sausen,
verb. einen brausenden oder zischenden ton hervorbringen. das wort findet sich in den deutschen sprachen im engern sinne und den nordischen; auszerhalb des germ. stellt Fick
3 3, 328
altslav. sysati '
pfeifen'
dazu. altn. súsa
ist nicht bezeugt (
wol aber sús,
vgl.saus);
dän. suse,
schwed. susa.
ahd. sûsôn, sûsên, sûsen
bez. sûsjan Graff 6, 282;
dem entsprechend mhd. sûsen
und siusen,
bair. sausen
und seusen Lexer
handwb. 2, 1328,
mnd. susen Schiller - Lübben 4, 479
b,
niederl. suysen, soesen Kilian,
sibilare .. nd. sussen Dief.
gloss. 532
a,
stridere .. sausen 556
a,
susurrare .. susen (
und davor suwen,
l. suwsen?) 570
a, .. suzen .. sewsen
nov. gloss. 357
b,
tinnire susen
gloss. 584
c, zuzen
nov. gloss. 365
a,
stridula .. susende 350
b. Schm. 2, 330
führt die formen sausen, seusen, seisen, sâssn, sisen
an. die umgelautete form seusen
findet sich noch gelegentlich im ältern nhd.; jetzt ist sie nur in der spät auftretenden deminutivbildung säuseln (
s. das.)
erhalten. in neuern mundarten: sûsen
im nd. alemann. und vielfach im mitteld. brem. wb. 4, 1105. ten Doornkaat Koolman 3, 367
b. Danneil 217
a. Stalder 2, 420 (susen
und zusen). Vilmar 339, suse Hunziker 267. Seiler 286
a. Kleemann 23
a, sûsa Tobler 429
b,
tirol. seus'n Hintner 208.
cimbr. wb. 225
b.
das in manchen nd. mundarten verbreitete sisen
bez. sissen
ist wol nicht damit verwandt, sondern eher eine selbständige onomatopoetische neubildung, s. Vilmar 386. Schambach 192
b.
Frommann mundarten 4, 35 (
vgl. zischen). 11)
die grundbedeutung von sausen
scheint der laut des windes oder des vom winde bewegten meeres, der bäume u. s. w. zu sein, wo wir jetzt rauschen, brausen, pfeifen, heulen
u. a. als synonym gebrauchen (
vgl. altslav. sysati,
altn. sús). 1@aa)
vom winde. schon ahd. susontiu,
spirantia (
aera) Graff
a. a. o.: sausen als der wind,
fremere. Frisch 2, 153
b; der wind bleset wo er wil, und du horest sein sausen wol.
Joh. 3, 8; aber zum sturmwind heiszt disz hausz, .. so sausz, so sausz mein windelin sausz.
Garg. 89
b; wir .. trieben die gantze nacht in einem erschrecklichen sturm, der
auch folgenden tag und nacht wärete mit solchen sausen und brausen, als wenn himmel und erden vergehen wolten. Mandelslo
morgenl. reisebeschreib. (
herausg. von Olearius) 116
a; der sturm saust über dem Arno. Klinger 1, 54; im sturme sausen die bösen geister. 56; ich sehe in dem fernen norden einen wirbel von dem schneegebirge herfahren, er sauset in diese stille, bläst sie zum wüthenden sturme auf. 7, 140; do gedacht ich: lasz den wint hin fur sausen!
fastn. sp. 702, 31; denn es stund mehlich auff ein wind, und kam hernach an so geschwind, das die beume brachen im sausen.
froschm. Hh 4
a; der winde starckes prausen bewegte wald und berg mit seinem wilden sausen. Opitz (1646) 2, 284; die wind (
Zephyrus und Boreas) hinfuren beed mit sausen, erweckten gar ein groszes brausen. Spreng
Il. 321
b; das grausen weht, das wetter saust. Bürger 71
b; saus' immerfort, o winternord. Hölty 194
Halm; der wind hat drein gesauset. Fr. Müller 2, 327; denn mich hielt das sausen des ungeheuern sturms nach mitternacht noch munter. Göthe 57, 316; hör auf, du wind, durchs laub zu sausen. Schiller 1, 29; ein ruheloser marsch war unser leben, und wie des windes sausen, heimatlos.
