rand,
m. margo, ora. 11)
ahd. rand, rant;
mhd. rant;
ags. rand, rond;
altnord. rönd;
im alts. und auch im goth. zufällig nicht bezeugt, dasz es auch in letzterer sprache vorhanden gewesen, geht aus dem span. randa,
portug. renda,
spitzen an kleidern (Diez
wb. der roman. spr. 1, 341),
als einem goth. lehnworte hervor. sichere bezüge dieses gemeingermanischen wortes zu den urverwandten sprachen fehlen; dasz es mit rinde
im ablautsverhältnisse steht, ist wahrscheinlich; oben th. 2,
sp. 294
wird rand
als umronnenes, umflossenes gedeutet und mit dem verbum rinnan
zusammengebracht (
vergl. dazu das zweite rand
unten).
eine allgemeine bedeutung von rand
wenigstens als etwas umgebendes, einfassendes wird sicher anzunehmen sein, bereits aber in altgermanischer zeit sehen wir den begriff wesentlich eingeengt und nur in bezug auf den schild gebraucht, welcher sich aus schmalen und dünnen brettern zusammensetzte und mit einem handloch in der mitte versehen war: der metallbeschlag, der die bretter zusammenhalten muszte und namentlich derjenige der das handloch überdeckte und schützte (
der schildbuckel),
hiesz allgemein rand: rant,
umbo, media pars scutorum, i. e. cupula vel ora clypei Graff 2, 531;
umbo, rant, rantboug Steinmeyer-Sievers 2, 498, 44;
ags. rand sceal on scylde, fäst fingra gebeorh.
versus gnomici bei Grein 2, 347, 37;
und danach der schild selbst: ags. ne mihte þâ forhabban,hond rond gefêng, geolwe linde.
Beówulf 2610;
altnord. varð âra ymr ok iârna glymr, brast rönd við rö
nd. Helgaqu. Hundingsb. 1, 28;
und ebenso noch mhd. als rant
und schildes rant: den gêr den si geschoʒʒenim hete durch den rant.
Nib. 432, 3; wirt immer fiwer ûʒ helm geslagen und verhouwen schildes rant mit swertes swanc von mîner hant. U. v. Lichtenstein 55, 25;
erst später treten die heutigen bedeutungen von rand
hervor, die sich allerdings gar nicht anders entfalten konnten, als auf grund des lebendig gebliebenen ursprünglichen allgemeinen begriffes. die mhd. bedeutung des wortes geht dabei verloren, soweit sie nicht in alterthümelnder dichterischer rede wieder erweckt wird: frau mutter, ich komm aus dem Morgenland, da spaltet ich manniches schildes rand. Arndt
ged. (1840) 288;
doch vergl. schildsrand. 22)
die mehrzahl von rand
ist mhd. rande
und rende,
was nhd. als rande
und rände
sich fortsetzt: vornen hat sie (
die röhre des oberen vorderschenkels) wegen der mäuse drei höhen oder ecken herausz ragen, welche man die lidder oder rande zu nennen pflegt. Uffenbach
neues rossbuch 1, 194; bisweilen verkeufen sie (
die weinmeister) das gras an den renden (
der weinberge, vgl. unten 7). Colerus
hausb. 2 (1604), 24; der rand,
plur. die rände,
margo, finis, ora Steinbach 2, 216;
aber im 17.
jahrh. ist unser heutiges die ränder
empor gekommen, von Stieler 1513
verzeichnet. 33)
das ältere nhd. hat rand
gern als erhöhtes ufer eines meeres, flusses, baches, was auch jetzt noch namentlich in dichterischer rede lebt: margo, der rand, das ufer Kirsch
cornuc.; das ufer (
des flusses),
ripa, der rand,
crepido, der grund,
fundum Stieler 513;
niederl. rand, boord,
margo, crepido, ora, lymbus Kilian; und die tochter Pharao gieng ernider, und wolt baden im wasser, und die jungfrauen giengen an dem rande des wassers. 2
Mos. 2, 5; so viel wie sand am rand des meers.
