gebühren,
gebüren,
evenire, accidere, contingere, competere, deberi, decere, ein schwieriges wort mit sehr auseinandergehenden bedeutungen, die doch von einem punkte ausgegangen sein müssen. II.
Form, nebenformen, verbreitung. I@aa)
es geht in die vorgeschichtliche zeit zurück, da es gleich zuerst bei allen germ. stämmen erscheint (
auszer goth.):
ahd. giburian, gipurigan, gipurgan,
auch giburran (
mit -rr-
aus -ri-,
vergl.gepürre unter gebür 1,
d),
praet. gipurita,
für evenire, fieri, accidere, contingere, auch provenire, pervenire, s. Graff 3, 164
fg.; alts. giburian,
praet. giburida,
geschehen, sich zutragen, im Hel.; ags. gebyrian,
praet. gebyrede,
accidere, evenire, pertinere, decere, s. Grein 1, 384, Ettm. 285,
in den nordh. evang. gebyra
pertinere, congruere, decere Bouterw. 325
b,
auch byra
Joh. 10, 13;
altn. byrja
pertinere, congruere, convenire, decere, s. Fritzner 83
b, Möbius 56, Egilsson 90
b. I@bb)
mhd. gebüren,
doch im eigentlichen mhd. selten (
Deutschensp. 335,
s. II, 4
am ende),
die belege sind vorwiegend md. und nrh., meist geburen
geschrieben; auch geboren Ködiz 21, 7, geporen
weisth. 1, 576,
vgl. geborheit,
rechtliches herkommen Lexer 1, 757 (
mrh. 14.
jh.);
es mag damit doch gebören
gemeint sein, denn nur aus diesem begreift sich geberen,
hess. 15.
jh. (
wie unter II, 1,
c der Hesse Alberus gebürt
auf gehört
reimt): dar umb geberet der (
dir)
das nu, dasz du mer salt lonen dar zu.
Alsf. pass. 242.
mnd. geboren
und boren,
s. Sch.
u. L. 2, 21
fg. 1, 393,
mnl. geboren, geburen
u. ähnl. Oudemans 2, 364 (
vgl. unter II, 4,
d),
nrh. geboeren Wierstr. 711. 1353, gebuiren
Cöln. chr. 1, 406
b.
auch noch altengl. iburen
und buren (
praet. burde, birde)
sich ziemen u. ä., s. Stratm. 313.
altdän. böre,
s. Molbech
dansk gl. 1, 134. I@cc)
gegenwärtig auszer dem hochd.: nl. gebeuren,
doch mit grösztentheils ganz anderem begriffskreise als hd., wie zum theil auch niederd. bören Dähnert 48
a,
Brem. wb. 1, 119;
auszerdem nord., mit zum theil eigner entwicklung: dän., doch mit verlust des inf., bör,
praet. burde;
schwed. böra, borde,
norw. byrja (
inf. selten),
praes. byr, bör,
praet. burde Aasen 94
a,
alle mit der vorherschenden bedeutung müssen, sollen. I@dd)
eigen schweiz. 16.
jh. gebeüren:
decens, zimmende, gebeürende, das zimpt und gebeürt. Frisius 367
b,
neben gebürt
das., 371
a, gebürend 369
b;
s. darüber unter gebür 1,
f. I@ee)
auch einfaches büren
erscheint im 16.
jahrh., s. II, 534
aus Chryseus,
es mag nach dem nd. bören
gebraucht sein; folgendes schweiz. bürt
dagegen wird pürt,
d. h. gbürt
meinen, was die spätere mehr hd. hs. dafür setzt (
s. sp. 1607): und handlet, wies eim schelmen bürt. Ruff
Etter Heini 2231.
ebenso bair. purlich
gebürlich: die von Gumpenberg tat wol ain uberflüssigs und onzimlichs erpieten, und wäre nicht purlich noch muglich.
mon. boica 9, 315.
noch jetzt bair. mi bürts it,
mich geht es nichts an Schmeller
2 1, 267,
wo auch pürn
aus älterer zeit. I@ff)
das part. auch mit starker bildung gepuren,
bair.: vier metzen habern, die ainem ieden prelaten zu
N. haben gepuren auszerichten.
mon. boica 10, 178, Schmeller 1, 193,
s. auch das schweiz. gebora
unter II, 2,
c; es ist wie gekorn
zu kehren V, 410
m. so musz wol folg. nrh. geboir
für geborde
stehn: qwam .. des stifts Coelne gubernatoir landgref Herman, as dat geboir. Wierstraat
Neusz 2974,
wie das in der ordnung war, seiner pflicht entsprechend (
s. II, 7,
c),
vgl. sp. 1639
das unzweifelhafte gebar
für gebarte (14. 16.
jh.). I@gg)
merkwürdig bair. pürden: loblich und ordentlich .. als irem stand zupürdet. Schm. 1, 193
aus Westenr.
beitr. 5, 42; munsz (
münze), die dann da für pürdet und gib und gæb ist. Schm.
2 1, 267,
aus derselben quelle (15.
jahrh.) gepurdet
gebürt. das ist wol nur eine falsche rückbildung von pürt, gepürt,
dessen -t
man beim denkenden niederschreiben ansah wie das in wirt (wirdt)
gleich wirdet
u. ä. (
vgl. sp. 1603
fg. ähnliches);
denn ein gebürden
für gebüren
ist sonst nicht bezeugt, obwol es in dem ahd. gipurida
gleich gipuri
gebür einen anhalt fände; vgl. osnabr. borden
zugehören Strodtm. 30
aus urkunden. Aber auch umgekehrt gebüret
falsch für gebürt,
d. h. gebürdet,
in Ayrers eingebüret 2629, 10 (
vgl. den herausg. s. 3429),
d. h. in eine bürde gepackt, wonach denn oben III, 159
zu berichtigen; vgl. übrigens auch büre
gleich bürde
unter II, 1,
b. I@hh)
bemerkenswert noch im 17.
jh. oberd. mit dem ahd. p: was zu spielen (
dichten), darinnen gaist und feur, als sich gepürt, zu fühlen (
ist). Rompler 79,
wie er s. 84 gepürlich
schreibt; s. auch rhein. gepürre
unter gebür 1,
d. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11, II@1@aa)
das einfache büren (
s. d.)
bedeutete heben, zunächst wol zu bor (
s. d.)
in empor,
ursprünglich entbor
gehörig, mhd. z. b. schilt unde swert bürn
zum kampfe; auch gebüren
erscheint zwar so: ieclich nagel (
an dem bark,
gerüst für korn) sal van deme anderen stên (
so weit, nach oben) alse ein man lanc ist .. durch daʒ man den bark geburen muge von nagele zu nagele.
