gebrechen ,
das zeitwort, verstärktes brechen. 11)
Ursprünglich auch trans., und nur so bezeugt goth. gabrikan,
ags. gebrecan,
auch ahd. giprechan
u. ähnl.; auch noch mhd. gebrechen,
mnd. mnl. gebreken.
von dem ursprünglichen verhältnis zu brechen
s. sp. 1612 (
c). 1@aa)
mhd. z. b. im rechtsleben: swelich frîer herre sîn guot an ein gotes hûs gît .. daʒ ist stæte und eʒ (
acc.) mac im weder sîn erbe noch anders nieman gebrechen.
Schwabensp. 274,
d. h. die schenkung ungültig machen, gleichsam zerbrechen und damit unbrauchbar machen, wie brief und siegel bei solcher vernichtung einer schenkung symbolisch zerbrochen wurden (
vergl.gebrech II, 1,
c); an eigene (
grundbesitz) ist recht lîbzucht der vrowen, wend eʒ in nieman gebrechen enmag zû irme lîbe (
lebenszeit), unde an lêne nicht, wend eʒ in zu manger wîs gebrochen mac werden.
Sachsensp. III, 75, 1.
doch kann und mag das ge-
da auch nur von dem mac
herrühren, s. sp. 1614;
als subst. zu dieser bedeutung galt bruch,
rechtsbeschädigung u. ä., abbruch, wie im zeitwort gewöhnlich brechen,
auch abbrechen,
wovon eben das heutige abbruch,
z. b.: sider haben in (
den herzögen) die keisere beide vürsten und vanlên abgebrochen.
Sachsensp. III, 53, 1,
d. h. die betreffenden rechte genommen, ihr gesamtrecht um diese stücke verkürzt, verkleinert. 1@bb)
aber wirkliches trans. gebrechen,
gleichfalls im rechtsleben, wie mnd. breken,
gleich verbrechen, nur milder, in den wbb. fehlend, md. im 14.
jh.: die lûte, die dô hoken heiszen, gebrechen si adir missetûn si icht an gemeinem koufe .. si mûszen wetten hût und hôr.
Kulm. recht I, 10,
wenn sie im öffentlichen kaufe (
d. h. kaufgeschäfte, '
kauf und verkauf')
etwas wider das gesetz thun, z. b. mit falschem masze, eig.: brechen sie das gesetz; ebenso bloszes brechen,
nebst bruch
subst.: und solle er (
der schultheisz) auch alle bruche, die darinnen gescheen, rugen .. und solden auch alle, die gebrochen hetten, dieselben bruche buszen, wie .. die scheffen .. wiseten.
weisth. 6, 391,
vom untern Main 14.
jh., vgl.: wan wetten und frevel gebrochen werden, wie die zu strafen sein und wer die ufheben und inbrengen soll? 2, 233,
vom Hundsrück. s. dazu gebrecher,
verbrecher, und md. gebrech,
nd. nl. gebrek
und noch im 17.
jahrh. hd. (
nordd.) das gebrechen,
vergehen sp. 1844,
wo auch bair. brechen
oder gebrechen
als zeitwort so belegt ist und der weitere hintergrund des bildlichen ausdrucks sich aufthut. s. auch der gebrochene theil, '
der sich im fehler befindet' Schmeller 1, 246,
genauer der '
gebrochen hat'.
vgl. auch das adj. gebräche 4,
rechtsbrüchig u. ä. 1@cc)
selbst übergegangen auf die strafe, die ein vergehen mit sich bringt: so vrage der herre, was der man (
lehensmann) daran gebrochen habe, das her im das nicht enkundigete, das man sein gut pfendete.
Ssp. richtsteig lehnr. 29, 2,
nd. gebroken heft (Homeyer II, 1
s. 524),
was er mit der unterlassenen ankündigung an strafe verwirkt habe; gnade heiszet das, das der man von den luten minre mag nemen denne ire bruche zusagen (
zusprechen) adir gebrochen haben.
