EIFERN vb. (1)
herkunft unsicher. vielleicht zu ahd. eibar, eivar
adj. ‘scharf, bitter, leidenschaftlich’,
das wohl zusammen mit ae. āfor
an idg. *ā̆i- ‘
brennen, leuchten’ anschließt (vgl. efer adj.).
die im 15. und 16. jh. bezeugten al. ī-
formen bei eifern
und seiner sippe könnten der im al. seit dem 14. jh. vereinzelt nachweisbaren ersetzung des alten ei
durch ī (Weinhold
al. gramm. 42)
entsprechen. die monophthongischen formen in den nd. mdaa. wären dann umsetzungen hd. ei-
formen, nachdem eifer
m. und eifern
vb. unter dem einfluß der lutherbibel aus dem hd. ins nd. (īver
m., īveren
vb.)
und ebenso ins nl. (ijver
m., ijveren
vb.),
dän. (iver
subst., ivre
vb.)
und schwed. (iver
subst., ivra
vb.)
gelangt sind. (2) eifern
ist seit 1411 bezeugt, doch setzt die schon 1349/50 nachweisbare abl. eiferer
m. die existenz des verbs bereits für das 14. jh. voraus. im zusammenhang mit der ausbreitung von eifer
m., eifern
vb. und ihrer sippe durch die lutherbibel wird das jüngere eifer
m. nun als ausgangswort für die ganze sippe verstanden, es wirkt damit auch auf das verb in seinen bedeutungen 2
und 3
zurück. 1
eifersüchtig, mißgünstig sein. a
im erotischen bereich eifersüchtig sein gegenüber einem partner oder rivalen. von personen, gelegentlich auch von tieren. vereinzelt mit akkusativobjekt, oft mit präpositionalem ausdruck zur angabe desjenigen, dem gegenüber sich jmd. eifersüchtig verhält: ⟨1411⟩ auch ist ain unterschaid des / zwischen eifern und arkwan Vintler
3658 Z. ⟨1432/3⟩ wan es ist dreyer lay lieb: .. die erst ist ain yferende lieb Ingold
17 Sch. 1523/6 do eyn nun dißen muͤnich hat, yhene eyn andern, dan eyfert eyne die andern, wan eyner zwo hat Eberlin
3,33 HND. 1593 wann jhr sie
(eure ehefrau) vnns nicht also weiset, daß man jhre schoͤnheit alle sehen kan, so woͤllen wir darfür halten jr eifert darmit Noyse
hofmann 215a. 1663
(männliche) thiere, so die gemeinschafft anderer mit ihren geißen (ziegen) nicht eifern
Pallavicino, außerles. w. 325. 1673 wer hat euch gerissen / aus unsrer feinde macht? schier solt’ ich eifren müssen, / daß mir ein andrer ist hierin gekommen für! Anton U. v. Braunschweig
Aramena (1669)5,317. 1782 eifert ein einziger ehmann weniger, weil der mohr von Venedig sich so tragisch übereilte? Schiller
20,80 nat. 1823 der teufel hohle ihn, wenn er etwa die keckheit hätte, mit ihr neuerdings anzubandeln. .. ja, ich eifre noch, denn ich hab mein weib gern Bäuerle
theater (1820)5,1,23. –
von gott, der keine anderen götter neben sich duldet: 1432/8
(gott) eifert man und freuelein, / auch alle creatur, / er wil der liebst gehalden sein / in seiner höchsten kur Oswald v. Wolkenstein
1,67 ATB. u1475 wann ich bins der herr dein got .. vnd ein ewferender liebhaber
(ex. 20,5) 1. dt. bibel 3,286 LV. b
außerhalb des erotischen. neidisch, mißgünstig sein: 1514 ich hab geeyfert über die boͤsen
(ps. 72,3) plenarium 94b. 1522 die halstarrigen juden eyfferten
(var. 1530 ff.: neideten) vnnd namen zu sich etliche boßhafftige menner pubel volcks (
apostelgesch. 17,5) Luther
bibel 6,486 W. ⟨v1683⟩ hätte Alexander über den siegen seines vaters geeifert; so hätte Julius über dem glücke des Sylla geseufzet Lohenstein
Arminius (1689)1,135a. –
wetteifern, rivalisieren: 1598 zween guette meistersenger vnnd harffenisten, eifferten zwar auch der kunst halben hartt wider einander Spangenberg
musica 78 LV. 1752 itzt eiferten sie, wer den andern / .. errettet Bodmer
Noah 309. 1762 alle gegenstände
(erscheinen auf einem gemälde) mit einer solchen haltung und vortheilhaften beleuchtung, die mit der natur selbst eifert Hagedorn
mahlerey 2,767. 1825 manch edler eifert mit den troubadours Grillparzer
I 3,58 S. 1912 die stadt in Brandenburg
(Berlin) schlägt den rekord, wenn sie so fortfährt, eifernd mit Paris Essig
Napoleon 146. 1916 drei kleine mädels .. haschen sich und eifern, wer die meisten
(blumen) findet
kriegsbr. gefall. studenten 289 W. 2
entsprechend eifer
m. 2.
