glühen,
verbum. herkunft. ahd. gluoen,
mhd. glüen,
as. gloian (
in gloianden
candentem ahd. gl. 2, 718, 73; 10.
jh.),
mnd. glöyen, gljen, glôen,
mnl. gloeyen,
nl. gloeien
gehen zurück auf germ. *glōjan
zur basis idg. ghlō-;
dagegen gehören zur basis ghlōu-
ags. glōwan
red. vb. und altwestnord., aschw. glóa (
norw., schwed. dial., dän. glō)
aus *glōwōn (
oder *glōwēn;
vermutlich liegt ursprünglich starkes vb. zugrunde, das zu den schwachen übergetreten ist);
neben ghlōu-
steht ablautendes ghlēu-
in altwestnord. glǣ(f)a '
glänzen',
s. Noreen
aisl. gr.4 148.
nicht eindeutig bestimmbar ist die grundform von altfries. glīande '
glühend',
vgl. van Helten
z. lexikologie d. altostfries. 154
f. da ghlō-
und ghlōu-
vor konsonanten zusammenfallen, ist nicht zu entscheiden, ob das zugehörige verbalabstractum sowie die weiteren germanischen verwandten zu ghlō-
oder ghlōu-
zu ziehen sind: aisl. glōð,
ags. glēd,
ahd. gluot;
ags. glōm '
zwielicht, dämmerung'
; mit ablaut aisl. glāmsȳni,
f., '
eine sehschwäche, welche die dinge anders als in wirklichkeit erscheinen läszt, täuschung, illusion'; glāmr
mond, eigentlich der '
blaszgelbe'.
sicher stellen sich zu ghlōu-
nd. glû (
s.glüh),
nhd. dial. glau (
vgl. teil 4, 1, 4,
sp. 7772)
und glauch (
s. d.). ghlō-
und ghlōu-
gehören zur idg. wurzel *hel- '
glänzen',
die, auch erweitert, im germ. unter anderen noch vertreten ist in gelb, gold, glanz, glatt, glaren, glas, glast,
norw. glósa '
funkeln, leuchten, blicken', glimmen, gleiszen, gleiten, glotzen;
auszerhalb des germanischen sind noch anzuführen gr. χλωρός '
hellgrün',
besonders von der jungen saat; cymr. glo '
kohle'.
weiteres sieh bei Walde-Pokorny 1, 624
ff. form und verbreitung. ahd. gluoen
entwickelt frühzeitig in offener silbenscheide wie alle verba pura übergangslaute, so ein i (j),
das allmählich auf alle formen übergreift und zu mhd. glüejen
neben glüen
führt, vgl. gloviant
ahd. gl. 2, 455, 20 (11.
jh.); cluoientes
ebda 1, 642, 1 (10./11.
u. 11.
jh.);
die folge uoi, uoe, uoa (
erhalten oder wiederhergestellt in argluoit
ebda 1, 555, 20 [9./10.
jh.]
und cluôit Notker 2, 535, 19)
wird meist zu uo, ue, ua
oder ui
vereinfacht: cluontes
ahd. gl. 1, 642, 1; gluontero
ebda 657, 58 (
beide 10.
u. 12.
jh.); clûonte Notker 2, 582, 20 — gluent
ahd. gl. 1, 657, 60 (12.
u. 13.
jh.); gluentaz
ebda 2, 669, 70 (11.
jh.) — gluant
ebda 2, 455, 20 (11.
jh.) — gluintun
ebda 2, 440, 29 (11.
jh.),
das präteritum erscheint ohne bindevokal in cluotost Notker 2, 248; irglota
ahd. gl. 2, 66, 13 (11.
jh.),
daneben mit bindevokal und vereinfachung des diphthongs gluita
ebda 2, 440, 32 (11.
jh.);
vgl. zu diesen ahd. lauterscheinungen Bremer in:
P.-B. beitr. 11, 70
f.; Braune
ahd. gramm. § 40
anm. 4; 117
anm. 1; Schatz
ahd. gr. § 24; 300; 474; Wilmanns
dtsche gramm.3 1 § 156; Krüer
d. bindevokal u. s. fuge 244
ff. in mhd. zeit heben sich landschaftlich geschiedene dialektformen heraus. umlautlosigkeit und monophthongierung ist vor allem dem mitteldeutschen (
einschlieszlich d. ostfränkischen)
eigen, läszt sich jedoch aus der überlieferung nicht immer eindeutig feststellen. belege für den gebrauch im präsens: ergluen: muen
passional 107, 27
K.; gluet: bluet
Daniel 40; 1301
Hübner; Nicolaus v. Landau
sermone 35
Zuchold. im präteritum: glûte(n), gluote
u. s. w. Eneide 97, 24; 101, 13
Ettmüller; passional 237, 55; 352, 67
K.; Hugo v. Trimberg
renner 8806
E. die anschlieszenden jahrhunderte setzen diese tradition fort, vgl. glute
Sigenot 174
Schade (
nach dem Nürnberger druck);
pruna gluende kole
vocab. lat.-germ. (
md., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 469
a; K. Stolle
thüring. chron. 25
lit. ver.; Grunau
preusz. [] chron. 3, 234. —
im 12.
jh. finden sich formen ohne umlautsbezeichnung auch im obd., vgl. muoet: gluoet
vom recht 244
Waag; guote: gluote
Vorauer sündenklage 685
Waag; gluotez Freidank 67, 5
Grimm. mit nhd. diphthongierung des ahd. mhd. glûen < gluoen: glauen
besonders im ostfränkischen und in teilen des bairischen, vgl. aus neueren mundarten s glaumd '
es glimmt'
bei Gerbet
mundart d. Vogtlandes 147: die schlösser wurden glauen, allererst da wurd ein grauen, wer brennen kann, der war ein mann, hätt wohl gethan (
Würzburg 1525)
bei Wolff
samml. hist. volksl. (1830) 239; da musz man bald das glawend köllin leschen C. Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 167
b; wo kolen bey fewer leit, die weren glauend kurtzer zeit Hans Sachs 21, 143, 18
lit. ver.; ferner fabeln u. schwänke 3, 4; 5, 100
ndr.; w. (1560) 5, 374; (1612) 5, 3, 75 (klawend); mein reinigkeit zu offenbarn, will ich gehn auff geglauten scharn (
als gottesurteil) Ayrer
dramen 1, 681, 6
Keller; unsicher, ob hierhin: da hörte ich dasz mir thet grawen und noch davon die ohren glawen, einer der schrye: tolle, tolle, der ander: amen, crucifige! Theophilus Justanus
Klösels kunstbossen (1619) b 3
b.
das mitteldeutsche (
ostmd., rheinfr. und mittelfränk.)
kennt w
als konsonantischen zwischenlaut: er wird aus dem vorausgehenden û
entwickelt sein (Wilmanns 1
3, 515;
als analogisch faszt das w Wrede
beitr. z. germ. sprachwissensch. 1924, 89
f.),
s. unten die belege für glûwen
aus dem buch der Maccabäer 8970,
Karlmeinet 1743
K. und Hermann v. Fritzlar
heiligenleben (
dtsche mystiker 1, 218
Pfeiffer);
vgl. hierzu scintillare gluwen
rheinländ. vokab. (1476) Diefenbach
nov. gl. 330
b;
ferner ignire gluwen
md., vokabular (15.
jh.), glowen
vocab. lat.-germ. bibl. (
md., 15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 285
b;
im späten 15.
und im 16.
jh. erscheint vermutlich unter dem einflusz der md. druckersprache obd. die mischform glüwen,
vgl. Petrus de Crescentiis (1493) n 6
b, Joh. Adelphus
mörin (1512) 28
a; Caspar Hedio
chronicon germanicum (1530) 3
a; Braunschweig
chirurgia (1539) 91
a.
im compositum durchglüewen
findet sie sich vereinzelt neben ständigem glüen
bei Berthold v. Regensburg,
vgl. 1, 127, 28; 413, 11;
hier spiegelt sich in dieser form wahrscheinlich die reichere mundartenkenntnis des fahrenden wanderpredigers wider. die formen mit j
als konsonantischem übergangslaut sind für das alemannische sprachgebiet bezeugt, vgl. Gottfried v. Straszburg
Tristan 15525
Ranke; Rudolf v. Ems
weltchron. 9051;
Alexander 4840;
sieh ferner die unten angeführten belege aus Rudolf v. Ems
Barlaam 244, 26
Pf.; Tristan als mönch 1642; Seuse
dt. schr. 224
Bihlmeyer. in frühnhd. zeit: Zürch. bibel (1531) 1, 328
a (2.
