ungemach,
m., n. ,
gth. von gemach III.
ahd. ungamah,
n., neben ungimahhî
und ungimahhida (ungemachde Staub-Tobler 4, 19);
as. ungimak;
an. úmak,
n., neben úmaki,
m.; altschwed. omak, omaki;
aus dem westgerm. (
mnd.) Falk-Torp 689, 1322;
mhd. ungemach,
n., m.; mnd. un(ge)mak;
mnl. ongemac,
n.; nl. on(ge)mak,
n.; dän. umag(e);
schwed. omak.
in mundarten wohl vorhanden (
z. b. Staub-Tobler
a. a. o., Müller-Fraureuth 2, 598
b;
Eupen 10
a; Doornkaat-Koolman 3, 471
a;
bayr. und els. nicht verzeichnet, tir. '
nicht sehr üblich' Schöpf 409),
doch anscheinend ohne dort ein eigenleben entwickelt zu haben; ungemâke,
n. Schambach 243
a; De Bo 672; Nemnich
nos. 19
d; Höfler 383
a. Adelung
setzte auch für das subst. ein heutiger gebildeter rede fremdes ā
an; zum schwanken der ma. s. gemach III 3 c.
die betonung des präf. ( Adelung)
entspricht der regel. umlaut ergreift den plur.: ungemäche und schäden Krämer
leben u. t. thaten (1681) 226;
s.gemach III 3 b.
das m. (gemach III 3 a)
noch öfter im 15.
und 16.
jh. (
fastnachtsp. 406, 5; 698, 12
K.; Hätzlerin 43; A. v. Eyb
sp. d. sitten A vi
a; Xylander
Pol. 173;
b. d. liebe 271
a),
die ansetzung des f. bei W. Scherffer 66. 223 (Drechsler 60)
beruht auf irrthum. mit unechtem t ungemacht
volksl. 1, 92, 3
L.; Höniger
narrensch. 21
a (
s.gemach II 3;
auch mhd. und mnl., altschwed. omakt).
plur. die ungemach
wie gemach III 3 b: Freidank 4, 16;
Terenz Eun. (1486) 62
neudr.; Franck
G. chron. 24
b; Ringwaldt
warn. F 1
b; Höniger
narr. 100; tausend ungemach Lichtenberg
verm. schr. 3, 435; Krünitz 196, 280;
veraltet; ungemache Denis
l. Sineds 146, 21;
vgl. nl. ongemakken; ungemacher
tirol. weist. 1, 71, 21 (1609).
in der n. spr. sind die plur.-formen unüblich geworden; '
man sagt dafür die ungemächlichkeiten' (
s. ungemächlichkeit) Braun
orth. gr. wb. (1793) 270
b,
oder gebraucht den sing. collectiv: trotz hindernissen und ungemach Abbt 6, 1, 40; 245.
die hauptvorstellung des ursprünglich westgerm. begriffes erweist sich von solcher dichtigkeit, dasz ihm eine tausendjährige entwicklung nichts anhaben konnte und er gegen unzählige begriffsverwandte wie unsenfte, arbeit, unbill,
ungelegenheit, unbequemlichkeit, unbehagen, unbehaglichkeit, unannehmlichkeit, ungefälle, ungeheuer, unglück, drangsal, bedrängnis, leid, unheil, last, beschwerde
u. s. w. sich behauptete. es kann sich hier nur um grundlinien in der geschichte des unerschöpflichen wortes handeln. 11)
gth. von gemach 1
mit schwachem sinnlichen einschlag. 1@aa)
gth. von gemach 1 a, b,
mangel an '
gemach' (
wohlgemach),
aufhebung und störung des '
gemaches',
ungemächlichkeit, unruhe, arbeit, anstrengung u. dgl.: störung der nachtruhe und dadurch verursachte belästigung as. ungimak
ahd. gloss. 4, 297, 35
nach Luc. 11, 8, Wadstein 55
b, 6,
nicht '
ungeschicklichkeit' (Wadstein 234
b);
ähnlich Gerhard v. Minden 39, 10
L.; störung durch einen umgehenden geist Rückert 2, 267;
vgl.c
γ;
mhd. lärm, unruhe, gedränge, übel (harte klein) gemach
für ungemach (
s.gemach 1 b);
mnl. für onrust; an. für trouble; altschwed. für oro, buller. ungemach und arbeit Gottfried