häufig mit präpositionalem ausdruck. auch substantiviert. a
sich ernsthaft bemühen, etwas anstreben, eifrig sein (
auch mit auf, nach, zu, um, an): 1522 eyffert aber nach den besten gaben
(1. Kor. 12,31) Luther
bibel 7,122 W. 1533 Pinehas .., der eiuerte jnn gottes furcht
(Sir. 45,28) ebd. 12,274 W. 1619 lieben söhne, eyffert vmb das gesetze
Garzoni, schauwplatz 134a. 1657 je mehr ich mich bemüht den friden zu erjagen: / je mehr seyd ihr bemüht mein eyvern außzuschlagen Gryphius
Carolus 63 P. 1790 deßwegen eiferten die alten mönche und ihre unweise anhänger so sehr auf die wiederherstellung der klosterstudien
font. rer. austr. II 74,164. 1870 sehet zu, daß ihr viel arbeitet, eifert darum und setzt alle kraft daran Uhlhorn
pred. sonntage 1,164. 1901 das religiöse triebleben war zur ausschliesslichen herrschaft erwacht .. müssiggang, asketische kraftproben, egoistische schwärmerei, eifern nach geistern stellten sich ein Wernle
anfänge 161. 1931 immer fehlte noch eine kleinigkeit
(an der vollkommenheit eines gemäldes), der mann eiferte und suchte danach Blunck
sprung 110. 1974 unser kleiner kybernetiker studierte die auskünfte seines computers. zum erstenmal sah ich ihn mir näher an, seine kleine gestalt mit dem großen kopf, die schmalen, nervösen, eifernden finger Wolf
Linden 152. mit direktem objekt oder mit infinitiv, auch substantiviert: 1523 darumb ich nit me schweigen mag, vß sunderm yffern der eer gottes Gebwyler
beschirmung 2a. ⟨1633⟩ daß .. euer l. dadurch desto mehr eifern sollen, ein gute und kurtze resolution, den secours .. betreffende zunehmen
acta publica 4,289b L. 1822 man eiferte, ihm in gedichten, kupferstichen, münzen ec. seine ehrfurcht zu erkennen zu geben Wagenseil
Augsb. (1819) 4,2,399. 1906 und alles eiferte, das vögelein zu herzen Spitteler
2,525 B. –
jmdn. zu etwas drängen: 1634 nun eifert mich die böhmisch kron / zu halten bei der union
dreißigj. krieg 334 O./C. etwas vorantreiben: 1661 ein solches memorial, .. die herren oberräthe haben mir versprochen, dass sie es sehr eifern .. wollen
urk. u. actenstücke Friedrich W. v. Brandenburg 15,601. b
engagiert stellung beziehen (
auch mit für,
älter auch mit vor, über, auf) 1673 unsern sprachhelden, die so ernstlich für ihr vatterland eyffern Grimmelshausen
simpliciana 205 Sch. 1785 lehrer des christenthums .., höret endlich einmahl auf, auf kanzeln und vor altären, nur über die reinigkeit der lehre zu eifern Sintenis
pred. 1,89. 1798 die rathauslaube widerhallte von dem vermengten rufen und eifern der mitglieder der regierung
darst. unruhen Zür. 180 H. 1925 wir eiferten für die sache unseres vaterlandes, wenn auch oft mit unverstand Horstmann
erinn. 97. 1970 ich fühlte eine eifernde sympathie für diese menschen, die unmenschlichkeit in maulwurfsgänge verbannt hatte Hagelstange
alleingang 156. 3
entsprechend eifer
m. 3.