1 Sam. 13, 5; wie der sand am rande des meeres (
παρὰ τὸ χεῖλος τῆς θαλάσσης), der unzelich ist.
Hebr. 11, 12; verblümend auch das meer mit des lands grünem rand. Weckherlin 187; so viel des meeres rand, bestritten durch den ost, hat kleine körner sand. Opitz 3, 324; versuche was du kanst: dann rudern an dem rande, ist weiter von gefahr, als segeln weit vom lande. 1, 319; so hat sich auszgestreckt der Janitscharen hand bisz an das rote meer und an der Dohne rand.
psalmen 322; ein bach, ein regenbach, vom himmel her gestärket, wann er, was er so sei, und was er künne, merket, lauft über thamm und rand, scheust über schütz und wehr. Logau 2, 68; die Volgov seh ich nun, die mich ümm ihren rand läszt nach begehren ruhn. Fleming 72; so hab ich auch mit ehren ümm meiner Mulden rand mich ofte lassen hören. 96; dort wird auch des Pregels rand, weil (
so lange) er ist, nicht von euch schweigen. S.
Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 67; diese musz der flüsse rand, die das meer anbethen. 129; die bächlein rauschen in dem sand und malen sich und ihren rand mit schattenreichen myrten. P. Gerhard 239, 26; die ente schwamm auf einer pfütze, und sah am rande gänse gehn. Gellert 1, 156; (
er) kommt an eines bächleins rand, durchsichtig klar wie diamant. J. Fr. Kind
gedichte; und scharfer frost krystallne brücken hohl spannt über flusz und meer von rand zu rand. Rückert 316. 44)
die formel mit einem, mit etwas zu rande kommen, sein,
zu stande kommen, fertig werden oder sein, ist in den älteren beispielen deutlich an die vorhergehende bedeutung von rand
angelehnt; nicht nur in der reimenden verbindung zu rand und land kommen: was nun ... da jhnen das wasser ins maul gienge, den rechten anker unsers heils Jesum Christum ergrieff, .. das ist zu rand und land wider kommen und inn Christo erhalten und selig worden. Mathes.
Sar. 11
b;
sondern auch einfach: ich walle wie ein schiff, das durch das wilde meer von wellen umbgejagt nicht kan zu rande finden. Opitz 2, 223; was ist doch nur der tod? (dasz ich von ihm nun red) ein stiller port der noth, an dem der kummer ruht, und giebet sich zu rande. 3, 317;
später seiner sinnlichen bedeutung nach nicht mehr verstanden: sie müssen mit ihrem gewissen schon vortrefflich zu rande sein, dasz es ihnen (
ein verbrechen) nicht selbst gleich beifällt. Lessing 1, 470; kann ich unterdessen auch mit einem verleger wegen des englischen werks ... zu rande kommen, so werde ich es auch gerne sehen. 12, 16; mit der orthodoxie war man, gott sei dank, ziemlich zu rande. 409; mit diesen veränderungen bin ich nun zu rande, und mein stück ist so vollkommen fertig, als nur immer eins von meinen stücken fertig gewesen. 514; die damen machten sich viel zu thun, den geheimen sinn dieser buchstaben zu errathen, aber keine konnte damit zu rande kommen. Wieland 8, 346; dasz du, mittelst einer mäszigen gabe räthsel zu errathen, so ziemlich mit meinem geschreibe zu rande kommen wirst. 35, 258; nach fünf- oder sechsmaligem absetzen und gewaltsamen neuen anläufen damit zu rande zu kommen. 36, 304; hätte ich dir eine liebesgeschichte zu erzählen von gemeinem schlage, so bedürfte es der vielen umstände freilich nicht, ich wollte bald damit zu rande sein. Thümmel 3, 330; warte doch nur, bis ich mit meiner geschichte zu rande bin. Klinger 9, 247; sobald ich damit (
