stimmen,
vb.; verschiedene verbalbildungen, die sich jedoch seit mhd. zeit (
mhd. stimmen,
mnd. mnl. stemmen)
nur noch nach der bedeutung unterscheiden: 1)
ableitung von stimme,
f., seit dem mhd. bezeugt; die bedeutungen dieses verbums entsprechen teilweise denen des substantivs, teilweise beruhen sie auf eigener entwicklung des verbums, s. u. I
und III. 2)
ableitung von gastimni,
adj., das wiederum von stimme
abgeleitet ist; im ahd. in gistimnitun, 3.
pl. prät., bezeugt, als stimmen
seit dem 15.
jh., s. u. II. —
schwed. stämma,
dän. stemme
aus dem deutschen, s. Hellquist
svensk. et. ordb. 898. II.
die stimme
betätigen, mit der stimme
wirken. I@AA.
konkret '
sprache, ton, laut von sich geben, hören lassen'. I@A@11)
allgemein '
reden, tönen, äuszern'
u. s. w., mhd. und älter nhd.: stymmen oder lauten mit der rede
modulari voc. theut. (
Nürnb. 1482) ff 3
b; stimmen
vociferare voc. primo ponens (1515) b 2
a Hüpfuff; auss der ratschrann ward er geweist mit pitterlichem smerzen den juden für, Pilatus stimt: 'den euren küng hie schauet!' sie sprachen: Oswald v. Wolkenstein 281 (
dagegen kaum im sinne von '
sententiam ferre'
zu B
oder C); er wart sô gar an freuden laz daz er sîn selbes dâ vergaz. der spiegel im ze stücken reiz, er stimt in jâmers tuome
meisterl. d. Kolmarer hs. 14, 29
Bartsch; mit objekt groz gedözze stimmen '
vernehmen lassen' (
vgl. u. 2 a),
vereinzelt: hurta! wie do gevohten wart! ... man sach si als daz wilde flur limmen in dem grimmen. diu vraise wart do stimmen manic groz gedözze Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 8742
Regel. älter nhd. in verschiedener anwendung: wann es (
das tier) einen menschen siehet, lachet es zum allerausgelassensten, lachet und stimmet wie ein mensch
abentheur von allerhand mineralien (1656) 805; wenn ein groszes fest oder fürnehmer sontag eintritt, so musz zuerst die grosze glocke im thurm prausen und stimmen Val. Herberger
trawrbinden (1612) 2, 141; elewe sdime
elf uhr schlagen, mit der glocke Hertel
Thür. 236; der zarte lufft mit seinem volck, das schwimmt und stimmet in der wolck, zu gottes lob erschaffen Harsdörffer
bei Fischer-Tümpel 5, 26
a; gelich stymmende wörther und ungelicher bedeuttung, wie man die und der gelich underscheydlich und verstentlich schriben sal, verba equisonantia genant
schryfftspiegel (1527)
bei Jellinek
gesch. d. nhd. gramm. 42; wann aber die thönende oder stimmende fläche über und under sich, schräg oder schlems an eine gebogene fläche desz widerhallenden gegenstandes fället, so wird der widerhall sich entweder über oder under sich eraignen Ag. Cario
neue hall- u. thonkunst (1684) 15. selbst stimmende
und mit stimmende
als bezeichnung der vokale (
sonanten)
und konsonanten, vgl. selbstlaute
und mitlaute: in den fünff vocalibus oder selbs stimmenden buchstaben Chr. Wirsung
artzneybuch (1588) 180
d; stimmende buchstaben
le vocali, lettere Hulsius (1618) 240
b; nein, die stimmer, a, e, i, o, u, wandeln das zeitwort und verbleiben nicht, wie die mit stimmenden stammbuchstaben Harsdörffer
teutsche secret. (1656) 1, 562. I@A@22)
im musikalischen bereich '
singen, tönen'.
seit der älternhd. zeit bis ins 19.
jh. —
selten in absoluter form: und wenn die westen stimmen nach linder lentzen art, so machen sich die immen auf ihrer blumenfarth G. Treuer
deutscher Dädalus 1, 200; ich, ich will dein lob erheben, weil mein schäferpfeiffsakk stimmt, und in mir ein flämlein glimmt, weil ein fünklein seel wird leben S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 21; hört der flöthen harmonie ... und das sanfte lautenchor musz
auch der melancholie in dem hertzen wohl gefallen? also stimmt doch auch wie sie Chr. Günther
ged. (1735) 343;
bildlich, redensartlich in ein horn stimmen
wie in ein horn blasen: mein fatum, was thät das? die zeit und auch das glück? sie stimten in ein horn, zeigten mir ihre tück Grimmelshausen 2, 5
Keller. I@A@2@aa)
ein lied u. s. w. stimmen '
singen, spielen, erklingen lassen',
oft für das heute übliche anstimmen: noten stymen oder solvisieren oder notensingen
voc. theut. (1482) x 6
a; wolan, ich weysz noch ein lidlen von Rom und von yhnen: jucket sie das ohr, ich wils yhn auch singen, und die notten auffs hochst stymmen Luther 6, 469
W.; he kan so mannig danseleyd, up der luten spihlen all dinck, tho Osenbrügge und Elsken Rösell, dar stemede de midt syn luten spell Gerh. Haverland
Soester Daniel 106
Schmitz; wer was gutes stimmen will, der sehe zu, (wenn es orgeln oder regale sind) ob auch der wind fein gleich und die pfeiffen fein just seyn J. Ph. Bendeler
organopoeia (1690) f 2
a;
verengt im sinne von '
mit pfeifen spielen, pfeifen erklingen lassen',
im unterschied zu schlagen '
mit trommeln spielen': die vicatrum (
wie die reveille
und der march
ein teil der sogen. apelle) wird erstlich gestimmt; der auftrap etwas geschwinder geschlagen, und nicht gestimmt; der abtrup etwas langsam geschlagen und nicht gestimmt ... der march wird mit fünf und neun geschlagen, eh er gestimmt, und mit einem schlag und wirbel wird er abgeschlagen H. v. Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 143. —
besonders die sprache der poesie bevorzugt das simplex gegenüber anstimmen: abermals zur morgenstunde sammle sich die bunte menge! stimme fröhliche gesänge Göthe 16, 317
W.; bringet her die letzten gaben, stimmt die todtenklag! Schiller 11, 235
G.; Leander stimmet süsze töne, und singt und seufzet seiner schöne, bis ihr das ohr fast gellt Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 20; längst verklang die abendglocke, und die unke stimmt am teiche, wo der irrwisch flackert, traurig ihren sang Adolf Pichler
marksteine (1874) 87; horch in die höh, das wirbelt klar, die lerche stimmt: erwacht! Friedr. v. Sallet
bei Gude
vaterl. lesebuch (1886) 1, 40; wenn dir ein mann, den du nicht kennst, begegnet, der lächelnd schleicht, und dich durch minen segnet, ... gebete brummt, und tiefe seufzer stimmt Hagedorn
poet. w. (1757) 1, 205; kaum tritt ein dichter auf! so stimmen schon die schaaren der kritiker die alte litaney, zerfleischen froh sein werk mit wildem mordgeschrey Zach. Werner
ged. (1789) 6; er stimme noch bei zügen glatter jugend im welkenden gesicht der menschlichern, der kummerlosen tugend sein ewiges gedicht Schubart
briefe 1, 51
Strausz. I@A@2@bb) in, zu etwas stimmen. in ein lied
u. s. w. stimmen
zu singen beginnen, mitsingen, für in ein lied einstimmen: selbst ausruhende männer stimmen gern in das tafellied J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 49; herr ich (
dichter) bet an, freu mich mit beben; und stimm in deiner engel chor. mich hebt auf ihren flammenschwingen die andacht, würdig ihn zu singen, zum thron des ewigen empor J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 1; alle morgen ... stimmte sie ungerufen in den gesang der schwestern W. Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 206; wer zung und odem noch vermag, der stimm in unsre harmonie Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 16; stimmen, froh im sonnenglanze vöglein mit in mein gebet R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 58; der eulen schöner toon mus deinen reim zieren, die krähen stimmen drein
bei Ph. Zesen
leiter z. hd. Helikon (1656) 56; und die gefährten und mannen Bertholds stimmten jubelnd in den ruf Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 50; o seht die schwarzen weiden, wie sie rauschen, als wenn sie mit in meine klagen stimmten Tieck
schr. (1828) 2, 192. zu jemandem, etwas stimmen
mitsingen, mittönen, mit dem beisinn '
in harmonie mit ihm einstimmen': wen die köchin metten singt, das puer natus rüffet im, das er mit gsang ouch darzuo stymm Murner
narrenbeschwörung 72
ndr.; das mädchen sasz so blöde, als fehlt ihr gar die rede, jetzt stimmt sie mit gesange zu horn und flötenklange Uhland
ged. (1863) 245; die lerche stimmt zur holden nachtigall, die dieses paar liebreizend eingesungen E. v. Kleist
w. 1, 32
Sauer; noch dauren wirds (
die glocke) in späten tagen. und rühren vieler menschen ohr, und wird mit den betrübten klagen, und stimmen zu der andacht chor Schiller 11, 306
G.; doch nein! mich täuscht mein sinn, als ob zum wettergrimme mit kläglichem geschrei das felsenkäuzlein stimme Lenau
s. w. 189
Barthel. ein lied
u. s. w., in ein lied
u. s. w. stimmen '
harmonisch hinzufügen, dazu singen': sie wird es ja lassen schall- und hallen, den hochwehrten eltern zu gefallen, und ein liedchen stimmen drein Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 226; die nachtigall, ... welche den klang ihres süszen gesanges in das liebliche gerausche des wassers von dem brunnen stimmet und so eine musicalische anmutigkeit macht Opitz
Argenis (1644) 423; wer gerne mit mir ruht, und stimmt der kehle klang in lustger vögel sang
Shakespeare 4, 203; indessen buhlerey ... hier ein syrenenlied zum ton der zitter stimmt, dort nackend in des bachs durchsichtgen wellen schwimmt Joh. Jac. Dusch
s. poet. w. (1767) 3, 75. — in jemandes ton, meinungsäuszerung
u. s. w. stimmen
in übertragung auf ein inneres '
beipflichten, mitmachen, sich anschlieszen'
; von der gleichen wendung in der bedeutung C 1 c,
auch D 1 c,
nicht immer scharf geschieden: Suleima stimmte in den jetzigen ton seiner seele Klinger 4, 52; ich stimme nicht in diesen ton gegen Julien Iffland
theatr. w. 7, 111; wir stimmten freudig in das lob, welches viele glieder derselben (
gesellschaft) ihnen gaben Gleim
briefw. 1, 181
Körte; Hildegard stimmte ungern in diesen ausspruch Heinse
s. w. 5, 272
Schüddek.; (
ich) stimme ganz in ew. excellenz meinung, dasz er mit dem verlust der stelle ... zu bedrohen ist Göthe IV 19, 230
W. I@BB. '
etwas nennen, festsetzen'
; vom 14.
zum 16.
jh. bezeugt; dem später allein gebräuchlichen bestimmen
entsprechend. die bedeutung '
die stimme betätigen'
liegt zugrunde, indem das namhaft machen, bezeichnen, anordnen u. s. w. ursprünglich als eigentliche mündliche äuszerung vorgestellt ist. I@B@11) '
erwähnen, nennen',
der eigentlichen bedeutung (
o. A 1)
am nächsten: der Hercules ein tapffer heldt geboren wird auff diese welt ... der Hercules, hievor gestimmet, aus Spanien in Welschland kümmet Joh. Hasentödter
chron. (1569) d 4
b; den eid, wi der gescheen sol, als durch uns und unser viel gestimpten cronhern zu Behem zu Kuttenpergk rechtlich erkant und beschriben ist
chron. d. stadt Elbogen 65
Schlesinger; des beholden Hans und Jasper Drielingk gebrödere up dem opgedachten huse 2000 mr. Rig. aftholeggen, wenner id de gestimpte brodere begeren synd (1540)
erbebücher d. stadt Riga 277
Napiersky; und den purgrafen, den ich stimm, Hans Rezen, als ich vernim (1475) Liliencron
hist. volksl. 2, 20;
ebenso obgestimmt '
oben erwähnt'
im 16.
