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see

ahd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

see m. f.

Bd. 15, Sp. 2807
see, m. f. groszes stehendes gewässer, lacus, mare, oceanus. II. formales. I@11) see ist ein gemeingermanisches wort; es findet sich in allen germanischen sprachen durch alle perioden: got. saiws, m. (dazu marisaiws, beides für λίμνη); altn. sjár, sjór, sær, m. (gen. sjáfar, sjófar, sǽfar, auch sjós, sæs), norw. sjo, sjø, auch sjaa, sæ, sy, sjy, m. Aasen 654b, schwed. sjø, m. (mundartlich sjög, sè, sju, si Rietz 574b), n. sø; ags. sǽ, m. f. (gen. sǽs, sǽes, sæ, sǽwe, séo), vergl. zeitschrift für d. alterthum 9, 219; daraus engl. sea, vgl. Skeat 536b; altfries. se, m. (gen. sees), neufries. sae, see, nordfries. sie, seie Richthofen 1001b; alts. sêo, sêu, m. (im Heliand, ebenso in den altnfr. psalmen für mare), mnd. se, f. Schiller-Lübben 4, 161b, mnl. see, f., holl. zee, f., vgl. Franck 1196; ahd. sêo, mhd. sê. aus dem urnord. ist finn. saivo 'klare stelle im see' entlehnt, vgl. Thomsen s. 57. 168. während man hiernach einen a-stamm erwarten würde (wie in sanskr. séka, s. u.), scheinen die altn. und die ags. wortform einen i-stamm zu verlangen, bei dem auch der geschlechtswechsel (s. unten 2) leichter seine erklärung fände (vgl. auch den ahd. instr. ze demo sêuuiu denkm. nr. 64, 2, 13). während meer den westlichen und nördlichen Indogermanen gemeinsam angehört, ist see, wenigstens in dieser bedeutung, dem germanischen eigenthümlich. die etymologie ist nicht mit sicherheit zu geben. doch ist die früher übliche zusammenstellung mit der sanskr. wurzel su (Skeat a. a. o.), oder mit lat. saevus, griech. αἰϜόλος (s. z. b. Franck a. a. o.) jedenfalls aufzugeben, da das w in *saiwiz nach maszgabe des ahd. gisig (gesich, gesik, stagnum, palus Graff 6, 131, vergl. auch nd. sek?, sumpf, niederung, by dem Gosedickes zege dale nd. korrespondenzbl. 15, 96) aus gw hervorgegangen zu sein scheint. viel wahrscheinlichkeit hat daher die vergleichung mit sanskr. séka ergusz, avest. frašaêka, s. Fick3 3, 313. Noreen bei Paul-Braune beitr. 7, 439 (und urgerm. lautl. 179). Osthoff ebenda 8, 258. Kluge5 344a. Uhlenbeck etym. wb. 121. das wort würde dann zu indogerm. seikô gehören, ebenso wie seihen, sinken (seichen?), s. diese. I@22) das geschlecht ist ursprünglich in allen german. sprachen masc., weicht aber im westgermanischen später in das fem. aus. so sind schon im ags. beide geschlechter gleich häufig. während im altnd. sêo ausnahmslos noch masc. ist, ist im mnd. das fem. durchgedrungen (doch findet sich noch ein genitiv sees, zees in der formel weke sees als wegmasz, s. Walthers gloss. zum seebuch s. 112a), ebenso im mnl. länger hält sich das masc. im hochd., hier ist es noch in mhd. zeit weitaus überwiegend; das fem. findet sich (mit éiner ausnahme, s. unten) nur mitteldeutsch (der älteste beleg vielleicht Rother 810, s. unten II, 1, d). nhd. stehen beide geschlechter gleichberechtigt, doch mit differenzierter bedeutung neben einander: der see bezeichnet den landsee, binnensee, die see das offene meer (vgl. engl. lake und sea). diese scheidung ist schon im mhd. vorgebildet, insofern dort das fem. nur im letzteren sinne gesagt wird. ausgenommen ist nur eine stelle, die zugleich den einzigen oberdeutschen beleg des fem. bildet: ich wil sîn vergeʒʒen alsam daʒ entel der sê. Heinr. v. Beringen ged. 1, 15 (s. 356 Zimmermann). sie findet sich ganz in der heutigen weise in der Livländer reimchronik, die gewöhnlich das fem. gebraucht (838. 1228), dagegen für einen landsee das masc. (9926, s. II, 1, b, δ; umgekehrt hat Oswald v. Wolkenstein gewöhnlich der see [mare], aber die schwartzen see 1, 2, 18, vgl. Weber im glossar). dies erklärt sich daher, dasz die hochdeutschen stämme des binnenlandes, die das masc. bewahrten, nur binnenseen kannten und demgemäsz auch das wort see in diesem sinne verwendeten (für ocean daher im ahd. mâreo sêo, wentilsêo und ähnl., vergl. Grimm gramm. 