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Thier

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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Thier

Bd. 4, Sp. 1149
Thier 1. Alle Thier' ein Paar sind miteinander, drum auch der Mensch will sein selbander. 2. Alle Thiere folgen der Natur. Bei Tunnicius (1530): Alle deirte volgen der natûr. (Omnia naturae parent animantia passim.) Mhd.: Ein adelig tier, en edeler boum die habent von art ouch edelen zoum. (H. von Meissen, Leiche, Quedlinburg 1843, 6, 13-14.) 3. Alle Thiere fressen die Cassaba, aber das Kaninchen allein bekommt die Schuld. – Wullschlägel. Wer einmal einen schlimmen Ruf hat, dem wird alles Böse nachgesagt, er muss stets der Sündenbock sein. 4. Allen Thieren ist Frieden gesetzt, ausser Bären und Wölfen. – Eisenhart, 194; Pistor., I, 7; Hillebrand, 63, 90; Blum, 729; Grimm, Rechtsalt., 733; Simrock, 721; Gaal, 541; Graf, 131, 389; Sachsenspiegel, II, 61, 2. Bären und Wölfe, zu welchem alle andern Arten von Raubthieren zu rechnen sind, können als allgemein schädlich von jedermann frei getödtet werden. Auf diese Thiere, wenn man nicht etwa Fliegen, Maikäfer u. dgl. hinzurechnen wollte, beschränkt sich jetzt die ursprünglich allgemeine Jagdfreiheit der Deutschen. Mhd.: Allen tieren ist friede gasezet, âne wolven und beren. (Schwabenspiegel, 197, 2.) Frz.: Tout le monde est armé contre les méchans. (Gaal, 541.) 5. An bösen Thieren ist nichts zu verdienen. – Petri, II, 14. 6. Andere Thiere, andere Köder (Lockspeise). Den einen gewinnt man durch Lob, den andern durch Geschenke. 7. Besser unter wilden Thieren wohnen, als bei argdächtigen Leuten. – Luther, 411. 8. Das beste Thier im Stall kommt meist zuerst zu Fall. Holl.: Het beste beest van stal sterft meest tijds 't eerst. (Harrebomée, I, 41b.) 9. Das ist ein wunderbares Thier, sagte Hans, als er einen Affen auf Stelzen gehen sah. Holl.: Dat is een schepsel met langen beenen, zei Teeuwes de boer, en hij zag een' rap op stelten loopen. (Harrebomée, I, 39.) 10. Das Thier geht auf Schaden des Herrn. – Graf, 291, 52. Einige deutsche Rechte forderten vom Herrn für den Frevel, den sein Thier anrichtete, halbe Busse: »Was der Zahn thut oder der Hund, oder Hahn und Hahnensporn, oder ein unjährig Kind, oder eines Mannes Weib, büsst man mit halber Busse.« (Vgl. Hettema, Wetten, II, 89, 11.) Andere germanische Rechte haben den Herrn des Thieres von der Verpflichtung, eine Busse zu erlegen, gänzlich befreit (s. Vieh); nur das Thier selbst sollte dem Beschädigten ausgeliefert werden. »Vor Horn und Huf«, sagt die Graugans, »helfe sich jeder selbst.« In andern norwegischen Gesetzen heisst es: Wenn jemand ein Pferd schlägt, ein Hund beisst, ein Rind stösst, ein Eber haut, da soll es der Herr von sich thun. Bissige Hunde, zahme Wölfe, Affen und ähnliche Thiere mussten beschlossen sein. Ausser des Herrn Gewalt sind sie völlig friedlos. Haust und hoft er sie noch nach begangener Unthat, so muss er des Thieres Unthat büssen; denn dann geht das Thier auf Schaden des Herrn. (Vgl. Graf, 295.) In Friesland; Dat beest geyt up schade des herren. (Richthofen; Westerwald, VI, 118.) 11. Das Thier hat kein andern Herrn als den Menschen. – Veith, Anfänge der Menschenwelt (Wien 1865). Sagen die Grönländer. 12. Das Thier ist nicht mehr als eine Peitsche werth. – Burckhardt, 243. Was sehr wenig Werth hat. 13. Das Thier schreit auch, ist eine Kuh, ihr Kind heisst Kalb, ihr Mann heisst Stier, Ochs heisst ihr Bruder, zusammen vier. – Eiselein, 400. 