gebilde,
gebild,
n. alte nebenform zu bild (
mhd. bilde),
schon bei Williram kebilide
imago Graff 3, 199,
alts. gebilithe
imago gl. Lips. 140;
mhd. gebilde,
mnd. gebilde, gebelde Sch.
u. L. 2, 20
b,
mnl. gebeelde Oudem. 2, 362;
vgl. ahd. kepilidôn
formare, conformare, fingere, alts. gebilithôn
fingere gl. Lips. 139,
mhd. gebilden.
gegenwärtig fühlt mans vielmehr als subst. verb. zu bilden,
daher die volle form gebilde,
die doch bei bild
selbst den dichtern nicht mehr erlaubt ist (
vgl. sp. 1617. 1610).
aber das wort, schon mhd. selten, war nach der zeit eigentlich verloren (
mit der landschaftlichen ausnahme unter 3)
und ist erst im 18.
jahrh. wieder aufgekommen, zuerst wie es scheint durch Klopstock
und Herder;
noch in den wbb. des 18.
jahrh. fehlt es durchaus, auch bei Adelung,
erst Campe
brachte es auf grund von stellen aus Herder, Voss.
seitdem ist es in gewählter sprache allgemein geworden, eine in der that alte neubildung, doch nicht ohne misverständnis, denn es steht eigentlich neben bild
wie z. b. geschock
neben schock, gezeit
neben zeit (
s. sp. 1623). 11)
gleich bild, 1@aa)
mhd.: wir suln machen einen menschen, unde sîn gebilde, daʒ werde nâch uns selben. David v. Augsburg,
myst. 1, 399,
d. h. wie nachher ohne ge-
das. machen wir einen menschen, des bilde uns gelîche sî (ad imaginem et similitudinem nostram
gen. 1, 26),
in einer hs. mit bair. farbe; auch mnd. mnl. eben nur gleich bild (
auch vorbild, beispiel),
wie mnd. auch gebildenisse
gleich bildnis.
und so hd. wieder im 18.
jh.: 'gott schuf den menschen', sagt die älteste schriftliche tradition der völker, 'in seinem gebilde, ein gleichnis gottes schuf er in ihm'. Herder
ideen 2, 2,
woher hatte er das? bei Luther
nur bild, bilde. Herder
wollte wol mit gebild
das abbild
deutlicher machen (
s. c). 1@bb)
auch Klopstock
bringt es wieder eben nur als vollere, klingendere form von bild,
das zeigt schon sein plur. gebilder,
z. b. von den gestalten der dichtenden phantasie: die norne Werandi ... hatt' in leiber gehüllt, die ganz für den geist waren, ganz jeden leisen zug sprachen, gebilder, als wärs wahre gestalt.
oden 1771
s. 213, 1798 1, 242 (
Skulda, v. j. 1766);
es ist dasselbe was er in der ode '
unsere sprache' 1, 272 bilder des gesangs
nennt, die ihn wie geister begleiten (
wie schatten 1771
s. 244), des gesanges bild 1, 317,
vgl. geister der gesänge
unter 2.
der pl. gebilder
auch im folgenden an stelle von bilder,
von den götzenbildern Ägyptens: allen, welche die götzen des Griechen, oder der sieben mündungen strom und seine gebilder lieszen, des passa feier mit uns zu begehen.
Mess. 19, 285,
wofür ursprünglich, in den ausgaben 1769
und 1780: allen, die Griechenlandes götzen oder die bilder jenes stroms der sieben mündungen lieszen.
daher auch im sing. gebild,
nicht gebilde
oder gebild': wie des zaubernden beseeltes gebild.
od. 1798 1, 232 (
Braga),
d. i. zauberbild,
er hatte urspr. phantom
geschrieben (
od. 1771
s. 209),
vergl. erscheinung und bild 1, 311
von phantasiebildern, schattengestalt 1, 310.
Ebenso dann getreulich bei Voss,
für die schattengestalten, εἴδωλα in der unterwelt, aber mit dem plur. gebilde,
nicht mehr gebilder,
sodasz schon nicht mehr entschieden an bild
gedacht ist: welch ein mut, zum Aïs herabzusteigen, wo todte wohnen besinnungslos, die gebild' ausruhender menschen!