Trist. 11604; Gerh. v. Minden 122, 4
L.; arbeyt und ungemach Brant
narrensch. 59, 1
Z.; Simpl. 43
Kögel; u. und anstrengung Schopenhauer 2, 183; u. und gefahr Moltke 6, 40; mühe und ungemach; worzue dienet das studieren, als zue lauter ungemach? Opitz
poeterei 26
neudr.; D. Schirmer
rosengepüsche 65; des lernens u. Hagedorn 56, 173
neudr.; Paulus den lauff des evangelii .. auch mit seinem groszen u. befürdern solte Dannhawer
cat. 1, 54 (
vgl. 1 c
ε,
ζ); nicht sonder u. A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 216; ohne u. El. Charl. v. Orleans 3, 617; Laukhard
leben 2, 398; Freytag 11, 126; man ist nachgerade müde geworden ... und überläszt dem jungen völkchen sich abzujagen und sein vergnügen durch allerhand u. zu erringen Holtei
erz. schr. 9, 66; das u. des feldes (
feldlagers) Freytag 18, 420 (der läger u.
vern. tadl. 1, 215). ungemach,
gs. gut gemach Luther 30, 2, 573; Wander 4, 1432, 5,
s. gemach III 1 b; wenn einer von gutem gemach zu u. gefordert wird Agricola
spr. 642. reiseungemach. übles hausgemach
germ. abh. 25, 554. 280.
für incommodität Kinderling 279. 1@bb)
bezogen auf gesundheitliche störungen und beeinträchtigungen des körperlichen befindens; das gth. gemach 1 a
β bleibt schwach entwickelt. am reichsten im nl. ausgebildet (
mnl. wb. 5, 611;
nl. 10, 1626);
in unserer schriftspr. mit vorliebe von geringeren störungen gebraucht, wenn auch früher fälle einer stärkeren bed. nicht fehlen, z. b. dein leib ist auch mit ungemach gantz durch und durch belauffen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 406
a; (
ebenso K. v. Würzburg
Engelh. 5170);
vgl. 408
a.
es bezeichnet sowohl den zustand und dessen empfindung als auch die ihn bewirkende ursache und eignet sich in der n. spr. zu euphem. abmilderung: in den selben jaren meid er ellú bad ... dur ungemach sines zart suochendes libes Suso 46, 2
B.; fliegenstich Gerh. v. Minden 23, 2
L.; sucht 40, 9
L. u. a.; ohnmacht Konrad v. Würzburg
mhd. wb. 2, 1, 14
b; Höfler 383
a; wann es ist gar krank und schwach und leidet groszen ungemach
fastnachtsp. 698, 12
K.; mit kopfwehe und u. Harsdörffer
gespr. 2, 120; für ungemach und ... zauberey Prätorius
blockesb. verr. 449;
im magen Wolff
v. d. m. thun 297; wer aber wird denn nun ... die götter pflegen wenn sie ein ungemach im schlaffe solte stöhren Henrici 1, 43; sehr schwachen personen, die auch von leichten ursachen u. empfinden
allg. d. bibl. anh. 25—36, 478; das neue ungemach, den spleen Novalis 1, 162
Minor; besprechungsformeln gegen ... u. Mommsen
r. g. 1, 204; ermüdung oder anderes u. spürten wir nicht Steub
drei sommer 1, 395; das ungemach, die ungemächlichkeiten des alters. geen ongemack
μηδὲν ἄτοπον nl. wb. 10, 1626 (nichts ungeheures Luther).
krankheit, ohnmacht, unvermögen, leiden im allg., bes. fallsucht Höfler 383
a; Pfister
nachtr. 306;
vgl.g;
nl. wb. 10, 1627, 3;
mnl. pestis, pestilentia, lues, cancer, ficus, perpera, lupus u. a.; schaden am fusz Kramer-Moerbeek 1, 316
b;
am bein Doornkat-Koolman 3, 471
a; ongemakken
vitia Nemnich
nos. 19
d; ongemak
die gallenblase, als fleischerausdruck De Bo 672.