3, 382), während die meeranwohnenden Niederdeutschen unter see, das bei ihnen zum fem. geworden war, eben so durchgehend das ihnen geläufige offene meer verstanden (vgl. engl. sea und lake). man kann also die see gewissermaszen als lehnwort aus dem niederdeutschen betrachten (vgl. die angaben von Kramer und Steinbach, s. unten). Grimm gr. 3, 382. Weigand 2, 678 f. I@33) doch ist auch im nhd. die erwähnte unterscheidung erst sehr allmählich durchgedrungen; die ältere sprache kennt zwar auch das fem. neben dem masc., gebraucht aber beide ohne unterschied. I@3@aa) die ältesten oberd. wörterbücher halten am masc. in der alten bedeutung fest: see, lacus, lacusculus, dim. stagnum. zu eym see werden, stagnare Dasypodius; see (der) still wasser, stagnum, lacus Maaler 369b; dafür später gewöhnlich das fem. in beiden gebrauchsweisen; so zumeist in den nord- und mitteldeutschen wörterbüchern des 17. jahrh.: see, f. stehend wasser, un lac, estang Hulsius 294b; see, f. lacus, stagnum, estang. it. mare. Schottel 1414; vgl.: see, die, plur. seen, lacus, stagnum. Belgae autem ipsum mare appellant die see. Stieler 1990 und: see (die, quibusdam etiam der, plur. seen) lacus, mare. Steinbach 2, 557. einen unterschied macht zuerst Kantzow 2, 397: es hat aber in der rede dieszen unterscheid, das man dis meer (die Ostsee) bey uns die sehe in feminino genere, und ein ander stehende waszer, den sehe in masculino genere sagt. ferner: die schiffleute, wenn sie wollen etwas von frembden örtern über see herzuführen, so schiffen sie .. auf dem meer (der see). Comenius sprachenthür 462; daneben: der fischer fischet im see (weicher) den fischteich mit dem garn. 427 ebenso Corvinus fons latin.: lacus .. ein sumpff, ein see, ein teich. 346a; stagnum eine wasserstehe, ein see oder teich, so keinen ausflusz hat. 634b. dagegen: oceanus reciprocus, die see so ab und zu fleust. 514b; praeesse classi, admiral seyn, (qs. obrister ad mare) zur see. 157b. ebenso Kramer diction. 2, 729b: see, m. lago, it. stagno .. see, f. (voce presa dal fiamengo) v. meer. s. auch Frisch 2, 253a. I@3@bb) zuweilen stehen das masc. und das fem. ohne unterschied neben einander: also wanderten wir miteinander über berg und thal und kamen zu der Mummelsee. Simplic. 2, 53, 18 Kurz; (da) wolte ich auch probiren, was wahrheit an der sagmehr wäre, dasz ein ungewitter entstehe, wann man einen stein in die see werffe. 54, 2; solche probe nun ins werck zu setzen, gieng ich gegen der lincken hand an der see hin, an denjenigen ort, da das wasser .. wegen der abscheulichen tieffe des sees gleichsam kohlschwartz zu seyn scheinet. 7. 9 (sonst hier immer fem., s. auch 53, 22. 24. 28. 54, 3. 18. 21. 55, 1. 17. 56, 3. 8. 12. 19. 22. 29 u. s. w.); da sie nun kamen auf die see ... ein wetter kam ... der see schlug an das schiff hinan. Teuerdank cap. 64, 31—35 Gödeke (überschrift: Teurdank der leid ein merklich not in einem tiefen tümpfel); darnach gieng Ulysses zum teich ... odr (mein schiff) verbrant auch mitten im see ... ich fahr im schiff nicht ubr die see. froschmäus. E 6b f.; von dem ufer einer see krochen annoch abends späte eine wassermaus und kröte an den bergen in die höh'. aber mitten in dem wandern rollt die eine mit der andern plötzlich in den see herab. Lichtwer s. 150 (fabeln 4, 24); viel sprangen in die see hinein und dürsteten doch nicht ... auf schiffen fuhr man in den see, schlug sie mit rudern todt. das waidwort war nur ach und weh, die grüne see ward roth. wunderh. 1, 101 Boxberger (schlacht bei Murten); so noch: ach brüderchen im tiefen see (teich), wie thut mir doch mein herz so weh! ... ach schwesterchen in der höh, wie thut mir doch mein herz so weh in dieser tiefen see! Grimm märchen s. 537. man beachte, dasz in allen angeführten stellen von einem landsee oder teich die rede ist. I@3@cc) weitere belege für das fem. in diesem sinne: diese see .. hatte drey quell in der mitten .. unsere vorfahren haben einen tempel dahin gebawt, welchen unsere priester hoch in acht nehmen, und jhn nebenst der see verwahren. Opitz Arg. 2, 39 (auf derselben seite auch als neutr., s. unten e); die Wolchda .. kompt aus einer see hinter grosz Neugart, welche sie die Ilmer see nennen, und ergeust sich in die Ladogais see. Olearius reisebeschr. 