14. Das Thier, so zöpf hat, soll man fliehen. Lat.: Mulier ante parvum onerosa, in portu dolorosa, post partum laboriosa. (Chaos, 514.) 15. Das Thier, was die Borsten eigen hat, kämmt sich am wenigsten. 16. Das wildeste Thier scheut sich vor seinesgleichen. 17. Dem stärksten Thiere die stärkste Last. 18. Die Thiere haben schon Gras gelesen, als der Mensch noch Erdenkloss gewesen. 19. Die Thiere sind nicht von Holz. – Mayer, II, 127. 20. Die trägsten Thiere haben das zäheste Leben. 21. E Thier weisst au, wenn 's gnueg het. – Sutermeister, 62. 22. Ein böses Thier muss man schrecken, ehe es uns schreckt. 23. Ein erschrecktes Thier flieht. 24. Ein gut Thier erwärmt sich beim Fressen. Frz.: Bonne bête s'échauffe en mangeant. (Bohn I, 9.) 25. Ein hungrig Thier beisst scharf. Frz.: De maigre poil âpre morsure. (Bohn I, 15.) 26. Ein jedes Thier gesellet sich zu seines gleichen. – Henisch, 1645, 69; Petri, II, 204. 27. Ein jedes Thier kennt seines gleichen. – Henisch, 1645, 67. Lat.: Bestia bestiam novit. (Henisch, 1645, 68.) 28. Ein lützel Thier zeuget ein Lützel. – Petri, II, 213. 29. Ein schäbig Thier verdirbt die ganze Heerde. 30. Ein Thier ist oft klüger als ein Mensch. n.: Dyvrene overvinde os i mange stykker. (Prov. dan., 131.) 31. Ein Thier sucht das andere. Holl.: Het eene beest zoekt het andere op. (Harrebomée, I, 41b.) 32. Ein Thier versteht seinesgleichen. Es unterliegt wol keinem Zweifel, dass die Thiere sich untereinander so gut verstehen als die Menschen. Jede Thiergattung hat ihre eigene Sprache, die sich wol aber schwerlich in die menschliche wird übersetzen lassen, obgleich schon der Philosoph Demokritos behauptete, die geheimnissvolle Sprache aller Vögel, den Gesang der Nachtigall, das Girren der Tauben und das Geschnatter der Gänse verstanden zu haben. Der Rector Grosser in Görlitz beschäftigte sich die letzten neun Jahre seines Lebens sogar mit dem Studium der Gänsesprache, die er so reizend fand, dass er gesonnen war, ein Wörterbuch derselben erscheinen zu lassen, weshalb er sich in Stammbüchern nie anders als Lexicographus anserinus unterschrieb. Der französische Naturforscher Dupont de Nemours beschäftigte sich mit den Sprachen aller Thiere. Er kannte bereits 11 Worte aus der Sprache der Katzen, 14 aus jener der Pferde, 17 aus der Sprache der Hühner, 22 aus der der Rinder und 33 aus der der Hunde, die ihm, wie er sagte, am geläufigsten war. Noch kurz vor seinem Tode war er mit einem Dictionnaire der Rabensprache beschäftigt. Holl.: Het eene beest kent het andere wel. (Harrebomée, I, 41b.) 33. Ein Thier weiss auch, wenn es genug hat. 34. Ein verwundetes Thier klagt. 35. Einem Thiere, das an Disteln gewöhnt ist, wirf keine Datteln vor. (Aegypt.) 36. Einem Thiere, das zum Schwimmen geboren ist, fällt das Klettern schwer. 37. Es folgen alle Thiere der Natur. – Henisch, 1171, 39. 38. Es gibt kein schöner Thier für den Esel als die Eselin. – Altmann VI, 410. 39. Es gibt wilde Thiere, aber auch wilde Jäger. (Surinam.) Schlechte Knechte und schlechte Herren, schlechte Leute auf beiden Seiten. 40. Es ist besser mit einem wilden Thiere umgehen, als mit einem unbändigen Knaben. Lat.: Puer quavis bestia intractabilior. (Seybold, 464.) 41. Es ist ein getrew thier vmb ein hundt. – Agricola I, 688; Petri, II, 261; Blum, 104. Lat.: Canis fidele animal. (Nota fides canis est: dominum comitatur euntem.) (Glandorp, 84, 165.) 