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flattern

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

flattern

Bd. 3, Sp. 1731
flattern , alis plaudere, volitare, den flug versuchen, erheben, erst schwach fliegen, ags. flotrian, engl. flutter, ahd. und auch mhd. noch nicht aufzuzeigen, man müste denn das sp. 1729 angeführte 'sunder flater' heranziehen. altn. flaðra, blanditiis fallere, schw. fladdra volitare, vgl. fr. flatter und flotter, s. flieszen 8. einige schreiben fladern und fladdern. wie volitare aus volare erwächst, möchte man bei flattern an fliegen denken, dessen formen doch nicht in fla übertreten. zunächst aber liegt flittern, das zu flattern steht wie knittern zu knattern, gitter zu gatter, flickern zu flackern, flirzen zu flarzen, flimmern zu flammern und fluttern, bei Frisius 1403b, Maaler 138c. 139a, fludern, flüdern, pfludern bei Stalder 1, 384 neben flodern. auch Stieler 493 stellt fladeren, flederen, flattern, flottern, fluttern nebeneinander. man vergleiche plaudern und ahd. flôdar (= fluodar) fluor (Graff 3, 754), so wie die mhd. reime blôdern : flôdern im weinschwelg 230. bei Frommann 4, 353 heiszt es: 'der knabe flätert (plaudert) sein platt wie eine mühle', das flattern in der luft gleicht dem plätschern im wasser. flittern, flattern, fluttern nöthigen nicht zu bedenklichem flitten flatt flutten, sondern können, wie schon Weigand 1, 345 vermutet, hervorgegangen sein aus flëdan oder flëtan, praet. flat, dessen pl. uo haben mochte, wie trëtan, trat, truodun für trâtun, so dasz sich höher aufwärts ein goth. fludan, flad, flôdun (GDS. 848) folgern und der schlüssel für flôdus, ahd. fluot gewinnen liesze. die vorstellungen flieszen und fliegen berühren sich genug. jenes fluttern schiene demnach aus flôdern, fluodern verderbt, oder enthielte das alte u des praesens. durch eingeschaltetes n entspringt flandern (sp. 1722). hätte sich die ahd. und mhd. sprache des wortes flattern so oft bedient als die nhd., wären wir über die formen besser im reinen. auch im ags. engl. t und tt für d. vgl. fledermaus. 11) flattern von feuer, licht, blitz: flocken oder fladern als das feuer hin und her zitteren, crepitare. voc. 1482 i 1a; das feuer fladert zum dach hinaus. Stieler 493; die flammen flattern nicht, wenn ihnen scharfer wind und freie luft gebricht. Neumark lustw. 154; und wankt der kerze flatternd licht: das ist mein geist, o zweifle nicht! Matthisson 206; eilt was ihr könnt die irrlichter aufzusuchen, es ist noch zu hell sie zu sehen, aber vielleicht hört ihr sie lachen und flattern. Göthe 15, 241. hierher gehört flattergeist. wenn aber ein blitz in unser auge flatterte. J. P. Hesp. 3, 121; dessen zersplitterte blitze an den fenstern und an der stubendecke flatterten. 3, 188; die güsse des lichts flatterten immer breiter. Fixlein 138. 22) von luft, wind, wasser: der tag brütete die frische nachtluft seiner seele zu einem schwülen flattern des südwindes an. J. P. Hesp. 3, 144; der laue flatternde äther des frühlings. 3, 231; ein abendlüftchen flatterte in den lindenblättern. 4, 73; als die töne immer leiser flatterten. 3, 75; flatterndes getöne von Aeolharfen. 4, 190; wie der schlagende punct des räderthiers im flatternden wasserkügelchen des bergstroms schwimmt. 1, 168; Liane stand hinter dem flatternden wasser (der fontaine). Tit. 2, 15. 33) flattern in luft oder wasser: die kleinen diebe aber, so kaum zehn groschen stelen, die müssen flattern. Luther 4, 527b; der schatten dieses groszen menschen stand gleichsam an die nacht geworfen flatternd und aufgerichtet vor ihm. J. P. Hesp. 1, 73; eine zeitlang flattert die seele am boden, aber bald schwebt sie aufwärts. Bettine br. 2, 309; denn andre sind flatternde schatten. Od. 10, 495, die übrigen schwirren als schatten (Uschner), τοὶ δὲ σκιαὶ ἀίσσουσιν. sahe etliche creaturen im wasser herum fladern. Simpl. K. 741. 44) vorzugsweise von vögeln und insecten: der zum erstenmal ausfliegende nestling flattert, schlägt noch unsicher mit seinen flügeln; die arme taube flattert unter den krallen des habichts; der rabe mit fladdern und kratzen verhinderte. Kirchhof wendunm. 25a; in des papillons gestalt flattrich. Göthe 1, 56; es flattert um die quelle die wechselnde libelle. 1, 69; da rasselt, da flattert und sträubet es sich, wie gegen den falken die taube. Bürger 60b; und es entstürzte dem nest jählings vor entsetzen der eule noch schwach flatternde brut, dasz der flaum an den balken umher flog. Mörike Martin s. 137; es badet und badet was krabbelt und kriecht! es badet und badet was flattert und fliegt! Kl. Schmidt kom. dicht. 145; die freude mit flatterndem gefieder läszt sich auf seinem vorhaupt nieder. 210; vgl.flügelflatterschlag. bringet rosse erauf, wie fladdernde kefer. Jer. 51, 27; fladernde käfer, bruchi crepitantes. Stieler 493; und so flatter ich denn mit ziemlich abgestäubten schmetterlingschwingen im unabsehlichen tempel. J. P. Hesp. 3, 118; da flattert der menschenzweifalter auf und nieder. ebenda; die ältesten gefühle flattern unter den nachtschmetterlingen. flegelj. 1, 57. vgl.flatterer, flatterling, flattersche. 