stapel,
m. unterlage, gerüst; haufen; niederlage, verkaufsstelle. stapel
ist die nd. form des hd. staffel (
vgl. das., sp. 515
ff., über vorgeschichte und bedeutungsentwicklung),
die in bestimmten, in der sprache des Nordens, besonders der hansischen geschäftssprache ausgebildeten gebrauchsweisen ins nhd. übernommen und hier seit dem 17.
jahrh. nachweisbar ist. (
lexikalisch gebucht seit Stieler.)
vgl. mnd. stapel
Schiller - Lübben 4, 363—5. 6, 270
b;
in heutigen nd. mundarten s. brem. wb. 4, 1000
f. 6, 337. Dähnert 457
b f. Danneil 210
b (staopel). Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b f. Schambach 208
a. Woeste 253
a.
den hd. mundarten natürlich fremd (Lenz 67
b).
dem deutschen worte entspricht in den meisten punkten das holl. stapel,
vgl. Franck 956,
das engl. staple (
woraus Kinderling 109
das deutsche stapel
entlehnt sein läszt, während er es s. 332
aus lat. stabulum
herleitet),
wie auch dän. stabel,
schwed. stapel (
wol aus dem nd. entlehnt).
vgl. im ganzen Weigand 2, 797. Kluge
6 375
b. Paul 432
b. 11)
die ursprüngliche allgemeinere und mannigfaltige bedeutung des worts (
vgl.staffel I
und III)
ragt vereinzelt in das heutige deutsch herein. stapel,
s. f. ein ort etwas auf eine zeitlang niederzulegen, oder aufzurichten, und was zu diesen aufrichten gehört. Frisch 2, 319
c. 1@aa)
mnd. stapel
pfahl, säule u. ähnl., s. Schiller-Lübben 4, 363
b f. und staffel III, 1 (
sp. 523).
so im hallischen salzwerk: solch saltzsieden verrichten sie (
die würcker) folgender gestalt, dasz sie eine von eisernen bleche gemachte pfanne, auff den herd, unter zwo, quer über solchen herd, auff vier, in die erde, an den gemäure des herdes, feste gemachten stapeln, liegenden höltzern, die soogbäume genant, setzen. Hondorff
saltzw. zu Halle (1670) 73; stapel, im Sachsen Hallischen salzwerk wann man die pfannen reinigt, werden sie nidergelegt und an einer seite ein stapel oder stocket untergesetzt ...
fulcrum. Frisch 2, 320
a; '
ein pfahl, eine stütze, eine nur in einigen fällen und gegenden gangbare bedeutung. so werden in den salzwerken die in die erde gegrabenen pfähle, worauf die sogbäume geleget werden, welche die pfannen tragen, stabeln, stapeln,
oder richtiger stapel
genannt, an deren statt man sich auch wohl gemauerter pfeiler bedienet. auch wenn man die pfannen reiniget, werden sie niedergelegt, und an einer seite ein stapel,
d. i. eine stütze, untergesetzt.' Adelung (1).
vgl.stabel 1
und stabeln 3,
sp. 359. 361. —
ähnlich stappeln, tigna in terra de[
f]
ossa. Agricola
bergwerckb. (1621),
auszlegung der bergkwörter. s. ferner heckstapel,
th. 4, 2, 750,
bei Adelung (1)
als niedersächsisch. (
dazu auch nd. stâpel,
abgestorbener baum. Schambach 208
a ?) 1@bb)
mnd. stapel
unterlage, block, s. Schiller - Lübben 4, 364.
so insbesondere 1@b@aα)
altfries. stapul
richtblock, s. Richthofen 1044
b,
auch thingstapul 1074
b,
nd. dyngestapel
brem. wb. 6, 337.
so ganz vereinzelt in neuerer dichtung (
oder zu c?): zur selben zeit sah Neapel den jungen Konradin auf blutbespritztem stapel mit Badens Friedrich knien. Freiligrath
5 1, 59. 1@b@bβ)
jetzt bezeichnet ostfries. stapel
oder haarstapel
einen kleinen eisernen ambosz als unterlage beim dengeln der sense. Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b. 1@cc) stapel
begegnet in älterer sprache ferner als bezeichnung einer gerichtsstätte. so in latinisierter form schon in den altfränk. volksrechten: ad regis staffolo, vel ad eo locum, ubi malleus est.