12b (s. auch unter II, 1, d); hierauf besahen wir die see, aus welcher der sich in 2. arme theilende flusz entspringet. Felsenburg 1, 166; die lange (angel-) schnure wird ordentlich in den kahn gelegt .. und so bald mit auf den flusz, die land - see, oder den teich gefahren. Döbel 4, 102a; unten sammelt sie (die quelle) sich zur kleinen see. Gessner 2, 9; wasserschild, hydraspis genannt, .. der denn auch sowol hier, als nach diesem auf der Zürcher-see, die probe ausgehalten hat. Will Nürnberger gelehrten-lex. 5 (1758), 146; unmittelbar dahinter dachte man sich in sehr verjüngtem maszstab eine ziemlich weit verbreitete see mit lieblichen, duftigen inseln. Mörike Nolten3 2, 80; weitere stellen s. unter II, 2. I@3@dd) umgekehrt das masc. für das offene meer (so im mhd. gewöhnlich): walfisch im Norvegersee. Fischart groszm. 136 (kloster 8, 655); das rohr, so an gestaden desz sees stund. buch der liebe 185a; o wäre der see noch so tief und lägind sie darin am grund, das wäre ein glückselige stund! Manuel s. 108, 122 Bächtold; als zu Lüweck in Sachsen ich ein jüngling erwachsen gieng an den see spaciern. H. Sachs 1, 289d; von der Nordsee (?): ich will ... nach England fliehen ... die beiden schiffer an dem see, die ich für diesen fall seit längerer zeit gedungen habe, sollen sich bereit halten. Raimund 3, 241. so auch der Südsee bei Baggesen 2, 335, siehe II, 2, b. I@3@ee) eigenthümlich ist die verwendung von see als neutrum; sie findet sich nur bei Opitz, vgl. Weinhold über deutsche dialektforschung s. 134: doch ist mir noch seltzamer fürkommen die pfütze oder das see bei Thorda in Siebenbürgen, welches, ob es zwar von unglaublicher tieffe ist, dennoch keinen menschen untersincken leszt. Hercin. (1630) 60; der flusz Simethus .. lieffe mit stillem rinnen nachmals in ein see, welches den Palicianer göttern geheiliget were. Argenis 2, 39 (vergl. unter c); hier sieht man hoch empor den stoltzen reiger nisten, fast umb ein dickes see, auff einen tannebaum. gedichte 3, 174; so auch: das trübe Hellen-see stund schwartz und bodenlosz. 2, 173; was ist die tugend doch als der gewohnheit weg, so dem gemüte macht durch gut-thun einen steg, damit es angeführt von klugen wahren sinnen der laster trübes see fürbey mag segeln können? 3, 366. I@44) die flexion ist ursprünglich stark; so lautet der plur. im mhd. die sêwe, sê, mitteldeutsch auch sêhe geschrieben, z. b.: des winters macht die was sô grôʒ, daʒ sie die wilden sêhe beslôʒ. livländ. reimchron. 6156; diese schreibung ist offenbar bedeutungslos, sie findet sich auch im sing., s. deutsche städtechron. 2, reg. Alsf. passionssp. 2003. ebenso noch nhd. (z. b. Mathesius Sarepta 57a unter II, 1, d. Zimm. chron. s. II, 1, f. Kantzow 2, 397 s. I, 3, a und II, 2, b). daneben steht im mhd. ganz vereinzelt ein schwaches masc.: sô si (die elefantin) schol erwerfen, sô vert si zeinem sêwen, und erwirfet in daʒ waʒʒer. Karajan sprachdenkm. 84, 10. im ältern nhd. ist die starke pluralform see zuweilen erhalten: recke deine hand aus uber die wasser in Egypten, uber jre beche und ströme und see. 2 Mos. 7, 19; da werden meine bechlin zu grossen strömen, und meine ströme werden grosse see. Syr. 24, 43; vil kleiner see durch gantz Helvetiam, die hie nit benennt werden. nur die landschafft der statt Zürych hat II grosse und kleine see. Stumpf 290a (etwas weiter oben: dann es — Helvetien — hat vil schöner seen grosz und klein); zu unseren tagen werden an vilen orten kleine see gesähen. 