Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
STAP stm.
a. dô man in vor dem tische nider solte strecken und mit den staben recken kchron. 72. b. unsælde ins fürsten swester hieʒ ze sêre âlûnn mit eime stabe Parz. 279,5. sît ab ir ein sarjant, sô wert ir gâlûnt mit stabn das. 520,26. mit einem stabe den er mit grôʒer ungehabe gein im vil dicke swanc krone 253. b. mit stecken und mit staben sult ir im sînen lîp laben Geo. 19. b. si sluogen ûf in mit ir staben U. Trist. 2254.
b. sît der stunt deich ûf mîn stabe reit seit meiner kindheit Hartm. l. 4,27. vgl. Ls. 2,167. wolt ir gemaches grîfen zuo, sô ritet ir sanfter einen stab Parz. 545,27.
c. stab, an dem man geht. dem wirt daʒ krûze tiure ein stap unde ein stiure Diemer 35,18. ir habet schuohe gebunden, stap in den handen Exod. D. 153,12. er sol stap under üehsen hân bereit sein fortzuwandern Reinh. s. 330. dô reicht er dar mit dem stabe Gregor. 833. ze stabe er einen dorn trûc, der was rûch und ungevûc Albr. 6,184. lât mich an eime stabe gân (als greis oder, wie Pfeiffer erklärt, zu fusse, als pilger oder bettler) Walth. 56,33. dîn lop gêt an einem stabe ist kraftlos MS. 2,45. wol drî stunt ist vester mîn lîp dan mîner swester dô man si ze manne gab. des morgens gie si âne stap und starp niht von der selben nôt Helmbr. 1418. ir sult taschen unde stap nemen unde vart aldar (ze Rôme als pilger) Mai 198,30. den helden der bischof dô allen gap beide taschen unde stap und segent sie vlîʒiclîche das. 202,38. daʒ ir von iuwern handen mich vil gern enpfâhen lât ze gereite daʒ dar zuo (ze der gotes verte) gestât: ich meine taschen unde stap frauend. 392,18. swer in hât, der hât ouch êr, wær er ein jude und gienge am stabe Teichn. 228. tuo dich niur der êren abe und gê beteln mit dem stabe das. 234. — daher bildl. stütze. jâ soltu, liebiu tohter mîn, unser beider fröude sîn, unsers alters ein stap a. Heinr. 657. du soldest mînes alters stap und mîner vreuden sunnenschîn mit liebe an mînem alter sîn Barl. 206,8. er was den kranken ein stab Pass. 11,11. die wânten haben einen stab an sîner hôhen heilikeit das. 155,88.
d. der stab des hirten. di herte (der hirte) sal och volge mit sîner kûlin unde mit sîme krummin stabe Mühlh. rb. 31,28. — daher auch der stab des bischofs und der hohen geistlichkeit. die der obristen êre under der phafheit solden phlegen, den daʒ vingerl und der stap ist geben und ander vil bezeichenlich gewant dâ von si bischof sint genant tod. gehüg. 62. den stap (virgam pastoralem) wolte er offenlichen hân Ulr. 1226. dâ im stab unde krône mit gewalde schône offentlîchen wart bevoln Pass. K. 10,47. — der krumbe stap den got dem guoten sant Pêter uns ze binden gap MS. 2,170. a. manegen bischof man dâ sach under infelen mit krumben staben Servat. 465. waʒ zu lêhen ging von geistlîchen lêhenherren unde von dem krummen stabe Ludw. 30,21. volgen dem edelen krumben stap Frl. 415,5. — dar chômen einlef hundert krumber stäbe krummstäbler, bischöfe kchron. D. 260,7. dâ was manic krumber stap, dô diu hîrât geschach Mai 87,4.
e. überhaupt zeichen der amtlichen gewalt, daher von höhern und niedern beamten geführt. der stap sol amtes walten Frl. 81,13. so reicht der kaiser dem zum gesandten bestimmten Genelun hantschuoch und stap pf. K. 51, 21: der keiser bevalch ime sînen stap: alsô er ime den hantschuoch gap. vgl. Karl 23. b. 33. a. dô wart von kamerære stabn vil kûme alsölher rûm erhabn W. Wh. 142,28. der vürstinne marschalkes stap des küneges marschalc sô vil gaʒʒen gap, daʒ er die vürsten herbergt nâch ir rehten Lohengr. 43. mit einem stabe werden den gästen die plätze bei tische angewiesen W. Wh. 263,13. der frônebote (gerichtsdiener) trägt einen stap Münch. str. 457. vor allem der richter; s. RA. 761. 134 fg., wo auch von andern rechtssymbolischen anwendungen des stabes gehandelt wird.
f. jurisdiction, gerichtsbarkeit. die under sînem stabe sint geseʒʒen Gr. w. 1,429. vgl. Schmeller 3,601. Haltaus 1714.
g. des frônen kriuces stab Schmeller Ulr. XI. wan fürhtent si den stap, der ouch die juden villet Walth. 77,19. hier ist das kreuz gemeint, mit beziehung auf Gottes richter- und strafgewalt.