lex. rip. 33, 1 (A, = B 35, 1: stafpolum;
varianten: staffolo, -ulo, -olum, staflo, stapphulum, staplo, stabulum, -lo); ad stafflo regis in circlo ... coniurare studeat. 67, 5 (= 69, 5 B: stappulum;
varianten: stafulum, stafflum, staffalum, stapulo, stapplum); ad regis stafflum 85 (stapplum 87 B). (stapplus super mortuum missus,
lex. Sal. 55,
add. 2,
anm., gehört wol nicht dazu, vgl. J. Grimm
kl. schr. 2, 257.)
zur erklärung vgl. J. Grimm
rechtsalterth.3 804;
danach ist an steinstufen vor dem burgthore zu denken. es liegt also das hd. staffel
vor, s. das. II,
sp. 517
ff., und staffelstein,
sp. 528.
vgl. auch Wachter 1587. Haltaus 1731.
so dann auch mnd. stapel,
besonders in urkunden des 15.
und 16.
jahrh., s. Schiller - Lübben 4, 364
b f. 6, 270
b. Haltaus 1731. Brinckmeier
gloss. diplom. 2, 574
a;
vgl.: stapulae Suerinensis fama. a loco editiori seu structura distinctiori appellatur stablum seu stabula, aliquando etiam in chartis civitatis seculi XV stallum eodem significatu. Westphalen
monum. inedita (1745) 147; stapel, '
vormals, die höchste gerichtsstelle im lande'. Dähnert 458
a;
forum principale Wachter 1586 (
als belgisch).
auch noch in neuerer zeit: '
auf der insel Rügen führt das zu Bergen befindliche landgericht den nahmen des stapels'. Adelung (2, 2,
c). 1@dd)
in Lippe heiszt stâpel
der hölzerne unterbau, das fachwerk eines hauses, besonders eines neugerichteten. Frommann 6, 485.
allgemein üblich ist stapel
dagegen in bestimmten specielleren, gleichsam technischen gebrauchsweisen. 22) stapel
bezeichnet einen haufen gleichartiger gegenstände, besonders einen, der in einer gewissen ordnung geschichtet ist, so mnd. von warenballen, s. Schiller-Lübben 4, 365
a (
spärlich belegt);
ferner: lignorum strues, ein stapel holtes. Chyträus
cap. 89,
ein holzstosz auf dem hofe. ebenso nl.: stapel doicks,
fardellum. v.
d. Schueren
teuthonista 373
b Verdam; stapel of mijte houts,
meta sive strues lignorum. Kilian 2, 630
a,
so auch neuholl. und dän. in lebenden nd. mundarten, s. brem. wb. 4, 1000
f. ('
ein haufe, vornemlich ein ordentlich gelegter haufe, strues'). Dähnert 457
b. Danneil 210
b. Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b ('
jedes gesetzte, gestellte, gelegte, errichtete, aufgerichtete u. geschichtete etwas').
besonders een stapel holt,
s. dieselben stellen; 'n stapel holt (
oder hei, strô, törf, linnen). ten Doornkaat Koolman;
vom geld, s. Danneil: een stapel mark-stukke '
eine gewisse zahl auf einander gethürmter markstücke, etwa 10
rthlr.'
brem. wb. 4, 1000.
häufig up enen stapel leggen
ebenda. Stürenburg; hê flêid (hôpt), legt dat all' up ên stapel tosamen. 't steid in 4 stapels (blokken, hôpen). ten Doornkaat Koolman.
auch freier: 'een stapel volks,
ein haufe volks. gemeiniglich in verächtlichen sinn: dat is mi een stapel volks!
das ist ein gesindel, so nicht viel nützet.'
brem. wb. 4, 1001. —
nhd. zuerst bei dem Holsteiner Joh. Rist: es stehen etliche beutel vor ihnen auff der taffel, samt vielen stapelen thaler und anderem gelde.
friedewünsch. Teutschl. (1647)
s. 110.
die wörterbücher verzeichnen es seit dem 18.
jahrh.: stapel,
strues, non quaevis, sed ordinata, hoc est, talis; in qua res rem sustinet. hodie utuntur Belgae ... qui stapel
acervum interpretantur, vim voci faciunt. Wachter (1737) 1586; holz-stapel, holz-haus.
