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glühendig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glühendig adj.

Bd. 8, Sp. 456
glühendig, glüh(e)nig, adj. , mhd. glüendic; ableitung vom partizip glüende (Lexer 1, 1040). form und verbreitung. aus mhd. glüendic haben sich verschiedene mundartliche spielformen entwickelt, die teilweise den vokalstand, teilweise den konsonantismus des wortes veränderten. unumgelautete formen (glûndig, glûwenig) sind entsprechend dem verbum (glûwen) für das md. bezeugt, vgl. die unten angeführten belege aus dem Straszburger Alexander, der litanei, St. Brandan. die form glüh(e)nig (md. glûwenig), entstanden durch vernachlässigung oder schwund des inneren dentals, läszt sich für das gesamte deutsche sprachgebiet nachweisen, vgl. zs. f. dtsche wortforsch. 1, 107: Schöpf tirol. id. 197; schweiz. idiot. 2, 621; Seiler Basler ma. 139; Fischer schwäb. 3, 719; in der Frankfurter ma.; Altenburger ma. (Thüringen) in der zs. f. hd. maa. 6, 101; Gerbet Vogtland 357; zum niederdeutschen vgl. unten. vereinzelt treten innerhalb der md. und fränkischen mundarten entrundete formen auf (glihnig, gliewenig), vgl. Fischer schwäb. 3, 719 (südrheinfränkisch); Meisinger Rappenau 73; rhein. wb. 2, 1287; Hofmann niederhess. wb. 108; Leihener Cronenberger wb. 46; Hertel Thüringen 107; Müller-Fraureuth 1, 427; Gerbet Vogtland 50; 315/6; hierher wohl auch gligennig (vor 1462) bei Mone anzeiger f. kunde d. teutsch. vorzeit 7 (1838) 164. im niederdeutschen und in den benachbarten westmd. maa. lauten die entsprechenden formen gljendig (mit diphthongierung gloiendig, vgl. die variante gloiendighen aus einer niedersächs. hs. des 14. jh. kaiserchronik 9608), bzw. gljenig, glnig, entrundet glênig (diphthongiert gloinig, entrundet gleinig), vgl. Lasch-Borchling 1, 123; Diefenbach-Wülcker 629; Frisch teutsch-lat. 1 (1741) 358; Sarauw vergleichende lautlehre der niederdeutschen mundarten 259 (mit belegen aus dem 16.-19. jh.). in neueren dialektwörterbüchern: glöhendig rhein. wb. 2, 1287; wb. d. Elberfelder ma. 61; Leithäuser Barmer ma. 60. gloi(e)ndig: rhein. wb. 2, 1287; Mi mecklenburg. 27. glö(je)nig: rhein. wb. 2, 1287; Bauer-Collitz waldeck. wb. 40; 67; Strodtmann idiot. Osnabrugense 73; Krüger Emden 54; Mensing 2, 397. glênig: rhein. wb. 2, 1287; Heinzerling-Reuter Siegerländer wb. 86. gloinig: Mensing 2, 397; brem.-niedersächs. wb. 2, 519; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 633; Woeste westfäl. ma. 80; Frederking Hahlen 11; Flemes Kalenberg 337; Böger Schwalenberg 151; Köppen Dortmund 23; Kehrein Nassau 1, 168; Crecelius oberhess. wb. 427. gleinig: Woeste westfäl. 80; Flemes Kalenberg 337; Deiter Hastenbeck 124; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 633; Frischbier preusz. 1, 237. — zu glainich neben glânich, glænich hat sich auch das wort im siebenbürg.-sächsischen entwickelt, s. Kisch vergl. wb. d. siebenbürg.-moselfränk. ma. 93; Kramer Bistritz. dialekt 34; Haltrich idiot. 30; 128. dem mitteldeutschen (und angrenzenden niederdeutschen) eigentümlich ist die erweiterung (nasalierung) der endung -ig > -ing, vgl. Germania 26, 272; 29, 3-4; zs. f. dtsche wortforsch. 1, 107; zs. f. hd. maa. 6, 207: glüewening Vilmar Kurhessen 131; glîwening Hertel Thüringen 107; glêweneng Hertel Salzungen 113; jlinink Jecht Mansfelder ma. 43; gloining Schambach Göttingen 65 (vgl. auch die unten angeführten belege). bedeutung und gebrauch. die beiden bedeutungselemente 'feurig glühen' und 'glühend leuchten', die dem verbum eigen sind, kehren auch bei glühendig wieder; ihre anwendung geht aus sachlichen gründen bisweilen in einander über. uneigentlicher und übertragener gebrauch ist im gegensatz zum partizip nur spärlich bezeugt. 