vergnügen,
verb. befriedigen, erfreuen. mhd. vergenüegen, vergenugen,
nd. meist nur die einfachere form vornogen (Schiller-Lübben 5, 413)
und vernögen (
brem. wb. 3, 247),
doch holländ. neben vernoegen vergenoegen (
zufriedenstellen),
im westfälischen vergnäugen Woeste 291,
zusammensetzung mit dem einfachen genügen,
dessen bedeutung es nicht wesentlich ändert. während in älterer zeit und besonders im mhd. genügen
sowol transitiv (
reflexiv)
wie intransitiv gebraucht wird, hat vergenügen,
das mhd. nur vereinzelt nachgewiesen ist, im älteren nhd. das einfache genügen
aus dem transitiven gebrauche verdrängt, und ergänzte das nur noch intransitiv gebrauchte genügen
als ein gleichbedeutendes transitivum. heute hat allerdings, wenigstens in den schriftquellen, vergnügen
eine abgeleitete bedeutung angenommen. 11)
zu einem genügenden machen, mit persönlichem objecte, einen zu einem machen, der selbst über etwas genüge empfindet, einem genüge, ersatz leisten: von dem sacrament der letzten ölung? gesagt, das mir derhalben kein schrifft ein gnüge thue, das es sol ein sakrament sein .. item von der firmung? hab ich gesagt, wie vor, das mich kein schrifft vergnüget. Luther 3, 411
b; derhalben er den fischerknechten beim galgen verbot keinen stör zu zerhauen, denn er wolte sie für das ihrige vorgenü
gen. Hennenberger
preusz. landtaf. (1595) 417; wuszt ihr nicht, das ich es euch verboten hab und euch verheiszen, euch dargegen zu vergnügen? 418; einen vergnügen, eim gnuog thuon,
explere animum alicui Maaler 419
d; der feldherr war hiermit vergnügt, unterschrieb und besiegelte auch noch selbigen abend den neuen vergleich. Lohenstein
Arm. 2, 1247; allein, was er sagt, das vergnüget mich nicht. Liscov 735; die gewisz keine kosten sparen, ihre leser zu vergnü
gen. 560; nachdem derselbe vor seine gehabte mühe wohl vergnügt worden (
genügend bezahlt, belohnt worden).
Felsenb. 3, 133; einen wegen des gemachten anspruchs nicht vergnü
gen. Hahn
hist. 3, 16; für wen arbeiten sie als für denjenigen, der ihre bemühung, ihn zu vergnügen, belohnen kann? Wieland 1, 135; Alarich brauchte geld, sein kriegesheer zu vergnügen und nicht blut und asche. Mascou 1, 366; ich muszt ihnen stets verwachen ihre berg und ihren wein .. aber mein berg blieb nur liegen, weil ich muste sie vergnü
gen. Opitz 3, 9; er (
Christus) bothe sich für uns das lösegeld zu werden, das niemand zahlen kunt auff dieser breiten erden. der muste selbst gott sein, der gott vergnügen wolt. Fleming 3; und thät ich ie der keuschheit was zu wieder ... so legt ich mit gedult den hals dem beile nieder und liesze durch mein blut und durch die todespein die schuld gebüst, den geist gesaubert werden, vergnügte gott und auch das recht der erden. Hoffmannswaldau
getr. schäfer 121;
mit personificiertem objecte: sie (
seine neigung) zu vergnügen fand er einen thron. Schiller 305; einen einer sache vergnügen,
einem genüge schaffen an etwas: bisz alsz lange, das er seiner drei fohlen vergnüget ist.
Arnstädter urkundenb. herausg. von Burkhardt 430 (15.
jahrh.); es sein dan ihro gn. des ihrigen gäntzlichen ausz demselben amt zuvorn vergnügt.
weim. staats-archiv (
Dessau) 1619; sei hertzig, wie du bist, und lasz dich desz vergnügen, dasz unser geister sich so wol zusammenfü
gen. Fleming 107;
in ironischem sinne: also der gut gesell der zweier ritt so wol vergnügt warde, dasz er desz dritten nicht begeren thet.