Chytraeus nomenclator Sax. col. 408. wo man das holz hinschlichtet,
lignile. ein stapel holz,
lignorum strues. id. ib. ein holzhaufe. Frisch 2, 320
a; 'ein stapel holz, ein holzstapel,
ein haufe ordentlich auf einander gelegten holzes. ein stapel thaler,
in Niedersachsen, ein haufe auf einander gesetzter thaler. auf einen stapel legen ... ein stapel volks ...
im hochdeutschen höret man es in dieser bedeutung selten, ausser etwa im gemeinen leben. so setzen die gärber ihre häute in stapel,
wenn sie selbige in haufen legen.' Adelung (2, 1).
heute sehr gewöhnlich, sowol als gewerblicher ausdruck: ein stapel holz, häute, tücher
u. ähnl., wie auch in der umgangssprache: ein stapel von büchern lag auf den stühlen. Frenssen
Jörn Uhl s. 74; Jörn legte das buch auf die lade, den stapel brot daneben. 101; als der Lüneburger langsam aufstand, legte der kunde einen ziemlich hohen stapel silber auf den tisch. 141; Mars Wiebers ... griff in den groszen stapel blauer hefte.
Hilligenlei 57; die mutter ... ging nach der kommode ... und kam mit einem kleinen stapel wäsche wieder. 343.
vgl.stapelhoch. —
weiter ab liegen stapel
als buttermasz in altwestfäl. quellen (1 stapel butiri),
s. Schiller-Lübben 4, 365
a und Woeste 253
a,
und das neuere stapel vieh, viehstapel
für viehbestand, s. unten 5
und viehstapel. 33) stapel
bezeichnet weiterhin die stelle, wo gegenstände, speciell waren in haufen liegen, verkaufsstelle, niederlage. diese gebrauchsweise beruht augenscheinlich auf der vorstehenden, ist aber viel früher bezeugt als ausdruck der hansischen geschäftssprache, und in ihr ist das wort hauptsächlich über das nd. gebiet hinaus verbreitet. aus der localen bedeutung entwickelt sich weiterhin die abstracte, juristische eines kaufs- oder verkaufsvorrechts, wofür auch stapelrecht,
stapelgerechtigkeit,
vgl. diese und: stapula '
est privilegium urbi collatum, sistendi et ab instituto cursu retrahendi merces exoticas, quas negotiator importat, ut nimirum eo loco stabulentur ac conquiescant, quo venum prostituantur.' Junius
bei Haltaus 1730,
s. ferner Scherz-Oberlin 1557
f. so mnd. stapel,
s. Schiller-Lübben 4, 365
a (
ältester beleg v. 1379). in steden, wur se dat betreden unde overkemen, so dat neyn myt one mere wolde handelinge noch kopenschop hebben, dat de stapel wart glat van dar ghelecht, wente de stede wiseden se uth der hense unde des kopmans rechticheyt.
d. städtechr. 16, 316, 8 (
Braunschw. schichtb. zu 1374).
so noch in den idiotiken des 18.
jahrh. bekannt: '3)
die niederlage gewisser waaren an einem orte, da sie nämlich ordentlich hin gelegt werden: auch, das recht, welches gewisse kaufstädte haben, dasz daselbst gewisse durch gehende waaren eine bestimmte zeit müssen niedergelegt und feil geboten werden: welches man das stapel-recht
nennet. it. eine stadt, welche das stapelrecht
hat. sie heiszt daher stapel-stadt,
und dergleichen waaren stapel-waren, stapel-göder'.
brem. wb. 4, 1001;
ähnlich Dähnert 458
a.
ebenso nl. stapel
emporium: forum rerum venalium. vulgò stabulum et stapula: locus publicus, ... quo principis auctoritate et privilegio vina, coria, frumenta, lanae aliaeque merces exoticae vendendi causa convehuntur. Kilian 2, 630
a. —
das nd. wort ist dann auch in andre sprachen übernommen und darin z. th. früher bezeugt als im mnd. mittellat. stapula,
s. Du Cange 7, 583
c f. (
belege v. 1324
an),
vgl. Brinckmeier
gloss. diplom. 2, 574
b;
altfranz. estaple, estapple, estappe,
s. Godefroy 3, 601 (
belegt seit 1339); (
mittel)
engl. stapel Stratmann-Bradley (
in diesem sinne seit etwa 1380);
jetzt mit verschobener bedeutung, hauptproduct eines landes (
vgl. stapelartikel, -ware 2),
vgl. Skeat 591
b;
schwed. stapel. —
im hd. findet sich das wort zuerst in rhein. quellen des angehenden 15.
