DRÄNGEN vb. ahd. trenchen (Notker
1,2,224 ATB),
mhd. mnd. drengen.
kausativum zu dringen
vb. schwaches vb. I. das part. prät. gedrängt
ist früh, das part. präs. drängend
erst jünger lexikalisiert. in den mdaa., mit ausnahme des bair., breit bezeugt. –
der mhd. und frnhd. wortgebrauch ist durch die rechtssprachlich motivierte bedeutung B
gekennzeichnet in der mitte des 18. jhs. nimmt die verwendungsfrequenz des wortes, vor allem im zweiwertigen gebrauch unter F,
stark zu. A
einen gegenstand in etwas hineinstecken. nur sporadisch bezeugt; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung. 1
zuerst von abstrakten gegenständen: v1022 ipsam enim medię ueritatis notam. mente fixisti. tû habest ten mittelôsten stupf tero uuârheite in dîn herza getrenchet Notker
1,2,224 ATB. 2
von konkreten gegenständen: u1235 dô sach man Alexandern / den koph als ê den andern / in sînen buosem drengen Rudolf v. Ems
Alexander 6479 LV. B
in älterer rechtssprache oder unter ihrem einfluß. von einer position des rechts oder der stärke aus druck, zwang ausüben, um vorteile, leistungen u. dgl. zu erreichen. 1
jmdn. in seinen rechten beeinträchtigen, ihn mit rechtsforderungen bedrängen; zweiwertig mit akkusativobjekt: 1266
(wir) ensulnt in noch sine erben dvheinewiz vurbas drengen an deme vorgenanten guͦte zuͦ Lampertheim
corp. altdt. originalurk. 5,57 W. E14.jh. etzliche stede di understonden sere zu drengen di paffen, stifte unde clostere unde geistliche lude. von den hischen si sture unde gelt zu iren soldenern Elhen
limb. chr. 75 MGH. v1565 die obrigkeit druͤcket vnd drenget jre vnterthanen mit gottlosen vnd tyrannischen mandaten Mathesius
hist. Christi (1568)1,101a. 1811 wir haben Heinrichen schon bei der geschichte der burg Spatenberg näher kennen gelernt, und wissen von daher, warum er die Thüringer drückte und drängte, und wozu er sie durch krieg und gewalt zwingen wollte Gottschalck
ritterburgen (1810)2,226. 2
übertragen, mit nichtpersönlichem subjekt. bedrücken, quälen: E13./A14.jh. drîerleie betrüepnisse ist, daz den menschen rüeret und drenget in disem ellende meister Eckhart
dt. w. 5,8 Q. hs.u1400 do wart he bedroeuet van ouerigem lyden dat in inwendich drengde
Christi leiden 63 P. 1539 wenn sich das wetter wendet, anfechtung und not daher fellet und uns drenget
(bearbeitung) Luther
w. 46,104 W. 1675 unser hertz ist so eiffrig, wann es von der furcht der höllen gedrenget wird Scriver
seelen-schatz (1681)1/3,192. 3
gelegentlich einwertig; die bloße tätigkeit des bedrängens: 2.h14.jh. maniger stellt nach grozzem güt / in geitichait mit valschem müt, / .. er smaichet unde trenget Suchenwirt
21,108 P. 4
jmdn. aus einer position verdrängen, seltener jmdn. in eine solche nötigen; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: 14./15.jh. damit nieman von sinen fryheiten, .. wider sinen willen getrengt werde
rechtsqu. Bern I 1,212. u1450 die von Swytz wellten sy von ir stattrecht, gericht, sitten und guotten gewonheitten trengen Fründ
chr. 25 K. 1561 eß soll kein hoefer den andern an andere gericht, bussen den hoef, soviel als die hofsguter thun belangen, drengen oder ziehen
weist. Rheinprovinz 1,1,179. C
etwas nachdrücklich, auch ungeduldig, fordern, zu veranlassen oder zu erreichen versuchen. 1