Magd. frag. s. 54.
noch im 17.
jh. nordd., z. b. in Danzig: (
der schiffsmann) der den andern heiszt lügen, gebricht vier engliche pfennige. wundet er, gebricht er acht pfennige.
jus nauticum civit. Gedanensis 1611 § 12 (
hdschr.).
dazu als subst. nordd. brüche
f., gerichtliche busze, geldbusze, nnd. bröke
f., mnd. bröke, broke
f. und m., urspr. eben der gesetzes- oder rechtsbruch selber, s. Schiller u. Lübben 1, 429
fg. es ist in der ordnung, dasz im rechtlichen denken vergehen und strafe in eins zusammenfallen und also éinen ausdruck haben können (
vgl. rechtsalt. 656. 657);
auch das mnl. sonder gebrec blijven
sp. 1844 (
b)
meint wol zugleich straflos bleiben, wie in der rechtssprache breken,
eine busze verwirken, z. b. twee gulden breken Oudemans 1, 818.
auch hd. zeigt sich derselbe übergang in verbrechen, was einer verbrochen hat,
unrecht begangen und strafe verwirkt, mnd. breken,
z. b.: des gaf die voghet over sie ordêl, dat sie lîf unde gût ghebroken hedden. Sch.
u. L. 1, 419
b,
vgl. das. einen broke breken,
ein unrecht begehn. 1@dd)
ein ursprüngliches trans. musz auch folgendes gebrechen
oder brechen
an einem
sein, an einem untreue begehn, ihn im stiche lassen (Schm. 1, 246
aus dem 16.
jh.),
im kampfe, in der not u. ä., mhd. auch gebrechen gegen einem Lexer 1, 759,
meist doch mit an: wan er auch nie an im geprach. Suchenwirt 11, 109,
wo das ge-
doch auch nur von nie
herrühren kann (
sp. 1622); beclagt sich .. wider die, die an im geprochen hetten.
Nürnb. chr. 3, 83, 10; sie besorgten, prechen sie an dem vatter, der sun .. versehe sich desgleichen an im auch zu beschehen. 85, 2;
s. auch Schm.
2 1, 340
aus Laber.
ebenso nd.: de schal nimmer mêr werden unse borghêre, he ne hebbe ghebeteret deme, an deme he ghebroken hevet.
Lüb. recht s. 341 (Sch.
u. L. 1, 420
a),
von einem, der zu den feinden der stadt übergelaufen; von ächtern heiszt es, sie seien vogelfrei (gemeine),
dasz man an ihnen gar keine untreue begehn könne: se sint gemeine als ein hund, an on schal me nicht breken tor stund. Leibnitz
scr. 3, 258 (Frisch 1, 130
b).
auch mit dat. für an,
mnl.: here coninc, wi willen medevaren .. ende die u (
euch) hiertoe oec gebrect, wi willen dat men hem d'ogen utstect. Oudemans 2, 375.
es hiesz auch an einem bruch werden,
d. h. treubrüchig, z. b. an
seinem fürsten (
s. die stelle unter gebräche 5).
was da gebrochen
wird, ist eben die treue,
vgl. z. b. von Hagen, der sîne triuwe an Sîfride brach
Nib. 912, 4; die stat Speyer, die ir treu an im gebrochen hetten.
Nürnb. chron. 3, 272, 17;
vgl. mnd. brekafticheit,
treubrüchigkeit Sch.
u. L. 1, 420
b.
Daraus erklärt sich brechen an,
es mit untreue an sich fehlen lassen bei andern verpflichtungen, z. b.: die gebrochen habent an der laistung. Schm. 1, 246,
untreu ausgeblieben sind bei leistung der bürgschaft, eigentlich gebrochen an
dem, welchem die bürgschaft gelobt war. damit greift es aber zugleich in das folg. gebrechen
über, wobei an
gleichfalls so erscheint, s. 3,
b, und für jenes gebrochen
kann selbst gefehlt
eintreten; vergl. dazu 5,
auch gebresten 3,
g. 22)
Intr. gebrechen,
schon mhd. vorherschend, nhd. eigentlich allein gebraucht, gleich fehlen, entgehn, mangeln u. ä. 2@aa)
die entstehung dieses gebrauchs wurde schon unter dem subst. gebrech
sp. 1842
darzustellen versucht, es war zuerst ein bruch oder schade an einem werkzeug, wie bogen, schwert, pflug oder auch am arme selbst (
s.gebrech 2,
a),
die nun zum theil oder ganz unbrauchbar wurden, dem streiter oder arbeiter fehlten oder doch mit ihrem fehler störung, not machten, alles das drückt gebrechen
aus; s. besonders unter e dort von dem armbruster, der an den städtischen armbrüsten wider machen
soll, swaʒ ie drane bristet (
s.gebresten mit gleicher bed.)
