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gebrechen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gebrechen

Bd. 4, Sp. 1850
gebrechen , das zeitwort, verstärktes brechen. 11) Ursprünglich auch trans., und nur so bezeugt goth. gabrikan, ags. gebrecan, auch ahd. giprechan u. ähnl.; auch noch mhd. gebrechen, mnd. mnl. gebreken. von dem ursprünglichen verhältnis zu brechen s. sp. 1612 (c). 1@aa) mhd. z. b. im rechtsleben: swelich frîer herre sîn guot an ein gotes hûs gît .. daʒ ist stæte und eʒ (acc.) mac im weder sîn erbe noch anders nieman gebrechen. Schwabensp. 274, d. h. die schenkung ungültig machen, gleichsam zerbrechen und damit unbrauchbar machen, wie brief und siegel bei solcher vernichtung einer schenkung symbolisch zerbrochen wurden (vergl.gebrech II, 1, c); an eigene (grundbesitz) ist recht lîbzucht der vrowen, wend eʒ in nieman gebrechen enmag zû irme lîbe (lebenszeit), unde an lêne nicht, wend eʒ in zu manger wîs gebrochen mac werden. Sachsensp. III, 75, 1. doch kann und mag das ge- da auch nur von dem mac herrühren, s. sp. 1614; als subst. zu dieser bedeutung galt bruch, rechtsbeschädigung u. ä., abbruch, wie im zeitwort gewöhnlich brechen, auch abbrechen, wovon eben das heutige abbruch, z. b.: sider haben in (den herzögen) die keisere beide vürsten und vanlên abgebrochen. Sachsensp. III, 53, 1, d. h. die betreffenden rechte genommen, ihr gesamtrecht um diese stücke verkürzt, verkleinert. 1@bb) aber wirkliches trans. gebrechen, gleichfalls im rechtsleben, wie mnd. breken, gleich verbrechen, nur milder, in den wbb. fehlend, md. im 14. jh.: die lûte, die dô hoken heiszen, gebrechen si adir missetûn si icht an gemeinem koufe .. si mûszen wetten hût und hôr. Kulm. recht I, 10, wenn sie im öffentlichen kaufe (d. h. kaufgeschäfte, 'kauf und verkauf') etwas wider das gesetz thun, z. b. mit falschem masze, eig.: brechen sie das gesetz; ebenso bloszes brechen, nebst bruch subst.: und solle er (der schultheisz) auch alle bruche, die darinnen gescheen, rugen .. und solden auch alle, die gebrochen hetten, dieselben bruche buszen, wie .. die scheffen .. wiseten. weisth. 6, 391, vom untern Main 14. jh., vgl.: wan wetten und frevel gebrochen werden, wie die zu strafen sein und wer die ufheben und inbrengen soll? 2, 233, vom Hundsrück. s. dazu gebrecher, verbrecher, und md. gebrech, nd. nl. gebrek und noch im 17. jahrh. hd. (nordd.) das gebrechen, vergehen sp. 1844, wo auch bair. brechen oder gebrechen als zeitwort so belegt ist und der weitere hintergrund des bildlichen ausdrucks sich aufthut. s. auch der gebrochene theil, 'der sich im fehler befindet' Schmeller 1, 246, genauer der 'gebrochen hat'. vgl. auch das adj. gebräche 4, rechtsbrüchig u. ä. 1@cc) selbst übergegangen auf die strafe, die ein vergehen mit sich bringt: so vrage der herre, was der man (lehensmann) daran gebrochen habe, das her im das nicht enkundigete, das man sein gut pfendete. Ssp. richtsteig lehnr. 29, 2, nd. gebroken heft (Homeyer II, 1 s. 524), was er mit der unterlassenen ankündigung an strafe verwirkt habe; gnade heiszet das, das der man von den luten minre mag nemen denne ire bruche zusagen (zusprechen) adir gebrochen haben. Magd. frag. s. 54. noch im 17. jh. nordd., z. b. in Danzig: (der schiffsmann) der den andern heiszt lügen, gebricht vier engliche pfennige. wundet er, gebricht er acht pfennige. jus nauticum civit. Gedanensis 1611 § 12 (hdschr.). dazu als subst. nordd. brüche f., gerichtliche busze, geldbusze, nnd. bröke f., mnd. bröke, broke f. und m., urspr. eben der gesetzes- oder rechtsbruch selber, s. Schiller u. Lübben 1, 429 fg. es ist in der ordnung, dasz im rechtlichen denken vergehen und strafe in eins zusammenfallen und also éinen ausdruck haben können (vgl. rechtsalt. 