rauschen,
verb. geräusch machen; mhd. rûschen
und riuschen. 11)
in der älteren sprache vielfach von der ungestümen, wilden bewegung lebender wesen, daher stürmen (
unbändig, unüberlegt oder zum angriff): Minne hât sich an genomen daʒ si gêt mit tôren umbe springende als ein kint. war sint alle ire witze komen? .. daʒs ir rûschen nienen lât, und füere als ein bescheiden wîp! Walther 58, 9; dô man des wænen wolte, daʒ si (
Medea) diu guoten kriuter süte, dâ mite si dem künege büte maht und kurzewîle, dô was si manic mîle gestrichen und geriuschet (
mit ihrem drachengespann davon gestürmt).
troj. krieg 11155; do wischt das volk auf und begunde zu rauschen und zu eilen von der lauben auf dem slos zu Nuremberg ein steigen nider.
d. städtechron. 3, 273, 8;
imper. rausch!
wie fahr hin!: ich hoff der rankwere dich nit lang, rausch weil du hast die wechselbank.
Ambras. liederb. 193, 8;
vom heiligen geist, der im menschen ungestüm sich regt: dis seind die waren armen des gaistes, die erfüllet der hailig gaist und rauschet in dem menschen. Tauler (1508) 66
a;
von ungestümem, übermütigem oder unüberlegtem verfahren, sprechen, handeln: darumb so was ze heven an (
bei einer beratung) pei unserm vattern Colman und nit ze rauschen in dem rat einr fürn andern ungefragt.
ring 19
c, 48;
bedeutungen die bis in die neuere sprache bisweilen noch geblieben sind: da ist ein kaufen, verkaufen, wechseln, tauschen, rauschen, liegen, triegen .. (
zu Rom). Luther 1, 297
a; stirbt der reich, laufen zusammen die bürger gleich, damit sie unter dem gestank der arzneien, unter der ärzten versuchungen, unter der prediger und des ganzen hausgesindes rauschen, unter der befreundten heulen, und weibs ohnmacht, die untergehende seel mit glücklicher urlaub begleiten. Schuppius 698; ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht was mich den armen quält. Göthe 1, 96; doch vielleicht kann noch ein wilder lauschen, der zum mord sein krummes messer schleift, und sodann in blitzgeschwindem rauschen uns den schädel von dem hirne streift. Seume
mein leben 70;
von hochfahrendem, lärmendem wesen: verfluchter wurm (
Nero)! was bildest du dir ein? .. dein rauschen daurt nur eine kurze weile. A. Gryphius (1698) 1, 488; die neider lasz ich rauschen, ihr tuhn ist mir ein spasz. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 66; das ist das rauschen stolzer bassen, die auf dem grabe der vernunft des aberglaubens wiederkunft .. im strahlentanz der dolche feiern lassen. Seume
mein sommer s. 40;
von thieren: so fliegen die mucken nit heraus im winter, aber sobald man die stuben warmet, oder die hitze des summers herfür bricht, so rauschend sie und beiszend. Keisersberg
pred. 129
b; wann die wildschwein angesprengt werden und eins derselben kirret, so kirren und rauschen sie alle mit einander.
des esels adel und der sau triumph (1617) 169; welche einen rauschenden hahn, und schleichende katze sahen und sich über dem leisetritt hart verwunderten. Schuppius 830;
vergl. mhd.: dâ von daʒ eberswîn dô kam geriuschet an den snellen. K. v. Würzburg
Parten. 359
Bartsch. 22)
auch mit näherer bezeichnung der richtung und des ziels, sausend stürmen: als er erkande ir stimme, ûf spranc er mit grimme, und rûschte vaste under sî.