jh., s. teil 4, 1, 4236. I@B@22)
weiter verblaszt '
festsetzen, anordnen': was sie aber fur wunder angaben und stympten, das solten wunder seyn Luther 15, 87
W.; in dem 1137 jare wart twikore und wart gekoren Conrad van Swaven to mitvasten. dat stempte ein cardinal, de do was to Meinz (
Magdeburg. schöppenchron.)
städtechron. 7, 114; sondern gott mus und sol sich gefangen geben, das er seine wort nicht setze, wenn und wo er will, sondern wo und wie es yhm dieser geist stymmet Luther 26, 455
W.; dise ynlegen in gefenknus ... und setzend üch heim ein gricht zuo stimmen, dem wöllind sy ghorsam sin (15.
jh.)
qu. z. schweiz. gesch. 1, 92; buch, in dem aigenlich gestymbt ist, wie man sundt (1472)
bei Schmeller-Fr.
bair. 2, 756; aber weyl man nicht stympt, wie er richten soll Luther 19, 213
W.; hab du die eer von mir und stimme mir, wenn ich für dich ... bitten sölle (
constitue mihi exod. 8, 9)
Zür. bibel (1531) d 5
b; ich wil nicht gwis stymmen quam diu absit extremus dies Luther 32, 228
W.; vereinzelte zeugnisse des 17.
jh. beruhen wahrscheinlich auf rückbildung aus bestimmen: so dasz ich sie zur
braut nach ihrem wundsch erkohr. ich liesz, als sie es stimmt, den schönsten vater grüszen und ihn von dieser lieb und treuem anschlag wissen A. Gryphius
trauersp. 274
Palm; durchläuchtge königin! der Gallier abgesandt läst dienst und hülf antragen und wil, wo sies nur stimmt, ein solches stücke wagen, das ihre majestät in kurzem sol befreyen A. v. Haugwitz
Maria Stuarda (1683) 68.
am frühesten und festesten bezeugt einen zeitpunkt stimmen '
festsetzen, nennen': ein dac, ein zit gestimmet was, daz man di frouwen wolde erheben wi man solde
hl. Elisabeth 9992
Rieger; stimm mir ein zeyt, ein heimlich ort, das ich zu dir müg kummen schir G. Forster
fr. teutsche liedlein 46
ndr.; aber weil am selbigen freitag geschefft fürfielen, entbot derselbige graff und herr widerumb schrifftlich, und stimmet den nechsten sontag hernach Jac. Schlusser
peurisch krieg (1573) 77; alda alle jar auf ainen gestimbten tag haben die fueszknecht ... demüetig andechtig gepet volbringen müessen Joh. Turmair
s. w. 4, 601; will nit harren noch wartten derselbigen tzusagung (
gottes), stymmet und setzt tzill, stett, tzeytt und weysse seyner hulffe Luther 10, 1, 1, 618
W.; ob er (
gott) nu nicht sondere stete, person, weise und zeit ausdrcket und stimmet, darin man seine wort lerete und lernete Luther
bücher, u. schr. 6 (1568) 109
b Jena; das er damit die zeyt stymme und ein zeichen gebe, wenn das newe Jerusalem solte angehen, ... das damit ... die zeit bestympt werde
ders. 23, 532
W.; constituere tempus ein zeyt setzen oder bestimmen;
constituere diem alicui eim einen tag setzen, stimmen oder ordnen Frisius (1556) 313;
ähnlich: es zahleten i.
f. g. zwar zu Frankfurt ab bis auf einen kramer vor tuch um 200 thlr., welcher es i.
f. g. auf 2 monat stimmet v. Schweinichen
denkwürd. 95
Öst,; (
beim losen) und stymmen keyne gewisse personen, sondern befelhen solchs gott, wilchen das los treffen werde Luther 19, 213
W.; '
ernennen': unser ret und die gemelten comissarien solln auch zehn unterprofanndmaister stimen und ordnen, di allennthalben die profannd bestellen und fertign (1508)
urk. z. gesch. Maximilians I. 293
Chmel. einen betrag, preis
u. s. w. stimmen '
festsetzen': dasz ich ... dich ein lon mir lasse stimmen nach dinem göttlichen gefallen Zwingli
dtsche schr. 1 (1828) 97; dasz er auff sein unkosten Siciliam und Apuliam wider von der hand Tancredi erledigen und es der kirchen wider mit lehn und järlichen gestimpten zinsz underwürflich machen S. Franck
Germ. chron. (1539) 178
a; doruff haben die gellter ir schuld vor gericht benennen und stimben lassen, nemblich ... (1480) Friedr. H. Hellmann
konkursrecht d. reichsstadt Augsburg (1905) 47,
daneben in gleicher bed. bestimben
a. a. o.; item und ist gelt gestimpt ein behemisch gross für 17 haller, item ein alter plapphart für 16 haller (1421)
eidgenöss. absch. 2, 9
Segesser; und nach altem herkomen so haben seine dink vast ein gestimpt gelt was er macht, wiewol er ietzund claget nachdem, das eichen holtz ser theur ist, so hat er mich doch nit gehöcht und ist das der alt lon E. Tucher
baumeisterbuch 101
Lexer; sollen fürbass hin die gesworen schawer ... von dem marck saffran ... ein satz (
preis) machen und den stymmen, also das ein zenntner nit mer dann acht pfund und ein dritel eins pfunds faminelle hab
Nürnberger polizeiordn. 137
Baader. I@CC.
seine meinung äuszern, dadurch zu einer entscheidung mitwirken, votieren, seine stimme (
sp. 3081)
abgeben. seit dem 16.
jh. bezeugt. I@C@11)
gewöhnlich in verbindung mit präpositionen der richtung. I@C@1@aa)
älternhd. besonders mit auf. auf jemanden stimmen
ihn wählen: derselbigen ordnung halben befragt, sollen unsere ret auf die kon. mt. stimen, dergestalt, das ir kon. mt. allerunderthenigst zu bitten sei, ... sich als president allergnedigst zu underfahen (1555) herzog Christoph v. Wirtemberg
briefw. 3, 64
Ernst; sie stimmten all auf dich, mit eingestimmten schalle ... nach würde kond die wahl nit bässer treffen ein S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 330; einige erwehlten Albertum, andere stimmeten auf den domprobst Simon Hahn
teutsche staatshist. (1721) 4, 20.
bis in junge zeit auf etwas stimmen
sich für etwas entscheiden: hett ir gnedigster her inen bevelch gethon, ... stracks auf den passauischen vertrag zu stimmen und zu dringen, damit derselbig an die hand genomen, ... consultiert und beschlossen, bei welchem voto sie endlich verharren (1555) herzog Christoph v. Wirtemberg
briefw. 3, 75
Ernst; die Korinthier, welche die einzelne staaten gebeten hatten, auf den krieg zu stimmen Heilmann
peleponn. krieg (1760) 134; selbst die kardinäle, von denen die meisten von den beyden päbsten abgetreten waren, stimmten auf diesen weg
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 68; da hielt man noch einen ... rathschlag ... ob man ... vor nutzlich befinde, diesen knecht zu erwürgen; oder ob er solte wieder heimgetragen werden. ins gemein stimmeten sie auff die gelinde seite Prätorius
Blockesberges verr. (1668) 259; doch dasz ich stimmen sollt auf Richards seite, den ächten erben meines herrn zum nachtheil, gott weisz, das thu ich nicht bis in den tod
Shakespeare 9, 105; die gemeinde durfte nur über die vorträge des rathes ... auf ja oder nein stimmen J. v. Müller
s. w. 1 (1810) 45; ich würde alsdann darauf stimmen, dasz man ihr zwey halbe wochengagen zurückbehielte Göthe IV 21, 21
W. I@C@1@bb) zu etwas stimmen
für etwas votieren, auch '
mehr in der inneren haltung als durch äuszere kundgebung einer sache, einem beschlusz u. s. w. beipflichten',
dann gelegentlich D 1 b
nahe: dieweil sie anfencklich zuor sach gestympt haben und zuor rottung geholffen, müssen sie auch gehen allen unratt, der darausz entsteht Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 270
ndr.; doch weil die wenigsten darzu stimpten, ward dieser meynung nit platz gegeben
grillenvertreiber (1670) 220; und weil hertzog Mars sich der durch die wahl ihm aufgetragenen würde enteuserte, indem zwey auf des Suasandufals seiten stehende fürsten dazu nicht gestimmet hatten, kamen sie alle noch einmahl zusammen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 114; doch sag ich ein für allemahl, ich stimme nicht zu dieser wahl Ramler
fabellese 3, 111; er sei der ammann und des tages haupt! wer dazu stimmt, erhebe seine hände Schiller 14, 324
G.; das sind meine besorgnisse, um derentwillen ich zu der anstellung von Weberling nicht stimmen kann Göthe IV 15, 100
W.; sollte man zu jener scheinbar gerechten, aber parteisüchtig grundfalschen maxime stimmen I 40, 275.
der bedeutung '
in einklang stehen' (
s.D 1 b)
besonders nahe: solchs der sathan einblassen thut, darzu stimmet auch fleisch und blut, das im creutz sein unkrafft erzeiget Hans Sachs 18, 181
K.-G. I@C@1@cc)
seltener in etwas, dahin, dort hinaus stimmen '
sich für etwas entscheiden',
auch zuständlicher '
zu etwas geneigt sein',
vgl. u. D 1 c: nachdem er mit dem herzog Herrmann und andern bundbrüchigen fürsten in den uberfall des römischen kriegsvolcks hat stimmen müssen Lohenstein
Arminius 1 (1689) 72
b; Terzkas regimenter zu rosz und fusz stimmen alle in diesen schlusz Schiller 12, 55
G.; dasz der meiste und gröszeste theil der gelehrten zu jeder zeit dahin stimmet, dasz die teuffel aus hoffart gestürtzt seyn
theatr. diab. (1569) 21
b; hierzu aber wolte der königliche schwedische feldmarschalck nicht verstehen ...; sondern stimmete vielmehr dahin: dasz stracks an die stadt Rostock ... sich zumachen ... were v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 192; ob man nicht den feind zu dieser zusammenkunfft einladen ... solte? wohin theils zwar gestimmet, doch vom k. reichscantzler ... solches nicht vor gut angesehen war
ebda 2 (1653) 241; und ward also mengerlei under den eydgnossen geredt, also dasz einer hieusz, der ander dortusz stimmet Tschudi
chron. Helv. 2, 282; dieses geschieht gewisz, sobald er siehet, dasz wir eines da, das andere dort hinaus stimmen v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 759; lange stimmten ihre priesterlichen herzen dahin, die unglücklichen ... der schärfe des schwerts zu überliefern Klinger
w. 4, 150. I@C@1@dd)
seit dem 19.
jh. ist für
oder gegen etwas
oder jemanden stimmen
die geläufigste wendung dieser bedeutung: die neue königswahl theilt schon Athen, der eine stimmt für deinen sohn Schiller 15, 1, 30
G.; Schmerling ist ... gewählt. ich hatte es für meine pflicht gehalten, für letzteren zu stimmen
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 5, 144; weil sehr viele wähler die absicht haben, für die regierung im princip zu stimmen Bismarck
polit. reden 4, 24
Kohl; auch stimmen die jüngeren, unbedachteren für den angriff Göthe 41, 1, 202
W.; ich hatte anschläge auf Prag gefaszt, das mir Göschen wiederräth, der noch immer für Berlin stimmt Caroline
br. 1, 144
Waitz; der erstre entwickelte als wortführer die gründe, aus denen die conservative partei nicht für das gesetz stimmen könne Bismarck
ged. u. erinn. 2, 169
volksausg.; niemals könnte ich für einen frieden stimmen, der Deutschland nach solchen opfern nicht seine existenz sicherte Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 209; es war ein schöner frühsommermorgen; ich stimmte für fuszwanderung H. Laube
ges. schr. 1, 248; ein einziges kirchspiel, wo die mehrheit nicht für die verbrennung der bilder und die abstellung der messe stimmte Ranke 3, 234; Egmont, den seine natürliche herzhaftigkeit hinrisz, ... stimmte hitzig dafür, den feind anzugreifen Schiller 9, 4
G.; die kommission kann ihrer überzeugung nach nicht dafür stimmen, dasz man ... junge leute ... in die regimenter aufnehme Wilhelm I.