Sachsensp. III, 45, 8,
in nd. hss. geboren, gebören
neben boren,
aber das ge-
rührt nur von dem muge
her (
sp. 1614). büren
auch für sinnliches heben lebt übrigens noch schweiz., '
heben, mit dem nebenbegriff von kraftanstrengung',
auch aufbüren, erbüren, entbüren
oder empüren,
s. Stalder 1, 244,
zum letzten vergl. altes enpüren
bei Schmeller
2 1, 267.
auch niederd. noch jetzt z. b. pomm. ik kan dat nich bören,
es ist mir zu schwer Dähnert 48
a, wat man nich bören kan, mutt man liggen laten Richey 20,
wie mnd. boren, boeren,
s. Sch.
u. L. 1, 392
fg., dazu börbom
vectis Chytraeus
c. 11
a. e., hebebaum. II@1@bb)
erwähnenswert in bildlichem gebrauch, wie erheben,
von abgaben, beisteuern u. ä.: die dorfschulzen geben ein syghe (
seihe), de von der gemeinde geburdt wurde und gegeben.
weisth. 2, 465,
als leistung für die bedürfnisse der kelter, von der Mosel; vgl. von gerichtsbuszen 'ufheben' und inbrengen
weisth. 2, 233 (
s. die stelle unter gebrechen 1,
b).
so noch im 18.
jh weggeld bühren,
einnehmen, erheben Frisch 1, 64
a aus der Jülichschen polizeiordn., auch schatz aufbühren
das. wol aus derselben quelle (
nicht aus Tschudi 2, 55);
es ist wie mnd. tins boren, up boren
Sachs., richtst. lehnr. 29, 2 (
var. uf heben),
s. mehr Sch.
u. L. 1, 393
a;
zum ersten vgl. nrh. hevven en büre,
geldeinnahme Aach. mundart 84,
wie mnd. heve und bore,
steuererhebung Sch.
u. L. 1, 392
b.
Diesz subst. aber auch noch in alt sinnlicher bedeutung, büre
f. gleich bürde (
d. h. was man auf einmal hebt und trägt) Frisch 1, 155
b,
z. b. nassauisch bür
von einer bürde stroh, gras Kehrein 101,
tirol. bur Schöpf 68,
wozu doch das einbüren
unter I,
g gehören und echt sein könnte; nd. auch böre
tragbahre Richey 20. II@1@cc)
im rechnungswesen erscheint gebüren
für austragen, betragen, das Frisch 1, 64
b. 153
b nachweist und zur bedeutung heben stellt: er hat (
bei der rechnungsablage) verrechnet von zweien jaren houptstür und schlagküy, gebürt 160 lib. hlr. Tschudi 2, 534
a,
aus schriftstücken des 15.
jh., wie folgendes; von zweien jaren tag die er gefaren sige, gebürend (
d. h. zusammen) 130 tag, machend 98 lib. hlr.;
öfter sich gebüren, '
sich belaufen auf ..': summa, costen und tagwan in zweien jaren gebürt sich 144 lib. hlr. 2, 534
b; das sich gebüre 47 l. h.
das.; das gebürt sich an kleinem gelt 30 sch. 2, 157
b; als vil sich des nach marchzal (
in mark berechnet) gebirt. 2, 158
b,
vgl. u. 2,
c alem. sich gebirt,
erhebt sich. II@22)
bei dem zusammengesetzten gebüren
liegt uns am fernsten die bedeutung geschehen, die in der ältesten sprache (
auszer im altn.)
herschend und vorwiegend ist, und auch dem nhd. doch nicht fremd. II@2@aa)
noch im 18.
jh.: gebüren,
geschehen, es gebürt oft, dasz,
it happens u. s. w. Ludwig 702;
noch jetzt nrh. z. b. in Aachen gebüre
und büre,
sich zutragen, geschehen, vorfallen, z. b. dat kan gebüre,
s. Müller
u. Weitz 64. 27,
d. h. wie in dem benachbarten nl. gebeuren, dat kan gebeuren,
bei Kil.
contingere, accidere, evenire, obvenire, obtingere, fieri, usuvenire, wie gebeurte
accidentia, eventus (
s.gebür 1,
a);
auch ostfries. z. b. dat gebört faken,
das geschieht oft Stürenburg 67
a,
und nd. dat bört
oder gebört wol ins,
das geschiehet wol einmal Brem. wb. 1, 120, Richey 20.
das ist noch ganz so wie z. b. alts. von einem wunder, that under them weroda giburida
Hel. 2213,
mitten unter dem volke geschah, oder wie ahd. giburita thô, thaʒ
u. s. w., accidit autem ut etc. Tat. 128, 8, giburita in then tagon,
factum est 147, 2, wola mag geburren,
es kann geschehen, für '
forte' Graff 3, 164.
mhd. ist es eigner weise noch nicht bezeugt, aber in der zeit z. b. nrh. it geburet Haupt 10, 48,
s. 3,
d a. e. II@2@bb)
ebenso aber sich gebüren (
s. die mhd. wbb.),
z. b.: da was ein graf zu Solms .. und geburte sich, dasz er wol mit hundert pferden kame vor Friedberg (
in fehde).
Limb. chron. 58
R.; sus geburt es sich, daʒ die antwerke .. alle für daʒ münster zogetent gewefent.
Straszb. chr. 128, 8,
so kam es dazu; und wer es das sich geporte, das zween gemaren weren, die ire holz auf éin tag nicht geholen enkunden.
weisth. 1, 576,
rhein. 15.
jahrh., wie sonst blosz were es das ..,
wenn der fall einträte; hat sichs nun gebührt und ergeben,
accidit. Frisch 1, 64
a aus Höns
Coburg. chr. 2, 105.
mhd. z. b. (
s. die wbb.): eines mâles geburte sich daʒ.
ges. ab. 1, 342, 96;
besonders in md. quellen: eʒ geborte sich daʒ der hôchgeborne furste eine verre reise tat. Ködiz 21, 7.
nrh. 15.
jh.: id heft sich geboirdt,
contigit, evenit, accidit, factum est. Teuth. 36
b.
und noch jetzt mundartlich, wie nd. dat kan sik maklik bören,
kann sich leicht (
gemächlich)
zutragen Brem. wb. 1, 120, et kan sik gebüren,
sich fügen, begeben Strodtmann 68. II@2@cc)
auch schweiz. noch in einem versteckten reste: appenz. das het si gebora,
hat sich so zugetragen Tobler 43
a,
der es zu bera
tragen stellt, was der form nach möglich ist und zusammenfallen würde mit dem altn. berst at, '
es trägt sich zu' (
vgl. d am ende);
es liegt aber wol die starke form des part. unter I,
f vor, doch in wirklicher mischung mit bern, gebern,
wie schon im 15.