Erec 6616; zuletst der todt rauscht her behend, der alles dinges ist ein end, und wolt denselben alten nemen. B. Waldis
Esop 3, 25, 3; der todt rauscht durch die hecken her, grewlicher gstalt thet für jm stahn. Wolgemut
newer Esopus 2, 348;
übertragen auf stolzes, lärmendes, stürmendes verfahren: auch das man mit ablas ins fegfeuer rauschen wil (
mit dem ablasz das fegfeuer aufheben), und also mit gewalt in gottes heimlich gericht fallen, hab ich nicht wissen, und noch nicht weis, zu erhalten oder zu beweren. Luther 1, 165
b; aber also hat man gottes gebot nicht müssen aufmutzen, sondern liegen lassen oder überhin rauschen. 4, 395
b; da treibet er (
Christus) nu weiter, beide, das ander und dritte stück in dem gebete gefasset (wie
oben angezeigt) das er danket und anzeucht, was jm der vater gegeben habe, und rauschet damit in die ganze welt. 6, 174
a; einfeltig und alber sind die wort, das machet auch, das die klugen geister darüber rauschen und verachten, als hetten sie es lange an kinderschuhen zutretten. 201
b. 33)
ebenso häufig aber auch ohne beziehung auf eine innere treibende leidenschaft, mit einem geräusch sich bewegen; von lebewesen und deren gliedmaszen: wenn er (
der wolf) auf laub gêt, sô macht er sein klâen naʒ mit der zungen, daʒ er iht rausch und in die hund iht hœren. Megenberg 147, 14; wenne der wolf über ainen zaun gêt ... ist dann daʒ im ain fuoʒ rauscht oder kraspelt an dem zaun, sô peiʒt er sich selber in den fuoʒ. 148, 11; als aber Ahia höret das rauschen jrer füsze zur thür hin ein gehen.
1 kön. 14, 6; es gieng ein meidlein abends spat für einen jungen knaben .. des war sie fro, er rauscht im stro.
Garg. 28
b;
in der neueren sprache gewöhnlich mit richtungsbestimmungen: auch die eidechs rauschet vorbei am wüsten gemäuer. Zachariä
tageszeiten 2, 40; er (
moloch) rauschete von den gebirgen durch sie (
die erdenbezwinger) gewaltig einher. Klopstock 3, 72 (
Mess. 2, 364); sobald der seiger zwölfe schlägt, rauscht sie, an grabsteinwänden, aus einer gruft empor, und trägt ein blutend herz in händen. Hölty 34
Halm; von des fliehenden tags golde beflimmert rauscht sie (
ein mädchen) durchs rosengebüsch. 104; doch durch die ganze weite welt rauscht bellend ihm die hölle nach. Bürger 71
b; aus dem bewegten wasser rauscht ein feuchtes weib hervor. Göthe 1, 185; herr Goldmar geht durch hecken, er rauschet durch das grü
n. Uhland
ged. 227;
mit freiem ausdrucke, insofern statt eines rauschenden instruments der verursachende finger genannt ist: bald, um des herzens fibern alle zur freud heranzuziehen, rauscht gleich einem raschen wasserfalle, Christinens finger durch die saiten der harfe. Gökingk 1, 90;
zum theil auch nicht ohne den nebensinn des stolzen und übermütigen auftretens (
vergl. oben 1
und 2): ein erkaufter sklave des tyrannen rauschest du mit dem kriegsgetöse durch Rhodos straszen. Klinger 2, 346; die mutter, die im neuen seidenkleide auf- und abrauschte. Freytag
soll u. haben 1, 283; er (
der esel in der löwenhaut) prallt und rauscht daher: reiszt ihm die larve weg!
erläuterungen über die ganze ästhetik in einer nusz (1755) 122. 44)
häufig seit alter zeit rauschen
von gegenständen in andauernder von schall begleiteter bewegung: strepere ruschen, rauschen Dief. 555
c; rauschen,
edere strepitum, stridere, strepere Schottel 1383. 4@aa)
von wasser, flut, wogen, regen: rauschensz wasser,
torrens. voc. inc. theut. r 2
b;
torrens ruschende water, rauschundes mer Dief.
nov. gloss. 368
a; wo etwa ein wind hauchet, .. oder das wasser mit vollem lauf rauschet.