42. Es ist kein böser Thier als ein böser Mönch. – Zinkgref, IV, 96. 43. Es ist kein lebend Thier, das nicht ausgibt, worin die Hühner gern picken. Holl.: Geen levend dier, dat niet uitlegt, waurin de hoenders gaarne pikken. (Harrebomée, I, 132b.) 44. Es ist kein Thier bekant, das nicht kam in Menschen hand. – Henisch, 269, 14. 45. Es ist kein Thier dem Menschen so ehnlich, als ein Aff. – Lehmann, 425, 47. 46. Es ist kein Thier so klein, es muss eines grössern Beute sein. In China sagt man: Das Thierlein Tan lebt von Luft und Thau. Kann wol eine Creatur unabhängiger sein, und doch wird es wegen seines Geschreies dem Tanglang zur Beute. 47. Es ist kein Thier so klein, es scheint, es kennet seinen Feind. Frz.: Nature a produit a toute beste son ennemy. Lat.: Cuilibet animali suum natura hostem prodidit. (Bovill, I, 190.) 48. Es ist kein Thier so wild, es wird bei seinem Weibchen mild. Span.: No hay bestia fiera que no se huegue con su compañera. (Bohn I, 236.) 49. Es ist kein Thier so wildt, wann man jhm kräwet, so wird es mild. – Gruter, III, 34; Lehmann, II, 155, 144. n.: Intet dyyr saa vildt ut jægeren kand jo fælde det. – Vilde heste tæmmes og. (Prov. dan., 133.) Schwed.: Intet djur så wildt, at jägaren kan ju fällat. (Grubb, 400.) 50. Es ist kein unbändigeres Thier als der Mensch. Lat.: Nullum morosius est animal, majorique arte tractandum, quam homo. (Seybold, 392.) 51. Es kommen mehr thier vmb, jhres balgs vnd gefiders, dann jhres leibs halb. – Gruter, I, 36. 52. Es seynd kein stoltzer Thier auff Erden, alss wenn Bettler Herren werden. It.: Non v' è fierezza alla fierezza uguale d'un homo vil, quando ch' in alto sale. ( Pazzaglia, 131, 1.) 53. Es sind auch andere Thiere im Busch als Wölfe. 54. Es sind nicht alle kleinen Thiere Ungeziefer. 55. Es sind zwey thiere, die dem menschen hold sind, ein hundt vnd ein pferdt. – Agricola I, 673; Petri, II, 296; Blum, 103. Holl.: Er zijn twee dieren, die den mensch lief zijn: een hond en een paard. (Harrebomée, I, 132b.) Lat.: Canis et equus homini fideles. Inter quadrupedes homini iumentaque nota et canis imprimis perque fidelis equus. (Glandorp, 55.) 56. Es thut kein wild Thier so grossen schaden denn ein falsch Zung. – Petri, II, 301. 57. Es wechset allen bösen Thieren in die Hörner. – Petri, II, 303. 58. Es wird kein Thier so wild, es bleibt noch eine Ader mild. Mhd.: Ich wene ney deir so zam enwart, it enzoinde bywilen sinen art. (Groote, Köln. Reimchronik, 1788.) 59. Fremde Thiere bedeuten fremde Gäste. – Eiselein, 594. 60. Hüte dich vor dem Thier, das Zöpff hat. – Lehmann, II, 271, 142; Parömiakon, 982. 61. Ist das ein Thier, sagte Hans, ohne Kopf und ohne Schwanz. Frz.: C'est une laide beste qui n'a queue ne teste. (Leroux, I, 93.) 62. Ist das Thier todt, so ist die Sache auch todt. – Graf, 292, 54. Einige germanische Rechte bestimmten, dass der das Thier, welches einen Schaden angerichtet hatte, dem Beschädigten ausantwortete oder selber tödten liess, womit die Klage gegen ihn erledigt war. (S. Thier 11.) In Ostfriesland: Is dat Beest doet, so is de Saeke mit doet. (Wicht, I, 84 [184].) Frz.: Morte la bête, morte le venin. (Bohn I, 39.) It.: Morta la bestia, morto il veleno. (Bohn I, 110.) 63. Je furchtsamer das Thier, je schneller läuft es. 64. Jedes Thier hält sich zu seinesgleichen. – Pred. Sal. 13, 19; Schulze, 153; Zehner, 373; Agricola II, 157; Tappius, 223a; Egenolff, 41a. Frz.: Il n'y a beste tant soit fière, qui ne se délecte de sa pareille. (Leroux, I, 93.) Lat.: Omne animal diligit simile sibi, sic et omnis homo proximum sibi. (Schulze, 153.) 