Makk. 7 a);
bei H. R. Manuel
weinspiel 4205 (
Zürich 1548); Joh. Frisius
dict. (
Zürich 1556) 179
b; 190
b; 1413
b; Maaler
teutsch spraach (
Zürich 1561) 186; Konr. Gesner
thierbuch (
Zürich 1563) 119; 132; Joh. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 107
lit. ver. (
Basel 1583); Äg. Tschudi
chron. Helvet. 1 (
Basel 1734) 346.
in der schreibung tritt für j
bisweilen g (
d. i. der palatale reibelaut)
ein (
bei den andern verba pura schon ahd., s. Schatz
ahd. gr. § 300),
vgl. für die mhd. zeit Konrad v. Würzburg
Partonopier 8519; Nicolaus v. Straszburg
in den dt. mystikern 1, 296, 4
Pfeiffer; Straszburger goldschmiedordnung v. 1363
bei Ch. Schmidt
elsäss. wb. 151.
für die frühnhd. periode: Niclas v. Wyle
translationen 269
Keller; Gersdorff
wundarzney (1517) 61
b;
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 17
a; Geiler v. Keisersberg
drei Marien (
Straszburg 1520) 16
a; Nicolaus Manuel
ablaszkrämer 309; 311
Bächtold; Thomas Murner
von den fier ketzeren 117; 3238
Fuchs. seit dem späten 13.
jh. tritt g
als stimmhafte [] spirans (<
altem j)
auch auf nd. boden in erscheinung (
vgl. Sarauw
lautlehre der nd. mundarten 258
f.; 349): glogende (
d. i. glöjende)
als spätere variante im Sachsenspiegel, lehnrecht I 39; glogen (
d. i. glöjen)
candescere, ignire, scintillare vocab. ex quo (
nd., 15.
jh.) Diefenbach-Wülcker 629; gloygende rod
totum candens imitatio Christi 6, 1
Hagen; vgl. ferner s. v. glühendig.
die formen ohne bezeichnung einer zwischenkonsonanz (
vgl. ahd. gluoen,
mhd. glüen)
sind über das ganze sprachgebiet verbreitet und beherrschen seit dem ausgang der mhd. periode die schriftsprache. ihre letzten ausläufer reichen bis in das späte 18.
jh. hinein, vgl. glüet Lessing 6, 181
M.; L. A. Gottsched
br. 3 (1771) 160
Runkel; M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3 (1778) 201; (1781) J. Möser
über d. dtsche sprache u. literatur 17
Schüddekopf; der junge Schiller
gebraucht die form häufig, vgl. 1, 28; 234; 302; 3, 33; 404; 4, 25; 213
G. daneben steht aber in einigen frühen gedichten, die Schiller
mit weniger sicherheit zugeschrieben werden, auch die schreibung mit h,
die später normal durchgeführt wird, vgl. 1, 192
u. ö. im 19.
jh. ganz vereinzelt: wir sind der vielen worte müd; du weiszt, wonach der Deutsche glüt Herwegh
ged. 1 (1842) 125.
die nhd. form mit unorganischem h (
vgl. Paul
dtsche gramm. 1, 317; Wilmanns
dtsche gramm.3 § 156,
nr. 1)
läszt sich seit der wende vom 16.
zum 17.
jh. nachweisen und tritt zuerst in obd. drucken auf, vgl. Calepinus
XI ling. (
Basel 1598) 1183
b:
pruna glühende oder brennende kol (
dagegen candesco glyend oder feüwrig werden [1579] 200
a); Spreng
Äneis (
Augsburg 1610) 172
b; 195
b; Henisch (
Augsburg 1616) 1669.
die schreibung breitet sich im laufe des 17.
jh. weiter aus, Opitz (
opera [1646] 1, 172)
und Ph. Zesen (
rosenmând [1651] 152)
lassen sie drucken, doch bleibt sie gegenüber der form ohne zwischenkonsonanz vereinzelt; erst im laufe des 18.
jh. kann sie sich allmählich schriftsprachlich durchsetzen und schlieszlich behaupten; vgl. das nebeneinander von glüen, glühen
bei Henisch (1616) 1669; Stieler
stammbaum (1691) 671;
Noel Chomel (1750) 4, 1178;
dagegen: glhen, geglhet (nicht glen)
bei H. Braun
orthograph. wb. (1793) 125
a.
die verteilung der formen in den heutigen mundarten lehnt sich an den mittelhochdeutschen bzw. frühneuhochdeutschen lautstand des wortes an. j
als zwischenkonsonanz ist noch heute im alemannischen und teilweise im westmitteldeutschen (
rheinischen)
und niederdeutschen sprachgebiet herrschend, vgl. schweiz. idiotikon 2, 621.
mit entrundung (
vgl. die form gliegen
bei Geiler v. Keisersberg) glieje(n) Ch. Schmidt
Straszburger ma. 43; Christa
Trierer ma. 99;
rhein. wb. 2, 1286.
mit niederdeutscher lautgebung glöjen (
vgl. Sarauw
lautlehre der nd. mundarten 258; Lasch - Borchling
mnd. handwb. 1, 122) Crecelius
Oberhessen 427; Bauer-Collitz
waldeck. wb. 40;
rhein. wb. 2, 1286; Jensen
nordfries. 158.
ostfriesisch in der form glojen,
vgl. Doornkaat-Koolman 1, 633.
im westfälischen, besonders im Osnabrücker land, entwickelte sich das j
im hiat zur spirans ʒ
mit kürzung des vorangehenden vokals, vgl. Sarauw
a. a. o. s. 259: glöggen Strodtmann
idiot. Osnabrugense 73; glöggern Woeste 81.
mitteldeutsches w
ist heute noch in Hessen geläufig, vgl. Vilmar 131.
umlautlosigkeit wird für die Altmark bezeugt, vgl. glûn
bei Danneil
altmärk. 65.
mhd. glüen (
ohne zwischenkonsonanz)
lebt fort in obd. dialekten, vgl. Schmeller-Fr. 1, 969; Jakob
Wien 70; Lexer
kärnt. wb. 117; Fischer
schwäb. 6, 2051; Ruckert
unterfränk. ma. 62.
mit entrundung obd. und md., vgl. glien
bei Fischer 3, 719; Schön
Saarbrücken 84; Hofmann
niederhess. wb. 108;
im rhein. wb. 2, 1286;
für das Erzgebirge vgl. Müller-Fraureuth 1, 427.
mit niederdeutscher lautgebung glöen (jl
.ə)
im rhein. wb. 2, 1286;
bei Mensing 2, 397.