weish. Sal. 17, 19; das meer rauschet,
stridet mare. Steinbach 2, 231; der flusz rauschet,
fluvius murmurat. ebenda; ein grünendes gestäud, dadurch das wasser flosz mit rauschendem getösz. Weckherlin 766; schaw, lieb, wie dieser flusz, mit rauschendem auszgusz die macht der lieb bekennet; und, weil er ausz lieb brennet, fort rauschet ohn verdrusz. 755; ein flusz verräth durch rauschen sich, dasz er sehr tief nicht lauft. Logau 1, 223, 24; die bächlein rauschen in dem sand. P. Gerhard 239, 25; es klatschet, rieselt, rauscht anitzt der rege bach. Brockes 1, 26; der seraph ging fort mit dem rauschen des Jordans. Klopstock 3, 286 (
Mess. 5, 753); der regen rauschte schon von fernen, die wellen drängten sich ans land. Cronegk 2, 212; das wasser rauscht, das wasser schwoll. Göthe 1, 185; gewässer schleichen durch die frische der dichten, sanft bewegten büsche, nicht rauschen sie, sie rieseln kaum. 41, 125; jene gewaltigen wetterbäche, aus des hagels unendlichen schloszen, aus den wolkenbrüchen zusammen geflossen, kommen finster gerauscht und geschossen. Schiller
braut von Mess. v. 245; an dem strom der jüngling stehet und sein rauschen ihm schwellt das herz. Arndt
ged. 18; da weht kein blatt, da rauschet keine welle. 42; hier die burg im abendschimmer, drüben rauscht das wehr wie immer. Uhland
ged. 48;
im bilde: nur dem ernst, den keine mühe bleichet, rauscht der wahrheit tief versteckter born. Schiller
ideal und leben; rauschen
hier auch in gemilderter bedeutung, mehr wie rieseln: ein wasser das sanft rauschet und toset, linsz und still dahär rünnt,
leve sonans aqua. Maaler 326
b; noch klinget vür mich tougen der klâren vünde bechelîn: weiʒgot ich sihe niht dar în wie sanft eʒ alleʒ riuschen gê. K. v. Würzburg
gold. schmiede 93. 4@bb)
von sturm, wind, luft: die winde rauschen,
venti fremunt. Steinbach 2, 231; als wenn im veilchenthal der westwind rauscht. Chr. E. v. Kleist 97; im thal, wo zephyr rauscht. 166; bei eines jungen zephyrs leisem rauschen. Seume
ged. 204; und wie der wind die zungen der flammen rauschend bog. Geibel
werke 3, 52;
bildlich: aber in den heitern regionen, wo die reinen formen wohnen, rauscht des jammers trüber sturm nicht mehr. Schiller
ideal und leben; von der flamme, dem feuer, eigentlich und bildlich: rauschendes feuer. Klinger 5, 390; die wildheit senkte sich zur politischen ruhe; die lebens- und denkart legte ihr rauschendes feuer. Herder
zur litt. 1, 136; darauf prann ein grosz rauschent fewer. H. Sachs 2, 2, 102
d. 4@cc)
von wäldern, bäumen, blättern, saaten, feldern: und denen, die von euch uberbleiben, wil ich ein feig herz machen in jrer feinde land, das sie sol ein rauschend blat jagen. 3
Mos. 26, 36; der has ist ein forchtsam flüchtiges thier, erschrickt leichtlich, auch von einem rauschenden blatt.
Plinius v. Heyden (1584) 245; die gefällten saaten lagen ohne rauschen in garben um. J. Paul
Siebenk. 1, 65; so hörte man noch kein rauschen der saat dabei. 127; zu eim baum tu gen, wo die bletter alleine rauschen und sich bewegen tunt. H. Sachs
dicht. 1, 103, 23
Gödeke; schnell sprang sie um den strauch, die blätter hört ich rauschen. Chr. E. v. Kleist 92; rausch sanfter, wo sein hügel grünt, rausch sanfter, palmenhain! Hölty 185, 27; wenn von dem sturm nicht mehr die eich hier rauschet. Klopstock 2, 21; aber bald wird das ganze gefild von gebogenen halmen rauschen. 130; die rauschenden haine. 3, 16 (
Mess. 1, 214); die himmlische ceder rauschte nicht, der ocean schwieg an dem hohen gestade. 25 (1, 361); als er näher den bach, und das nächtliche rauschen des ölbaums lauter vernahm. 238 (4, 1332); es wehen mit leisem lispel entgegen diese früheren halme, dem rauschen der groszen erndte. 5, 26 (11, 339); das rauschen eines blattes erschreckt den herrn der christenheit. Schiller
don Carlos 3, 10; der grauen eichen dunkles rauschen. Arndt
ged. 174; kein blättchen rauscht im winde. Uhland