milit. schr. 1, 61; eine bundeskommission ..., die aber, wie vorauszusehen, in ihrer majorität gegen fast alle preuszischen vorschläge stimmte Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 26; die majorität des ministeriums und des conseils stimmte abweichend von meinem votum gegen die auflösung Bismarck
ged. u. erinn. 2, 214
volksausg. I@C@22)
weniger häufig in anderen formen. I@C@2@aa) stimmen
in unmittelbarer verbindung mit dem objekt. etwas stimmen '
für etwas votieren': es ist nicht auszzuonemen, was all menschen thuon, reden, wOellen, begern, stimmen und trachten S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 121
a; ich stimme seinen fall Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 120; ich stimm es. — ich. — wir alle. wer sich zu hoch erheben will, der falle! a. Gryphius
trauersp. 56
Palm. ebenso in verbindung mit einem objektssatz: darumb stympten sy mit Caypha, das Christus solt sterben
reform. flugschr. 2, 184
Clemen; so stimmeten die meisten, man solte ihn mit nach Brikioka führen O. Dapper
America (1673) 112
a; die churfurstischen ... zuvor ierer ... herren bescheid hieruber zu erholen begern oder stimen (1555) herzog Christoph v. Wirtemberg
briefw. 3, 59
Ernst; ich stimme daher, dasz über ihn der stab gebrochen werde Bauernfeld
ges. schr. 3, 266; bei den alten pflegte man wohl zu stimmen, ob ein beklagter schuldig oder unschuldig sey; ... bekam jeder, der dabei eine stimme zu geben hatte, ein schwarzes und ein weiszes steinchen Jung-Stilling 3, 62
Grollmann; ähnlich: da stimmten all die mannen: 'ein bündnis nur uns frommt' Scheffel
ges. w. (1907) 2, 170; alle domherrn stimmten einmüthig: die bedenkliche sache müszte dem heiligen vater in Rom vorgelegt werden Klinger 3, 11.
ungewöhnlich: (
er) fragt nach dem preise, wie hoch er gehen dürfe. ich dencke zwischen 200 m und 200 rh. mögte wohl zu stimmen seyn Göthe IV 18, 12
W. — jemandem, -en stimmen
jemanden wählen, mundartlich: aim stimme Seiler
Basler ma. 279; Hunziker
Aarg. 255; morje wird gestimmt; we(n) wolle mr stimme? Follmann
lothr. 499; der alt Meier ist wieder gestimmt worden Martin-Lienhart
elsäss. 2, 595; wer dem ratsherr Vinzenz Püntiner stimmt Ernst Zahn
helden d. alltags (1929) 305; stimme keinem ... der dir ein gesicht macht, als ob er dich fressen wolle, wenn du ihm nicht stimmst; und auch keinem, der dich fürchten würde, nachdem du ihn gewählt hast G. Keller
nachgel. schr. (1893) 287. I@C@2@bb)
ohne objektsausdruck, durch den sachlichen zusammenhang bedingte wendungen: vorab, dweil die 3 genante geistliche churfürsten mit im, als mit irem öbristen prelaten, gemeinlich stimmeten, es ward ein ander (
kaiser) gewöhlet Sleidanus
reden 190
Böhmer; consentio tibi ich halts mit dir, stimm mit dir Er. Alberus
dict. (1540) 77
a; Pluto ... stimbt wie Jupiter Lehman
floril. polit. (1662) 2, 642; über etwas stimmen im raht Kramer 2 (1702) 975
b; ein jeder antrag im parlament, bevor darüber gestimmt wird Archenholz
England u. Italien 1, 45; (
er) liesz weiter stimmen Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 203; man hat das volk nach zünften stimmen lassen. dein bruder hat die stimmen, Phädra siegt! Schiller 15, 1, 46
G.; ich selbst sasz mit im rath, und stimmte bey der wahl v. Ayrenhoff 1, 157; dasz er bei der abstimmung in der generalversammlung in einem gewissen sinne stimme
handelsgesetzbuch § 317
abs. 1; liesz man den stimmenden keine wahl zwischen dieser verfassung oder einer anderen K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 240; die armee rückte nach London vor, um ... der versammlung freies sitzen und stimmen wiederzugeben Ranke
s. w.2 16, 279. I@DD. '
in einklang stehen, passen'
; im unterschied zu A, B, C
ausnahmslos in intransitivem gebrauch. heute meistens ersetzt durch übereinstimmen (
teil 11, 2, 187),
auch zusammenstimmen (
teil 16, 771),
in älterer zeit daneben auch einstimmen (
teil 3, 313).
auch in der neuen, uneigentlich und zuständlich gewordenen bedeutung bleibt die vorstellung einer wirklichen tätigkeit mit der stimme, besonders im älternhd., in verschiedenen graden erhalten. von bildlichem gebrauch der eigentlich-sinnlichen bedeutung hebt sich die neue nicht immer scharf ab, z. b.: swenne daz rîche und der bâbst niht stimmen gelîche
Frankfurter druck des renner von 1549
für hellent
bei Hugo v. Trimberg 9004; so soll man allain gelten lassen die warhait, welche kaines thals von der kirchischen tradition zwitrechtig ist oder ungleich stimmet J. zu Wege
confession (1555) 53
a; alle drey evangelisten, und Paulus mit yhn, stymmen zu hauffe, das Christus das broth genommen hatt Luther 8, 513
W. — gistimnitun
ahd. gl. 1, 472, 20
müszte entsprechend der zugrunde liegenden bibelstelle (
concinebant in hymnis et confessione domino)
heiszen '
sie sangen übereinstimmend, einträchtig, gemeinsam',
und würde dann (
als ableitung von stimme)
hierher gehören, s. jedoch u. sp. 3099;
vgl. auch gastimni '
übereinstimmend' (
sp. 3068)
und einstimme
einstimmig Graff 6, 683,
beide ableitungen von stimme. I@D@11)
entsprechend der bedeutung verbindet das vb. meistens, älternhd. ausschlieszlich, zwei glieder miteinander. I@D@1@aa)
die geläufigste wendung ist stimmen mit,
vgl. übereinstimmen mit. I@D@1@a@aα)
bei persönlichem subjekt, so besonders im älter nhd., ist die ursprüngliche sinnliche bedeutung noch lebendig. jemand stimmt mit jemandem
oder etwas '
ist mit ihm gleicher meinung, verträgt sich mit ihm'
u. s. w.: catholicus heyst, der mitt dem hauffen ist und einhellig mit der gantzen samlung stymmet im glauben und geyst Luther 8, 389
W.; wie feyn stympt Emsser mit
s. Paulo, wie der esel mit der nachtgall
ebda 7, 649; merckt auf, wie der bapst mit Christo stümbt, wie ain kessel mit einer nachtigall Carlstadt
von beiden gest. d. hl. messe (1521) d 4
a; daher Berosus mit Cornelio Tacito stimpt, das Tuisco von der terra sei geporn S. Franck
Germ. chron. (1538) 1
a;
disiunctus populus a senatu ein volck das sich vom radt abgeworffen hat, das nit mit dem radt stimpt Frisius
dict. (1556) 427
a; der ewiglich mit dem nicht stimmen kan, der mit dem himmel schertzt und sieht die menschen an Opitz
op. (1690) 1, 7; wie stimmet Christus mit Belial? welche gemeinschaft hat der reine tempel gottes im menschlichen gemüth mit dem gerichtshofe des frechsten betruges? Herder 20, 257
S., nach 2. Cor. 15; in der hauptsache stimmte sie mit meinem vater, sie zog nur durch einen andern weg in eben dasselbe land v. Hippel
lebensläufe 1, 65; denn alle Römer stimmen hierüber mit Livius, und nur Dionysius ... versetzt die botschaft des senats auf das consulat Niebuhr
röm. gesch. 2, 98; das königthum sei unverletzlich und erlaube keinen angriff, auch wenn der fürst nicht mit der kirche stimme H. Laube
ges. schr. 5, 118; und mit Reiffenbergs stimmt sie noch schlechter wie mit Rummels Holtei
erz. schr. 15, 75; mit einander stimmen: das ihr gleich eurem abgott dem bapst selbs widderstrebt mit eurem widderteuffen, und stymmen also lerer und schuler nicht mit einander Luther 26, 146
W.; se (
eheleute) stimma nich mitnander K. Rother
schles. sprichwörter 367
b. jemand stimmt mit etwas
harmoniert damit, paszt dazu: also redet auch
s. Paulus ... und stymmet zu mal fein mit diesem psalm Luther 19, 590
W.; die alte bücher melden hie nur von acht jaren und vierhundert schritten, damit stimmet auch Solinus cap. 4 Heyden
Plinius (1565) 33; ach gott, was hilfft ein solcher rath, da schon das hertz stimbt mit der that, durch eignen willen eingenommen Spreng
Äneis (1610) 63
b; das fürstliche hausz Anhalt, welches mit der formula nicht stimmet Thomasius
ernsth. ged. (1720) 2, 211; also der typus eines idealistischen jünglingspolitikers, der mit der natur stimmt und auch schauspielerisch ist O. Ludwig
ges. schr. 5, 249; da ich mit dem wetter stimme und traurig bin, nehm ich alles von der ominosen und schlimmsten seite Göthe IV 5, 34
W. gleich stimmen: Mosen wöllen wir halten fur einen lerer, aber fur unsern gesetzgeber wollen wir yhn nicht halten, es sey denn das er gleich stymme mit dem newen testament Luther 24, 7
W.; wir sollen sein viell glidmasz eines leibs und mit dem leibe alle zcugleich stimmen, einigk sein wie in einem naturlichen corper Egranus
pred. 79
Buchwald. I@D@1@a@bβ)
mit dinglichem subjekt etwas stimmt mit etwas '
harmoniert damit, paszt dazu'
; in dieser wendung ist das simplex neben übereinstimmen
bis in junge zeit besonders stark lebendig geblieben: das ist unsser meynung von anbeten des sacraments. ob die mit ewr meynung stymme, werdet ihr am besten mercken Luther 11, 450
W.; was nicht mit gottes worten stimpt, vergehet, verlischt und bald verglimpt Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 1, f 6
a; und kerdt ydt uns tho argem nicht, dat unser stilus ys so slicht, mit Terentio gar wenich stymbt B. Waldis
verlor. sohn 13
v. 213
ndr.; aus der geschicht man klar vernimbt, täglich erfarung auch mit stimpt, ... das ein solcher böser anfang gar selten nimbt guten auszgang Hans Sachs 8, 651
K.; besondern dank dir für mein leben zu betheuern, stimmt mit meinem stand und meinem charakter nicht Lessing 3, 122
L.-M.; die ungeheure menge von waffen ... stimmte aber gar nicht mit der friedfertigen gesinnung J. G. Forster
s. schr. 1, 349; als schriftzeichen stimmt das
gr. υ völlig mit dem goth. und
lat. v Jac. Grimm
gramm. 1 (
21893) 35; aber disz oberzelt sprichwort stimpt mit der schrifft S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 5
b; seine theorie ... stimmt in einigen stücken mit Leibnitzens Nicolai
literaturbr. (1759) 2, 354; dasz der name von Leopold Mozarts mutter ... nicht stimmt mit dem im Augsburger kirchenbuch angegebenen O. Jahn
Mozart 1, 24; in einer weise, die mit der auffassung des reichstages demnächst vielleicht nicht stimmen würde Bismarck
polit. reden 4, 70
Kohl; da die aussagen des blinden mit denen des fuhrmanns stimmten Gutzkow
ritter v. geist 2, 7; (
er) sah den nördlichsten Kharatal als den quellstrom an, was mit obiger angabe der chinesischen reichsgeographie gut stimmt Ritter
erdkde 2, 518; je näher meine zahlen mit diesen stimmen (man heiszt diesz mit der rechnung stimmen), desto mehr zutrauen habe ich zu meiner analyse Liebig
chem. br. (1844) 52; die genau mit der angabe bei dem falschen Asconius ... stimmende kostensumme Mommsen
röm. gesch.2 1, 429; wie stimmt es nun hiermit, dasz sie fast nur in ihrer schönheit aufgeführt wird Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 5 (1853) 16.
