flattern ,
alis plaudere, volitare, den flug versuchen, erheben, erst schwach fliegen, ags. flotrian,
engl. flutter,
ahd. und auch mhd. noch nicht aufzuzeigen, man müste denn das sp. 1729
angeführte 'sunder flater'
heranziehen. altn. flaðra,
blanditiis fallere, schw. fladdra
volitare, vgl. fr. flatter
und flotter,
s. flieszen 8.
einige schreiben fladern
und fladdern.
wie volitare
aus volare
erwächst, möchte man bei flattern
an fliegen
denken, dessen formen doch nicht in fla
übertreten. zunächst aber liegt flittern,
das zu flattern
steht wie knittern
zu knattern, gitter
zu gatter, flickern
zu flackern, flirzen
zu flarzen, flimmern
zu flammern
und fluttern,
bei Frisius 1403
b, Maaler 138
c. 139
a, fludern, flüdern, pfludern
bei Stalder 1, 384
neben flodern.
auch Stieler 493
stellt fladeren, flederen, flattern, flottern, fluttern
nebeneinander. man vergleiche plaudern und ahd. flôdar (= fluodar) fluor (Graff 3, 754),
so wie die mhd. reime blôdern : flôdern
im weinschwelg 230.
bei Frommann 4, 353
heiszt es: 'der knabe flätert (
plaudert) sein platt wie eine mühle',
das flattern
in der luft gleicht dem plätschern
im wasser. flittern, flattern, fluttern
nöthigen nicht zu bedenklichem flitten flatt flutten,
sondern können, wie schon Weigand 1, 345
vermutet, hervorgegangen sein aus flëdan
oder flëtan,
praet. flat,
dessen pl. uo
haben mochte, wie trëtan, trat, truodun
für trâtun,
so dasz sich höher aufwärts ein goth. fludan, flad, flôdun (
GDS. 848)
folgern und der schlüssel für flôdus,
ahd. fluot
gewinnen liesze. die vorstellungen flieszen und fliegen berühren sich genug. jenes fluttern
schiene demnach aus flôdern, fluodern
verderbt, oder enthielte das alte u
des praesens. durch eingeschaltetes n
entspringt flandern (
sp. 1722).
hätte sich die ahd. und mhd. sprache des wortes flattern
so oft bedient als die nhd., wären wir über die formen besser im reinen. auch im ags. engl. t
und tt
für d. vgl. fledermaus. 11) flattern
von feuer, licht, blitz: flocken oder fladern als das feuer hin und her zitteren,
crepitare. voc. 1482 i 1
a; das feuer fladert zum dach hinaus. Stieler 493; die flammen flattern nicht, wenn ihnen scharfer wind und freie luft gebricht. Neumark
lustw. 154; und wankt der kerze flatternd licht: das ist mein geist, o zweifle nicht! Matthisson 206; eilt was ihr könnt die irrlichter aufzusuchen, es ist noch zu hell sie zu sehen, aber vielleicht hört ihr sie lachen und flattern. Göthe 15, 241.
hierher gehört flattergeist. wenn aber ein blitz in unser auge flatterte. J. P.
Hesp. 3, 121; dessen zersplitterte blitze an den fenstern und an der stubendecke flatterten. 3, 188; die güsse des lichts flatterten immer breiter.
Fixlein 138. 22)
von luft, wind, wasser: der tag brütete die frische nachtluft seiner seele zu einem schwülen flattern des südwindes
an. J. P.
Hesp. 3, 144; der laue flatternde äther des frühlings. 3, 231; ein abendlüftchen flatterte in den lindenblättern. 4, 73; als die töne immer leiser flatterten. 3, 75; flatterndes getöne von Aeolharfen. 4, 190; wie der schlagende punct des räderthiers im flatternden wasserkügelchen des bergstroms schwimmt. 1, 168; Liane stand hinter dem flatternden wasser (
der fontaine).