ged. 26; es schwoll der kronen rauschen. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 11;
auch die die saat schneidenden sicheln rauschen: ich hort ein sichellin rauschen, wol rauschen durch das korn. Uhland
volksl. 78; sie umtanzten, wenn die blanken sicheln nicht mehr in den furchen rauschten, ihren ärntetanz. Hölty 50
Halm. 4@dd)
von bändern, seide, gewand, fahnen u. ähnl.: ihr überflusz, ihr schmuck, ihr rauschendes gewand verräth bei ihm zu sehr die malerische hand. (Schönaich)
sieg des mischmasches 9; lieblich rauschten die flatternden bänder, wie blätter im winde. Hölty 43
Halm; fort, fort! der vorhang rauscht; er kömmt! Lessing 2, 271; wann ich der symphonie begeisternden signal sonst froh entgegen lauschte, und, mit dem letzten ton, der stolze vorhang rauschte. Gotter 1, 268; der vorhang rauscht. 392; alberne fragen und leeres gewäsch erschallen im zimmer, und vermischen sich mit dem zierlichen rauschen der fächer. Zachariä
tageszeiten 54; die siegerfahne tanzt von Golgatha herab, und rauscht, auf einen fels gepflanzt, hoch über Jesus grab! Hölty 183
Halm, und des Cids paniere rauschen in der luft, erwartend ihn. Herder
zur litt. 5, 166 (
Cid 48); wo schwerdter auf schwerdtern klingen, fahnen rauschen und kugeln zischen. Arndt
ged. 153; rauschen oder ein gereüsch gäben wie papeir,
commeditari sonitus chartarum. Maaler 326
b; das goldene licht der lampe fiel auf .. sein antlitz und die bücher, welche um ihn lagen, schneller rauschten die weiszen blätter unter der hand des nachschlagenden. Freytag
handschr. 1, 8;
in witzigem spiel mit der bedeutung 1: papirs natur ist rauschen, und rauschen wil es vil, man kans nit wol vertuschen, denn es stäts rauschen wil, es rauscht an allen örten weil sein ein stücklein ist: desgleichen die gelerten rauschen on argelist. Uhland
volksl. 686. 4@ee) rauschen,
von flügeln: und ich höret die flügel rauschen, wie grosze wasser, und wie ein gedöne des allmechtigen, wenn sie giengen, und wie ein getümel in einem heer.
Hesek. 1, 24; und war ein rauschen von den flügeln der thiere. 3, 13; hört, durch die nacht herauf, der dunkeln flügel rauschen. Klopstock 1, 91; schwingt er die schlagenden flügel, so rauschen sie wie wetter. 4, 227 (
Mess. 10, 630); schon rauschten der cherubim flügel unter der hütte palmen. 6, 52 (12, 49); noch rauscht der schwarze flügel des todes nicht! Hölty 106
Halm; einst, als der mond mit dem lieblichen stral schon bleicher und tiefer funkelte, schon ein stern hinter dem andern erlosch, schlug es mit rauschenden flügeln fast hart ans fenster. Arndt
ged. 163;
daher auch: und vor dem wanderer rauscht ein gefeistetes taubengewimmel. Voss 2, 18. 4@ff)
von wagen, thüren, tritten: der göttin wagen liesz rauschend sich vorm tempel nieder. (Schönaich)
Gnissel (1755)
s. 43; wer klopft? so oft die thüre rauscht, erwart ich unglück. Schiller
Tell 1, 4; ich höre tritte rauschen. Gotter 2, 498; sein weib vernimmts, sein weib erwacht, denn schon im saale rauscht sein tritt. Platen 14. 4@gg)
von worten, saiten, musik, getön: so rauschend wie eine janitscharenmusik. J. Paul
literar. nachl. 4, 19; zu der geheimnisvollen stätte, wo alte kirchenlieder aus den eichen rauschen. Freytag
handschr. 1, 64; lasz die mächtige stimme rauschend, gleich sturmwinden, wie wetter gottes, ertönen. Klopstock 3, 68 (
Mess. 2, 299); ich kenne das rauschen deiner stimme zu wohl! du bist der todte Messias! 4, 56 (7, 206); lieblich rauschet die leier vom lobe des alten Iachus. Mastalier
ged. (1782) 25; (
wenn) der hörner lärm, der bässe rauschen die halle füllt. Gotter 1, 154; ich höre rauschende musik. Schiller
Wallenst. tod 5, 4; die rauschende musik ist mir zuwider. Göthe 10, 245;
von kosen und küssen: wie die lüfte, die losen, die durch blumen ziehen, rauschet das küssen und kosen. Uhland
ged. 22;
und so auch: lauben klingen von gläsern, lauben rauschen von küssen, und von frohen gesprächen. Hölty 192