Galmy 73; als sie sahe, dasz sich der ritter so mannlich gebraucht hatt, dasz er den Wernhardt in zweien ritten so gantz vergnüget, dasz er sein, desz dritten ritts nicht begeret .. 125; einen mit
etwas vergnügen: dasz er mit den beiden provintzen .. nebst einer jährlichen lieferung von proviant und einer summe geldes vergnügt sein .. wolle. Mascou 1, 359; der cardinal Baronius ist aber damit nicht vergnügt, sondern erzehlet ferner .. 1, 440; sein herz war reich genug, sie selbst mit seinem überflusse zu vergnü
gen. Schiller 302; und wann schon ichs nicht anlegen wolte, meinen liebsten freund auff erden damit zu unterhalten, so wäre doch billich, dasz er, hertzbruder, aus Oliviers geld vergnüget würde, um diejenige schmach, die er hiebevor von ihm vor Magdeburg empfangen.
Simpl. 2, 13, 22. 22)
hierzu das reflexive sich vergnügen: gott gibt alles was wir dürffen; dasz sichs uns nu nimmer füget, macht die wollust und begierde, derer stand sich nie vergnüget. Logau 3, 59, 10 (494
Eitner);
das, womit man sich begnügt, durch präpositionen beigefügt: (
wir) müssen uns in vil dingen an einem gutduncken vergnügen lassen.
Frank weltb. 22
b; der sich mit einem bischoffthumb vergnügen muszte. Micrälius
a. Pommern 1, 95; er vergnügte sich daran, wenn er nur offt ihre gegenwart und gespräche genieszen kunte.
pers. rosenth. 5, 9; so du einem durstigen auch wasser des lebens zeigest, wird er sich doch daran nicht vergnü
gen. 7, 20 (
s. 88); sol man nun umb desz gemeinen volck willen in den seestädten den heringsfang verbieten? das were manchem vornehmen und ehrlichen Thüringer ungelegen, welcher offt einen braten stehen lässet und sich mit einem hering vergnüget. Schuppius 500; mit seinem stande sich vergnü
gen. Butschky
Patmos 49; mit wenigem sich vergnü
gen. 67; durch diese antwort kan sich Philyrus nicht vergnü
gen. Chr. Weise
überfl. ged. 2, 553; ach du unbarmherziges verhängnisz, soll ich mich an dem bloszen anschauen vergnügen?
Esau 32; sie vergnüget sich mit einem .. klaid, so seiden und meergrü
n. Weckherlin 726; (
die seele) die ihren heiland kennet, die hertzlich tag und nacht für seiner liebe brennet, mit ihm sich gantz vergnügt. Opitz 1, 65; so der himmel sich mit wollen läszt vergnügen, so wünsch' ich, dasz der mann, den dieser tag gefreut, ihn zehn mahl tausendmahl erleb' in fröligkeit. Fleming 43;
mit folgendem infinitiv: unter diesen seie dir wol, lieber Bacone, der du dich vergnügest eine gute schul anzustellen. Schuppius 731;
mit abhängigem satze: so soll man sich doch vergnügen, dasz man wisse, es sei dem also. Leibnitz 2, 52. 33)
den übergang zur construction mit sachlichem objecte bilden die zusammenstellungen von vergnügen
mit abstracten begriffen. dieselben fassen wir dann als mehr oder weniger persönlich genommen auf. diese redeweise, welche einer gewählteren sprache angehört, ist erst in neuerer zeit geläufig: (
er) verfolgte die flüchtigen, hieb einen theil davon nieder und suchte überall den Isdegerd, um seine rache zu vergnü
gen. Marigny
gesch. der Araber übers. v. Lessing 1, 370; allein was müszte das für ein gehirn sein, das in solchen umständen kein mittel ausfindig machen könnte, seine leidenschaft zu vergnügen, ohne sich mit den gesetzen abzuwerfen? Wieland 1, 170; ein frauenzimmer findet allezeit ein vergnügen darin, begierden einzuflöszen, auch wenn sie nicht gesonnen ist, sie zu vergnü
gen. 1, 187; auf allen seinen wanderungen hatte er keinen ort gefunden, wo er diesen hang (
zum müsziggang, zum wohlleben) bequemer zu vergnügen hoffen konnte, als das ländchen Jemal. 8, 308; und wie reichlich sah er sich im geiste für seine mühe belohnt, dasz alle diese bedürfnisse und leidenschaften durch seine veranstaltungen in kurzem ebenso viele mittel, die seinigen zu vergnügen, werden müszten. 8, 312; um eine besondere rache zu vergnü
gen. Möser 3, 93; er fing an, ihren eiteln sinn zu vergnü
gen. Musäus 3, 155; die neugier vergnü
gen. 3, 165; von keuschen seelen wird kein ferner wunsch vergnüget. Lohenstein
Agripp. 32, 335; vergnüge das vertraun, das jeder zu dir trägt. J. E. Schlegel 1, 314; gab gott, der nichts vergeblich füget, uns einen trieb, den nichts vergnüget? Drollinger 23; um Vastolas gelüste zu vergnügen, müst einer, denkt er, tag und nacht den feen in den ohren liegen. Wieland 18, 176; des fragers eitle neugier zu vergnü
gen. Schiller 31; und er selber auf seines knappen thier vergnüget noch weiter des jagens begier.