Odyss. (1806) 11, 476; jenem zunächst erblikt' ich die hohe kraft Herakles, sein gebild, denn er selber, im kreis der unsterblichen götter
u. s. w. 602,
in der ursprünglichen übersetzung übrigens an der ersten stelle die schatten,
an der andern seine gestalt,
d. h. er brauchte es so spät noch ganz wie Klopstock
gleich phantom,
erscheinungsbild. 1@cc)
auch gleich abbild
brauchte es Klopstock,
z. b. in der ode '
unsre sprache'
vom j. 1767
heiszt es von der deutschen sprache: und mit hoheit in der mine stand sie! und ich sah die geister um sie her, die den liedern entlockt täuschen, ihr gebild.
oden 1771,
s. 241, 1798 1, 270.
d. h. die sie täuschend verkörpern, zur erscheinung bringen, als ihr d. h. der sprache abbild, ebenbild; und geister der gesänge, gesungen durch mich, kamen, ihr gebild. 1798 2, 6.
ebenso in seiner schule, z. b. bei Bürger: oft drückt sie den knaben Aeneens, seines vaters gebild, an ihren brennenden busen. Bürger 245
a (
d. museum 1777 1, 198),
nach genitoris imago
Aen. 4, 84 (des vaters bild Schiller 38
b). 1@dd)
dann aber auch umgekehrt gleich vorbild,
urbild, typus: wie nun .. niemand leugnen wird, dasz auch in die brust des sodomiten, des unterdrückers, des meuchelmörders das gebilde der humanität gegraben sei. Herder
ideen 9, 5,
nachher ebenso bild: grubst du dein bild in die seele; sie (
die anlage zur humanität) ist älter als die spekulative vernunft, die .. in praktischen fällen kein richtmasz in sich hätte, wenn sie es nicht von jenem dunklen gebilde in uns borgte.
daselbst (10, 143
H.),
zugleich wol zu 2,
b. auch bild
galt ursprünglich in dieser bedeutung, aber hier ist mit der form gebilde
die entfernung von bild
vollzogen, der übertritt zum verbum gegeben. Herder
hat übrigens, wie es scheint, hauptsächlich das neue wort in die prosa eingeführt. Faust im 2.
theil bei den müttern kommt ins reich der gebilde,
d. h. urbilder der dinge, auch kurz bilder
genannt: entfliehe dem entstandnen in der gebilde losgebundne räume ... wie wolkenzüge schlingt sich das getreibe ... umschwebt von bildern aller creatur. Göthe 41, 76,
zugleich noch als phantom
wie bei Klopstock. 1@ee)
noch später übrigens auch so, dasz ein unterschied von bild
eigentlich nicht zu sehen ist, z. b.: fliegend den schleier, mit entblöszten schultern und bein, ein weiblich gebild. Tieck 3, 6.
auch bei Göthe,
der die form ohne -e
bevorzugt: näher wälzt sich die wolke, sie glüht, ich staune dem wunder! wird der rosige strahl nicht ein bewegtes gebild? 1, 314 (
Euphros.); kennst du mich, guter, nicht mehr? und käme diese gestalt dir, die du doch sonst geliebt, schon als ein fremdes gebild? 1, 315,
beidemal gleich erscheinung, gestalt,
doch stellt sich zugleich die vorstellung ein, dasz sie aus der wolke sich bildet. 22)
als subst. verb. zu bilden,
oder sich bilden,
wie z. b. gemälde
zu malen,
ungefähr gleich bildung,
und zwar wie dieses sowol activisch als passivisch, s. unter b. 2@aa)
von erscheinungen, die traum, phantasie, wahn, vorstellung sich bilden, d. h. noch an Klopstocks
ersten gebrauch 1,
b sich anschlieszend: was mit dir vorgegangen ist, war ein gebilde, das ich vor deinen sinnen schuf ... ein traum, der dir für wirklichkeit gelten kann. Klinger 5, 133,
worin doch Klopstocks gebild
gleich phantom
noch deutlich nachklingt, auch im folg.; die nacht entwaffnet erst den menschen, dann bekämpft sie ihn mit nichtigem gebild. Göthe 9, 378 (
nat. t. 5, 7); da zerrinnt vor dem wundernden blick der nebel des wahnes, und die gebilde der nacht weichen dem tagenden licht. Schiller 76
b (
spaz.); die sprache ist ein gewölke, an dem jede phantasie ein anderes gebilde erblikt. J. Paul
jubelsen. (1797) 61.