656. 657); auch das mnl. sonder gebrec blijven sp. 1844 (b) meint wol zugleich straflos bleiben, wie in der rechtssprache breken, eine busze verwirken, z. b. twee gulden breken Oudemans 1, 818. auch hd. zeigt sich derselbe übergang in verbrechen, was einer verbrochen hat, unrecht begangen und strafe verwirkt, mnd. breken, z. b.: des gaf die voghet over sie ordêl, dat sie lîf unde gût ghebroken hedden. Sch. u. L. 1, 419b, vgl. das. einen broke breken, ein unrecht begehn. 1@dd) ein ursprüngliches trans. musz auch folgendes gebrechen oder brechen an einem sein, an einem untreue begehn, ihn im stiche lassen (Schm. 1, 246 aus dem 16. jh.), im kampfe, in der not u. ä., mhd. auch gebrechen gegen einem Lexer 1, 759, meist doch mit an: wan er auch nie an im geprach. Suchenwirt 11, 109, wo das ge- doch auch nur von nie herrühren kann (sp. 1622); beclagt sich .. wider die, die an im geprochen hetten. Nürnb. chr. 3, 83, 10; sie besorgten, prechen sie an dem vatter, der sun .. versehe sich desgleichen an im auch zu beschehen. 85, 2; s. auch Schm.2 1, 340 aus Laber. ebenso nd.: de schal nimmer mêr werden unse borghêre, he ne hebbe ghebeteret deme, an deme he ghebroken hevet. Lüb. recht s. 341 (Sch. u. L. 1, 420a), von einem, der zu den feinden der stadt übergelaufen; von ächtern heiszt es, sie seien vogelfrei (gemeine), dasz man an ihnen gar keine untreue begehn könne: se sint gemeine als ein hund, an on schal me nicht breken tor stund. Leibnitz scr. 3, 258 (Frisch 1, 130b). auch mit dat. für an, mnl.: here coninc, wi willen medevaren .. ende die u (euch) hiertoe oec gebrect, wi willen dat men hem d'ogen utstect. Oudemans 2, 375. es hiesz auch an einem bruch werden, d. h. treubrüchig, z. b. an seinem fürsten (s. die stelle unter gebräche 5). was da gebrochen wird, ist eben die treue, vgl. z. b. von Hagen, der sîne triuwe an Sîfride brach Nib. 912, 4; die stat Speyer, die ir treu an im gebrochen hetten. Nürnb. chron. 3, 272, 17; vgl. mnd. brekafticheit, treubrüchigkeit Sch. u. L. 1, 420b. Daraus erklärt sich brechen an, es mit untreue an sich fehlen lassen bei andern verpflichtungen, z. b.: die gebrochen habent an der laistung. Schm. 1, 246, untreu ausgeblieben sind bei leistung der bürgschaft, eigentlich gebrochen an dem, welchem die bürgschaft gelobt war. damit greift es aber zugleich in das folg. gebrechen über, wobei an gleichfalls so erscheint, s. 3, b, und für jenes gebrochen kann selbst gefehlt eintreten; vergl. dazu 5, auch gebresten 3, g. 22) Intr. gebrechen, schon mhd. vorherschend, nhd. eigentlich allein gebraucht, gleich fehlen, entgehn, mangeln u. ä. 2@aa) die entstehung dieses gebrauchs wurde schon unter dem subst. gebrech sp. 1842 darzustellen versucht, es war zuerst ein bruch oder schade an einem werkzeug, wie bogen, schwert, pflug oder auch am arme selbst (s.gebrech 2, a), die nun zum theil oder ganz unbrauchbar wurden, dem streiter oder arbeiter fehlten oder doch mit ihrem fehler störung, not machten, alles das drückt gebrechen aus; s. besonders unter e dort von dem armbruster, der an den städtischen armbrüsten wider machen soll, swaʒ ie drane bristet (s.gebresten mit gleicher bed.) und der gebreste