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wilde

ae. bis sprichw. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
31 in 14 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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123
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62

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wilde m.

Bd. 30, Sp. 58
wilde, m. , substantivierung von wild adj., plur. die wilden, selten die wilde (die canadische wilde v. Moser beherzigungen 3 363); 11) angehöriger eines wilden, d. h. culturlosen volkstammes, zuerst gebucht von Ludwig (1716) die wilden in Amerika; belegt schon im 17. jh.: die wilden in Brasilien Moscherosch gesichte 2, 61; die wilden in der neuen welt Dannhawer catechismus milch 1, 358; der alte sprachgebrauch hat daneben wilder mann, wildmensch, wildling, wildleute, menschen der wildnis; s. die betr. artikel: als 1755 die wilden in Pensilvanien einfielen Archenholz England u. Italien 11, 188; ruhig lächelnd sagte der Hurone: seht, ihr fremden, klugen, weiszen leute, seht, wir wilden sind doch beszre menschen! Seume 573; da sinkt die grosze weltherrschaft von Rom vor eines wilden (Hermann) witz zusammen Kleist 2, 445 (Hermannschl. 5, 21); gegen den oft unberechtigten gebrauch des wortes wendet sich wie Adelung auch Chamisso 4, 212: die also dichten und singen, werden meist von unseren schriftgelehrten, ja unseren reisenden 'wilde' genannt! ein sprachgebrauch, dem ich mich nicht fügen kann; thatsächlich wendet der gewöhnliche sprachgebrauch das wort auch auf völker an, die durchaus nicht ohne cultur sind, namentlich wenn sie in recht fernen ländern wohnen: das wort tzijim habe ich durch wilde übersetzt; dies wort gefiel mir besser als: die bewohner der wüsten; denn es zielt auf weit entfernte nationen, die auf schiffen herzukommen. also, die wilden in entfernten welttheilen werden kommen, um ihm (gott) zu huldigen Jung-Stilling 3, 579; der inquisitionskriegsgeist .., der ketzer und unbekehrte als wilde und saracenen bis zur ausrottung bekämpfte Herder 23, 13 (Aurora); wilde im zelt nähret die palme Rückert 1, 194; und noch erscheinen die Iren in den meisten berichten als wilde Ranke 15, 28; Campe 5, 718 erkennt diesen sprachgebrauch an, indem er sagt, dasz die wilden auf vielerlei verschiedenen stufen stehen können. in der sprache der wissenschaft wird der ausdruck mit vorsicht gebraucht, wie sich an dem häufigen zusatz sogenannt sehen läszt: lese man die reden der sogenannten wilden in Amerika Herder 22, 166 (Kalligone 2); dasz der sogenannte wilde lieber auf das dasein verzichtet, als die lasten der gesittung sich zuziehen Peschel völkerkunde 157; vgl. auch 245; mit den Amerikanern, denen wir den namen der wilden beilegen M. J. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 7 vorrede; 22) ein dem wilden ähnlicher culturmensch, im guten wie im schlimmen sinne, häufiger in letzterem; 2@aa) im neutralen oder guten sinne: ich bin noch ein wilder, der vor dem glanze schüchtern zurückbebt! Gleim briefw. 1, 3; liebt ihr euer kind? .. ob ich's liebe? den kleinen wilden bis zur narrheit Göthe 45, 127 Weim. (Rameaus neffe); 2@bb) in weniger gutem sinne: im drama nur zählt er euch zu den wilden (der Musagete die Germanen) Ayrenhoff 5, 19, 28; er ward aus einem freunde gottes ein wilder Hippel lebensläufe 1, 399; gerne in der abschwächenden verbindung ein halber wilder: so fieng Sebaldus, der bisher als ein halber wilder gelebt hatte, an, sich fleisziger den bart zu putzen Nicolai Seb. Nothanker 1, 3; sie halten mich für einen halben wilden B. v. Arnim Günderode 1, 71. gerne in bildlichen redensarten, namentlich in der verbindung thun oder leben wie ein wilder zum ausdruck des sinnlosen ungestüms oder der unbändigen kraft: nun wird gleich darauf losgelebt wie ein wilder! Viebig das schlafende heer 1, 76; aarg. tue wie-n-e wilde Hunziker 297; elsäss. der geht driwer enin wie e wilder Martin-Lienhart 2, 820; lustig sind's wie d'fisch im see, tanze tüend s'wie wildi schweiz. archiv f. volkskunde 1, 116; oder der rauheit, ungeselligkeit: da ist der fehler, da sitzt es eben! sobald die kerls wie wilde leben, und nicht bethulich und freundlich sind Göthe 16, 68 Weim. (pater Brey 217); vereinzelt von thörichter einbildung: elsässisch den wilden rissen eingebildet und vornehm thun Martin-Lienhart 2, 820. 33) ein student oder parlamentarier, der auszerhalb der studentischen corporationen oder der fractionen steht, oder ein sonstiger auszenstehender; vgl. wild adj. III B 6. 3@aa) ein nichtincorporierter student; nach Kluge stud. spr. 134 seit 1813; nach zeitschr. f. dt. wortforsch. 8, 103 zuerst in Jena 1809: die landsmannschaften und die wilden waren noch viel ärger (als die burschenschaften) Laube schriften 1, 87; im folgenden frühjahr traten dann die mitglieder von zwei landsmannschaften .. mit einigen wilden zusammen, und am 12. juni 1815 war die neue burschenschaft .. eröffnet Treitschke d. gesch. 2 2, 422. 3@bb) ein zu keiner partei oder fraction gehörender parlamentarier; nach Ladendorf 344 zuerst bei Laube das erste deutsche parlament 3, 41: eine gewisse anzahl sogenannter 'strandläufer' oder 'wilder' ferner, die zu keiner bestimmten partei gehörten, war trotz all den fraktionen übrig geblieben; sonst: er stand als ein 'wilder' zwischen den parteien Treitschke hist. und polit. aufsätze 1, 302; auszerdem (gehörten zu der conservativen rechten) etliche klerikale und unbestimmbare .. wilde Bennigsen die nationalliberale partei 45. 3@cc) ein sonstiger auszenstehender, z. b. in der pennälersprache ein prüfling, der sich nicht auf der jeweiligen anstalt vorbereitet hat Sanders ergänz. band 636; ein fremder, der auf einer kegelbahn spielt, ohne dem betr. club anzugehören ebd.; in der rinnsteinsprache ein kunde, der auf ein anderes geschäft reist Ostwald 167.
5485 Zeichen · 62 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    wildeAdj.