und der gebreste
an einem schwerte, die bruchstelle und das ausgebrochene stück, das nun fehlt, auch dem gebrauche schadet. vgl. zu kurz werden,
nicht reichen oder fehlen IV, 2832,
das auch von werkzeugen ausgehen musz. 2@bb)
diese entstehung, die gewiss in sehr alte zeit zurückreicht, ist auch noch mhd. deutlich zu erkennen am perf. mir ist gebrochen,
wo doch ein gegenwärtiges fehlen gemeint ist: îdoch ist dir gebrochen der kunst an sô hôher gift, daʒ du die heiligen schrift nicht enwilt noch macht verstâ
n. pass. K. 35, 66; nein, nein, sprach si dar zû, wârheit (
gen.) ist dir gebrochen. 416, 75; hievon er sîne helfe ir bôt, der ir was ungebrochen. 36, 15,
die ihr in vollem masze zu theil wurde; als ich dir kunt mache, des mir ist ungebrochen. 82, 81,
wie ich es alles völlig weisz, dasz mir nichts daran entgeht. und ebenso mir ist gebrosten, ungebrosten (
s. mhd. wb. 1, 256
a, Lexer 2, 1832),
schon ahd. Graff 3, 273,
mhd. z. b.: mit dienste an in gewente sich alle diet, daʒ ime gar ungebrosten was und den, die sîne schar dâ mêrten.
jüng. Tit. 4363,
er und die seinen wurden so reich beschenkt von allem volke, dasz ihnen nichts mangelte, dasz sie die fülle hatten; al ir habe der müeste in sîn gebrosten. 4409,
müszten sie entbehren, darauf wenden. das musz die ursprüngliche wendung sein, mir ist daʒ swert
oder mir ist des swertes gebrochen,
etwas am schwerte, sodasz es mir nun fehlt, mich im stiche läszt. auch der nom. erscheint (
vgl. 3,
d): dar nâ clage (
dem richter), waʒ dir gebrochen ist.
richtsteig landrechts 39, 2
s. 257 Hom.
in den var., gleich wat dîn gebrek is, was dir gebrechens sî
in andern hdschr., übertragen auf rechtsbruch, friedensbruch, unrecht (
s. 1,
a). 2@cc)
der übertritt aus dem perf. ins praes., von mir ist gebrochen
zu mir gebricht,
bezeichnet den beginn des abstractwerdens der wendung; jenes drückte den bruch als geschehen aus, dieses den bruch als daraus hervorgehenden zustand, als bleibenden schaden, und das muszte das praes. herbeiführen, das denn auch mhd. schon durchaus vorwiegt, das praet. erscheint schon damals nur als kaum noch verstandene redensart fortgeführt. das letzte gänzliche vergessen des ursprungs ist in seinem eintreten erkennbar an hat für ist
beim perf., wie bei fehlen (
wo haben
auch urspr. das richtige ist),
im 15. 16.
jh., wol schon früher: zu retten das slosz ist nichts geschehen, wenn is hat an den Slesiern ser gebrochin.
font. rer. austr. II, 20, 607,
vom j. 1469,
sie haben es an sich fehlen lassen; haben auch nu allererst verstanden, warumb Leipzig im (
dr. Eck) gefallen hat. was hat im gebrochen an Wittemberg, unter e. k.
f. g. geleit? Luther 1, 154
b,
woran hat es ihm Wittemberg fehlen lassen, was hat er da zu klagen gehabt (
vgl. 4,
f); glück und par gelt hat mir nie gefelt, hat mir auch nie gebrochen, als am sontag und sechs tag in der wochen.