jh. alem., z. b. von dem jüngsten gerichte heiszt es: der sibend tag grülich wird, ain grülicher strit sich denn gebirt, ain stern den andern schlecht
u. s. w. Mone
schausp. d. m. 1, 317,
der weltkampf erhebt sich, hebt an, oritur, aber auch entsteht, nascitur kann mit gedacht sein, s. sich gebären
sp. 1649 (
schon 15.
jh.)
und die formen von gebären
sp. 1639
fg., die mit gebüren
zusammenfallen; in Bodmers gebiert sich
dort könnte zugleich jenes altalem. gebirt sich
für gebürt sich
enthalten sein; s. auch unter 1,
c am ende. II@2@dd)
ahd. ist nur das einfache wort so refl. bezeugt, von sinnlichem sich erheben, z. b. vom meere, von '
des windes wellen', des windes wella pureton sih Notker 106, 25 (
vgl. mhd. bur
fahrwind, günstiger wind unter büren),
doch auch bildlich von leit 88, 10,
wo denn ein unsinnliches entspringen, entstehen vorliegt, aus denen ein allgemeines '
geschehen'
werden konnte. man erklärt denn auch gebüren
geschehen u. s. w. aus dem refl., seit Wackernagel im
leseb. 1839 1, ccxx '
sich für jemand erheben, ihm geschehen'
; nur ist auffallend dabei, dasz sich
schon beim ahd. gipurian
völlig fehlt, wie alts. und ags., während doch dieser wegfall an sich schwer denkbar ist, wie er bei verwandten wörtern, z. b. sich ereignen, sich zeigen, sich darstellen, sich zutragen
weder vorkommt noch möglich scheint. doch erscheint das unter c erwähnte altn. berast at,
sich zutragen (
für berask, bera sik)
wirklich auch einfach statt reflexiv, statt barst at
auch bar at,
es trug sich zu (Fritzner 47
a, Möbius 33),
hier aber begreiflicher, da das -st
gleich urspr. sik
auch körperlich im verschwinden war. II@2@ee)
doch scheint sich
auch schon ahd. wirklich sowol zu stehn als zu fehlen in der bedeutung '
sich aufmachen',
wenn neben puri dih,
vade (
vergl. unter büren)
erscheint gipurita
pervenit Graff 3, 165,
z. b. von Johannes an Christi kreuze: er giburita ouh thô thar joh sah imo thaʒ jâmar. Otfr. IV, 32, 6,
was doch heiszen musz, er war auch hingekommen, hatte sich aufgemacht dahin; puri dih
heiszt wol eig. erhebe dich vom boden (
vergl.hebe dich weg).
Freilich kann statt sich
auch anderes als weggefallen gedacht werden, wenn man vergleicht 'puritun,
moverunt (
castra)' Graff 3, 163,
eigentlich vom '
aufbrechen'
einer kriegerschar, eines heerhaufens, das benannt war nach dem aufnehmen der geräte (
vgl. vasa colligere
für aufbrechen),
wie bei aufbrechen (
s. d. 2)
eigentlich weggelassen ist das lager
u. ä., mhd. die herberge ûf brechen
Mai 118, 18.
Übrigens erinnert gipurian
in der doppelten bedeutung evenire, usu venire und pervenire an griech. παραγίγνομαι herbeikommen, dazukommen; kommt doch auch werden
so vor, sowol im 17.
jahrh., z. b.: warumb werdt ir nicht nach Düsseldorf? Elis. Charl. v. Olr. 1, 46; morgen werde ich wider nach Versaille. 129
u. o., als auch mhd. schon z. b. in ze râte werden,
zur beratung gehn. ane werden
mit acc., adire, aggredi, s. Rückert
zum welschen gast s. 542. II@2@ff)
die vorstellungen des kommens und geschehens fallen auch sonst oft zusammen, wie lat. und gr., so bei uns. das kommen
gleich geschehen V, 1671
fg. heiszt auch sinnlich deutlicher mhd. zuo komen: schade der von warlôse zû kumt,
durch verwahrlosung geschieht. Sachsensp. II, 48
überschr.; myst. 1, 184, 21,
gleich unserm zugehn,
eigentlich: auf mich zu kommen. mit dat. auch gleich widerfahren,
mhd. aber auch bildlich zu theil werden (
d. h. ganz wie gebüren 4): daʒ mac der tohter kinden niht wider varn, daʒ si gelîche erben.
Schwabensp. 7,
und wieder auch so bloszes kommen
mit dat. gleich zu theil werden, s. V, 1649
fg.; besonders aber zukommen
begleitet gebüren
in seiner entwickelung fast durchaus, bis in die sittliche bedeutung des geziemens (7). II@2@gg)
so mag denn auch für gebüren
ein herankommen der ausgangspunkt seiner unsinnlichen entwickelung sein, sinnlich entsprungen aber aus der allmälichen selbstvergröszerung mit der einer oder etwas an uns herankommt, '
sich erhebt'
; nur bleibt der frühe wegfall des sich,
neben seiner fortführung, zu erklären. II@33)
das geschehen oder werden nimmt aber auch bestimmtere färbung an, in verschiedener weise, wieder sowol mit als ohne sich,
auch mit dat. der person (
wie geschehen, werden
auch). II@3@aa)
der begriff des bestimmenden zufalls tritt darin vor, wie er in dem häufigen '
accidere'
unter I,
a angedeutet ist, z. b.: sich geburte nu an irem wege die vart fur ein kapelle.
Marienleg. 20, 166
s. 144,
die reise führte sie zufällig an einer kapelle vorüber, wir drücken den zufall auch mit müssen aus, '
sie muszten an einer kapelle vorüber kommen'
; aber auch ohne sich,
doch mit dat.: sîn wech im dô geburte vur einen einsideln gût.
pass. H. 360, 2,
und ohne den dat. und ohne sich: uber ein waʒʒer lac ein stec, dar über sîn trit geburte.
Marienleg. 10, 39
s. 71,
worüber er zufällig zu treten hatte. auch in dem wer es das sich geporte
u. 2,
b scheint gemeint: wenn es zufällig so käme, vgl. schon ahd. u. 2,
a die umschreibung von forte mit unserm worte und 'kipuri
fortuito' Graff 3, 168.
so noch nhd. mir gebürt,
wenn auch nicht von gleichgültigem zufalle: und sei gewarnet, seh dich für, dasz dirs zu erfahren nicht gebür. Alberus
Es. 96
a,
wo wir gleichfalls jetzt müssen
brauchen (
das ursprünglich eine göttliche schickung bezeichnet);
so mit dativ schon ahd., z. b.: sô giburit manne Otfried V, 11, 29,
so widerfährt es, geht es; thir wirs ni giburie. III, 4, 46. II@3@bb)
von einer aufgabe, die uns der zufall oder die umstände zuführen, was man schon im vorigen finden kann (
s. auch 5): und so sichs dan gefüeget (
glücklich fügte) das er an die ort kam, da er zu der frauen solt, gebürt im über ein wasser zu kommen und darnach erst ein felsen ... aufzusteigen.