55) von bäumen, kränzen, bändern, wimpeln, gewand und haar: flattert drüber (über dem grabe) hängebirken, dämpft den tag umher durch laub. Salis 127; juchheisa, ihr fiedler, zum lustigen tanz! mir schweben die füsze, mir flattert der kranz! Bürger 35b; schwebt unsre fahne noch? 'hoch flattert sie'. Schiller 484b; hierauf nahm er die kränze herab und gab sie dem mädchen nächst zur hand, auch die flatternden bänder. Mörike Martin 19; tuch aufspannen, doch so stark dasz es auch nicht fladdert. Kirchhof mil. disc. 104; dein flatterndes gewand wie unumwölkter himmel flog um die schulter her. Karschin ged. 121; und wo die haare lieblich flattern, um menschenstirnen freundlich wehn, da sieht man schlangen hier und nattern die giftgeschwollnen bäuche blähn. Schiller 58b; o du mein härlein, mein gelbes härlein wirst nicht mehr flattern im wehnden winde. Göthe 11, 117; die losen enden flattern windbewegt. ... 66) von kräutern und wurzeln, die sich über den erdboden rankend erstrecken, spreiten, darauf fortkriechen (wie flechten 2): die wurzel (des riedgrases) fladert und kreucht im grund mit vilen zaselen. Bock kräuterb. 537; ein knöpfechte, kriechende wurzel, die da hin und her in der erden fladert und kreucht, wie der hopfen und quecken. 315; fladert mehr auf der erden, dann das es uber sich zu wachsen begeret. 846; die wurzel (des mespelbaums) fladert weit umb sich. Lonicerus 28a; das gröszer riedgras hat eine kriechende und fladernde, zasechtige wurzel. Tabernaem. 525; die wurzel der wegdistel fladert im erdreich weit um sich. 1080; die wurzel disz gewechs ist an gestalt uneben mit vilen angehenkten beiwurzeln oder zeserlein fladernder und zerspreiter weis begabt. Thurneisser infl. wirk. aller erdg. 3; quinquefolium vulgare überkommt eine lange dunkelbraune wurzel, sie ist nicht dick, fladert hin und wieder mit ihren nebenwürzlein. Hohberg 3, 1, 438a; die wurzel (von der weiszwurz) fladert auf dem grund. 453a. schade dasz die heutigen botaniker des so bezeichnenden wortes sich enthalten. 77) merkwürdig ist die anwendung auf ein feierliches, gleichsam fliegendes, im gewande prangendes gericht gegenüber dem kahlen, blutten (2, 194): so mein frauw wil ir geding han gefladert, so soll sie es gebieten vor sant Verenen miss siben nacht. wil sie es han blutt, so soll sie es siben nacht darnach gebieten. weisth. 4, 58 (a. 1394). 88) abstractionen: wenn sie den text hetten angesehen und nicht darüber hin gefladdert, wie itzt unser blinden leser uber die schrift fladdern. Luther 5, 394b; aber das sie (die vernunft) wil aus dem haus oder fürstenthum mit iren gedanken fliegen und in das götlich wesen fladdern und davon urteilen, reimet sich ubel. 6, 64b; hie sind uns erst genomen und gewehret die klugen gedanken, damit die vernunft gen himel fladdert und gott in der majestät suchet und forschet, wie er im himel regiere. 6, 67a; die andern werden fladdern nach hohen dingen. tischr. 288b; die welt aber nimpt gott in ir nit war, rauscht und fladert mit dem gedön der creaturen immer zu onmüszig für über, darum weisz sie nichts, sie hört nicht, darumb lert sie nichts, geht die weil in tausend unnützen künsten umb, grübelt, sucht und lert immer zu. Frank lob des götlichen worts 156a; zwischen teutsch und fremd hin und her fladdernde worte. Leibnitz ged. von der deutschen spr. 96; woher kömmt uns gelassenen, ernsten Deutschen die flatternde ungeduld? Lessing 7, 73; Lottchen theilte die aufgestellten bauerkinder nach den köpfen ab und Fritze und Luischen gaben jedem seine bestimmte traube. nach diesem fröhlichen geschäfte flatterten sie zurück, stellten sich selbst mit unter die arbeiter und halfen mit (trauben) lesen. Weisze kinderfr. 9, 45; stets ist jünglingen ja ihr herz voll flatterndes leichtsinns. Il. 3, 109; insgemein auch flattern der jüngern männer gemüther. Bürger 207b; denn der jünglinge sinn ist unstät immer. Uschner; verhülle mit dem schwarzen mantel mir das wilde blut, das in den wangen flattert, hood my unmannd blood, bating in my cheeks, with thy black mantle. Romeo 3, 2, wo unmanned und bating von dem falken entnommen sind: an unmanned hawk is one that is not brought to endure company. bating is fluttering with the wings as striving to fly away. Steevens. das phänomen der flatternden herzen erklärt in Doves opt. studien s. 182. Chariton, wiewol eine frau, doch griechischschlank, flatterte neben Liane fort. J. P. Tit. 2, 63; frohe töne, nach denen söhne und töchter um den kurzen abend flattern (unterm maibaum tanzen). biogr. bel. 1, 183; alle augen liefen jetzt der läuferin nach und flatterten mit ihr durch das helldunkel des abends in den pfarrgarten. Hesp. 1, 55; eine röthelzeichnung seiner und ihrer dahin geflatterten freudentage im pfarrgarten. 2, 235; nur auf dem derben stamme der individuation flattert die blüte des ideals. aesth. 3, 18. flatternder sinn, wie flattersinn. s.aufflattern, entflattern, herflattern, hinflattern, nachflattern, umflattern, verflattern, zerflattern, zuflattern.
10037 Zeichen · 181 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Flattern