graf v. Habsburg; (
der herzog) giebt das gemeine beste preis, die rachgier an einem alten feinde zu vergnü
gen. Piccol. 2, 7 (
hist.-krit. ausg. 12, 117); einem etwas vergnügen: die lehr-begierde einigen gottseeligen personen vergnü
gen. Liscov
vorr. zu d. anm. 2; einen vergnügen mit
etwas: die frage war, ob Österreich abermals .. seine ländersucht mit einem neuen raube vergnügen .. sollte? Schiller
hist.-krit. ausg. 8, 52.
mit sächlichem objecte, eine sache zu einer genügenden machen, so machen, dasz man sich damit begnügt. die bedeutung unseres zeitwortes verlangt eigentlich ein denkendes wesen zum objecte und eine anknüpfung dessen, wodurch man vergnügt wird, durch casus obliquus oder durch präposition. wir haben aber schon mehrfach gesehen (
z. b. bei verehren),
wie wol der kürze wegen oder weil man die ursprüngliche bedeutung des zeitwortes nicht mehr recht versteht, besonders wenn es nicht wichtig ist, dasz die person, auf die das zeitwort wirkt, genannt wird, die wirkende sache object wird; hat sich nun dieser gebrauch befestigt, so tritt die person im dativ zu. bei vergnügen
hat sich diese wandelung der construction in einem beschränkten gebiete vollzogen, wir können es nur in der bedeutung '
bezahlen, auszahlen'
mit acc. der sache nachweisen und es sind keine spuren, die da glaublich machten, dasz früher ein weiterer gebrauch dieser construction dagewesen sei: hot des ersamen capitil ... stete und lewthe sich seiner personlichen schulden undirwunden .. und doran eine summe als 7
m. gulden mit leien, vorsaczunge unde vorpfandunge ir eigenen guter vorgenuget und beczalit. Bachmann
urkundenb. u. acten zur österr. gesch. 19 (
von 1445); was wir indes ehir .. mit bereitem gelde oder mit pferden nicht beczalen oder vergnügen werden. 33 (
von 1447); ich weisz, dasz mein verdienst und alles mein vermügen, nicht können einen scherff an meiner schuldt vergnü
gen. D. v.
d. Werder
Ariost 14, 49, 2;
mit näherer bestimmung der zu vergnügenden person: dem habe er sein eigen gelt und lohen darumbe vergnüget.
ernest. ges.-archiv (
Erfurt) 1523; darumb inen auch die drei termineiheuser aus dem gemeinen kasten und demselbigen zu gute, nach zimlicher wirderung, sollen vergnüget werden. Luther 2, 264; 2½ schock dem pfarner und seiner hauswirttin von Barchfelt vergnugt uff sein haus und hoff.
ernest. ges.-archiv (
Erfurt) 1550; keinem meidlin für seine jungfrauschaft nicht mehr denn zwentzig gulden zu vergnü
gen. Kirchhof
wendunm. 395
a; die jährlichen 537 gulden, welche sonst die fürstliche cammer zu Gotha an die zur Neustädter diöces gehörigen kirchen- und schuldiener vergnügen müszen.
weim. staats-archiv 1722; wie ihr, ob der geheimen räthin von Zehmen vor das bei dem von ihr an unsere rentcammer käuflich überlassene guth ... 1500 thaler zu vergnügen, beschieden sein wollet.
ebenda 1729.
in den heutigen mundarten, z. b. in Westfalen vernoigen,
bezahlen Woeste 291. 44)
stark entwickelt ist das participium und die participialconstruction, auch der adjectivisch gebrauchte infinitiv findet sich: wollen sie mir erlauben .. dasz ich ihre rechtfertigung gegen diesen schwer zu vergnügenden kunstrichter auf mich nehme. Wieland 38, 212;
besonders das particip prät. vergnügt
in der bedeutung '
zufrieden gestellt',
auch noch in den mundarten geläufig, so sagt man z. b. in Hessen ich bin vergnügt
für ich bin satt Pfister
nachtr. zu Vilmars id. 81.