jahrh., und zwar in Cölner jahrh. als stapel
oder stappel: also erwarf sich der bischuf mit den kurfursten und mit den herzog van Gulge also, dat sich de heren al zusamen verbunden und schreiven der stat wal 2 oder dri stunt, si wolten de assins (
accise) af haben und darzu den stapel an dem Rin, also daz de geste an dem Rin alz wal win kaufen und verkaufen mochten gelich den burgeren.
d. städtechron. 13, 116, 13 (1418); aber den stappel wolden si af han, daz alman mochte wine gelden ind verkaufen up dem Rin. 117, 8; so solt der stappel vri sin bis up sent Mertins dach. 120, 27 (1419); dat der stappel solt vri sin alman up dem Rin buissen Kolen mit allen winen. 121, 7.
ganz vereinzelt mit hochd. lautverschiebung: ein anlasz zwuschen den ertzbischoffen zuo Meyntz und Coln und pfaltzgrave Ludwigen mit hertzog Reynhalten zu Juolch ... eyns und der statt Colln anders teyls umb ir irrung der
staffeln uff dem Rine.
urk. vom 19.
mai 1419
in Mones
zeitschr. 9,
s. 24. (
dagegen in der nachfolgenden urk. vom 15.
juni 1419
wieder: umb den stappel uff des Ryns strAvme und lynpade.
s. 25; [
mit bezug] uff den stappel [
sprechen wir], das ein yglicher ... vor Coln uff dem Rine und buyssen der statt uff dem lynpade verkeufen mogent ir wine, wem sie wollent.
ebenda.)
und so noch in der Mainzer zunftordnung der schiffer und steuerleute v. 1685: alss dan auch zum vierzehenden die stadt Speyer sich einen auf gewisse wahren restringirten staffel berechtiget haben will,
s. Ch. Eckert
d. Mainzer schiffergewerbe (1898)
s. 132, 14.
auszerhalb solcher localen quellen in allgemeinem gebrauche erst seit dem 17.
jahrh. (Gombert
bem. u. erg. 5, 21),
und stets in der nd. form stapel,
was bemerkenswert ist, da in den zusammensetzungen in weitem umfange nebenformen mit staffel-
üblich sind, vgl. staffel III, 3,
sp. 524,
und staffelbar, -geld, -gerechtigkeit, -gut, -recht, -stadt,
sp. 525—8. stapel, die aufrichtung, aufschüttung, niederlage der waaren. Nehring
manuale juridico-polit. (1690) 844;
ferner Stieler 2135,
s. stapelgerechtigkeit,
vgl. auch (
von demselben): stapel, ist das recht, wahren zum verkauf anzuhalten, ehe sie anderwerts ausgefüret werden, wie dergleichen stapel-gerechtigkeit, Hamburg, Kiel, Zwickau, Lübeck und viel städte mehr haben. (
d. Spate)
zeitungsl. 511; stapel oder niderlag. Frisch 2, 320
a; '
figürlich wurde ehedem in den nördlichen gegenden Deutschlandes eine messe, ein jahrmarkt häufig ein stapel
genannt, weil die wahren alsdann in menge an einem solchen orte niedergelegt werden; schwed. stapel.
daher die stapelstadt
ehedem eine jede mit einem jahrmarkte versehene stadt war (?).
in engerer noch jetzt gangbarer bedeutung ist der stapel,
ohne plural, die gesetzliche niederlage gewisser wahren an einen ort, und das recht, welches gewisse handelsstädte haben, nach welchem alle durchgehende wahren daselbst auf eine gewisse zeit zum verkaufe niedergeleget werden müssen, das stapelrecht;
daher auch ein mit diesem rechte versehener ort in engerm verstande ein stapelplatz
oder eine stapelstadt
genannt wird. die Oberdeutschen haben das wort in dieser bedeutung auch, sprechen es aber alsdann staffel
aus.' (?). Adelung (2, 2,
b),
vgl. ferner Jacobsson 7, 428.
litteraturbelege: dieweil derselbige Marianer ordens meister ... der jenige war, der den bundgenössigen stetten unnd jhren stapelen jhre gerechtigkeiten schutzen und erhalten kundte.