an einem schwerte, die bruchstelle und das ausgebrochene stück, das nun fehlt, auch dem gebrauche schadet. vgl. zu kurz werden, nicht reichen oder fehlen IV, 2832, das auch von werkzeugen ausgehen musz. 2@bb) diese entstehung, die gewiss in sehr alte zeit zurückreicht, ist auch noch mhd. deutlich zu erkennen am perf. mir ist gebrochen, wo doch ein gegenwärtiges fehlen gemeint ist: îdoch ist dir gebrochen der kunst an sô hôher gift, daʒ du die heiligen schrift nicht enwilt noch macht verstân. pass. K. 35, 66; nein, nein, sprach si dar zû, wârheit (gen.) ist dir gebrochen. 416, 75; hievon er sîne helfe ir bôt, der ir was ungebrochen. 36, 15, die ihr in vollem masze zu theil wurde; als ich dir kunt mache, des mir ist ungebrochen. 82, 81, wie ich es alles völlig weisz, dasz mir nichts daran entgeht. und ebenso mir ist gebrosten, ungebrosten (s. mhd. wb. 1, 256a, Lexer 2, 1832), schon ahd. Graff 3, 273, mhd. z. b.: mit dienste an in gewente sich alle diet, daʒ ime gar ungebrosten was und den, die sîne schar dâ mêrten. jüng. Tit. 4363, er und die seinen wurden so reich beschenkt von allem volke, dasz ihnen nichts mangelte, dasz sie die fülle hatten; al ir habe der müeste in sîn gebrosten. 4409, müszten sie entbehren, darauf wenden. das musz die ursprüngliche wendung sein, mir ist daʒ swert oder mir ist des swertes gebrochen, etwas am schwerte, sodasz es mir nun fehlt, mich im stiche läszt. auch der nom. erscheint (vgl. 3, d): dar nâ clage (dem richter), waʒ dir gebrochen ist. richtsteig landrechts 39, 2 s. 257 Hom. in den var., gleich wat dîn gebrek is, was dir gebrechens sî in andern hdschr., übertragen auf rechtsbruch, friedensbruch, unrecht (s. 1, a). 2@cc) der übertritt aus dem perf. ins praes., von mir ist gebrochen zu mir gebricht, bezeichnet den beginn des abstractwerdens der wendung; jenes drückte den bruch als geschehen aus, dieses den bruch als daraus hervorgehenden zustand, als bleibenden schaden, und das muszte das praes. herbeiführen, das denn auch mhd. schon durchaus vorwiegt, das praet. erscheint schon damals nur als kaum noch verstandene redensart fortgeführt. das letzte gänzliche vergessen des ursprungs ist in seinem eintreten erkennbar an hat für ist beim perf., wie bei fehlen (wo haben auch urspr. das richtige ist), im 15. 16. jh., wol schon früher: zu retten das slosz ist nichts geschehen, wenn is hat an den Slesiern ser gebrochin. font. rer. austr. II, 20, 607, vom j. 1469, sie haben es an sich fehlen lassen; haben auch nu allererst verstanden, warumb Leipzig im (dr. Eck) gefallen hat. was hat im gebrochen an Wittemberg, unter e. k. f. g. geleit? Luther 1, 154b, woran hat es ihm Wittemberg fehlen lassen, was hat er da zu klagen gehabt (vgl. 4, f); glück und par gelt hat mir nie gefelt, hat mir auch nie gebrochen, als am sontag und sechs tag in der wochen. Alsatia 1858 s. 414 (17. jahrh.). 2@dd) aus dem ursprunge begreift sich auch eine doppelte oder dreifache wendung der bed., was sonst als grosze ungenauigkeit erscheinen kann, freilich bei fehlen, mangeln zum theil ebenso geltung hat; mir gebricht es an mitteln kann sowol bedeuten: ich habe nicht genug, sie reichen nicht aus, als auch: ich habe gar keine, sie fehlen mir ganz, und selbst: sie fangen mir an zu fehlen (s. 4, b). nämlich ein gebrochenes werkzeug, schwert, pflug o. ä. kann je nach der art des schadens so gut wie keines mehr sein, oder doch noch brauchbar, obwol mit nachtheil für den braucher, also noch da sein und doch zugleich fehlen, oder doch so gut wie fehlen, oder auch zwischen beiden die mitte: zu fehlen, zu versagen anfangen, ganz zu versagen drohen. 