das, womit man sich begnügt, durch präposition beigefügt: iren ehstandt hielten sie so steiffe, das die ... jungfrawen ... an einem man vergnügt nach seinem todt nit weitter gedachten sich zu verändern. S. Frank
chron. 4
b; als wie der scharffe zahn der ziegen auch die rinden, an blättern nicht vergnügt, von bäumen pflegt zu schinden. so war es nicht genug zu fressen unser gut. man gunt uns in dem leib auch kaum das letzte blut. Logau 1, 69, 80 (74
Eitner); mit sich und seinem herrn vergnügt, geduldig allerwegen, nimmt es fürlieb (
des Silenus eselein), so wie sichs fügt, mit marzipan und schlä
gen. Bürger 28
a; vergnügt sein,
zufrieden sein, wofür schon mancherlei aus den oben angeführten belegen zu entnehmen ist: ist ihnen in ihrer abwesenheit nur nichts verdrieszlichers zugestoszen, als mir, so bin ich vergnügt. Lessing 2, 76; ein sinn, der weiszheit liebet, sieht, was man heute nimmt, und morgen wieder giebet, mit sichern augen an, und ist gar wol vergnügt, wann er den tod und neid durch wissenschaft besiegt. Opitz 1, 26; beszres glücke künt ich leiden; kümt es nicht, ich bin vergnügt; wann sichs, als ietzund ichs habe, nur nicht ärger mit mir fügt. Logau 2, 220, 58 (417
Eitner); ich bin vergnügt, verlange höher nicht hinauf, wo grosze höh, ist grosze tiefe. Schiller 12, 342; daruff habin uns die gnanten Behmischen herren ... globt, uns an unserm dinste gehorsam zu sein und getruwelichen zu helffin, von uns auch nicht uffzubrechin, wir sind dann von unserm herren und frunde von Collen uszgerichtet und vergnuget. Bachmann
zur gesch. Österr. 35; an dem zehentausenten teil des glücks vergnüget sein. Agricola
spr. 18
a; disz alles möget ihr dem herzogen vol anzeigen, wo er aber nit damit vergnügt sein will, mag er mich selbs beschicken.
Galmy 332; derhalben so bleibt dieser artickel ein zeit wie die ander fest und bündig, das wir die heiligen für unsere mitler, fürsprechen und advocaten müssen haben und mit Christo nit können vergnügt sein. Fischart
bienenk. 189
b; ich sei dann zuvor meines kostens und schadens vergnügt. Kirchhof
wendunm. 76
a; ihr hirten, sagte sie, so viel ist menschlichen augen allhier zu besichtigen erlaubet und ihr werdet mit meiner und meiner schwestern anjetzo erzeigten gunst vergnüget sein. Opitz 2, 275; das gemüht, so mit seinem glück vergnüget, hat am wenigen genug. Schuppius 540; wer ist doch mit seinem glück vergnüget? 524; die menschliche natur ist so unersättlich, das sie mit keinem, auch dem höchsten zeitlichen glücke, niemals vergnügt sein wil. Butschky
Patm. 193; wir wollen aber mit dem vergnügt sein, dasz .. A. v. Abschatz
vorb. zu Lohenstein
Armin.; Kant .. schien mir auch mit der art, wie sie den statum causae exponirt .. vergnügt zu sein. Hamann
an Jacobi 4, 3, 89; mit der aufnahme seiner Antigone hatte Sophokles ohne zweifel die meiste ursache, vergnügt zu sein. Lessing 6, 284; sie (
drei mitschüler) .. sind mit ihrem schicksal vergnügt. Schiller 1, 16; ein himmlisches gemühte .. ... ist an sich selbst vergnügt, in höchster armut reich. Fleming 71; die schafe gehn im weiden und suchen beszres immer, die menschen sind vergnüget mit ihrem stande nimmer: also sind kluge menschen, als albre schafe, tümmer. Logau 3, 225, 44 (641
Eitner); ei siehe! wirds heiszen: da liegt der prächtige, mächtige mann, der stetig mit erden vergnügt, der (
welcher) himmel bei seite gethan. P. Gerhard 6, 40
Gödeke; (
bin) wenn mein spiegel mich nicht belügt, nicht ohne grund mit meiner gestalt vergnügt. Wieland 18, 305; ein guter vater, liebevoller gatte, war er vergnügt mit seinem loos. Gotter 1, 430; wüst' er die kunst, in liebevollen armen vergnügt mit wenigem zu sein, so schlüg er knips! in alle welt ein knipschen. Kl. Schmidt
poet. briefe 60. 55)
aus der bedeutung '
zufrieden stellen, zu einem befriedigten machen'
entwickelt sich die allgemeinere '
fröhlich stimmen'.