Alsatia 1858
s. 414 (17.
jahrh.). 2@dd)
aus dem ursprunge begreift sich auch eine doppelte oder dreifache wendung der bed., was sonst als grosze ungenauigkeit erscheinen kann, freilich bei fehlen, mangeln
zum theil ebenso geltung hat; mir gebricht es an mitteln
kann sowol bedeuten: ich habe nicht genug, sie reichen nicht aus, als auch: ich habe gar keine, sie fehlen mir ganz, und selbst: sie fangen mir an zu fehlen (
s. 4,
b).
nämlich ein gebrochenes werkzeug, schwert, pflug o. ä. kann je nach der art des schadens so gut wie keines mehr sein, oder doch noch brauchbar, obwol mit nachtheil für den braucher, also noch da sein und doch zugleich fehlen, oder doch so gut wie fehlen, oder auch zwischen beiden die mitte: zu fehlen, zu versagen anfangen, ganz zu versagen drohen. 2@ee)
es hiesz übrigens auch einfach brechen,
im 16.
jh., obwol selten (
s. II, 346),
auch früher selten, z. b. im 15.
jh., im munde einer frau: reichtum oder schön gestalt schätz ich in meinem sinn für nicht, so mir sölicher freuden (
der minne) pricht.
Hätzlerin 89
a.
öfter mnd. breken,
s. Sch.
u. L. 1, 418
b, Tunnicius
nr. 17. 677,
auch mnl. breken Oudem. 1, 818
fg. ebenso schon alts. einfach brestan,
bei der hochzeit zu Cana: thô im (
ihnen) thes wînes brast.
Hel. 2012,
wonach es auch dem ahd. zuzutrauen ist. das entschiedene vorwiegen des vollen gebrechen, gebresten
musz in dem ge-
selbst seinen grund haben. einzeln übrigens auch mit ent-,
demselben wie in entgehn, entstehn
fehlen, entbehren;
so mhd. enbrechen: hie nam er, des im dort enbrach. Lexer 1, 547;
vgl. unter entbrechen 1,
c aus Conz Has des wil man da entbrochen sein,
es entbehren. oft so mnd. entbreken, enbreken, untbreken Sch.
u. L. 1, 669
fg. im nl. ist ontbreken
überhaupt an die stelle des älteren gebreken,
mangeln getreten. 33)
Die fügung ist verschieden (
vgl.gebresten II, 2). 3@aa)
mhd. war vorherschend die unpersönliche wendung mir gebrichet
mit gen., wie schon alts. bei brestan
vorhin; es ist der gen. der auch sonst bei wörtern des mangels oder der fülle steht, obwol hier zugleich aus der sache selbst begreiflich (
s. u. 2,
b).
mhd. s. die gen. bei mir ist gebrochen 2,
b, wo auch die entstehung der unpersönlichen wendung begreiflich ist, eigentlich: mir ist etwas zerbrochen an ..;
beim praes. z. b.: (schade) den er billîcher ræche, ob im ellens niht gebræche.
Parz. 412, 10,
wenn es ihm nicht an kraft und mut fehlte; dô ir des waʒʒeres begunde gebresten.
gen. 39, 11
D.; im 14.
jahrh.: gebrach ûch dô ichtes?
Beheim ev. Luc. 22, 35.
nhd. ist eigner weise der gen. nicht mehr zu finden, oder nur noch nicht beobachtet, wie er denn bei gebresten
noch nhd. sich findet (
s. dort II, 2,
a);
vgl. aus der Hätzlerin unter 2,
e. 3@bb)
das impers. besteht noch in verbindung mit an,
das aber auch in die alte zeit zurückgeht, vielleicht bis in die zeit des ursprunges, denn der bruch geschieht und ist an
dem bogen, arme u. s. w. (swaʒ drane bristet
unter 2,
a): swâ den (
räten) gebrichet an der kunst. Walther 83, 22.
nhd.: und da es an wein gebrach. Luther
Joh. 2, 3; es gebrach (
war not), an bauren gebrachs in Israel.
richt. 5, 7; nu gebrichts dissem armen plauderer an beiden.
Dietz 2, 27
b; wenns einem an gut gebricht, da denkt man seiner wolthat nicht. Henisch 1396; natur und lust ersetzet, was ihm an kunst gebricht. Hagedorn; meinem altare gebrachs hier .. nie an wein und fett. Bürger 213
a (
Il.); dasz mirs gerade jetzt an zeit gebricht. Schiller V, 95; und wenn es dir an fassung ganz gebricht, so soll mirs an geduld gewiss nicht fehlen. Göthe 9, 242 (
Tasso 5, 5). 3@cc)
auch bloszes impers., mit dat. der person oder auch ohne diesen: loufet im denne icht oberig (
bleibt ihm übrig von dem verkauften pfande), her sal is jeme wedirkêren (
erstatten). gebricht im abir, her vordire abir vorbas (
von dem schuldner).
