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drängen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

drängen

Bd. 2, Sp. 1336
drängen , dringen mit verstärkter bedeutung, mit gewalt, mit heftigkeit forttreiben, drücken, urgere, premere, angere, violenter cogere, ahd. drangôn Graff 5, 262, mhd. drangen Ben. 1, 396a, niederl. bedrangen Teutonista 79a, engl. throng, altnord. þrengja, n. tränge, schwed. tränga. eine andere wurzel hat das gothische gleichbedeutende þreihan. nicht drängen nur dringen zeigt sich im altsächsischen, niederd., ags. und niederl. im mhd. ist es selten, auch findet es sich nicht bei Dasypod., Schönsleder, bei dem Wolkensteiner und Suchenwirt; der Vocab. predicantium übersetzt urgere durch tringen f iiij. doch Maaler führt 406c trengen an und Fries 1054, auch Luther gebraucht es nicht selten, dringen drengen als gleichbedeutend bei Henisch 752, drängen bei Stieler 337. Frisch 1, 207a. Steinbach 1, 299. der umlaut erscheint zuerst im 14ten jahrhundert. so man den wolf nennet, so er zu drenget Wackernagel Leseb. 835, 17. es steht allein oder in verbindung mit einer präposition, einem adverbium, oder es folgt ein nachsatz. 11. intransitiv. 1@aa. eigentlich. ein jeder fragt und drängt und eilt, die fidel stockt, der tänzer weilt Göthe 12, 57. er mit streben, drängen, drücken, arme straff, gekrümmt den rücken 41, 13. da freut uns jeder, wie er schiebt und drängt, und mann für mann der säle raum verengt 41, 269. und mit ungewissem fechten drängen sie nach ihrer rechten 41, 278. wie drängend voll mags jetzt in Pyrmont sein! Schiller 27. 1@bb. uneigentlich, die zeit drängt, ich musz forteilen. die not, die gefahr drängt zu einer entscheidung. Demetrius drängt in ihn sich deutlicher zu erklären Schiller 678b. 22. transitiv. 2@aa. in eigentlichem sinn. man drängte ihn zur seite, an die wand. die brandung drängte das schiff an den felsen. das pferd drängte ihn an die mauer. eine welle drängt die andere. die schuhe drängen mich sind zu eng Stalder 1, 297. und haben die flüchtigen bei dem thor dermaszen einander getrenget dasz sie in die graben hinein gefallen sein Götz v. Berlichingens lebensbeschreib. 57. wie du den schwarm der freier hinwegdrängst aus dem palaste. Voss Odyss. 1, 271. gern überschreit ich die gränze mit breiter kreide gezogen, macht sie Bottegha das kind, drängt sie mich artig zurück. Göthe 1, 360. den sohn zur schwarzen pforte des Aïs drängend 4, 350. ach kann ich nie ein stündchen ruhig dir am busen hängen und brust an brust und seel in seele drängen? 12, 183. drängt ungesäumt von diesen mauern jetzt Menelas dem meer zurück 41, 222. schneebälle die er alle in seiner hand gedrückt und gedrängt hatte Hippel Lebensl. 4, 412. sie machte sich die orangerie zu nutze und drängte ihr beseeltes angesicht in die pomeranzenblüten J. Paul Hesperus 1, 606. der Grieche befreit ihn von der jungfrau (Amazone) die ihn drängte. Heinr. v. Kleist 1, 27. 2@bb. uneigentlich. heftig antreiben, die kinder drängten den vater ihren wunsch zu erfüllen. leidenschaft drängt ihn zu dem äuszersten. einen von seiner meinung trengen oder stoszen Maaler 406c. einen trengen, zwingen facere necessitatem alicui 406c. wie bedrängen, bedrücken, belästigen, unterdrücken, zwängen, in not versetzen. werdet ir aber die einwoner des landes nicht vertreiben fur ewrem angesicht, so werden euch die so ir uberbleiben laszt, zu dornen werden in ewren augen und zu stachel in ewrn seiten und werden euch drengen auf dem lande, da ir innen wonet 4 Mos. 33, 55. in der angst und not damit dich dein feind drengen wird 5 Mos. 28, 53. 55. 57. das es (mein volk) die kinder der bosheit nicht mehr drengen wie vorhin 2 Samuel 7, 10. darumb verwarf der herr allen samen Israel und drenget sie und gab sie in die hände der räuber 2 Könige 17, 20. und laszt über sie regirn einen heuchler das volk zu drengen Hiob 34, 30. warumb mus ich so traurig gehen, wenn mein feind mich drenget Psalm 42, 10. dein grim drücket mich und drengest mich mit allen deinen fluten 88, 8. der schlaf trengt mich und thuot mir vil zu leid Maaler 407a. wie hart wir jetzt getrenget sein von dem Jabin H. Sachs 3. 