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BENEHMEN

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DWB2
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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

BENEHMEN vb.

Bd. 4, Sp. 981
BENEHMEN vb.zu nehmen (1DWB 7,521 ff.). ahd. bineman, mhd. benemen, as. biniman, mnd. mnl. benēmen, nnl. benemen. 1 ‘wegnehmen, von etwas befreien’. auch mit gen. d. sache. a ‘ (jmdm., einer sache) etwas, jmdn. (weg)nehmen, rauben, entziehen verwehren, etwas entfernen’, selten auch mit akk. d. pers.; ‘etwas, jmdn. (ver)hindern, etwas mindern, schmälern’ E8.jh. auferunt pinimant ahd. gl. 1,109,9 S./S. ⟨800/10⟩ sin hus imo binimit Tatian 262,6 S. 863/71 int uns ist iz (kinder zu bekommen) in ther elti binoman unz in enti Otfrid I 4,56 E./S. ⟨v1022⟩ alde benimet imo zorn sîna gnada? Notker 2,308,27 P. ⟨u1060⟩ uuanta diu hêizza sunna hât mir mîne scône benoman Williram 10,3 S. ⟨1160/70⟩ wie senelîche sî mich lie! / si hât daz herze mir benomen, daz geschach mir ê von wîben nie Dietmar v. Aist 3835,3 MF. ⟨u1240/50⟩ ich bin / in daz ellende komen, / sit dich der tot mir hat benomen Ulrich v. Türheim Rennewart 36440 DTM. ⟨2.h13.jh.⟩ vride ist .. ain geselleschaft der liebi. si benimit kriec und schaidit urlúge und stillit zorn st. georgener prediger 137 DTM. ⟨A14.jh.⟩ das im menschleich hylf benomen was Heinrich v. Burgus 2438 DTM. ⟨u1445⟩ vnd die natürlich forcht in (den falken) durch des falckners kunst .. als durch ain ertzney benomen ist Mynsinger falken 16 LV. ⟨n1474⟩ (in einer rechtsformel:) wer yme (st. Wolfgang) was gelobit, der müß yme das .. halden, es beneme yme (‘hindere ihn’) danne erhafftige nod Hans v. Waltheym 6 W. 15.jh. er het der meid ir ere / benumen da zu stund erz. altdt. hss. 404 LV. 1523 ein vorschreibung .., darinen im (dem bischof) auch das recht gegen innen zu gebrauchen benomen und abgeschnidten were Planitz ber. 372 W./V. 1538 dann das solche gewaltsame vom widerchristen zur gotlosheit mißbrauchet wurdt, benimmet ir nicht, das sie nicht an ir selb ein guͦt werck und gabe gottes seie Bucer I 7,150 S. ⟨v1565⟩ offt woͤllen schwere gedancken .. einem den schlaff benemen Mathesius ausgew. w. 2,320 L. 1633 so sol auch der sohn der schwedischen cron vnd der regierung gantz benommen seyn: also daß weder er noch seine nachkommen keinen zutritt mehr zum königl. stul haben Neumayr auffstand 158. 1669 wan einem hände und füsse gebunden, das weglauffen also benomen .. würde Schottel ethica 267. ⟨v1683⟩ die rauen schalen benähmen denen diamanten, die ungestalten muscheln den perlen nichts von ihrem preiße Lohenstein Arminius (1689) 1,341b. ⟨v1683⟩ (tiere, die) entweder .. gezämt oder ihnen ihre zur verletzung dienende waffen benommen waren ebd. 104b. 1716 es ist aber viel daran gelegen, daß man in verfertigung der machinen darauf bedacht ist, wie man ihn (den reibungswiderstand) benehme, so viel möglich ist Ch. Wolff math. lex. 651. 1724 nichtswürdiger .. böswicht, hastu ihm das leben benohmen? Stranitzky haupt- u. staatsaktionen 1,196 WLV. 1744 die oberste gewalt im staate kann eine würde und die mit ihr verknüpfte bürgerliche ehre eben so gut benehmen, als ertheilen belustigungen d. verstandes 2,353 Sch. 1829 doch würden mir die szenen, die bis jetzt geschrieben sind, .. den mut nicht eben ganz benehmen Mörike br. 1,108 F./K. 1956 daß derartig gehemmte mitten im satz stecken bleiben, wenn man ihnen einen füllfederhalter gibt, der ihnen die möglichkeit zu dieser eintauchmotorik benimmt Kainz psychol. (1941)4,100. 1983 und (er) stellte sich vor den gefangenen, damit er Donath die sicht benahm Bieler bär, DWDS-arch. 1993 das benimmt ihn zweifelsohne mancher möglichkeiten frankf. allg. ztg. (3.8.), DWDS-arch.geläufig übertr., meist jmdm. den atem, die sinne, den verstand, den kopf benehmen i. s. v.(jmdn.,) etwas beeinträchtigen, betäuben, trüben, jmdn. benommen machen’: ⟨E13.jh.⟩ die trunkencheit benimet dem mensche die sinne altdt. pred. 1,7 Sch. ⟨M14.jh.