auch folg. ist zugleich eine art traumbild, merkwürdig genug, wie für eine so nahe, bekannte stelle doch eigentlich schon geschichtliche sprachkenntnis nötig ist: wie ein gebild aus himmelshöhn ... sieht er die jungfrau vor sich stehn. Schiller 77
b (
glocke).
dazu traumgebilde, wahngebilde, phantasiegebilde, schattengebilde, wundergebilde, zaubergebilde
u. ä. 2@bb) gebilde
der natur, gottes, des weltgeistes u. a., mit gen. in dem das subj. zu bilden
sich versteckt: gebildet (
πεπλασμενοι) um und an, und unser gebilde (
πλασμα) form von regenden lebenskräften des obersten bildners. Herder
plastik 1778
s. 89,
von der körperbildung des menschen (
das werk ist aber in der hauptsache um 10
jahr älter); das schöne gebilde. 87; dasz sie (
die natur) mit dem menschen die werkstätte schlosz und ihre gebilde, die sie im boden des meeres mit dem reichsten überflusz angefangen hatte, jetzt in der erlesensten sparsamkeit vollführte. Herder
ideen 10, 2 (10, 150
H.),
nach dem anfangen, vollführen
zugleich ein bilden
als handlung einschlieszend; wo also zuerst lebendiges gebilde entstand, war im wasser. 10, 1 (10, 146); weil weder zu ihrem (
der thiere) gebilde der stoff noch zu ihrem unterhalt nahrung bereitet war.
das. (
s. 147),
völlig zugleich wie bildung,
als aufgabe und handlung, oder passivisch; deren windungen ... sich diesz regelmäszige gebilde (
des schneckenhauses) formten. 3, 4 (9, 118); der keim ist schon im gebilde, und wo dieses ist, musz eine organische kraft sein, die es bildet. 3, 2 (9, 108); unser körperliches gebilde. 9, 1 (10, 108); so wird die menschengeschichte zuletzt ein schauplatz von verwandlungen, den nur der übersieht, der selbst alle diese gebilde durchhaucht und sich in allen freut und fühlt. 7, 1 (10, 40); als ich in mitten solcher starren menge (
gebeine) unschätzbar herrlich ein gebild gewahrte ... die gottgedachte spur, die sich erhalten! Göthe 23, 285
fg., von Schillers schädel; jene hand, die gern und milde sich bewegte wolzuthun, das gegliederte gebilde, alles ist ein andres nun. 1, 133; seh ich perlen, so denk ich an dich, bei jeglichem ringe kommt mir der länglichen hand schönes gebild' in den sinn. 1, 301 (
Al. u. Dora); eine solche (
urpflanze) musz es doch geben! woran würde ich sonst erkennen, dasz dieses oder jenes gebilde eine pflanze sei, wenn sie nicht alle nach éinem muster gebildet wären? 2, 150,
aus Palermo apr. 1787 (Herders
ideen erschienen seit 1784); glaubte ich der natur abgemerkt zu haben, wie sie gesetzlich zu werke gehe, um lebendiges gebild, als muster alles künstlichen, hervorzubringen. 58, 116 (
morphol.).
in diesem sinne ist es ein wort der wissenschaft geworden, mit formation
wol wechselnd, aber nicht ersetzt dadurch, denn ihm wohnt mehr der begriff der geheimen gesetzlichen naturwirkung inne, es ist mehr innerlich, das lat. wort mehr äuszerlich; die naturwissenschaft macht reichen gebrauch davon, steingebilde, eisgebilde, krystallgebilde, meergebilde
u. s. w., und auch staatengebilde, sprachgebilde
u. ä. ist mehr naturwissenschaftlich gedacht. 2@cc)
der begriff, vielseitig wie bild,
wendet sich zuweilen nach gewissen seiten, vorzugsweise die art der bildung z. b. ist mehr im folg. gemeint: unser körperliches gebilde. Herder
ideen 9, 1; Lavater ... in anerkennung dasz muskel- und hautgestalt .. von dem entschiedenen inneren knochengebilde durchaus abhängen müsse. Göthe 30, 246; wie sich nun das gebilde der nagethiere hin und her wiegt und keine gränzen zu kennen scheint ... 55, 322,
ihre bildungsform im werden gedacht, im '
sich bilden'.