Wallenst. tod 3, 15; er ist es nicht — es war der winde spiel, die durch der pinie wipfel sausend streichen.
braut von Messina 2, 1; als die wölfe hungrig heulten und die nachtorkane sausten! Uhland
ged. (1864) 261;
vergl. auch: der wind im hain, das laub am baum, saust ihm (
dem bösewicht) entsetzen zu. Hölty 187
Halm; zuweilen auch von dem pfeifen des aus blasebälgen und ähnl. dringenden luftstroms: wann sô gêt der luft datz (
da zu) den engen nüeten (
ritzen) ein und seust in dem getwang. Megenberg 108, 21; das geräusch des wassers und der von ihm getriebenen blasbälge, das fürchterliche sausen und pfeifen des windstroms ... trieb uns endlich hinweg. Göthe 25, 328. 1@bb)
ebenso sagt man die bäume sausen im winde: brüder, hört, wie Eurus brauset, ... wie der baum im hofe sauset. Voss 4, 11; und wie im wind die alten eichen sausen. Fr. Schlegel
ged. 130; ich reit' am finstern garten hin, die dürren bäume sausen drin. Uhland
ged. (1864) 58; es saust ihm zu haupte der schwarze wald. 213. 1@cc)
von der meeresbrandung, von flüssen mit starkem gefälle, wasserfällen u. ähnl.: das saussen des meers,
fremitus murmurantis maris Frisch 2, 153
b; wo er der Rhein seinen fall hat, und mit groszen saussen und praussen theils seines wassers gleichsam in staub verwandelt.
Simplic. 2, 190, 10
Kurz; das brüllen des sturms, das sausen der gewässer .. entzückten mein lauschendes ohr. Klinger 5, 152; Abdallah wankte betäubt gegen die äuszerste spitze des felsen und stürzte in die sausende fluth. 7, 234; der damm zerreiszt, das feld erbraus't, die fluthen spülen, die fläche saus't. Göthe 2, 37; eine meereswoge, sie schwankt und saus't. 38; von sturz zu sturzen wälzt er (
der wasserfall) jetzt in tausend, dann aber tausend strömen sich ergieszend, hoch in die lüfte schaum an schäume sausend. 41, 7; und so lange deutsche ströme sausen. Körner 1, 110
Hempel. bildlich: ich werde mich schon in dem wilden strome des lebens zu finden und zu erhalten lernen; schon merke ich, dasz sein gebrause mehr den zuschauer ängstigt, als den, der mit ihm dahin schwimmt; denn dieser vernimmt sein sausen nicht eher, als wenn er an der klippe zerschmettert hängt. Klinger 4, 63. 1@dd)
von der vom winde angefachten flamme: langsam erhob sich aus dem feurigen schlunde ein dunkles, ungeheures haupt empor, stieg über das sausende, kochende, dampfende feuermeer. Klinger 5, 367; herbstlich leuchtet die flamme vom ländlich geselligen heerde, knistert und glänzet, wie rasch! sausend vom reisig empor. Göthe 1, 272. 1@ee)
ohne ein bestimmtes subject: lasz sausen durch den hagedorn, lasz sausen, kind, lasz sausen! Bürger 14
a; es saus't so öde durch dein reich, und schauder faszt die seele gleich, als wolltest du (
die welt) mit leisem beben des morgens blut'gen schleier heben. Körner 1, 112
Hempel. sausende tage,
wo es saust: wann ein freund ihn besucht' in den sausenden tagen des winters. Voss 1, 57 (
Luise 1, 466).
bildlich: die künste werden auch fortgetrieben, dasz es saus't und braus't. Göthe 29, 83. 1@ff)
im substantivierten infinitiv: sie flog und hatte nicht rast, es ging ein sausen hinterher. Geibel 2, 162. ein dumpfes sausen
u. ähnl.: welch ein dumpfes fernes sausen! welch ein tiefbewegtes brausen! wie der sturm im fernen meer. Göthe 11, 228. 22)
der grundbedeutung am nächsten steht der gebrauch von sausen
für den pfeifenden oder zischenden laut von gegenständen, die schnell die luft durchschneiden, wobei es geradezu in die bedeutung '
sich sausend bewegen'
übergeht. so 2@aa)
von geschwungenen schwertern oder fliegenden wurfgeschossen: sausen als die kugeln von einem geschosz in der lufft,
sibilare. Frisch 2, 153
b; da höreten wir die canonen so wohl auf unsern schiffen tapffer sausen.