im musikalischen bild: dasz auch nicht eines triebes funken, ... nicht eine saite seiner brust mit ihrem (
der freundschaft) sanften tone stimmte? Gotter
ged. (1787) 1, 228;
ungewöhnlich: die situation ... stimmte durchaus nicht mit ihm W. Raabe
Horacker (1876) 124. I@D@1@bb) stimmen zu,
meist etwas stimmt zu etwas '
dazu passen',
modern stärker ausgebildet als älternhd.: ein klarer text im Jeremia, welcher also laut; ... darzu stimpt auch der text Ezechielis, also lautend Fischart
bienenkorb (1588) 207
a; blüet wie melissa umb den stengel. darumb ichs für ein geschlecht der selben auch halt. darzuo stimmen nit ubel seine würckung Bock
kreutterbuch (1546) 6
b; es ist der sitt von alter har, das d jugend nit zuom alter stimpt Nikl. Manuel
weinspiel 1783
ndr.; dasz das mess der ersten schnur nach der lenge zum winckelmess des oberen knopffs der dritten schnur ... stimme Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 93; man an sonst nichts gedenket, als was zu der neuen würde stimmet A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 612; hier sah er sich von gegenständen umgeben, die zu seiner gemüthsbeschaffenheit stimmten Wieland 6, 50
akad.; die gegenwart stimmt selten zum gegenwärtigen Göthe IV 19, 461
W.; ein ernster gast stimmt nicht zum hochzeithaus Schiller 14, 392
G.; sein körperliches aussehen stimmte zu seinem anzuge Stifter 5, 1, 68
Sauer; äwer de kranz stimmte mal schön tau de stillen, truen ogen Fritz Reuter
w. 2, 308
Seelmann; wohl stimmen dazu die berichte der alten Mommsen
röm. gesch.4 3, 219.
modern dazu stimmt, dasz ...: dazu stimmt, dasz die ausgrabungen ... jene groszartigen mauerreste gezeigt haben Mommsen
röm. gesch.6 2, 29; zu dieser freiheit und unsicherheit stimmt vollkommen, dasz man bald die blätter, bald die seiten der gedruckten bücher zählte
teil 1,
vorr. 37. —
musikalisch '
passend klingen': und wie ein wolf zur orgel stimpt, so er sich singens underwindt Nikl. Manuel 12
Bächtold; das lied stimmet und klingt zu seiner geig Lehman
floril. polit. (1662) 2, 808; die pfeife verräth das holz, woraus sie geschnitten ist. lassen sie doch hören, ob meine dazu stimmt? Lessing 2, 92
L.-M.; das instrument stimmte ... mehr grell und ängstlich monoton, als eigentlich melodisch zum gesang Mörike
w. 3, 40. I@D@1@cc)
seltenere präpositionale wendungen. etwas stimmt dahin, auf etwas '
dazu passen': diesen spruch füret Judas nicht übel, ... und (
es) wil auch dahin stymmen, das der herr mit seiner zukunfft dem bapst ... zustören wird Luther 14, 85
W.; im sinne von '
auf dasselbe hinauslaufen', A ('
lauten')
nahe: 'verderben' und 'gruben' (
bei der übersetzung) fast auf eins stymmet Luther 19, 590
W.; reflexiv etwas stimmt sich auf etwas '
paszt dazu': evangelium, glaub et gratia stimpt sich auffeinander Luther 11, 165
W.; musikalisch, vgl. o. b: die kromhörner aber nicht höher gan denn die acht löcher werden auffgethan. darümb aller gesang sich drauff nicht zimpt der sich auff flöten und gros pfeiffen stimpt
M. Agricola
musica instr. deudsch 14
Eitner; etwas stimmt in etwas,
ebenfalls musikalisch: mit hinzugethaner verheiszung, wo es immer zu beschehen müglich, was im anlag zu wenden; ... disz war ein gesang, der in sein pfeiffen stimpte, derhalben sprach er Kirchhof
wendunmuth 1, 519
Österley; in einander stimmen
accordarsi nella musica Hulsius (1618) 240
b.
modern in breiterer anwendung: dasz Schakespear das gemälde vortreflich mit kleinen zwischenscenen abgeändert habe, die ... vollkommen in den ton des ganzen stimmen Gerstenberg
br. über merkw. der lit. 149
lit.-dkm.; ich hab ihm (
dem instrument) eine melodie abgestohlen nach und nach, viel ist nicht daran; aber sie stimmt in unsere lage Klinger 1, 311; alsdenn stimmt diese erklärung in den zusammenhang der beschreibung Herder 3, 122
S.; so berührte mich eben ein groszer theil deines lezten briefes; .. ... auch in diesem augenblick fühle ich, wir stimmen nicht ineinander Bettina
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 151.
mit dem beisinn eines aktiven einstimmens, vgl. o. A 2 b (
sp. 3091): allein weder die theilnahme des publicums, noch Bürgers beharrlichkeit stimmten in den wohlmeinenden vorsatz Göthe IV 38, 8
W. I@D@1@dd)
direkte verbindung der glieder miteinander, ohne präposition, meist zusammenstimmen
und übereinstimmen,
selten im simplex, im sinne von '
harmonieren': wie stimmet himmel und erde, seeligkeit und weltfreude? Hippel
lebensläufe (1778), 1, 260; bild und wirklichkeit stimmen selten Raupach
dram. w. kom. gatt. 1, 163; umarmten wir uns beide das erstemal als stimmende freunde Friedr. v.
d. Trenck
merkw. lebensgesch. 3 (1787) 70; drauf kommen musikanten, sie stimmen (
u. II B), proben nie, und doch, kommts nun zum spielen, wie herrlich stimmen sie! Grillparzer 1, 210
Sauer; im aktiveren sinne von '
klingen',
vgl. o. A 1: gewandt werden die reime gehandhabt ... dasz alle ae und oe zu e geworden sind, folglich evi (aevi) : levi, fatue (fatuae): vacue ... rein stimmen Jac. Grimm
kl. schr. 3, 33.
ähnlich mit dem dativ des zweiten gliedes, so das älteste zeugnis dieser bedeutung: das halb zu fragen zimt welcher gotlichen persan das pas het gestimt dan got des vatters pild? das ist sein eingeporner sün zam aller past die menscheit mild Hans Folz
meisterlieder 75, 69
Mayer; wahr ists, dasz alles ding nicht allen menschen stimmt, dasz hochmut disz für das und das für jenes nimmt; war ists, dasz der gebrauch und neigungen zu zeiten aus irrung den verstand zur seiten ab verleiten Opitz
Grotius wahrh. d. christl. rel. in: op. (1690) 4, 405; I@D@22)
mit nur einem subjekt und ohne weiteres beziehungswort. I@D@2@aa)
zuweilen von einem als in sich mehrgliedrig gedachten subjekt, im sinne von '
in sich harmonieren': stimmet vielleicht der theile verein nicht harmonisch? Klopstock
oden 2, 32
M.-P.; die vollkommenste, liebevollste harmonie hat diese gestalt ausgebildet. ... es ist die wahrheit, die richtigkeit, das ewige gesetz der stimmenden natur Lavater
physiognom. fragmente 1, 266; nur ihre willkürlichen gröszen hab ich zum stimmenden verhältnisz erhoben Göthe 37, 146
W.; die gröszere heiterkeit und der schwung seines pinsels haben sich hier zu einem stimmenden ganzen vereint, das in seiner harmonie ... auf die ganzheit der seele unmittelbar wirkt Stifter 14, 18
Sauer; stimten des vaters launen, so freute sich der über den buben Wilh. Harnisch
Felix Kaskorbi (1817) 1, 13. —
so auch schon: ob mancher (
freier) durch das glücke was wackers wol bekümmt, so hats doch kein geschicke, am end es ubel stimmt. drumb ist der ubel dran, der nur in dieser jugend nach gelt und nicht tugend sein wesen stellet an Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 103. I@D@2@bb)
in der jüngsten zeit auf ein auszerhalb liegendes, nicht genanntes bezogen, etwa auf den zustand der idealen wahrheit; dabei ist das '
in sich harmonieren' (
o. a)
nicht immer ausgeschlossen. im sinne von '
zutreffen, der wahrheit entsprechen': schon der äuszere umstand stimmt nicht, dasz Mozart zuerst spielte O. Jahn
Mozart 3, 503; es sei sein gröszter kummer, dasz diese mittelzeiten nie stimmen wollten Immermann 2, 99
Boxb.; denn als alle zeichen stimmen, worauf er vergeblich gewartet hat, handelt er (
Wallenstein) denn nun? O. Ludwig
ges. schr. 5, 307; die karte ... stimmt in der hauptordnung der inseln dieser östlichen provinz Chamisso (1836) 2, 189; die möglichkeit einer derartigen arbeit ist nur dann gegeben, wenn eine aufs genaueste stimmende vorzeichnung vorausgegangen ist Furtwängler-Reichhold
griech. vasenmalerei (1904) 147; ob das geld im betrage stimmt, wird unwichtig, da es alles ist, was ich besitze G. Freytag
ges. w. 11, 259.
von kassen, büchern, rechnungen '
in ordnung sein': und wieder war ichs, der am morgen kopfnüsse bekam, wenn die kasse nicht stimmte Gaudy 3, 143; als müszten bücher, die dreiszig jahre gestimmt hatten, jetzt einmal ... revidirt werden Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 2, 327; nun hatte ... die mutter buchgehalten auf treu und glauben ... und die rechnung stimmte immer noch W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 117. —
vom ton, instrument u. s. w. im musikalischen sinn '
harmonieren': denn der klang der töne erniedriget sich in der ferne, je weiter, je mehr. wenn er in der ferne recht rein zu stimmen glaubete; so würde er dennoch, in der nähe, gegen die andern zu tief seyn Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 166; doch die alte leyer wieder? — mit einer neuen saite nur bezogen, die fürcht ich, weder stimmt noch hält Lessing 3, 132
L.-M.; eine harfe ist besorgt ... ist sie gleich ein bischen heischer, ist sie schon vom besten ton, wird die sängerin erst keuscher, wird sie besser stimmen schon Cl. Brentano
ges. schr. 3, 419;
schwäb.: die geig stimmt net Fischer 5, 1774;
vgl.: accordiren, stimmen, übereinstimmen, von musikalischen tönen Heynatz
syn. wörterb. 1, 75
a. I@D@2@cc)
heute besonders geläufig das, etwas, es stimmt '
es hat damit seine richtigkeit, es trifft zu'.
mundartlich weit verbreitet, s. Mensing
schlesw.-holst. 4, 852; Woeste
westfäl. 254
a; Rovenhagen
Aach. 139; Follmann
lothr. 499; Schön
Saarbrück. 201; Fischer
schwäb. 5, 1774; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 565.