Halm; selbst vom klange der waffen, der rüstung: o mein vaterland! Deutschland! schon rauschen die furchtbaren waffen. Cronegk 2, 68; der rauschenden panzer getöse. Klopstock 2, 155 (
Mess. 4, 6). 4@hh) rauschen,
von jedem lauten vergnügen und dem leben in solchem selbst: wie viele ihrer dichter haben nicht in der jugend ein loses und rauschendes leben geführt. Göthe 26, 215; was mir immer in einem bunten, rauschenden leben vorkommen mag. 238; ein besuch, den ich ihm (
Gleim) vor geraumer zeit abstattete, hatte nur einen dunklen eindruck zurückgelassen, indem ein dazwischen rauschendes, mannichfaltiges leben mir die eigenheiten seiner person und umgebung beinahe verlöschte. 31, 241; einen berg .. um dessen fusz ernten und feste rauschen. J. Paul
Tit. 2, 99; er stellte sich allein und sah dem rauschenden, leuchtenden waffentanze der freude zu. 3, 107; laute, rauschende freuden. L. Häusser
deutsche gesch. 3
2, 237; sie traten in ein paradies, wo freud und wollust lauschte, in jedem frühlingslüftchen blies, in jeder quelle rauschte. Hölty 24
Halm; schwimm in rauschendem vergnügen! Gotter 1, 261; das rauschende vergnügen lieb ich nicht. Göthe 10, 245;
daher eine rauschende gesellschaft: hier trag ich unerkannt ihr bild an mir, wo die gesellschaft rauscht. Rückert 346. 4@ii) rauschen
vom bewegten leben und der zeit überhaupt: wohl empfand unser held nach einiger zeit mitten in dem rauschen des geschäftslebens die ewige gleichförmigkeit der stunden und tage. Freytag
soll und haben 1, 66; das ganze gefild bewegt sich, und rauschet, rauschet von auferstehung! Klopstock 5, 102 (
Mess. 12, 1550); stürzen wir uns in das rauschen der zeit, ins rollen der begebenheit. Göthe 12, 88; wie mag er durch der märkte rauschen vernehmen ihrer stimme laut? Uhland
ged. 242;
von empfindungen, phantasiegebilden: in diesem wahn ziehst du das schicksal näher, das ferne noch im dunkel rauscht. Klinger 2, 183; denn der (
sturm) braust unaufhaltsam dahin, und schrecknisse gottes rauschen ihm auf den verderbenden flügeln. Klopstock 3, 73 (
Mess. 2, 380); wie engelflügel niedersäuseln, rauschet die liebe vom kuszgelispel. Hölty 105
Halm; willst du mirs lohnen, wenn ich schweige? wird eine treue, die nicht rauscht, empfunden? Göthe 10, 46; was hört mein ohr? was fühlt mein geist? es rauscht um mich erwachen der väter! sie schweben, selige geister, heran. Herder
z. litt. 4, 229; denn der geist gedeiht durch weisheit, und das herz gedeiht durch schönheit. dieser einklang rauscht in stärke. Bürger 77
b; in den frischen eichenhainen webt und rauscht der deutsche gott. Uhland
ged. 40; ich breite froh das banner aus ... die hoffnung rauscht in seinen falten. Freiligrath
dicht. 1, 200. 4@kk)
allgemeines unpersönliches es rauscht: es rauschet als wolts seer regen.
1 kön. 18, 41; und sihe, da rauschet es, als ich weissagte, und sihe, es regete sich, und die gebeine kamen wider zusamen.
Hes. 37, 7; doch seht, die zweige beben, es rauschet um den bach. Fr. Müller 2, 323; mein mund berührt den ihrigen — da rauscht es im nahen saal und trennte uns. Schiller
Piccol. 3, 3; von leben rauscht es und lust, wo liebend die schönheit herrschet.
hist.-kr. ausg. 11, 175; es rauscht und saust in wilder hast, als wöben geisterhände zu gast. Uhland
ged. 352; wo rüstig heldenleben längst auf beschwörung lauscht, da trippelt man vorüber und schauert, wenn es rauscht. 357;
mit persönlichem dativ: hätt es nie in deinen zweigen, heilge eiche, mir gerauscht! Schiller
jungfr. v. Orl. 4, 1; ich höre schon sausen, rauschen, quiken, schreien, ächzen. Göthe 11, 299; ich hör meinen schatz, den hammer er schwinget, das rauschet, das klinget, das dringt in die weite. Uhland
ged. 31; wir sind nicht mehr am ersten glas, drum denken wir gern an dies und das, was rauschet und was brauset. 67;
im substantivischen infinitiv: wenn du hören wirst das rauschen auf den wipfeln der maulbeerbeume ein her gehen.