390a; in der Eifel ... sind zweene see die sind sehr tieff. Hammer roseng. s. 476; daneben steht indes von anfang an die schwache: ein land da beche und brünnen und seen innen sind. 5 Mos. 8, 7; ich wil ... die wasserstrom zu insulen machen, und die seen austrocken. Jes. 42, 15; das ... die furt eingenomen, und die seen ausgebrand sind. Jer. 51, 32. diese ist zunächst zum fem. gebildet, dann aber auch auf das masc. übertragen, und gehört jetzt der bedeutung nach in der regel zu letzterem.ganz vereinzelt und nicht gut wird see in zusammensetzung neuerdings ohne flexion gelassen: westwärts von den ufern des Bodensee. Scheffel Juniperus (1883) vii; die rebenhügel des Bodensee. xi. I@55) formen lebender mundarten: schweiz. sé, m. (plur. sée zweisilbig) Hunziker 237; bair. sê (oberpfälz. sèi, schwäb. sai, sèe, plur. sê Schm. 2, 200), tirol. sê, sea, m. (dazu ableitungen wie Seeberthal, Seewer, Seber als familiennamen u. s. w.) Schöpf 664, söe oder söew Hintner 201, sea, m. Zingerle 50b, kärnt. sea, seaw, m. Lexer 230; cimbr. sea, m. (plur. seaden) lago. cimbr. wb. 230a; schles. sê, sî, n. (vgl. oben 3, a, auch für einen natürlichen teich geringeren umfanges), ebenso ungarisch das sei (plur. sein) Schröer 205b; dagegen im Norden die see, so in Liv- und Estland auch von einem landsee Hupel 216, nd. see brem. wb. 4, 727. Dähnert 419b. Stürenburg 242b, se, sei, m. und fem. Schambach 188b (als masc. immer lacus, zuweilen auch als fem.), märk. sei, f. (hat 'meer' ganz verdrängt, daher auch libbersei für ahd. lebarmeri u. a.), s. Frommann 5, 64. 47, ostfries. sê, auf den inseln, besonders Norderney auch seu, söi ten Doornkaat Koolman 3, 167, der auch die neufries. formen sê, nordfries. sie, seie, sia anführt (see in dem Wurstener voc. von 1688, s. nd. korrespondenzbl. 11, 34. 36. weiteres s. bei Siebs gesch. der engl.-fries. sprache 267. danach westfries. see, sê, wang. si, saterl. sê, nordfr. sîe, sîa, sæie, danebenals niederd. lehnwort). IIII. bedeutung. II@11) landsee, binnensee, lacus (der see), vergl. öcon. lex.2 2685 f. Eggers 2, 873 f. Behlen 5, 601. II@1@aa) lacus .. seiw, sehe, see, zee, ze, se, meere Dief. gloss. 316a; ein see, lacus, der einen ausflusz hat. ein see der keinen ausflusz hat, stagnum Frisch 2, 253b; etleich sê sint, der waʒʒer dreistunt an dem tag pitter sint und dreistunt süeʒ. Megenberg 484, 25; und das wasser in den seen wird vertrocken. Jes. 19, 5; und die wasser werden verlauffen, das die seen an temmen werden geringe und treuge werden. 6; Ober-Oesterreich aber ist von berühmten seen trefflich versehen, die aus den hohen Steyerischen gebürgen entsprungenen frischen und reichen bronnenquellen sich zusammen sammlen. Hohberg 2, 466b; es (das wasser) ... sammelt sich in einem becken, das bald moorig oder sumpfig, bald von reinem, stehendem wasser erfüllt, ein see ist. Oken 1, 555; die beckenförmigen erweiterungen vieler thäler sind zum theil mit stehendem wasser angefüllt, und stellen seen dar. 557; hinten gefilde voll seen, und büschichter thäler. E. v. Kleist 2, 16 (frühling 129); ein see voll fliehender wellen rauscht in der mitte der au. 38 (336). mhd.synonym mit tîch: eʒ wolte ein affe über einen sê,dô kund er wol geswimmen niht, er bat ein schorpen, daʒ si in vuorte,als diu âventiure giht; eʒ sazt in ûf die bûlen sînunt vuorte in verre in den tîch. minnes. 3, 16b Hagen. II@1@bb) die einzelnen werden benannt, indem zu see ein zusatz tritt (vgl.sowohl die see, als die seen, bekommen von gewissen umständen ihre eigene namen, die man an ihren ort suchen musz, als ... der Boden-see, lacus Bodamicus, der Genfer-see. Frisch 2, 253b). dieser kann sein II@1@b@aα) ein adjectiv, so ahd. in den uuîdînen sêo. denkm. nr. 64 (Würzburger markbeschreibung von 779), 1, 8; anan den rôrînon sêo. 24; in then lintînon sêo. nr. 63 (Hamelb. markbeschr. von 777), 19; für Wîdînon sêo später zusammengerückt Wîdinsio palus, s. Förstemann namenbuch 22, 1588 (urk. von 786), ebenso mhd. wydense urk. von 1332, s. Kehrein alt- u. mitteld. wörter s. 56b. anderes: von dem Torhelin ein den langen see, aus dem langen see auf das geplät. tirol. weisth. 