überwiegend der umgangssprache angehörend, nie in hohem stil: 'das stimmt', sagte er befriedigt Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 33; das mit die planetens hat gestimmt. aber das mit die lütten Pagels hat nich gestimmt G. Engel
verbot. rausch (1909) 191; alles stimmt, es ist kein zweifel mehr Nestroy
ges. w. 1, 48; ich bin doch neugierig, was da herauskommt. da musz irgend etwas nicht ganz stimmen Gerh. Hauptmann
biberpelz (1893) 53; sie wollen es nicht glauben. es ist ganz unmöglich. etwas stimmt nicht W. Beumelburg
sperrfeuer um Deutschl. (1929) 65;
dagegen mehr im sinne von '
miteinander harmonieren' (
s. o. a): gott schenkt ihm die flügel und ich schiesz ihn herunter, o nein, das stimmt nicht Bettine
Günderode (1840) 1, 30.
noch flüchtiger es stimmt: es stimmt ausnehmend! lautet die redensart des heutigen tages Wilh. Raabe
horn von Wanza (1881) 47; und er kriegt noch auszer seinem salär gegen 400 daler raus, und richtig ists und wird auch stimmen, denn Korl Havermann verrechnet sich nich Fritz Reuter
w. 3, 23
Seelmann; Wulkow (geld herausnehmend und aufzählend) ... siebzehn marcht. na, stimmt et nu? Gerh. Hauptmann
biberpelz (1893) 21; ich kann natürlich nicht jede einzelne rede wiedergeben, wie sie gelautet hat, im ganzen aber stimmts Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 168; dat hei de kurnreknung alle woch richtig afliwern müszt, un was in diesen punkt, wennt nich genau up den sticken stimmen ded, Fritzen vel scharper Fritz Reuter
w. 2, 446
Seelmann. unter fortlassung auch des grammatischen subjektes: das handpferd, wiederholte Nikolaus und nahm seinen kopf zusammen. stimmt, sagte er, das war vor lichtmesz K. H. Waggerl
mütter (1935) 30. IIII. '
übereinstimmung, harmonie bewirken'
stellt sich, vom standpunkt der gegenwärtigen sprache aus, als transitives '
zum stimmen
bringen, stimmen
machen'
zum intrans. stimmen '
in einklang stehen' (
o. I D);
vgl. u. die anwendungen. doch liegt wohl eine von stimmen I
unabhängige verbalbildung vor, deren älteste spur eine glosse des 8.
jhs. zu sein scheint: concinnebant gistimnitun
ahd. gl. 1, 472, 20;
unter der voraussetzung, dasz in dieser glosse das concino, concinere '
harmonisch tönen, singen; übereinstimmen'
der zugrunde liegenden bibelstelle (
concinebant in hymnis et confessione Domino 1.
Esdra 3, 11)
mit concinno, concinnare '
gehörig zurecht machen' (
zu concinnus '
harmonisch gegliedert')
verwechselt wurde, haben wir hier ein *gastimnjan '
in harmonie versetzen'
anzunehmen; (
dagegen könnte eine der bibelstelle gerechte glossierung von concino nicht ausgangspunkt für unser transitives verbum sein, und das ahd. vb. wäre anders zu erklären, s. o. 3095). gastimnjan '
in harmonie versetzen'
ist factitivum zu gastimni '
consonus, harmonisch' (
s. o. sp. 3068),
welches adj. vom subst. stimme
abgeleitet ist. zusammen mit kstimmida
armoniam ahd. gl. 2, 19, 3 (11.
jh.)
sind diese wörter zeugen einer musikalischen terminologie im ahd. und stellen sich unmittelbar zu dem modernen stimmen
der musik (
u. A).
dieses ist erst seit dem 16.
jh. bezeugt; doch zeigt Gregor Haydens
Salomon u. Markolf im 15.
jh. (
u. B 2 c,
sp. 3108)
schon übertragene anwendung ('
foppen')
dieser bedeutung, und für das mhd. ist das bestehen dieser übertragung und damit auch des musikalischen gebrauchs vielleicht aus dem mehrfach bezeugten vergleich eines gefoppten mit musikinstrumenten zu erschlieszen, vgl. Schmeller-Frommann 2, 757: der arme truhsæze was ir gige unde ir rotte; si triben in mit spotte umbe und umbe als einen bal Gottfried v. Straszburg
Tristan u. Isolde 11360
R., bitet hüeten sîn vor spotte. ern ist gîge noch diu rotte Wolfram
Parzival 143, 25. II@AA.
in der musik '
die absolute höhe eines tones und die verhältnisse aller töne untereinander feststellen, bestimmen; die temperatur praktisch ausführen'.
die bedeutung knüpft für das sprachgefühl an I D
an, indem in der musik ein '
harmonieren, stimmen'
bewirkt wird; so sagt der musiker: 'die geige stimmt, wenn sie gestimmt ist'. II@A@11)
eigentlich, rein musiktechnisch. II@A@1@aa)
meistens mit dem instrument als objekt; saiteninstrumente stimmen: das heiszt das vorspiel und stympt die lauten. ... incepisse schon das vorspil Luther 34, 2, 96
W.; ehe der spielmann ein newe geig stimpt, so hat er auff der alten ein dantz gemacht Lehman
floril. polit. (1662) 1, 164; welche verstimmte laute stimmet sich selbst Lohenstein
Arminius (1689) 2, 541
b; so wie eine laute bis auf eine einzige falsche sayte wohl gestimmt seyn kann Wieland
Agathon (1766) 2, 63; er wuszte das instrument ... zu stimmen Göthe 24, 358
W.; gleich stimmen wir die laut, die harfen und die geigen Achim v. Arnim 13, 30
Grimm; als sie paarweise in den tanzsaal hinüber schritten und dort die musiker schon ihre geigen stimmten G. Keller
ges. w. 5, 41; eine arie ... womit eine verstimmte harfe, ein paar nicht gestimmte violinen ... sich und die zuhörer quälen E. T. A. Hoffmann 1, 11
Grisebach. ebenso die saiten stimmen: nun sag mir auch, wie ich sie stellen oder stymen solle (1511) Virdung
musica getutscht 73; wann man aber über das glas auch eine saitte in gleicher stimmhöhe spannet und stimmet; so wird man nicht allein das zittern und bewegen der saitten, sondern auch einen klang und hall vernehmen Ag. Cario
neue hall- u. thonkunst (1684) 112; denn eine falsche seyt, sag ich dir schlecht, kan gar selten werden gestymmet recht
M. Agricola
musica instrum. deudsch 80
Eitner; kommt! stimmt von neuem eure seyten Gottsched
neueste ged. (1750) 41; die glocken sind gestimmt, wie man die saiten einer geige stimmt, dasz sie gut zusammentönen Stifter
w. 5, 1, 38
Sauer. von allen instrumenten: die musiker, welche ihre pfeifen rein stimmen und ihre sitten ungestimmt lassen Bode
Michael Montaignes ged. (1793) 1, 262;
vgl. überein, zusammen stimmen '
instrumente aufeinander abstimmen': es sind zwei köpf in einer hauben ...
ils accordent bien ... sie stimmen ihre pfeiffen wol überein Joh. Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) 74; nach dem dann dryerlaye floten zuosamen gestympt werden Virdung
musica getutscht 97; die orgel stimmen: und geschicht oft, das durch eine gute pfeifen ein ganz werk, das auch dissonirt, recht und woll gestimet wirt (1523) Hans v.
d. Planitz
ber. a. d. reichsreg. in Nürnberg 319; wenn man z. e. ein rohrwerck von 16 fusz rein stimmen will Joh. Mattheson
vollkomm. capellmeister (1739) 465; auch war die orgel so gut gestimmt Schubart
leben u. gesinn. 1, 204. sind die claviere so gestimmt, so kan man sie wegen der ausübung mit recht für die reinste instrumente unter allen ausgeben, indem zwar einige reiner gestimmt aber nicht gespielet werden Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen (1759) 1, 9; heute war ich hinausgegangen, Lottens klavier zu stimmen Göthe 19, 72
W.; unter allen instrumenten ist eine pauke am schwersten zu stimmen Jean Paul
w. 52, 196
Hempel. ebenso den gesang stimmen: machten ... ein confusion im singen, darumb er sich entrüstet, besahe alle claves auffs new, stimmet einem iedern den gesang qualitate vocum wider Kirchhof
wendunmuth 2, 157
lit. ver.; ähnlich: Damon empfängt vom Horatz die lesbische leyer. ... doch siehst du nicht, wie, an dem rechten arme Horatz, mich leitend, geht? wie er mein spiel selbst stimmt, und mir die hohen griffe zeiget? Lange
u. Pyra
lieder 15
lit.-denkm.; der grosse harfner, der die sphären stimmt, wenn halleluja seine geister glühen, vor dessen flammenthron die welt der sonnen glimmt, beschenke noch, eh dich die parze nimmt, dich, lieber freund, mit schönen harmonien Seume
ged. (1804) 12.
uneigentlich zunge, schnabel, kehle stimmen,
meist von singvögeln: die wolgemahlte vöglein schwanck ihr zünglein süszlich stimmen, dem schöpfer sagen lob und danck, auff, ab, in lüfften klimmen Spee
trutznachtigall (1649) 154; auf! stimmet eure schnäbel schön, singt ihr von meiner treue E.
M. Arndt 6, 268
R.-M.; und einen hain, wo vögel ohne zahl die liederreichen kehlen stimmen Wieland (1795) 10, 217; a! tara lara da! die kehlen sind gestimmt. (singt) das liebe heilge römsche reich Göthe 14, 99
W. —
auch ohne ausdruck des objektes: weil aber ein solch stymmen ist gantz schwer ... so wil ich eine leichter art melden
M. Agricola
musica instrum. deudsch 83
Eitner; wer auff der lauten spielen will, musz zuvor stimmen Harsdörffer
gesprächsp. (1641
ff.) 2, 62; man stimmt. man dreht. es hat die hand bereits die därme fest gespannt Hagedorn
vers. einiger ged. 19
lit.-denkm.; kaum strich er aber stimmens halber die saiten an E. T. A. Hoffmann
s. w. 8, 236
Grisebach; wenn sie lange genug gestimmt und uns die ohren mit allerlei misztönen zerrissen haben Göthe 25, 161
W.; horch! sie stimmen schon! nun musz ich tanzen Bauernfeld
ges. schr. 2, 104.
vereinzelt von den tönen, die beim stimmen
entstehen: bemüht, die saiten seiner harfe wieder in ordnung zu bringen, sang er zwischen die schwirrenden, stimmenden töne ... folgendes lied hinein Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 576. II@A@1@bb)
ebenso mit charakteristischen adverbialen bestimmungen: so er sein ... harpffen in die hand nimpt ... und seines gefallens hoch oder nider stimpt Schaidenreisser
Odyssea (1537) 90
b; weil man die pfeif zu hoch gestimmt Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 231; Cupido muste nur die seiten niedrig stimmen Lohenstein
erleucht. hoffmann (1724) c 3
b; die geige um einen thon höher stimmen Kramer 2 (1702) 975
b; wenn er sprach, ... war seine stimme allezeit einen halben ton höher gestimmet, als anderer leute stimme Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 45; nachgehends aber, da man die feinste chantarelle und noch einen bass darzu gethan, sie (
die laute) G, C, F, a, d, g gestimmet worden E. G. Baron
instrum. d. lauten (1727) 59. nach, zu, in einen ton stimmen: weil aber der ton, nach welchem man stimmet, so sehr verschieden ist Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 25; wald- und posthörner müssen an diesen heiligen örtern zu molltönen gestimmt seyn v. Hippel
kreuz- u. querzüge (1860) 1, 240; es war ein sanftes moll, in dem die windharfe gestimmt unter den tannen hing Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 2, 370; (
Apoll) weckt auch zuweilen die schweigende muse wieder auf, und stimmt seine leyer im sanften ton Gottschedin
br. (1771) 1, 187
Runkel. II@A@1@cc)
auch mit anderen objekten, besonders einen ton stimmen: dasz man in der orgel keinen ton ganz rein stimmen darf, weil dadurch andere töne leiden Schubart
ästhetik d. tonkunst 271; wollte man alle terzen und alle quinten gleich rein stimmen, welche unordnung würde daraus entstehen? Scheibe
crit. musicus 31; wer stimmet meiner säyten ton, dich durch mein singen zu ergötzen? J. E. Schlegel
w. 4, 179; hätte man nur eine klappe auf der flöte, so müszten beyde, das es und das dis, wie auf dem claviere, da man sie auf einem taste greift, schwebend gestimmet werden Quantz
anweis. die flöte zu spielen (1752) 17
Schering. weniger scharf als in der musikalischen kunstsprache: dein gedicht ... schöpft die töne aus der brust und stimmt sie zu melodieen Bettine
Günderode (1840) 1, 350; o! muse stimme noch für dieszmal meine lieder! v. Cronegk
schr. 2 (1766) 34.