jmdn. nachdrücklich zur durchführung einer handlung zu bewegen versuchen dreiwertig mit akkusativobjekt und präpositionalobjekt (zu)
oder infinitivsatz zur bezeichnung der geforderten handlung: E13./A14.jh. sô sie dich drengent zuo bekentnisse gotlîcher wârheit
dt. mystiker 2,665 P. 1468 wenn einer also ein jar amptmann ist, vnd man in nit erbitten mag, dass er das nachgende jar mer amptmann sye, so sol er nit darzu getrengt werden, dass fürer ze sinde
weist. 1,39 G. 1628 den die weiber den mennern selbst nachlauffen und mit gewaldt zur geilheit drängen Lubenau
reisen 2,241 S. 1789 drängt mich doch das volle herz sogleich zu sagen was ich lebhaft fühle Goethe
Tasso 1,6 ak. 1907 noch auf einem anderen wege wird die wissenschaft zu der annahme chemischer gleichgewichte zwischen entgegengesetzten reaktionen gedrängt Ostwald
prinzipien 476. 1968 presse und rundfunk drängen die politiker ständig, sich sofort zu den neuesten vorgängen zu äußern Dichgans
unbehagen 46. mit ellipse des akkusativobjekts: 1849 da .. das bedürfniß und der laute allgemeine wunsch zu aenderungen drängen
arch. gesetzgebung bundes-staaten 1848/9 1,180 R. 1943 hier lag das sachliche recht für den staatsmann Zwingli, zum kriege zu drängen Köhler
Zwingli 248. 2
jmdn. bedrängen, forderungen an ihn richten zweiwertig mit akkusativobjekt: 1755 ueberrede, treibe, dränge uns mit deinem geiste Cramer
samml. pred. (1758)1,257. 1800 ihr drängt mich sehr. ein solcher schritt will wohl bedacht sein Schiller
8,193 nat. 1973 Kollmann, den ich immer wieder drängte, beschwichtigte mich Grün
glatteis 137. –
mit nichtpersönlichem subjekt: 1781 uns drängten andere sorgen Voss
odüßee 207. 1924 ihr datum, mein lieber freund, drängt mich, und so nehm ich mich, für ein folgendes blatt, rasch zum nötigsten zusammen Rilke
br. 2,470 A. 3
einwertig; ungeduldig fordern auffordern: 1796 der knabe kommt wieder zurück, drängt, und ist zum tragen bey der hand, da Alexis sich selbst kaum nach dem schiffe tragen kann Goethe
IV 11,120 W. 1972 ‘los!’ drängte Marie Nossack
melodie 142. – mit nichtpersönlichem subjekt: 1800 drängt die not, dann kommt ihm seine stärke, seine klarheit Schiller
8,113 nat. 1968 wenn unser verlangen nach der deutschen einheit die stärke der drängenden sehnsucht hätte, die die haltung unserer urgroßväter im 19. jahrhundert bestimmte Dichgans
unbehagen 236. 4
sich genötigt, zu etwas veranlaßt sehen; zweiwertig mit infinitivsatz, unpersönlich: 1808 mich drängt’s den grundtext aufzuschlagen Goethe
Faust 2,59 ak. 1892 es drängte ihn, daheim zu sein G. Hauptmann
(1942) I 1,244. 1975
(da) drängte es ihn geradezu, sich jemand mitzuteilen Bienek
polka 287. 5
nachdrücklich, ungeduldig auf etwas bestehen, wobei nicht ausgedrückt wird, an wen die forderung ergeht; zweiwertig mit präpositionalobjekt (auf): 1532
(Alexander) hat des vatters laster etwas mit einer bescheydenheit fürtragen, damit er nit darfür gehalten wurde, als ob er als ein ankleger drauff treng Hedio
Hegesipp 25a. 1663 das man aber so sehr drauf dränget, das die Teutsche auch teutsche namen solten gebrauchen Rist
leben 21. 1899 wenn das reich auf eine verstärkung seiner flotte gedrängt hat
jb. seeinteressen 1,29 N. 1970 trotz starken drängens der nicht-nuklearen auf festlegung einer substantiellen vertraglichen abrüstungsverpflichtung Grewe
spiel 81. 6