2, 142, 7 (vom jahre 1565). — jetzt sind solche bezeichnungen als eigennamen kaum noch gebräuchlich (Langsee, lacus Verbanus Stieler 1990). II@1@b@bβ) ein substantiv, das mit see in zusammensetzung steht, so ahd. Brezzulunsêo denkm. nr. 64, 1, 24. 32. 2, 12; Anutsêo 2, 2; in den ôstaron egalsêo. 7 (der eggilse noch in einer urkunde von 1324, s. Kehrein a. a. o.). vgl. Grimm gramm. 2, 518. zahlreiche ahd. namen dieser art stellt zusammen Förstemann namenb. 22, 1324 f., z. b.: Albensê, Arnsê, Armensê, Birchenensê, Buohsê, Carphsê, Grabensê, Huginsê, Mânansêo, Moensê, Ougensê, Reginsê, Slersê, Sluochsê, Suansê, Walhensê, Wirmsêo u. s. w. so auch: das gejaid an der Röt, am Stöcklperg glegen, mitsambt Sacken - Wandt, und der waltsee. tirol. weisth. 4, 5, 31. nhd. begegnen von zusammensetzungen mit appellativen nur wenige in der geltung von eigennamen, wie z. b. der Feldsee im Schwarzwalde, der Seealpsee (s. daselbst), vergl. Oken 1, 557 (über den Bodensee vergl. theil 2, 217. Förstemann a. a. o. 295 f.); Federsee (in Schwaben) lacus plumarius. Steinbach 2, 557; in mehr appellativer verwendung, z. b.: weil die meisten menschen schienen aus dem wunder-see in Mohren - land getruncken zu haben, dessen wasser einen nöthigte alles zu sagen, was ihm auf dem hertzen läge. Lohenstein Armin. 2, 14b. II@1@b@gγ) gewöhnlich werden seen im deutschen nach dem lande oder volke oder häufiger der stadt benannt, in deren gebiet sie liegen. so mnd. Dampnesche zee in einer hannov. urk. von 1281 (neben Domanze 1272), s. nd. korrespondenzbl. 16, 6b. fast immer tritt zu see der als adjectiv empfundene gen. plur. der ableitung, die die bewohner bezeichnet (Genfer, Vierwaldstädter see), selten ein wirkliches adjectiv oder unmittelbare zusammensetzung, Costnitzer - see, il lago di Costanza. Gard- ò Garzer - see, il lago di Gardo ò Benaco. Genfer-see, il lago di Geneva ò lago Lemano. Komer-see, il lago di Como ò Comasco. Kramer dict. 2, 729b (für letzteren hat Stieler 1990: Kummersee, lacus Comacenus, vel Larius); troy, der von Freienberger alben herein in den Pallen und zu Tarscher see get. tirol. weisth. 3, 310, 44; welcher von Tarscher see auf Tarscher alben get. 311, 16; die grösten namhafftigsten see, so der Helvetier landmarch berüren, .. sind dise: der Bodensee, der Zellersee, ober und nider Zürychsee, Pfäffickersee, Gryffensee, Egrisee, Zugersee, Lucernersee, Baldeckersee, Hallwylersee, Sempachersee, Clöntalersee in Glarusz, Lowertzsee zuo Schwytz, Saxlersee, Huweylersee, Lungerersee, alle drey zuo Underwalden, Brientzersee, Thunersee, Bielersee, Murtersee, Neüwenburgersee, Genffersee, etc. Stumpf 290a; item, bey Vopalko ist ein see den man den bairischen nennet. Hammer roseng. 472; im windischen land ist ein see den man den Zirckner see heisset. 475; von den seen ist in Unter-Oesterreich nichts sonderliches zu vermelden, ausser der .. Neusidel-see, der sich bey Neusidel anfänget. Hohberg 1, 466a; s. auch Oken 1, 557. II@1@b@dδ) bei ausländischen seen tritt gewöhnlich der fremde name unverändert vor see, sodasz eine art von compositum entsteht: der Baikal-see, Wan-see, Ladoga-see, Michigan-see, Titicacasee (der see von Titicaca, Oken 1, 557 ist jetzt veraltet). es kann aber auch der name nach der weise anderer eigennamen hinter see treten; dies ist in der ältern sprache üblicher, jetzt besonders noch bei gewissen biblischen namen, z. b. der see Genezareth, il lago di Genezareth in Galilea. Kramer diction. 2, 729b; ahd. ist zuweilen der genitiv des namens aus dem lat. stehen geblieben: inti abur ûʒgangenti fon marcûn Tyri quam thuruh Sidonem zemo sêuue Galile. Tatian 86, 1; zi themo sêuue ther Tiberiadis hieʒ. 235, 1; eʒ ist ain sê in dem land India, der haiʒt Aspaltides. Megenberg 482, 22; sô mag in dem sê Altes ze Porrentan nihts ob beleiben. 24; als aber Jonathas und Simon .. solchs merckten, flohen sie .. und schlugen ein lager am see Aspar. 1 Macc. 9, 33; aber Jonathas zog mit seinem heer an den see Genesara. 11, 67; und er stund am see Genezareth. Luc. 5, 1; in dem jüdischen see Asphaltite kan nichts zu grund fallen, was auch darein geworffen wird. Hammer roseng. 