murmelthier,
n. arctomys marmota. die ahd. form ist muremunto,
lepusculus (Graff 2, 859
aus St. Gallen)
und später murmenti: erinatius (murmenti) ist animal magnitudine ericii (ein tier alsô michel sô der igil) .. similitudine ursi et muris (in gelîchnisse perin unde mûse), daʒ heiʒen uuir murem montis (mûs pergis), uuanda iʒ in foraminibus alpium (in dien lochen dero alpon) sîna festi habet. Notker
ps. 103, 18;
aus diesem lat. murem montis ist das rhätoromanische murmont
entstanden, welches der ahd. form zunächst zu grunde liegt. die letztere setzt sich mundartlich in der Schweiz fort, in Bünden als murmete
und murmelti,
im Berner oberlande als murmende,
in Luzern als murmetli Stalder 2, 220,
ebenso in Tirol als murmentl, muramentl Schöpf 452,
bair. murmentel, murmementl Schm. 2, 1653
Fromm.; vergl. ital. marmotta
und marmotto,
span. portug. marmota,
franz. marmotte Diez
wb. der rom. spr. 1, 265.
die umdeutung in murmelthier (
ein murmeln
wird der thierart zugeschrieben, vergl. unter murmeln 6)
findet sich, während mhd. die form mürmendin, murmedi
zunächst dauert (Lexer
wb. 1, 2253)
doch schon seit dem 14.
jahrh.: furo, murmeltir, murmultir, ein mormerdyer Dief. 253
c;
furo, murmurtier, murmeltier
nov. gloss. 186
b; das murmelthier,
mus alpinus Maaler 296
a; murmelthier oder murmentle Forer
thierb. 111
a.
das thier wird als ein seltenes gezeigt: in diesem augenblick kam unversehns ein alter alpenbauer mit einem murmelthier daher. er rief: herbei, ihr hochgeneigten schauer, und seht dis wundertierlein an, das hundert schöne künste kan! Drollinger 159;
daher: ich führe dich wie irgend ein seltenes murmelthier mit mir. Schiller
kab. u. liebe 4, 3; dagegen aber reichte mein guter humor nicht hin, als die tochter des prätendenten das fremde murmelthier gleichfalls zu sehen verlangte. das habe ich abgelehnt. Göthe 27, 231;
es lebt in der schneeregion: da drauszen auf den felsen ists auch wohl der mühe werth von freiheit zu reden, wenn man das halbe jahr vom schnee wie ein murmelthier gefangen gehalten wird. 16, 198;
und verschläft die winterzeit: das murmeltier, welchs für bekümmernus, das der winter einfallt, sich schlafen legt und vor angst faiszt wurd. Fischart
groszm. G 4
a; (
sie) schlafend also den ganzen winter bisz auf das glenz one speisz und trank zuosamen gekrümpt wie ein ygel .. dannenhar ist ein sprüchwort bei den einwoneren der alpen im brauch, er muosz sein zeit geschlafen haben wie ein murmelthier. Forer
thierb. 112
a; dasz sie einen schlaf hat wie ein murmelthier. H. v. Kleist
Käthchen von Heilbr. 4, 2;
daher von einer verschlafenen person: sieh, wie das alte murmelthier dort schläft. H. L. Wagner
die kindermörderin 20;
von einer verdrossenen und zanksüchtigen: ich hielt mich ... etliche tage bei meinem bruder auf, und wurde von ihm und seiner frauen ganz wohl bewirthet; allein da ich kaum 3 oder 4 tage da gewesen, hörete ich, wenn ich nur den rücken gewendet, dasz sie sich um der geringsten ursache willen aufs heftigste mit einander zankten, hergegen konte das alte murmelthier, so bald jemand darzu kam, so freundlich thun, als ein ohrwurm, und ihrem manne sehr viel ehre erweisen.
Felsenb. 3, 425;
von einem pietisten: dort grunzt das murmelthier, der falsche pietist, der nur wie Sodoms frucht, von auszen kostbar ist. Günther 4, 62.