BENEHMEN vb. zu nehmen
(1DWB 7,521 ff.). ahd. bineman,
mhd. benemen,
as. biniman,
mnd. mnl. benēmen,
nnl. benemen. 1 ‘
wegnehmen, von etwas befreien’.
auch mit gen. d. sache. a ‘
(jmdm., einer sache) etwas, jmdn. (weg)nehmen, rauben, entziehen verwehren, etwas entfernen’,
selten auch mit akk. d. pers.; ‘etwas, jmdn. (ver)hindern, etwas mindern, schmälern’ E8.jh.
auferunt pinimant
ahd. gl. 1,109,9 S./S. ⟨800/10⟩ sin hus imo binimit
Tatian 262,6 S. 863/71 int uns ist iz
(kinder zu bekommen) in ther elti binoman unz in enti Otfrid
I 4,56 E./S. ⟨v1022⟩ alde benimet imo zorn sîna gnada? Notker
2,308,27 P. ⟨u1060⟩ uuanta diu hêizza sunna hât mir mîne scône benoman Williram
10,3 S. ⟨1160/70⟩ wie senelîche sî mich lie! / si hât daz herze mir benomen, daz geschach mir ê von wîben nie Dietmar v. Aist
3835,3 MF. ⟨u1240/50⟩ ich bin / in daz ellende komen, / sit dich der tot mir hat benomen Ulrich v. Türheim
Rennewart 36440 DTM. ⟨2.h13.jh.⟩ vride ist .. ain geselleschaft der liebi. si benimit kriec und schaidit urlúge und stillit zorn
st. georgener prediger 137 DTM. ⟨A14.jh.⟩ das im menschleich hylf benomen was Heinrich v. Burgus
2438 DTM. ⟨u1445⟩ vnd die natürlich forcht in
(den falken) durch des falckners kunst .. als durch ain ertzney benomen ist Mynsinger
falken 16 LV. ⟨n1474⟩
(in einer rechtsformel:) wer yme
(st. Wolfgang) was gelobit, der müß yme das .. halden, es beneme yme
(‘hindere ihn’) danne erhafftige nod Hans v. Waltheym
6 W. 15.jh. er het der meid ir ere / benumen da zu stund
erz. altdt. hss. 404 LV. 1523 ein vorschreibung .., darinen im
(dem bischof) auch das recht gegen innen zu gebrauchen benomen und abgeschnidten were Planitz
ber. 372 W./V. 1538 dann das solche gewaltsame vom widerchristen zur gotlosheit mißbrauchet wurdt, benimmet ir nicht, das sie nicht an ir selb ein guͦt werck und gabe gottes seie Bucer
I 7,150 S. ⟨v1565⟩ offt woͤllen schwere gedancken .. einem den schlaff benemen Mathesius
ausgew. w. 2,320 L. 1633 so sol auch der sohn der schwedischen cron vnd der regierung gantz benommen seyn: also daß weder er noch seine nachkommen keinen zutritt mehr zum königl. stul haben Neumayr
auffstand 158. 1669 wan einem hände und füsse gebunden, das weglauffen also benomen .. würde Schottel
ethica 267. ⟨v1683⟩ die rauen schalen benähmen denen diamanten, die ungestalten muscheln den perlen nichts von ihrem preiße Lohenstein
Arminius (1689) 1,341b. ⟨v1683⟩
(tiere, die) entweder .. gezämt oder ihnen ihre zur verletzung dienende waffen benommen waren
ebd. 104b. 1716 es ist aber viel daran gelegen, daß man in verfertigung der machinen darauf bedacht ist, wie man ihn
(den reibungswiderstand) benehme, so viel möglich ist Ch. Wolff
math. lex. 651. 1724 nichtswürdiger .. böswicht, hastu ihm das leben benohmen? Stranitzky
haupt- u. staatsaktionen 1,196 WLV. 1744 die oberste gewalt im staate kann eine würde und die mit ihr verknüpfte bürgerliche ehre eben so gut benehmen, als ertheilen
belustigungen d. verstandes 2,353 Sch. 1829 doch würden mir die szenen, die bis jetzt geschrieben sind, .. den mut nicht eben ganz benehmen Mörike
br. 1,108 F./K. 1956 daß derartig gehemmte mitten im satz stecken bleiben, wenn man ihnen einen füllfederhalter gibt, der ihnen die möglichkeit zu dieser eintauchmotorik benimmt Kainz
psychol. (1941)4,100. 1983 und
(er) stellte sich vor den gefangenen, damit er Donath die sicht benahm Bieler
bär, DWDS-arch. 1993 das benimmt ihn zweifelsohne mancher möglichkeiten
frankf. allg. ztg. (3.8.), DWDS-arch. —
geläufig übertr., meist jmdm. den atem, die sinne, den verstand, den kopf benehmen
i. s. v. ‘
(jmdn.,) etwas beeinträchtigen, betäuben, trüben, jmdn. benommen machen’: ⟨E13.jh.⟩ die trunkencheit benimet dem mensche die sinne
altdt. pred. 1,7 Sch. ⟨M14.jh.⟩ unkuscheit unde win und trunkenheit benemen daz herze Cranc