473; vgl. auch: ûf einen sêe brâchte er si dô, der ist der Balât genant. livländ. reimchron. 9926. II@1@cc) der see im gegensatz zum lande, selten: swâ heide wechset oder clê, acker, walt oder sê, des ist zû Eistlant niht bliben, eʒ sie alleʒ wol beschriben. livl. reimchr. 6706; wenn ich den schönen mond am tage dunkel sehe, ... und ohne blumen sehe see und wiesen. Herder 26, 413 Suphan (ged. ein. brahm. 34). häufiger werden see(n) und flüsse, bäche zusammengestellt: darzue auch des vischens auf dem Innstram, wilt- und haimbischen seen, pächen, güssen und andern vischwassern. tirol. weisth. 1, 17, 23; die pache jouch die sêwe. laudate dominum (denkm. nr. 45) 7, 6; auf seen und strömen das grundeis borst. Bürger 36a. insel im see: Huttens schatte, sei mir gegrüszt! du asche des dichters, dem eine insel im see endlich die ruhe gewährt. Herder 16, 294 Suphan. II@1@dd) see mit beiwörtern, theils allgemeiner, schmückender oder hervorhebender, theils charakterisierender art: stiller see, mite stagnum Maaler 369a; ein groszer see, un gran lago. Kramer dict. 2, 729b; eine schlammichte see, lacus caenosus Steinbach 2, 557; auch vleuʒt des merwaʒʒers vil in des ertreichs hölr, dâ von dicke die grôʒen sê koment und diu stilstênden mer. Megenberg 102, 24; der herr .. versenckte die fünff königreich, die jren trewen prediger nicht hören wolten, unnd machet ein wunderbarlichen sehe drausz. Mathesius Sar. 57a; dieser orth (Neuschanz), wie lustig er lieget, so ungesund scheinet er hergegen zu seyn wegen der süssen see, und vielen herumb ligenden morasten. Olearius reisebeschr. 9a; in meim grosen see dort unden hab ich vil wilder enden funden. Ayrer 1793, 15 Keller; bald scheint ein breiter see ein meilen langer spiegel. Haller ged.10 37 (alpen). s. auch b, α. — anders in den tiefsten see, den see da wo er am tiefsten ist: den hammer werf' ich in den tiefsten see, der mir gedient bei diesem fluchgebäude! Schiller Tell 1, 3. II@1@ee) verbale fügungen: es lächelt der see, er ladet zum bade. Schiller Tell 1, 1; der föhn ist los, ihr seht wie hoch der see geht. ebenda, 's ist heut Simons und Judä, da ras't der see und will sein opfer haben. ebenda; schon stiebt es von den wipfeln und dunkler treibt der see. Geibel 3, 91; der see schlägt ans ufer, s. Wigalois 5281 unter f; die see lauft über die maaszen auf, lacus praeter modum crescit. Steinbach 2, 557. — see als object; den see befahren u. ähnl., so mit richtungsadverbien: (er) fur darvon den sehe abhin nach Pettershausen. Zimm. chron.2 2, 239, 32; nun komm, mein süszes weib, und rasten wir, ... und horchen, wie im winde reingestimmt das spätgeläut den see herüberschwimmt. Geibel 3, 119. II@1@ff) mit präpositionen. an: item Ampaner haben recht, alle erichtag mit iren küen in Laebeins .. ze farn an den see. tirol. weisth. 1, 247, 32; und er stund am see Genezareth, und sahe zwey schiff am see stehen. Luc. 5, 2; er kom des âbnts an einen sê. Parz. 225, 2. daher in ortsangaben: Seeburg am see; ain graf von Newenburg am sehe. Zimm. chron.2 1, 115, 24 Barack.auf: und es kam ein windwürbel auff den see. Luc. 8, 23; wer auch holz treibt auf dem see oder heu darauf zeucht. tirol. weisth. 4, 525, 10; nu sâhen si, wâ vor in ein schiffelîn flôʒ ûf dem sê. Wigalois 5289. aus: wie ein wasser ausleufft aus dem see. Hiob 14, 11. — bei: die waldung ober den droi bei dem see. tirol. weisth. 3, 310, 23; disiu (burg) lac sô nâhen bî dem sêwe, daʒ er rehte für der frouwen kemenâten tür sluoc, als eʒ wint was. Wigalois 5281. in: im see fischen, pescare nel lago. Kramer dict. 2, 729b; aus dem Erzberg hindan ab in den see. tirol. weisth. 2, 100, 8; die herde stürtzet sich mit einem sturm in den see, und ersoffen. Luc. 8, 33; die tuont sam die frösche in einem sê. Walther v. d. Vogelweide 65, 21. ob: so man holz ob dem see .. herausz fiert. tirol. weisth. 3, 66, 35. —
23931 Zeichen · 699 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    see