Felsenburg 4, 126; des königs stücke (
die kanonen Gustav Adolfs) sausten und brausten, unter des Papenheimers volck sie übel hausten. Soltau
volksl. 1, 501 (
aus dem j. 1632); wenn schon die kugeln sausen, lasz dir davor nicht grausen!
wunderhorn 1, 468
Boxberger; lasz pfeil, säbl, saussn, und umb uns praussn. Morhof
unterr. von der teutschen spr. u. poesie (
Kiel 1682) 344, 4; da (
bei Kunersdorf) sauseten die kugeln uns wie tausend teufel um den kopf! Hölty 38
Halm; dasz der sturm der schlacht mich faszte, speere sausend mich umtönten! Schiller
jungfrau von Orl. 4, 1; wenn die kugel pfeift, wenn die lanze saus't. Körner 1, 141
Hempel; das schwert an der hüfte, das sauset nicht mehr durch dampfende lüfte. Platen 2
a;
ebenso von der peitsche: der schwung der peitsche sauset nicht. Bürger 71
a. 2@bb)
daher sausende kugeln
als term. techn. der artillerie, hohle eiserne kugeln, die wie granaten zugerichtet und geworfen werden und unten mit einem dreieckigen loche versehen sind, weshalb sie besonders stark sausen. Jacobsson 3, 527
b. Eggers 2, 748
f. 2@cc)
von menschen oder thieren, die schnell und geräuschvoll daherfahren; sehr häufig im mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 759
b. Lexer
handwb. 2, 1328: des kam er sûsend ûf die wal, als ûf daʒ mer ein sturmwint. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 25942; der blasz Schneider von Sumerhausen thet auch her an dem rayen sawsen. H. Sachs 1, 531
a;
so auch: die jugend verschlingt nur, dann sauset sie fort. Göthe 1, 137.
vom wilden heer: nun saus't und braus't es, das wüthige heer, in's weite gethal und gebirge. Göthe 1, 226. 2@dd)
von andern gegenständen: de wagen sûsd d'r man so langs. ten Doornkaat Koolman 3, 368
a;
bildlich: der erhabene gedanke, der diese träume erzeugt hatte, saus'te durch seinen geist. Klinger 8, 243. 2@ee)
dem schnell gehenden sausen
die haare: de hâr sûsde ên bî de kop, so gung 't d'r langs. ten Doornkaat Koolman 3, 368
a; da sprengt' ich ohne ziel, dasz mir die haare sausten, durch wälder und durch auen, wie's meinem rosz gefiel. Gotter 1, 362. 2@ff)
auch die bewegung selbst wird sausend
genannt: und hurre hurre, hop hop hop! ging's fort in sausendem galopp. Bürger 14
b,
vgl. 15
a. 2@gg)
auch von gegenständen, die durch schnelle umdrehung und dergl. ein ähnliches geräusch hervorbringen: der webestuhl saust nicht mehr zu den fleiszaufmunternden liedern. Klinger 4, 212;
im bilde: so schaff' ich am sausenden webstuhl der zeit. Göthe 12, 35. 33)
von dem dumpfen brausen, das zuweilen in den ohren in folge von blutandrang entsteht. man sagt 3@aa) die ohren sausen mir:
tintinnare, als wenn einem die oren sausend. Maaler 343
d; sausen, als die ohren,
tinnire Frisch 2, 153
c; das saussen oder klingen der ohren,
tinnitus. ebenda (
vgl. ohrensausen theil 7, 1258); wem dy orn seusen.