65. Jedes Thier ist am liebsten bei seinesgleichen. 66. Jedes Thier wehrt sich seiner Haut. Frz.: Toutes bestes craignent la mort. (Leroux, I, 94.) 67. Junge Thiere muss man vergumpen1 lassen. – (Allgäu.) – Birlinger, 506. 1) D.h. austoben. 68. Kain stoltzer thier auff der Erd, dann ain Weib vnd ain Pferd. – Agricola I, 288; Petri, II, 270; Lehmann, 312, 23; Blum, 100. Lat.: Nil superbius muliere et equo. (Nullum animal peperit natura superbius, ac sunt haec duo praedives femina, fortis equus.) (Glandorp, 113, 285.) 69. Kein böser Thier auff erd man find, denn alt vnd bôse Weiber sind. – Eyering, III, 125. 70. Kein hochfertiger thier, dann so ein magt ein fraw wirt. – Tappius, 136a; Gruter, I, 52; Eyering, III, 140; Petri, II, 288; Simrock, 4848; Braun, I, 4484; Körte, 5938; Masson, 35. Engl.: Set a beggar on horsebakk, and he'll ride a gallop. It.: Quando la merda monta in scagno, ò che la puzzo ò che la damno. 71. Kein hoffertiger thier, dann so ein magt herfür kompt. – Franck, II, 93b. 72. Kein Thier lebt vberall, es hat sein feind vnd vnfall. – Henisch, 1053, 51. 73. Kein Thier so gross, man legt ihm Schlingen. 74. Liebes Thier, es gilt dir; lieb kuh, mir zu; halb als ein Kalb; ich warth sein als ein Schwein; gar aus, so wird ein voller bruder drauss. – Lehmann, 758, 46. 75. Man kann wilde Thiere zähmen, aber kein bös Weib. n.: Mand temmer vilt dyvr, og ikke ond kone. (Prov. dan., 546.) 76. Man quält oft Thiere ohne Noth, die uns erwerben unser Brot. n.: Ofte beder man dyvr hvor man mindst venter. (Prov. dan., 131.) 77. Man stellt viel Thieren nach vmbs balgs vnnd nicht vmbs fleisch willen. – Lehmann, 510, 16. 78. Niemand soll die Thier hegen vnd die Vnterthanen beleydigen. – Lehmann, 402, 14. Gegen den Jagdunfug auf Kosten des Landmanns. 79. Reine Thiere käuen wieder. – Luther, 402. »Wiederkäuen bedeutet hier, Gottes Wort mit rechtem Ernst annehmen, im Herzen bewahren.« 80. Schädliche Thiere sind schwer zu vertilgen. Frz.: Il n'y a point de coup mortet, sur une méchante bête. (Cahier, 455.) 81. Schädliche Thiere soll man nicht aufziehen. Lat.: Quae uncis sunt unguibus, ne metrius. (Seybold, 471.) 82. Thier, so viel geschrey haben, haben wenig Wolle. – Petri, II, 546. 83. Thier' und Vögel sind so weis', sie ruh'n ein Stündlein auf ihr Speis'. – Simrock, 9688. 84. Thiere nimmt man bei den Hörnern und die Menschen beim Worte. 85. Thiere sind auch unsers Herrgotts Kostgänger. – Simrock, 10260; Mayer, II, 127. 86. Thiere sind unsere Lehrer und Führer. n.: Dyvrene lære os meget. (Spr. Sal. 6, 6; Prov. dan., 131.) 87. Viel thier haben scharpffe sinn; Menschenvernunfft schwebt doch ob jhn. Lat.: Nos aper audita praecillit, aranea tactu: vultur odoratu, lynx uisu, simia gusta. (Loci comm., 83.) 88. Vier klaine thier seind auff erden, vnd seind doch kluger, dann alle Weysen: Amaissen, Caninchen, Hewschrecken vnd die Spinne. – Agricola II, 210. 89. Vier Thier reith man in der Welt: Esel, den falben Hengst, den armen Man vnd mancher sich selbst. – Gruter, III, 90; Lehmann, II, 801, 88. 90. Vier Thiere machen einen Bauer. Holl.: Vier dieren maken één boer. (Harrebomée, I, 132b.) 91. Vnter wilden thieren seynd am schädlichsten die Tyrannen, vnter den heimischen zahmen die schmaichler. – Gruter, III, 92; Lehmann, II, 804, 125; Simrock, 10571. n.: Blant vilde dyvr er intet skade ligere end en tyran, blant de tamme end hyklere. (Prov. dan., 131.) 