⟩ unkuscheit unde win und trunkenheit benemen daz herze Cranc 307 Z. 1497 mandragora alrun krut .. macht schlaffen vnd benimpt die sin vn̄ entpfindung Brunschwig cirurgia 249b faks. 1643 (der wein) benimt jhnen den verstand Harsdörffer gesprächsp. (1641)3,43. 1771 der angestrengte anblick dieser mannigfaltigen widersprüche .. hat mich so benommen Hamann 4,367 N. 1790 den einen ergötzt dieser geruch, dem andern benimmt er den kopf Kant 5,282 ak. ⟨1856⟩ ein dicker schwefelqualm benahm ihm (Apollonius) den atem Ludwig 1,366 S./Sch. ⟨1894⟩ die schreckliche hitze und ein feiner staub .. benahmen den menschen fast die sinne Treitschke dt. gesch. 5(1899)178. ⟨1938⟩ seine gelassenheit benahm Kuffert beinah noch mehr als die tatsachen des schulmeisters Kluge Kortüm (1954)59. 1939 „ich bin des weins nicht gewöhnt“, antwortete sie. „er benimmt mir zu leicht den kopf ..“ Th. Mann Lotte 401. 1975 seine (des mondes) macht über flutende und ebbende wasser: seine kraft, verliebt zu machen, zu kränken, mit schönheit zu bekleiden, den verstand zu benehmen Wollschläger Joyce, Ulysses (2001)865. 1993 die weite benimmt den atem, entführt den blick frankf. allg. ztg., DWDS-arch. b ‘ jmdm. etwas belastendes, unangenehmes nehmen, etwas (von jmdm.) nehmen, jmdn., etwas von etwas befreien’, refl. ‘sich einer sache entledigen’ 863/71 er quad er selbo quami, then ummahtin binami Otfrid III 3,7 E./S. ⟨v1022⟩ uuaz keuualto mag taz sîn . diu manne nîeht penemen nemag . in nebîzên sorgûn Notker 1,154,32 P. ⟨u1150⟩ du bis daz alinge (‘reine’) glas da der durch quam daz liet daz vinesternisse der werlde benam arnsteiner marienleich 17,1 M. hs.12.jh. virlie mir wistoͮm. binim mir tumpheit gebete v. Muri 469 W. ⟨n1240⟩ des wîbes friunt sich versâhen, / ob er (Franziskus) dare quæme, / daz ir sîn kumft benæme / die ungefüegen siecheit Lamprecht v. Regensburg st. Franziskus 2629 W. 14.jh. das si (Maria) ir zehelffe kæm / und ir die not benæm schweizer Wernher 2696 DTM. ⟨u1460⟩ do empfand er sölicher krefft und süssikait, die alle leichtvertikait und anfechtung benam Hartlieb dialogus 79 DTM. hs.15.jh. ich muͦss selb zuͦ der kúnginen komen, das ich ir benem das ich sy betruͤbet hat in: Stagel 108 DTM. 1551 wo man den safft in die ohren treuffet, benimpt er den ohrēschmertzen Herr/R. feldbaw 145b. ⟨1585⟩ versperret jn in einen eisern gebaͤwer, das .. hatte nur zwey loͤcher, eins, dardurch mā jhm speis hineyn reichte, das ander, dardurch er sich der notturfft benemen konte Rätel schles. chr. (1587)76. ⟨v1616⟩ bin ich bald .. einer großen mühe benommen worden Schweinichen denkw. 359 Oe. ⟨v1624⟩ so viel kan es (das mittel) aber, daß es dem menschen die kranckheit benimt Böhme theosophia (1730)1,316 faks. 1630 welcher leibeigenschafft ich dich dann benehme, vnd auß der dienstbarkeit in freyheit setzen will schausp. engl. komödianten 203 DNL. 1637 es wäre dann, daß wir einem oder dem andern (bediensteten) deßen (eines bestimmten dienstes an der tafel) gäntzlich benehmen hofordn 2,71 K. 1700 ob gleich Rente ihn des zweiffels benehmen wolte Ettner apotecker 1025. 1779 eben diese wasserfälle tragen dazu bey, diese felsen zu beleben, und ihnen etwas von dem oeden und wüsten, das ihnen eigen ist, zu benehmen Hirschfeld gartenkunst 1,193. ⟨1851⟩ klugen menschen .. suchte ich durch künstliche unbefangenheit mistrauen und argwohn zu benehmen R. Wagner (1897)4,303. ⟨1900⟩ es war, als fühlte sie das bedürfnis, mir den verdacht zu benehmen, sie sei eine der leichtsinnigen wirtsmägde Heyse [1924] III 1,101. im jurist. kontext ‘sich, jmdn. (durch einen eid, eine erklärung) eines verdachts entledigen, entlasten, jmdn. (finanzieller) verpflichtungen entheben, schulden tilgen’: 1286 mag sich der antwrter selbe dritte gelaubhaftiger leut da van benemen corp. altdt. originalurk. 2,198 W. 1289 der intziht sol er sich mit sinem aide benemen ebd. 393. ⟨1421⟩ vor funfvndeachczig gulden, dy her vnd andere syne burgen globt hat, schadelos czu benemen vor Clawse von Trote hall. schöffenb. 2,188 H. 1428 liebin frunde, bitte ich euch, das ir mich sulcher globde benemet (‘entbindet), cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,612 J. ⟨1430⟩ daz her sy des geldes wol benemen welde vnde on ane schaden daz beczalen uff sente Michaels tag hall. schöffenb. 