diese bedeutung ist nicht sehr frühe nachzuweisen, aber heute die allgemein verbreitete. in den älteren wörterbüchern fehlt sie, erst Steinbach (1725) 17. Frisch 2, 231
bringen vergnügen,
delectare aliquem, voluntatem percipere ex satietate. selten absolut, wo dann leicht ein object ergänzt werden kann: der übersetzer des Gay hat sich zu gleicher zeit auch als verfasser gezeigt und 'versuche zu vergnügen' herausgegeben. Lessing 6, 10; ich will mein schicksal erwarten, und mir von meinen lesern sagen lassen, ob ich meine absicht, durch die fabel zu vergnügen und zu unterrichten, noch einmal erreicht habe. Gellert 1, 36; daher (
weil die erklärung, dasz ein gegenstand angenehm sei, ein interesse an diesem gegenstande verräth) man von dem angenehmen nicht blos sagt, es gefällt, sondern es vergnügt. Kant 7, 47; erarbeitetes geld vergnügt wenigstens dauerhafter, als im glücksspiel gewonnenes. 10, 258;
meist mit folgendem persönlichen objecte: dieses glück (
dasz meine fabeln beifall fanden) vergnügt mich unendlich; und ich weis nicht dankbarer dafür zu sein, als dasz ich dieses offenherzig gestehe. Gellert 1, 34; das vergnügt mich von herzen. 3, 156; und das vergnügt mich, dasz in deinen augen kein gröszer unglück ist, als ihn zu verlieren. 3, 290; wie herzlich vergnügt es mich, sir, sie vor meinem ende wieder zufrieden zu wissen. Lessing 2, 50; nichts beschäftigt sie, nichts vergnügt sie. Diderot
übers. v. Lessing 1, 37; angenehm heiszt jemandem das, was ihn vergnügt, schön, was ihm blos gefällt. Kant 7, 51; was unmittelbar mich antreibt, meinen zustand zu verlassen, ist mir unangenehm, es schmerzt mich, was ebenso mich antreibt, ihn zu erhalten, ist mir angenehm, es vergnügt mich. 10, 249; schade ist es indessen, dasz ein werk von diesem gehalte ... keine bessere bestimmung hat, als eine anzahl mönche in ihrem refectorium zu vergnü
gen. Schiller 741; küsten immer in die wette, eines war des andren klette, bisz es Venus so verfügte, die disz thun so wol vergnügte, dasz die geister, die sie hauchten, immer blieben, nie verrauchten. Logau 3, 10, 15 (529
Eitner); erfahrt hinfüro nichts als was euch wol vergnüget, und was mit eurem wuntsch sich lieblich eint und füget. 3, 844 (568
Eitner); es konte gahr kein trost vergnügen meinen sinn, mein täglich klagwohrt war der Nährend ist dahin. Rist
Parnasz A 73; kennt Vandyks mahlerei den reitz von ihren zügen? kann sie (
acc.) ein schmeichelnd glas, wie Sylvien vergnügen? Wieland
suppl. 1, 75; was sonst die sprödesten vergnügt, sogar der stolz, selbst unbesiegt die herzen im triumf zu führen, war ihrem gröszern stolz zu klein. Wieland 10, 131; die verlegenheit, so stattlichen besuch nach würden zu vergnü
gen. Gotter 1, 275;
mit personification eines sachlichen objectes: der einfall vergnügte unsern witz. Lessing 7, 161; ein solcher (
brodgelehrter) wird .. keine wichtigere angelegenheit haben, als die wissenschaften, die er brodstudien nennt, von allen übrigen, die den geist nur als geist vergnügen, auf das sorgfältigste abzusondern. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 81; wie sein freudiger blick an seiner werke gestalten sich ergötzt, so vergnügten sein ohr die gesänge des himmels. Klopstock
Mess. 1, 241; geschaffen nur, die augen zu vergnügen, welk werden sie zu deinen füszen liegen. Schiller 27; 66)
reflexiv, sich vergnügen: sie wollte nichts als gefallen und sich vergnü
gen. Wieland 38, 242; sein leben fühlen, sich vergnügen, ist also nichts anderes, als sich continuirlich getrieben fühlen, aus dem gegenwärtigen zustande herauszugehen. Kant 10, 252; diese gravität hindert ihn (