hierher auch, weniger rein musiktechnisch, s. u. 2
und 3, ein lied in einen ton stimmen (
vgl. o. b): der rauhe herbst kömpt wieder! jetzt stimm ich meine lieder in ihren (
eigenen) trawerthon Albert
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 49. II@A@22)
metaphorisch und symbolisch. ein instrument stimmen
mehr im allgemeineren als im musiktechnischen sinn zum spielen '
bereit machen': er (
musiklehrer) hat die geister mir geregt, er pflag die seiten mir zu stimmen. ich hofft auch schon, von ihm bewegt durch kunst die sternen zu erklimmen. was sol mir nun mein seitenspiel? Simon Dach 720
Österley; evangelium ab eterno, quo fisi sunt patres et corda (
saiten) eorum haben sie gestimet auf den heyland Luther 20, 326
W. meist von subjekten, die nicht eigentlich '
stimmen'
können: Phoebus stimmt mir selbst die leyer, da er mir, zur hochzeitfeyer, reim und wunsch gerathen läszt Gottsched
ged. (1751) 1, 73; zur rede gesellt sich musik, leicht sind die guitarren gestimmt Geibel
w. (1888) 1, 112; verwaiste leyer! die, seit mir kein genusz der freundschaft dich mehr stimmte, die traurigkeit der hand entschlug! J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 302; wohl dem, der nicht in trauer schwimmt und, wie das glück die leyer stimmt, die hand zum tanze beut
mildheim. liederb. (1799) 95
R. Z. Becker; kann mir nichts die harfe stimmen, nicht die liebe, nicht der wein, seis das zornige ergrimmen über die philisterlein graf Strachwitz
ged. (1850) 15; die saiten seiner leier für die thaten zu stimmen, die er versuchen wird auszuführen Gutzkow
ges. w. 7, 435. ein instrument
u. s. w. zu etwas stimmen '
bereiten, passend machen': halle leiser, fromme leier! hoch zu klingen ziemt dir nicht; nur zu einfachstiller feier stimmte dich die kindespflicht Fr. Kind
ged. 5, 256; und der hauch der lieben musen ... stimmt die kehle zum gesange Göthe 2, 25
W. die dichter stimten ihre harfen schon zu kriegsliedern Meiszner
Alcibiades (1781) 3, 28; izt Doria mit mir auf den kampfplatz ... zum schaudernden konzert alle instrumente gestimmt Schiller 3, 73
G.; deiner augen stilles feuer ... hat, o traute! meine leier heut zu deinem lob gestimmt Schubart
s. ged. (1825) 2, 160; laszt uns hören, wie der biedre altteutsche seine harfe zur freude stimmt Kretschmann
s. w. 1, 34. sich zu etwas, jemandem stimmen '
harmonisch anpassen': doch folgst du mir in unsre reihen, so stimmet deine kehle sich gar bald zu frohen melodeyen Pfeffel
poet. vers. 10, 127.
mit anklang von '
mitsingen',
vgl. o. I A 1 b: nun stimmt zur sanften turteltaube gedämpfter sich des haines chor Tiedge
w. 5, 10. II@A@33)
übertragung von der musikalischen anwendung auf andere bereiche. II@A@3@aa)
in totaler übertragung des musikalischen bildes; im sinne von '
bereiten, einrichten': und weil Talypsidamus die seiten etwas zu lang stimmete und seine eilig versprochene hülf desto längsamer zu befördern scheinete Stockfleth
Macarie (1669) 62; muste aber meine leyre anders stimmen und mich nach demjenigen ort richten, darin ich mich gleichsam wie ein gefangener befand Grimmelshausen
Simpl. 445
Scholte; ist schon die laut gestimmt, wenn doch der lautenist in seinem kopf verrückt und nicht gestimmet ist Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 257; wie glücklich diese vögel sind, wenigstens ist ihre zunge nicht gefangen. — stimm die deine nach bescheidnern tönen, wenn ich dich gefällig hören soll Klinger
theater u. w. (1815) 1, 202; vor lebhaften, frohherzigen hörern, deren zartes ohr durch übung gestimmt worden war Joh. H. Voss
zeitm. der deutschen sprache (1802) 4; sie (
die sprache) lerne der schriftsteller und redner stimmen, wie der tonkünstler das werkzeug, auf dem er wohllaut hervorzaubert Fr. L. Jahn
w. 1, 238
Euler; seine (
des menschen) vernunft — konnte ungestört an ihrem werkzeuge der sprache bauen und das zarte gedankenspiel stimmen Schiller 9, 126
G.; eine neue ordnung der dinge, ein anderer ton als des vorigen geschlechtsalters fängt an; gott wird wissen ihn auf seine harmonie zu stimmen J. v. Müller
s. w. (1810) 5, 186.
auch in dem ausdruck hoch, tief
u. s. w. stimmen
tritt die bildhaftigkeit hervor (
s. o. 1 b);
im sinne von '
spannen, richten': klügeley stimmet die seiten zu hoch Schottel
teutsche haubtsprache (1663) 822;
ungewöhnlich ohne objektsausdruck, im sinne von '
sich selbst oder seine sprechweise spannen, spreizen': je höher die person ist, mit der er (
der erhabene) redet, desto höher stimmt er, desto unnatürlicher und unerträglicher wird er G. Chr. Erh. Westphal
portraits (1779) 76.
meist auf menschliche haltung bezogen: den geschmack höher zu stimmen und fades gewäschwesen zu bannen Lavater
verm. schr. 2, 102; doch ich will die erwartung des publikums nicht höher stimmen Lessing 9, 184
L.-M.; (
dasz du) die folgen meiner flucht auf deine rechnung nimmst, und meiner freude jubel tiefer stimmst Nicolai
verm. ged. (1778) 7, 15; wie tief habe ich mich herab stimmen müssen, um nur brod zu haben Thümmel
reise in d. mitt. prov. (1791) 6, 288; denn das ewige gesetz, das waltet, will die harmonie noch im verderben ... alle teile stimmen nach dem einen sich herunter, den der tod beschlichen Hebbel
s. w. 6, 290
Werner. herz, seele, gemüt stimmen,
unter voraussetzung ihres vergleichs mit einem instrument: wenn dieser falsche ton in einem herzen nun einmal klingt, und immer wieder klingt; wo ist der künstler, der es stimmen könnte? Göthe 11, 303
W.; mit jedem solcher geschichten wird die seele des knaben in einen guten ton gewiegt: der ton trägt sich stille fort, wird sich einprägen und auf ewig die seele stimmen Herder
w. 4, 376
S.; nichts ist so mächtig, als die hinflieszende zeit, um der menschen erregte gemüther wieder auf das gewohnte gleichmasz zu stimmen Wilh. Raabe
unruh. gäste (1912) 108; hätte die zwietracht vielleicht diese beyden nationen aufgerieben, obgleich das mittel, wodurch er sie in harmonie stimmte, so leicht ... scheint Wieland I 3, 25
akad.; hab sie ehmals zärtlich geliebt; hab ihr herz zu empfindungen der liebe gestimmt, und nun — spielt der jüngere bruder aufm flügel Schubart
br. 1, 215
Strausz; wir stimmen die saiten, stimme du (
gott) unsere sinnen zu einer harmonie, die himmel und erden verbindet Benj. Schmolck
andächt. hertzen betaltar 61
in: trost- u. geistr. schr. 2 (1744). II@A@3@bb)
besonders wendungen, in denen stimmen
auf ton
bezogen wird (
s. o. 1 c),
werden verallgemeinert, die musikalische grundlage verblaszt mehr oder weniger: dasz manche einzelne stellen aus K. so tiefe eindrücke in mich gemacht, dasz sie tagelang den ton meiner seele haben stimmen können Herder
w. 1, 523
S.; ein mündlicher meinungswechsel, wo den ton das antlitz des gegners oder die gesellschaft stimmt Joh. H. Voss
antisymb. 2, 2.
anders: schon hat sich ihr ton sanfter gestimmt! — konnte er anders, meine blume, da der ton ihrer augen mein herz mit dem ihren in süsze einträchtige melodie schmelzte? Klinger
w. 1, 177. jemanden auf einen ton stimmen
in eine haltung versetzen: es ist nicht hitze, nicht übereilung, die mich auf den ton gestimmt, in welchem man mich mit herr Klotzen höret Lessing 10, 430
M.; die herzogin sorgte dafür, dasz ihr sohn dies an sich erfahre, und stimmte alle hofleute auf töne, die in diesen accord ausgingen Heinr. Laube
ges. schr. 2, 199; den ton, auf welchen sich Posa gleich zu anfang mit dem könige stimmt Schiller 6, 54
G. etwas auf einen ton stimmen
einen charakter verleihen: ein gespräch enden, das die allzugrosze dankbarkeit deines herzens auf einen zu hohen ton gestimmt hat Wieland
Agathon (1766) 1, 178; wenn der verfasser die kunst oder die natürliche gabe besitzt, seine schreibart auf den ton der begeisterung zu stimmen Wieland I 6, 131
akad.; in der freien natur ist alles mit der seele verwandt und auf einen ton gestimmt Tieck
schr. (1828) 7, 37. jemanden in einen ton stimmen
hineinversetzen: er fühlt dies und will die leute in seinen ton stimmen Knigge
umgang mit menschen 1, 21; alles musz sich in den ton des monarchen stimmen Heinse
s. w. 4, 354
Schüddekopf; (
dem leser) wieder in den harmonischen ton hineinzuhelfen, wenn ihn hier und da die übersetzung unumgänglicher weise sollte heraus gestimmt haben Bürger
s. w. 185
a Bohtz. ähnliche wendungen: dasz in einer residenz sich alles nach dem ton stimmt, den der fürst angiebt Knigge
roman m. lebens 3, 11; der französischen unterstützung sicher, stimmte man sich in Spanien wieder zu dem stolzen tone hinauf J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 80;
stärker bildhaft, vgl. 1 b, 3 a: der gemeine mann würde sich einen ton herauf, der vornehmere einen ton herab stimmen Hippel
über die ehe (1792) 52. II@BB.
in eine haltung, gemütslage versetzen; zu etwas veranlassen, bewegen; auf den menschen und seine inneren kräfte gerichtet. im ganzen erst der jüngeren und modernen sprache eigen, doch vgl. u. 2 c.
von dem übertragenen gebrauch des musiktechnischen stimmen (
o. A 3)
zuweilen nur durch das fehlen der ausdrücklichen bildhaftigkeit verschieden. die neue bedeutung beruht auf verallgemeinerung der musikalischen im sinn von '
einrichten, lenken'
und '
passend machen' (
o. A);
das verhältnis zwischen B
und A
bleibt dauernd lebendig, so dasz primäre und sekundäre beziehungen kaum von einander zu unterscheiden sind. —
ob auch das alte stimmen '
festsetzen' (
o. I B)
sich teilweise in dieser bedeutung fortsetzt, ist nicht nachzuweisen; wie für I B
allgemein, so ist auch für diese bedeutung in weitem umfang heute bestimmen
an die stelle von stimmen
getreten, vgl. auch o. A 3 b. II@B@11) stimmen
mit ausdrücklicher bestimmung des zieles, des zweckes, der wirkung u. s. w. II@B@1@aa)
in breiter anwendung jemanden zu etwas stimmen '
geneigt machen, bewegen, veranlassen',
zu gemütslagen, entschlüssen, handlungen: denn nichts stimmt ... herzen mehr zum mitleid Thümmel
reise in d. mitt. prov. (1791) 10, 188; ein dumpfes gewitter ... stimmte die gemüther zu einer bangen melancholie Pfeffel
pros. vers. 3, 140; die offenheit, sein schmerz und seine zweifel — sie stimmen mich zum herzlichsten gefühl Göthe 9, 327
W.; diese schweigende erlaubnis ... rührte meinen nachbar und stimmte ihn zur dankbarkeit
br. v. u. an Herwegh 29; o, nie hat mich ein ereignis der menschlichen seele zu höherer andacht gestimmt Carossa
schicksale dr. Bürgers (1930) 33; euer ansehen wird Heinrich zu friedlichen gesinnungen stimmen Meisl
theatr. quodlibet 1, 208; was fehlt also noch, sie zu diesem entschlusse zu stimmen? Gervinus
an Dahlmann in: briefw. 2, 183
Ippel; sie (
farben) stimmen zu einer unruhigen, weichen und sehnenden empfindung Göthe II 1, 314
W.; der ganze tempel stimmt zur reinheit und demuth; und ist gewiss einer der schönsten Heinse
s. w. 7, 122
Schüddekopf; was aber vor allem zu dank und hoffnung stimmte Fontane
ges. w. I 1, 15; stimm aber ja bey zeit der klugen ältern sinn zu schneller dankbarkeit B. Neukirch
ged. (1744) 134; einen augenblick schmeichelte man sich, ... das parlament zu friedlicheren gesinnungen zu stimmen Ranke
216, 141; der marquis ... verspricht dem prinzen, ... sie zu einer unterredung zu stimmen Schiller 5, 31
G.; noch hatte ich die absicht, die deputation zu einem gemeinsamen schritte stimmen zu können Görres
ges. br. 3, 103. sich zu etwas stimmen: zu einem buche nehmlich, bey dem man zu jeder lage sich stimmen, zu dem man aus jeder lage zurückkehren kann Schiller 10, 474
G.; damit du mir ohne anstrengung schreiben könnest und dich nicht dazu erst zu stimmen brauchst Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 150.