Wilw. v. Schaumb. 62,
wo denn auch müssen
jetzt dienen würde, wie im folgenden; ich hette nit geglaubt, so mir gebürte mit euch zu sprechen, dasz mir worte gebrechen solten.
Rihels Liv. 331.
auch von aufgaben die uns das unglück stellt: nuo will uns als wolfen in den welden gebüren hungers zu sterben.
Aimon x (
zu dem will
s. 5,
e);
vgl. ahd. missipuri
casus, calamitas, fortuna Graff 3, 168. II@3@cc)
aber auch ausdrücklich von glück oder sonst gutem, das uns zu theil wird, was in dem häufigen '
contingere'
in den gl. gewiss oft mit gemeint ist, noch in den vocc. des 15.
jahrh. oft contingere gepuren, geboren Dief. 147
a;
ein hauptmann ermutigt sein heer: de wagenborg wille wie winnen, des mag uns woll geboren. Soltau 2, 33,
wo des
als gen. n. meinen kann: davon können wir glück, d. i. gute beute haben, d. h. mir gebürt
wie sonst mir gelinget,
ich habe glück bei meinem unternehmen. so hochd., auch mit folg. inf. oder dasz: (
studierte) zu Cöllen und hab hören lesen Alberte Magnus öffentlich, darneben hat mir auch gebürt dasz ich Hispanus hab gehört. Alberus
Es. 132
a,
bin so glücklich gewesen (
zum reime s. unter I,
b); und dachten, wie ihn möcht gebürn ein muthwilligs leben zu führn, sahen kein gute ordnung gern.
das. 67
b,
d. h. die thiere, als sie nach des löwen tode einen neuen könig zu wählen haben, '
wie es ihnen so gut werden könnte'; das allerbeste bier das wird den Urslern zugeführt und ihn zu trinken stäts gebürt. 141
a;
als die menschen etwas besser wissen wollen denn gott, heiszt es: es kann gott besser nit gebürn, zur schul musz er sich laszen führn.
das. 104
b,
es geht ihm auch nicht besser als weisen männern, er soll bei der menge in die schule gehn; noch im 17.
jahrh.: o vatter, lasz uns spüren, wie kräftig deine liebe sei, im fall uns mag gebühren sie durchs gebeht zu rühren.
Rist himl. lieder 3, 174.
so noch nl. gebeuren,
auch z. b. als wunsch zugerufen: dat zal u gebeuren,
mögt ihr dabei glücklich sein (17.
jahrh.). II@3@dd)
auch ohne dat. der person, es gebürt sich,
wird nötig, ist nötig o. ä.: wann sich geburet einen romischen konig zu kiesen, so sal der bischof von Menze in dem obersten gestüle steen
u. s. w. Frankf. reichscorr. 1, 430.
auch deutlicher not gebüret,
es wird nötig, eigentlich der notfall '
taucht auf',
erhebt sich: als dicke als is (
gen., '
dazu') noit geburet, einen misdedigen man (
verbrecher) an dem vurg. gerichte zu verzelen (
verurtheilen).
weisth. 2, 205,
ganz gleich geltend vorher als dicke
sich daʒ geboret,
und beides vereinigt als dicke des noit ist und sich geboret
s. 206 (
vgl. das. geviele iʒ,
käme der fall vor), 14.
jahrh. vom Hundsrück, es hiesz ursprünglich gewiss auch not gebürt sich,
und es
ist ursprünglich eben als ersatz von not
u. ä. eingetreten. später geradezu für oportet, es gepurt sich
voc. 1482 l 8
a,
s. Dief. 398
a,
wo auch nd. bort sik.
auch mit persönlichem subj., Folz
von hausrat zählt u. a. auf, was in die küche sich gebürt,
nötig ist: auch swefel, feurzeug, spen und kin .. pehend ein feur dar mit zu schürn, sulchs (
diese dinge) in die küchen sich gepürn. Kellers
fastn. sp. 1216.
aber auch diesz ohne sich,
wie nôt gebüret,
so eʒ gebüret,
ist nötig, unvermeidlich, von Marien, die mit dem herzen im himmel gewesen: alse dîn herce dan wider quam inde in sich die êrste sorge nam, alse it geburet hî up der erden. Haupt 10, 48.
altengl. sogar persönlich, burde
muszte: for petee (
pity) myne herte burde breke in two. Halliwell 219
b,
wie noch schwed. det borde han icke göra,
das müszte, sollte er nicht thun, dän. jeg bör,
ich musz, es ist meine pflicht (
vgl. 5,
b). II@3@ee)
noch im 16.
jahrh. mir gebürt,
mir ist nötig, ich brauche, mit benanntem subj. (
nicht im inf. oder mit dasz),
was doch zugleich zum folgenden übergreift: ich bitt euch, jüd, leiht mir zuo hand bargelt auf bürgen oder pfand. »was euch gebürt, gebt mir verstand«. Schwarzenberg 122
d. II@3@ff)
selten mit dat. und refl. zugleich, mir gebürt
sich; von der aufgabe, die einem maler wird: nu mâlte er einen ummehanc (
teppich), dar an sich im geburte, als daʒ recht willekurte, die kuningîn die milde und ouch des tûvels bilde.
Marienleg. 16, 9
s. 111,
was doch heiszen musz: wo ihm das bild der Maria und des teufels als aufgabe wurde, es nâch recht,
d. h. alles wie es sich gehörte (
vgl. v. 43 daʒ recht)
zu malen. noch im 16. 17.
jahrh. in der bedeutung 7: so gepurt sichs doch den christen nicht zu thun. Luther
bei Dietz 2, 29
a; das ansehn wird geboren, erzogen und gespeist, wann, wie sich ihm gebühret, ein jeder sich erweist. Logau 2, 2, 83. II@44) mir gebürt,
mir wird '
zu theil',
d. h. eig. als antheil, eigentlich bei einer vertheilung; vgl. gebür 2. II@4@aa)
so von erbe u. ä., anfallen, zukommen: fater, gib mir teil thero êhtî thiu (
richtig wäre ther) mir gibure,
da mihi portionem substantiae quae me contingit. Tat. 97, 1,
den theil der habe der bei der erbtheilung wol an mich fällt; ob ainich personen (
dat.), die nicht unser burger oder burgerin wern, von den unsern habe und güter, die in unser statt stewr und losung gehörten, durch erbfelle, schickung oder in ander weise zusteen oder gebüren würde, solliche habe und güter sollte nimant (
dat.) folgen, es were dann der stat .. losung .. bezalt.