92. Wenn das Thier todt ist, wirft ihm jeder einen Stein nach. 93. Wenn mich ein Thier erwürgen soll, so rufe den Tiger und nicht eine Heerde Füchse. (Aegypt.) 94. Wer das Thier erhält, kann's auch reiten. Frz.: Qui bâte la bête, monte. (Kritzinger, 60b.) 95. Wer Thiere quält, quält auch Menschen. – Altmann VI, 508. 96. Wo die giftigsten Thiere wohnen, da wachsen die kräftigsten Kräuter. n.: De lande som give de giftigste dyr, de avle og de sundeste urter. (Prov. dan., 376.) 97. Zu wilden Thieren gehört ein wilder Waidmann. 98. Zwei Thiere hängen dem Menschen an: Hund und Pferd. n.: To dyvr ere menneskene huldest: hest og hund. (Prov. dan., 131.) 99. Das arme Thier hat geheckt und vierzehn Junge geworfen. (Altenburg.) Eine starke Familie und wenig Einkommen; viel Esser und kein Brot. In einem Artikel über Stichelnamen (Zeitung für die eleg. Welt, 1824) auf dem unter »Eselfresser« und »Meissner« verwiesen ist, wird eine Stelle aus Kanzler Ludwig's Giovanni Germania Princeps (ulmer Ausgabe, S. 486) zur Schilderung der Thüringer angeführt, welche behauptet: »die Sitten auf dem Lande in Thüringen seien schrecklich (horriferi)«. Seine Charakteristik des Thüringerlandes enthält viel Widersprechendes; auf der einen Seite das Bild von Böotien und des Sinnes, den man durch das Sprichwort ausdrückt: Das arme Thier hat Junge geheckt. 100. Des Thiers mit zwei Rücken spielen. – Fischart, Gesch. ». ... Es gab auch so fein Kiefferwerk, dass sie einander den Speck dapffer einsaltzen, vnnd spielten der faulen Brucken, vnd dess Thiers mit zweyen Rucken, also, dass sie nachgehends anfieng, sich gegen den Mann auffzuplähen vnd sehr schwermütig vnd schwerleibig zu Bauch tragen mit mannigfaltigen schwindeln, Stirnweh, Erbrechen, Brustwachsen u.s.w.« (Kloster, VIII, 132.) Frz.: Faire la beste à deux dos. (Eiselein, 594.) 101. Ein Thier mit Hörnern angreifen. Wer den reizt, der stark genug ist, Beleidigungen zu rächen. 102. Er hat sich zum wilden Thier gemacht. Lat.: Exuto homine, in feram transire. (Faselius, 82.) 103. Er ist wie die Thiere in der Offenbarung. Er hat hinten und vorn Augen. 104. Hier hat das arme Thier gejungt. Beim Kartenspiel. 105. 'S Thier ist los. 106. Das Thier, welches man einen guten Montag nennt, hat sechs Füsse (sechs Tage), Eberwachsen oder Zähne im Maul, damit zerbeisst es viel Beutel und jaget manchen aus der Stadt, hat einen langen räudigen Schwantz. – Harssdörffer, 2341. 107. Es ist kein Thier so grimm und wild, man könnt' es machen zahm und mild. 108. Jedes Thier lebt auf seine Weise; die Henne scharrt, der Löwe raubt. 109. Vier thier seind, die andern mehr nutz schaffen als jnen selbst mit jrer arbait: der vögel nistung; der bienlein honigmachen; das der ochs ackert, die schaff woll tragen. – Rasch, 93. 110. Vier thier seind die nit sehen: scheer, maulwuerff; blindter; thoricht, narr; bueler. – Rasch, 234. 111. Vier thier seind schwärlich zu hüeten: saw vnd gaiss bey kreutern, ross vnd oxen bey der ansaat, schaff in dikken wäldern, jung vnzüchtigs weib. – Rasch, 226. 112. Vier thier treten dapffer vnd muetig herein in fraidigen gang: junger lew, jaghund, hausshan, bokh oder Wider. – Rasch, 17. 113. Wer seine Thiere pflegt und hütet, dem wird es reichlich stets vergütet. – Wunderlich, 9.
17115 Zeichen · 509 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    thier