M. Quad v. Kinckelbach
teutscher nation herligk. (1609) 389; sonst es (
ihnen) gehen möchte wie den Dantzigern, so durch neue zoll - aufflage sich um den stapel der englischen wahren brachten. Paulini
philos. lustst. (1709) 1, 116; sie (
die engl. merchants adventurers) hatten ihre stapel in allen hansischen städten. Möser
patr. phant. 1, 20; Flandern und Braband hatten ihre ganze aufnahme der bequemlichkeit den stapel von allen rohen materialien in der nähe, und den markt zum absatz gleichsam vor der thür zu haben, einzig und allein dieser einrichtung zu danken. 3, 175; die compagnie hätte zuerst (1248) von dem herzog Johann in Braband einen freyen stapel und die freye handlung in den Niederlanden erhalten. 176; in den vornehmsten niederländischen städten wurden stapel errichtet. Schiller 7, 35; die hansischen kauffahrer ... muszten zuletzt wider willen die flandrischen messen besuchen, und die spanischen waaren auf niederländischem stapel empfangen. 36; hier (
in Brügge) war der stapel aller nordischen produkte für den süden, und aller südlichen und levantischen für den norden errichtet. 37; die Portugiesen richteten in Brabant ihren stapel auf. 41; der ostindische stapel zog die berühmtesten handelshäuser von Florenz, Lucca und Genua ... hieher.
ebenda; auf den stapel schüttet die ärndten der erde der kaufmann, was dem glühenden stral Afrikas boden gebiert. 11, 87 (
spazierg. 117, =
s. 79, 122); eure hofstatt ist der sitz der minne, sagt man, und der markt wo alles schöne musz den stapel halten. 13, 256 (
jungfr. v. Orl. 3, 3).
dazu die zusammensetzungen stapelgesellschaft, -herr, -hof, -ort, -platz (1), -stadt (1), -ware (2);
zu der rechtlichen bedeutung: stapelbar, -frei, -gerechtigkeit, -gesetz, -gut, -platz (2), -stadt (2), -ware (1). 44)
eine andre bedeutung hat sich bei stapel
ebenfalls in der sprache der küstenstädte entwickelt. stapel
bezeichnet die unterlage, worauf ein schiff gebaut wird, bestehend aus einem system in einer bestimmten ordnung auf einander gelegter balken oder klötze (
s.stapelblock, -holz 1, -keil, -klotz, -rost,
vgl. auch stapeln I, 3),
die eine ebene plattform von bestimmter höhe und neigung über dem bauplatz (
helling)
bilden, vgl. Bobrik 660
a (
nach diesem für die baustelle selbst, helling, werft; doch werden nachher stapel
und helling
in gegensatz gestellt).
in land-
und seestapel (
der helling
und vorhelling
entsprechend)
unterschieden, s. Lueger 5, 143.
vgl. ferner Goedel
etym. wb. der seemannssp. 459
f. Stenzel
seemänn. wb. 399
a. 4@aa)
diese gebrauchsweise ist erst seit dem 18.
jahrh. nachzuweisen: stapel,
lat. navalia. Apin.
gloss. (1728) 510 (
vgl. unten); stapel (der, die niederlage, wo die schiffe gemacht oder ausgebessert werden)
navalia. Steinbach 2, 683; stapel, der ort auf dem lande am wasser wo die schiffe noch stehen, ehe sie ausgebauet sind,
navalia. Frisch 2, 320
a; stapel,
chantier, heiszt auf den schiffbau-höfen und werfen die unterstützung eines zu erbauenden schiffes, welche so angeordnet wird, dasz das schiff, wenn es fertig ist, von der stelle ins wasser gebracht werden kann; welches ein schiff vom stapel laufen lassen,
lancer un navire à l'eau, genennet wird. Eggers
kriegs-lex. 2, 980;
s. ferner Adelung (2, 2,
a). Jacobsson 4, 257
b f. Goedel
seemannsspr. 459.
auch nd. erst in den idiotiken der küstenmundarten seit dem 18.
jahrh.: stapel '
der ort, wo ein schiff erbauet, oder das gerüste, worauf es erbauet wird'.