2,290 H. E15.jh. wer .. sich des (einer rechtsübertretung) mit seinem rechten nit benemen mochte, der sol zu der vorgeschriben puss .. geben ein pfund newer haller nürnb. polizeiordn. 29 LV. 1536 das alle irer k. und f. g. schulden, wie die namen haben mochten, dadurch benommen und entlediget wurden kurmärk ständeakten 1,13 F. 1654 worbey fürs ander dem kläger auferlegt wird, ebnermassen mit seiner gegenerklärung dem beklagten die hingegengeworffne inzücht (‘beschuldigung’) zubenehmen Abele gerichtshändel 335. 2 ‘jmdn. fangen, etwas in besitz nehmen, einnehmen’: 1472/3 ich vnd czwu meiner frawen an das lant geseczt worden; zuͦ hant wir von den iungen mannen benomen warn mit einer hin vnd der andern her gezogen vnd geflochen Arigo decameron 123 LV. 1595 da habe der raht zu Dantzk zween fleischhawer, so auch von (dem unruhestifter) Matern benomen, dahin (zum aufenthaltsort des gesuchten) geschickt Hennenberger landtaffel 85. 1616 dann es vnderstehet sich der feindt allezeit anzufallen, .. bißweilen benimbt er den weg dardurch der proviandt soll hinzu gefuͦhrt werden, bißweilen versucht er dich auffzuhalten Wallhausen kriegßmanual 13. 1619 das gewiße erkundigung (zu militär. zwecken) vberall eingezogen werde, wo das land bloß vnd feste ist, wo päße vnd waßer zu benehmen (sind), acta publica 2,142 P. 1620 kömt alsbald der böse unsauber geist, machet wieder wohnung, benimt und besitzet die herzen, also daß sie nach seinen willen thun müssen schausp. engl. komödianten 50 T. 1700 weiln aber alles abgehandelte vorzubringen grossen raum benehmen dürffen, wollen wir nur was am remarquablesten passirt, vortragen Ettner apotecker 911. 3 refl. ‘sich (in einer bestimmten weise, nach den gesellschaftlichen normen) verhalten, betragen’, hauptgebrauch des wortes: 1788 auf allen fall, fürchte ich, wird er (der herzog) sich nicht bei dieser sache auf eine seiner würdige art benehmen Schiller 25,20 nat. 1796 (die) trierischen studenten .. benehmen sich wie kopfhängerische klosterschüler Laukhard leben (1792)3,93. 1869 speziell Sachsen gegenüber, das sich bisher musterhaft benommen hat Fontane (1919) II 4,279 jub. ⟨1928⟩ ihr benehmt euch ja wahrhaftig wie ... wie die kinder! Kästner Emil (1961)95. 1983 laß das gefälligst. benimm dich gefälligst Behrens fee 126. 1984 wenn sie nur gewußt hätte, wie man sich da (beim besuch des beerdigungsunternehmers) benimmt, auf was man zu achten hat Demski scheintod 79. 2010 gruppen sehr junger leute hatten fast alle tische okkupiert, benahmen sich wie die besitzer Ch. Wolf stadt 88. 4 sich mit jmdm. benehmen ‘sich mit jmdm. verständigen, mit jmdm. verhandeln, sich mit jmdm. ins benehmen setzen’: 1790 (hierher? vgl. 3) der könig war wirklich entschlossen, .. ihn zum bischof zu machen. er schickte ihn deswegen an den pabst. aber dü Val Pyreau benahm sich wieder mit dem pabste so übel, daß er dadurch dem könige aüsserst mißfiel Zimmermann fragm. 1,136. 1849 zugleich beauftragte der ausschuß eine commission, sich sofort mit dem bundestag darüber zu benehmen, wie die herstellung eines geeigneten mittelpunktes für .. diplomatische verhandlungen .. zu bewirken sei Schuselka fahrten 2,120. 1881 wo die stadtverwaltung maßregeln getroffen hatte, ohne sich vorher mit Madai zu benehmen und durch den die meinung des königs zu erfahren, die eine ganz andre war Bismarck in: Busch tgbbl. 3,33. 1938 sie hatte eben einmal eine äußerung Wahls, man müsse sich doch einmal mit Frieda benehmen, aufgefangen Barlach mond 117 D.Arbeitsstelle
11516 Zeichen · 276 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Benêhmen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Benêhmen , verb. irreg. act. (S. Adelung Nehmen ,) welches auf doppelte Art üblich ist. 1. Auf die dem Vorworte be und d…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    benehmen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    benehmen Imp vereinzelt ‘benehme’ B20,183,15 Christiane 16.10.08 (vgl aber zB B21,302,14 Christiane 16.5.10 ) 1 ‘sich b.…