2@ee) es hiesz übrigens auch einfach brechen, im 16. jh., obwol selten (s. II, 346), auch früher selten, z. b. im 15. jh., im munde einer frau: reichtum oder schön gestalt schätz ich in meinem sinn für nicht, so mir sölicher freuden (der minne) pricht. Hätzlerin 89a. öfter mnd. breken, s. Sch. u. L. 1, 418b, Tunnicius nr. 17. 677, auch mnl. breken Oudem. 1, 818 fg. ebenso schon alts. einfach brestan, bei der hochzeit zu Cana: thô im (ihnen) thes wînes brast. Hel. 2012, wonach es auch dem ahd. zuzutrauen ist. das entschiedene vorwiegen des vollen gebrechen, gebresten musz in dem ge- selbst seinen grund haben. einzeln übrigens auch mit ent-, demselben wie in entgehn, entstehn fehlen, entbehren; so mhd. enbrechen: hie nam er, des im dort enbrach. Lexer 1, 547; vgl. unter entbrechen 1, c aus Conz Has des wil man da entbrochen sein, es entbehren. oft so mnd. entbreken, enbreken, untbreken Sch. u. L. 1, 669 fg. im nl. ist ontbreken überhaupt an die stelle des älteren gebreken, mangeln getreten. 33) Die fügung ist verschieden (vgl.gebresten II, 2). 3@aa) mhd. war vorherschend die unpersönliche wendung mir gebrichet mit gen., wie schon alts. bei brestan vorhin; es ist der gen. der auch sonst bei wörtern des mangels oder der fülle steht, obwol hier zugleich aus der sache selbst begreiflich (s. u. 2, b). mhd. s. die gen. bei mir ist gebrochen 2, b, wo auch die entstehung der unpersönlichen wendung begreiflich ist, eigentlich: mir ist etwas zerbrochen an ..; beim praes. z. b.: (schade) den er billîcher ræche, ob im ellens niht gebræche. Parz. 412, 10, wenn es ihm nicht an kraft und mut fehlte; dô ir des waʒʒeres begunde gebresten. gen. 39, 11 D.; im 14. jahrh.: gebrach ûch dô ichtes? Beheim ev. Luc. 22, 35. nhd. ist eigner weise der gen. nicht mehr zu finden, oder nur noch nicht beobachtet, wie er denn bei gebresten noch nhd. sich findet (s. dort II, 2, a); vgl. aus der Hätzlerin unter 2, e. 3@bb) das impers. besteht noch in verbindung mit an, das aber auch in die alte zeit zurückgeht, vielleicht bis in die zeit des ursprunges, denn der bruch geschieht und ist an dem bogen, arme u. s. w. (swaʒ drane bristet unter 2, a): swâ den (räten) gebrichet an der kunst. Walther 83, 22. nhd.: und da es an wein gebrach. Luther Joh. 2, 3; es gebrach (war not), an bauren gebrachs in Israel. richt. 5, 7; nu gebrichts dissem armen plauderer an beiden. Dietz 2, 27b; wenns einem an gut gebricht, da denkt man seiner wolthat nicht. Henisch 1396; natur und lust ersetzet, was ihm an kunst gebricht. Hagedorn; meinem altare gebrachs hier .. nie an wein und fett. Bürger 213a (Il.); dasz mirs gerade jetzt an zeit gebricht. Schiller V, 95; und wenn es dir an fassung ganz gebricht, so soll mirs an geduld gewiss nicht fehlen. Göthe 9, 242 (Tasso 5, 5). 3@cc) auch bloszes impers., mit dat. der person oder auch ohne diesen: loufet im denne icht oberig (bleibt ihm übrig von dem verkauften pfande), her sal is jeme wedirkêren (erstatten). gebricht im abir, her vordire abir vorbas (von dem schuldner). Kulm. recht III, 110, wenn an der kaufsumme fehlt zur erstattung seiner schuld; 'gebt uns von ewrem ole, denn unsere lampen verleschen'. da antworten die klugen und sprachen, 'nicht also, auf das nicht uns und euch gebreche'. Matth. 