    Köbler Ae. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wilde , Adj. nhd. wild, wüst ÜG.: lat. agrestis Gl, indomitus Gl Hw.: vgl. got. wilþeis, an. villr, afries. wild (2), as…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wildestf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +11 Parallelbelege

    wilde stf. 1. wildnis. er erstreich grôʒe wilde Iw. 45. gegen der wilde rihte er sîne wege Gregor. 2592. gienc, lief nâc…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wildeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    wilde , F. nhd. Wildheit Hw.: vgl. mhd. wilde (3) E.: s. wilde (1) W.: s. nhd. Wilde, F., „Wilde“, DW 30, 60? R.: mit wi…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    WildeDer, (die)

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    Der (die) Wilde , des (der) — n, Mz. — n , ein wilder, im rohen Naturzustande lebender Mensch. S. Wild . — die Wilde tra…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wilde

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Wilde , im parlamentarischen Sprachgebrauch die keiner Fraktion angehörigen Mitglieder einer Volksvertretung; s. Fraktio…

  6. modern
    Dialekt
    Wilde

    Mecklenburgisches Wb.

    Wilde Stute, s. Will' f.

  7. Sprichwörter
    Wilde

    Wander (Sprichwörter)

    Wilde 1. Auch der Wilde wird durch Freundschaft milde. Lat. : Nomen amicitiae barbara corda movet. ( Ovid. ) ( Philippi,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wilde

174 Bildungen · 159 Erstglied · 11 Zweitglied · 4 Ableitungen

wilde‑ als Erstglied (30 von 159)

wīldeªßen

WWB

wilde·assen

wīl-deªßen Adv. während dieser Zeit, währenddessen, unterdessen ( Det Is).

wildebeest

DWB

wilde·beest

wildebeest , n. , weiszschwanz-gnu, catoblepas gnu Brehm thierleben 3, 418 ; lehnwort aus dem niederl. —

wildebeestbock

DWB

wildebeest·bock

wildebeestbock , m. : einzeln und in kleinen trupps .,. sieht man zuweilen die alten wildebeestböcke 3, 419.

wildeber

DWB

wild·eber

wildeber , m. , zu wild adj.: wie er .. den groszen wildeber von seines vaters gelben sauen abgejagt Storm 5, 278 .

wildecheit

Lexer

wildec-heit stf. BMZ wildheit, wildes, ausgelassenes wesen, vagabunditas Dfg. 604 c . Pass. ( H. 169,43. 391,47). Ludw. ( unzuchtige begerlî…

wildeclich

Lexer

wildec-lich adj. BMZ = wilde Konr. ( ir gebærde w. Troj. 15235. nâch wil denc- lîchen dingen ib. 15124. Kol. 279,93 ;

wildeclîche

Lexer

wilde·cliche

wildec-lîche , wildec-lîchen adv. ib. Konr. (niht alsô wildeclîche tuo! Troj. 15128 ). Ms. ( H. 2, 155 b . 379 a ).