mit einem nebensatz mit zu '
veranlassen, etwas zu tun',
wie bestimmen: wir waren von herrn mag. Schmelzern gestimmet, ihm in allem zu willfahren Schnabel
insel Felsenburg (1731) 3, 241; ich hab soeben das schöne mädchen dort gestimmt, mit mir zu reisen Klinger
w. 1, 183; sie (
seele) wird gestimmt, andren zu sein, was andre ihr sind W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 66
akad.; die aufstellung des tapfern kriegsführers ... muszte dieselbe dazu stimmen, auf eine auskunft zu denken Ranke
215, 359; dafür verband sich der baron, die frau des ministers durch eine summe gelds ... dahin zu stimmen, ein gewisses papier ... zu entwenden Klinger
w. 3, 132.
mit nahezu erstarrtem partizip jemand ist zu etwas gestimmt
geneigt, bereit, befähigt: morgen, Benedikt, das übrige, wenn wir wieder dazu gestimmt sind, sagte hier Ardinghello Heinse
s. w. 4, 52
Schüddekopf; (
ich) bin jetzt nicht zum schreiben gestimmt maler Müller
w. 3, 57; ich war ungewöhnlich zur freude gestimmt Wieland
w. 3, 58
akad.; wenn du die rede, die du kürzlich hier begonnen fortsetzen willst, so spar es auf; du siehst, ich bin so eben nicht gestimmt, es an — zuhören H. v. Kleist 1, 111
E. Schmidt; wenn ich dich einmal gestimmt fand, mit mir über interessante gegenstände zu sprechen Göthe IV 9, 124
W.; welche (
Amerikaner) ... nicht danach gestimmt, der mutter nachzuäffen, ... die bildung von senaten ... nicht verschmäht haben Dahlmann
gesch. d. franz. revol. 144; wenn man im laufe des lesens durchaus zu ernsten betrachtungen und gefühlen gestimmt wird Göthe IV 40, 259
W.; für heute scheint mir die jungfer baas doch nicht zur musik gestimmt H. L. Wagner
theaterst. (1779) 27; weil ... keiner eine zum lachen gestimmte miene macht, da wag ichs Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 89; warum muszten meine fähigkeiten ... mehr zum miszbrauch, als zu edlen zwecken gestimmt seyn Klinger
w. 3, 288. II@B@1@bb) jemanden für,
selten gegen, etwas
oder jemanden stimmen '
einnehmen, beeinflussen': dasz er (
erzähler) unser gemüth für ideen zu stimmen wisse Schiller 10, 459
G.; der zeitgeist (
war) für dergleichen erwerbe nicht gestimmt Herder
w. 17, 55
S.; so versuchte Winckelmann ... sich für heiteren lebensgenusz zu stimmen Justi
Winckelmann 2, 345; kreistag, wo ich ... sein musz, weil ich wichtige sachen vorzutragen und die landjunker dafür zu stimmen habe Bismarck
br. an s. braut u. gattin 20; absicht des Wiener hofes, sich dieses prinzen, den er ... für sich zu stimmen hoffte, für seine anträge zu bedienen Ranke 30, 109; und dennoch wirst du mir helfen, den vater für Gustav zu stimmen Holtei
erz. schr. 3, 35; den Deutschen eine grosze politische lehre zu geben, ... die herzen gegen Frankreich zu stimmen Moltke
ges. schr. u. denkw. 2, 205; und stimmt mich zu nachsichtig für meine gegner fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 160; dasz der generalsuperintendent ... nicht günstig für uns gestimmt sei Aug. Winnig
frührot (1926) 50; dasz ..., konnte den jungen mann nicht milder stimmen gegen die herrschende aristokratie Mommsen
röm. gesch.6 2, 87. II@B@1@cc)
seltener mit in
und auf. sich in etwas stimmen '
sich hineinversetzen, sich anpassen': wem ... eine schilderung zu ausführlich vorkommt, der stimme sich ins gefühl der singenden Herder
w. 20, 364
S.; der klügste stimmt sich in die zeit; und lacht er nicht aus lust zu lachen: so lacht er aus gefälligkeit Joh. Benj. Michaelis
poet. w. (1780) 1, 132; so leicht stimmte sich Viktor nie aus dem traum in den neuen tag, als an diesem morgen Jean Paul
w. 7/10, 180
Hempel; anders, etwa '
sich harmonisch ordnen, gestalten',
vgl. u. 3: alle meine fähigkeiten stimmten sich ins reine, als ich sie sah Heinse
s. w. 10, 353
Schüddekopf. jemand ist auf etwas gestimmt '
darauf eingestellt': da ihm doch die sammlung fehlte, mit jemandem, der nicht ganz auf sein inneres gestimmt war, jetzt zu lang allein zu sein Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 404; die rohen, ganz auf den krieg und die jagd gestimmten Franken schrieben sehr wenig Adelung
umständl. lehrgebäude 2, 634. II@B@1@dd) jemanden stimmen
mit zufügung eines adverbs der art und weise, wie die haltung beeinfluszt ist. jemanden glücklich
u. s. w. stimmen
häufig wie jemanden glücklich
u. s. w. machen: ich gestehe, dasz dieses ereignisz ... mich sehr trübe stimmte H. Steffens
was ich erlebte 4, 24; so glücklich ihn jedes wort stimmte, so lehrreich war es ihm auch Fontane I 5, 52; der besuch von Heidelberg, Speier und der Pfalz stimmte mich rachsüchtig und kriegslustig Bismarck
ged. u. erinn. 1, 20
volksausg.; wodurch ein künstler momentan productiv angeregt oder gestimmt werde, das wird ihm selbst selten bewuszt sein O. Jahn
Mozart 3, 432; die (
farben) von der plusseite stimmen regsam lebhaft strebend Göthe II 5, 2, 196
W.; auch ein sonderbarer name, Tipsy, er stimmt vergnügt H. Fr. Blunck
d. weibsmühle (1927) 13; sag, brüderchen, ist es die noth, die dich so stimmt? Schiller 2, 33
G.; auch mit persönlichem subjekt: du bist ganz mitleidig geworden durch ihn, er hat dich so gestimmt Bettine
Günderode (1840) 1, 77; ich darf und will dich nicht weich stimmen v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 53. sich stimmen
im sinne von '
werden': ernsthafter stimmten sich wieder die gemüter, in der vorahndung entscheidender auftritte die noch bevorstanden H. v. Kleist 3, 286
E. Schmidt. jemand ist gut, schlecht
u. s. w. gestimmt '
gelaunt, eingestellt',
auch mundartlich, s. Fischer
schwäb. 5, 1773; Follmann
lothr. 499: so heiter gestimmt kamen alle vier ... nach hause Göthe 24, 143
W.; und fröhlicher wird er gestimmt, je höher als er aufwärts klimmt S.
Brunner erzähl. u. schr. 1 (1864) 129; wenn ich wüszte, wie du jetzt gestimmt, viel hätt ich zu sagen dir H. v. Kleist 1, 119
E. Schmidt; das wetter war schön ... alle seelen waren daher heiter gestimmt Tieck
schr. (1828) 14, 93; und (
er) war von damals auch der herzogin giftig gestimmt Scheffel
ges. w. (1907) 1, 148; inmitten einer durchaus feindselig gestimmten bevölkerung Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 66; entfernte sie sich mit ihrem leidlich getrösteten, aber noch sehr weich gestimmten Johannes H. Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 54; wie muste aber die dauernde unempfänglichkeit Adelungs für den von ihm voll erlebten aufschwung deutscher poesie dichterisch gestimmten zuwider sein Jac. Grimm
vorrede teil 1, xxiv; einflusz der mehr weltlich gerichteten, sentimental gestimmten aufklärungslitteratur Fr. Meinecke
leben d. generalfeldm. v. Boyen 1, 21. II@B@22) jemanden
oder seine haltung u. s. w. stimmen,
absolut, so dasz die aussage über zweck und art der beeinflussung mit in der bedeutung von stimmen
enthalten ist. II@B@2@aa)
jemanden beeinflussen, veranlassen, häufig wie bestimmen.
auch '
in eine geeignete, richtige haltung versetzen': das vollkommne musz uns erst stimmen und uns nach und nach zu sich hinaufheben Göthe III 2, 146
W.; ich bin sehr gestimmt; wir alle sind gestimmt, denk ich; es ist uns wohl gegangen, und unsere geister sind in bewegung I 38, 156; keine dissonantz in seinem umgange, er war immer gestimmt, immer heiter Hippel
s. w. 4 (1828) 115; mein freund, du bist jetzt nicht gestimmt, wir wollen ein andermal noch diesen punkt besprechen! Grillparzer
s. w. 4, 171
Sauer. im musikalischen bilde (
s. o. A 3 a): sänger, chor an chor, verbreiten Aphroditens lob umher. soll ich nicht ihr lied begleiten stimmet mich (
den dichter) kein frühling mehr? ha! erwachte nicht im lenze meine brust zu lieb und sang Bürger 3
b Bohtz. meistens '
beeinflussen': dieser unbiegsame kopf, dessen wille so unveränderlich ist ... läszt sich durch so seichte gründe stimmen
samml. v. schausp. (
Wien 1764
ff.) 8, 17; es ist wahr, die geistlichkeit hat uns sehr geholfen, das volk zu stimmen und diese entwicklung herbeizuführen Tieck
ges. nov. 4 (1838) 244; (
Sylvia) brauchte alle (
leute), den vetter zu kränken, und den onkle zu stimmen Pestalozzi 4, 344
Spranger-Buchenau; ebenso das gemüt, die denkart
u. s. w. stimmen: dasz man schrittweise gehen und die gemüther allmählig stimmen musz Leibniz
dtsche schr. 2, 138
Guhrauer; ein geistiges samenkorn ... (
das dem geist) eine dunkle ahnung zuführt, das gemüth stimmt, die phantasie in bewegung setzt Jhering
geist d. röm. rechts 2, 2, 534; ein einziger umstand, eine vielleicht falsche oder übertriebene nachricht, kurz ein wink und wahn stimmt oft die denkart und meinung eines ganzen volkes Herder 17, 81
S.; ein gewisser eigennütziger und genuszliebender krämergeist in der groszen und bedeutenden mittelklasse der völker, welche die gefühle und gesinnungen der menge am meisten stimmt E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 491. sich stimmen '
sich in gute haltung versetzen': ein unsicheres geschwirre zwischen kindern und kunstfreunden, so dasz man sich selbst weder stimmen noch sammeln konnte Göthe IV 37, 259
W.; er las ... Plato, weniger um eine theorie aus ihm zu ziehen, als um durch ihn sich zu stimmen Justi
Winckelmann 2, 69;
im sinne von '
sich gestalten': vielmehr hatte sich meine empfindungsweise gar seltsam gestimmt, ohne dasz ich es mir vollkommen bewuszt gewesen wäre. da brach eines abends in groszer gesellschaft der verhaltene unmuth los Göthe 25, 1, 147
W. jemanden
oder sich nach sich
oder einem andern stimmen '
entsprechend beeinfluszen, gesinnt machen, gefügig machen', 1
näher: freundschaft als eine begierde zu beschreiben, die uns treibt, den willen eines andern nach dem unsrigen zu stimmen J. E. Schlegel
w. 5, 273; kein freund auf erden stimmt so sehr nach meinen launen sich Blumauer
ged. (1782) 179; unsere schläfrige verdauung stimmt den kopf nach dem magen Göthe 8, 13
W.; es kann nicht fehlen, jede gegend stimmt mit der zeit die seelen der einwohner nach sich Heinse
s. w. 4, 165
Schüddekopf; wer aber im lande Württemberg seine empfindung nach dem winke des hofes zu stimmen wuszte Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 269; dasz wir kinder uns schon als erben seines groszen vermögens ansehen könnten. ich achtete nicht weiter darauf; allein das betragen der übrigen ward nach diesen hoffnungen nicht wenig gestimmt Göthe 22, 300
W.; '
anpassen, angleichen',
wie abstimmen: kein mensch wuszte besser, als er, seine unterhaltung nach allen classen von menschen zu stimmen K. Fr. Cramer
Neseggab 4, 256; wenn alle auch ihr antlitz stimmen nach des königs blick
Shakespeare (1855) 9, 255; 3
nahe: je nachdem ein gegenstand den höhern grad einer erkenntnisskraft fordert, werden sich auch die übrigen kräfte bald darnach stimmen Thom. Abbt
verm. w. 4, 48. II@B@2@bb)
in nahezu terminologischer erstarrung jemanden stimmen
ihn zu erwünschten aussagen, entschlüssen oder überzeugungen veranlassen, vorbereiten, oft ohne dasz der beeinfluszte die absicht merkt; häufig abschätzig. seit dem 17.