Kulm. recht III, 110,
wenn an der kaufsumme fehlt zur erstattung seiner schuld; 'gebt uns von ewrem ole, denn unsere lampen verleschen'. da antworten die klugen und sprachen, 'nicht also, auf das nicht uns und euch gebreche'.
Matth. 25, 9,
wie schon in Beheims evang.: daʒ vil lîchte uns und ûch icht gebreche; sie erzählten von ihren reisen. als es gebrechen wollte, fiengen wir an .. zu fragen. Claudius 4, 15,
als ihm der stoff, das gedächtnis ausgieng. s. auch das blosze es gebrach
vorhin unter b und dazu 4,
b. 3@dd)
persönlich, sodasz das fehlende selbst im nom. erscheint; so schon mhd. mit allgemeinen begriffen, wie iht, wênic,
z. b.: wirt iht über (
von dem verkauften pfande), daʒ sol man jenem wider geben. gebrichet iht, man sol in anderweide phenden.
Schwabensp. 83, 4;
von Joseph als mildem herren, wenn einem bauer am zinse fehlte: swem halt ein wênich daran gebrast .. dem vergap (
schenkte) er, des er in bat.
gen. u. ex. 77, 25
D.; mit benanntem subj. dagegen, mir gebrichet ein dinc,
wie in den wbb. bestimmt angesetzt wird, ist es schon nach dem ursprunge wol glaublich, aber noch nicht wirklich belegt (
aber bei gebresten,
s. d. II, 2,
e),
denn schœne und güete
Parz. 806, 19
sind gen., ebenso wol wîsheit
Doc. misc. 1, 222,
wie wârheit
unter 2,
b, klûcheit
pass. K. 33, 59,
und auch bei Reinbot
Georg 5479 mir gebræche wort und stimme
ist worte,
gen. plur., gemeint, es würde mir an worten fehlen, wie im folgenden: ir herze in sulcher vreude ûf steic, daʒ worte ir muoste gebrechen.
pass. H. 94, 53.
im 14.
jahrh. mit daʒ,
im ev. von der armen witwe Luc. 21, 4: abir dise hât (
gegeben) ûʒ deme daʒ ir gebrichet.
Beheims ev. s. 168,
nach der vulg. ex eo quod deest illi (Luther von irem armut,
ursprünglich aus ihrer darbe),
wo doch daʒ
conj. sein kann, nicht '
was ihr fehlt',
sondern '
dasz sie arm ist' (
s. 4,
c).
gleichfalls aus dem 14.
jh. u. 2,
b clage waʒ dir gebrochen ist,
das steht aber der ursprünglichen vorstellung noch näher: was man dir beschädigt hat. mit etwas: gebrichet dir etwas, so rede.
Alsf. pass. 3211,
aber auch noch wes gebrichet dir? 3389,
und mit eigner vermengung beider fügungen: dar umb wel ich recht ortel sprechen, mir willen dan miner sinne gebrechen. 3727. 3@ee)
nhd. dagegen, wo überhaupt solche gen. meist in den nom. (
oder acc.)
übertreten: und das bei gott an seim gericht an rechter urthail nichts gebricht. Schwarzenberg 152
b,
aber nichts
ist eben ursprünglich gen., vgl. gebrach ûch ichtes
unter a; auf das inen nichts gebreche.
Tit. 3, 13; da nu geld gebrach im lande Egypten.
1 Mos. 47, 15; so sol von dir nimer gebrechen ein man auf dem stuel Israel.
1 kön. 2, 4 (an einem man 8, 25. 9, 2. 2
chr. 6, 16. 7, 18); mir würde papier gebrechen, solt ich schreiben von denen .. Pauli
sch. u. e. 82
b; wo (
falls) steinerne kugeln gebrechen und nicht steinmetzen derselbigen zumachen verhanden (
wären). Fronsperger
kriegsb. 2, 209
a,
d. i. gebrächen,
fehlen, ausgehen sollten, als munition, vgl. dazu 4,
c; ich hette nit geglaubt .. dasz mir worte gebrechen solten.