diphthongiert zu gloien (gläuen, gleuen)
innerhalb der niederdeutschen diphthongierungsgebiete, vgl. rhein. wb. 2, 1286; Schambach
Göttingen 65; Mi
Mecklenburg. 27; Woeste
westf. ma. 80;
bremisch-niedersächs. wb. 2, 519; Mensing 2, 397; Doornkaat-Koolman 1, 633; Siebs
Helgoland [] 226;
mit entrundung gleien,
vgl. rhein. wb. 2, 1286;
für das ostfriesische Doornkaat-Koolman 1, 633.
bedeutung. glühen
umfaszt wie die sinnverwandten glaren (
s. d.), glimmen (
s. d.), glosen (
s. d.)
und gloren, glören (
s. Falk-Torp 1, 329; Mensing 2, 398)
die bedeutungen: '
leuchten, glänzen, rot schimmern'
und '
in glut stehen;
feurig sein' (
d. i. '
flammenlos brennen'),
die einander sachlich nahe stehen. der idg. grundwurzel *hel-
kommt zunächst die bedeutung '
glänzen'
zu; innerhalb des germanischen sprachenkreises kennt die altisl. poesie für glóa
nur die bedeutung '
glänzen, strahlen',
von gold, sonne, waffen, s. lexicon poeticum (
21931) 189; Finnur Jónsson
ordbog (1928) 137;
in der prosa ist daneben '
in glut stehen, feurig sein'
gut bezeugt, s. Fritzner
ordbog 1, 612;
ags. glōwan
glossiert '
fulminavit' (
in einer Aldhelmglosse d. 11.
jh.)
und wird sonst von glühendem eisen und glühenden kohlen gebraucht, s. Bosworth-Toller
suppl. 476; Murray 4, 2, 234 (
in der ags. poesie fehlt das wort ebenso wie im Heliand).
im ahd. gibt gluoen
candere, ardere, aestuare, ignire wieder (
s. u.);
im mhd., mnd., mnl. fast nur in der bedeutung '
in glut stehen, feurig sein'
bezeugt (
auch hier besonders zu beachten die verbindung mit îsen
und kol),
vgl. mhd. wb. 1, 551; Lexer 1, 1040; Schiller-Lübben 1, 122; Verwijs-Verdam 2, 1997. II.
intransitiv. I@AA.
in glut stehen, feurig sein. I@A@11)
eigentlich. seit alters überwiegt in der anwendung bei weitem das partic. praesentis. I@A@1@aa)
vom glühzustand des feuers, brennbarer stoffe und metalle, vgl. die ahd. glosse gluontero
aestuantis (
incendii) (10.
jh.) 1, 657, 58
St.-S. I@A@1@a@aα)
gern in verbindung mit sinnverwandten substantiven und verben, in älterer sprache nicht immer streng begrenzt auf die bedeutung '
glimmen, glosen': er hiez dem kúnege ein gljenden brant gen in die hant Rudolf v. Ems
weltchronik 9051; wan ist, daz man glüend gluot mit des paumes (
juniperus) aschen bedecket, sô wert si ain jâr Konrad v. Megenberg
buch d. natur 325;
im bilde: ze gote stuont sô gar sîn muot, daz er als ein glüendiu gluot begunde in gotes minnen ie mêre und mêre brinnen Rudolf v. Ems
Barlaam 376, 4
Pf.; es wart nie fr so grosz usz cleinen funken ... es glt ein schedelich fr, wil mich bedunken, giesz waszer drin (
v. j. 1437)
histor. volkslieder 1, 359
Liliencron. glühender brand
in späterer zeit häufig lexikalisch, vgl. Hulsius
dict. teutsch-ital. (1618) 139
b; Widerhold
nouv. dictionnaire (1669) 148
a; Dentzler
clavis linguae latinae (1716) 137. glühende funken:
stricturae glende fncklein, die unter dem schmieden von eisen fallen Zehner
nomencl. (1645) 151; (
er) wirfft aschen ausz einem eymer oder sacke mit glenden funcken vermischt auff die zuseher J. Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 477;
in übertragener verwendung bei Niclas v. Wyle: umb daz ich nit (so ich ains alten füres äschen uftrechen wölt) in mir find ainen gnaiste noch glüynde und lebend
translationen 20
Keller. neben bedeutungsverwandten verben: ez (
das tal) was ouch vollez gluote ... dâ was unreiner stanc ... hei wie ez gluote unde bran Alber
Tnugdalus 560
Wagner; do (
Moses) sein schaf zusamen treip in ein tal und ruoen wolt, do sach er den busch gluoen-und niht verbrinnen Nicolaus v. Landau
sermone 35
Zuchold; feür ..., das in vil tag roch und glüet Seb. Franck
Germ. chron. (1539) 290
a.
verbindungen der eben genannten art sind seltener geworden, denn heute tritt die vorstellung des glühenden, [] lodernden brandes zurück hinter der einer verglimmenden glut, vgl.: die ruinen von der kirche stehen noch und sind ausgebrannt, aber noch acht tage lang glühte das feuer darin Wilhelm Grimm
briefwechsel aus d. jugendzeit (1881) 180 (
v. j. 1809); auch im kamin fiel das feuer zusammen und glühte nur noch dunkel Fontane
ges. w. I 6, 258.
hierher wohl auch: unnd will ein zerknirscht rohr nit zerbrechen, ein glenden butzen nit ausslOeschen (
nach Jes. 42, 3) Paracelsus
opera (1616) 2, 92
H. I@A@1@a@bβ)
wie glimmen, glosen, schwelen
vom flammenlosen feuer in der anwendung auf brennbare stoffe; im bilde: ez glüen der simonîen koln Frauenlob 337, 16,
s. festschr. für Siebs (1932) 63; es ist not, das das köllin (
der liebe) gliege Geiler v. Keisersberg
drei Marien (1520) 16
a.
eigentlich: verbande er haimlich ainen gelügenden zunder in das wercke, dar von es bald enzündet gantz an huob zebrinnen Niclas v. Wyle
translationen 269
Keller; die Germanen gewannen auf diese art salz, dasz sie das salzhaltige wasser auf glühende bäume gossen br. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 9.
in ähnlicher verwendung: castanien aus der glüenden asche (
langen) Treuer
dtscher Dädalus (1675) 1, 62; eine lange Virginia, die, wie gewöhnlich, nicht ins glühen kommen wollte Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 397.
fest geworden ist die verbindung glühende kohle,
mit dem synonym zander
schon bei Notker,
vgl. clûonte zanderen
carbones ignis 2, 582
Pf.: do sprach der engel: sich swer ain stucke der leber uf ainen glgenden kolen leget
dtsche pred. 2, 18
Grieshaber; ferner bei Konrad v. Megenberg
buch d. natur 339, 19; Ortolff v. Beirlandt
arzneibuch (
Augsburg o. j.) 32
a;
Petrus de Crescentiis (1493) n 6
b; ein gewaltger herd mit glühnden kohlen und zwei helle kerzen auf dem simse C.