und zurückgreifend zu dem begriffe urbild, typus, die reine urform, vom stoffe abgesehen: gleich darauf ein folgender trieb, sich erhebend, erneuet, knoten auf knoten gethürmt, immer das erste gebild. zwar nicht immer das gleiche, denn mannichfaltig erzeugt sich ausgebildet, du siehsts, immer das folgende blatt. Göthe 1, 327,
in der metamorphose der pflanzen, vgl. vorher vorbild (urbild 3, 97),
dem eben das weitere bilden treu bleibt. ähnlich und zugleich noch anders in gegensatz zu misbildung, misgebilde: überhaupt finden wir, dasz die misbildung sich immer wieder zum gebilde hinneigt, dasz die natur keine regel hat, von der sie nicht eine ausnahme machen, keine ausnahme macht, die sie nicht wieder zur regel zurückführen könnte. 58, 161. 2@dd) gebilde
der kunst (
vgl. Göthe 58, 116
vorhin): alle ersten zeichnungen der kinder sind gebilde auch auf dem papier, nachäffungen des ganzen lebendigen dinges
u. s. w. Herder
plastik 100,
er versteht es da doch nur von der gestalt mit körperlicher rundung, vgl. unter gebildet 2; wo rohe kräfte sinnlos walten, da kann sich kein gebild gestalten. wenn sich die völker selbst befrein, da kann die wolfahrt nicht gedeihn. Schiller
ged. 1800 1, 108,
mit deutlichem anschlusz an b, nämlich so dasz auch diesz gebild
sich halb selber bildet aus geheimer naturkraft; denn die elemente hassen das gebild' der menschenhand. 1, 99; da erhuben sich götterbilde. 2, 35 (
die vier weltalter),
in den künstlern v. j. 1789
braucht er es noch nicht, obwol bildkraft, seelenbildende natur, urbild
u. ä.; ein zartes, nur aus pastellstaub zusammengelegtes gebilde (
die zarte Liane). J. Paul
Tit. 1, 131; daher die geheime kälte gegen wahrhaft-komische gebilde.
vorsch. der ästh. 1, 196; geist genug und gefühl in hundert einzelnen liedern streu' ich, wie duft im wind, oder wie perlen im gras. hätt' ich in éinem gebild es vereinigen können, ich wär' ein ganzer dichter, ich bin jetzt ein zersplitterter nur. Rückert
ges. ged. 2, 285.
dazu kunstgebilde, (Göthe 28, 62), dichtergebilde, hoch- und flachgebilde (Göthe 23, 27)
u. ä., vgl. mhd. hôchgebildet
unter gebildet 1,
b. s. auch feuergebilde. 2@ee)
aber auch von bildern, bildwerken als gesammtheit, collectivisch, wie gebirg, gethier
u. ä. (
vgl. unter 3,
a): womit wir .. dem alten freunde .. bestens danken, dasz er sowol durch text als gebild unsere wünsche und hoffnungen übertroffen. Göthe 55, 288 (
osteol., d' Altons faulthiere); sie enthielt zugleich manchen geschnitzten und gemahlten rest jenes älteren gottesdienstes, der mit mancherlei gebild und geräthschaft die verschiedenen feste zu bezeichnen .. wuszte. 17, 209 (
wahlv. 2, 2).
auch im naturwiss. sinne: im angesicht so vielerlei neuen und erneuten gebildes fiel mir die alte grille wieder ein, ob ich nicht unter dieser schaar (
pflanzen) die urpflanze entdecken könnte! Göthe 28, 150; wie natur im vielgebilde éinen gott nur offenbart. 3, 122. 22, 169 (
künstlerlied).
letzteres greift aber zugleich in gebilde
als fortgesetztes bilden über, wie folg.: der jetzige besitzer .. erlaubt seiner lust und leidenschaft zu misgestaltetem, abgeschmacktem gebilde den freiesten lauf. 28, 113 (
aus Palermo 9.