übertragen wie mnd. (
wb. 5, 61, 4) '
sünde': an dem leibe erschien nicht das u. ihrer seele Grimm
sagen 2, 143;
unüblich. 1@cc)
gern von störungen in der gestaltung, den vorgängen und zuständen des äuszeren lebens. bey den beschwerden des lebens fühlen wir unsere ohnmacht, beym ungemache des lebens unsere verletzbarkeit und abhängigkeit von den äuszern dingen Delbrück (1796) 71. 1@c@aα)
von wetter, witterungseinflüssen, natürlichen dingen, naturereignissen und thieren ausgehende beeinträchtigungen: het ich ein hûs für ungemach, dem lieʒe ich selten fûlen'ʒ
Dach Freidank 170, 18; Agricola
spr. (1534) O iii
a; Petri H h viii
v; Baumeister
zimmermannsspr. 24, 13; Gutzkow
ritter v. g. 6, 265; so gehts mit den gebäuden, sie halten blosz u. ab Heinse 4, 28; denn bald bot einer linde dach mir schutz vor fernerm ungemach Kind 5, 183;
die verursachte ungemächlichkeit Keller 9, 290; die dicken wolcken halten an ihr ungemach und faules feuchten S. Dach 722; nymphen können mehr gewähren als des waldes ungemach Neukirch
ged. (1744) 255;
vgl. 1 a; wilder wellen u. Schönaich
H. d. vogler 35; Gries
ras. Rol. 1, 265; W. Müller
ged. 274
Hatfield; des wetters Wieland 23, 55; Bode
Montaigne 2, 148; im jungen herbste wird schon das ungemach des frosts sein (
des gemächlichen) klaglied Gerstenberg
rec. 7, 34
neudr.; ein armer hund, vor alter schwach und krank durch vieles ungemach, der hatte nichts zu nagen Hegner 222;
entbehrungen, entkräftung mnl. wb. 5, 611, 2 b
α; flöh', wanzen und sonstiges ungemach Immermann 2, 25;
nl. ongemak onder de kleeren
ungeziefer am leibe. 1@c@bβ)
rechtliche beeinträchtigung, unbill: injuria Graff 2, 636; Otfrid 4, 19, 65. 19,
vgl. 1 d; her sal ... in kunden unde wisen sin ungemach unde di gewalt, di man mit ime beget (1278)
hess. urk. 3, 408; here, ik klage yw dyt unghemack
Reinke de vos 854. Göthe 2, 256
biegt den begriff nach 1 c
α u. ζ um; dem closter u. thon (
vgl.ε) Knebel
chr. v. Kaisheim 119; in frembdem u. (
κακά)
übelthat, die zu einer klageverhandlung anlasz gibt, gr. dram. 1, 256
Dähnhardt; dasz wer nur reden und schreiben kan, von ihrer (
der frauen) untugend und unart weisz zu singen und zu sagen, welches u. alles sie also .. leyden müssen Moscherosch
ges. 2, 266; ungemach = unsteuer Zedler 49, 2080 ('
unsteur heiszt allerhand unfug, gewalt, ungemach und übermuth, so von jem. erweckt und getrieben wird');
in der n. spr. ähnlich wie bei Göthe
a. a. o. nicht mehr gefühlt und umgebogen. 1@c@gγ)
eng anschlieszend und z. th. die bed. β ausdeutend, beeinträchtigung durch feindschaft, verfolgung, fehde, kampf, fährlichkeit u. dgl. ahd. ungimahhida
simultas. as. ungimak
infestus; altschwed. omakliga,
adv. häftigt, valdsamt; mnl. orloghe ende ongemac, met onvreden ende met ongemake
wb. 5, 608
f.;
not der verfolgung Gerh. v. Minden 41, 5
L.; zwischen δ und γ stehen fälle wie: wann ich hett wöllen mit u. faren (
vorher gewalt, frevel, stürmen), ich wolt Teützsch landt in ein grosz pluotvergiessen gebracht haben Luther 10, 3, 19, 3
W.: ir habet erliten hiutevil grôʒen ungemach
Nibelungenlied 1914, 2; yedoch so muost er leyden vom wurme ungemach