F. Meyer
ged. (1900) 26.
rein visuell im vergleich: ein geswer ... rot als ein gluogende kole
voc. lat.-germ. (
md., o. j.) Diefenbach
gl. 639
a; der dolle fähnrich ... so roth wurde, wie eine glühende kohl Grimmelshausen
Simplicius 102
Scholte. der redensartliche gebrauch der wendung glühende kohlen auf jemands haupt sammeln
geht zurück auf Römer 12, 20
hoc enim faciens, carbones ignis congeres super caput eius: dann wirst du glühende kohlen auf sein haupt häufen Rösch
kathol. bibel (
Paderborn 1927) (fewrige kolen
bei Luther, Eck
und Dietenberger); wer nur in gedult seine sachen gott machen lasset unnd auszhalten lernet, der schüttet seinen feinden glüende kolen auffs haubt (1563) Mathesius
ausgew. w. 2, 115
Lösche; vgl. Campe 2 (1808) 410; das gebeth der noth ... häufet glühende kohlen auf des unterdrückers haupt Herder
s. w. 26, 337
S. mit eigenartiger umkehrung des gedankenganges: so sammle ich den hasz wie glühende kohlen auf meinem haar ... Weinheber
vereinsamtes herz (1935) 46. auf glühenden kohlen stehen, sitzen: wenn ich ein geheimnis weis, so stehe ich auf lauter glüenden kohlen Gottsched
dt. schaubühne (1741) 3, 100; Hans Unwirrsch sasz auf glühenden kohlen, (
denn) er wuszte, wo der lieutenant den Moses Freudenstein ... gesehen hatte W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 2, 92. I@A@1@a@gγ)
vor allem in der anwendung auf metalle und metallene gegenstände. hier wird auch die grenze zu glimmen, glosen
und schwelen
sichtbar, deren gebrauch stets einen verbrennungsprozesz voraussetzt: durch wort ein îsen niemen mac gebrennen, gluotez allen tac Freidank 67, 6
Bezzenberger; auff das macht der jüngling das eysen im feuwr wol glüyendt Joh. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 107
lit. ver.; in der bekannten sprichwörtlichen fassung zuerst bei Seb. Franck: wann das eisen glet, sol man es schmieden
sprichw. (1541) 2, 153
a;
[] ich war erhAertet wie zumahl durch wasser ein glnder stahl Wolfh. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 94; viel flammen aber müssen daz würcken, wo der stahl sol glühn Lohenstein
Ibrahim sultan u. a. ged. (1679) 7.
als adjektivisches partizip in der festen verbindung glühendes eisen (
vgl. oben glühende kohle): vertriuwet daz gerihte zem glüejenden isen Gottfried v. Straszburg
Tristan 15525
Ranke; daz glogende ŷseren zu tragene
Sachsenspiegel landrecht I 39; in der hand des schmiedes verträgt (
das gefühl) ein fast glüendes eisen A. G. Kästner
verm. schr. (1772) 2, 111.
im vergleich: bei jeder anspielung wichst du von fern schon aus, als käm dir ein glühendes eisen zunah Mörike
w. 3, 48
Göschen. I@A@1@a@dδ)
vom glühzustand metallener gegenstände und waffen, vgl. in den ahd. glossen gloianden (
as., 10.
jh.) 2, 718, 73
St.-S.; gluentaz
ebda 669, 70 (
zu Vergils Äneis 12, 91:
candentem ensem);
verbindungen wie glühender ofen (
s.ofen
teil 7,
sp. 1155), glühende zange (
s. zange
teil 15,
sp. 217), glühende kugel
sind oft bezeugt: der ofen der dâ gluote
Vorauer sündenklage 685; tiuvel, die wecke dort dîn glüendiu zange
ein alt meistergesangbuch, s. mhd. wb. 1, 551; do muesst er stät sehen in zwai glüende peck, davon er gantz erplindt (1481) Füetrer
bayr. chronik 108
Spiller; accensa patella ein gluwende pfann Melber
vocab. predic. (1486) a 3
a; (
sie) machten dy pfeile gluende, do sy mete schossen Konrad Stolle
thüring. chron. 25
lit. ver.; messinn thrat, der geglüwet ist gewesen H. Braunschweig
chirurgia (1539) 91
a; er ward auf des scharfrichters karren gesetzt, mit glüenden zangen gerissen Chr. Weise
die drey klügsten leute (1675) 318; mit glüenden kugeln schieszen
M. Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 543; das treffliche geschütz, die glühenden kugeln brachten die besatzungen (
der festungen) in verzweiflung Ranke
s. w. 2 (1867) 302;
dazu vgl. 'glühende kugeln
als brandgeschosse aus geschützen waren schon im 16.
jh. bekannt' v. Alten
hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 82;
ferner Wolff
mathem. lex. (1716) 678; Fäsch
kriegslex. (1735) 118
a.
als epitheton in eigenartigem vergleich: got ist ein glüender backofen foller liebe, der da reichet von der erden bisz an den himmel (1522) Luther 10, 3, 121
W.; ähnlich 15, 499; die göttliche natur ... ein glüender bachofen von lauter lieb Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 84. I@A@1@a@eε)
von erhitzten steinen: die gluintun steina
ahd. gl. 2, 440, 29
St.-S. als glosse zu Prudentius peristephanon 13, 78:
saxa recocta vomunt ignem niveusque pulvis ardet; man leit einen stein zuo einem fiure. gât nû daz fiur in den stein? nein ez, diu kraft des fiures gât in den stein, daz er rehte glüegende wirt Nicolaus v. Straszburg,
s. dtsche mystiker 1, 296
Pf. in redensartlicher wendung: denn wer sich des kaysers brunst zu dämpffen unterstehen wil, der geust nur öl ins feuer und wasser auff glüende steine Ziegler
d. asiatische Banise (1689) 530; aber (
diese bemühungen) sind tropfen auf einen glühenden stein Fr. L. Jahn
w. 2, 605
E. I@A@1@bb)
von der atmosphärischen wärme. glühen
wird, oft nur in steigerndem sinn, als typisches verbum bei schilderungen von wärmezuständen im reich der natur angewandt; von der sonne: die erd gar dick on fewr enbrint von heisem glüwen und sonnen glitz J. Adelphus
mörin (1512) 28
a; dort hängt mein graues haupt, dem ungestümen regen, dem glühnden sonnenschein und bittern schnee entgegen Göthe I 16, 35
W.; der eindruck von hitze herrscht vor, während das visuelle moment, wie im voraufgehenden, ganz fortfällt oder sich doch nur beiläufig bemerkbar macht: die nachmittagssonne glühte in seinen haaren Storm
w. (1899) 1, 98; reife goldorangen fallen sahn wir heute, myrte blühte, eidechs glitt entlang der mauer, die von sonne glühte C.
F. Meyer
ged. (1900) 205.
[] von landstrichen und zonen südlicher breiten: daher der contrast der moral der glühenden zonen mit der moral der kalten länder Wieland
Agathon (1766) 1, 117; durch wüsten, die von hitze glühn Hölderlin
ges. dicht. 1, 33
Litzmann. übliche verbindungen mit dem adjektivischen partizip: er ist ein opfer allzu groszer anstrengungen geworden in dem glühenden clima (
Griechenlands) Jacob Grimm
an Dahlmann briefwechsel 1, 403; in dieser einsamen, todtstillen wüste ... mit deren flugsand ein glühender mittagswind die mühsame spur des kameeles verwehet, liegt wie im meere ein grünes eiland Droysen
gesch. Alexanders d. Groszen (1838) 212;
insbesondere glühende hitze
für die sommerliche oder mittägliche temperatur: (
die truppen) muszten am 25. august in glühender hitze 50 km und mehr zurücklegen A. v. Mackensen
br. u. aufzeichn. (1938) 46.