quelle bei Schm. 2, 330; dʒ die oren deʒ menschen sewsent dʒ kompt etwenn von grossen winden und von übrigem pradem der in dem haubt ist. Ortolff
arzneib. 24
a; etwenn so sewsen sie (
die ohren) als glocken darin sein oder als das wasser dʒ da sewset. 23
b; es ist noch eyn ander gebreste vorhanden, als so einem die oren sawsen oder klingend. Khüffner
Celsus (1531) 101
a (
überschrift: zum sauszen oder hummsen der oren inn jnen selbs); der schnupftaback ... taubet das gehör und machet klingen und sausen der ohren. Ettner
med. maulaffe 78; die wile wart die trugsesse geslagin, daz jm das ore susete.
Alex. u. Antil. 357
in den altd. blättern 1, 262; der kopff winckte, die ohren sausten.
froschm. Cc 5
b; die ohren taub von sausen, die hören hier trompet. A. Gryphius 1, 210. 3@bb)
jetzt gewöhnlicher es saust mir in den ohren: wie du (
Bacchus) uns am sail gezwirbelt, uns im ring herumgewirbelt, dasz uns nacht ums auge grauszte, dasz 's uns in den ohren sauszte. Schiller 1, 213. 3@cc)
ähnlich: der kopf saust mir
ebenfalls als folge von blutandrang (
vgl.brummen im gleichen sinne theil 2, 429): als ich nehest bey euch war, meins kopffs sausen und schwacheit, durch bewegung des leibs zu vertreiben. Luther 5, 461
b; mit wein wöln wir uns laben ... bisz uns der kopf tut sausen nit e land wir darvon. Uhland
volksl.2 470 (233, 2). 3@dd)
etwas anderes ist es natürlich, wenn man sagt: die worte sausen mir noch im ohr
u. ähnl., um auszudrücken, dasz man sich ihrer so genau erinnert und so sehr unter ihrem eindruck steht, als wenn man sie jetzt hörte (
vergl. 5): wir solten uns billich den spruch Christi zu ohren sausen lassen. S. Franck
weltb. vorr. 4
a; denn die worte seiner majestät in ansehung des vizirs sausten ihm immer in den ohren. Klinger 5, 76; es sauste mir lange in den ohren, als kämen die von dem berge mit ihrem rufen, mit fackeln und langen messern noch immer hinter mir drein. Eichendorff
werke (1883) 4, 55. 3@ee)
eine der häufigen verwechselungen verschiedener sinnesempfindungen scheint vorzuliegen, wenn susen
in schweizerischen mundarten auch von reiszenden, zuckenden schmerzen, wie zahnweh, die ebenfalls auf plötzlichem blutandrange beruhen, gesagt wird. Stalder 2, 421. Tobler 429
b. Seiler 286
a.
ähnlich wol in folgender stelle: die herberg, darinn er seyne sausende glider erstrecken und seyn ruw haben mage. Wirsung
Calixt. u. Melib. k. 44)
ferner wird sausen
von ähnlichen geräuschen gesagt; hier zeigt es besonders in der ältern sprache eine grosze mannigfaltigkeit von bedeutungen, von denen es jetzt viele verloren hat und darin durch andere wörter, wie zischen, pfeifen, prasseln, knirschen
u. s. w. ersetzt ist. 4@aa)
vom prasseln des fettes oder gebratenen fleisches über dem feuer: der braten saust, die pfanne saust.
so besonders mhd., vergl. die zahlreichen glossierungen von ahd. sûsên
mit stridere Graff 6, 282: eʒ (
das schretel, der kobold) briet sîn vleisch vür sich dar, unz daʒ eʒ rehte wart gewar, daʒ nu der brâte sûste und in der hitze brûste.
schretel u. wasserb. 221
in zeitschr. für deutsches alterthum 6, 180; sô ist mîn wîn gelesen unde sûset wol mîn pfanne. Walther v.
d. Vogelweide 34. 35. 4@bb)
von dem zischen glühender gegenstände oder ungelöschten kalkes im wasser: kalk saust oder pfeift ein wenig im wasser. Thurneisser
von wassern 35; iâ recht als der ein glüend îsen borte in ainen brunnen kalt, also eʒ sûset. Hadamar v. Laber
jagd 356.
auch vom zischen von gegenständen im feuer: stridens susanta
lammina bleh.