Tit. 2, 15. 33) flattern
in luft oder wasser: die kleinen diebe aber, so kaum zehn groschen stelen, die müssen flattern. Luther 4, 527
b; der schatten dieses groszen menschen stand gleichsam an die nacht geworfen flatternd und aufgerichtet vor ihm. J. P.
Hesp. 1, 73; eine zeitlang flattert die seele am boden, aber bald schwebt sie aufwärts. Bettine
br. 2, 309; denn andre sind flatternde schatten.
Od. 10, 495, die übrigen schwirren als schatten (Uschner),
τοὶ δὲ σκιαὶ ἀίσσουσιν
. sahe etliche creaturen im wasser herum fladern.
Simpl. K. 741. 44)
vorzugsweise von vögeln und insecten: der zum erstenmal ausfliegende nestling flattert,
schlägt noch unsicher mit seinen flügeln; die arme taube flattert unter den krallen des habichts; der rabe mit fladdern und kratzen verhinderte. Kirchhof
wendunm. 25
a; in des papillons gestalt flattrich. Göthe 1, 56; es flattert um die quelle die wechselnde libelle. 1, 69; da rasselt, da flattert und sträubet es sich, wie gegen den falken die taube. Bürger 60
b; und es entstürzte dem nest jählings vor entsetzen der eule noch schwach flatternde brut, dasz der flaum an den balken umher flog. Mörike
Martin s. 137; es badet und badet was krabbelt und kriecht! es badet und badet was flattert und fliegt! Kl. Schmidt
kom. dicht. 145; die freude mit flatterndem gefieder läszt sich auf seinem vorhaupt nieder. 210;
vgl.flügelflatterschlag. bringet rosse erauf, wie fladdernde kefer.
Jer. 51, 27; fladernde käfer,
bruchi crepitantes. Stieler 493; und so flatter ich denn mit ziemlich abgestäubten schmetterlingschwingen im unabsehlichen tempel. J. P.
Hesp. 3, 118; da flattert der menschenzweifalter auf und nieder.
ebenda; die ältesten gefühle flattern unter den nachtschmetterlingen.
flegelj. 1, 57.
vgl.flatterer, flatterling,
flattersche. 55)
von bäumen, kränzen, bändern, wimpeln, gewand und haar: flattert drüber (
über dem grabe) hängebirken, dämpft den tag umher durch laub. Salis 127; juchheisa, ihr fiedler, zum lustigen tanz! mir schweben die füsze, mir flattert der kranz! Bürger 35
b; schwebt unsre fahne noch? 'hoch flattert sie'. Schiller 484
b; hierauf nahm er die kränze herab und gab sie dem mädchen nächst zur hand, auch die flatternden bänder. Mörike
Martin 19; tuch aufspannen, doch so stark dasz es auch nicht fladdert. Kirchhof
mil. disc. 104; dein flatterndes gewand wie unumwölkter himmel flog um die schulter her. Karschin
ged. 121; und wo die haare lieblich flattern, um menschenstirnen freundlich wehn, da sieht man schlangen hier und nattern die giftgeschwollnen bäuche blähn. Schiller 58
b; o du mein härlein, mein gelbes härlein wirst nicht mehr flattern im wehnden winde. Göthe 11, 117; die losen enden flattern windbewegt. ... 66)
von kräutern und wurzeln, die sich über den erdboden rankend erstrecken, spreiten, darauf fortkriechen (
wie flechten 2): die wurzel (
des riedgrases) fladert und kreucht im grund mit vilen zaselen. Bock
kräuterb. 537; ein knöpfechte, kriechende wurzel, die da hin und her in der erden fladert und kreucht, wie der hopfen und quecken. 315; fladert mehr auf der erden, dann das es uber sich zu wachsen begeret. 846; die wurzel (
des mespelbaums) fladert weit umb sich. Lonicerus 28
a; das gröszer riedgras hat eine kriechende und fladernde, zasechtige wurzel. Tabernaem. 525; die wurzel der wegdistel fladert im erdreich weit um sich. 1080; die wurzel disz gewechs ist an gestalt uneben mit vilen angehenkten beiwurzeln oder zeserlein fladernder und zerspreiter weis begabt. Thurneisser
infl. wirk. aller erdg. 3; quinquefolium vulgare überkommt eine lange dunkelbraune wurzel, sie ist nicht dick, fladert hin und wieder mit ihren nebenwürzlein. Hohberg 3, 1, 438
a; die wurzel (
von der weiszwurz) fladert auf dem grund. 453
a.