den Spanier) auch nicht, an tagen der ergötzlichkeit sich zu vergnü
gen. 10, 355; ich vergnüge mich mit meinen freunden und suche ihn (
den verstorbenen) unter denselben. 10, 462;
mit näheren bestimmungen: eine art sich zu vergnügen ist zugleich cultur: nämlich vergröszerung der fähigkeit, noch mehr vergnügen dieser art zu genieszen. Kant 10, 257;
dasjenige, wodurch das vergnügen
erweckt wird, wird durch präpositionen beigefügt: über ihre familiennachrichten habe ich mich sehr vergnügt. Rabener 6, 186; nun freuen wir uns, uns an nichts vergnügt zu haben, was wir nicht auch hochachten könnten. Lessing 7, 160; bilderchen, die ... von einem kindischen geiste ausgemalet sind, der oft nur zum zweck hat, sich durch abwechselnde schattenbilder an der wand zu vergnügen, und durch rasende contraste das auge des zuschauers zu bestürmen. Herder
zur phil. u. gesch. (1820) 13, 16; über eine andere frohe aussicht vergnügten wir uns gleichfalls zusammen: sie versicherte nämlich, dasz es gut wetter gäbe, Göthe 27, 15; desto erfreulicher und erwünschter war uns die felsenlage von Terracina und kaum hatten wir uns daran vergnügt, als wir das meer gleich davor erblickten. 28, 9; jederman scheint sich dieses scherzes (
männerkleider mit frauenkleidern zu vertauschen oder umgekehrt), an dem wir uns alle einmal in der kindheit vergnügt haben, in fortgesetzter jugendlicher thorheit erfreuen zu wollen. es ist sehr auffallend, wie beide geschlechter sich in dem scheine dieser umschaffung vergnü
gen. 38, 165; wenn der kalif, im staat, an seiner tafelrunde mit seinen emirn sich beim hohen mahl vergnügt. tritt hin und schlage dem, der ihm zur linken liegt, den kopf ab. Wieland
Oberon 1, 66. 77)
auch hier wiederum ist das partic. sowol im präsens wie im präter. sehr gebräuchlich und adjectivisch geworden: mein Andreolus empfieng seine Caeciliam mit höchst vergnügender anmuthigkeit und sie ihn hinwiederumb.
Simpl. 2, 305, 15
Kurz; warum gab nicht auch Marmontel seiner erzehlung diesen vergnügendern ausgang? Lessing 7, 158; denn es kommt, wenn man nach den bestimmungsgründen des begehrens fragt .. gar nicht darauf an, wo die vorstellung dieses vergnügenden gegenstandes herkommt, sondern nur wie sehr sie vergnügt. Kant 4, 120; es mag (
das wort genusz) immer wegfallen und dafür der gebrauch einer unmittelbar ... vergnügenden sache gesetzt werden. 10, 502. — aber nachdem ich im geringsten nichts dergleichen an ihm vermercken konte, faste ich schon ein ander hertz und war viel vergnügter, als wann man mir ich weisz nicht was sonst groszes, gegeben hätte.
Simpl. 4, 30, 20
Kurz; meine ältern hielten dieses für eine vergnügte vorbedeutung. Rabener 2, 15; sang so lustige, vergnügte lieder. Klinger
theater 3, 116; wir brachten viele vergnügte stunden zusammen zu, in denen wir uns wechselseitig unsere kenntnisse, vorsätze und neigungen mittheilten. Göthe 26, 139; so ward mir ... das versprechen abgenommen, dasz ich nach Mainz folgen ... sollte, welches ich denn herzlich gern ablegte und mit dieser vergnügten nachricht nach hause eilte. 26, 322; weil man sich mit viel vergnügtern dingen beschäftigte. Jungstilling 36;
adverb: ein vergnügt zugebrachter tag, vergnügt verlebte stunden.
participialconstructionen: die seelenkranken dieser art sind mehrentheils sehr vergnügt, dichten abgeschmackt. Kant 10, 231; der schäfer war vergnügt, das nymfenvolk nicht minder. Wieland 10, 130; weiszt du, worin der spasz des lebens liegt? sei lustig! — geht es nicht, so sei vergnügt. Göthe 3, 256.