Prud. gl., s. zeitschr. f. d. alterth. 16, 44
a, 512. 4@cc)
ahd. auch '
mit den zähnen knirschen': suoset, criscrammet mit zanen,
stridebit dentibus Graff 6, 282. 4@dd)
in schweizer. mundarten wird susen
vom gähren des jungen mostes gebraucht; in demselben sinne auch sus,
adj., gährend, und suser
für den most selbst (
vgl.sauser). Stalder 2, 420. Hunziker 267. Seiler 286
a. 55)
mit bezug auf den menschen; von der menschlichen stimme: dann sauste die gewaltige stimme des sultans in folgenden worten. Klinger 6, 155 (
vgl. 3,
d);
vom lachen: die versammlung wieherte ihm (
dem sultan) nach, und der saal der vernunft erscholl von dem sausenden gelächter der philosophen. 6, 299.
auch von den menschen selbst sagt man, dasz sie sausen,
gewöhnlich in dem sinne '
leise singen, summen' (
vgl. 10).
so ist wol auch zu verstehen: laszt uns forschen bey den warsagern, und zeubern, die da saussen auff jre zeuber weise. Luther 2, 36
a. 66) sausen
zur bezeichnung eines lärmenden, geräuschvollen treibens, eines wilden durcheinanders: ich will sie (
die elemente) erschüttern, ... und jauchzen, im sausenden gewühle der zerstörung. Klinger 2, 291; sie (
die zeit der besuche) fiel bei Viktor gerade in die wintermonate, wo ohnehin die sausenden butterwochen der städte und höfe sind. J. Paul
Hesp. 2, 189; lasz du die grosze welt nur sausen, wir wollen hier im stillen hausen. Göthe 12, 211; der fernen schlachten getümmel erklingt vor ihren ohren, es sauset schon der sturm des gefechts um sie her. 40, 355. 77)
daher auch von dem lärmenden treiben einer lustigen gesellschaft, in saus und braus leben, schwelgen, prassen (
vergl.saus 2—4) ten Doornkaat Koolman 3, 368
a,
bair. sâssn und brâssn Schm. 2, 330: die andern (
einwohner von Sodom) allzumal haben gelebt, wie sie wolten, gesaust und gebrasset. Luther 4, 109
b; dahero sie (
die akademische jugend) .. täglich im saussen und schmaussen, im spielen und dobbeln, im schlagen und balgen .. stäts lebeten. Happel
akad. roman 10; in stetem wohlleben sausen und brausen.
Pierot 2, 108; es soll heute alles in sausen und schmausen bey mir gehen. Weisze
kom. opern 3, 346; dann heiszts nicht mehr: man soll und musz! ihr saust und braust im überflusz, und schimmert wie die prinzen. Matthisson
ged. 230. 88)
während allen diesen bedeutungen der jetzige sinn des wortes zu grunde liegt, wird es in der ältern sprache (
bis ins 17.
jh.)
auch in andern fällen angewandt, wo wir jetzt das neugebildete deminutiv säuseln (
vgl. das.)
gebrauchen, susurrare, tintinnare Maaler 343
d,
sibilare, susurrare Kilian: gedöne ... sausen, leises gereuschen,
murmur, sonitus, susurrus Henisch 1408, 20,
vgl. die zahlreichen glossierungen mit susurrare u. ähnl. (
s. oben).
in dieser bedeutung noch cimbrisch sausen
cimbr. wb. 225
b,
vgl. auch schwed. susa
säuseln, rieseln, murmeln: und nach dem fewr kam ein still sanfftes sausen.