lied. v. hürn. Seyfried 47
neudr.; u. anthun
volksbuch 77
neudr.; letzen u. zufugen
gemma gemm. m 4
a; Binhardus
thür. chr. 40; er brach den eingangen fried mit den Saracenern und legt jn vil u. an Franck
Germ. chr. 63
a; es steckt vil gfehrlichs ungemachs bey eim tyrannen Sachs 20, 472, 22
G.; vil u. und verfolgung Albertinus
zeitk. 79; Besser-König 1, 199; über wiese, hain und dach stürzte krieges ungemach Göthe 4, 136
W.; u. des kriegs Nicolai
litbr. 7, 6; Schubart
ged. 2, 292; Iffland 6, 216; kriegsungemach
F. Mendelssohn-Bartholdy
reisebr. 2, 236; in schlacht und u. Schenkendorf
ged. 41;
die neueren beispiele mischen 1 c
ζ ein. veraltet mit ungemach '
erbittert' Opel-Cohn 163; Schmetzl
Sam. u. Saul 33, 753
neudr. meiner freuden u. (
beeinträchtigung) H. v. Neustadt
Ap. 2473
S. abgeschwächt von neckenden angriffen auf eine strickende: thut einer ungemach, so straft ein stickenschlag Voss
ged. 6, 17. 1@c@dδ)
zwist, streitigkeit; vgl. γ und ahd. ungimah
dispar. Staub-Tobler 4, 19 (1680): umb allen handel und ungemach, der tzwischen ewer payder ye geschach
passionssp. 107, 1678
Wackernell; dasz ... allerhand miszvorstand, zerrütligkeit und ungemach causiret und angerichtet werde
act. publ. 1, 70
P.; das allerschlechtste thier ... lebt mit ihm (
seinesgleichen) in ruh und sonder ungemach B. Neukirch
ged. (1744) 172;
nl. zij geraakten met elkaar in ongemak.
veraltet. 1@c@eε)
fehler, mangel, nachtheil, schaden, übelstand, schererei, quälerei, malheur u. dgl. gth. gemach 1 h
commodum. mnl. wb. 5, 613: was dann schadens und u. darusz entsprieszen wurd Riederer
f iii
a; Eyering 3, 526; Agyrtas 10; Ranke 1, 49; so gar flieszt jeder vers dir sonder ungemach B. Neukirch
ged. 165;
geldnot wie mnl. wb. 5, 609: zahle deine schulden! so lern das einmal eins und tilge nach und nach durch wuchernde vernunft dein langes ungemach B. Neukirch
ged. 118; Hanke 1, 406;
vgl. ungelegenheit;
capitalsverlust Hohberg 1, 16; übermäsziges u.
molestia immodica heiszt ein besonders groszer und wichtiger schade Zedler 49, 1427; ongemak
schade, averij in nl. seemannsspr. wb. 10, 1626, 1; ihre provinz erfuhr viel u.
drangsale Göthe 36, 305
W., vgl. γ; das problem ..., die ... verfassung Frankreichs mit dem möglichst wenigsten u. der jetzt lebenden dergestalt umzuschaffen K. Fr. Cramer
Neseggab 3, 18; er hielt's für groszes ungemach, wenn mancher sich den kopf zerbrach Becker
Mildheimer lb. 76; wenn die käuflichen stellen schon früher ein u. dieses staates waren Ranke 37, 304. auf weiber stellt' ich nun mein sach ... daher mir kam viel ungemach Göthe 1, 132
W.; und diesem möchte ich es wohl zuschreiben, dasz mich im Selkethal gar mancherlei kleines u. heimsuchte, dasz ich, indem ich über das wasser springen wollte, just in die mitte hineinplumpte Heine 3, 76; von all dem u., das jeder ... poet Österreichs zu erdulden hatte
jb. d. Grillparzerges. 6, 4; aber leid wär's mir, so ich euch selbst dadurch in u. ... brächte Pocci
kom. 2, 118; zu meinem gröszten u. kam die hausfrau dazu, als ich der tochter einen kusz gab Krünitz 196, 281; ein kleines u. Hebel 2, 38, 17
B.; mancherlei lustiges u. Langbein 31, 147.