    Althochdeutsches Wörterbuch

    see s. er, siu, iz.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sêe

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    sêe , seem , sêen , sêër s. sëhe, seim, saejen, s. sæjære.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    seePers.-Pron. (F.) (Pl.)

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    see , Pers.-Pron. (F.) (Pl.) Vw.: s. sē (2)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    See

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die See , (einsylbig,) plur. die -n, (zweysylbig,) und der See, (einsylbig,) des -s, (zweysylbig,) plur. die -n, (auch z…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    1See

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 See mask; häufig in identifizierender Kennzeichnung od mit konkr geogr Bestimmung: ‘Comer, Genfer, Zürcher S.’ uä, ein…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    See

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    See , die, soviel als Meer; S., der, Land-S., größere Wasserbecken, die von Land umgeben sind.

  7. modern
    Dialekt
    See

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    See [Sé K. Z. ; Siè M. ; Siə Sulzern ] m. See; mit Wasser überschwemmte Bodenfläche: Do is t alles ein See gewë se n Dun…

  8. Sprichwörter
    See

    Wander (Sprichwörter)

    See 1. Auf der See soll man sich vor dem Priester doppelt neigen. Man soll den Priestern alle Ehre erweisen, weil sie na…

  9. Spezial
    See1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    See 1 m (-s,-en) lech (lec) m. ▬ am See söl lech.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit see

2.079 Bildungen · 2.061 Erstglied · 18 Zweitglied · 0 Ableitungen

see‑ als Erstglied (30 von 2.061)

See'eimer

DRW

See'eimer, m. am Bodensee und in Schwaben: ein Hohlmaß von idR. 32 Seemaß bzw. rund 37-47 Litern; ua. für Wein vgl. Eimer (II), Seefuder Sac…

see'erfahren

DRW

see'erfahren, adj. kundig, sachverständig in der Seefahrt (I) koͤnnten sie [schiffer und sein volck] sich um verbesserung der hauer nicht ve…

see'isch

DRW

see'isch, adj. I seeische Stadt Seestadt, insb. Hansestadt die raitzboden der sewesscher stede 1393 HanseRez. IV 163 Faksimile II seeischer …