wildeclîchen

BMZ

wildeclîchen adv. man sach si ( die falten ) bî den füeʒen gân vil wildeclîchen ümbe Engelh. 3067. wildeclîcher danne ein tracke MS. 2,106. …

wildeclīche

KöblerMhd

wildeclīche , Adv. Vw.: s. wildiclīche*

wildeclīchen

KöblerMhd

wildeclīchen , Adv. Vw.: s. wildiclīchen

Wilde Flut

Meyers

wilde·flut

Wilde Flut , das Wasser, in das bei Aufbereitungsprozessen die auch in den letzten Gerinnen und Schlammsümpfen nicht niedergeschlagenen Erzt…

wildefrau

DWB

wilde·frau

wildfrau , wildefrau , f. , 1) angehörige eines riesigen geschlechts, das vor dem jetzigen menschengeschlecht die gegend bewohnte, oberhessi…

Wildegg

Meyers

wild·egg

Wildegg ( Wildeck ), Ort im schweizer. Kanton Aargau, Bezirk Lenzburg, an den Bahnlinien Zürich-Aarau und Emmenbrücke-W., bekannt durch sein…

wildehagen

DWB

wilde·hagen

wildehagen , m. , heckenrose; hagdorn bedegar Diefenbach nov. gloss. 50 .

wildeinheimisch

DWB

wilde·inheimisch

wildeinheimisch , adj. , in wildem zustand einheimisch: die wildeinheimische existenz des kameels in Libyen Ritter erdkunde 13, 710 .

wildeinsprung

DWB

wild·einsprung

wildeinsprung , m. , zu wild n., offene stelle in der einzäunung, durch die das ausgebrochene wild wieder in den park zurückkehren kann Domb…

wildeiskraut

DWB

wild·eiskraut

wildeiskraut , n. , artemisia glacialis ( im Pongau, Pinzgau, Zillerthal ) Pritzel-Jessen.

Wilde, Jul

DWBQVZ

wilde·jul

--- die pflanzennamen im sprachschatze der Pfälzer, ihre herkunft, entwicklung und anwendung. Neustadt/Haardt o. j. ( vorw. 1923) . ---

wildelen

ElsWB

wild·elen

wildele n [weltələ Su. ] vom Fleisch, Wildgeschmack haben: s wildelet. Syn. wilbere n , wilze n , wilzerle n . — Schwäb. 532. Bayer. 2, 900.

Wildeleⁿ

Idiotikon

Wildeleⁿ Band 15, Spalte 1541 Wildeleⁿ 15,1541

wildeleⁿ I

Idiotikon

wildeleⁿ I Band 15, Spalte 1522 wildeleⁿ I 15,1522

wilde als Zweitglied (11 von 11)

gewilde

DWB

gewild , gewilde , substantivbildung , die in zwei hauptrichtungen des gebrauches belegt ist. beide gebrauchsformen tauchen spät in der mitt…

sinnewilde

KöblerMhd

sinne·wilde

sinnewilde , Adj. nhd. unverständig Q.: Apk (vor 1312) (FB sinnewilde) E.: s. sinnen, wilde W.: nhd. DW- L.: Lexer 195b (sinnewüde)

waltgewilde

KöblerMhd

walt·gewilde

waltgewilde , st. N. nhd. bewaldete Wildnis, wilde Waldgegend Q.: WvÖst (1314) (FB waltgewilde) E.: s. walt (1), gewilde W.: nhd. DW- L.: Le…

waltwilde

Lexer

walt·wilde

walt-wilde adj. BMZ von waltwilden tieren liten sie dâ selten grôʒ gedrenge j.Tit. 5989.

wunderwilde

KöblerMhd

wunder·wilde

wunderwilde , Adj. nhd. „wunderwild“, sehr wild Q.: SHort (nach 1298) (FB wunderwilde) E.: s. wunder, wilde (1) W.: nhd. DW- L.: FB 479b (wu…

überwilde

KöblerMhd

überwilde , Adj. nhd. überaus wild Q.: LS (1430-1440) E.: s. über (1), wilde W.: nhd. überwild, Adj., überwild, DW- L.: LexerHW 2, 1680 (übe…

Ableitungen von wilde (4 von 4)

entwilde

BMZ

entwilde swv. entfremde, treibe von mir, entferne. daʒ uns der bôsen bilde mit werken gar entwilde Pass. K. 191,92. — ob du mir sô grôʒe nôt…

erwilde

BMZ

erwilde swv. werde wild. der valke was erwildet Hadam. 177. der sin ist mir erwildet Helbl. 7,260. dîn antlitze ist erwildet der forme unt d…

gewilde

DWB

gewild , gewilde , substantivbildung , die in zwei hauptrichtungen des gebrauches belegt ist. beide gebrauchsformen tauchen spät in der mitt…

verwilde

BMZ

verwilde swv. 1. mache wild, fremd, entfremde. die leider ûch verwilden Pass. K. 670,66. daʒ wir daʒ volk verwilden von gotes gebote das. 21…