    Althochdeutsches Wörterbuch

    thier O F 2,2,21 s. thô u. er.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Thier

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Thier , des -es, plur. die -e, Diminut. das Thierchen, Oberd. Thierlein. 1. Im weitesten Verstande, ein jedes lebend…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Thier

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Thier , dasjenige organische Individuum, welches sich besonders durch seine selbständige Bewegungsfähigkeit von Ort zu O…

  4. Sprichwörter
    Thier

    Wander (Sprichwörter)

    Thier 1. Alle Thier' ein Paar sind miteinander, drum auch der Mensch will sein selbander. 2. Alle Thiere folgen der Natu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit thier

277 Bildungen · 228 Erstglied · 44 Zweitglied · 5 Ableitungen

thier‑ als Erstglied (30 von 228)

thierabgötterei

DWB

thier·abgoetterei

thierabgötterei , f. mit thieren getriebene abgötterei, vgl. thierdienst : Aegyptens thierabgötterei ist längst, o längst vorbei! Herder ged…

Thiérache

Meyers

thier·ache

Thiérache (spr. tjerásch), franz. Landschaft in der ehemaligen Provinz Picardie, jetzt zum Depart. Aisne gehörig, mit der Hauptstadt Guise.

thieranbeter

DWB

thier·anbeter

thieranbeter , m. , thieranbetung f. zoolater, zoolatrie Campe, vgl. thierdiener, -dienst.

Thieranbetung

Campe

thier·anbetung

Die Thieranbetung , o. Mz . die Anbetung, Verehrung der Thiere als göttlicher Wesen; die Thierverehrung (Zoolatrie ); der Thierdienst , woru…

thierarm

DWB

thier·arm

thierarm , adj. arm an thieren: sämmtliche hausthiere der alten welt, die man in die thierarme neue welt eingeführt hat, sind doch zu ihrem …

thierart

DWB

thier·art

thierart , f. genus animalium, bestiarum, vgl. thiergattung , -geschlecht: diese ( gesichts- )winkel haben für jede thierart .. eine charakt…

thierartig

DWB

thier·artig

thierartig , adj. und adv. nach art eines thieres: die ohren ( des orang-utang ) treten thierartig empor. Herder id. 1, 163 .

Thierarzenei

Campe

thier·arzenei

Die Thierarzenei , Mz. — en , eine Arzenei für Thiere, wenn sie krank sind; die Vieharzenei , sofern jene Thiere Hausvieh sind.

