lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Ungefähr

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
11 in 10 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
27
Verweise raus
27

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Ungefähr

Bd. 4, Sp. 854
Ungefähr, adj. & adv. welches besonders in einer dreyfachen Bedeutung gebraucht wird. 1. * Was man nicht wahr genommen, was unvermuthet ist und geschiehet. Ein ungefährer Tod, ein unvermutheter. Die ungefähre Ankunft eines Freundes, die unerwartete, unvermuthete. Ein ungefährer Zufall. Doch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, ob sie gleich noch in einigen Provinzen gangbar ist. 2. In engerer Bedeutung nennet man eine Begebenheit ungefähr, wenn uns ihre Ursachen unbekannt sind, zufällig, daher wir sie auch nicht vermuthen können, da es denn in noch engerer Bedeutung oft dem vorsetzlich entgegen gesetzet ist. Ein ungefährer Stoß, sowohl, der ohne Vorsatz geschiehet, als auch, dessen Ursachen uns unbekannt sind, daher wir uns nicht davor hüthen können. Ein ungefährer Fall. Am häufigsten als ein Nebenwort für zufälliger Weise. Es begab sich ohngefär, (ungefähr,) daß ein Priester dieselbige Straße hinzog, Luc. 10, 31. Gott hat ihn lassen ohngefär in seine Hände fallen, 2 Mos. 21, 13. Wenn er ihn ohngefär stößet, 4 Mos. 35, 22. Er kam ungefähr dazu. Wenn es sich ungefähr zutragen sollte. Wo man doch im Hochdeutschen noch gern das von beyzufügen pflegt. Ich sahe ihn von ungefähr; von ungefähr erblickte ich ihn. Er redete als von ungefähr und ohne Absicht mit ihm davon. Bis der Gast von ungefähr Über sich was Fremdes siehet, Lichtw. Da denn auch das Ungefähr häufig als ein Hauptwort gebraucht wird, doch ohne Plural, sowohl eine ungefähre Begebenheit zu bezeichnen, es war ein Ungefähr; als auch dasjenige unbekannte Wesen, von welchem nach der Philosophie des großen Haufens die zufälligen Begebenheiten, d. i. die, deren Ursachen uns unbekannt sind, abhängen sollen, und welches auch wohl der blinde Zufall, das Schicksal genannt wird. Durchs liebe Ungefähr, das manches Glücksstern ist, Michael. der Dichter. 3. Endlich wird dieses Wort oft dem genau bestimmt entgegen gesetzet, und da bedeutet es etwas, das nicht genau bestimmt ist; beynahe. Die ungefähre Weite nehmen. Am häufigsten auch hier als ein Nebenwort. Es waren ungefähr sieben Ellen, nicht genau, etwas darüber oder darunter. Es ist ungefähr vierzehn Tage her. Wir warteten ungefähr eine Stunde. Ungefähr sechzehn Groschen. Etwas nur ungefähr messen, ohne das Maß auf das genaueste zu bestimmen. So groß, als ungefähr mein Daum, Weiße. Das war es ungefähr, was ich sagen wollte. Die Lebhaftigkeit des Geistes ist in der Seele ungefähr das, was die Geschwindigkeit in der Bewegung eines Körpers ist. Etwas nur ungefähr wissen, nur obenhin, nicht genau.[]Anm. Die erste Sylbe ist die Vorsylbe un, welche im Oberdeutschen gern in ein ohn gedehnet wird, daher auch dieses Wort selbst noch von vielen Hochdeutschen ohngefär geschrieben und gesprochen wird, welches doch der Analogie der übrigen mit un zusammen gesetzten Wörter zuwider ist, das einige Ohnmacht etwa ausgenommen. Die zweyte Hälfte ist das alte gefähr, welches für gewahr gebraucht wurde, oder vielmehr aus diesem letztern gebildet ist, so daß ungefähr eigentlich unwahrgenommen bedeutet. In erfahren ist dieses w gleichfalls in das nahe verwandte f übergangen. Hieraus erhellet zugleich die Nothwendigkeit, dieses Wort in der letzten Sylbe mit einem h zu schreiben. Gefer für böser Vorsatz, kommt noch in dem Theuerdanke vor. Es ist warlich nicht mit gefer Geschehen, das ich wider aus Den scheff bin gangen heim zu Haus. Ich hett vergessen ein groß sach. Theuerd. Kap. 43. Wo es aber auch unser heutiges Gefährde seyn kann, welches nicht hierher, sondern zu Gefahr gehöret. Ungefähr lautet bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern auch on geferd, ungeferlich, angefer. Die Niederdeutschen gebrauchen dafür in der zweyten Bedeutung ungeschicht, van Ungeschicht, van Wahnschichten, indem Unschicht und Wahnschicht auch als Hauptwörter, das Ungefähr, den Zufall bedeuten; in der dritten Bedeutung aber hente, henter, hinzu, es ist hente acht, ungefähr acht.
3912 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungefähr

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Ungefähr , adj. & adv. welches besonders in einer dreyfachen Bedeutung gebraucht wird. 1. * Was man nicht wahr genommen,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungefähr

    Goethe-Wörterbuch

    ungefähr [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungefährAdj.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    un-gefähr Adj. : 'annähernd, schätzungsweise, etwa', -g(e)fähʳ (-gəfēʳ , -gəfEʳ; -gf-) [verbr., Lambert Penns 157]; vor …

  4. Sprichwörter
    Ungefähr

    Wander (Sprichwörter)

    Ungefähr 1. Dat kommt nich von Ungefähr, dat komt von ganz wat anners här, säd de Dêrn, da harr se 'n dicken Bûk krêgen.…

  5. Spezial
    ungefähr

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|ge|fähr I adj. aproscimatif (-s, -iva) II adv. apresciapüch, incër, feter, zirca, inzirca, söporjö, püch sö püch jö, …

Verweisungsnetz

49 Knoten, 44 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Hub 1 Kompositum 38 Sackgasse 8

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungefaehr

10 Bildungen · 10 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungefaehr

un- + gefaehr

ungefaehr leitet sich vom Lemma gefaehr ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungefaehr 2 Komponenten

ung+e+faehr

ungefaehr setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungefaehr‑ als Erstglied (10 von 10)

ungefährd(e)

DWB

ung·e·faehrde

ungefährd(e) , adv. , adj., subst., aus âne geværde, th. 4, 1, 1, 2075 f., seltener als ungefähr und schriftsprachlich im 18. jh. erloschen.…

ungefährdet

DWB

ungefaehr·det

ungefährdet , part.-adj. adv. von gefährden th. 4, 1, 1, 2078. vgl. ungefähret; mnd. ungevêrdet, ungevêret ohne gefahr. zum mnl. ongeveert s…

ungefährdlich

DWB

ungefährdlich Jelinek 308 ; österr. weisth. 2, 233, 39; städtechron. 1, 29; ungefardlich (16. jh. ) Diefenbach-Wülcker 885 . s. ungefährlich…

ungefährlich

DWB

ungefaehr·lich

ungefährlich , adj. adv. , gegentheil von gefährlich, doch bes. in bedeutung 3 selbständiger und reicher entwickelt als dieses, deutlich auf…

ungefährlichkeit

DWB

ungefaehrlich·keit

ungefährlichkeit , f. , gegentheil von gefährlichkeit 2 ( vgl. ungefährlich 4), erst im 19. jahrh. häufig. zwar kommt schon 1459 mnl. sonder…

ungefährt(e)

DWB

ung·e·faehrte

ungefährt(e) , n. , gegenstück zu gefährt(e). mhd. ungeverte; mnd. ungevorde. vgl. ungefahr 2 , unfahrt, unfuhr. von dem alten reichtum des …

Ungefährwerk

DERW

ungefaehr·werk

Ungefährwerk, N., ›absichtslos schädigen- de Handlung‹, Brunner E. 19. Jh., s. unge- fähr, un, Gefahr, Werk,