Nürnb. poliz. 27,
aus dem 15.
jahrh.; der erzbischof von Trier hat ir genommen alles das sie ererbt und ir von irem hauswirt (
gatten), vatter und mueter gebuert hat.
Flersh. chron. 98, 10;
vgl. einen angeburen
so unter e. II@4@bb)
von lohn oder '
gebür'
aller art: von deme erbe sal man (
bei einem todesfalle) aller êrst gelden (
bezahlen) deme ingesinde ir verdînte lôn, als in geburet biʒ an den tag daʒ ir herre starp.
Sachsensp. I, 22, 2.
von zehnden, zinsen, gerichtsgebüren u. dergl.: und gebort den pristern des obgeschriben kornis xvij mesten.
Grüninger kirchenzinsb. (15.
jahrh.)
nr. 99; er (
herzog Karl von Burgund) hielt .. vier hofmaister, dem iedlichen des jars vier tausend gülden zu sold gebürten.
Wilw. v. Schaumb. 17; die erstengeburt, die dem herrn sonst gebürt. 3
Mos. 27, 26; und gepürt dem herren von zins- und schafgüter den zehenden pfennink.
Luxemb. weisth. 584,
der acc. wol von ausgelassenem geben,
wie im folgenden, wenn es nicht der rheinische acc. für nom. ist, der jetzt eben in Luxemburg gilt (Zachers
zeitschr. 1, 447); wenn zu O. erbgüter vom scheffen taxiert werden .. davon dem gericht ein ziemlichen costen gepürt. 585; davon dem schafherrn der (
so) zehenden pfennink wie an zinsgütern gepurt. 584; da die gericht erfordert marken zu setzen, davon inen von jedem einen markstein .. gepürt ein halben seister weins. 583; davon gebüret und haben (
erhalten) sie gerichtsrecht ein herrengulden. 518.
auch diesz schon mhd., s. aus der Freib. kramerinnung unter d. II@4@cc)
ursprünglich aber überhaupt von allem was einem zu eigen wird, das zeigt z. b. folg.: ist daʒ die crêmere die crâmerîe .. koufen wider den gast (
dem fremden händler abkaufen), kumit ein burger dâ zû dem koufe .. und bedarf des crâmgewandes .. daʒ sullen im die crâmer lâʒen als iʒ in geburt an dem koufe.
Freib. kramerinnung bei Schott 3, 278,
d. h. wie es ihnen im preise zu theil wird, wie es ihnen selbst '
zu stehn kommt' (
vgl.kommen II, 36
gleich kosten).
auch deutlicher eigenen und gebüren,
zu eigen werden: item würden fremde schwine .. die nit inne die mark gehorten, inne der mark eckern funden, die eigen und gepuren dem merker (
den markgenossen).
weisth. 5, 320,
aus der Wetterau 15.
jahrh., vgl. dazu sich eigenen und gebüren 6,
a am ende. II@4@dd)
der begriff hat übrigens zwei seiten. II@4@d@aα)
wir fühlen jetzt darin mehr das ausgedrückt, wo nicht ausschlieszlich, dasz das gebürende gegeben werden soll, zu geben ist, als dasz es wirklich gegeben wird, mehr den rechtlichen anspruch des empfangenden als die besitznahme selbst, und so auch früher schon deutlich, z. b. im folgenden: gebet schosz, dem der schosz gebürt, zol dem der zol gebürt, furcht dem die furcht gebürt, ehre dem die ehre gebürt. Luther
Röm. 13, 7; Philips der geherzte, herzog in Burgund, pflegte zu sagen, die länder .. stünden zu und gebürten denen, die sie wüsten zu gewinnen und zu eroberen. Zinkgref 2, 22;
s. auch aus dem 13.
jh. die Sachsenspiegelstelle unter b. II@4@d@bβ)
dennoch liegt das nicht notwendig und urspr. darin, wie schon das bildliche gebüren 3,
c zeigt, und ebenso unbildlich z. b.: sol das zepter ie euch (
juden) gepürn, wer wirt uns unser zepter dann fürn?
fastn. sp. 805, 6.
ein mnl. lied preist den gläubigen die seligkeit im himmel: die blîschap (
freude) onbegrîpelîc, die û daer sal gheburen.
hor. belg. 10, 200,
deutlich: wirklich zu theil werden. und so noch im 17.
jh.: es ist ein frölich ding um eines menschen sterben ... die engel freuen sich, die seele nauf zu führen, der teufel freuet sich, wenn sie wil ihm gebühren. Logau 1, 3, 99,
und noch jetzt so nl. gebeuren
dichterisch. II@4@d@gγ)
ich glaube die entstehung dieser doppelten verwendung geht auf den augenblick der austheilung zurück (
z. b. der beutetheilung, von der in der sprache so viele spuren abgedrückt sind),
wo der eben entstehende anspruch des einen auf seinen antheil und das empfangen selbst entweder nahe zusammen fallen oder auch der anspruch nur einstweilen festgestellt wird, wenn z. b. der beutetheil nicht gleich mitgenommen werden kann. beides zusammenfallend z. b. bei vertheilung des innungsgeldes, das ein eintretender zu entrichten hat: der (30
schill.) geburn zehn schillinge deme obirsten richtere unde zehn schillinge den burgeren und zehn schillinge den gewerken zu rechte (
als ihr recht).
Freiberger kramerinnung b. Schott 3, 278,
werden ihnen gegeben und kommen ihnen überhaupt zu als ihr antheil, jeder erhält den ihm gebürenden, seinen gebürenden antheil,
wie wir noch sagen, gleich zukommenden. II@4@d@dδ)
ähnlich ist das zusammenfallen bei einer art austheilung, wenn in zecherkreisen einer zum andern trat mit dem becher und ihm zutrank, d. h. mit dem weine seine brüderschaft, freundschaft bot und gab, mit dem worte: ie einer drinkt dem andern zuo .. 'das gbürt dir!' Brant 16, 70,
das ist dein und das sei dein, das gehört dir und das bring ich dir. II@4@d@eε)
auch andere verwandte wörter zeigen übrigens diese doppelheit, z. b. zukommen,
das auch sonst vielfach mit gebüren
zusammenfällt, was mir zukommt,
soll ich, musz ich erhalten, eigentlich aber: erhalte ich wirklich, statt der sache ist aber der anspruch darauf eingetreten. ähnlich gehören,
denn mir gehört
eigentlich was ich in besitz habe, aber auch bei einer austheilung macht man seinen anspruch geltend: das gehört mir;
schon im 14.
jh. so 'gehoren und geboren',
md. reimend: des mannes teil der schofe (
schafe) gehoren und geboren zu der gerade.