1 kön. 19, 12; ob schon die bächlein sausen, ich doch nit schlaffen kan. Zinkgref
bei Opitz (1624) 245; da kam durch zartes laub und grasz, ein sanfftes windlein sausen. Spee
trutzn. (1649) 10; die bäumlein reich von zweigen auch sang-weisz sausen gan. 108; allweg sie (
die bächlein) süszlich sausen, zum sang und gang gewohn. 113; da tratt der west-wind ein mit seinem sanfften sausen. P. Fleming 78; dasz die büsche sänffter brausen, dasz die lüffte linder sausen. 361. 99)
daher auch von dem summen der bienen und anderer insekten. Overbeck
bienenwb. 72. Woeste 264
a: sausen als die biene,
bombos edere, murmurare, susurrare, s. summen, sumsen Frisch 2, 153
b; die immen und bienlein lieblich sumsen und sausen.
anm. weish. lustg. 436; wes, des wæne ich, wes müggen sûsent, schrîent ouch grillen.
minnes. 2, 239
a Hagen. scherzhaft übertragen: dann da seind jhrer (
der '
Rom-bienen') viel, die bey nacht mit einem getürmel auffstehen, die schwürmen und sausen einer dem andern zu, als ob sie die metten .. singen wolten. Fischart
bienenk. (1588) 266
a; weil die, durch eine bisher in Deutschland unerhörte freimüthigkeit aufgeregten wespenschwärme zunächst um ihn (
Nicolai), als herausgeber und verleger, sauseten. Göckingk
Nicolais leben 24. 1010)
auch von menschen, leise singen, summen, namentlich von dem singen oder sumsen, womit die kleinen kinder zum schlafen gebracht werden: das saussen ein kind zu stillen,
sibilus Frisch 2, 153
b;
sibilare hyschiczen, sussen, alsome kinderen deyt. Dief.
nov. gloss. 337
b; wan all säusend stimm machend slâfend. darumb säusent die ammen irn kinden pei den wiegen. Megenberg 224, 8; ein spielmann .. legt einer bäurin kleider heimlich an .., machet darzu ausz lumpen und tüchern eine puppen, wie ein kleines säugendes kindtlein, trugs unterm mantel, und damit es still were und nicht weinet, immerzu säuset. Kirchhof
wendunm. 3, 199
Österley (4, 218).
ebenso in neuern mundarten Schm. 2, 330. Kleemann 23
a;
im ostfries. gebraucht man dafür die umgelautete form süsen,
während '
sausen'
sonst susen
heiszt ten Doornkaat Koolman 3, 368
a; sussen Schambach 219
b.
auch überhaupt, kinder zum schlafen bringen, z. b. durch wiegen Vilmar 339 (
vgl.sause,
f).
üblicher ist dafür einsausen: einsaussen ein kind,
infantem dormire facere sibilando, canendo Frisch 2, 153
b (
vergl. theil 3, 266).
allgemeiner: endlich schmierte ihm die wirthin den dreck aus den eselsohren an die schläfe und unter die nasen und sausete ihn damit ein. Paulini
dreckapotheke (1696) 3.
so in dem anfange des weitverbreiteten wiegenliedes: sause,
ninne, sause,
oder sause, kindchen, sause; schlaf, werthes paar, neun monden ein, es sey mit euch Lucine! und singt, wann die verflossen seyn: pisch! sausse! proye! nine! Picander 2, 379; endlich wird es schöne klingen, wenn die kinderfrau wird singen: proye nine sause was raschelt im stroh! 417;
vergl. ninne (
theil 7, 851
und Lexer
handwb. 2, 85), sause,
n. und sauseninne;
ferner Vilmar 339. Pfister 243. Schm. 2, 330.
während der imperativ hier wol als interjection zu fassen ist (
stille! vgl. Frommann
mundarten 6, 429, I, 3),
wie mhd. sûsâ (
in anderm sinne, s. Lexer
handwb. 2, 1328),
wird es vielfach als directe aufforderung an das kind, einzuschlafen, verstanden: nun sausz, nun sausz, mein liebes kind, mein gott, mein heil, mein herre.
weihnachtsl. in: seraph. lustg. (
Cöln 1635) 623.
aus miszverständnis dieser verbindung scheint dann ein verb. sausen '
einschlafen'
erschlossen zu sein. vgl. Woeste 264
a und derselbe bei Frommann
mundarten 5, 71 (61).