selbst etwas nachdrücklich anstreben; zweiwertig, meist refl., mit präpositionalobjekt (nach, zu)
oder infinitivsatz zur bezeichnung des für erstrebenswert gehaltenen: 1627 dieweil nun die Wende so sehr trengeten den possess in Sachsenland gantz ein zu haben Piderit
chr. Lippiae 2,302. 1772 zu dieser unmittelbaren handlung wird man gewiß niemanden mit gewalt zwingen dürfen, sondern die einwohner werden sich häufig genug dazu drengen, wenn man ihnen nur ihren vortheil dabey vor augen legen .. kann Guden
handlung 68. 1966 er drängte mit aller macht seiner genialen persönlichkeit nach dem klassischen, umfassenden, nach der großen form Zuckmayer
stück von mir 42. D
durch starken physischen druck eine lageveränderung herbeiführen, schieben, drücken. 1
jmdn., seltener etwas irgendwohin oder von einem platz fort schieben, drücken; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: 1301/19 des in sîn wîp het gezigen, / an dem herzen im daz lac. / dâvon er alles für sich phlac / drengens als er tobt Ottokar
öst. reimchr. 16483 MGH. 1756 so drengete ich die röhre gegen die oefnung Vogel
kranken-gesch. 1,99. 1839 Sturm (drängt Kilian in die türe links) Nestroy
10, 221 B./R. 1973 als die polizisten abgefahren waren, drängte Kollmann die betrunkenen vom werksgelände Grün
glatteis 92. 2
übertragen seit dem 18., breiter seit dem 19. jh., jmdn. gegen seinen willen in oder aus positionen u. dgl. nötigen, etwas gewaltsam in einen zusammenhang bringen: v1733 sein erster eyffer hat ihn an ein werck gelenckt, / wo man die weite schrifft in ein systema drengt Pietsch
gebundne schr. (1740)187. 1839 wo der nüchterne brauchverstand und eine platte hausmoral alles, was gefühl, glaube und ahnung heißt, in den hintergrund gedrängt .. hatte Tholuck
verm. schr. 2,403. 1974 wie soll ich glücklich sein in einem beruf, in den du mich gedrängt hast Rinser
esel 249. 3
einwertig; die bloße tätigkeit des schiebens, drückens. mit persönlichem subjekt: u1350/77 in der chirchen ir hort und secht / dasman schreit und drengt Teichner
679,21 DTM. 1776 der menschen wunderliches weben, / ihr wirren, suchen, stoßen und treiben, / schieben, reißen, drängen und reiben Goethe
I 16,125 W. 1970 um sie herum drängten, stießen und brüllten menschen Simmel
Jimmy (1971)152. –
mit nichtpersönlichem subjekt: 1513 in einem wasserbad, darin̄ gesotten sein die ding die da trengen, zwingen vnd eng machen, als eycheln Rösslin
roßgarten C 3a. 1760 wilde thiere .., welche der menschen kinder gesäuget haben, um nur der drängenden milch los zu werden Reimarus
triebe (1762)318. 1837 wenn’s wasser
(harn) drängt Droysen
Aristophanes (1835)2,388. 4
physischen druck auf jmdn. oder etwas ausüben, jmdn. oder etwas schieben, drücken, pressen: 1483 da was ein geschrencke gemacht, das er
(bischof) nit gedrengt wurde, so er abstunde
mon. wormat. 594 B. 1598 es beschicht offtermals, daß ein schwangers weib, wanns getrengt wirdt, ohne sprechen: hie bin ich: das leben verleurt Albertinus
sendtschreiben (1603)2,148b. v1747 wird es
(blut), durch stetes wiederholen des athems, .. ungemein gedruckt, gedrenget und gepreßt Brockes
vergnügen 9(1748)202. 1808 das gewölbe drängt mich! – luft! Goethe
Faust 2,196 ak. 1884 vornehme weiber stiegen aus ihren sänften und ließen sich drängen und drücken, um ein paar armringe .. zu erhandeln C.