brem. wb. 4, 1001. Dähnert 458 (
das gerüst u. s. w.);
ostfries. Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b. —
litteraturbelege: so werden sie sehen, dasz ich nicht umsonst über den hafen blicke, und neben dem stapel wohne. ich glaube nicht, ... dasz ein schiff regelmäsziger gebaut werden kann, als die meinigen gemalt sind. Thümmel
reise 6, 329. 4@bb)
besonders in gewissen festen ausdrucksweisen üblich: das schiff liegt auf den stapel,
lat. navis in fabrica lignaria aedificatur seu exstruitur. Apin.
gloss. 510; '
daher heiszt ein schiff auf dem stapel,
ein im bau begriffenes und noch auf seinen stapelblöcken stehendes schiff.' Bobrik 660
a; der 'grosze kurfürst' steht in Wilhelmshaven, 'Friedrich der grosze' in Kiel und die 'Borussia' in Stettin auf dem stapel.
köln. zeitung v. 23.
nov. 1873, 2.
bl., s. 2
c;
nd. dat schipp liggt nog up'n stapel. Dähnert 458
a. — ein schiff auf den stapel setzen, '
anfangen daran zu bauen, den grund dazu legen'. Adelung;
nd. 'n schip up de stapel trekken
oder setten. ten Doornkaat Koolman
a. a. o. —
besonders von stapel lauffen,
ex navalibus navem deducere; navem de continenti in aquam demittere. Apin.
gloss. 510
f. (
übersetzt natürlich v. st. l. lassen,
s. unten); 'vom stapel laufen
heiszt, wenn es weit genug gebaut ist, und alsdann ins wasser gelassen wird.' Bobrik 660
a;
nd. et löppt vam stapel. Dähnert 458
a;
sprichwörtlich: 't is, as wen 'n olt schip van de stapel lopt. '
so viel leerer lärm, unnützes aufsehen, weitläufigkeit, schwierigkeit wird von jemand gemacht'. Lüpkes
seemannsspr. 1, 234. vom stapel lauffen lassen,
navem de continenti in aquam demittere. Steinbach 2, 683,
vgl. oben Eggers
und Bobrik 660
a,
sowie stapellauf;
nd. 'n schip fan de stapel lôpen laten. ten Doornkaat Koolman
a. a. o. auch blosz vom stapel lassen,
navem in aquam demittere. Frisch 2, 320
a, '
es in das wasser lassen, welches geschiehet, wenn der ganze bau gezimmert und bis auf die dritte planke verkleidet ist'. Adelung. 4@cc)
so auch in übertragenem gebrauche. 4@c@aα)
im ausgeführten bilde: bald ward gesagt in Turan dem schah Efrasiab: es läszt vom stapel laufen sein schiff der held Suhrab. Rückert
Firdosi 3, 350; kaum hab' ich das wort gesprochen, geht mein wunsch schon in erfüllung, und vom stapel des gedankens läuft herab das zauberschiff. Heine 2, 129
Elster (
Bimini, prol.). 4@c@bβ) vom stapel laufen
auch sonst sehr gewöhnlich in bildlicher verwendung. '
uneigentlich heiszt, vom stapel laufen,
vollendet sein, fertig, vollendet aus den händen des meisters kommen.' Campe: kurz, die sache war glücklich gezimmert, vom stapel gelaufen. Benzel - Sternau
s. ebenda; vom stapel laufen,
von statten gehen. Hetzel
wie der Deutsche spricht 298;
ebenso holl. het is van stapel geloopen,
z. b. eine rede. Lüpkes
seemannsspr. 2, 242.