sich erregen; oft mit präpositionalem ausdruck. auch substantiviert. a
zornig sein, sich streiten: 1528
(gott sagt,) das er nicht aus hass und feindschafft sey zornig gewest uber Jerusalem, sondern habe als ein vater geeyvert und aus liebe gezuͤrnet Luther
w. 23,517 W. 1664 was wollet ihr viel zürnen und deßwegen mit eurem getreuen knecht eyffern, demselben noch viel lose wort geben Rihlmann
staats-sachen 180. ⟨1690⟩ die göttliche gerechtigkeit
(hat) dieses so eyffrenden reichs-feindes unbilliges vorhaben gnädiglich verhütet
grosser herren reden 136 L. 1758
(Abraham,) der um den brunnen, den er sich gegraben hatte, mit Abimelech eiferte Hamann
1,156 N. 1952 warum stürzte nicht einer hinaus und hielt den rasenden, eifernden dort zurück ..? Ziesel
Daniel (Freib., Frankf.) 167. refl.: 1665 dieser
(Emilianus) eiferte sich darüber
(über ein korruptes gerichtsverfahren) heftig Bucholtz
Herkuliskus 74a. 1700 er sahe, wie ich mich eiferte, daß die patienten nicht gehorchen wolten Ettner
apotecker 126. b
heftig schimpfen, seinen unmut äußern: 1640 wie dann h. Ristius offtmals hefftig darüber
(schlechte verse) eyfert, sonderlich in der vorrede seines poetischen lustgartens Zesen
Helicon 1, A 7b. 1699
(ob sie) auff die im schwange gehenden sünden gebührends eyfern?
staat Ophir 178. ⟨1741⟩ mit schelten und eifern gegen diese und jene theile der gelersamkeit Baumgarten
schr. (1743) 1,242. 1811 als aber Bertalda nur immer noch ungestümer wüthete, als die verstoßenen aeltern laut zu heulen anfingen, und die gesellschaft sich streitend und eifernd in verschiedene parten theilte Fouqué
Undine (1816)84. 1825 man hat genugsam darüber geeifert, daß Deutschland mit fremden waaren überschwemmt .. werde
br. über demagogie 191. 1955 mit einer von kulturwerten befleckten sphäre hat es der kulturkritiker .. zu tun, auch wenn er gegen die verschacherung der kultur eifert Adorno
prismen (1969)12. mit kasusobjekt oder mit satzförmiger ergänzung: 1840 da hätte die frau Hotz wieder etwas zu eifern Keller
leben 2,23 E. 1963 der grobe taschenlose menonit Simon Beister eiferte, der katholizismus bekomme den Maternschen nicht Grass
hundejahre 2162. refl.: ⟨1767⟩ du eiferst dich ja ganz aus dem athen
in: Lessing
10,24 L./M. 4 eifern
begegnet älter in einigen bedeutungen des lautlich ähnlichen äfern
vb. a
etwas wiederholen, wieder tun (sagen); vgl. äfern
vb. 1 a 1480 wenn czwene meister etwas vnwillens zcu eynander gehabt hetten .. wer esz denn darnach dem andern in argk vorhube ader eyfferte .. der ..
qu.- u. urkb. Teplitz-Schönau 268 M. 1533
(die pfarrer sollen) dasselbe
(übles gerede) uf der canzel nicht eifern
ev. kirchenordn. 1,190 S. ⟨1616⟩ daß sie auf ungebotenen und gebotenen gerichtstagen die fragen zu eiferen
(haben) weist. Rheinprovinz 2,1,144. b
etwas rächen, beanstanden; vgl. äfern
vb. 3 ⟨1538⟩ das mans jo nicht wider ruret, sonnder wir habens genug geeiffert
(nachschr.) Luther
tischreden 3,657 W. 1560
(ich schwöre,) das ich .. dem erbarn hochweisen rathe vnd gemeine der stad zu
N. .. nimmermehr in argen oder vnguten gedencken, eiffern, anten oder rechenen .. wil Machholth
formular 92b. 1602 wann die keyserliche räthe .. dies ewer fürgeben vielmehr alß eine hohe iniurien eiffern werden Accurssius
erleuterung 148. n1689 als wird der fiscalis .. alle solche .. sünden und laster wieder die verbrecher selbst gerichtlich eyfern
lieffländ. landes ordn. (Riga o.j.) J 2a. 1778 daß er
(ehemann) sich von seinem weibe raufen ließ, und solches nicht gebührender weise eifert’ oder klagt’ Musäus
reisen 2,191.Rahnenführer