1, 32d. dieweil der herr das guot, das ist die freiheit, den burgern genommen hat, sie also trengt und pfrengt nach seinem willen Petr. 75b. was drängst du mich viel? quid arctas me? Steinbach 1, 299. die feinde sehr drängen hostes acrius premere das. eine gedrängte erklärung abgenötigte Opitz. die seele spricht, und wie soll ich anders thun in der langen marterhöhle, in dem kerker meiner freiheit, in dem leibe der mich drängt, und mich bei vergebnem weinen fast bis zur verzweiflung kränkt? Günther 845. unser volles gedrängtes herz will indesz zerspringen Dusch. jede klage scheint mein gedrängtes herz zu entlasten ders. dränget regen den wandrer, wie ist uns des ländlichen daches schirm willkommen! wie sanft ruht sichs in finsterer nacht! Göthe 1, 370. ist es nicht staub was diese hohe wand aus hundert fächern mir verenget: der trödel der mit tausendfachem tand in dieser mottenwelt mich dränget? Göthe 12, 41. mir wird so eng! die mauernpfeiler befangen mich! das gewölbe drängt mich! 12, 201. wir gebrauchen gedrängt auch für bündig, kurzgefaszt, gedrängte rede, schreibart, übersicht. 33. reflexiv. a. eigentlich. er drängt sich durch das volk. die menschen drängen sich haufenweis aus dem thor. die blüte drängt sich aus der knospe. die kinder drängten sich um den vater. und da die eselin den engel des herrn sahe, drenget sie sich an die wand 4 Mos. 22, 25. sich zur arbeit drängen certatim ad opus currere Steinbach 1, 299. im lindenthal drängt sich in kreisen, vom dach der zweige bedeckt, die wollenherde um stämme. Ewald v. Kleist 31. jeder kleine knabe, der schiffer, der höker, der bettler drängt sich (herbei) und freut sich bei dir dasz er ein kind ist wie du Göthe 1, 361. in dickichtsschauer drängt sich das rauhe wild 2, 65. lieblicher als alles dieses habe stäts vor augen wie sich kleiner gabe dürftge hand so hübsch entgegen dränget, zierlich dankbar was du reichst empfänget 5, 68. sie drängen sich, so gut sie können, zwischen die übrigen wagen hinein 29, 250. als man bei hofe vernahm es komme Reineke wirklich, drängte sich jeder heraus, ihn zu sehn, die groszen und kleinen. 40, 59. also durch wagen sich drängend, durch menschen und thiere. 40, 285. ja delphine drängen gleitend zu der schaar sich, der bewegten 40, 421. wie in engen winterklausen bienen um den honigseim drängen wir uns dicht und schmausen so behaglich und geheim Voss 4, 151. aber die welle entführet der strom, durch die glänzende strasze drängt eine andre sich schon, schnell wie die erste zu fliehn. Schiller 89b. strasze die, wie der Rhein, sich durch grünende felsen voll epheu drängte J. Paul Titan 2, 49. b. uneigentlich. die gedanken drängten sich in seinem kopf. das glück drängte sich ihm entgegen. ha! Ihr wiszt nicht wie viel fester ich nun mich an euch drengen werde Lessing 2, 249. wenn der innere kummer sich bis zu den verschlossenen lippen drängt Dusch. mein busen drängt sich nach ihm hin Göthe 12, 178. anmaszung zu tadeln, sagt man er drängt sich überall ein, er drängt sich in das vertrauen seiner bekannten. die freier drängten sich nach dem mädchen. gnädiger herr, ich halte es in allen fällen für unanständig sich zu seinem fürsten zu drengen Lessing 2, 180. schnell auf einander folgen, die ereignisse drängen sich. denn wer gestern und heut in diesen tagen gelebt hat, hat schon jahre gelebt, so drängen sich alle geschichten. Göthe 40, 287. es drängt sich aber so viel zusammen dasz ich kaum einen augenblick finde dir dies zu schreiben ders. an frau v. Stein. 44. unpersönlich. es drängt mich dir das geheimnis mitzutheilen. mich drängts den grundtext aufzuschlagen Göthe 12, 65. tauchen dann hervor die sterne, drängt es mächtig mich hinan Uhland Ged. 77. es drängt mich ich spüre stuhlzwang Stalder 1, 297. s. dringen n. 55. s.abdrängen. andrängen. aufdrängen. ausdrängen. bedrängen. durchdrängen. eindrängen. hindrängen. nachdrängen. verdrängen. vordrängen. wegdrängen.
7996 Zeichen · 166 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Drängen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Drängen , verb. reg. act. drücken, doch gemeiniglich nur, so fern der Druck von der Seite geschiehet, den Ort eines ande…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    drängen

    Goethe-Wörterbuch

    drängen rund 660 Belege, davon zwei Drittel im literar Werk 1 trans (auch absol) a jdn od etw (mit Heftigkeit, Anstrengu…

  3. modern
    Dialekt
    drängen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    dränge n [traə K. Z. ; træə Wh. ] drängen. Ich ha b s Dränge n gor griserli ch ori g g e het Stuhlbeschwerden Ingenh.