Kulm. recht IV, 62. II@4@ee)
wie eben in zukommen,
tritt auch bei gebüren
ein zu
auf (
wie umgekehrt auch blosz kommen
gleich zukommen,
s. V, 1650): was alsdanne opfers gefellet (
an opfergeld einkommt), das sal den werden und gefallen, den es von alders und nach der gewonheit der kirchen zu Missen zugeburet.
cod. dipl. Sax. II, 3, 81,
rechtlich zukommt; wem das (
strafgeld) zugebuirt mit recht?
weisth. 3, 756.
auch in der folgenden bedeutung, die ja gleiches ursprungs ist: auch das mir langst het zugebürt, zu gdenken was mein sel anrürt. Uhland
volksl. 836; als irem stand zupürdet. Schm. 1, 193 (
zur form s. I,
g).
auch mnd. tô boren: dô de koning dat vorhorde, he dede wol alse eme to borde.
Germ. 12, 324.
und schon ags. tô gebyrian
pertinere, decere, s. Ettmüller 285,
gewiss auch schon ahd. Ähnlich an gebüren,
wie anfallen
u. ä.: ûf sîn selbes erbe er bleib, daʒ in angeburte.
pass. K. 427, 47; wer in die bruderschaft (
der geisler) wolte .. so muost er han alse vil pfennige, daʒ im alle tage 4 pfennige angeburtent. Closener
Straszb. chr. 106, 14; als vil mich angepürt. Schm. 1, 193;
vgl. getrennt (
s. auch u. 6,
a): an den daʒ gût geburt,
bei todesfall. Sachsensp. III, 77, 2 (
nd. var. gedript,
trifft),
auch im Deutschensp. 335 gepuret. II@4@ff)
auch von strafe,
die von rechtswegen dem verbrecher '
gebürt'
als sein theil: solche strafe gebühret den aufrührern. Schuppius 637 (
ehrenrettung),
wie jetzt noch zukommen. II@55) mir gebürt
aber auch was mir zu thun, zu leisten zukommt, wo denn wieder zukommen
mit gebüren
zusammentrifft, zum theil auch zufallen, zustehn. II@5@aa)
auch hier ist wol ursprünglich ein vertheilen der leistung im spiele, wozu man gebür 3,
a vergleiche; z. b. von einer zu leistenden zahlung: swâr mêr lûte den ein zu samene geloben ein weregelt .. alle sint sie phlichtic zu leistene .. und nicht ir ieclich al (
jeder das ganze), den (
sondern) ieclich sal gelden als vil als ime gebüret.
Sachsensp. III, 85, 1,
niederd. mit var. als is (
gen.) ime geboret,
so viel davon ihn trifft als sein theil, ihm zufällt, zukommt, noch bei Stieler 860
z. b. 'so viel als iedem gebüret,
pro rata parte',
nach rechtem verhältnis, welcher begriff auch beim subst. auftritt, s. gebür 5,
a. von der reihenfolge, in der eine leistung vertheilt wird, welcher begriff beim subst. nl. und nd. ausgebildet auftritt (
s.gebür 3,
a),
zeigt sich fürs zeitwort eine spur im schwed.: det bör nu honom,
nun ist die reihe an ihm; es wird sich auch auszerdem finden, wie hd. im folgenden: wem gebürt zu spilen,
ad quem redit ordo ludendi? Henisch 1398, 24, Steinbach 1, 153. II@5@bb)
daher von pflicht, pflichtmäszigen aufgaben (
vgl.gebür 3,
b. c): (
Joseph) alhi prelaten warnung geit, das Christus sy genadet nit, sy bringen dann den minsten mit nach rechtem fleisz der in gepürt. Schwarzenberg 103
b; was dir nach rat zuo puosz gepürt, darinn nit läszig wür gespürt. 153
d,
was dir als busze zufällt, als buszpflicht (wür
für wird,
werde, wie war
oft für ward); es ist mein amt, gebüret mir,
meae sunt partes. Henisch 1398; lasz meinen sinn und geist sein wacker (
munter) für und für, zu thun was mir gebührt und wolgefället dir. Logau 1, 1, 6; ein diener, der die aufsicht führt und augen nur, nicht zunge rührt, thut nicht, was seiner pflicht gebührt. 1, 8, 29. II@5@cc)
aber auch von einem rechte das mir zukommt, zusteht, doch mit pflicht oft verflieszend, wie recht
selbst ursprünglich beides umfaszte: den selben guoten knehten (
den Schwaben) geburet daʒ vorvehten. Ebernand 658,
vgl.: es were ir recht, wann man striten wolt, dasz sie allweg den vorstrit hettend.
Germ. 4, 66; keinem menschen gebüret gottes ordnung endern oder wandeln. Luther 5, 111
b.
noch jetzt wenigstens mit verneinung z. b. das gebürt ihm nicht,
sich da ein urtheil zu erlauben o. ähnl. II@5@dd)
hier, von pflicht und recht, ist besonders das unpersönliche es gebürt
ausgebildet worden, theils mit inf. (
ursprünglich auch ohne zu)
theils mit dasz,
z. b.: einer hausmutter gebüret die kinder geberen. Luther
bei Dietz 2, 29
a; mir gebürt widder (
weder) ja noch nein zu sagen.
das.; dir geburt vom text nicht zu weichen.
das.; es gebürt euch, das irs auch haltet. 2
Macc. 2, 16; gebühret also einem keiser, was er zusagt, dasz ers auch halte. Zinkgref 1, 9.
ebenso es kommt
oder steht mir zu. II@5@ee)
bemerkenswert ist die lange beliebte wendung es
will gebüren,
z. b.: es wil uns gebüren, nach den concilien zu leben. Luther
a. a. o.; weil er keine person und stende aussondert, wills uns nicht gepurn, das wir seine wort auf die leien deuten.
ders.; so wil mir ie nach göttlichem gesatz gebüren ihm gehorsam zu sein.
