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traut

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

traut m. f. n.

Bd. 21, Sp. 1545
traut, m. f. n. , geliebter, geliebte, liebling. herkunft und form. das nhd. adjectivum traut (s. unten) erscheint ahd. und mhd. nur in ansätzen und nur in einzelnen casus. dagegen ist ein subst. voll lebendig, das allmählich vom adj. abgelöst wird und ins nhd. nur noch in resten hineinragt. traut ist ein wort des südlichsten westgerman., dem got. und nord., dem ags. und ursprünglich auch dem nördl. Deutschland (Heliand, ahd. Tatian, mnd.) fremd. dagegen langobard. (drudus hostiarius, gefolgsmann Bruckner 203) und mnl. (druut Verwijs-Verdam 2, 447), auch im mnl. wahrscheinlich alt, nicht aus dem mhd. entlehnt, wofür besonders die frühen mittelfrk. zeugnisse sprechen. als grundform ist ein vorahd. *druda- anzusetzen, in dieser form ist das wort aus dem fränk. ins französ. entlehnt worden (Gamillscheg Romania germanica 1 [1934] 225 f.): afrz. prov. drut 'geliebter' (also in substantiv. bed.!) Diez 123; Meyer-Lübke nr. 2780; dagegen kann ital. drudo 'liebhaber, verliebt' aus dem trotz Gamillscheg Romania germanica 2 (1935) 185 gut langobard. drudus stammen, für das uns nur zufällig lediglich die bed. 2 bezeugt sein wird. ganz anders J. Jud in: archiv. roman. 6 (1922) 313 f. dasz traut im anlaut sicher auf altes dr-, nicht tr- zurückgeht, also mit trauen, vb., und dessen sippe ursprünglich nichts zu tun hat (Falk-Torp 1285, Weigand-Hirt 2, 1065), geht aus dem zeugnis solcher fränkischen texte bündig hervor, die, anders als Otfrid mit seinem durchgängigen dr-, altes dr- und altes tr- im anlaut consequent unterscheiden (Franck altfränk. gr. 124 § 97): das mfr. legendar hat drude und drutkinde wie bedriegen, drugenere, drage, drog 'portabat' u. s. w., aber trosten, getrost, untrosto und getruwen; der Leidener Williram schreibt durchweg drut, aber truwa und tredan. formal könnte *druda- gut ein altes -to-participium sein, wofür auch die bed. in ihrer mittelstellung zwischen subst. und adj. spricht, aber ein verbum fehlt zur anknüpfung. von den idg. schwestersprachen bietet nur das kelt. ein ir. adj. drúth 'unkeusch' (altir. drúth, f., 'hure' Windisch ir. texte m. wb. 504), vgl. Pedersen vgl. gramm. 1, 508, 56 f., dessen bed. sich mit der von traut gut vereinigt, vgl. lat. carus mit got. hors. in der bed. weiter ab steht das lautlich gleichfalls übereinstimmende keltoroman. adjectiv *drūtos 'stark' Holder altcelt. sprachsch. 1, 1354; Meyer-Lübke nr. 2779b, genau gleich lit. drtas 'dick, fest, stark' Niedermann-Senn-Br. 1, 135, mit dessen abkömmlingen die roman. entlehnungen aus südgerm. *druda- trotz Jud a. a. o. nichts zu tun haben. ahd. mhd. trût ist zunächst masculinum, s. Lamprecht 1 a; der künic, ir lieber trut R. v. Ems Willeh. v. Orl. 10390, späterhin, besonders bei weibl. beziehungswort, wohl z. t. als neutrum empfunden. doch s. noch das masc. in schweiz. schausp. d. 16. jh. (1 b). selten ist das femin.: di reine godes drut Elisabeth 2061; im 16. jh. (s. H. Sachs 1 b) können solche fem. z. t. auch apokopierte adjectivformen sein. bedeutung. 11) geliebter, geliebte. 1@aa) von männlichen personen: ir fragetot mih, wa min trut ware Williram 100, 3 Seem. (bei Williram durchweg trut für dilectus); vil wênc ich dô gedâhte iwerr minne eim andern trûte Parzival 134, 21 (Orilus zu Jeschûte); dagegen findet die scheidung trût 'gatte' — amîs 'liebhaber', die Lamprecht an einer vielbeachteten stelle bietet, keine bestätigung in andern denkmälern: ouh weinte di irn amîs di da stille was gehît. di frowen weinten irn trût Alexanderlied 3364 Kinzel, vgl. rechtsalterth. 