2 Sam. 5, 24; er höret oft seitdem, beim mondenschein, ein heilig rauschen in des baumes laub. Chr. E. v. Kleist 95; und horch, da sprudelt es silberhell, ganz nahe, wie rieselndes rauschen. Schiller
bürgschaft; kein lüftchen spielt mir um die wangen, doch sanftes rauschen in dem hain. Uhland
ged. 43; welch ein rauschen, welch ein raunen (
in den blumen). Freiligrath
dicht. 1, 44. 4@ll)
in allen diesen verwendungen (
a—
k)
treten zu rauschen
gern richtungsbestimmungen zu stärkerer hervorhebung der bewegung: deine flut rauschen da her.
ps. 42, 8; da aber die fluth eben im allerwildesten falle und sturz da heraus gerauschet kam.
Felsenburg 4, 304; ufer, wo ein strom traurig dahin rauscht. Herder
z. litt. 2, 290; da rauschten die wasserstrahlen aller spritzen in die flamme unter mir. Freytag
dram. werke 2, 73;
bildlich: so trieb er kraftlos in einer see von gefahren. die wellen hoben sich und rauschten gegen sein leben heran.
soll und haben 1, 527; auf, auf, ihr heisze brünnlein beid, nun rauschet mir von wangen. Spee
trutzn. 61, 24
Balke; die silberfluth, auf ihre decke (
von herabgefallenen blüten) stolz, rauscht froh dahin, und hauchet duft. Chr. E. v. Kleist 98; schon rauschet von ihm ein allmächtiger donner durch das unendliche furchtbar einher! Klopstock 3, 101 (
Mess. 2, 816); der cherubim fittige rauschten fürchterlich her von der bundeslade! 159 (4, 73); starke schüttrungen rauscheten noch durch die nerven der harfe weit herunter. 5, 339 (15, 365); wenn gottes regen herab rauscht. Bürger 221
a; es kommen, es kommen die wasser all, sie rauschen herauf, sie rauschen nieder. Schiller
taucher; er hört die flut vom felsen brausen, doch weisz er nicht, woher sie rauscht.
die macht des gesanges; wind und ströme, donner und hagel, rauschen ihren weg. Göthe 2, 87; rausche, flusz, das thal entlang. 1, 112; die rose blüht, das wasser rauscht im frühlingsklange hinnen. Arndt
ged. 4; der bach der mir entgegen rauscht, kommt her mich zu begrüszen. Rückert 237; doch murr ich nicht; ich sage: sehet da, ich bin ergeben, ich bin Seneca, als in die wanne rauschten seine adern! Freiligrath
dicht. 1, 184; weil Leonardo die stark gefüllte schreibtasche des Lopez aus unvorsichtigkeit offen gegen den starken morgenwind gelegt hatte, der, wie im frühlinge mit den trockenen buchblättern, mit den gedichten davon rauschte. Arnim
Hollins liebeleben 46
Minor; töne sanfter, leier, töne, wie der west in veilchen rauscht. Gotter 1, 101; die fruchtschweren saaten rauschten gegen die erde; da rauscht das dürre laub empor. Hölty 38
Halm; die enkel meiner väter, aufgeblüht vor meinen füszen, rauschen welk zu thale. Freytag
dram. werke 2, 322;
von zu boden gegossener frucht: der schiffskoch, mais im korb, tritt an den hühnerstall. mit voller hand läszt er die frucht durchs gitter rauschen. die hennen drängen sich und picken. Freiligrath
dicht. 1, 80; man hörte schwere seide heran rauschen; aber nun rauschet der vorhang herab. klatschendes lob betäubt mich (
im theater). Lessing 1, 206; er eilt, des schildes zierde zu vertauschen, und läszt ein griechisch schwert von seinen hüften rauschen. Schiller
zerstörung von Troja 69; kalter schauder rauschte durch sein blut. Klinger 4, 275; weh mir! rauscht sie so schnell dahin, die wonne des verbrechens! Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 297; alle träume sind mir glänzender erfüllt, als die kühnste hoffnung sie bildete, alles rauscht umher im regsamen strome des lebenvollsten lebens. Arnim
Hollins liebel. 10
Minor; selbst die hoffnung, die so gerne weilt vor des frommen herzens reinem spiegel, rauscht mit jener, die auf kugeln eilt, mit Fortunen fort auf gleichem flügel. Arndt
ged. 123; und der eitlen kindisches geschwätz, ihre blanken flitter, blanken mühen, ihre jubel, ihre bunte lust, all die nichtigkeit der nichtgen seelen, rauschen machtlos hin an einer brust, welche engel gern zur heimat wählen.