mit einer arbeit) zu rande war, ging ich sie mit einem guten lateiner durch. Göthe 26, 43; übrigens ist der pallast nicht ausgebaut: ein groszer .. saal war unvollendet geblieben; wie denn der gränzenlose wahnsinn des besitzers mit seinen narrheiten nicht zu rande kommen kann. 28, 118; wer das erste knopfloch verfehlt, kommt mit dem zuknöpfen nicht zu rande. 56, 130; wären wir nachher mit den tragödien zu rande. J. Paul
auswahl aus des teuf. pap. 1, 115; ist das verliebte paar, so wie man spricht, zu rande, und wird die braut ein weib, der bräutigam ein mann. Picander 1, 281; ich komm dir doch nicht zu geschwind zurück? du bist zu rande mit deiner überlegung. nun so rede! Lessing 2, 275; ich dächte, damen kämen ehr zu rande mit versen noch, als herrn mit stickerein. Rückert
ges. ged. 1, 143. 55) rand,
der saum einer tiefe, schlucht, eines grabens, abgrundes, grabes: geblendet von diesem plötzlichen strahle der wahrheit, prallten wir gegen den rand eines andern abgrunds zurück. Lessing 7, 454; kein mit der grösten kunst geflochtner kranz sieht lieblicher, sieht bunter aus als dieses grabens rand. Brockes 3, 584; durch labyrinthische sophismen kriecht mein unglückselger scharfsinn, bis er endlich vor eines abgrunds gähem rande stutzt. Schiller
don Carlos 1, 2; mit geschlungner hand, an einer gähen tiefe rand, auf morschen stegen sich zu führen. Gotter 1, 8; das grab ist tief und stille, und schauderhaft sein rand. Salis
in Wackernagels leseb. 2, 1265;
und durch den rand des grabes
wird das ende des lebens bezeichnet: ist denn nun auch nur eine der zeitlichen hoffnungen übrig, welche nicht treulos von dir an dem rande des grabes davon fliegt? Zachariä
tageszeiten s. 110; das lügt er! was! am rand des grabs zu lügen! Göthe 12, 153. 66)
in bildlicher redeweise wird von daher ein rand des verderbens, unterganges
u. ähnl. gebildet, das einem abgrunde verglichen wird: junge waghälse oder andre mit elend beladene, am rand des verderbens schwindelnde. Fr. Müller 2, 59; wir stehen am rande einer furchtbaren umkehrung der dinge. Wieland 27, 280; geistlichkeit .. die, wie man sie beschuldigte, lieber die ganze kirche an den rand des untergangs führen, als sich einer sittenverbesserung unterziehen wollte. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 173; wie viele familien hatte ich nicht schon ... entweder ins verderben stürzen, oder auf dem rande kümmerlich erhalten sehen. Göthe 25, 112; währt ihr rasend genug, an eine redliche versöhnung zu glauben mit dem dauphin, den ihr selbst an des verderbens rand geschleudert habt? Schiller
jungfrau von Orl. 2, 2; dem rand des grabes
entspricht der rand des lebens, des todes, der ewigkeit: wenn ihn am rande seines lebens ein unglücklicher brand heimsuchte. Möser
patr. phant. 3, 280; reden sie zu ihm, mann gottes, da er am rande der ewigkeit steht. Lenz 1, 335; wenn ich am rande dieses lebens abgründe sehe, wo vergebens mein geist zurücke strebt. Ramler 2, 158; ihr sehet eure noth und unsre, herr, und dasz wir all am rand des todes schweben. Schiller
Tell 4, 1. 77) rand,
der äuszere streifen oder saum eines stückes land, eines weges u. ähnl.: wenn der winzer in denen weinbergen an denen rändern und rainen umher, ... mit der radehaue das kräutig, gras oder andere gehecke, so umher wächset, aushacket.
