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unthier

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unthier n.;

Bd. 24, Sp. 1938
unthier, n.; mhd. untier; mnd. undêr; mnl. nl. ondier; n. udyr; schwed. odjur. selten oder scherzend ungethier, -thierz (s. gethier, gethierz) Campe: ein wüstes u. Immermann 16, 152 B.; die ungethiere der schmerzen Emma Förster briefe (1843) 149; Auerbach 11, 156; 'bau!' schreit er. 'was ist das hier?' und er (onkel Fritz) faszt das ungethier W. Busch Max u. Moritz 35. unjedirze Hertel Thüring. sprachschatz 244; Schulze nordthür. 45b. II. mit un IV B. u. non negat, ut ita dicam, animalitatem, sed vitium eiusdem, nimirum ferociam et atrocitatem indicat Stieler 2385. I@11) eigentlich. a) ein wildes, gefährliches, böses, schädliches widerwärtiges, seltsames u. dgl. thier: Lucidarius 10, 11 H.; gott hasset doch nit ein krot oder ein slang, das doch sint untier, wie möcht er dich (menschen) dann gehassen? Keisersberg bilgerschaft (1512) 29b; das (die ameise) ist ein cleines thierlin und thuot doch vil schadens, gleich als ein wurm oder ein u., das beiszt und isset das hertzbletlin von der salbeien baum der seligkeit 23a; mit zangen wardendt sie (d. märtyrer) zerrissen, die untier habent sie zerbissen Murner badenfahrt 1, 38; so vom crocodil Dapper Africa (1671) 122a, von raubwild österr. weisth. 10, 376a, raubvögeln Dannhawer catechismusmilch 2, 179, vom iltis Hohberg georgica (1715) 3, 274a, bären Heräus ged. u. inschriften (1721) 238, von der meerkatze M. Mendelssohn 3, 338, dem eber A. v. Droste-Hülshoff 2, 214 u. s. w.; von einem bissigen hunde Raupach dram. w. ernster gattung 16, 183, v. aufguszthierchen Oken bei Krünitz 200, 195; Gutzkow (1872 ff.) 12, 117; von ungeziefer (friesisch) Adelung; die scheuszlichen untiere der tiefe E. Th. A. Hoffmann 6, 179 Gr.; in der kapelle lag der schatten wie ein kauerndes u. zusammengerollt O. Ludwig 3, 743; fremdartige thiere: A. v. Humboldt kosmos 2, 424; unthier aus fremden ländern Rückert 2, 106. zusammensetzungen z. b. unthiergestalt Göthe 24, 249, -haufen Jean Paul 44, 149 H., -voll J. A. Ebert Leonidas (1778) 218. b) von drachen und fabelwesen: so fiel ihr (der natur) ein, zu lust ein unthier drein zu mischen; halb sollt es thier halb pflanze seyn Lichtwer in den literaturbriefen 14 (1762) 288; er hat mit mir in der schandthat diese heulenden unthier erzeugt, die, wie du gesehn hast, stündlich empfangen, und stündlich gebohren, ohn unterlasz bellend, mich umringen Zachariä poet. schr. (1765) 6, 199; Schiller 15, 1, 79 G.; Wackenroder herzensergieszungen (1797) 68; die (Scylla) war ein u. ohne jungfräulichen oberleib J. H. Voss antisymbolik 1, 238; brüder Grimm d. sagen (1891) 2, 34; G. Freytag 2, 165; Nietzsche Zarathustra 172 kriegsausg.; im vergleich: seht, wie ein unthier, sprüht er gift und flamme G. Freytag 3, 122. von wappenthieren: diese heraldischen unthiere Bettine dies buch gehört dem könig 1, 21. c) vom teufel und gespenstischen wesen: die curiösen herrn studiosi wolten ein solch u. (den teufel) zu sehen keiner seinen groschen sparen J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 179; ein in ein scheuszliches gespenst verwandeltes lamm br. Grimm d. sagen (1891) 1, 109; Laistner nebelsagen 258. d) als ersatzwort des aberglaubens für wolf (zeitschr. f. d. wortforschung 10, 168 ff.), wie unflat, ungeziefer: auf eim narrechten aberglauben bestehen noch heutigs