das adjektivische partizip ist in dieser umgebung auch umgangssprachlich geläufig geworden, während die finiten verbalformen das gewähltere ausdrucksmittel bleiben: dort athmet kühle, liebliche kühle, wenn der sommer glühet Herder
w. 27, 41
Suphan; und immer schwächer und stiller glühte der mittag C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 4; der glühende sommertag hatte jetzt alles in die dunkeln schatten gescheucht Hölderlin
ges. dicht. 2, 125
Litzmann. wohl von hier aus übertragen: bald werd ich mich wieder baden in deinen glühenden düften, herrliches land (
Italien), du heimat aller kunst! E. T. A. Hoffmann
s. w. 7, 205
Grisebach; anders, steigernd: im kelche der blume, im farbigen, nun das stille verschlieszen, das liebliche ruhn! und wenn ich entsteige der thauigen gruft, umströmt mich, entbunden, der glühendste duft Hebbel
w. 6, 254
Werner. I@A@1@cc) glühender wein '
heisz gemachter wein, glühwein',
vgl.geglühter wein
sp. 453
und glühwein: glüender wein
vinum defruttum Frisch
teutsch-lat. 1 (1741) 358; auch hatte man einen sogenannten glühenden wein, der mit vielerley gewürzen und dazu geklopften gelben eyerdottern gekochet und bey kalter und neblicher witterung ... getruncken wurde Fr. S. Bock
naturgesch. v. d. kgr. Ost- u. Westpreuszen (1782) 1, 275.
in übertragenem sinne '
feuriger wein': wir verzehrten hierauf einen glüenden wein nebst dem schmackhaftesten gebackenen
der Leipziger avanturieur (1756) 1, 223; Rheinwein ... du bist glühend, nicht aufflammend, taumellos, stark, und von leichtem schaum leer Klopstock
oden 1, 117
M.-P.; du entbehrst dort dieser warmen luft, dieses heitern himmels, dieses glühenden weins Tieck
schr. (1828) 3, 37.
vom visuellen her bestimmt ist ein verbaler gebrauch wie z. b. der wein glüht im glase,
vgl. unten I B 2,
sp. 452. I@A@22)
übertragen. I@A@2@aa)
von physischen zuständen. in der umgangssprache und in den mundarten allgemein verbreitet. die beiden bedeutungen, '
erhitzt sein'
und '
rot (
im gesicht)
aussehen',
fallen hier zusammen: alsz dan sitzt er da, glüet und schwitzt Wolfh. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 128; steil wird der pfad, die wandrer glühn Annette v. Droste-Hülshoff
w. 2 (1879) 89; die kerzen brennen und die geigen schreien, es theilen und es schlieszen sich die reihen, und alle glühen; aber du bist blasz Storm
ges. schr. (1884) 1, 26.
als folge genossener geistiger getränke: sie hatten sich so voll gesoffen, dasz sie glüheten wie die rothen zinszhäne Joh. Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 64;
vgl. Hennig
preusz. wb. (1785) 87.
mit scherzhafter übertreibung: sie marschieren wie trunkenbolde bei nacht, die keine andren laternen haben, als ihre glühenden nasen Eichendorff
s. w. (1864) 4, 376.
in der redensart glüht wie Rastenburg
von einem, der viel getrunken hat bei Schemionek
elbing. 13; Frischbier
preusz. 1, 215;
zur entstehung vgl. Wander
[] dt. sprichw.-lex. 1, 1781. —
auf den inneren zustand übertragen: sein ganzes wesen glühte noch von dem geistigen weine Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 237.
mundartlich gern im drastischen vergleich: du glöstja asn legghen Mensing
schlesw.-holst. wb. 2, 397;
vgl. dazu aus dem 16.
jh.: denn ihr (
der bettler) angesicht glet offt wie eine leggehenne A. Pape
d. bettel- u. garteteuffel (1586) m 4
b; he glögget as een backauve Strodtmann
idiotikon Osnabrugense (1756) 73; Schambach
Göttingen 65;
ähnlich: Brendicke
Berliner wortschatz 128;
rhein. wb. 2, 1286;
vgl. auch Ruckert
unterfränk. ma. 62. im fieber glühen: ein heftiges wundfieber ergriff ihn nun. er glühte die ganze nacht durch Kretschmann
s. w. (1784) 5, 306.
auch mit adjektivischem partizip vom fieber selbst: sie kannte seine eifersucht, diese krankheit, die ihn verzehrte von den ersten tagen ihrer ehe an, wie ein glühendes fieber in seinen eingeweiden H. v. Kahlenberg
d. familie Barchwitz (1902) 11. I@A@2@bb) glühen
von äuszeren körperlichen vorgängen und zuständen, die eine innere erregung widerspiegeln, vgl.: wie schlägt mein herz, wie glüht mein blut Göckingk
ged. (1780) 1, 261. I@A@2@b@aα)
üblich von heiszen tränen: fühlst du (
schnee) meine thränen glühen, da ist meiner liebsten haus Wilhelm Müller
ged. 115
Hatfield; mehr vom visuellen eindruck: manche träne — aus Pandoras büchse — sieht man dort (
im dom) am rosenkranze glühn Schiller
s. schr. 1, 192
G.; als adjektivisches partizip: doch des sieges lauf hielt schnell ein glühnder strom von thränen unwiederstehlich auf Göthe I 37, 30
W. I@A@2@b@bβ)
von einzelnen körperteilen, meist den seelisch-körperlichen gesamtzustand charakterisierend, ohne dasz der ursächliche zusammenhang immer erkenntlich wird; umgangssprachlich allgemein üblich: wie mein angesicht glühet und wie mein geist nach den rosen lechzet, welche auff ihren lippen blühen Ziegler
d. asiatische Banise (1689) 483; beyde erschraken, und ihre wangen glühten von einem tiefern roth Heinse
w. 5, 289
Schüddekopf; ein um das anderemal muszte sie in der arbeit innehalten, die glühenden wangen kühlen Ganghofer
almer u. jägerleut (1900) 184; am birnbaum sitzt mein töchterchen im gras; die märchen liest sie, die als kind ich las; ihr antlitz glüht, es ziehn durch ihren sinn Schneewittchen, Däumling, Schlangenkönigin E. Geibel
ges. w. 3 (1883) 238.
vielleicht redensartlich: herr oberster, das ist die natur und art unsers Gallofrancken, dasz sie nichts gelten, als in erster hitz, wann ihnen die köpff noch glüen Fischart
Gargantua 423
ndr. I@A@2@cc)
breiten raum gewinnt die verwendung des wortes bei der übertragung auf die gefühlswelt des menschen. I@A@2@c@aα)
das visuelle bedeutungselement wird nur gelegentlich deutlich, so im sinne von '
errötend glühen (
vor scham)': er lac, dêst âne lougen, von schame in hitze glüegende und als ein rôse blüegende Konrad v. Würzburg
Partonopier 8519; die fürstin erzählte (
ihr erlebnis), vor scham glühend, ihrer amme Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 293;
vgl. ferner Herder: wenn wir in spätern sprachen den zorn als phänomenon des gesichts oder als abstractum in den wurzeln charakterisieren, z. e. durch das funkeln der augen, das glühen der wangen usw., und ihn also nur sehen und denken: so höret ihn der morgenländer!
s. w. 5, 70
S. I@A@2@c@bβ)
in der regel treten alle äuszeren begleiterscheinungen zurück: er glühte durch sein ganzes ich, und nachtwolken sollten es kühlen Jean Paul
s. w. (1826) 7, 118; dann hatte sie sich, weil sie wohl sah, wie er glühte, losgemacht Wilhelm v. Scholz
erzähl. (1924) 99; ein tiefer
[] entschlossener mann, der unter äuszerer kälte innen glüht Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 1, 341.