25, 9, wie schon in Beheims evang.: daʒ vil lîchte uns und ûch icht gebreche; sie erzählten von ihren reisen. als es gebrechen wollte, fiengen wir an .. zu fragen. Claudius 4, 15, als ihm der stoff, das gedächtnis ausgieng. s. auch das blosze es gebrach vorhin unter b und dazu 4, b. 3@dd) persönlich, sodasz das fehlende selbst im nom. erscheint; so schon mhd. mit allgemeinen begriffen, wie iht, wênic, z. b.: wirt iht über (von dem verkauften pfande), daʒ sol man jenem wider geben. gebrichet iht, man sol in anderweide phenden. Schwabensp. 83, 4; von Joseph als mildem herren, wenn einem bauer am zinse fehlte: swem halt ein wênich daran gebrast .. dem vergap (schenkte) er, des er in bat. gen. u. ex. 77, 25 D.; mit benanntem subj. dagegen, mir gebrichet ein dinc, wie in den wbb. bestimmt angesetzt wird, ist es schon nach dem ursprunge wol glaublich, aber noch nicht wirklich belegt (aber bei gebresten, s. d. II, 2, e), denn schœne und güete Parz. 806, 19 sind gen., ebenso wol wîsheit Doc. misc. 1, 222, wie wârheit unter 2, b, klûcheit pass. K. 33, 59, und auch bei Reinbot Georg 5479 mir gebræche wort und stimme ist worte, gen. plur., gemeint, es würde mir an worten fehlen, wie im folgenden: ir herze in sulcher vreude ûf steic, daʒ worte ir muoste gebrechen. pass. H. 94, 53. im 14. jahrh. mit daʒ, im ev. von der armen witwe Luc. 21, 4: abir dise hât (gegeben) ûʒ deme daʒ ir gebrichet. Beheims ev. s. 168, nach der vulg. ex eo quod deest illi (Luther von irem armut, ursprünglich aus ihrer darbe), wo doch daʒ conj. sein kann, nicht 'was ihr fehlt', sondern 'dasz sie arm ist' (s. 4, c). gleichfalls aus dem 14. jh. u. 2, b clage waʒ dir gebrochen ist, das steht aber der ursprünglichen vorstellung noch näher: was man dir beschädigt hat. mit etwas: gebrichet dir etwas, so rede. Alsf. pass. 3211, aber auch noch wes gebrichet dir? 3389, und mit eigner vermengung beider fügungen: dar umb wel ich recht ortel sprechen, mir willen dan miner sinne gebrechen. 3727. 3@ee) nhd. dagegen, wo überhaupt solche gen. meist in den nom. (oder acc.) übertreten: und das bei gott an seim gericht an rechter urthail nichts gebricht. Schwarzenberg 152b, aber nichts ist eben ursprünglich gen., vgl. gebrach ûch ichtes unter a; auf das inen nichts gebreche. Tit. 3, 13; da nu geld gebrach im lande Egypten. 1 Mos. 47, 15; so sol von dir nimer gebrechen ein man auf dem stuel Israel. 1n. 2, 4 (an einem man 8, 25. 9, 2. 2 chr. 6, 16. 7, 18); mir würde papier gebrechen, solt ich schreiben von denen .. Pauli sch. u. e. 82b; wo (falls) steinerne kugeln gebrechen und nicht steinmetzen derselbigen zumachen verhanden (wären). Fronsperger kriegsb. 2, 209a, d. i. gebrächen, fehlen, ausgehen sollten, als munition, vgl. dazu 4, c; ich hette nit geglaubt .. dasz mir worte gebrechen solten. Rihels Liv. 331; so viel gewährt ein freund, dasz auch das leben nicht mehr als ein dasein ist, wenn uns ein freund gebricht. Hagedorn 1, 52; holder Morpheus, säume nicht, wann die ruhe mir gebricht, aug' und herz zu weiden (mit traum). 3, 112; so schlieszt man bei dem ersten blicke, dasz ihm verstand und witz gebricht. Gellert fab. 1, 3; weil getränk gebrach. E. v. Kleist 2, 113; aber kraft gebrach ihm. 2, 115; auch fehlt, wie sich verstehet, nicht der pfad, der bach, die schmale brückenplanke, nur eins, das mädchen noch gebricht. Bürger 108b; da ihnen oft die zeit dazu .. gebrechen mag. Tieck 13, 111; und etwas liegt in diesen liedern, was allem übrigen gebrach. Dingelstedt ged. 1845 s. 382. 