307 Z. 1497 mandragora alrun krut .. macht schlaffen vnd benimpt die sin vn̄ entpfindung Brunschwig
cirurgia 249b faks. 1643
(der wein) benimt jhnen den verstand Harsdörffer
gesprächsp. (1641)3,43. 1771 der angestrengte anblick dieser mannigfaltigen widersprüche .. hat mich so benommen Hamann
4,367 N. 1790 den einen ergötzt dieser geruch, dem andern benimmt er den kopf Kant
5,282 ak. ⟨1856⟩ ein dicker schwefelqualm benahm ihm
(Apollonius) den atem Ludwig
1,366 S./Sch. ⟨1894⟩ die schreckliche hitze und ein feiner staub .. benahmen den menschen fast die sinne Treitschke
dt. gesch. 5(1899)178. ⟨1938⟩ seine gelassenheit benahm Kuffert beinah noch mehr als die tatsachen des schulmeisters Kluge
Kortüm (1954)59. 1939 „ich bin des weins nicht gewöhnt“, antwortete sie. „er benimmt mir zu leicht den kopf ..“ Th. Mann
Lotte 401. 1975 seine
(des mondes) macht über flutende und ebbende wasser: seine kraft, verliebt zu machen, zu kränken, mit schönheit zu bekleiden, den verstand zu benehmen Wollschläger
Joyce, Ulysses (2001)865. 1993 die weite benimmt den atem, entführt den blick
frankf. allg. ztg., DWDS-arch. b ‘
jmdm. etwas belastendes, unangenehmes nehmen, etwas (von jmdm.) nehmen, jmdn., etwas von etwas befreien’,
refl. ‘sich einer sache entledigen’ 863/71 er quad er selbo quami, then ummahtin binami Otfrid
III 3,7 E./S. ⟨v1022⟩ uuaz keuualto mag taz sîn . diu manne nîeht penemen nemag . in nebîzên sorgûn Notker
1,154,32 P. ⟨u1150⟩ du bis daz alinge
(‘reine’) glas da der durch quam daz liet daz vinesternisse der werlde benam
arnsteiner marienleich 17,1 M. hs.12.jh. virlie mir wistoͮ
m. binim mir tumpheit
gebete v. Muri 469 W. ⟨n1240⟩ des wîbes friunt sich versâhen, / ob er
(Franziskus) dare quæme, / daz ir sîn kumft benæme / die ungefüegen siecheit Lamprecht v. Regensburg
st. Franziskus 2629 W. 14.jh. das si
(Maria) ir zehelffe kæm / und ir die not benæm schweizer Wernher
2696 DTM. ⟨u1460⟩ do empfand er sölicher krefft und süssikait, die alle leichtvertikait und anfechtung benam Hartlieb
dialogus 79 DTM. hs.15.jh. ich muͦss selb zuͦ der kúnginen komen, das ich ir benem das ich sy betruͤbet hat
in: Stagel
108 DTM. 1551 wo man den safft in die ohren treuffet, benimpt er den ohrēschmertzen Herr/R.
feldbaw 145b. ⟨1585⟩ versperret jn in einen eisern gebaͤwer, das .. hatte nur zwey loͤcher, eins, dardurch mā jhm speis hineyn reichte, das ander, dardurch er sich der notturfft benemen konte Rätel
schles. chr. (1587)76. ⟨v1616⟩ bin ich bald .. einer großen mühe benommen worden Schweinichen
denkw. 359 Oe. ⟨v1624⟩ so viel kan es
(das mittel) aber, daß es dem menschen die kranckheit benimt Böhme
theosophia (1730)1,316 faks. 1630 welcher leibeigenschafft ich dich dann benehme, vnd auß der dienstbarkeit in freyheit setzen will
schausp. engl. komödianten 203 DNL. 1637 es wäre dann, daß wir einem oder dem andern
(bediensteten) deßen
(eines bestimmten dienstes an der tafel) gäntzlich benehmen
hofordn 2,71 K. 1700 ob gleich Rente ihn des zweiffels benehmen wolte Ettner
apotecker 1025. 1779 eben diese wasserfälle tragen dazu bey, diese felsen zu beleben, und ihnen etwas von dem oeden und wüsten, das ihnen eigen ist, zu benehmen Hirschfeld
gartenkunst 1,193. ⟨1851⟩ klugen menschen .. suchte ich durch künstliche unbefangenheit mistrauen und argwohn zu benehmen R. Wagner
(1897)4,303. ⟨1900⟩ es war, als fühlte sie das bedürfnis, mir den verdacht zu benehmen, sie sei eine der leichtsinnigen wirtsmägde Heyse
[1924] III 1,101. —
im jurist. kontext ‘sich, jmdn. (durch einen eid, eine erklärung) eines verdachts entledigen, entlasten, jmdn. (finanzieller) verpflichtungen entheben, schulden tilgen’: 1286 mag sich der antwrter selbe dritte gelaubhaftiger leut da van benemen
corp. altdt. originalurk. 2,198 W. 1289 der intziht sol er sich mit sinem aide benemen
ebd. 393. ⟨1421⟩ vor funfvndeachczig gulden, dy her vnd andere syne burgen globt hat, schadelos czu benemen vor Clawse von Trote