  3. modern
    Dialekt
    benëhmen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    benë h me n 1. tr. behandeln, mit jem. umgehen: M e r muess d King ze b. wisse n Hf. Er kann d Lüt b. ist ein gewandter …

  4. Sprichwörter
    Benehmen

    Wander (Sprichwörter)

    Benehmen Das benimmt ihm Niemand als der Schobant (vespillo). – Eisel, 554.

  5. Spezial
    Benehmenn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Benehmen , n поведение , ср [Verhalten]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit benehmen

4 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von benehmen

be- + nehmen

benehmen leitet sich vom Lemma nehmen ab mit Präfix be-.

benehmen‑ als Erstglied (1 von 1)

benehmen [sich ~]

LDWB2

benehmen·sich

be|neh|men [sich ~] vb.refl. se comporté, se astilé, se deporté ▬ sich ungebührlich benehmen se comporté mal; fá ac; avëi pücia cherianza ; …

benehmen als Zweitglied (2 von 2)

ausbenehmen

DRW

aus·benehmen

ausbenehmen ausnehmen mit aller nud unde rechticheit nichts utbenomet 1462 Schiller-Lübben V 142 Faksimile

Ableitungen von benehmen (1 von 1)

unbenehmen

DWB

unbenehmen , n. , durch un improbativum gekennzeichnetes benehmen. wegen der milde und allgemeinheit ( Heynatz antib. 1, 236 ) des tadels He…