Galmy 195; so wil der oberkeit gebürn, dasz sie sich niemand lasz verführn. Alberus
Es. 155
b; so wil uns auch nicht gebüren, die ding auszerhalb dem hof anzufahen (
ohne den hof).
buch d. liebe 240
d; doch dasz wir rächen sollten .. und die verfolgen, die uns nie betrübten, das ziemt uns nicht und will uns nicht gebühren. Schiller 550
a (
Tell 5, 1
a. e.).
selten mit persönlichem subj., wie bei Logau
u. 4,
d, β.
es ist als wäre da die gebür
als höhere macht behandelt, mit eigenem willen, wie wir noch ehre, pflicht
u. ähnl. etwas gebieten
oder verbieten
lassen. ähnlich es will sich nicht geziemen, nicht schicken
u. a. s. auch unter 3,
a aus Aimon, wo die gebür als '
schickung'
wollend erscheint. auch mit mag
für will: es mag nicht jedermenniglich gebüren,
non omnia possumus omnes. Henisch 1398, 22. II@66)
der begriff erweitert, vertieft, bildlich gebraucht, wieder auch mit zukommen, zustehn (
s. a am ende)
zusammenfallend. II@6@aa)
im rechtsleben findet sich der begriff der competenz durch gebüren
ausgedrückt (
wie bei gebür 3,
d),
in mehrfacher wendung. die entstehung zeigt etwa folgendes: wir ruwen (
rügen) jonchern Diederich Robin .. das er (
als amtmann) unsere herren gestoret hait an irme hogerichte, als (
nämlich) von des mannes wegen, der ermordet ist in unserme hogerichte, den wir begraben hain, als unse vuraldern auch mer gedain haint, want der obgen. joncherre schrivet uns, ime solde soliche sache geburen.
weisth. 2, 815,
von der Mosel 15.
jh., d. h. ihm hätte das zufallen müssen, oder auch schon: ihm käme das zu (
nach recht und pflicht).
doch schon im 13.
jh. völlig entwickelt von gerichtlicher zuständigkeit, mit an,
s. 4,
e a. e.: stirbet aber jener .. sô zîhe (
der ihm geliehen hat) sich zû sîme gûte gein den erben (
ihnen gegenüber, indem er sich an sie hält) oder gein dem richter, ab eʒ an in geburt.
Sachsensp. II, 60, 2,
nd. var. behort, gedript (
trifft).
Auch persönlich, refl. sich eignen und gebüren,
von den zugehörigen eines gerichtssprengels: dasz der herr kämmerer zu Fulda mag .. ein gericht halten .. daran sollen kommen alle die jenigen, welche sich darnach eigen und gebüren.
weisth. 3, 369, 16.
jh., vgl. eignen und gebüren
unter 4,
c. Noch im 18.
jh. so eignen und gebüren,
sachlich: gerechtsame, die ihnen vor allen andern puissancen ganz alleine von rechtswegen zustehet, eignet und gebühret.
Felsenburg 4, 258.
noch jetzt hie und da in der rechtssprache, dasz z. b. ein vergehen dem gebürenden richter
nicht entzogen werden dürfe, wie bei Frisch 1, 153
b der gebührende richter,
judex competens. vergl. 7,
b es gebürt sich im rechten,
auch gebührlich 1,
b. II@6@bb)
früher auch von dem was einem seiner art und natur nach zukommt oder eigen ist, daher wieder auch mit eignen
verbunden (
vgl.gebür oder eigenschaft
unter gebür 4,
e, ähnlich gebürlich): dem leib, den man mit fingern zaigt, di weslich menschlich art nit aigt (
eignet). vil mer der seel dasselb gebürt, der herschung würt im leib gespürt. Schwarzenberg 152
a; der mit der welt kan wol umbgon, den muosz man iez für erbar hon (
halten) .. und handlet, wies eim schelmen bürt. Ruff
Etter Heini 2231; menschen sind thiere, vernünftige thiere. aber nicht alle: was wilden gebühre, pflegen vernünftige gerne zu treiben. Logau 2, 5, 14,
zugleich nach der bedeutung 7,
wie namentlich der conj. zeigt; ebenso im folgenden, wo der zusatz mit recht
zugleich den anschlusz an das rechtsleben zeigt: dasz die werke selig machen, ist zwar nirgend zu verführen: dasz hingegen sie dem glauben, ist gar klar, mit recht gebühren; wer wil da viel glauben glauben, wo sich keine werke rühren. 2,
zug. 129.
ähnlich zwischen dem begriff natur und recht schwebend: und hat uns klar gemacht, wie schändlich wir (
dichter) verlieszen, was allen doch gebührt: wir redten gut latein und wolte keiner nicht für teutsch gescholten sein. Opitz 2, 45 (
auf Heinsii niederl. poem.),
d. h. die deutsche sprache und art, auf die alle von natur wegen anspruch haben. II@6@cc)
daher denn für geziemen, d. h. mehr oder weniger sittlich gefaszt, die bedeutung die uns jetzt im vordergrunde steht, wie gewöhnlich die zuletzt entwickelte: also gebürt im (
dem hauptmann) auch nicht, bei wenigem oder kleinem haufen bald verloren zu geben und flüchtig zu werden. Kirchhof
mil. disc. 148,
das heiszt zwar auch noch: es geht gegen seine pflicht (5,
a),
aber mehr tritt vor der begriff der ehre. und so oft gemischt von pflicht und würde, standesehre, anstand u. ä. (
s. schon 5,
d. e),
beides auch unscheidbar verflieszend: darumb wil e. ch.
f. gn. als einem christlichen fürsten eignen und gebüren, bei seiner seelen heil solchen misbrauch der messen in e. ch. gn. kirchen abzubringen. Luther 2, 3
a; wie einem ehrlichen manne eigent und gebürt. Reutter
kriegsordn. 30: was einem getreuen vormunde zusteht, eignet und gebührt.
hannöv. formelhaft in gebrauch bei verpflichtung des vormundes; hat er auch seine lehrjahre ausgestanden wie es einem ehrlichen jungen gebührt und wol anstehet?
weim. jahrb. 4, 266,
in der prüfung des büttnerlehrlings beim lossprechen. II@6@dd)
auch statt des strengen rechtes, des rechtsanspruches oder der rechtspflicht (
vgl. 4,
e. 6,
a)
tritt mehr der begriff der billigkeit, ziemlichkeit auf: dort bereite man ihr die hochzeit und statte sie reichlich ihrem bräutigam aus, wie lieben töchtern gebühret. Voss
Odyssee 1, 278.
auch mit billich
verbunden: es gebüret sich (
s. 7), zimpt sich, ist billich,
par est, licet. Henisch 1398, 47; dein edle hoheit, kaiser fron .. dient jetzt zur execution, die billich nicht gebühret.
anz. d. germ. mus. 12, 56 (17.
jh.),
d. h. dir oder deiner würde nicht gebühret.