F. Meyer
12,52 Z./Z. E
angreifen, vor allem militärisch unter druck setzen. 1
einen gegner angreifen, hart bedrängen; zweiwertig mit akkusativobjekt: 1336 ieman trengen, bekriegen oder bekuͤmbern
obrhein. stadtrechte III 3,1,96. 1523/4 warumb mus ich so traurig gehen, weyl meyn feynd mich drenget Luther
bibel 1,499 W. 1616 die compagnie deß vorzugs, wann sie gedrenget wirdt, soll sie kommen vnd sich stellen bedeckt an die spitzen der bataillon Wallhausen
militia (1617)52. 1854 im jahre 557 brach in beiden provinzen eine allgemeine insurrection aus; der befehlshaber der jenseitigen ward hart gedrängt, der der diesseitigen völlig überwunden und selber erschlagen Mommsen
röm. gesch. 1,498. 2
gelegentlich einwertig: 1787 ihre alten handfesten kerle hielten lange wieder, und wir drängten und schoßen und hieben, daß sie die mäuler verzerrten und ihre linien zuckten Goethe
Egmont 1,8 ak. 1887 im laufe des 4. und 5. jahrhunderts wurden die Rheinlande von Rom dem unermüdlichen drängen der rechtsrheinischen völker überlassen Lamprecht
rhein. gesch. 8. –
jünger von sportlichen angriffsaktionen: 1976 vom anpfiff an drängte die brasilianische mannschaft
Duden wb. dt. spr. 2,564b. F
sich unter ausübung physischen drucks gegen widerstand bewegen. 1
sich mit starkem körperlichem einsatz, auch eilig, rücksichtslos irgendwohin oder von einem platz fort bewegen; zweiwertig, meist refl., mit direktiver ergänzung: hs.14.jh. also solt du dich trengen zwüschent dien zwein engen steinen durch
altdt. pred. 198 W. 1522 do .. hat Symeon sich vmb das kyndleyn Jesum gedrengt Guethel
n. iar R 2b. 1650 man drängt sich in die kirch Klaj
geburtstag 17. 1754 die rose, wann sie aus der knospe sich draengt Geszner
schr. (1762)2,12. 1833 verzeiht, mein herr und kaiser! wenn ich vielleicht zur ungelegenen stunde mich in eure nähe dränge Birch-P.
ges. dr. w. (1863)1,122. 1975 sie .. drängte sich durch die tanzenden Bienek
polka 2282. 2
übertragen, positionen u. dgl. anstreben: 1360/70 nieman sich selben wellen kan, / .. da von solt sich nieman setzen / noch sich drengen an ein stat Teichner
306,5 DTM. 1609 was einer nicht gut vnnd freundlich meinet, daruͤmb drenget man sich gemeiniglich nicht sehr Olorinus
ethographia (1614)3, K 1b. 1797 ein gewisser mann drängte sich zu der stelle eines kreis-marschalls und ward erwählt Merkel
Letten 294. 1970 unmittelbar nach dem kriege drängten viele junge leute in den staatsdienst Drenker
diplomaten 181. 3
sich in enger berührung, im gedränge gegenseitig vorwärts schieben, drücken, von einer menge von menschen, auch tieren gewächsen u. dgl.; einwertig refl.: 1670 die menschen .. lieffen und drängeten sich auf den gassen Zesen
Assenat 200. 1781 die drängende menge von zuschauern Hasche
beschr. Dresd. 1,99. 1973 vor der tür zum sitzungssaal 110 drängte sich die gesamte belegschaft Grün
glatteis 200. –mit abstraktem subjekt: 1734 unsere gedancken .. drengen sich nicht, sondern gehen ohne alle ceremonie, wie sie die reihe trift, aus mutter-leibe hervor Liscow
sat. chr. (1739)554. 1972 in meinem hirn aber drängten sich beide daten in derselben zelle Kant
impressum 28. G
zuständlich, selten. 1
seiner beschaffenheit nach etwas dringend erforderlich machen, keinen aufschub dulden; einwertig: 1791 mit schrot gemästet wird das schwein, / und als der winter dränget, / geschlachtet Voss
s. ged. (1802)6,147. 1857 die zeit drängt zu sehr Moltke
ges. schr. (1891)6,337. 1919 unter unmittelbar drängender gefahr Kafka
erz. [1946]283. 1944 die zeit drängt Hafter
juristen 117. 2
seiner inneren bestimmung nach etwas bestimmtes anstreben, teleologisch auf derartiges ausgerichtet sein; zweiwertig mit präpositionalobjekt (nach): 1844 im staate aber, dessen geistige natur nach der sprache drängt Bluntschli
studien 199. 1956 wo sich neigungen und strebungen zu einem echten und starken berufswunsch verdichten, der nach realisierung drängt Scharmann
arbeit 171.B. Horlitz