schade dasz die heutigen botaniker des so bezeichnenden wortes sich enthalten. 77)
merkwürdig ist die anwendung auf ein feierliches, gleichsam fliegendes, im gewande prangendes gericht gegenüber dem kahlen, blutten (2, 194): so mein frauw wil ir geding han gefladert, so soll sie es gebieten vor sant Verenen miss siben nacht. wil sie es han blutt, so soll sie es siben nacht darnach gebieten.
weisth. 4, 58 (
a. 1394). 88)
abstractionen: wenn sie den text hetten angesehen und nicht darüber hin gefladdert, wie itzt unser blinden leser uber die schrift fladdern. Luther 5, 394
b; aber das sie (
die vernunft) wil aus dem haus oder fürstenthum mit iren gedanken fliegen und in das götlich wesen fladdern und davon urteilen, reimet sich ubel. 6, 64
b; hie sind uns erst genomen und gewehret die klugen gedanken, damit die vernunft gen himel fladdert und gott in der majestät suchet und forschet, wie er im himel regiere. 6, 67
a; die andern werden fladdern nach hohen dingen.
tischr. 288
b; die welt aber nimpt gott in ir nit war, rauscht und fladert mit dem gedön der creaturen immer zu onmüszig für über, darum weisz sie nichts, sie hört nicht, darumb lert sie nichts, geht die weil in tausend unnützen künsten umb, grübelt, sucht und lert immer zu. Frank
lob des götlichen worts 156
a; zwischen teutsch und fremd hin und her fladdernde worte. Leibnitz
ged. von der deutschen spr. 96; woher kömmt uns gelassenen, ernsten Deutschen die flatternde ungeduld? Lessing 7, 73; Lottchen theilte die aufgestellten bauerkinder nach den köpfen ab und Fritze und Luischen gaben jedem seine bestimmte traube. nach diesem fröhlichen geschäfte flatterten sie zurück, stellten sich selbst mit unter die arbeiter und halfen mit (
trauben) lesen. Weisze
kinderfr. 9, 45; stets ist jünglingen ja ihr herz voll flatterndes leichtsinns.
Il. 3, 109; insgemein auch flattern der jüngern männer gemüther. Bürger 207
b; denn der jünglinge sinn ist unstät immer. Uschner; verhülle mit dem schwarzen mantel mir das wilde blut, das in den wangen flattert, hood my unmannd blood, bating in my cheeks, with thy black mantle.
Romeo 3, 2,
wo unmanned
und bating
von dem falken entnommen sind: an unmanned hawk is one that is not brought to endure company. bating is fluttering with the wings as striving to fly away. Steevens.
das phänomen der flatternden herzen
erklärt in Doves
opt. studien s. 182. Chariton, wiewol eine frau, doch griechischschlank, flatterte neben Liane fort. J. P.
Tit. 2, 63; frohe töne, nach denen söhne und töchter um den kurzen abend flattern (
unterm maibaum tanzen).
biogr. bel. 1, 183; alle augen liefen jetzt der läuferin nach und flatterten mit ihr durch das helldunkel des abends in den pfarrgarten.
Hesp. 1, 55; eine röthelzeichnung seiner und ihrer dahin geflatterten freudentage im pfarrgarten. 2, 235; nur auf dem derben stamme der individuation flattert die blüte des ideals.
aesth. 3, 18. flatternder sinn,
wie flattersinn.
s.aufflattern,
entflattern, herflattern, hinflattern, nachflattern, umflattern, verflattern, zerflattern, zuflattern.