Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hindern swV.
1.1 ohne Angabe der Sache
1.1.1 allg.
1.1.2 rechtsspr., ‘jmdn. festhalten, in Haft nehmen’
1.2 mit Gen.d.S.
1.3 mit Präp.
1.4 mit daz -Satz
1.5 mit Inf.
2 ‘etw. (in best. Hinsicht) hemmen, stören, beeinträchtigen, einer Sache im Weg sein’
2.1 ohne Angabe einer best. Hinsicht
2.2 mit Gen.d.S.
2.3 mit Präp. an, in
2.4 mit daz -Satz
3 refl.
3.1 ‘(im Lauf) gehemmt sein, zurückbleiben’ (?), vom Mond (vgl. Mosimann, MNat. S. 180 Anm. 12)
3.2 ‘erfolglos bleiben’
4 subst. Inf., ‘das Stören, Beeinträchtigen’
1 ‘jmdn./ein Tier (von etw.) ab-, zurückhalten, (bei etw.) störend aufhalten, (in Bezug auf etw.) hemmen, beeinträchtigen’, auch bildl. 1.1 ohne Angabe der Sache 1.1.1 allg.: lazet dy cleynen kumen czu myr unde hyndirt sy nicht [ ne prohibueritis eos Mc 10,14] EvBerl 15,4; das tier wolte gegen im her: / do hindert es das grosse sper HvNstAp 5098; dise kuͦnige waren gehindert mit langem wege wol zehen tage und riten doch snelle dromedarios PrLpz (L) 59,25; [Heinrich VII. hat Gegner] die gerne den keiser hetten gehindert [seine Pläne vereitelt] mit irre parte OberrhChr 56,22; (mit refl. Akk.-Obj.:) nû sint etlîche guote liute, die hinderent sich selber, daz sie ze vil haftent an riuwe und an bîhte [...] unde vlîzent sich niht ze komende zuo der lûteren wârheit Eckh (Pf) 239,17; si ’n muͤdent niͤt [im Glaubenseifer] ; / si enhindert niͤt, swat in geschiͤt MarlbRh 64,10; BrEb 52; Mechth 7: 34,7; UrkCorp (WMU) 51,20 1.1.2 rechtsspr., ‘jmdn. festhalten, in Haft nehmen’ [wer eine Wiedergutmachung nicht leisten will,] den mogen dy rotmanne wol uf haldin unde hindern WeistKulm 4 (a. 1338); der keiser hat verboten, daz kein mensche daz ander hindern sal heimlich noch offenbar. sint hindersal ist ein wurzel aller vnding; wan wer den andern hindert, vnd heischt nit recht von im, der hat wider den keiser getan KlKsr 2,46. 2,68 1.2 mit Gen.d.S.: er wolt dar uf gesezzen sîn, / des in der marcgrâve Cunrât / noch biz dar gehindert hât: / sîn ors aldâ bereit stunt Kreuzf 7902; swaz uns [...] / hindern wil des rechten Pass I/II (HSW) 42071; die bredige [...] leret uns kummen in unsern ursprung und womitte wir des gehindert werdent Tauler 47,4; sô enhinderte dich nieman dînes gegenwertigen gotes [deinen Gott gegenwärtig zu haben] Eckh 5: 203,11. 1:11,6. 1:135,11. 5: 247,3; Eckh (Pf) 240,19; Geistb 3,83. – mit hinzutretender Präp.: ab her in [einen Knecht] alsô geslagen hât, daz sîn herre sînes dînstes an ime gehindert ist SSp (W) 2:34,1 1.3 mit Präp. – an: daz wir gehindert werden iht / an des siechen gesiht [daran, den Kranken zu sehen] Vät 10763; daz sie keinen gast, der vihe herbringet, niht hindern an sime kauffe WüP 86,3; suaz he [Geächteter] dan sienis guitis hindir umi leizit, da insal in niemin ani hindiri Mühlh 100,2; DvAPatern 128; Eckh (Pf) 248,15; WüP 89,23; mit Ersparung des Objekts: ob ein brûder der dinge dekeinez, die dâ hinderent an der brûderschaft [bewirken, dass jmd. nicht Bruder werden kann] , verswîget StatDtOrd 86,12; waz gehindern oder gefürdern möhte an Gotes bekentnüsse Eckh 3:200,5. – von: únser vroͮwe hat gewalt úber alle túfel ze hinderende von den menschen Mechth 6: 39,22. 5: 32,26; noch hunger noch turst [...] enmag mich gehindern von der minnen Tauler 107,18; Eckh 2:610,9. 