FLATTERN vb. (1)
frnhd. flattern.
etymologie unklar. partieller zusammenfall mit mhd. vlad(d)ern. (2)
in den übrigen germ. sprachen treten semantisch entsprechende verwandte bildungen auf, ohne daß die genauen lautverhältnisse und beeinflussungen im einzelnen geklärt sind; so z. b. an. flaðdra;
me. flateren
ne. flatter
sowie seltenes mnd. vladdern
und nnl. vladderen. (3)
zum zusammenhang mit ablautenden bildungen wie flittern vb. oder zu bildungen mit wechsel im stammauslaut wie flackern vb. vgl. Lieberman
in: general linguistics 30(1990)92ff. 1
(sich) unruhig bewegen. a
im wind wehen, hin und her schlagen. bis in die 1. hälfte des 17. jhs. selten: ⟨1477⟩ das kobertz durch eynander ghalt/ von syden eyn zendell swartz vnd roit,/ vnden an dem helme adelicht gefladert Wameshaft
hodoeporicon 2319 B. 1533 si
(wahrsagerinnen) warn parfueß und parschenk, liessen ir grâbs hâr flattern Turmair
4,1, 151 ak. 1600 wo man hin sach wars alls voll zelt,/ vnd fladerten durchs weite feldt/ viel tausend fehnlein nah und fern Fuchs
mückenkrieg 268 G. 1669 so bald ers
(schiff) am wasser herauf steigen sahe, .. gab er von dem ufer mit einem flattrenden weissen tuch das zeichen seines begehrens Stockfleth
Macarie 60. 1749 gereizt vom frühling der liebe/ durchstreichen muthige rösse den wald mit flatternden mähnen Kleist
w. 1,192 S. 1795 ihre ganze kopfbedeckung ist ein grobes, um den kopf gewundenes tuch, dessen spitze zwischen den schultern flattert
F. Schulz
Liefländer 1,69. ⟨1836⟩ auch helme, helmkappen und mützen .. sind durchgängig gelb angegeben
(auf vasen); so auch in den bekleidungen das flatternde gewand des Myrtilus Gerhard
abh. (1866)1,97. ⟨1883⟩ nur er wußte, wie leicht bei der schwachen luftströmung das segel flattern .. konnte Storm
ausgew. w. 3,312 H. ⟨1904⟩ unsere wäsche flattert lustig im winde Modersohn‐B.
br. [1949]250 G. 1974 vor dem verkäufer auf einem pult flatterten die zeitungen unter schweren, schwarzen eisengewichten Roth
horizont 194. 2000 flaggen mit der aufschrift ‘Kraków 2000’ flattern im wind
zeit 31,69. –
vom wind umher getragen werden; zu boden schweben: 1789 die zerrissenen stücke rauschgold flattern einzeln auf der verlassenen spur Goethe
I 32,258 W. ⟨1821⟩ der rose blätter fallen ab, und flattern durch den äther Platen
3,84 K./P. ⟨1888⟩ und in den weltraum stürzte wie ein blatt,/ das von dem baume flattert, sturmesmatt,/ der mond Hart
ges. w. 1,116 H. ⟨1931⟩ die bänder des großmütterlichen kapotthuts .. waren aus der schleife geglitten und flatterten zu boden Carossa
(1949)2,496. 1993 ein paar fotos aus gemeinsamen tagen flatterten als schnipsel in den papierkorb
frankf. allg. ztg. 108, T1. b
sich unbeständig, ziellos bewegen, unstet umherschweifen; häufig bildlich von gedanken u. dgl.: 1527 ich kenne solche geister wol, .. wie sie schlipfern, hin und her fladdern und nuͤr ursache suchen Luther
w. 23,209 W. ⟨1591⟩ die prister
(sollen) sich erlich und pristerlich und nicht leichtfertig vergnugt, fladernde oder ergerlich verhalden
schles. kirchenordn. 66 J./Sch. ⟨v1608⟩ als ob wir mit vnsern gedancken vber die materialischen himmel fladdern sollen vnnd daselbst Christum suchen Nicolai
t. schr. (1617)2,502a. 1657 ein zu untugenden verleitetes, flatterndes unbeständiges gemüt bedarf .. keiner geringen arzenei als die begierde gewesen, dadurch er angesteket worden ist Grottnitz
Tacitus 230. 1711 solche wanckelmüthige .. sind .. wie ein flatternder irrwisch Cober
cabinet-prediger 223. ⟨1767⟩ es flatterte, von alt und jung begafft,/ .. ein bürgermädchen in der nachbarschaft Lessing
1,177 L./M. 1840 wir sehn von hellem kerzenglanz umflossen/ sie
(sorge) flattern an des prunksaals goldnen decken Geibel
ged. 136. 1885 sie fühlte, daß sie ohne halt und stütze, ohne waffen gegen die thörichten triebe der eigenen seele von einem beginnen zum andern durch die stunden flattere Ebers
Serapis 116. 1904 eine erinnerung flatterte durch sein gedächtnis Wildenbruch
ges. w. 4,160 L. 1979 zum beispiel würden die wenigsten leute ihr halbes dasein von frau zu frau oder mann zu mann flattern, ehe sie sich in der stabilität der ehe niederließen