tags die scheffer, dasz sie nit gern einen wolf nennen hören ... und do sie ja nit vermeiden können, etwas von wolf zu melden, verwandeln sie doch den nammen und sprechen darfür das unthier, der höltzing, der wul oder der Hennicke Kirchhof wendunmuth 1, 295 Ö.; etliche von adel in Burgund stelten eine wolfsjacht in dem wald Ardenne genannt an und erlegten auch dieser unthier, wie solches die bauren nennen, bey zwölfe Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (1653) 2, 266; das u. (man nennet die schelmen nicht gern mit ihrem rechten namen) stellete sich, als ob es ihn wunder nehme gepflückte finken (1665) 12. oft von der allgemeinern bed. (a) nicht zu scheiden, z. b. Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. 2, 269; Weise politischer näscher (1678) 33; Liscow 261; Fouqué zauberring 1, 54. fürs 18. jahrh. reichlich bezeugt (Frisch [1741] 2, 371c; zeitschr. f. d. wortf. 10, 169; Dähnert 505a), am längsten in Ost- u. Westpreuszen (Frischbier 2, 424b). e) scherzend von einem lästigen singvogel: haben sie doch die güte, den shawl dort ... über den käfig dieses unthiers zu werfen Ebner-Eschenbach 3, 102. I@22) von menschen. vgl. thier 4 b. man rügt meist rohheit, grausamkeit, unmenschlichkeit, aber auch bisweilen blosz ungeschick, unfreundlichkeit, heuchelei, stutzerthum u. s. w., bei frauen unzüchtiges, kupplerisches wesen, zauberei, unmütterlichkeit, bei kindern unart, ungezogenheit; der bedeutungsbereich läszt sich in dieser hinsicht nicht erschöpfen. 'ein lasterhafter, wilder, auch wohl ein jeder unnützer, untauglicher mensch; am häufigsten im gemeinen leben' Adelung. in den mundarten in vielfacher schattierung, sowohl ernsthaft als spöttelnd und schalkhaft; z. b. roher plumper mensch: bist ein u., es gibt kein gröszeres in den erbsen zu einem, der mit stärke und zorn prahlt Fischer schwäb. wb. 6, 261; der N. is a wahrs u. d. h. ein roher, unbändiger mensch Hügel Wiener dialekt 177; syn. mit bollecker (frecher kerl, der andre auslacht els. wb. 2, 36b) Schmidt westerw. 285; eine mürrische, unfreundliche person ebda; unmensch Tonnar-Evers Eupen 131b; ungeschickter mensch Brendicke 187b. für bestie Campe verd. wb. (1813) 150a. a) von männern: wel ein untier man an dir sehi H. Seuse d. schr. 450, 6 B.; Mars, du grausames u.! Rist friedejauchzendes Teutschland (1653) 226; dieses u. (der oberste der räuber) durchreisete unterschiedliche landschaften, welche er mit rauben, morden, brennen erfüllete A. Olearius oriental. reise anhang 32; will ich doch lieber todt seyn, als dasz ich bey einem solchen unthiere (grausamen u. harten ehemann) meine tägliche noth ausstehen soll Chr. Weise d. klügsten leute (1675) 353; mein u. (böser ehemann) ehe eines weibes (1735) 228; dieses greuliche u. 96; 230; Lohenstein Arm. 1, 167a; Ziegler Banise 121; daher müssen bey zusamlaufendem pövel ... marcktdiener bestellt seyn, damit mord und schlägereyen vorgebaut werde, die solche zancksüchtige unthier bald einführen Hohberg georgica (1682) 1, 52; dieses sey gnug von diesem u., dem pabst Höllenbrand G. Arnold ketzerhist. (1699) 336a; wer zu viel sauft, wird zu einem u. Castelli ital. d. wb. (1741) 1, 3b; ein atheist ist eine brut der hölle ... kurz, es ist ein u., das schon lebendig bey dem satan in der hölle brennt Lessing 2, 74 M.; lebt dieses u. (Lomellino) noch? Schiller 3, 138 G.; das gemästete u. (ein kunsthändler) H. v. Chézy erzähl. u. novellen (1822) 1, 