mildernd Keller 1, 174.
mhd. ungemechelîn;
nl. ongemakje. 1@c@zζ)
im gegensatz zu solcher abschwächung aber auch verderben, unheil, unglück, not, böses: daʒ ich den tiuvel und den tôt muoʒ fürhten, deist ein groʒiu nôt: und ich ir dewederʒ nie gesach, und fürhte doch ir ungemach Freidank 67, 12; und über alles ungemach so sind wir keiner zeiten vom tode frey Dach 187; gefährtin seines glücks und ungemaches Heräus 58; Tieck 11, 33; aus u. in u. Herder 15, 425; von u. zu u. Göthe 13, 26, 24
W.; mit schrecken und u. Kortum
Jobs. 3, 80; das u. der zeit Schubart
ged. 2, 210; Giseke-Gärtner 47; Claudius 8, 117; und eh der dritte tag anbrach, da schied er hin in ungemach, erschrecklich er gestorben ist Mittler
volksl. 387.
zur syn.: sie war klug genug einzusehen, dasz ein gegenwärtiges geringes übel leicht mit einem groszen u. vertauscht werden könne Göthe 26, 153, 8
W.; verderben, ungemach, ungelegenheit, unwesen Sattler
phras. 378;
zwischen unfall
und unglück
stehend Teller 2, 297; u., bedrängnisz, drangsal, elend, jammer, kreuz, leiden, noth, trübsal, unglück, widerwärtigkeit Weigand
syn. 3, 863 ('
das die ruhe benehmende und beschwerende widerfahrene übel'). 1@dd)
mit hervorhebung der (
selten ganz fehlenden)
gefühlswirkung. Otfrid 3, 24, 70;
mhd. jammer, jammergebärde; mnl. wb. 5, 610
f.; sêriu u. Reinmar v. Zweter 43, 10
R.; mnl. met wel soeten onghemake
wb. a. a. o.; let und ungemak Gerh. v. Minden 78, 38
L.; omaki
jämmer, klagan, sorg Söderwall 2, 160
b: die schyden sich mit grosser klag und u. (
var. ubelgehaben)
Tristrant prosa 147, 1; der bischoff treib grosz ungemach und zornte sich sere
Reinolt 5685. 6517
Pfaff; ich sichs an deinen braun euglein wol, du tregst grosz ungemach
volksl. nr. 47, 3, 4
Uhland, mit leiser berührung der bed. b; kein ungemaches tragen
nicht ungnädig aufnehmen th. 5, 485; mit u. '
ärgerlich': ey! sprachen sie mit ungemach
ganskönig 3, 687; sie klagt ihr ungemach mit weh und ach G. Neumark
lustw. (1652) 5; es sollte mir daraus noch manche freude und manches u. entstehen müssen Göthe 26, 268
W.; unter langem jammer und u. ein tag der freude Hauff 5, 402, 1; nun geben sie ihr ungemach von sich Raabe
hungerpastor 3, 69. 1@ee)
von anfang an beschränkt sich der bereich des wortes nicht auf den umkreis des äuszern lebens (
s.c;
vgl. nl. ongerief): Otfrid 4, 26, 34;
mhd., mnl. auch qual und pein der hölle; alles laid, kumers und u., so mir zuofellt disz jor, clag ich dir Steinhausen
privatbr. 2, 57; das (
werben) pringet mir groszen ungemach
fastnachtsp. 406, 5
K.; nehmt euer kreutz und ungemach auff euch Silesius
seelenlust 258
neudr.; mannes sorge macht Blondillen sonsten nichtsnicht ungemach, wollte keiner zu ihr kommen, lief sie selbst doch ihnen nach Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 110; die quelle von allem öffentlichen und häuslichen ungemache J. A. Cramer
nord. aufs. 1, 8; zu welchem ungemach ernährt' ich dich! Bürger