11) 'feurig glühend', besonders vom glühzustand des feuers selbst, von brennbaren stoffen, metallen u. ä.: er nam ein glüendigen brant und gienc vil rehte gein der want da er Rennewarten slâfen sach Wolfram v. Eschenbach Willehalm 286, 3; im vergleich: als ob im fiwers vanken flügen ûz dem munde glüendic ob und unde ebda 409, 30. vom visuellen eindruck her bestimmt (vgl.glüh 1 b und 2): er (der wâpenroc) was von golde dennoch guot, er gleste als ein glüendic gluot Parzival 81, 22; und seine augen glüheten wie glühniges feuer E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 3 (1845) 502. geläufig sind verbindungen wie glühendige (glühnige) kohlen, glühendiges (glühniges) eisen u. dgl.: der wirt in fuorte in eine gruft, dar selten kom des windes luft. dâ lâgen glüendige koln Wolfram v. Eschenbach Parzival 459, 7; wer mag auf gluendingen kolen gên leben des hl. Hieronymus 52, 23 (var.) nach Germania 29, 3; (Dionysius) wolte sich mit keinem schermesser barbieren lassen, sondern mit einer glnigen kolen jhm selbst den bart absenget R. Lorichius paedagogia principum (1595) 72; dazu wohl auch: pruna gligennig glitte (vor 1462) bei Mone anz. f. kde d. teutschen vorzeit 7 (1838) 164. glühendiger ofen: dâ sach si inne stên einen glundingen oven altdeutsche pred. 1, 108 Schönbach; Daniel und sine gesellen wurdent gestoszen in den glügendigen offen (15. jh.) bei Ch. Schmidt elsäss. 151. von metallen. glühendes (flüssiges) gold: unde gossen eme glunyg golt in synen munt Wigand Gerstenberg chron. 10 Diemar; vgl. auch Ch. Schmidt elsäss. 151. glühendiges eisen: eyn gloyendech ysern formum dict. alphab. (nd., 1417) bei Diefenbach-Wülcker 629; somyghe mot men myt eynen gloyendighen yseren bernen Joh. Veghe 211, 16 Jostes. glühend gemachte eisengeräte: man het drei glendig zangen und der henker nam ie ein zangen städtechron. (Nürnberg 1487) 10, 384; mit glünigen zangen (Balingen 1607) bei Fischer schwäb. 3, 719; ar hätt (sie) mit glünicher zonge ens henderkastell gezweckt J. Lowag ges. schr. 8 (1902) 122. do schos Johannes Thises zcu hant ein glundigen pfil in den herczog fontes rerum Bohemic. 3, 118 (Dalimil-chronik). redensartlich in der wendung: dai kann nix liggen lten as glainig îsern un müelenstêne Woeste westfäl. 80; Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 86; Bauer-Collitz waldeck. wb. 67; Mensing 2, 397. der visuelle eindruck herrscht vor: in dussem jahre sat ein wunder in den heven alse ein gloyendech stake script. Brunsv. 3, 270 Leibniz. im feuer glühend gewordene mauerteile: der tiere bleib dâ vil tôt, wande si branten ir mûlen an den glûndigen sûlen von des fûris flammen Straszburger Alexander 4437 Kinzel. in medizinischem und chemischem zusammenhang: zum letzten mal lasz es (sal commune) brennen, bisz es glendig wirt Kertzenmacher alchimia (1574) 16b; nimb ein eisenplech und leg ein wenig minii (bergzinnober, natürliche mennige) drauff, und machs mit einander glendig G. Rivius Vitruv (1575) 499; nim 5 baumnsz mit den schalen, machs glendig ob einem fewr O. Gäbelkover artzneybuch 1 (1596) 233. von feurigen bergen: im quam vor zû blicke ein nebel der was dicke vor einem berge glûndinc. dâ sach er jêmerlîche dinc St. Brandan 433 Schröder; ähnlich: gelîcher wîse als ob unser einz ûz einem küelen touwe in den grœsten berc sliefen solte und müeste, der iendert in der welt ist und der îtel fiurîn und glüejendic wære Berthold v. Regensburg 2, 23 Pf. 22) der eindruck der wärme tritt hinter dem farbeindruck zurück. 