96; u. von einem lahmen flickschneider Holtei erz. schr. 4, 147; jene gigantische redensart gegen dieses u.: eure gravität, eure eminenz J. V. v. Scheffel (1907) 1, 111; wenn nur nicht jede bestie von u., die auf zwei beinen geht und nase, auge und maul am richtigen flecke hat, sofort dächte, sie sei ein mensch W. Raabe Horacker (1876) 104; im wortspiel mit unmensch: ein arges, ehebrecherisches geschlecht, das weder u. noch unmensch, sondern ein ungeheuer ist Hamann 4, 69 Roth- W.; ich bin kein unmensch und kein u. W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 166. komisch: was vor ein u. und abscheuliches monstrum müszte ich doch sein, wenn ... Holtei erz. schr. 15, 113; und das alte u., sein schwiegervater, der general R., der sehr viel geld hat und nichts ausgiebt Bismarck briefe an schwester u. schwager 24; wann wir (stutzer) uns hören nennen, was wir sind für unthier Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 416; C. S. einsmals über die heuchler klagte und wünschete an einem ort zu seyn, da dergleichen unthiere nit anzutreffen v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 150; die grosze brüderschaft der gehörnten unthiere (hahnreie) Gynäcophilus der polit. freiersmann (1668) 114; von einem alten manne, der ein junges mädchen geheiratet Mittler volksl. 599; meine töchter! traut nur keinem untier, welches hosen trägt! H. Heine 2, 366 E.; die fastenspeisen nannte er thorenspeisen, die bettelmönche kuttentragende unthiere D. Fr. Strausz 7, 33. b) von frauen. ein liederliches weibsbild Schmidt westerwäld. 285: Floretto, das schändliche u. (beschuldigt einen wie Pothiphars weib) Chr. Weise der grünenden jugend überfl. gedanken 207 ndr.; lasset das schöne u. (Banise) eintreten Ziegler Banise 522; Wiedemann gefangenschaften (1620) sept. 17; ist dann niemand bey der hand, der mich von diesem u. errette? (von der mutter, die ihre kinder um ihr erbtheil bringt) ollapatrida 62 Wiener ndr.; durch die vermittelung eines alten unthiers hat sich seine neigung einem cloac zugewendet Zinzendorf Socrates (1732) 52; beim knotenmachen werden alte weiber als zauberinnen und böse unthiere genannt Jac. Grimm kl. schr. 2, 151. c) mundartlich schimpfwort für unartige, böse kinder Stürenburg 297a; Dähnert 505a. d) die n. schriftspr. verschont mit der schelte u. wohl frauen u. kinder, die ältere nicht. Pansner schimpfwb. 74a: pfui dich an, du u., sagte Z., bistu eine christin worden? Buchholtz Herkuliskus (1665) 110b; Herkules (1666) 1, 714; pferd zum esel: du tummes u. ..., bistu nit ein esel wie zuvorn? Trebellius polit. narrenkappe (1683) 126; kommst du, du u.? Hunold der europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 834; theater der Deutschen (1768 ff.) 4, 89; Henzi zu Dücret: geh, unthier, deine wuth soll mich vom recht nicht leiten Lessing 5, 108 M.; Faust zu Mephistophiles: hund! abscheuliches u.! Göthe 14, 225 W.; Fouqué held des nordens 1, 188; G. Freytag 8, 274. e) unthier, unthierchen als kosewort: mehr als alle armut, als alle not, nagt an deinem herzen, dasz du jenes kleine unthierchen gebarst E. Th. A. Hoffmann 5, 7 Gr.; mein u. von einem rothschimmel hatte einen anfall von heimweh bekommen Ebner-Eschenbach 4, 107. I@33) von gegenständen: ein wüstes u. ist die see A. v. Droste-Hülshoff 2, 146; er ... stehe allein dem drohenden u. (der unbekannten groszstadt) ... gegenüber W. Raabe hungerpastor 2, 65. im räthsel vom schiff Schiller 11, 354 G. I@44) von abstracten vorstellungen: ein abschückhlich u., die hoffart Tschudi chron. 