44) Gebrauch und bedeutung bedürfen noch näherer betrachtung; jetzt nur ein gewählter kräftigerer ausdruck für fehlen, mangeln, hat es ursprünglich noch manche andere begriffsseite, wie das subst., mit dem es ja im sprachbewusztsein hand in hand gieng, mit rückwirkung des einen auf das andere; ohne zweifel waren alle wendungen des begriffes von dort auch hier vertreten, nur an der beobachtung fehlt es. 4@aa) auch für fehlen ist es jetzt nicht in allen fällen mehr brauchbar, z. b. in folg.: asz gen nacht mit seinen sünen und töchtern und geprach im nichts (und war doch den morgen darauf todt). Augsb. chr. 2, 292, war ganz gesund, es fehlte ihm nichts, wie das jetzt heiszt, s. dazu das subst. 2, b von krankheit, seuchen, und ebenso gebresten 3, b; die (deine barmherzigkeit) suchen und begeren wir, hoffend, du werdests, herr, an dir mit nicht laszen gebrechen. Mich. Weisze bei Ph. Wackern. kirchenl. 289; denn was nicht ist, thut nichts, dieweil es selbst gebricht. Opitz, d. i. nicht vorhanden ist, vergl. von der verfinsterten, fehlenden sonne eclipsari gebrechen, sunnenbruch unter dem subst. 3, c; mein ohr sich schlieszt, das aug erlischt, die zung' gebricht. Fr. Müller 2, 306, versagt ihren dienst, läszt mich im stiche. 4@bb) zuweilen ist genauer das eintreten des mangels damit bezeichnet (vgl. dazu 2, d): geprechen, tabere, deficere, vilescere, langwescere. voc. 1482 l 7b, auch vilere, deficere, swachen, und fatiscere, mud werden, marcescere das., z. b. von dem schwinden der kräfte, schwach werden, kraft und besinnung verlieren, so im folgenden: lâʒe ich si vastinde in ire hûs (davon gehn), sô gebrichet en ûf dem wege. Beheim evang. Marc. 8, 8, deficient in via vulg., si vorderbent Haupt 9, 294, würden sie verschmachten Luther, also mir gebrichet gleich mir swindet, geswindet, ich werde schwach, bewusztlos. auch pers.: mîn sêle gebricket, deficit anima mea. Jer. 4, 31, s. Schiller u. Lübben 2, 23b, auch leit gebrok 24a, ward ohnmächtig, 'litt gebruch'. s. ebenso gebresten 3, a. Von vorräten, die zu ende gehen, zu fehlen drohen: noch must er darvon ziehen ab (der belagerer) .. das macht, im gebrach kraut und lot (pulver und blei). Soltau 2, 237, vgl.wo steinerne kugeln gebrächen unter 3, e, auch die zung gebricht unter a ist noch mit so gemeint. vom eintreten des abends: wann sich aurora zeigt, und wann der tag gebricht. Opitz 1, 2. 4@cc) es gebricht (mir) auch schlechtweg von mangel, not, wie das subst. (s. d. 2) mhd. und später: es gebrach .. in Israel. richt. 5, 7. Dazu im gegensatz nichts gebricht, es ist fülle da: und das land (das ich euch gebe) ist weit und breit .. einen solchen ort, da nichts gebricht, alles das auf erden ist. richt. 18, 10; es gebricht ihm an nichts, satis et abunde est ei. Stieler 234; es soll euch an nichts gebrechen. Ludwig 701, ich will für alles sorgen. auch mit mangeln verbunden, wie beim subst.: du hast einen reichen herrn, der dir .. nichts wird gebrechen noch mangeln laszen. Luther 4, 445b. 4@dd) es bezeichnete auch ein brauchen, nötig haben, wie schon mhd. das subst. 