2@aa) glühend (rot) leuchtend: ein glüendig und rotfar gold (1505) bei Ch. Schmidt elsäss. 151; vgl. dazu die mundartlichen belege: gloinig glühend, feuerroth brem.-niedersächs. wb. 2 (1767) 519; rhein. wb. 2, 1289; rot glühend Böger Schwalenberger ma. 151; Frederking Hahlen 11. im westfälischen und rheinländischen heiszt ein mensch mit roten haaren een glönigen (glainigen) vosz, vgl. Strodtmann idiot. Osnabrugense 73; rhein. wb. 2, 1289. — vom teufel und seinen gesellen. schon im mhd.: zû hant dô quam des tûvels her geloufen allenthalben mit glûndigen alben St. Brandan 724 Schröder; de gleunige düwel Köppen Dortmund 23; de gloinige d. i. der teufel Schambach Göttingen 65. in den niederdeutschen mundarten sind die verbindungen glühendiger (glühniger) kerl, glühendiger (glühniger) man in der bedeutung 'irrlicht, spukgestalt' fest geworden, vgl. Jac. Grimm mythologie 2 (1816) 764; rhein. wb. 2, 1288; Schambach Göttingen 65; sieh auch schweiz. idiotikon 2, 621. in mundartnahem schrifttum: ein 'gläuniger kerl', Prippengiel genannt, kam nachts von Suhle nach Hemmelte herunter L. Strackerjan aberglaube u. sagen 1 (1909) 225; hierher wohl auch: glȳúe.nəX dre(n) kīkən 'unheimlich (meist zugleich dumm) dreinkucken' Leihener Cronenberger wb. 46. 2@bb) in der bedeutung 'glänzend, funkelnd' von den augen: Ul bekam immer gläunigere augen H. Löns d. wehrwolf (1915) 32. übertragen von der gemütsbewegung 'zornig', vgl.en glöhntig micken mädchen mit zornigen augen Leithäuser Barmer ma. 60 33) in übertragener anwendung besonders vom hitzigen, jähzornigen wesen eines menschen. die belege stammen aus modernen mundartenwörterbüchern, vgl. rhein. wb. 2, 1289; Leihener Cronenberger wb. 46; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 634. in der form gleinig weiter entwickelt zu 'abscheulich, verflucht' bei Frischbier preusz. 1, 237. 44) glühendig dient mit seinen sprachlichen varianten ebenso wie das partizip glühend als steigerungs- und verstärkungsmittel. dieser gebrauch ist besonders umgangssprachlich belegt. den übergang zeigen verbindungen wie: er ist ganz glühendig rot im gesicht (von dem erhitzten) Frischbier preusz. 1, 238. hierher auch: e glühnige dorscht brennender durst in der Frankfurter ma.; ik wurd so gleinige dül fürchterlich toll Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 634. aus dem sachlichen zusammenhang gelöst, rein steigernd: glöhnig vull sehr voll Mensing 2, 398; gliniΧ herfort höchst erschrocken rhein. wb. 2, 1289.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    glühendigadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    glühendig , glüh(e)nig , adj. , mhd. glüendic; ableitung vom partizip glüende ( Lexer 1, 1040 ). form und verbreitung. a…

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Komposita & Ableitungen mit gluehendig

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Ableitung von gluehendig

gluehend + -ig

gluehendig leitet sich vom Lemma gluehend ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von gluehendig 2 Komponenten

glueh+endig

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Cotta, M. (2026). „gluehendig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gluehendig/dwb?formid=G20966
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Cotta, Marcel. „gluehendig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gluehendig/dwb?formid=G20966. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gluehendig". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gluehendig/dwb?formid=G20966.
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