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Flattern , verb. reg. neutr. sich in der Luft hin und her bewegen von biegsamen Körpern. 1) Eigentlich; mit haben. So fl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    flattern

    Goethe-Wörterbuch

    flattern a sich mit schnellen Flügelschlägen (hin u her bzw fort-)bewegen, von Vögeln, Insekten, mythol Wesen; auch im V…

  3. modern
    Dialekt
    flattern

    Mecklenburgisches Wb. · +4 Parallelbelege

    flattern s. fladdern .

  4. Sprichwörter
    Flattern

    Wander (Sprichwörter)

    Flattern Was zum Flattern geboren ist, lernt nie ordentlich fliegen (gehen).

  5. Spezial
    Flattern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Flat|tern n. (-s) svatoré m. ▬ ständiges Flattern svatoramënt m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit flattern

14 Bildungen · 2 Erstglied · 7 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von flattern 2 Komponenten

flat+tern

flattern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

flattern‑ als Erstglied (2 von 2)

Flatternägeli

Idiotikon

Flatternägeli Band 4, Spalte 693 Flatternägeli 4,693

flattern als Zweitglied (7 von 7)

abflattern

DWB

abflattern , avolitare, davon flattern. der vogel, der leichtsinnige flattert ab. sich abflattern, fliegend ermüden.

anflattern

DWB

anflattern , advolitare: ich sehe die vögel anflattern; als die morgenluft wie ein flügel mich anflatterte. J. Paul Tit. 2, 59 ; soll dennoc…

aufflattern

DWB

auf·flattern

aufflattern , sursum volitare, nnl. opfladderen: die vögel sind aufgeflattert, auf und davon; drauszen flatterte schon leben auf. J. Paul fl…

ausflattern

DWB

aus·flattern

ausflattern , evolitare, ausfliegen. bildlich, das leichtsinnige mädchen flattert gern aus.

durchflattern

DWB

durch·flattern

durchflattern , pervolitare. 1 1. untrennbar. gleich dem tönenden vogel der nachts die gebirge durchflattert Voss Ilias 14, 290 . in den fol…

umflattern

DWB

umflattern , vb. , auch -fladern ( S. Franck sprüchw. [1541] 1, 148 a ; Abr. a s. Clara etw. f. alle 2, 415 ), -fladdern ( Hohberg georg. cu…

Zerflattern

Adelung

zer·flattern

Zerflattern , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, aus einander flattern, leicht aus einander fahren.

Ableitungen von flattern (5 von 5)

beflattern

RhWB

be-flattern: sich b. a. sich mit Flatter 1 a beschmutzen, von der Kuh Allg. — b. durch Rinderkot gehen u. sich beschmutzen Daun-Tettschd .

entflattern

DWB

entflattern , evolare : die raben entflattern der wüsten abtei und fliehn an den gattern des kirchhofs vorbei. Matthisson 168 ; zu schwarz u…

erflattern

DWB

erflattern , volitando contingere: der vogel erflatterte die spitze des dachs.

verflattern

DWB

verflattern , verb. 1 1) flatternd verschwinden, hinwegflattern, zusammensetzung zu flattern, unsicher sich hin und her, auf und nieder bewe…

Zerflattern

Adelung

Zerflattern , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, aus einander flattern, leicht aus einander fahren.