ebenda; ins ohr rauschen,
mit besonderer betonung der hörbarkeit jener bewegung: er plätschert wie ein aal (
im bade); als plötzlich vom gestade ein raschelndes geräusch ihm in die ohren rauscht. Wieland 17, 21 (
Idris 1, 20); die wellen rauschen fürchterlich in des tyrannen ohr. Lavater
in Wackernagels leseb. 2 (1876), 928; solche .. reden rauscheten bei ihren ohren ohne alle würkung vorbei. Chr. Weise
kl. leute 16; vorüber rauschen lassen,
für das gehör und das gemüt: (
er) liesz solche wetter (
zänkereien sind gemeint) vorüber rauschen. Kirchhof
wendunm. 225
b;
formelhaft auch für die hervorhebung und erwähnung, nicht ferner davon sprechen: woher sie dieselbigen (
hemden der jungfrau) überkommen haben, will ich jetzt überhin lassen rauschen.
brotkorb (1594) 35
b; wie grewlich sie sich aber über
s. Peters ketten gezankt haben, lasse ich jetzt füruber rauschen. 46
b. 4@mm)
das verbum in neueren dichterischen quellen transitiv, mit dem acc. dessen was das rauschen
ausdrücken soll oder bewirkt: wo alte heilige linden, vom hauche der nacht beseelt, schauder in die seele rauschten. Herder
z. litt. 2, 290; erhebet ihn ihr meere! braust sein lob! ihr flüsse rauschet es! Chr. E. v. Kleist 36; o silberbach! der vormals mich vergnügt, wann wirst du mir ein sanftes schlaflied rauschen? 158; unter die heilige linde, die ihren waldichten wipfel in der traurigen nacht verbirgt, und schrecken herabrauscht. Zachariä
tageszeiten (1757) 103; ihr linden, die ihr meiner hütte kühlung gebt, rauscht klagen. Hölty 48
Halm; 'liebe lächelt dir nicht!' rauschet mir jedes blatt. 70; blickte zärtlich mich an, küszte mit engelskusz meine lippen.die myrthe rauschte silbergelispel drein. 77; wie Blandusiens quell rausche der afterwelt deine lispel, o bach. 103; liebe rauschen die blätter. 191; liebe rauscht der silberbach. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 242; wenn die blätter rauschen süszen freundesgrusz. Schenkendorf
in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1529. 55) rauschen,
rauschen machen, das rauschen eines gegenstandes bewirken: greift hinein, rauscht im geld, und spricht. H. Sachs 3, 1, 261
a; (
der buhler) dacht: 'o wie ist der pfaff so feind der sünde! wie wird ich mich mit im vereinen! ich gib im beichtgelt dester mer'. er rauscht im gelt, braucht sich listiger fünde.
dichtungen 1, 274, 12
Gödeke; mit etwas rauschen,
geräusch bewirken: mit den füszen rauschen,
astrepere Maaler 326
b; der küster zeigt dann freundlich dem reisenden die kleine harfe, rauscht mit dem rothen band, das, an der harfe festgeschlungen, unter den goldenen saiten flattert. Hölty 109
Halm; die ihr, voll ungeduld, dem glockenschlage lauscht, da, unterm klange der pokale, .. der gott, der eure herzen umgetauscht, mit seines thrones vorhang rauscht. Gotter 1, 176; auf etwas rauschen: jezo gerauscht auf die laken, du trödlerin (
beim bleichen der leinewand, mit der brause). Voss 2, 105; in die saiten rauschen,
die saiten rauschend tönen lassen, harfe spielen: dieser rauscht in die saiten und hub den schönen gesang
an. Odyss. 1, 156; und stärker rauscht der sänger in die saiten, der töne ganze macht lockt er hervor. H. v. Kleist
werke 5, 29. 66) rauschen, rauschen lassen,
verhüllend für pedere, crepitum ventris emittere: wer die fürz verkrümmen will, den grimmen sie her wider vil, lasz rauschen was nicht bleiben will.
Garg. 161
b; rauschen
für mingere: kaum hatte sie das kind wieder an die brust gelegt, so rauschte Conrädchen, dasz die mutter selbst durch und durch nasz wurde. Salzmann
Conrad Kiefer (1845) 18. 77) rauschen,
im kartenspiel, vergl. dazu rausch 5,
sp. 305: dasz niemand ... uff der karten nicht schanzen, bockhen, fahren, mauten und rauschen soll.