in dichterisch erhöhtem sprachstil mit umschreibendem subjekt: doch was hilffts in blut geschrieben? wenn mir disz getreue lieben weder furcht noch hoffnung zieht. kranke mögen sich beklagen, nur mein herz soll garnichts sagen, ob es noch so heftig glüht J. Chr. Günther
ged. (1735) 250; dasz auch fern vom goldnen tage wo die schatten traurig ziehn, liebend noch der busen schlage zärtlich noch die herzen glühn Schiller
s. schr. 11, 203
G.; diesz wird die letzte thrän nicht sein, die glühend herz aufquillet Göthe I 4, 95
W.; es ist die knappe, die herbe, die von liebe zu diesem land glühende seele meines volkes, die zum erstenmal aus deinem gedicht zu mir sprach, Theodor Fontane, — du Märker, in diesen boden gesenkt wie ich Agnes Miegel
werden u. werk (1938) 21.
gewöhnlich treten nähere gefühlsbestimmungen hinzu (glühen von liebe, zorn, hasz
u. s. w.),
die in gehobener sprache selbst zum subjekt werden können. beide gebrauchsweisen laufen von je nebeneinander her: wan in begunde enzünden diu wâre gottesminne: diu lac in sînem sinne brinnend unde glüejende Konrad v. Würzburg
Alexius 215
G.; dise freüd gottes leit in irem hertzen und glet Tauler
sermones (1508) 37
b; (
die) so von dieser begierde (
des forschens) fast glühen Butschky
Pathmos (1677) 181; ja ja, du liebst, du glühst von liebe Schiller
s. schr. 15, 1, 22
G.; von seeligen entwürfen glühte dir, von tausend goldnen träumen deine brust Hölderlin
s. w. 1, 146
v. Hellingrath; wie sie alle vor dir knien und von früher andacht glühen Schubart
s. ged. (1825) 1, 24; seine fantasie glühte Fr. H. Jacobi
w. (1812) 5, 319; dieser hasz (
gegen die Franzosen) glühe als die religion des deutschen volkes E.
M. Arndt
schr. für u. an s. lieben Deutschen (1845) 1, 371; fühl ich dich recht heraus, so glühst du eigentlich vor sehnsucht Bettine
Clemens Brentanos frühlingskranz (1844) 131.
ganz üblich ist im neueren schrifttum die verbindung eines abstractums mit dem adj. partizip: (
die) glühende leidenschaft einer mächtigen und reizenden nebenbuhlerin Wieland
Agathon (1766) 1, 18; Archyta hatte niemalen weder eine glühende einbildungskraft noch heftige leidenschaften gehabt 2, 308; ihre (
der schauspielerin) heisze liebe, ihren glühenden enthusiasmus Göthe I 40, 95
W.; (
den) busen voll glühender unerschöpflicher liebe Schiller
s. schr. 3, 404
G.; mein wesen mattete sich um so schrecklicher ab, je mehr ich meine glühenden wünsche verbarg Hölderlin
ges. dicht. 2, 62
Litzmann; wenn ich mir das alles so denke, dann überströmt mich ein glühendes gefühl Görres
ges. br. (1858) 1, 23; glühende menschenliebe und menschenverachtung beseelten ihn (
Friedrich den Groszen) zu gleicher zeit Fr. Meinecke
Boyen 1, 13.
hierhin rechnen auch die verbindungen glühender patriot, glühender freund
u. ä., vgl. glühend A,
sp. 455.
das bildhafte moment, das im voraufgehenden nur angedeutet wird, tritt gelegentlich auch stärker hervor: von dem dichterischen feuer, welches in diesem gemählde glühet Wieland
Agathon (1766) 1, 288; bald aber war es, als strahle der glühende funke himmlischer begeisterung durch mein inneres E. T. A. Hoffmann
s. w. 2, 28
Gr. I@A@2@c@gγ)
in verbindung mit ausdrücken wie rede, wort
u. ähnl. charakterisiert glühen
die hinreiszende und zündende gewalt der sprache. althochdeutsch in anlehnung an den lateinischen grundtext: din uuort cluoit unde zundit harto unde din scalhc minnota iz.
ignitum eloquium tuum vehementer et servus tuus dilexit illud Notker 2, 535
Piper; Wieland schien mir in seinen ersten versuchen ein unwahrer
[] dichter; seine rede glüete mehr und sein colorit war weit lebhafter als seine empfindung J. Möser
über d. dtsche spr. u. literatur 17
Schüddekopf; (
Winckelmann) der in einer eigenen glühenden, tief eindringenden sprache schrieb Ernst Brandes
in den Göttinger gelehrten anzeigen (1806) 491. I@A@2@c@dδ)
gelegentlich auch bei begriffen, die erst durch verbindung mit glühen
in die gefühlswelt einbezogen werden und dadurch eine inhaltliche steigerung erfahren: eure tugend glühte schon, da noch eure jugend blühte S. v. Birken
ostländischer lorbeerhäyn (1657) 365; altes recht sich breitet aus, treu und glaube glüen Neumark
neuspr. teutsch. palmbaum (1668) 30; während im norden die neue gläubigkeit glühte W. Schäfer
d. 13
bücher d. dtschen seele (1925) 205.
in eigenartigem zusammenhang bei Göthe: ein schwärmerischer ernst glüht auf dem gesicht (
des apostels Paulus von Raphael) I 47, 229
W.; was mit glühendem ernst die liebende seele gebildet, reizte dich nicht I 5, 282
W. vom leben in seiner höchsten steigerung: alles ist vergänglich, aber keine ewigkeit soll das glühende leben auslöschen Göthe I 19, 179
W.; versöhnung ist mitten im streit und alles getrennte findet sich wieder. es scheiden und kehren im herzen die adern und einiges, ewiges, glühendes leben ist alles Hölderlin
s. w. 2, 291
v. H.; so sind jene antiken sarkophage zu verstehen, die mit ihren bildern des glühendsten lebens dem klagenden betrachter zurufen Schopenhauer
w. 1, 362
Grisebach. I@A@2@dd)
selbständige bedeutungen, vor allem in verbindung mit präpositionen. I@A@2@d@aα) glühen für: tausend hände belebt ein geist, in tausend brüsten schlägt, von einem gefühl glühend, ein einziges herz, schlägt für das vaterland und glüht für der ahnen gesetze Schiller
s. schr. 11, 78
G.; für das vaterland habe ich als kind in frommer ergebung gebetet, als knabe geglüht, als jüngling mit sehnungen und ahnungen geschwärmt, als mann geredet, geschrieben, gefochten und gelitten Fr. L. Jahn
w. 2, 728
E.; und wie der mensch, soll er sich nicht verflüchtgen, für etwas hohes glühen musz und würdges, weih ich mein ganzes sein dem reinsten triebe Bauernfeld
ges. schr. (1871) 5, 85.
auch mit persönlichem objekt: sie glühten für einander und ich fachte selbst odem ihren leidenschaften zu Göthe I 9, 302
W. vereinzelt in poetischer sprache mit reinem dativ: wenn eines ganzen volkes kraft für seines gottes heiligthum die lanze hebt so schaft an schaft, wer glühte nicht dem schönsten ruhm? Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 1, 58. I@A@2@d@bβ) glühen
als petere. aus verbindungen wie den in sp. 449
genannten vor sehnsucht, verlangen, begierde glühen
hat sich schon früh eine eigene bedeutung entwickelt im sinne von '
brennend (
nach)
etwas verlangen',
vgl. den ähnlichen vorgang unter brennen
teil 2,
sp. 368.
im mhd.: der gotes engel im erschæin, unt sæitim aber, er solde hæim ze der ewigen hæimüete, dar sein gedanch ie glüete sider sich ihtes versan
Servatius 1626
Fr. Wilhelm; in späterer zeit: es brauchte wenig mühe diejenige zu entzünden, die vorhin in voller brunst nach gold und silber glüheten Er. Francisci
d. hohe trauersaal (1665) 1, 991; wie glühst du nach dem schönen munde, der bald verstummt und nichts versagt Göthe I 1, 50
W.; mundartlich bei Schmeller-Fr. 1, 969.