Rihels Liv. 331; so viel gewährt ein freund, dasz auch das leben nicht mehr als ein dasein ist, wenn uns ein freund gebricht. Hagedorn 1, 52; holder Morpheus, säume nicht, wann die ruhe mir gebricht, aug' und herz zu weiden (
mit traum). 3, 112; so schlieszt man bei dem ersten blicke, dasz ihm verstand und witz gebricht. Gellert
fab. 1, 3; weil getränk gebrach. E. v. Kleist 2, 113; aber kraft gebrach ihm. 2, 115; auch fehlt, wie sich verstehet, nicht der pfad, der bach, die schmale brückenplanke, nur eins, das mädchen noch gebricht. Bürger 108
b; da ihnen oft die zeit dazu .. gebrechen mag. Tieck 13, 111; und etwas liegt in diesen liedern, was allem übrigen gebrach. Dingelstedt
ged. 1845
s. 382. 44)
Gebrauch und bedeutung bedürfen noch näherer betrachtung; jetzt nur ein gewählter kräftigerer ausdruck für fehlen, mangeln,
hat es ursprünglich noch manche andere begriffsseite, wie das subst., mit dem es ja im sprachbewusztsein hand in hand gieng, mit rückwirkung des einen auf das andere; ohne zweifel waren alle wendungen des begriffes von dort auch hier vertreten, nur an der beobachtung fehlt es. 4@aa)
auch für fehlen
ist es jetzt nicht in allen fällen mehr brauchbar, z. b. in folg.: asz gen nacht mit seinen sünen und töchtern und geprach im nichts (
und war doch den morgen darauf todt).
Augsb. chr. 2, 292,
war ganz gesund, es fehlte ihm nichts,
wie das jetzt heiszt, s. dazu das subst. 2,
b von krankheit, seuchen, und ebenso gebresten 3,
b; die (
deine barmherzigkeit) suchen und begeren wir, hoffend, du werdests, herr, an dir mit nicht laszen gebrechen. Mich. Weisze
bei Ph. Wackern.
kirchenl. 289; denn was nicht ist, thut nichts, dieweil es selbst gebricht. Opitz,
d. i. nicht vorhanden ist, vergl. von der verfinsterten, fehlenden sonne eclipsari gebrechen, sunnenbruch
unter dem subst. 3,
c; mein ohr sich schlieszt, das aug erlischt, die zung' gebricht. Fr. Müller 2, 306,
versagt ihren dienst, läszt mich im stiche. 4@bb)
zuweilen ist genauer das eintreten des mangels damit bezeichnet (
vgl. dazu 2,
d): geprechen,
tabere, deficere, vilescere, langwescere. voc. 1482 l 7
b,
auch vilere, deficere, swachen, und fatiscere, mud werden, marcescere das., z. b. von dem schwinden der kräfte, schwach werden, kraft und besinnung verlieren, so im folgenden: lâʒe ich si vastinde in ire hûs (
davon gehn), sô gebrichet en ûf dem wege.
Beheim evang. Marc. 8, 8, deficient in via
vulg., si vorderbent Haupt 9, 294, würden sie verschmachten Luther,
also mir gebrichet
gleich mir swindet, geswindet,
ich werde schwach, bewusztlos. auch pers.: mîn sêle gebricket,
deficit anima mea. Jer. 4, 31,
s. Schiller
u. Lübben 2, 23
b,
auch leit gebrok 24
a,
ward ohnmächtig, '
litt gebruch'.
s. ebenso gebresten 3,
a. Von vorräten, die zu ende gehen, zu fehlen drohen: noch must er darvon ziehen ab (
der belagerer) .. das macht, im gebrach kraut und lot (
pulver und blei). Soltau 2, 237,
vgl.wo steinerne kugeln gebrächen
unter 3,
e, auch die zung gebricht
unter a ist noch mit so gemeint. vom eintreten des abends: wann sich aurora zeigt, und wann der tag gebricht. Opitz 1, 2. 4@cc) es gebricht (mir)
auch schlechtweg von mangel, not, wie das subst. (
s. d. 2)
mhd. und später: es gebrach .. in Israel.
richt. 5, 7.
