plaudern,
verb. ,
ein lautmalendes wort, entsprechend einem früheren plûdern (
s. dasselbe),
dessen û
aus älterem ô
verdumpft ist (Weinhold
alem. gramm. § 48,
bair. gramm. § 63),
s. blodern, plodern. 11)
intransitiv, gesprächig, traulich schwatzen, dann auch mit tadelndem nebensinne des albernen, ungehörigen schwatzens und klatschens oder des ausschwatzens von heimlichkeiten. 1@aa)
ohne weitere beziehung: ein grober ungezogen mensch plaudert unfürsichtiglich.
Sir. 20, 21; ihr steht da, und plaudert! Schiller 2, 88 (
räuber, schausp. 2, 3); albern, wie ein stuzer plaudern. 1, 213; ich bin wol recht gut, dasz ich sie plaudern lasse. Kotzebue
dram. sp. 3, 209; wenn du gesprächig wirst, wie ich, die ich heute wie unsere elstern plaudere. Gutzkow
ritter4 9, 7 (
vgl. d).
Substantivisch das plaudern: und ob schon sunst schweigt jederman, so fang du doch ein plaudern
an. Scheidt
Grob. 3705; dein plaudern ist manchmal recht ärgerlich. Lessing 1, 445; aus dunkeln plaudern (
Breslauer hs. nach dunkler plauder) wird er schlieszen. 1, 79
var., Muncker; Mephist. auf! oder ihr seid verloren. unnützes zagen, zaudern und plaudern! Göthe 12, 246; verzeiht einmal dem raschen wort und so verzeiht dem plaudern. 3, 242; doch das sind heimlichkeiten, die das plaudern durchaus nicht leiden können. Schiller 5, 1, 13 (
don Carlos 1, 1); (
ich vernahm) ein plaudern und ein flüstern, wie wenn die liebe wacht. Uhland (1879) 2, 140. 1@bb)
mit einer präpositionellen fügung: er plaudert mit bösen worten wider uns.
3 Joh. 10 (mit ubeln worten klaffent wider uns.
cod. Tepl.); schreien und plaudern in das volk. Luther 4, 487
a. 506
a; davon die heillosen sophisten plaudern.
tischr. 78
a; meinst du .., ich hätte dich darum erwählt, um einen zu haben, von dem ich in mein gedicht plaudern kann! Schiller 1, 56; die weisheit wäre also eine waschhafte mäcklerin, die ... geschmeidig in jene laune plaudert. 2, 351; der ... plauderte mit allen was nur ein ohr hatte, immer die reihe herum. Engel 1, 90; ein paar alte weiber, die immer zusammengehockt und ein zischeln und plaudern mit einander gehabt hätten. Immermann
Münchh. 2, 236; nebenbei zu plaudern über die üblichen gegenstände. Gotthelf
schuldenb. (1854) 17. 1@cc)
mit temporalem accusativ: wenn er (
markt- und lügenprediger) also über eine halbe stunde geplaudert.
pers. rosenth. 8, 67
anm.; ich habe noch ein viertelstündtgen zu blaudern. Elis. Charl. (1877) 44; ich kan doch noch ein viertelstündtgen blauttern. (1874) 343. 1@dd)
von thierischen oder andern naturlauten: und sich lassen also bethören, dasz sie des wolfes plaudern hören.
ganskönig H 3
a; ich hörte die schwalben in ihrem nestchen plaudern. Bettine
tageb. 49; wie flattern die weste durch plaudernde äste.
F. Müller 2, 388; schlaffes fähnlein, ... flattre, plaudre! Lenau (1880) 2, 203;
das knistern des halbseidnen zeuges beim appretieren. Jacobsson 3, 269
a. 22)
transitiv. 2@aa)
mit sächlichem objecte, gesprächig schwatzen, von etwas schwatzen, etwas ausschwatzen: die unnützen wescher plaudern das nichts zur sache dienet.
Sir. 21, 27; wer viel plaudert, der macht sich feindselig. 20, 8; las in .. viel wider gott plaudern.
Hiob 34, 37; aber ich bin zu klug worden und plauder zu viel. Luther 5, 484
a; er weisz nicht was er plaudert.
tischr. 74
a. 76
a; wer viel plaudert, lügt viel. Simrock
sprichw. 430; des bloszen lästerns wegen habe ich so viel nicht geplaudert. Lessing 1, 244; das gift der plauderei ist, nichts zu plaudern. 1, 107; ich plaudre da ein langes und breites, und weisz selbst nicht, wozu? Engel
L. Stark 226; und gehorsam wären knechte, sie plauderten nicht (
schwazten nicht von) menschenrechte. Claudius 6 (1797) 87; still! du könntest mir's eben ablauschen, und ich plauderte alles. Klinger
theater 2, 350; die mutter — die dummheit selbst — hat mir in der einfalt zuviel geplaudert. Schiller 3, 376 (
kabale 1, 5); ha! ist es wahr? was tausendzüngiges gerücht vom Ida bis zum Hämus hat geplaudert? 1, 319; was ist nicht alles dort geträtscht, geplaudert worden! 13, 424 (
Turandot 3, 6); aber voll verstellung plaudert deine zunge das und diesz. Platen 2, 41. plaudern von, über: unangesehen, das sie mit dem maul viel von Christo plaudern. Luther 5, 138
a; das nicht solche lerer aufkommen, die da viel waschen und plaudern können vom gesetz. 6, 35
a. 140
b.
tischr. 136
b; sie kann ein wenig von gelehrsamkeit und wohl gar verse plaudern. Rabener 5, 178; über ein ding wird viel geplaudert, viel berathen und lange gezaudert. Göthe 2, 247.
mit dativ der person: es möchten kundschafter .. in der gegend horchen und es dem könig plaudern. Schiller 5, 2, 223 (
don Carlos 2, 7). 2@bb)
mit persönlichem objecte, durch schwatzen, beschwatzen wozu bringen: ein affe, den der fuchs in den korb geplaudert, und indessen die eier verzehret.
F. Müller
Faust 37, 21;
Julia zu Fiesko. wohin haben sie mein verwahrlostes herz geplaudert? Schiller 3, 123 (
Fiesko 4, 12); einen zu boden plaudern,
im plaudern übertreffen, durch plaudern zum schweigen bringen (
vgl. niederreden): Taylor sprach beständig und liesz keinen zu worte kommen, worüber Hagedorn ungeduldig wurde und das nächstemal einen gewissen mann .. anstellte, ihn zu boden zu plaudern. Lessing 11, 298; wenn er einen nur nicht .. zu boden plauderte.
F. Müller 2, 278;
reflexiv, sich müde plaudern
u. dergl.