jh., heute auch mundartlich: stimmen
jemanden anstiften Fischer
schwäb. 5, 1773; einen stimmen
far agire uno à suo modo Kramer 2 (1702) 975
b; demnach mir die zeit ohne das zimlich lang wurde, gedachte ich, diesen kerl zu stimmen und mir seine gaben zu nutz zu machen Grimmelshausen
Simpl. 209
Scholte; gleichwie hernach die Arianer den Constantium nach gefallen stimmeten G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 175
b; doch wir stimmeten den gärtner, und wurde vorgegeben bey dem bader, ... der schusz sey aus einem benachbarten garten gekommen
Leipziger avanturieur (1756) 1, 79; aber er war schon gestimmt, was er reden sollte
Holston und Augusta (1780) 294; er sagte ja: noch schlüg er mir nichts ab. und Saladin hats über sich genommen, ihn zu stimmen Lessing
w. 3, 148
L.-M.; ich hatte weiter nichts zu thun, als den p. Benedikt Martin zu stimmen; denn ich war gewisz, dasz wenn dieser nachgäbe, auch die übrigen gegner des abtes nachgeben würden Schad
lebens- u. klostergesch. (1803) 1, 283; noch denselben abend fing er an, den edelmann zu stimmen, und sprach vorsetzlich von ihrer nahen abreise Klinger
w. 3, 197; der kerl kann uns den ganzen spasz verderben — den musz ich erkaufen. über tische wollen wir den bedienten stimmen Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 2, 76; die muszte die mutter stimmen, ohne davon zu sagen, dasz ihr auftrag vom Hannes kam O. Ludwig
ges. schr. 2, 336. II@B@2@cc) '
foppen, täuschen',
heute im bair.-österreich. und alem., s. Bayerns ma. 1, 138; 145; Zaupser
baier. u. oberpfälz. 74; Hunziker
Aarg. 255: ge, du stimmst mi grad '
hast mich nur zum besten' Schmeller-Fr. 2, 756; vontwegen den foppa und stimma und gspött, und so han i die lieb auf mei lebta verredt Schöpf
tirol. 712; alterle, da bist gstimmt!
zum zorn gereizt Fischer
schwäb. 5, 1774.
schon seit dem 15.
jh. bezeugt: ich lasz die musicanten gute leuth seyn, aber dieselbige seynd nichts nutz, die einen begehren nur zu stimmen. ich lasz die köch gute leuth seyn, aber diejenige seynd nichts nutz, die einem bey andern die suppen versaltzen Abr. a
s. Clara
reimb dich (1687) 26; die listigkeit, die du falschlich fur nimbst, seidt du uns in gespotte stimst Gregor Hayden
Salomon u. Markolf 1575
Bobertag; die bauernregeln — da bist gstimmt, weils allweil anderscht auszikimmt Karl Stieler
ged. 4, 56
Reclam; wir gehn in prater. in prater? itzt lasz nach, i lasz mi nit stimma O. Jahn
Mozart 3, 336;
hierher gestimmt
im sinn von '
ärgerlich': bücherehre genug! — die frucht kenne ich nicht! — aha — herr Linde ist gestimmt! — (empfindlich) ich habe mich auch versucht und hausmannsehre eingebracht! Iffland
dram. w. 15, 1 (1802) 77.
wohl ebenfalls hierher, im musikalischen bild: ich will ihn stimmen, ich will ihn zu chor jagen, ich will ihn mores lehren
I will rattle him to some tune Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1870. II@B@33)
etwas in sich selbst in harmonie setzen, ordnen, glätten. von 1
und 2
dadurch unterschieden, dasz der bedeutungsgehalt '
veranlassen'
fehlt, auch meist nicht auf den menschen zielend. dem musikalischen gebrauch (
o. A)
näher, häufig wie abstimmen.
auf die jüngste zeit beschränkt, in mehr oder weniger individuellen anwendungen, z. b. bei Herder
und Stifter. II@B@3@aa)
ohne zielangabe, absolut: wenn wir nicht in den jahren unsrer zweiten erziehung sie (
eindrücke) bis auf jede kleinigkeit stimmen und zurechtordnen wollen Herder
w. 4, 87
S.; die räder dieser so ungeheuren und fest gestimmten maschine Klinger
w. 3, 269; ich bin mit der ersten erzählung fertig und möchte alles durchschauen und stimmen Stifter
briefw. 2, 92; dem gestirn vertrauen, das zwar ewig nicht vernimmt unser jubeln, klagen, doch sein licht so milde stimmt, dasz wir es ertragen! Hans Carossa
ged. (1912) 60; das gegenseitige stimmen der licht- und schattenflächen zur weichheit und luftperspective musz der holzschneider inne haben Stifter
briefw. 4, 112; dasz unsere wehrmänner diese naturgaben beide an sich haben müssen? ... also müssen sie richtig gegen einander gestimmt werden Schleiermacher
Platons werke 6, 207; Ilse ging mit Gabriel durch die zimmer und versuchte die einrichtung nach ihres herzens wunsch zu stimmen, sie rückte über den tischen, prüfte den zug an den vorhängen und betrachtete misztrauisch die malerei der porzellanvasen G. Freytag
verl. handschr. 2 (1864) 336. sich stimmen '
sich ordnen': dasz sich sein geist durch die lange ruhe und den erquickenden schlaf wieder stimmen werde Stifter
s. w. (1921) 6, 212; die denkart macht den menschen, nicht die gesellschaft; wo jene da ist, formt und stimmt sich diese von selbst Herder
w. 17, 132
S. II@B@3@bb)
durch präpositionen mit einem zweiten glied verbunden, in bezug auf welches das ordnen u. s. w. geschieht. etwas auf, in etwas stimmen
abtönen, einstellen, wie abstimmen: dasz er alles in einen prächtigen modeton gestimmt Justus Möser
s. w. 1, 134
Abeken; wenn er die farbe in künstlerische ruhe und in tiefen ernst wird gestimmt haben Stifter
s. w. 14, 137
Sauer; ein einziges auf gelb gestimmtes zimmer Hans Carossa
führung u. geleit (1933) 66; ein fremder antrieb gibt ihm (
dem willen), vermittelst einer auf die empfänglichkeit desselben gestimmten natur des subjects, das gesetz Kant
w. (1838) 4, 71
Hartenstein. etwas zu etwas stimmen '
dazu in harmonie setzen, passend machen': indem sie (
die übersetzung) nicht einzelne stellen verständigt, sondern den geist des lesers gleichsam zum geist des schriftstellers stimmt W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 280; die florentinischen basiliken der frührenaissance stimmen das nebenschiff zum hauptschiff wie 1 : 2; ... Bramante proportioniert im ersten entwurf zu
s. Peter die nebenkuppelräume zum hauptraum nach dem goldenen schnitt H. Wölfflin
renaissance u. barock (1908) 27. zu etwas gestimmt sein
wie zu etwas stimmen (
o. I D 1 b): unvermerkt zog dieses erkenntnisz jedweden von ihnen von den schwestern hinweg zu der, bey der er den hang las, der zu seinem gestimmt war J. J. Bodmer
der Noah (1752) 97; das wetter ist recht zu mir gestimmt Göthe IV 3, 152
W.; jedes einzelnste musz zu diesem ganzen gestimmt sein O. Ludwig
ges. schr. 5, 417;
ebenso: könntest du lesen, was ich über das stück, ich weisz nicht wo, gesagt habe, so würdest du es mit den gefühlen des ersten ranges ganz gleich gestimmt finden Göthe IV 39, 27
W.; ebenso etwas mit etwas zusammenstimmen (
teil 16, 771). IIIIII.
einige zeugnisse des verbs zeigen die bed. '
mit stimme,
d. i. mit sprech- oder singvermögen, mit ton, versehen, begaben'
; manchmal bleibt die zuordnung zu II
möglich. —
im mhd. als adj. part. gestimmt '
mit stimme
begabt',
s. teil 4, 1, 4235: diu wunne in ir herze so durchgimmet, daz ieglîchez sunder lie lûte hœren, wie ez was gestimmet Hadamar von Laber
jagd 8
Stejskal; sirene sint merwunder gar wol gestimmet Konr. v. Megenberg
buch d. natur 240
Pfeiffer. —
vereinzelt auch als vb. fin.: swenn er (
ein wappenleopard) gæn winde strebt, so stimmet in daz wegen, schrien und regen von dem luft er wart erkant Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 15571
Regel; welcher ein wasserorgel gemacht, so durch wasser gestimmet worden Conr. Dieterich
ulm. orgelpred. (1624) 22. —
anders phonetisch '
mit ton versehen': die andern puoechstaben, so consonantes, das ist mitstymlich, genent, haben von inselbs kain stymm, ... als das b hiet kein stym, wo das e nit dabey stend, alszdenn ist das be gestimbt Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 134
Reithmeier; der merke mit flîze fünf buochstaben (
d. i. a, e, i, u, o): die sint sô wirdic und sô schœne, daz alliu wort und allez gedœne nâch in gestimmet müezen sî
n. des heizet man sie die stimmerîn Hugo v. Trimberg
renner 22241
Ehrismann. —
vielleicht nur in individueller ausweichung von der bed. '
stimmend machen'
im musiktechnischen sinn (
o. II A),
vgl. auch bei Seb. Franck (
teil 4, 1, 4235): billich ist ... zu verwundern, dasz gott den kleinen waldtvögelin ihre kälen und zünglin allso erschaffen undt gestimmet, dasz sie ihre liedlin ... erhöhen ... khönnen Cyr. Spangenberg
v. d. musica 32
lit. ver.; wie aber soll eines thieres schall ... nicht annehmlich klingen, da der grosze schöpfer ... den schnabel der vögel ... eben so wol als die zunge des menschen zu seinem lobe gestimmet hat Lohenstein
Arminius (1689) 2, 219
b; wilt du es (
mein herz) hier nicht stimmen, so lasz es höher klimmen bis in den freudensaal: da wird es anders schallen und dir noch basz gefallen als hier in diesem thränenthal Joachim Pauli
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 499
b.