so lassen wir noch den dat. fehlen beim part., z. b. ein buch hat nicht die gebürende beachtung gefunden,
die ihm, seinem werte geziemte, zukäme, denn zukommen
geht auch hier mit gebüren
gleich, selbst bloszes kommen
mit dat., geziemen (V, 1643). II@6@ee)
auch geziemen, sich schicken den umständen, der natur nach: vor gebürenden jaren. Luther 6, 373
a (
s. die stelle 8,
b),
ehe es den jahren nach sich schickt, paszt; und warüm woltest du deine busze bis auf den morgenden tag verschieben, da dier doch zu wissen gebühret, das deine sele .. auch wol diese nacht könne zur höllen fahren? Butschky
Patm. 95,
da du wissen solltest (
vgl. 3,
d). II@77)
ebenso besonders sich gebüren, wie schon in der bed. geschehen, sich zutragen (2,
b. c)
und nötig werden u. ä. (3,
d. f);
ebenso refl. sich geziemen, sich gehören, sich schicken. II@7@aa)
seltner mit pers. subj.: diese rede gebürt sich nicht für einen jungen mann,
mit für
statt des dat. der person, den man bei dem sich
jetzt meidet, während er früher vorkommt, s. u. 3,
f. II@7@bb)
gewöhnlich unpers.: wer den obristen stein uf Sternberg inhab wie sich das im rechten gebüre, den erkent man (
d. h. die schöffen) für einen obersten vogt.
weisth. 2, 233,
doch hier mit dem vollen rechtsbegriffe, den rechtmäszigen inhaber; vergl. gebürend recht
unter 8,
b, gebürlicher herr
unter gebührlich 1,
b; und als wir uns in unser keiserlich gemüt gesetzt ... unser keiserlich kron, wie sich gebürt, zuholen und zuerlangen ..
reichsordn. 1537 113
a,
reichsabschied zu Worms 1521,
zugleich: in herkömmlicher würde und ehre, in aller gebür
wie das auch hiesz; ob sichs gebür ordnung und einsetzung Christi verbieten.
apol. conf. Aug. (
corp. doctr. christ. Leipz. 1560) 185; thu, wie sichs gebürt und recht ist. Luther
bei Dietz 2, 29
a; lasz das fett anzünden, wie sichs heute gebürt.
1 Sam. 2, 16,
heute als am festtage; das niemand weiter von im halte denn sichs gebürt zu halten.
Röm. 12, 3; wie sichs eignet und gebühret. Hippel
lebensl. 1, 180. II@7@cc)
einzeln doch auch ohne sich,
früher schon wie jetzt, persönlich und unpersönlich: thu was gebürt,
hanc spartam nactus es, orna. Henisch 1398, 35,
wo doch mehr was dir gebürt
gemeint sein mag (sparta
ist italienisches latein, noch jetzt südd. sparte); minder als es gebürt,
infra modum, minus quam decet. ders.; doch, so sei er, sprach sie, bütner, doch er thu was hier gebührt, dasz er fasse nur nicht bindet, sondern dasz er sie auch schürt. Logau 2, 6, 30; mit bäumen war es (
das collegium) schön gezieret, mit gras und blumen, wie gebüret.
weim. jahrb. 6, 331 (17.
jh.); das sieht aus wie trotz, und darauf gebührt eine andere sprache. Freytag
verl. handschrift 2, 31.
etwas anders bloszes gebüren,
mit weggelassenem dat., unter 6,
d, dagegen auch mit dat. und sich 3,
f. II@88)
das part. gebürend, mit besonderer entwickelung. II@8@aa)
der nötige dativ wird doch gewöhnlich weggelassen: daruf ihr mt. mit uszgebreitten armen mir .. entgegen gangen, alda ihr mt. ich mit gebürender reverenz die hand geküst. Breuning v. Buch. 12,
von seiner audienz bei der kön. Elisabeth von England; mit gebürender ehrerbietung. v. Werder
an herz. Ludwig v. Anhalt im erzschrein der fruchtbr. ges. 161; weil sie ihm seine gebührende ehre nicht anthun wollen. Olearius
ros. 7, 20, seine
statt die ihm gebührende;
auch ohne den art.: wenn das glück den püffel kront, so thut jederman der cron gebührende reverenz. Lehman
flor. 1, 367,
wie noch mit gebürender aufmerksamkeit anhören
u. ä. auch mit kühner übertragung z. b. der gebürende richter (6,
a),
der dem die sache gebürt. II@8@bb)
zu sich gebüren,
doch ohne das sich,
z. b.: (
soll) auch darzuo mit der that, unervolgt ordenlichs gebürends rechten .. nit gehandelt werden.
reichsordn. 89
a,
ohne dasz im ordentlichen wege erfolgt wäre was sich im rechten gebürt (
s. unter 7,
b); weder zu rechter zeit noch an gebührendem orte die nothwendigkeit zur kuchel kaufen. Schupp 738,
an dem orte wo es sich gebürt. ebenso die gebürenden jahre,
für die es sich gebürt: über das hat man neben den klostergelübden viel ander stück mehr aufbracht, und mit solchen banden und beschwerden hat man ir viel (
in klöstern), auch vor gebürenden jaren beladen. Luther 6, 373
a. II@8@cc)
auch als adv.: woraus ich muthmaszete, es möchte etwan ein mächtiger fürst sein, der so verkleidter weise herzu gienge, seiner unterthanen leben und sitten zu erkündigen .. solche gebührend zu strafen.
Simpl. 1, 255
Kurz; eine hochgetriebene ironie gebührend einzusehen, das ist eine sache, die eine gewisse hurtigkeit des verstandes erfordert
u. s. w. Liscow
vorr. 61,
wie sichs gehört, völlig; einem gebürend antworten, begegnen, einen gebürend zurückweisen
und ähnl., wie sichs gebürt oder wie ihms gebürt. auch umschreibend gebürender weise Aler 850
b o. ä.: ich werde gebührender maszen zweimal vier und zwanzig stunden vorher hungern. Kotzebue 2, 315.
früher aber auch mit dem gen., unserm alten adverbialen casus: wollen wir ... den geduldigen leser gebührends ersuchet haben. Abschatz
vorber. zu Lohenstein
Arm. s. auch gebührenlich. II@99)
eigen auch mit acc. statt dat.: noch hat ihn weder glük noch ehr also verführet, dasz er nicht das gethan, was ihn zu thun gebühret. Rist
Parn. 793; zwar es gebührt die zier der angenehmen tage, dasz man von lauter lust und schönem wesen sage. Fleming 121 (149
Lapp.); mich gebühret nur zu hören. denn ich habe keinen theil an dieser erde mehr. Klopstock 9, 36 (
Salomo 2, 1).
es ist die in Norddeutschland und weiter noch jetzt geltende vermischung der beiden casus, die dort alt ist (
vgl. Rist
z. b. unter kommen II, 3,
c),
hier wol bestärkt durch lat. decet me.