419 anm. 2; wohl aber bedeutet trût 'geliebter' in so umfassenden sinne, dasz es 'liebhaber' und 'gatte' zusammen in sich begreift: do phlac din küneginne einer werden süezer minne, und Gahmuret ir herzen trût Parz. 44, 29; do gap im bürge unde lant disiu magetbæriu brût: wand er was ir herzen trût 202, 28; herzen trût dann auch in der mystik: er ist mînes herzen trut Seuse dt. schr. 451 Bihlmeyer; in geistlicher dichtung unter bewahrung des erotischen momentes noch lange lebendig: will rufen stark zum todtensarg, bis mein geliebter komme, will rufen laut meins herzen traut, bis letzt ich gar verstumme Spee trutznacht. 18 Balcke. 1@bb) auf die geliebte bezogen: glîch eime ritters trûte Parz. 130, 1; Ydrogant der wär erslagen und Serpanta sein trautt Heinr. v. Neustadt Apollon. 11032 Singer; 'lopstu sy denn zu ainer brut?' 'ja ich, jo sy ist min trut' kindh. Jesu in: schausp. d. mittelalt. 1, 154 Mone; dann so ich sy verlieren sött (die frau), so wär min läben ein bitter krudt, sy ist mir wol ein bsunder trudt schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 117 Bächt.; ey, ey, so tawret mich die trawt, und ist auch umb sie immer schad (sagt der fürst von der frau des bauern, die er begehrt) H. Sachs 17, 211 K.-G.; mein hertze lieb und höchste traut 2, 62 K.-G.; meines hertzen traut redet der bauer seine frau an 17, 213 K.-G., blasser und leicht ironisch (wie traut, adj., 6) in der fabel (der floh zur mücke:) trawt mein, ich kan dir nicht verhälen, die warheit musz ich dir erzelen Fischart flöhatz 4 ndr.; geistlich: (Jesus zu Katharina:) kom, min trut, min frundin, daz hemelriche daz ist din Katharinenspiel 154 Beckers; modern aus der alten sprache aufgefrischt: er sucht, er sucht nach seinem traut; er küsste gar zu gern die braut Immermann 11, 35 Boxb. 22) freund, jünger; vertrauter, diener. in dieser bed. schon ahd. reich entfaltet (Graff 5, 471): druhtin kos imo einan wini ... thaz er sin drut wari Otfrid 2, 9, 32; o te alumne felicem kesah tih kot, trut mîn Notker 1, 175, 8 P. (Boethius); puerum suum sinemo trute 2, 449, 28 P. (ps. 104, 42); in weltlicher sphäre von den gefolgsleuten (vgl. langobard. drudus gefolgsmann Bruckner 203): sodales truta vel gesellin (var. truhtinga) ahd. gl. 1, 385, 64; do sprach der chuning uber lût daz horte manig sin trût Wien. gen. 60, 42 Hoffm.; Hagene ruofte lûte, daz im der wâc erdôz, an die sîne trûte Kudrun 501, 2; in geistlichem bezirk von den heiligen: durh die dige der frowun sanct Mariun und aller diner trute Bamb. beichte 148, 10 Steinmeyer; dir unde allen dinen truten ebda 142, 13; hieraus erwächst die feste verbindung der gotes trût: so ist themo gotes drute (Moses) gisprochan zi guate Otfrid 5, 8, 38; einhalp stunt des himels brut (Maria), anderhalp der gotes trut (Joseph) Wernher Marienlied. 188, 5 Hoffm.; von diu sint hiute die zwêne (Petrus und Paulus) vil heilige gotis trute specul. eccles. 95 Kelle; der selbe reine gotes drut (Konr. v. Marburg) Elisabeth 9744 Rieger. 33) in nicht ganz durchsichtiger entwicklung erscheint traut im 15./16. jh. vereinzelt in der verbindung sonder traut mit der bedeutung 'liebe, liebesgabe': also het Joseph ein rock, den het im sein vatter gemacht von sunder trut vor den andern sünen Keisersberg brösaml. (1517) 1, 95b; zu ainer sondern traut oder beutepfenning Zimm. chron. 2, 530; des fem. geschlechts wegen könnte man an ein abstractum traute, f., denken, doch vgl. dagegen: zu eim sunder traut (geschenk) beleg von 1506 bei Fischer schwäb. 2, 336; anders: ampffer, scabiosenkraute bruch den für ein sonder trute (gebrauche besonders gern) tractat contra pestem (Straszburg 1500) b 8a. vgl. sondertraut 'liebling' teil 10, 1, 1586.
7284 Zeichen · 191 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Traut