apr. 1787). 33)
im Rheinlande aber ist das wort im leben begründet, ohne zweifel aus alter zeit her, in einer bestimmten anwendung. 3@aa) gebild,
bildwerk in leinenem gewebe. bei Müller
u. Weitz
Aachner mundart 63
ist von einem weberbuche aus dem anfang des 17.
jahrh. die rede, das figurenmuster gibt und sich webergebildbuch
nennt; eben die muster, wonach gewebt wurde, hieszen gebild,
vgl. bildner II, 19
als muster, vorzeichnung für sticken, weben, glasmalen u. a., mhd. bildenære Lexer 1, 274, bildære
Helbl. 8, 209, Lambels
erz. u. schwänke s. 300.
auch gebilde
ist vermutlich in der alten kunstübung allgemein gewesen für bilderzierat und die vorzeichnung dazu, in der weberei zufällig bewahrt; die bedeutung ist offenbar collectivisch, wie ähnlich bei Göthe
u. 2,
e, der diesen gebrauch aus seiner heimat sicher kannte. 3@bb)
jetzt für leinwand überhaupt, wie sie bei tische gebraucht wird, damast u. ä., »gebild (gebeld)
am ganzen Niederrhein, tischtücher und servietten, tafeldamast, wegen der eingewebten würfel, blumen«
u. s. w. Aach. mundart 63,
vgl. mhd.: ein tischlachen wîʒ gevar, von bilden vil ahtbære.
ges. ab. 2, 151, 87; ich bin an der leinwandkammer durchgegangen, der flachs und das garn, das gebild, die wäsche und alle mögliche kramerei ist bis unter die decke gestopft. Immermann
Münchh. 1, 140; packen in leinwand, welche die ausstattung an gebild, betten, garn, wäsche und flachs enthielten. 3, 14; die wirthin .. deckte eine schneeweisze serviette vom feinsten gebilde auf den tisch. Hebel 3, 175 (1853 2, 183,
theures späszlein),
also auch am Oberrhein; tafelgedecke in gebild von 3-10 fl., handtücher in gebild von 9 kr. die elle. Schmeller 1
2, 235,
auf der Münchner dult ausgeboten (
es ist aber nicht bair., auch nicht schweiz.),
auch am Mittelrhein ganz üblich, in Frankfurt, Gieszen. in Limburg gebild,
damasten lijnwaad Schuermans 140
b.
aber nicht nl., es heiszt da pellen
n., gespr. pelle,
daher pelleweever
damastweber. 3@cc)
aber vielleicht steckt in diesem gebild
damast auch ein misverständnis, eine spätere auslegung. wenn der begriffsübergang vom bildwerk auf einem zeuge auf diesz zeug selber an sich bedenklich ist, so legt sich unter gebildet 1
die vermutung nahe, dasz das dort erscheinende gebildet tuch
im häufigsten gebrauche sich zu bloszem gebildet
kürzte, diesz aber natürlich seinerseits zu gebildt (
s. Fischart
unter gebildet 1,
b),
wie in nl. gebeeld;
M. Kramer 1719 2, 87
c schreibt auch noch so, wie man sicher früh sprach: gebild,
nl. gebeeld, gebildte leinwat, 1, 87
c gebildtes linnen, gebildtes tischtuch,
schon im 15.
jh. oberd. 'gepilcz',
d. i. gepilts,
ciclas Dief.
n. gl. 88
b (
s. unter gebildet 1).
es wäre also wie gebratens
als kürzung für gebratens fleisch,
wie gebackens (
s. d.), gekürnts
mit weglassung von silber (
s.körnen 4,
b),
wie ein glas einfaches
für einfaches bier,
und so vieles ähnliche, wo die natürliche ermüdung das weglassen von selbstverständlichem herbeiführt. das fehlen des neutralen -s
könnte nach dem im 15.
jh. vorherschenden gebildet tuch
nicht auffallen. allerdings gibt Frisch 1, 96
b auch von bild
an, bei den webern heisze so jedes gewebe das eine figur hat, daher bild weben, bildweber (Hebel 2, 208).