öcon. lex. 1959; rand, ist ein schmaler streif landes an einer wiese oder holzung, so gemeiniglich zur gräserei genutzet, und mit der sichel abgegraset wird. 1975; den rand abären,
seu absacken, und zu seinem acker schlagen,
marginem diminuendo agrum suum augere. Stieler 1513; indem wir nun .. auf wiesen, an rändern und zäunen hin und wieder liefen. Göthe 22, 193; darum ward ein schlosz erbauet, herrlich, an des weges rande. Uhland
ged. 255. 88) rand,
der äuszere streifen im gegensatz zu dem mittelpunkt eines kreises: die mitte des kreises wird man hell, farblos, einigermaszen gelb sehen, der rand aber wird sogleich purpurfarben erscheinen. Göthe 52, 30; ein phänomen ... ein dunkles, das sich nach und nach von auszen mit einem grünen rande einfaszt, welcher eben so, wie vorher der purpurne rand, sich über das ganze rund hineinwärts verbreitet. 31; man sollte nicht vergessen, dasz man auf der groszen scheibe selber immer weiter hinaus rücket an den rand. Hebel 2, 239;
und alles dessen, was genauer oder ungenauer kreisförmig gedacht wird: der rand eines gebirges,
die ein gebirge umgebenden schmalen hügelketten; der rand des landes,
finis regionis, der rand der erde,
terrae ora Steinbach 2, 216; der tod mag auf den blitzen eilen, .. er mag der erde rand zersplittern. Ramler 2, 163;
gern und schon in der älteren sprache, der rand des himmels: obene an des himels rant.
veterbuch bei Lexer
mhd. handwb. 2, 342; tief am rande des horizontes entdecket das auge, als ein einzelnes kleines segel, das mächtige kriegsschiff. Zachariä
tageszeiten 8; hell an himmels rande steigen Eos pferde in die höh. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 345; ostwärts schaut er immer bis sich hebt am letzten rand ein palast im morgenschimmer. Uhland
ged. 268; rand
bei schmelzendem erze: darnach wenn das fewer und geblese recht regiert wird, so treibet das geblese das pley vom silber zu rande (
das silber bleibt in der mitte). Mathes.
Sar. 149
b. 99) rand
an gegenständen, die linienartig sich zeigende oder gedachte äuszerste einfassung; ausdrücklich unterschieden von saum: diejenige farbe, welche bei verrückung eines bildes vorausgeht, ist immer die breitere, und wir nennen sie einen saum; diejenige farbe, welche an der gränze zurückbleibt, ist die schmälere, und wir nennen sie einen rand. Göthe 52, 99;
und immer schmal gedacht: ich brauche daher das wort rand, wenn ich von dem schmäleren blauen und rothen farbenstreife ... spreche. 58, 304; rand
an kleidern aber begrifflich gleich mit saum: den rand benähen,
marginem suere Steinbach 2, 216,
vergl. auch unten 10,
c die stelle aus Hamann; ir niu gewant unz ûf die hant hât von sîden einen rant.
minnes. 3, 201
b Hagen; sie saumte vergeblich ein schwarzes halstuch mit rothem rand für ihn zum hochzeittag. Hebel 2, 196 (
nachher das schwarzseidne halstuch mit rothen streifen 197); rand
eines gefäszes, einer tasse, eines bechers, glases, topfes, kessels u. s. w.: margo, bort, rant, also umme einen ketel ys. Dief.
nov. gloss. 247
a; sein (
eines erzgusses) rand war wie eines bechers rand.
1 kön. 7, 26; er machet ein meer gegossen, zehen ellen weit von einem rand zum andern. 23; beschränkt der rand des bechers einen wein, der schäumend wallt und brausend überschwillt? Göthe 9, 237; den becher reicht er ihm knieend dar, und der könig der lieblichen tochter winkt, die füllt ihn mit funkelndem wein bis zum rande. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 223; und nie setz ich des bechers rand an meine lippen, dasz nicht ein schauder mich ergreift.