Thierarzeneikunde

Campe

thierarzenei·kunde

Die Thierarzeneikunde , o. Mz . die Arzeneikunde auf Thiere angewendet, zur Heilung der Thiere; die Vieharzeneikunde , sofern jene Thiere Ha…

Thierarzeneikunst

Campe

thierarzenei·kunst

Die Thierarzeneikunst , o. Mz . die Arzeneikunst auf Krankheiten der Thiere angewendet, die Krankheiten der Thiere zu heilen; die Vieharzene…

Thierarzeneilehre

Campe

thierarzenei·lehre

Die Thierarzeneilehre , Mz. — n . 1) Eine Arzeneilehre zur Heilung der Krankheiten der Thiere; ohne Mehrzahl. 2) Eine Schrift, welche diese …

Thierarzeneischule

Campe

thierarzenei·schule

Die Thierarzeneischule , Mz. — n , eine Schule oder Anstalt, wo die Thierarzeneikunst gelehret wird; die Vieharzeneikunst , sofern jene Thie…

thierarznei

DWB

thier·arznei

thierarznei , f. arznei für thiere; thierarzneikunde, auf thiere angewandte arzneikunde Matthisson schrift. 2, 286 , ebenso thierarzneikunst…

thierarzt

DWB

thier·arzt

thierarzt , m. arzt für thiere, veterinarius Hebel (1843) 3, 111 . Rückert Hamasa 2, 158 . Auerbach 1, 432 .

thierbändiger

DWB

thier·baendiger

thierbändiger , m. : wie ein thierbändiger in einem käfig einen panther ergreifen und auf die erde schmettern würde. Gutzkow ritter 4 5, 279…

thierbande

DWB

thier·bande

thierbande , f. bande, trupp von ( abgerichteten ) thieren: am andern morgen zog die thierbande weiter. Hauff werke (1869) 4, 181 .

thierbeherrscher

DWB

thier·beherrscher

thierbeherrscher , m. : beide ( ochs und esel ) reden tief gebückt vor des thierbeherrschers ( des löwen ) throne. Pfeffel 1, 26 Hauff.

thierbein

DWB

thier·bein

thierbein , n. bein eines thieres; thierknochen, s. thiergebein .

thierberg

DWB

thier·berg

thierberg , m. ein berggroszes, sehr groszes thier: der elephant und alle ungeheure thierberge. E. v. Kleist 3 2, 144; nun kam auch der thie…

thierbevölkert

DWB

thierbevölkert , partic. von thieren bevölkert: ein thierbevölkertes eiland. J. Paul Levana 3, 44 .

thierbild

DWB

thier·bild

thierbild , n. thiergestalt: die menschenpild an in habent oder tierpild und vogelgestalt. Megenberg 427, 27 ; das bild eines thieres: jetzt…

thierbildung

DWB

thier·bildung

thierbildung , f. : alle formen der thierbildung. Herder id. 1, 155 ; die vierfüszige thierbildung ( vgl. thieresbildung). 145; thiergestalt…

thierbisz

DWB

thierbisz , m. bisz eines ( giftigen ) thieres Tabernaemont. 315 a . 932 a . Freytag ges. werke 20, 470 ( vom jahre 1610).

thier als Zweitglied (30 von 44)

Bisamthier

Adelung

bisam·thier

Das Bisamthier , des -es, plur. die -e, ein vierfüßiges Thier, welches einer Ziege gleicht, lange und starke Haare, aber keine Hörner hat. U…

duselthier

DWB

dusel·thier

duselthier , n. der nicht weisz was er thut, niederd. dusseldier Schambach 52 a . meisznisch dusselthier.

elendthier

DWB

elend·thier

elendsthier , elendthier , n. alces: wimmere nicht wie ein elendsthier. Claudius 4, 69 .

Elenn (Elennthier)

Wander

elen·n·elennthier

Elenn (Elennthier) Elenn (Elennthier). Das Elend am Spiess weissagt grossen Riss. ( Schles. ) Dies Sprichwort hat seine Entstehung in folgen…

feldthier

DWB

feld·thier

feldthier , n. bestia terrae: mein erbe ist wie der sprinklicht vogel, umb den sich die vogel samlen, wolauf und samlent euch alle feldthier…

geltthier

DWB

gelt·thier

geltthier , n. hindin die unfruchtbar ist, s. galtthier und das adj. gelt 2, d.