hall. schöffenb. 2,188 H. 1428 liebin frunde, bitte ich euch, das ir mich sulcher globde benemet
(‘entbindet’
), cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,612 J. ⟨1430⟩ daz her sy des geldes wol benemen welde vnde on ane schaden daz beczalen uff sente Michaels tag
hall. schöffenb. 2,290 H. E15.jh. wer .. sich des
(einer rechtsübertretung) mit seinem rechten nit benemen mochte, der sol zu der vorgeschriben puss .. geben ein pfund newer haller
nürnb. polizeiordn. 29 LV. 1536 das alle irer k. und
f. g. schulden, wie die namen haben mochten, dadurch benommen und entlediget wurden
kurmärk ständeakten 1,13 F. 1654 worbey fürs ander dem kläger auferlegt wird, ebnermassen mit seiner gegenerklärung dem beklagten die hingegengeworffne inzücht
(‘beschuldigung’) zubenehmen Abele
gerichtshändel 335. 2 ‘
jmdn. fangen, etwas in besitz nehmen, einnehmen’: 1472/3 ich vnd czwu meiner frawen an das lant geseczt worden; zuͦ hant wir von den iungen mannen benomen warn mit einer hin vnd der andern her gezogen vnd geflochen Arigo
decameron 123 LV. 1595 da habe der raht zu Dantzk zween fleischhawer, so auch von
(dem unruhestifter) Matern benomen, dahin
(zum aufenthaltsort des gesuchten) geschickt Hennenberger
landtaffel 85. 1616 dann es vnderstehet sich der feindt allezeit anzufallen, .. bißweilen benimbt er den weg dardurch der proviandt soll hinzu gefuͦhrt werden, bißweilen versucht er dich auffzuhalten Wallhausen
kriegßmanual 13. 1619 das gewiße erkundigung
(zu militär. zwecken) vberall eingezogen werde, wo das land bloß vnd feste ist, wo päße vnd waßer zu benehmen
(sind), acta publica 2,142 P. 1620 kömt alsbald der böse unsauber geist, machet wieder wohnung, benimt und besitzet die herzen, also daß sie nach seinen willen thun müssen
schausp. engl. komödianten 50 T. 1700 weiln aber alles abgehandelte vorzubringen grossen raum benehmen dürffen, wollen wir nur was am remarquablesten passirt, vortragen Ettner
apotecker 911. 3
refl. ‘sich (in einer bestimmten weise, nach den gesellschaftlichen normen) verhalten, betragen’,
hauptgebrauch des wortes: 1788 auf allen fall, fürchte ich, wird er
(der herzog) sich nicht bei dieser sache auf eine seiner würdige art benehmen Schiller
25,20 nat. 1796
(die) trierischen studenten .. benehmen sich wie kopfhängerische klosterschüler Laukhard
leben (1792)3,93. 1869 speziell Sachsen gegenüber, das sich bisher musterhaft benommen hat Fontane
(1919) II 4,279 jub. ⟨1928⟩ ihr benehmt euch ja wahrhaftig wie ... wie die kinder! Kästner
Emil (1961)95. 1983 laß das gefälligst. benimm dich gefälligst Behrens
fee 126. 1984 wenn sie nur gewußt hätte, wie man sich da
(beim besuch des beerdigungsunternehmers) benimmt, auf was man zu achten hat Demski
scheintod 79. 2010 gruppen sehr junger leute hatten fast alle tische okkupiert, benahmen sich wie die besitzer Ch. Wolf
stadt 88. 4 sich mit jmdm. benehmen ‘
sich mit jmdm. verständigen, mit jmdm. verhandeln, sich mit jmdm. ins benehmen setzen’: 1790
(hierher? vgl. 3
) der könig war wirklich entschlossen, .. ihn zum bischof zu machen. er schickte ihn deswegen an den pabst. aber dü Val Pyreau benahm sich wieder mit dem pabste so übel, daß er dadurch dem könige aüsserst mißfiel Zimmermann
fragm. 1,136. 1849 zugleich beauftragte der ausschuß eine commission, sich sofort mit dem bundestag darüber zu benehmen, wie die herstellung eines geeigneten mittelpunktes für .. diplomatische verhandlungen .. zu bewirken sei Schuselka
fahrten 2,120. 1881 wo die stadtverwaltung maßregeln getroffen hatte, ohne sich vorher mit Madai zu benehmen und durch den die meinung des königs zu erfahren, die eine ganz andre war Bismarck
in: Busch
tgbbl. 3,33. 1938 sie hatte eben einmal eine äußerung Wahls, man müsse sich doch einmal mit Frieda benehmen, aufgefangen Barlach
mond 117 D.Arbeitsstelle