M. Stuart 1, 6; füllten die jünglinge schnell die krüge zum rand mit getränke.
Ilias 1, 470;
bildlich: doch ich vermag nur einen thränenbecher euch darzureichen, bis zum rande voll von bitterkeit. Platen 311; rand
eines schiffes, kahnes, bauwerks, brunnens, eines altars, einer tafel: rand eines brunnens,
extremum putei Frisch 2, 85
c; der altar reicht hinauf bis an den rand, der ist einer spannen breit umbher.
Hes. 43, 13; so fiel das gewölbe ein ... er fiel hinunter, und die steine und ziegeln des gewölbes, die mit ihm hinabstürzten, zerbrachen ihm beide beine, aber alle, die mit ihm waren, blieben auf dem rand des gewölbes, und niemand that sich ein leid. Göthe 34, 30; diese länglich viereckten tafeln werden durch zwei bleierne dreiecke ... verbunden, der untere rand mit fensterblei verwahrt. 58, 300; an dem rande des gemähldes. Klopstock 2, 120; ja, dieses wort, es gräbt sich wie ein schlusz des schicksals noch zuletzt am ehrnen rande der vollgeschriebnen qualentafel ein. Göthe 9, 219; weh euch, die ihr den zorngen gott gehöhnt an seiner schwelle rand. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 7; rand
eines bettes, lagers, vergl. bettrand: du sitzest oft, erhöht zum engelrange, an meines lagers rand. Hölty 135
Halm; rand
am kuchen, kuchenrand; rand
an einem kleide, einem schuh, einem möbel, aus schmutz gebildet, schmutzrand; rand
einer münze, eines schriftstückes, buches, briefes u. ähnl.; auf den rand in ein buch schreiben,
aliquid ad marginem ad oram codicis notare. Stieler 1514; ich habe bemerkt, dasz hin und wieder etwas an den rand geschrieben ist. G. Keller
sinngedicht 375; rand eines blatts der schrift,
margo, spatium in margine Frisch 1, 85
c; rand am rad,
curvatura. ebenda; der buchbinder, der jedes blatt auf starkes papier aufzog, that sein bestes, die hier und da durch unsre fahrlässigkeit zerrissenen ränder auszugleichen und herzustellen. Göthe 24, 194; der arme römische hof hatte seit jahren keinen fürsten mehr zu sehen und von ihm pabstmonate abzuschöpfen bekommen, weil er an früheren fürsten, wie juden an deren münzen, stets zu viel rand abgefeilt. J. Paul
komet 3, 97; man konnte höhern orts acht tage ohne schwarzen rand gehen und dekretieren (
die landestrauer war aufgehoben).
Tit. 3, 92; die groszgedruckte schrift, im mittelpunkt der seiten das heiszt der text, und hat gar wenig zu bedeuten; allein der kleine druck, am rande hie und da, das sind die glossen, herr papa. Lichtwer
fab. 4, 25; ein brief mit schwarzem rand und siegel! Gotter 1, 89; dunkle ränder
um die augen, bei kranken, oder im falle der erschöpftheit; wer an augenentzündung leidet, hat um die augen rothe ränder; die ränder einer wunde; rand um den mund,
als die spur von genossenem: zur rechten steht caffe, und zu der linken hand hat sie den schnupftoback zum nachbar sich ernannt. da sieht der zarte mund mit gelben rand umzogen, wie eines sperlings maul, der kürzlich ausgeflogen. Picander 2, 409; der lippen rand: die lippen drück ich sühnend auf der lippen rand. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 115;
in der sprache der gewerke: bei den böttchern ist rand
oder umholz
die umfassung aller stäbe eines holzgefäszes, die sich an den boden schlieszen; bei den schmelzmalern dunkle streifen auf dem grunde des herzustellenden gemäldes, dieses einrahmend; bei den hutmachern der lange streifen leinwand oder seidenzeug, der den untern theil des hutfutters ausmacht; aber auch die krempe des hutes heiszt rand, hutrand; rand des siebes,
die einfassung eines solchen, woran das siebtuch eingespannt ist; rand
oder randmuster,
bei den schuhmachern ein stückchen leder, welches sie zwischen die brandsohle und die andere sohle am rande herum legen, dasz die stiche besser halten. Jacobsson 3, 358—359.