Seeacker

SHW

See-acker Band 5, Spalte 945-946

Seeadler

SHW

See-adler Band 5, Spalte 945-946

Seebach

SHW

See-bach Band 5, Spalte 945-946

Seebad

SHW

See-bad Band 5, Spalte 945-946

Seebaum

SHW

See-baum Band 5, Spalte 945-946

Seeblume

SHW

See-blume Band 5, Spalte 945-946

Seeboot

SHW

See-boot Band 5, Spalte 945-946

Seebrücke

SHW

See-brücke Band 5, Spalte 945-946

Seebuckel

SHW

See-buckel Band 5, Spalte 945-946

Seebär

SHW

See-bär Band 5, Spalte 945-946

Seedamm

SHW

See-damm Band 5, Spalte 945-946

Seefeld

SHW

See-feld Band 5, Spalte 945-946

Seefisch

SHW

See-fisch Band 5, Spalte 945-946

Seegarten

SHW

See-garten Band 5, Spalte 945-946

Seegewann

SHW

See-gewann Band 5, Spalte 945-946

Seegraben

SHW

See-graben Band 5, Spalte 945-946

Seegras

SHW

See-gras Band 5, Spalte 945-946

Seegrund

SHW

See-grund Band 5, Spalte 945-946

Seegräber

SHW

See-gräber Band 5, Spalte 945-946

Seehafen

SHW

See-hafen Band 5, Spalte 945-946

Seeheim

SHW

See-heim Band 5, Spalte 945-946

Seehund

SHW

See-hund Band 5, Spalte 945-946

Seekadett

SHW

See-kadett Band 5, Spalte 947-948

seekrank

SHW

see-krank Band 5, Spalte 947-948

Seelache

SHW

See-lache Band 5, Spalte 947-948

Seeluft

SHW

See-luft Band 5, Spalte 949-950

see als Zweitglied (18 von 18)

Übersee

RDWB1

Übersee m (Lakune) заокеанские страны (обычно об Америке) идиом. , из-за океана Geld aus dem ~ - американские деньги

ansee

KöblerMnd

ansee , F. Vw.: s. hanse

Bogsee

MeckWBN

bog·see

Wossidia Bogsee f. von vorn kommende Wellen: vör ne Bogsee was de Brigg' een düchtig Boot Bri. 4, 55.

Chaussee

Pfeifer_etym

chaus·see

Chaussee f. ‘Landstraße’. Um die Mitte des 18. Jhs. wird aus Frankreich der Chausseebau übernommen. Damit wird auch die Bezeichnung frz. cha…

Fricassée

Adelung

Das Fricassée , (dreysylbig,) des -s, (viersylbig) plur. die Fricassée, (viersylbig,) aus dem Franz. Fricassée, eine Art der Speisen zu beze…

Gardasee

Wander

garda·see

Gardasee Der Gardasee und der Celinamund treiben es oft gar zu bunt. Klage in den italienischen Provinzen Treviso und Udine, weil die schlim…

Gripensee

MeckWBN

gripen·see

Wossidia Gripensee m. See, in dem die ungeborenen Kinder liegen, aus dem sie gegriffen werden: donn leg'st du noch in 'n Gripensee warst noc…

landsee

DWB

land·see

landsee , m. see im binnenlande: zartes eis bedeckte die fläche schimmernder landseen. Stolberg ged. (1779) 303 .

nordsee

DWB

nord·see

nordsee , f. mare germanicum Stieler 1990 . Ludwig 1335 . ( vergl. md. nordersee Germania 9, 366): die heringstonnen der nordsee. Freytag ah…

ostsee

DWB

ost·see

ostsee , f. , nnl. oostzee, das ostwärts von Norddeutschland liegende baltische meer ( s. ostersee): in diesem jahre ist bei der ost-see ein…

passee

RDWB1

pas·see

passee franz. das ist schon längst ~ - это уже в прошлом, это уже кануло в лету идиом. , это уже вчерашний день идиом. , это уже неактуально…

südsee

DWB

sued·see

südsee , f. , vgl. älteres südersee. im ags. sûþs: fram ðre ... eá Humbre oð sûðs Bosworth-Toller suppl. 715 ; im gegensatz zu norðs, s.…

Thunersee

Wander

thuner·see

Thunersee Auf den Thunersee Erbsen setzen. – Gotthelf, Jakobs, 234.

Zürichersee

Wander

zuericher·see

Zürichersee Ich wollte, der Zürchersee wäre eine Milch mit lauter Mönch und Pfaffen eingebrockt, und dass es der Teufel ausfressen müsste. –…

ȫversee

KöblerMnd

ȫversee , Adv. Vw.: s. ȫversē