bisweilen auch mit folgendem infinitiv: ich glühe tags nicht mehr dir immer nachzuziehen Joh. Nik. Götz
verm. ged. (1785) 1, 51;
[] mein herz glüht an dem seinigen zu schlagen Schiller
s. schr. 13, 253
G.; vgl. auch 6, 405
G.; manche rasche südländerin mochte glühen, ihr herz und ihr glück an seine brust zu werfen Stifter
s. w. (1901) 3, 192. I@BB.
leuchten, glänzen, rot schimmern. diese bedeutung —
an sich ursprünglicher als A (
sieh oben sp. 444),
und in vielen alten verbindungen wie glühendes feuer, eisen, kohle
in éiner anschauung untrennbar mit A
vereinigt —
ist auf allen sprachstufen vorhanden; im ahd. nur vereinzelt greifbar: (
scintillae quasi adspectus aeris)
candentis cluoientes
ahd. gl. 1, 642, 1. 2
St.-S. (10.
jh., zu Ez. 1, 7);
im mhd. selten und nur im vergleich (
s. u. 1);
für die frühneuhochdeutsche zeit in synonymer verbindung bezeugt: es ist nit das end, es ist aber der weg, es gluwet und glintzt noch nit alles, es fegt sich aber allesz (1521) Luther
w. 7, 537
W.; häufiger seit dem 18.
jh.: alles gläntzet, alles glühet, alles funckelt, alles blühet durch der sonnen gegenwart Brockes
irdisches vergnügen in gott 5 (1770) 35;
vgl. auch 8 (1746) 27; ganz unabhängig vom politischen gedräng und gemächte ist alles im groszen geblieben, drängt, treibt, glüht, schimmert: oktobertage — sie kennen sie (
aus Paris 1920) Rilke
br. (1937) 323;
in bildhafter übertragung: was dort (
im original) durchsichtig glänzt und glüht, hier (
in der kopie) wie ein alter topf aussieht Göthe I 16, 152
W. in neuerer zeit zumeist so gebraucht, dasz die vorstellung von A
mit hereinspielt oder gar zugrunde liegt. I@B@11)
vom lichtschimmer: ein funke des mondlichtes glühte auf dem rande ihres bechers wie ein goldner tropfen Levin Schücking
an Annette v. Droste-Hülshoff, s. br. (1893) 12
Schücking; der lichtschein glühte durch die fenster und die offene tür der (
eisen-)hütte Paul Ernst
zehn geschichten (1933) 44.
vom licht der gestirne und ihrem widerschein, besonders vom morgen- und abendrot: die falben wolken glühn von blitzendem rubine und brennend gold bedeckt das feld A. v. Haller
ged. 4
Hirzel; der heitere nachthimmel von unendlichen sternen glühend Göthe I 7, 164
W.; bis des dunkeln stromes welle von Aurorens farben glüht Schiller
s. schr. 11, 201
G.; wenns kaum im osten glühte, die welt noch still und weit Eichendorff
s. w. (1864) 1, 243; wenn die glühende mondesscheibe ober ihr (
der stadt) stand und auf sie niederschien Stifter
s. w. (1901) 3, 11; da glühten im letzten abendscheine griechische giebelfelder und gotische türme G. Keller
ges. w. (1889) 2, 136; an einem blauen und windstillen sommertage musz man turm, giebel und mauern sehen, die bei trübem licht farblos und altersgrau erscheinen; da flammen sie auf, glühend jubiliert der backstein, die sonne spielt im lindenlaub, das wasser leuchtet Werner Bergengruen
dtsche reise (1934) 11; doch oben in den ländern gestirnerblüht ist wandern von gewändern, das wolkig glüht Weinheber
vereinsamtes herz (1935) 22.
vgl. dazu auch die zusammenrückung alpenglühen
von der letzten sonnenspiegelung auf den gipfeln des gebirges bei Fontane
ges. w. I 4, 318;
dazu ferner: als wir auf dem Rigi, umgeben von dem abendglühen der alpen, standen und abschied nahmen Stifter
s. w. (1901) 1, 1, 57. glühen
ist seit älterer zeit stehender ausdruck für das leuchten und funkeln der augen; im vergleich: sîn ougen glûten sam die kolen, daz fûre im ûz dem munde flouch Heinrich v. Veldeke
Eneide 97, 24
Ettm.; [] sein volles auge glühte von muth und hoffnung Göthe I 10, 67
W.; und ach, zwei mädchenaugen glühten! — da wars geschehn um dich, gesell! W. Müller
ged. 116
H.; mit adjektivischem partizip: da steigt sie schon mit munterem schritt und glühendem blick den hügel herauf Göthe I 13, 1, 270
W. übertragen auf den schimmernden glanz von edelsteinen; mhd. im vergleich: vier edele steine ... die gelîchten wol der sunnen und lûhten sam sie brunnen, sie glasten als ein glüendiu gluot
herzog Ernst B 2597;
in neuerer zeit: am krönchen goldig, perlich, und am scepter blitzend herrlich lacht smaragd und glüht rubin Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 123. I@B@22)
von der leuchtkraft der farben: Giorgio Barbarelli da Castel Franco ... bediente sich noch glühenderer tinten Göthe II 3, 359
W. besonders vom purpur: dein purpur müsse stetig glühen, der itzt so lichte funken streut Amthor
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 2, 57; der schlag ist offen und eben sieht sie im portale verschwinden eines kleides falte, die purpurn glüht, und den schleier, segelnd in winden Annette v. Droste-Hülshoff
w. (1879) 1, 310.
in freierer verwendung von dem farbenreichtum der natur: wenn die blüthe nun blüht, wenn in dem strahle des sommers sich die ebene röthet, wenn der begeisternde herbst glüht Giseke
poet. w. (1767) 24
Gärtner; nun glühen schon des paradieses weiten in überbunter pracht Göthe I 3 78
W. ebenso von früchten und blühenden blumen, vor allem der rose: kennst du das land, wo die citronen blühn, im dunkeln laub die goldorangen glühn Göthe I 21, 233
W.; deine (
der mutter erde) gesparte kraft flammt auf in üppigem frühling, rosen glühen und wein sprudelt im kärglichen nord Hölderlin
s. w. 2, 27
v. Hellingrath; da glühen die blumen am weg von mir zu dir Bettine
d. Günderode (1840) 1, 203; einzelne knorrige apfelbäume stehen mitten im gras, gebückt und schwer, mit allen äpfeln glühend Rilke
tagebücher 1899 -1902 (1931) 296; nun atmet alles land in lichtgefunkel, und längs den wegen, satt von sommerduft, glühn rosen rot aus ernstem laub heraus Weinheber
adel u. untergang (1937) 48.
von der funkelnden farbe des weins (
s. oben sp. 447): wo der wein im becher glühet C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 124; mädel, schenk mir den becher voll bis zum rande mit wein! rot glüht der wein und er glüht wie toll, rosenjung mädel, schenk ein!