gött. tagebl. 34,Gött. 2001 fotografen sind wie schmetterlinge. sie flattern von bild zu bild, aber sie arbeiten nicht
zeit 14,56. c
heftig mit den flügeln schlagen; taumelnd fliegen: 1531 wann er
(adler) an den hirsch hin will, .. sitzt
(er) dem hirsch zwischen die horn, flattert biß er yhn erplent Franck
zeytb. 121a. 1587 es ließ sich sehen, als wann ob dem circkel ein greiff oder drach schwebet, vnd flatterte
volksb. Faust 215 HND. 1618 die prosopoperi
(der ruhm-narren), die ist gleich einer ganß auß Romaegna, die durch den lufft flattert Messerschmid
spital 93. 1671 verlangest du aber lebendige mücken vorzustellen, so bestreiche den spiegelbort mit honig, sihe da werden dir die schatten .. hin und wieder kriechender und fladrender mücken an die wand geworffen
Schott, magia 404. 1710 wann sie
(fisch-habichte) ihren flug wieder beginnen, flattern sie das wasser mit solcher gewalt aus den flügeln, daß es als ein kleiner nebel sieht Vischer
Oldmixon, America 400. 1770 in des papillons gestalt/ flattr’ ich, nach den letzten zügen,/ zu den vielgeliebten stellen Goethe
I 1,51 W. 1845 während wohl alle andern urweltlichen amphibien auf das wasser .. angewiesen zu sein scheinen, wird der ornithocephalus im stande gewesen sein, mit seiner flughaut flatternd auch in der luft sich zu halten A. Wagner
urwelt 199. ⟨1865⟩ und wolken sengt der brand wie schmetterlinge,/ die unvorsichtig flattern um das licht Hamerling
s. w. 3,105 R. ⟨1936⟩ nun sah ich .. das verängstigte umherhüpfen, mühsam ungeschickte flattern eines noch nicht flüggen, nestentfallenen vogeljungen Zuckmayer
ges. w. (1960)2,108. 1994 einige fledermäuse flattern ebenfalls emsig von blüte zu blüte und sorgen für deren bestäubung
frankf. allg. ztg. 136,N3. d
(sich) hektisch, unregelmäßig bewegen; zucken. bis ins 19. jh. selten: 1692 wenn die augen hin und her flattern, bedeutet ein unrühiges gemüth Ingeber
chiromantia 132. 1714 der kopff
(des löwen im wappen) wird im durchschnitt oder profil vorgestellt, .. mit ausgeschlagener, flatternder oder gelffender zunge Trier
wapen-kunst 153. ⟨1765⟩ dein blick ist unstet, deine augen flattern Abbt
verm. w. (1768)1,60. 1867 unser entzücktes herz schlug und flatterte wie ein betrunkener schmetterling Raabe
7,12 H. ⟨1913⟩ der puls flatterte, die finger waren kalt und blau Carossa
(1949) 1,138. 1994 unter druck flattern in solchen situationen selbst den besten die nerven
frankf. allg. ztg. 171,24. 2
flackern, leuchten. nach dem 19. jh. selten: 1482 flocken oder flatern als das feuer hinundher zitteren. crepitare
voc. theut. i1a. 1548 als nun das feur auffgieng .., verbrant das weich holtz schnel hinweg mit hefftigem flatern Ryff
architectur 88a. 1608 obwol der cometen schwantz bissweilen fladert, .. so ist er drumb kein flamme Kepler
7,27 F. 1657 die flammen flattern nicht,/ wenn ihnen scharfer wind und freie luft gebricht Neumark
lustwald 2,250. 1700 da erblickten sie ein starckes flatterendes liecht Ettner
apotecker 190. 1752
(er) schreckt mit eitler wuth, und doch nicht ohne frucht,/ die er, durch flatternd gold, umsonst zu blenden sucht Wieland
natur 29. ⟨1814⟩ sie schlummert ..,/ und auf den wangen flattert träum’risch feuer Eichendorff
gesamtausg. 1,192 B./G. 1894 vorbei an flatternden kometen dring’ ich/ bis in des raumes fernste höhn und tiefen Schack
episteln 162. ⟨1931⟩ drüben schießen sie nur selten noch eine ängstlich flatternde leuchtkugel aus dem ziehenden dampf .. hinaus Zöberlein
glaube (1934)555. 1978 die helle brust
(des wiesels) schwankt im licht, flimmert und flattert im licht Boesch
kiosk 237. 2000 in den aufzügen von Merrill Lynch in New York flattern aktienkurse über den bildschirm
zeit 8,28. 3
kriechen, ranken. von pflanzen und ihren wurzeln. selten: 1539 das kraut .. fladert auff der erden hin vnd wider Bock
kreütterb. 1,23a. 1588 das erst vnd groͤsser geschlecht dieses krauts hat ein lange, schwartze vnnd hin wider fladernde zacechtige wurtzel Tabernaemontanus
kreuterb. 1,463b. 1682 die wurtzen fladdern gantz flach in der erden und greiffen nicht tieff ein Hohberg
georgica 1,627b. 1715 sie
(feldbohne) hat einstheils grade, theils fladerende, mit vielen zaseren behangte wurtzel Muralt
lustgarte 341.Bartels