2, d (s. dort mehr): ich nim dein gelt und anders nicht und schaff sünst wol, was mir gebricht. Schwarzenberg 132a, verschaffe mir selber meinen bedarf; kein mäurer wird mehr sein, kein schmied, kein schlosser nicht, kein kaufmann, der uns läszt, was für den leib gebricht. Opitz 1, 133 (Zlatna 220); es gebricht mir an geld, ich brauche geld. Ludwig 701; was gebricht euch? what do you want? das. Diese frage musz überhaupt alt sein, gleich dem heutigen was fehlt dir? auch in andern wendungen des sinnes, z. b.: ich .. erschrack in dem herzen mein, gedacht, es möcht ein trügnus sein. der rab sah bald, was mir gebrach .. H. Sachs 1, 425b, d. h. erkannte den grund meines erschreckens, wo mirs fehlte; mir gebricht ist da gleich dem mhd. mir wirret, s. ebenso mir gebrist unter gebresten 3, c. 4@ee) daher ausdrücklich auch von anliegen, haben wollen; Susanna z. b. antwortet ihren versuchern: volg ich dann dem, was euch gebricht, ich sünd vor gottes angesicht. Schwarzenberg 110b, was ihr von mir haben wollt (vgl. ebenso unter gebresten 3, d); in eben diesem sinne klagte man der geliebten seinen gebrechen (wie seine not u. a.), aber auch dem beichtvater, dem richter, s. unter dem subst. III, 2, c. 4@ff) von anliegen, d. h. beschwerden vor gericht z. b.: herr Fridrich, sprechet unser wort (als fürsprech) .. so woll wir euch erzelen (einzeln mittheilen) und sagen, was wir an disem rechten (d. h. bei der heutigen sitzung) haben zu clagen .. ain ernstlich sach uns frauen gepricht. fastn. sp. 705, 4, s. dazu das subst. gebrechen als beschwerde sp. 1845. ebenso auszergerichtlich unter 2, c was hat im gebrochen, worüber hat er sich zu beschweren. 4@gg) auch von sittlichen u. ä. gebrechen (s. d. III, 4 und 3, d ff.): auf ander leut ein jeder sicht, und niemand merkt, wo es ihm gebricht. Henisch 1396; wer recht ansicht, was ihm gebricht, der wird von andern sagen nicht. das.; vgl. das subst. III, 4, a von flecken auf dem leumund, und ebenso gebresten 3, e. 55) Ein verwachsen mit dem trans. unter 1 ist schon dort a. e. gezeigt; auch im rechtsleben zeigt es sich, z. b.: welchem burger ichts gebreche (gebräche) an seinem recht, der ensall sich des nirgend erholen mit nicheiner clage wan .. zu Erfurt. Haltaus 598 aus dem Erfurter stadtr., d. h. wer sich zu beschweren hätte, nach 4, f, aber zugleich: wem sein recht gebrochen wäre, nach 1, a, wem an seinem rechte bruch geschehen wäre, wie es auch hiesz (vgl.gebruch). noch deutlicher in folg. var.: hevet aber he sik verworcht an sîme rechte, sô gebrict ime der bûte, die ine angeboren is. Sachsensp. lehnr. 68, 9, sie entgeht ihm, er verliert sie, aber eine andere hs. setzt es ins trans. um: sô brict man eme de bûte, spricht sie ihm von rechtswegen ab; vergl. im landr. II, 15, 2: wirt in an der gewere bruch (nd. burst), daʒ si in gebrochen wirt mit rechte, jenes könnte auch heiszen gebrichet in an der gewere.
23311 Zeichen · 635 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gebrëchenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    ge-brëchen stn. not, mangel. da ist gebrechens bruch, da fehlt nichts Pass. K. 671,8. âne gebrechens ungemach ib. 83,83.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gebrêchen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Gebrêchen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Brechen ,) welches das Hülfswort haben erfordert, und nur in der figürlichen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gebrechen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Gebrechen 8 von knapp 90 Belegen sg; Gebrauch vor allem seit ca 1810, früheste Belege 1773 ( B2,100,5 ) u 1780 (Tgb) 1 Ü…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gebrechen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gebrechen sind körperliche Fehler oder Mängel, durch die der Mensch in dem gewöhnlichen Gebrauch seiner Körperkräfte meh…