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Traut , adject. sehr geliebt, werth. Ephraim ist mein trautes Kind, Jer. 31, 20. Ein trauter Freund. Zuweilen auch im Su…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    traut

    Goethe-Wörterbuch

    traut [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Traut

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Traut Band 4, Spalte 4,219

  4. Spezial
    traut

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    traut adj. 1 (lieb) cer (cers, cera) 2 (vertraut) intim (-s, -a) 3 privat (-ac, -a), familiar (-s, -a).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traut

49 Bildungen · 36 Erstglied · 8 Zweitglied · 5 Ableitungen

traut‑ als Erstglied (30 von 36)

trautag

DWB

trau·tag

trautag , m. , hochzeitstag: die königliche fürstin ward dem Libier versprochen, das eheverlöbnis geschlossen, der trautag bestimmet Zesen A…

trautaler

DWB

traut·aler

trautaler , m. : kindtauf und trau- und leichenthaler mildthätig christlicher bezahler Voss sämtl. ged. (1802) 6, 138 .

trautbett

DWB

traut·bett

trautbett , n. , brautbett, ehebett: torus trutbette (1482) Diefenbach gloss. 590 a ; thalamus trutbette, truwtbet vel drutkemerlin ( ausg. …

trautblau

DWB

traut·blau

trautblau : ( gärten, ) hinter deren bäumen man oft kaum das menschenhäuschen erraten hätte, wenn sich nicht der trautblaue rauch eines herd…

trautchen

DWB

traut·chen

trautchen , n. , liebchen. in der poesie des 18. jh.: was barmt mein goldnes trautchen? Kl. Schmidt in der Iris 5 (1776) 193 ; nicht ein ges…

traute

FWB

1. ›geliebter, vertrauter Mensch; Geliebte(r); Ehegatte‹; z. T. noch im Kontext der höfischen minne; zu traut (Adj.).; 2. ›Gott als Liebende…

trautel

DWB

trau·tel

trautel , f. , österr. für die kröte Popowitsch (1780) 299 ; trautl v . Klein prov. wb. (1792) 2, 194 .

trauteln

RhWB

traut·eln

trauteln vereinz. -oud- WMosfrk in Bitb-Dahlem , Bernk-Dhron schw.: trendeln, zögernd, unschlüssig od. auch ziellos hin- u. hertrippeln, sau…

Trautenau

Meyers

traute·nau

Trautenau , Stadt in Böhmen, 418 m ü. M., am Fuße des Riesengebirges, an der Aupa und an den Linien Chlumetz-Parschnitz und T.-Freiheit-Joha…

Trautenbirn

Campe

traute·n·birn

Die Trautenbirn , Mz. — en , eine Sorte Birnen; bei Nemnich aus Elsholz angeführt.