bei den papiermachern ist der böse rand
die seite an der form, die gegen den magen des büttgesellen gerichtet ist, die entgegenstehende seite heiszt der gute rand,
weil das papier von dieser seite ein wenig stärker ist. es geschieht am guten rande,
dasz man das papier anfaszt, wenn man die bogen aufhebt. 7, 30
b.
in der wappenkunde: limbus orarium, fimbria (
am wappenschilde) die äuszere einfassung, bordirung, umbschweif, rand. Weber
examen artis herald. (1696) 64. 1010) rand,
auf grund der letzteren anwendung (
nr. 9)
manigfach bildlich und in sprichwörtlichen formelhaften wendungen. 10@aa)
ein äuszerstes, letztes zu bezeichnen: die schöne, aber ein wenig leichtfertige gemahlin des kaisers Markus war nun am rande der ausführung ihres plans (
hatte ihn fast vollständig ausgeführt). Wieland 28, 197; die Schweiz noch eben am rande ihrer alten verfassung. Göthe
an frau v. Stein 70; und Hüon nimmt Amanden bei der hand: wenn, spricht er, nur ein paar getreu verliebter seelen zu Oberons und Titaniens ruhe fehlen, so schwebt des schicksals werk an der vollendung rand. Wieland 22, 307 (
Oberon 6, 105); an des ruhmes letzten rande bist du eben angelangt. Rückert 192. 10@bb) den rand überspringen,
auszerhalb der schranken gehen: ich sah den spleen am Rhein, wie an der Themse strand; wie immer übersprang nachahmungssucht den rand. Gotter 1, 306;
gewöhnlich heiszt es mit einer reimenden formel (
die wol aus der sprache der böttcher stammt) aus rand und band sein, gehen, kommen, geraten: aus rand und band sein. Gutzkow
ritter v. geist 1, 253; aus rand und band gehen.
Augsb. allg. zeitung 1855,
nr. 150; die ganze regierungsmaschine ist aus rand und band gegangen. 1872,
s. 3400. 10@cc)
häufig etwas versteht sich am rande,
von selbst, ohne weitere prüfung, wie gleichsam schon der rand eines gefäszes zeigt, welchen inhalt es hat; doch bezieht man auch den rand
auf den saum eines kleides: dasz du mitten unter uns gewesen, versteht sich von selbst oder wie man im sprichwort sagt am rande, den du dir so breit und geraum denken muszt wie die säume und philacteria der jüdischen pharisäer und schriftsteller. Hamann
bei Gildemeister
Hamanns leben und schriften 3, 352;
gewöhnlich ohne weitere erklärung: dasz etwas herzlich sein könne, ohne schön zu sein, versteht sich am rande. Hippel 12, 200; es versteht sich am rande, dasz diese erklärung sie und einen freund, aber kein publicum interessiert. Hamann 3, 128; dasz dieser hasz gegen die classe nicht auf alle individuen geht, versteht sich übrigens am rande. Niebuhr
leben 2, 72; nun ja doch, rächen sollen sie sich immer, das versteht sich am rande. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 567; 'offenheit musz unter freunden sein.' versteht sich am rande, sprach Münchhausen feierlich. Immermann
Münchh. 2, 3; denn dasz sich der wirth nicht fände, der sich keklich unterstände, mehr als ich dein freund zu sein, das versteht sich schon am rande. Gökingk 1, 164. 10@dd) auf den rand schieben,
absondern, auswerfen, beiseit legen, als etwas geringeres denn das andere, separare ut imperfectius quid. Frisch 2, 85
c. 1111)
mundartlich und in der studentensprache den rand halten
für das maul halten, schweigen: halt den rand,
schweig. Albrecht 190
a.