  5. modern
    Dialekt
    Gebrechen

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Gebrechen Band 3, Spalte 3,158f.

  6. Sprichwörter
    Gebrechen

    Wander (Sprichwörter)

    Gebrechen 1. An fremden Gebrechen erkennt man die eigenen Schwächen. Poln. : Kto cudzę nędzę uważy lekcéj sobie swoję wa…

  7. Spezial
    gebrechen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|bre|chen vb.intr. (fehlen) mancé (-cia), armangoré (-rëia) ▬ es gebricht mir an etw. al me mancia valch; es gebricht …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gebrechen

23 Bildungen · 6 Erstglied · 16 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gebrechen 2 Analysen

ge- + brechen

gebrechen leitet sich vom Lemma brechen ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+br+-e+-chen

Zerlegung von gebrechen 2 Komponenten

geb+rechen

gebrechen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gebrechen‑ als Erstglied (6 von 6)

gebrechenamt

DWB

gebrechen·amt

gebrechenamt , n. eine behörde z. b. im alten Würzburg, regierungs-gebrechenamt Schmeller 1, 247 , für anzubringende beschwerden? s. gebrech…

gebrechenhaus

DWB

gebrechen·haus

gebrechenhaus , n. siechenhaus für pestkranke, z. b. in Bamberg im 16. jh., s. unter gebrechen sp. 1843 ( β ); brechhaus, loemodochium, locu…

gebrechenheit

DWB

gebrechen·heit

gebrechenheit , f. gebrechlichkeit. Henisch 1395, 22 , zu gebrechen gleich gebrechend sp. 1847 ( δ ). ebenso gebrestenheit.

gebrechen als Zweitglied (16 von 16)

abgebrechen

DRW

abgebrechen Abbruch tun, abnehmen unde wir daz guot den liuten müge abe gebrechen 1216 Thomasin 8056 swaz so der man vindet oder dieben oder…

Arschgebrechen

Wander

arsch·gebrechen

Arschgebrechen 1. Ein grosses Arschgebrechen machen. – Frischbier, I, 147. Von einer geringfügigen Sache viel Aufhebens machen. 2. He heft v…

durchgebrechen

KöblerMhd

durch·gebrechen

durchgebrechen , st. V. nhd. sich durchkämpfen E.: s. durch, brechen W.: nhd. DW2- L.: Hennig (durchbrechen)

Mühlengebrechen

DRW

mühlen·gebrechen

Mühlengebrechen, n. wie Mühlfrevel [Mühlmeister] welche zu solchen vndt dergleichen muͤhlen- vndt wasser-gebrechen ... geordnet vndt voreyde…

Münzgebrechen

DRW

Münzgebrechen, n. wie Münzfehler zu remedirung der muͤntz-gebrechen die ... ausschreibung eines allgemeinen muͤntz-probations-tags veranlass…

Stadtgebrechen

DRW

stadt·gebrechen

Stadtgebrechen, n. auch -gebrech Missstand, auch Unfrieden, Zwist in einer Stadt (IV) so schal de rad des morgens to achten up dat huͤs ghaͤ…

undergebrechen

KöblerMhd

under·gebrechen

undergebrechen , st. V. nhd. niederwerfen Q.: BDan (um 1331) (FB under gebrechen) E.: s. under, gebrechen W.: nhd. DW- L.: Lexer 464c (under…

vüregebrechen

KöblerMhd

vüregebrechen , st. V. nhd. hervorbrechen, ausbrechen, sich zeigen Hw.: s. vürebrechen* (1) Q.: Seuse (1330-1360) (FB *vür gebrechen) E.: s.…

vürgebrechen

KöblerMhd

vürgebrechen , st. V. Vw.: s. vüregebrechen*

īngebrechen

KöblerMhd

īngebrechen , st. V. nhd. einbrechen Q.: Seuse (1330-1360) (FB īn gebrechen) E.: s. īn, gebrechen W.: nhd. DW- L.: MWB 2, 1891 (în gebrechen…

ūfgebrechen

KöblerMhd

ūfgebrechen , st. V. nhd. aufbrechen, anbrechen, aufgehen, ausbrechen, sich aufmachen, sich erheben, niederreißen, abbrechen, zerreißen, ent…

ūzgebrechen

KöblerMhd

ūzgebrechen , st. V. nhd. hervorbrechen, entstehen, entspringen, hervorgehen, hervorgehen aus, sich von der Stelle bewegen, ausströmen, ausb…

Ableitungen von gebrechen (1 von 1)

urgebrechen

DWB

urgebrechen ( ursünde ) Schleiermacher I 3, 386. vgl. grundgebrechen. —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gebrechen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gebrechen/dwb?formid=G02965
MLA
Cotta, Marcel. „gebrechen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gebrechen/dwb?formid=G02965. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gebrechen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gebrechen/dwb?formid=G02965.
BibTeX
@misc{lautwandel_gebrechen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gebrechen"},
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  urldate      = {2026-05-12},
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