Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
gebende stn.
1. überhaupt alles, womit gebunden wird, sei es in eigentlichem oder bildlichem sinne. des helmes gebende wâren snüere sîdîn Parz. 443,22. an eime gebende truoc Parzivâl îwîn loup fürʒ ors Parz. 486,6. — namentlich
a. bande, in welchen der gefangene liegt. si muosen in daʒ gebende; in den charchâre man si warf, in daʒ gebente vile starch Genes. fdgr. 2,57,30. 63,17. er moht niht loufen drâte wand er gebende hâte an ietwederem beine Gregor. 3242. ze lœsn von ir gebenden W. Wh. 258,3. — frîlîche leben âne mannes gebende Maria 68. jâ frument mir deheiniu bant âne dîn gebende büchl. 1,1694. mir zimt kein gebende wan dîn werder umbevanc MS. 2,48. b. swer wænet daʒ ich durch gebende weil sie mich in so schweren banden hält lâʒe mînes herzen trût das. — tôt dîn slôʒ und dîn gebende bindet und besliuʒet Wigal. 7793. der touf der zem urteillîchen ende uns lœsen sol gebende Parz. 107,24. dâ (in der hölle) si angest unt nôt unt fiurîn gebende habent aneg. 4,43. die von der helle gebenden (es steht gewenden) uns lôsten Helbl. 7,1259.
b. die windeln, in die ein kind gewickelt wird. er dolte daʒ gebende von wîplîcher hende Maria 179.
2. besonders der mehr oder minder zierliche kopfschmuck, der von jungfrauen sowohl als von verheiratheten frauen getragen wurde, und den sie sich entweder selbst umlegten, oder der ihnen von andern händen umgelegt wurde. vgl. ich binde mir. s. auch Schmeller 1,180. dieser kopfputz war, nach wahl, geschmack, mode, sehr verschieden, hieß aber immer, sobald er aus mehr als einem schapel, d. h. einem kranze von natürlichen oder künstlichen blättern oder blumen bestand, gebende. so trägt die königin lsot ein schapel von klê âne gebende Trist. 17608; ein keiserlich gebende dagegen heißt was folgendermaßen beschrieben wird: diu magt truoc ein schapel... von golde und von sîden, ir zöpfe wârn gebunden, mit golde wol bewunden unz an des hâres ende Wigal. 866, und beinahe mit denselben worten wird dieses einfache gebende Wigal. 1742 beschrieben, und dann beigefügt deheiner slahte gebende fuort diu maget mêre. juncfrowen clâr. zwei schapel über blôʒiu hâr, blüemîn was ir gebende Parz. 232,17. ein schapel was ir gebende Parz. 426,28. der hof ze Wiene klagt gegen Walther nun hab ich weder schapel noch gebende noch frouwen zeinem tanze Walther 25,9. dô wart vil michel flîʒen von schœnen frouwen getân mit wæte und mit gebende Nib. 262,1. sehs und ahzec vrouwen sach man für gân die gebende truogen Nib. 532,2. — Daß daʒ gebende als der vorzüglichste theil des putzes einer frau angesehen wurde, versteht sich von selbst, und als solcher wird er auch von den dichtern hervor gehoben: nû merkent wie den frowen ir gebende stât Walther 124,24. sô wê dir werlt, wie dirʒ gebende stât Walther 122,35. rîcheit unde ruom dîn zierlich gebende wirt vil ellende nâch des lîbes ende Wigal. 10302. die sach ich wîʒ gebende tragen, geflohten klein ze den enden. bî den gebenden sint die vrowen wol getân und stênt in wîplîchen an Helbl. 1,1176. Ausführliche beschreibungen der gebende darf man nicht erwarten, denn die sache selbst war allgemein bekannt, nur beiläufig wird einzelnes erwähnt. Isot, die weißhandige, trug gern ein frischeʒ bluomenkrenzelîn ûf dem gebende sîdîn, wie es ihr auch von rechtswegen zukam H. Trist. 3765. Isot, die blonde, trug ein gebende mit edelsteinen durchwieret und gezieret, und über diesem eine goldene krone mit kostbaren steinen H. Trist. 4505. Anderes müssen alte bilder anschaulich machen; auf einiges läßt sich aus einzelnen andeutungen schließen. Dahin gehört erstlich: das haar am hinterkopfe wurde, wenigstens nach der mode einer gewissen zeit, durch das gebende ûf gebunden. jâ hœre ich gerne von ir guotiu mære, diu ir val hâr ûf gebunden hât, bî îr manegiu hin zer kirchen gât, diu ir swarzen nac vil hôhe blecken lât. ich wæne daʒ gebende unglîche stât Walther 111,18. manic nacke dâ schein hâres blôʒ Türl. Wh. 152. b. (also auch schon damals bedachte die modenärrin nicht 'was jene kleidet, kleidet darum nicht auch dich'). — Zweitens: ein theil des gebendes lief unter dem kinne hin, und bedeckte die wangen. Orgelûs hete mit ir hende underm kinne daʒ gebende hin ûfeʒ houbet geleit vorn in die höhe geschlagen. kampfbæriu lide treit ein wîp die man vindet sô: diu wær vil lîhte eins schimpfes vrô Parz. 515,2. wenn daher ein kuß empfangen werden sollte, muste das gebende aufgerückt werden. man sach dâ schappel rucken mit wîʒen henden dan dâ si sich kusten beide (die noch unvermählten fürstinnen) Nib. 544,3. als Kriemhilt von Etzel empfangen wird, ûf ructes ir gebende Nib. 1291,1. daʒ gebende er von dem munde ir brach, und kuste die minneclîchen. als sich diu keiserinne habe enblœʒet, sô sult ir abe den sloyr tuon und küssen si Türl. Wh. 130. b. 131. a. Wütende verzweiflung verschont nicht haar noch gebende sone sparten ir hende daʒ har noch daʒ gebende Iw. 57. dô zarten ir gebende die frouwen vor leide. mit gezartem gebende, mit zefuortem hâre Wigal. 3047. 4882.
3. wîplîcheʒ gebende hieß die art von gebende, in welchem eine neu vermählte (eine brût) den morgen nach dem beilager erschien. die junge frau bant ir houbet oder eine andere bant si, und erklärte dadurch öffentlich, daß sie nun nicht mehr dem kreise der jungfrauen angehöre, sondern dem kreise der frauen. si wolt daʒ schappel lâʒen und von im tragen wîplîcheʒ gebende Tit. 10,80. — Condwiramurs, obgleich sie als magetbæriu brût an Parzivals seite gelegen hatte, des morgens si ir houbet bant Parz. 202,25. Karsie legt ihrer tochter des morgens nach der brautnacht rîchiu kleider an, als si beste mohte hân, und bant si nach der briute site H. Trist. 850 oder, wie Ulrich erzählt, Îsôt slouf in wîplich gewant: ir houbet si vil schône bant durch den gewonlîchen site weil es einmal so hergebracht war, daß die junge frau den andern morgen so erschien U. Trist. 312.
4. gelweʒ gebende war, wenigstens zu Bertolds zeit, eben so verdächtig als schminken und malen, und zog den namen einer gilwerîn nach sich Bert. 19. 401. 5. hôh gebende snêvar (turbane) tragen die heiden W. Wh. 20,23.