5: 260,3; Tauler 106,13 1.4 mit daz-Satz: driu dinc hindernt den menschen, daz er got enkeine wîs bekennen kan Eckh 1:178,4. 1:193,1; so wurt der mensche gehindert daz er nút enpfenglich ist dez adels Tauler 320,26 1.5 mit Inf.: daz wir den rat von Worm̄ nit hindern sulen, swanné si wellen, unser dinstlute [...] ze burger emphahen UrkCorp (WMU) 1831,30 2 ‘etw. (in best. Hinsicht) hemmen, stören, beeinträchtigen, einer Sache im Weg sein’ 2.1 ohne Angabe einer best. Hinsicht: wanne tu wir alle hindernusse ab, davon die augen gehindert werden moͤhten, als nebel ist und ander duͤnst KvMSph 15,26; ein arzât, der reiniget mir wol mîn ouge und tuot abe daz hindernisse, daz daz gesihte hindert Eckh 2:202,10. 2:580,3; die buͦrdene hinderet [...] din luͦf [= den louf ] PrLpz (L) 42,3; vorcht vor lieb, die hindert mynne Minneb 2154; [Zimtöl] hindert der gelider pidem und siehtum [bewirkt, dass diese nicht auftreten] BdN 362,28. 412,14; swer auch wil vail haben tuͦch [...], daz sullen di buͦrger von Wirtzburg guͤnnen und niht hindern WüP 104,4; KvMSph 8,6; HvFritzlHl 124,30. – daz [...] daz bercwerk icht gehindirt werde UrkFreiberg 2:6,36 (a. 1328); die wîl er mac geleben, / sô hindert er mîn goteshûs Ottok 12587; das wir die strasse [...] nicht hindern sollen [...], sundern [...] beschirmen und vorschüzze UrkThür 464 (a. 1340); vf daz die gerunge des blinden herzen niht gehinderen muͦge den wek dar wir inne lufen zu dem ewigen himleriche PrLpz (L) 30,6. – das hinderte mich werlich nit mer, denne einen heissen oven das hinderte, das man in alvol wisser simelen schúbe Mechth 3: 15,16 2.2 mit Gen.d.S.: wenn man in [einen bestimmten Stein] pint an ain hant ainer frawen, diu in der purt arbait, sô helt er die purt auf und hindert si irs fürganges BdN 462,31 2.3 mit Präp. an, in: ob unser erben daz geschæfte an ihte brechen oder hindern wolten UrkCorp (WMU) 933,25; ain ledig zung, die niht haft, wirt gehindert an der sprâche oft von pœser gewonhait BdN 14,33; daz [langsame Bewegung des Saturn] ist dar umb, als Plinius spricht, daz in der gstirnt himel hindert in seinem umblauf ebd. 56,19 2.4 mit daz-Satz: daz kraut und sein wurz [...] hindernt si [Geschwüre] , daz si iht wahsent BdN 386,3; wan dâ diu natûre wirt gewendet oder gehindert, daz sie niht volle maht enhât in irm werke, dâ wirt ein vrouwe [entsteht (nach der Zeugung) ein weibliches Wesen] Eckh 2:64,2 3 refl. 3.1 ‘(im Lauf) gehemmt sein, zurückbleiben’ (?), vom Mond (vgl. Mosimann, MNat. S. 180 Anm. 12): wonde denne der mane vil niderer ist, unde wonde er sich och hinderet, so kumet er etwenne under die sunnen unde bedeckit si uns [Sonnenfinsternis] MNat 10,13; so sich der mane gehindert so verre, daz er die rihte gegen der sunne ist gestellet, daz die erde der enzwischen ist, so [kommt es zur Mondfinsternis] ebd. 10,20 3.2 ‘erfolglos bleiben’ in mac ir hulde niht enbern / und hân doch kleinen trôst von ir: / sus hindert sich mîns herzen gir KLD:UvW 10:5,9 4 subst. Inf., ‘das Stören, Beeinträchtigen’ do ist das aller oberste wúrken und das aller luterste gebruchen ein einig ein [eine einzige Einheit] ane hinderen und [...] ein ieklichs ane des anderen hinderen Tauler 156,20
MWB 2 1540,19; Bearbeiter: Bohnert