.