gemsthier

DWB

gems·thier

gemsthier , n. die weibliche gemse Adelung , Nemnich. im 16 . jahrh. aber wol für gemse überhaupt, in Ruffs Adam und Heva 805 sagt Adam zum …

gethier

DWB

get·hier

gethier , n. , sammelwort zu thier ( th. 11, 373), verhältnismäszig junge bildung, die in der mittelhochdeutschen periode ganz vereinzelt au…

Graththier

Adelung

grath·thier

Das Graththier , des -es, plur. die -e, in der Schweiz, diejenige Art Gemsen, welche röthlich von Farbe sind, und den Grath, d. i. den Gipfe…

hausthier

DWB

haust·hier

hausthier , n. animal mansuetum, domesticum, in den deutschen wörterbüchern vor Adelung nicht aufgeführt: die pferdeweihe, woran auch andere…

Jungthier

Adelung

jung·thier

Das Jungthier , des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Junges des Roth- und Dammwildbretes weiblichen Geschlechtes, ehe es noch ein Schm…

lastthier

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last·thier

lastthier , n. jumentum. Steinbach 2, 817 ; bildlich: ach, herr Firmin! so wohl wird es mir nicht! ich bin in die stadt gebannt, ein lastthi…

mannthier

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mann·thier

mannthier , n. , ein von Rollenhagen gebildetes, thieren in den mund gelegtes wort: dieweil aber der herr der welt, sein regiment also beste…

Matthier

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matt·hier

Matthier, m. gekürzt aus Matthiergroschen Sachhinweis: Jesse,BrschwMünzen 99 die gosslarsch cleine groschen, die man mathier nennet zu soben…

maulthier

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maul·thier

maulthier , n. 1 1) mulus, der ins deutsche übergegangene lateinische ausdruck ( s. das zweite maul sp. 1795) mit verdeutlichendem beisatze,…

murmelthier

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murmel·thier

murmelthier , n. arctomys marmota. die ahd. form ist muremunto, lepusculus ( Graff 2, 859 aus St. Gallen ) und später murmenti: erinatius (m…

nagethier

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nage·thier

nagethier , n. ein thier aus dem geschlechte der nager ( glires ) Göthe 55, 317 ff.; bildlich vom zweifel: das heilige tau des glaubens ist …

opferthier

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opfer·thier

opferthier , n. zum opfern bestimmtes oder geopfertes thier Rädlein 688 a ( vgl. opfervieh): so schlach gedultige opfertier. historienbibel …

raubthier

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raub·thier

raubthier , n. thier, welches vom raube lebt: dieser adler ist gleichsam der könig unter denen allhiesigen bekannten fliegenden raubthieren.…

rennthier

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renn·thier

rennthier , n. cervus tarandus, ags. hrân, altn. hreinn, schwed. ren, dän. rensdyr; ältere deutsche bezeichnung rein, reiner, renn; bei den …

säugethier

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saeuge·thier

säugethier , n. thier, welches seine jungen säugt; ein, wie es scheint zuerst 1782 von Blumenbach nach Linnés bezeichnung mammale gebildetes…

saumthier

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saum·thier

saumthier , n. thier, das zum lasttragen verwendet wird, lastthier; in Österreich in der form samtier. Adelung : saumthier, als rossz, esel,…

Ableitungen von thier (5 von 5)

gethier

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gethier , n. , sammelwort zu thier ( th. 11, 373), verhältnismäszig junge bildung, die in der mittelhochdeutschen periode ganz vereinzelt au…

unthier

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unthier , n.; mhd. untier; mnd. undêr; mnl. nl. ondier; dän. udyr; schwed. odjur. selten oder scherzend ungethier, -thierz ( s. gethier, get…

urthier

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urthier , n. , thier mit ur- C 4 a und c. a) ein fantasiethier, auch urchammel und ulkthier ( Fischart Garg. 230 ; 231 ndr. ) genannt (ur- C…

verthieren

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verthieren , verb. das wort erscheint vereinzelt schon im 17. jh. ( vgl. 1), ist dann aber erst im 19. jh. nachgewiesen. Campe schlägt im ve…

verthierung

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verthiertheit , verthierung , f. , abstractbildungen zu verthieren. verthierung Campe ; ' übergang in thierischen zustand, verrohung, verwil…