Liller kriegszeitung (1916) 74.
mit bildhafter übertragung: indesz hoffe ich, dasz man ... nicht überall gleich glühende farben des ausdrucks verlangen werde J. A. Cramer
s. ged. (1781) 1,
vorwort; mit glühenden farben zeichnet sich dieser hasz ... in der apocalypse Johannis Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 520. I@B@33)
in verbindung mit abstrakten begriffen vertieft sich die bedeutung: nun glühte seine wange roth und röther von jener jugend, die uns nie entfliegt Göthe I 16, 166
W. noch ganz bildhaft: mir ist die morgenröthe der jugend noch nicht untergegangen, ist ihre farbe auch nicht mehr so glühend, so ist sie um so sanfter und milder Klinger
w. (1809) 11, 86;
dagegen den oben sp. 450
angeführten belegen glühendes leben
nahestehend: denn sie erwacht mit mir zu neuer, glühender jugend, meine schwester, die süsze natur Hölderlin
s. w. 2, 20
v. Hellingrath; [] sie (
Diotima) machte sich los. mein ganzes wesen flammt' in mir auf, wie sie so vor mir hinwegschwand in ihrer glühenden schönheit Hölderlin
ges. dicht. 2, 128
Litzmann. I@CC.
unter dem einflusz des reimwortes blühen
neigt glühen
zu einer bedeutungsmäszigen angleichung an dieses verbum: o wie bald ist es umb ein rosenblümlein geschehn, also leicht ist auch ein mensch dahin, wanns noch so schön glüete und blühete J. Pollio
christliche trostschr. (1609) h 6
b; er darf nicht glühendes blühendes wort mit dem toten ausreiszen (
aus der Lutherbibel) R. Binding
kraft dtsch. wortes (1933) 13.
wohl in nur lautspielerischer verwendung bei Brentano: ein glühen und ein blühen, ein friede und ein glanz, dem herrn für seine mühen der höchste siegeskranz
ges. schr. (1852) 2, 510,
und Fouqué: man sollte wohl vor dem glühen und blühen des abgrundes erschaudern, der man selber ist
altsächs. bildersaal (1818) 4, 492. IIII.
transitiv. II@AA.
zum glühen bringen, in glühenden zustand versetzen. II@A@11)
in verbindung mit metall und metallenen dingen; übertragen schon bei Notker:
quoniam probasti nos deus, ignisti nos sicut ignitur argentum. wanda du besuohtost unsih, cluotost unsih also man silber tuot 2, 248
P.; eigentlich: smiden unde giezen, glüejen unde vliezen muoz ez (
d. i. daz gesmîde) sich lâzen, swie er wil Rudolf v. Ems
Barlaam 244, 26
Pfeiffer; der (
münzmeister) nahm die geringe und verbotene schilling an, die (
er) auf das neue gluete und im weinstein sotte Grunau
preusz. chron. 3, 234.
besonders vom eisen: swie harte sich der muoet, der daz îsen gluoet
vom recht 244
bei Waag
kl. ged. 77; wir wolten eysen glühn und nehmen in die hand, den göttern eyde thun und gehn durch glut und brandt Opitz
opera poetica 1 (1690) 172;
lexikalisch bei Kramer
teutsch-ital. 1 (1700) 543; das glühen der stähle ... den stahl ... in der temperatur unter 721° glühen L. Scheer
was ist stahl? (1938) 18;
von daher zahlreiche fachsprachliche bildungen wie glühform, -haube, -kasten, -topf
u. s. w.; schornstein an schornstein, und überall wird geglüht, gehämmert und gefeilt Frenssen
Jörn Uhl (1902) 383;
ferner: balde gebot er springen so hin den oven gluen
Daniel 1301
Hübner. II@A@22)
von mineralischen und chemischen stoffen (
vgl. glühendig 1,
sp. 458): nim wüelstein den man brucht zuo den beinbrüchen vnd leg den vff ein gluot vnd glg in Gersdorff
wundarzney (1517) 71
b; nim galmeystein ein pfund: gle den auff kolen sechsmal und lesche ihn allemal in ... wein ab O. Gäbelkover
artzneybuch (1596) 2, 83; nimb das korn (
des golderzes), fletzsch mit einem hamer, gle es L. Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 52
a; auf der Pfaueninsel glühte Johannes Kunkel rubinglas
M. Krammer
Berlin u. d. reich (1935) 58. II@A@33)
vom wein, besonders in der adjektivischen partizipialverbindung geglühter wein (
s. auch glühwein
sp. 465): dem rieth Gelanor, er solte sich eine schale geglüeten wein bringen lassen Chr. Weise
d. drei ärgsten erznarren 120
ndr.; man setzte sich hiernechst in einen kräysz und gebrauchte einen geglüeten wein Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1603
b; der thee macht alle geister flüchtig, deszgleichen ein geglühter wein Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. satyr. ged. (1727) 1, 469.
vereinzelt auch von anderer flüssigkeit: in der woche aszen wir meist kartoffelsuppe, oder kartoffeln in der schale mit etwas geglühtem rüböl August Winnig
frührot (1926) 69. II@A@44)
in bildhafter und übertragener anwendung. von innerer erregung: [] hier hebet schwärmerey und zärtliches verlangen des ritters brust und glühet seine wangen Alxinger
Doolin (1797) 183; ihr eignes blut, von wilder lust geglüht Schiller
s. schr. 1, 249
G. mit umschreibendem objekt (
vgl. oben glühen I A 2 c
β,
sp. 449): wer gibt mir eine thränenflut, dasz ich mein leid beweine? wer glüt mein hertz mit krafft und glut, und macht mich wieder reine? Angelus Silesius
heilige seclenlust 187
ndr.; der engel dort mit seinem flammendegen steht blankgerüstet noch, das thor zu hüten, und wird dich mit den ernsten blicken messen, die manches herze schon zu asche glühten Eichendorff
s. w. 396
Kosch. streng bildhaft in besonderer inhaltlicher verwendung: ich habe für meine freunde ein schwert geglüht und mich nicht gefürchtet es mit meiner eigenen hand zu schwingen Bettine
Ilius Pamphilius (1848) 2, 176;
abstrakter: und doch die not so brüderlich und gleich. sie glüht aus vielen volk, aus volk das reich Gerhard Schumann
ein weg führt ins ganze (1933) 44. II@BB.
zu glühen I B '
leuchten, glänzen': von kühnen felsen rinnen lichter nieder die thäler zu ergründen, und wo des feuers wilde quelle ziehet, verglimmen bald des haines milde lieder, denn alle töne schwinden, bis sie des abends flammen rein geglühet Brentano
ges. schr. (1852) 2, 324.
mit innerem objekt: des Orients thauträufende leuchter glühn um deines (
Alexanders von Ruszland) thrones hälfte den purpurglanz A. v. Stägemann
kriegsgesänge (1813) 22;
ähnlich: in den ausgespannten netzen der giftigen spinnen glühen zitternde tautropfen taumlige wirbel von grüngoldenen, roten und violetten rädchen Meschendörfer
d. stadt im osten (1933) 279. II@CC.
als bewusztes stilmittel verwendet der junge Göthe
transitives glühen
in verbindung mit abstrakten objekten von besonderem empfindungsgehalt. diese umbiegung begegnet in feierlich-gehobenem sprachstil seit Klopstock
auch bei rein intransitiven verben, vgl. z. b. 1strömen B
teil 10, 4,
sp. 58: wenn ... hoch flog siegdurchglühter jünglinge peitschenknall, und sich staub wälzt, wie vom gebirg herab kieselwetter ins thal, glühte deine seel gefahren, Pindar, muth (1774) Göthe I 2, 71
W.; hast du nicht alles selbst vollendet, heilig glühend herz? und glühtest jung und gut, betrogen, rettungsdank dem schlafenden da droben? (1774)
ebda 77
W.; so auch: da kömmt er, kömmt mit hast, glüht heitre freude (1779) Lessing
w. 3, 99
M.; sonst ganz vereinzelt: und der groszen werkstatt schmiede glühten zorn auf den zerbrecher (
Amor) Gleim
w. (1812) 6, 200
Körte; ihre augen glühen zorn (
von der katze) Brehm
tierleben (1890) 1, 432
P.-L.