Dazu im gegensatz nichts gebricht,
es ist fülle da: und das land (
das ich euch gebe) ist weit und breit .. einen solchen ort, da nichts gebricht, alles das auf erden ist.
richt. 18, 10; es gebricht ihm an nichts,
satis et abunde est ei. Stieler 234; es soll euch an nichts gebrechen. Ludwig 701,
ich will für alles sorgen. auch mit mangeln
verbunden, wie beim subst.: du hast einen reichen herrn, der dir .. nichts wird gebrechen noch mangeln laszen. Luther 4, 445
b. 4@dd)
es bezeichnete auch ein brauchen, nötig haben, wie schon mhd. das subst. 2,
d (
s. dort mehr): ich nim dein gelt und anders nicht und schaff sünst wol, was mir gebricht. Schwarzenberg 132
a,
verschaffe mir selber meinen bedarf; kein mäurer wird mehr sein, kein schmied, kein schlosser nicht, kein kaufmann, der uns läszt, was für den leib gebricht. Opitz 1, 133 (
Zlatna 220); es gebricht mir an geld,
ich brauche geld. Ludwig 701; was gebricht euch?
what do you want? das. Diese frage musz überhaupt alt sein, gleich dem heutigen was fehlt dir?
auch in andern wendungen des sinnes, z. b.: ich .. erschrack in dem herzen mein, gedacht, es möcht ein trügnus sein. der rab sah bald, was mir gebrach .. H. Sachs 1, 425
b,
d. h. erkannte den grund meines erschreckens, wo mirs fehlte; mir gebricht
ist da gleich dem mhd. mir wirret,
s. ebenso mir gebrist
unter gebresten 3,
c. 4@ee)
daher ausdrücklich auch von anliegen, haben wollen; Susanna z. b. antwortet ihren versuchern: volg ich dann dem, was euch gebricht, ich sünd vor gottes angesicht. Schwarzenberg 110
b,
was ihr von mir haben wollt (
vgl. ebenso unter gebresten 3,
d);
in eben diesem sinne klagte man der geliebten seinen gebrechen (
wie seine not
u. a.),
aber auch dem beichtvater, dem richter, s. unter dem subst. III, 2,
c. 4@ff)
von anliegen, d. h. beschwerden vor gericht z. b.: herr Fridrich, sprechet unser wort (
als fürsprech) .. so woll wir euch erzelen (
einzeln mittheilen) und sagen, was wir an disem rechten (
d. h. bei der heutigen sitzung) haben zu clagen .. ain ernstlich sach uns frauen gepricht.
fastn. sp. 705, 4,
s. dazu das subst. gebrechen
als beschwerde sp. 1845.
ebenso auszergerichtlich unter 2,
c was hat im gebrochen,
worüber hat er sich zu beschweren. 4@gg)
auch von sittlichen u. ä. gebrechen (
s. d. III, 4
und 3,
d ff.): auf ander leut ein jeder sicht, und niemand merkt, wo es ihm gebricht. Henisch 1396; wer recht ansicht, was ihm gebricht, der wird von andern sagen nicht.
das.; vgl. das subst. III, 4,
a von flecken auf dem leumund, und ebenso gebresten 3,
e. 55)
Ein verwachsen mit dem trans. unter 1
ist schon dort a. e. gezeigt; auch im rechtsleben zeigt es sich, z. b.: welchem burger ichts gebreche (
gebräche) an seinem recht, der ensall sich des nirgend erholen mit nicheiner clage wan .. zu Erfurt. Haltaus 598
aus dem Erfurter stadtr., d. h. wer sich zu beschweren hätte, nach 4,
f, aber zugleich: wem sein recht gebrochen wäre, nach 1,
a, wem an seinem rechte bruch geschehen
wäre, wie es auch hiesz (
vgl.gebruch).
noch deutlicher in folg. var.: hevet aber he sik verworcht an sîme rechte, sô gebrict ime der bûte, die ine angeboren is.
Sachsensp. lehnr. 68, 9,
sie entgeht ihm, er verliert sie, aber eine andere hs. setzt es ins trans. um: sô brict man eme de bûte,
spricht sie ihm von rechtswegen ab; vergl. im landr. II, 15, 2: wirt in an der gewere bruch (
nd. burst), daʒ si in gebrochen wirt mit rechte,
jenes könnte auch heiszen gebrichet in an der gewere.