  4. Sprichwörter
    Drängen

    Wander (Sprichwörter)

    Drängen 1. Wenn's einen drängt, dann platzt es. – Frischbier, 132. 2. Sich drängen, wie der Furz im Jahrmarkt. ( Königsb…

  5. Spezial
    Drängen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Drän|gen n. (-s) 1 (Drängeln) presciun (-s) f. 2 sburlamënt (-nc) m. 3 (wiederholte Aufforderung) presciun (-s) f. , ins…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit draengen

16 Bildungen · 0 Erstglied · 12 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von draengen 2 Komponenten

draen+gen

draengen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

draengen als Zweitglied (12 von 12)

abdrängen

DWB

abdrängen , deprimere, mit gewalt nehmen: meinten die schanz uns abzudrengen. H. Sachs. die thräne, die ihr dem auge des unschuldigen abdrän…

andrängen

DWB

andran·gen

andrängen , premere, urgere: einen an die wand andrängen; die hunde drängten sich schmeichelnd an; der lästige mensch drängt sich auf den sp…

aufdrängen

DWB

auf·draengen

aufdrängen , urgere, comprimere, empor drängen: die thür mit gewalt aufdrängen; ich fand das nicht in der welt und so fuhren diese gefühle i…

ausdrängen

DWB

aus·draengen

ausdrängen , hervordrängen, cogere: durch die thäler drängte sich noch das lichtscheue schwarze erdthier der nacht aus und bäumte sich auf g…

Bedrängen

Adelung

bed·raengen

Bedrängen , verb. reg. act. sehr drängen, in der figürlichen Bedeutung dieses Verbi, Kummer, Gram verursachen. Ein bedrängtes Gemüth. Meine …

durchdrängen

DWB

durch·draengen

durchdrängen . ein haufe menschen stand vor dem thor, aber er hat sich durchgedrängt. uneigentlich, weil nun in des jünglings lage dieser ka…

eindrängen

DWB

ein·draengen

eindrängen , intrudere, schw. intränga, dän. indtränge: ich hätte nicht an die stelle der achtung, die sie verdiente, eine neigung eindränge…

Hervordrängen

Campe

hervor·draengen

Hervordrängen , v. I) trs . aus einem hintern Orte vorwärts herdrängen. Uneigentlich, aus einem engen Raume zum Vorschein kommen lassen. Es …

verdrängen

DWB

ver·draengen

verdrängen , verb. durch drängen hinwegbewegen. das einfache drängen im mhd. nur selten nachgewiesen, die zusammensetzung sowol im mhd. wie …

vordrängen

DWB

vord·raengen

vordrängen , verb. , erst von Adelung verzeichnet. 1 1) transitiv, vorwärts nach vorn drängen: jemanden v. Adelung ; der trans. gebrauch lie…

zudrängen

DWB

zudrängen , v. 1 1) selten in loser zusammensetzung. zu ist dann richtungsadv., trans. und intr.: biete .. deinen scharfsinn auf, mich .. de…

Ableitungen von draengen (4 von 4)

Bedrängen

Adelung

Bedrängen , verb. reg. act. sehr drängen, in der figürlichen Bedeutung dieses Verbi, Kummer, Gram verursachen. Ein bedrängtes Gemüth. Meine …

entdrängen

DWB

entdrängen , acriter removere: der noth entdrängen; immer noch entdrängen bilder aus den vorgen tagen die freude, die aus deinen augen strah…

verdrängen

DWB

verdrängen , verb. durch drängen hinwegbewegen. das einfache drängen im mhd. nur selten nachgewiesen, die zusammensetzung sowol im mhd. wie …

zerdrängen

DWB

zerdrängen , verb. , auseinanderdrängen: wie durch der janitscharen glieder die scheuchen hengste wiehernd sprengen und selbst ihr eigen vol…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „draengen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/draengen/dwb?formid=D04155
MLA
Cotta, Marcel. „draengen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/draengen/dwb?formid=D04155. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „draengen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/draengen/dwb?formid=D04155.
BibTeX
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