Ulmer verordnung von 1484
bei Schmid
schwäb. wb. 82; mancher spielt dem unglück zu tratz das rauschen und darzu das losen, macht rewtern und knechten bösz hosen. H. Sachs 1, 506
b; ich sprach, zart fraw, so wöl wir rauschen. sie sprach, jr möcht mich mit erlauschen. 518
b; dergleichen auch ein spil heiszt rauschen, thut manchem oft sein geldt vertauschen. 5, 357
b; die wir ein weil kürzweilen wöllen mit bossen, rauschen und mit bocken, bisz man leutet die abendglocken.
dessen fastn. sp. 1, 36, 15; wir wolln karnöffeln oder rauschen. J. Römoldt
fein christl. spiel (1564) E 8
b. 88) rauschen,
gähren, brausen, von geistigen getränken: der most, das bier rauschet. Adelung; rauschen, wie most und bier im keller,
fervere Frisch 2, 94
a; der wein rauschet,
fervent vina. ebenda. 99) rauschen,
bei den goldplättern, den draht nur éinmal durch die locker gespannten plättwalzen hindurch ziehen: den draht rauschen,
nach Adelung
von dem bei dieser arbeit verursachten geräusche. 1010)
anders rauschen,
einen rausch verursachen, rausch erzeugen: das opium rauscht, wein, branntwein rauscht. Adelung.
vergl. berauschen. 1111) rauschen,
erst seit der mhd. zeit als rûschen
und riuschen
vorkommend, scheint, vom hochdeutschen standpunkte angesehen, und da alle seine bedeutungen auf dem grunde des geräusches und lärmens sich entwickeln, nichts als eine veränderung des ahd. rûʒʒan, rûʒan
stertere, stridere, rudere Graff 2, 562
fg., welches sich im mhd. als rûʒen,
im ältern nhd. als rauszen (
s. d.)
fortsetzt; ähnlich ist nhd. lauschen
aus lûʒen (
th. 6, 353), hirsch
aus hirʒ (
th. 4
2, 1563)
entstanden. schwierigkeit macht indes das verhältnis zu niederd. und niederl. ähnlichen worten: mnl. ruyschen
bombilare, bombum emittere, detonare, increpare, strepere u. s. w. neben ruysselen
und rijsselen,
strepere, perstrepere und ruyssen
catulire (Kilian);
mnd. rûschen, rûsken
neben seltenem rûsen,
lärmen (Schiller-Lübben 3, 534);
ostfries. rûsen
und rûsken ten Doornkaat-Koolman 3, 73,
pommerisch rûsen,
brausen Dähnert 391
b,
was einerseits auf einen stamm mit auslautendem altem s,
andererseits in eine völlig andere verwandtschaftsreihe weist: mittelengl. rushen,
neuengl. rush
schnell laufen, fliegen, stürzen, rauschen, sausen, auf ags. hryscan (
stridentibus, hriscendum,
sonantibus. Haupts zeitschr. 9, 494
a)
und weiter auf ags. hreósan
zurückführend; schwed. steht rusa
stürzen, rennen, laufen, neben ruska
rütteln, schütteln, welches letztere aber auch, wol durch deutsche einwirkung, die bedeutung rauschen angenommen hat. über beziehungen unseres rauschen
zu diesen wörtern besteht noch keine klare einsicht. Die mhd. umgelautete form riuschen
hat sich nur ausnahmsweise als räuschen
erhalten: der regen räuscht am fenster hinab und stäubt durch die spalten. Arnim
Hollins liebeleb. 53
Minor. 1212) rauschen,
brünstig sein, von thieren: rauschen sagt man von den saumüttern, wenn sie hitzig oder brünstig sind. Jacobsson 7, 39
b,
vergl.ruyssen
catulire Kilian
als holländisch, gehört wahrscheinlich nicht hierher. es heiszt auch so von vögeln, namentlich gänsen: die erst gansz werde von jhnen (
den Engländern) branta oder bernicla genennt, .. die flügt auch wie die wilden gänsz, sy rauschet, gadt in die pfül und friszt die saaten ab. Heuszlin
vogelb. 34
b,
dafür steht aber sonst reischen: die wilden gänsz fahend an nach der wintersonnenwende widerumb reischen, darnach legend sy im anfang desz glenzes. 62
a,
und diesz tritt wieder zu dem adj. reiisch, reisch,
auch reusch,
s. d.