Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
meil
fang des 9. Jh.s in Gl., WH und Npw: ‚Fleck,
Makel, Sünde, Schuld; macula, plaga, que-
rela‘, ânu meilun ‚makellos, rein; sine macula‘
<〈Var.: meigil>〉. – Mhd. meil st.n. ‚Fleck, Mal,
Befleckung, Schande‘, frühnhd. meil n. ‚Mal,
Fleck‘. Das Wort schwindet in frühnhd. Zeit
allmählich ganz aus der Schriftsprache, indem
es in dem lautlich ähnlichen Fortsetzer von ahd.
mâl ‚Fleck, Zeichen‘ (s. d.) aufgeht, hält sich
aber in ererbter Lautform in obd. Maa.; vgl.
tirol. mail n. ‚Mal, Makel, das Schwarz auf
der Scheibe, Narbe, Wundmal‘, kärnt. mâl (<
*meil) n. ‚Spur, Fleck, Schmutzflecken, Fehler
in sinnlicher und geistiger Beziehung‘, bair.
meilen f. ‚Fleck, Mal, Makel‘.
Das ahd. Wort ist ein Erbwort und nicht,
wie bisweilen angenommen, aus lat. macula
‚Fleck, Makel‘ entlehnt. Eine solche Entleh-
nung ist erst in spätmhd. Zeit (um 1300) er-
folgt; vgl. mhd. makel st.m., nhd. Makel m., ält.
nhd. auch f. (Lexer 1, 2014; Dt. Wb. 12, 1988 f.;
Kluge²¹ 456; Kluge²⁵ s. v. Makel; Pfeifer, Et.
Wb.² 827).