1, 79; ich mag dieses u., dieses göldene kalb, welches mein vater also heilig anbetet, nicht haben der unsichtbare Charmion (1697) 310, das laster J. J. Schwade belustigungen 7, 489, der pennalismus Schöttgen pennalwesen (1747) 120, die sünde J. J. Moser bei Heynatz antibarb. 2, 538, der krieg Klopstock oden 2, 84, 24 M.-P., die unvergänglichkeit Herder 26, 431 S.; das reiszende u. des luxus Jean Paul 34, 23 H.; das rachentflammte u. (des todes nacht) H. v. Kleist 2, 327 Schm.; hunger, du u., lasz vom nagen ab Immermann 16, 334 B.; das schicksal Grabbe 1, 453; jetzt ist das u. die tendenz Gutzkow (1872 ff.) 5, 273; das ungeheuer starrer satzung Lenau 324 B. IIII. mit un IV D (un intensivum). II@11) von thieren: ein sehr groszes thier Lexer Kärnten 61; groszes, mächtiges, auszerordentliches thier Doornkaat-Koolman 3, 468a; so hob sich der breite rücken eines dankbaren untiers (des delphins) unter ihm (Arion) hervor Novalis 4, 77 M.; die scharfsichtigen Indianer erspähen oft eins dieser untiere (eine art katzenfisch, bis zu 50 kg schwer) Gordon Mac Creagh Weiszwasser u. Schwarzwasser, übersetzt von Rickmers (1928) 122; in halbmundart: dieser hund is ein undiert von eine karnalje (eine grosze k.) Seidel vorstadtgesch. 174. wegen seiner stärke vom zuchtthier Lori Lechrain 492; Schmeller-Fr. 1, 618 (mit euphemismus erklärt): haltung des unthiers den pfarrern (Augsburg 1684) verboten Schmeller-Fr. 1, 97; veraltet. II@22) von menschlichen wesen: allein David wuste, wo das u. (der riese Goliath) am übelsten verwahret war Chr. Weise d. klügsten leute (1675) 40; von einem riesen Alxinger Doolin 4, 32. II@33) von gegenständen: kein berg kan sich so hoch in luft und wolken strecken, es steigt kein fels so tief ins meer hinein, die nicht vor ihrer grösze kleine hügel und bey dem unthier zwerge seyn Brockes bei Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 6; nd. von einem grotesk aussehenden, ungeschlachten ding, oft komisch.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unthier

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Unthier , des -es, plur. die -e. 1. Ein jedes reißendes, schädliches, auch wohl abscheuliches, ungestaltetes Thier. …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unthier

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unthier

un- + thier

unthier leitet sich vom Lemma thier ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unthier 2 Komponenten

unt+hier

unthier setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unthier‑ als Erstglied (2 von 2)

unthierart

DWB

unthier·art

unthierart , -artig für bestialität, bestialisch Campe ; ebenso erfolglos unthierheit bestialität Campe verd. wb. (1813) 150 a . —

unthierisch

DWB

unthier·isch

unthierisch , adj. , dem thiere nicht angemessen: warum man zu diesen unthierischen feinen sprüchen ( in der fabel ) die masken der thiere b…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „unthier". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unthier/dwb?formid=U11968
MLA
Cotta, Marcel. „unthier". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unthier/dwb?formid=U11968. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unthier". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unthier/dwb?formid=U11968.
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