Trautermus

RhWB

traut·er·mus

Trauter-mus -ǫudər- vereinz. Rhfrk in Saarbr-KlBlittersd Sg. t. n.: eine aus Milch, Mehl, Eiern bereitete Speise.

trautext

DWB

trau·text

trautext , m. : ich vergasz, ihnen den trautext bekannt zu machen Hermes miss Fanny Wilkens (1781) 3, 349 .

trautfromm

DWB

traut·fromm

trautfromm , adj. : eim ... trutfrommen bydermann (1519) bei Fischer schwäb. 2, 336 , vgl. traut , adj. A 7.

trautgeselle

DWB

traut·geselle

trautgeselle , m. , mhd. trûtgeselle Lexer 2, 1551 , vgl. traut , adj. A 3. diu selbe gotes diet, diu was Pharaone vil liep ... durch Josebe…

trautheit

DWB

traut·heit

trautheit , f. , intimité Schaffer dt.-frz. wb. 2, 2, 372 ; der arzt ging alsdann zurück, um der tragischen scene wenigstens die trautheit n…

trautherzlieb

DWB

traut·herzlieb

trautherzlieb , adj. : mein sun Herneste, mein trautherzliebster sune herzog Ernst prosa 293 Bartsch.

trautin

FWB

trau·tin

1. s. traute 1.; 2. s. traute 2.; 3. bedeutungsverwandt zu minnerin 1.

trautisch

DWB

traut·isch

trautisch , m. , für den traualtar, vgl. das häufigere tauftisch; table pour la bénédiction nuptiale Mozin-Biber-Hölder 3, 20 b ; gegen den …

trautkämmerlein

DWB

traut·kaemmerlein

trautkämmerlein , n. : thalamus drutkemmerlin ( ausg. 15. jh. ) Diefenbach gloss. 571 c ; ein ewiges zusammenstricken dein und sein in drier…

trautkind

DWB

traut·kind

trautkind , n. , mhd. trûtkind Lexer 2, 1552 , besonders das Jesuskind: ich klage is erden unde steinen unde der wernde alle gemeinne von de…

trautlich

DWB

traut·lich

trautlich , adj. , mhd. triutlich und trûtlich Lexer 2, 1520 ; din trutliches küssen siner wunden si mir gegen im ein liepliches süenen Seus…

Trautmann

Meyers

traut·mann

Trautmann , Franz , Schriftsteller, geb. 28. März 1813 in München, gest. daselbst 2. Nov. 1887, verlebte einen Teil seiner Jugend im Kloster…

Trautmannsdorf

Herder

trautmann·s·dorf

Trautmannsdorf , uraltes adeliges Geschlecht, urkundlich zuerst in Steyermark vorkommend, jetzt theils fürstlich, theils gräflich, theilt si…

traut als Zweitglied (8 von 8)

angetraut

RDWB1

ange·traut

angetraut veraltet oder scherzh. meine Angetraute - моя благоверная шутл.

hochbetraut

DWB

hochbetraut , part. mit einem wichtigen amte betraut; früher bei titulaturen: seiner fürstlichen gnaden hochbetrauter rentmeister; die camme…

vertraut

DWB

vert·raut

vertraut , adj. , vertraute , m. f. , s. vertrauen III ( sp. 1952) und vertrautsein ( sp. 1967).

wohlgetraut

DWB

-getraut , adj. , glücklich vermählt: so recht! ihr wohlgetrautes paar, es wündscht euch glück der bürger schaar Ph. Zesen vermehrter Heliko…

wohlvertraut

DWB

wohl·vertraut

-vertraut , adj. , sehr vertraut, gut bekannt: zeygt er ( Candaules ) sie ( Rhodope ) ... seinem wolvertrauten freund Gyge ganz nackend Fisc…

Ableitungen von traut (5 von 5)

getraut

DWB

getraut , participiales adjectiv zu trauen ( s. d. ). die isolierten verwendungen des particips knüpfen in der hauptsache an eine bedeutung …

traute

DWB

traute , f. , in md. mundart für die trauung: wie man von freien ' die freit ' machte für ' das freien ', so macht der landmann von trauen f…

vertraut

DWB

vertraut , adj. , vertraute , m. f. , s. vertrauen III ( sp. 1952) und vertrautsein ( sp. 1967).

Vertraute

GWB

Vertraute [bisher nicht publizierter Wortartikel]

vertrauten

DWB

vertrauten , vertreuten , verb. , ältere nebenformen zu vertrauen ( s. d. ) : subarrare ( i. e. despondere ), vertrauten, vertreuen Diefenba…