Il. 1, 589; du hast noch kein u. des lebens gekostet Tieck
Magelone (
d. nat. lit.) 144, 1, 62; Rosegger 12, 124; kummer und u. verursachen. 1@ff)
im bilde, vergleich, sprichwort und in sentenziöser rede: der kalte winter des lebens, da schnee und ungemach sich wittern Treuer
Däd. 1, 74 (
vgl.rauhes u. Triller
betr. 1, 535: Schiller
unten; trübt sich u.? Voss
ged. 5, 241);
als speise Schwabe
bel. 4, 35;
trank Rückert 2, 150; ganze sümpfe voll u. Heinse 9, 42; nur in bestimmter höhe ziehet das verbrechen hin und das ungemach Schiller 14, 117 (
braut v. Mess. 2580). doch rede sacht! denn unter diesem dach ruht all mein wohl und all mein ungemach (
der herzog) Göthe
Ilmenau 121. selten mir ie liep geschach, da enwæren drîʒec ungemach Freidank 4, 17; Herrand v. Wildonie
th. 4, 1, 2, 3130 a
δ; Wander 4, 1432; Luther
oben unter 1 a; der eine hat glück, der ander u. Petri 2, n vi
r; 1, a vii
v; das alter bringt beydes gute tag und u. 2, lvii
v; wer nie kein ungemach und nirgend ausz wil stehn, musz in der welt nicht seyn, musz ausz der menschheit gehn Logau 373, 69; freude kommt nach ungemach Schmolcke 1, 117; selbst die glücklichste der ehen, tochter, hat ihr ungemach Gotter 1, 85; Kotzebue 7, 166; wer sich leben wünscht, der wünscht sich auch einiges u. Ebert
Youngs nachtg. 4, 67; an ausgestanden ungemach ist zu denken leichte sach Wander 4, 1432, 1 (
vgl. 10); überstandenes u. hat einen eigenthümlichen reiz Göthe; selbst u. schreckt uns nicht
nec aspera terrent wahlspruch des Guelfenordens (1815) Lipperheide 897
b. 1@gg)
im ausruf: we und ungemach! H. v. Neustadt
Apollonius 5526
Singer; got geve di, vasel, ungemak! Gerh. v. Minden 45, 8
L. u. ö.; mnl. wb. 5, 609; dasz ene geschee leit und ungemach!
Alsfelder pass. 13, 451
Grein; als fluchwort Kehrein
Nassau 416;
in der verb. unfal als ungemachs Sachs
sp. 527 III; aber, o was ungemach!
Reinicke Fuchs (1650) 116; ach ungemach!
im kehrreim Günther 107; inu du grusz u'gemach!
ausruf des schreckens Müller-Fraureuth 2, 589
b. 22)
die gemach 2
entsprechende sinnliche bed. ist nirgend wirklich ausgebildet, doch führen manche spuren an die stelle, wo sich die neuere sinnliche und die ältere unsinnliche bed. schneiden (
bezüge aus der etym. grundlage, sei es nun *makon
kneten oder *magmu
joch, wirken in unser wort nicht mehr herüber),
z. b. ungemaches plegen (gemach 2 a
gebildet)
oder rouch, übel wîp, dürkel dach füegent manic ungemach (
treiben den mann aus dem hause) H. v. Trimberg
renner 20440
Ehrismann (
germ. abh. 25, 302
f.).
an die (
von Zarncke
mhd. wb. II 1, 15
a erläuterte)
stelle: dô hieʒ si Hagen füerenan sînen ungemach
Nibelungenl. 2293, 1
knüpft Vischer
auch einer 1, 304: Arthur war übel gebettet in seinem 'ungemach'
mit dem doch unzutreffenden zusatz: wie das Nibelungenlied den kerker nennt.
wenn Göthe 43, 371 12
W. (
Cellini 1)
die kerkerhaft als das u.
bezeichnet, liegt bed. 1 c
ζ (1 d)
vor. —