ungewöhnlich von personen, aufbrechen: ihr werdet sehen, gevatter, wenn wir am wenigsten daran denken, wird sich unser edler von neuem aufmachen, um vom stapel zu laufen. Tieck
don Quix.5 2, 15 (6, 2). 4@c@gγ) etwas vom stapel laufen lassen: herr P. hat diese messe wieder ein werck vom stapel laufen lassen. Lichtenberg
aphorismen 2,
s. 55 (C 220, =
verm. schr. 2, 102); insbesondere gehörte es zu den ersten freuden der neuverheirateten, alsobald irgend ein inserat vom stapel laufen zu lassen. Keller 5, 64; der erste wunsch, den wenig tage drauf die schöne Vastola vom stapel der wünsche laufen liess, flog in geradem lauf zur stolzen königsstadt Neapel. Wieland 18, 189 (
Perv. 3). etwas vom stapel lassen,
eine erklärung abgeben, eine verfügung erlassen. Lipperheide
spruchwb. 819
b; sollte ihnen das opus ... nicht eben unwerth erscheinen, so mögen sie es also vom stapel lassen, wenn ich todt bin. Vischer
auch einer 2, 2. 4@c@dδ)
seltner etwas auf stapel setzen,
anfangen, unternehmen: er hat es auf stapel gesetzt. Wander 4, 777;
holl. hij heeft het op stapel gezet. Lüpkes
seemannsspr. 2, 241.
hierzu wol nd. hei heft êr wat op en stâpel gesett,
er hat sie geschwängert. 1, 235. 55) stapel
wird in neuerer sprache auf wolle u. ähnl. angewandt als qualitätsbezeichnung. ob diese gebrauchsweise sich aus den vorstehenden ableiten läszt ('stapel
ist natürlich auch die in geordneten haufen daliegende [
aufgestapelte]
ware; ein stapel wolle;
dann sagen die wollzüchter auch ohne den begriff der aufschichtung: ein besserer, ein geringerer stapel,
d. h. eine bessere, eine geringere sorte wolle.' Gombert
bem. u. erg. 3, 2),
erscheint sehr fraglich, da stapel
nicht abstract die qualität, sondern zunächst concret die aus kleinen strähnchen gebildeten büschel bezeichnet: die streichwolle verbindet sich beim wachsen der haare zu kleinen strängen oder strängchen ... und diese wieder zu büscheln,
stapel (
mêche —
staple) genannt. Karmarsch-Heeren
3 7, 566.
dann auch: '(
wollenmanufaktur) 1)
man sagt die wolle habe einen guten stapel,
wenn sie sich gut ausziehen läszt. ... 2)
das wolligte auf der oberfläche eines gerauheten tuches, welches durch die karden bey dem rauhen hervorgebracht wird, ohne dasz das tuch angegriffen wird.' Jacobsson 4, 258
a.
dann auch von baumwolle: (
dagegen) gibt die operation des
stapelziehens die möglichkeit, rasch ... die baumwolle auf ihre faserlänge, festigkeit, feinheit und glanz zu untersuchen. man nimmt nämlich bei dieser operation ein büschel baumwolle zwischen daumen und zeigefinger der einen hand, fasst das büschel nahe an der festgehaltenen stelle eben so mit der andern hand und zieht es auseinander. die nach der richtung des zuges vorstehenden härchen werden nun neuerlich gefasst und ausgezogen, und indem man dies mehrmals wiederholt, erhält man endlich eine partie parallel liegender, auf einander geschichteter baumwollhärchen (stapel), welche die durchschnittliche länge des wollhaares unmittelbar erkennen lässt. hält man den stapel so fest zwischen den fingern
u. s. w. Karmarsch-Heeren
3 1, 309;
bei flachs, s. 8, 447.
in demselben sinne engl. staple. —
litteraturbelege: welch einen ausbund von wolle und schafen er habe, wie die alle so wolltreu seien, ein haar dem anderen gleiche und der stapel vom besten flusz und gleich rund sei. Auerbach
dorfgesch. 4, 9; nach besichtigung der schafe muszte eine pause gemacht werden, denn Ehrenthal war zu sehr ergriffen von der feinheit und dichtigkeit ihres pelzes. 'nein, dieser stapel!' seufzte er in träumerischer begeisterung. Freytag 4, 31 (
soll u. haben 1, 3). 66)
wieder in anderm sinne wird stapel
auch von thieren gesagt, so von ochsen, als bezeichnung ihres ernährungszustandes (
da sie gleichsam fleisch und fett '
aufgestapelt'
haben?): das ochsenunterspann wurde eben aufs feld getrieben. die thiere waren von so gutem stapel, so wohlgefüttert ... Bog. Goltz
jugendleben 2, 23;
gleich darauf begegnet hier stapel
in der auch sonst bezeugten bedeutung '
bestand' (
wie sonst stamm,
s. das. II, 4,
b, sp. 643,
und stand,
s. 10,
a, sp. 725),
die wol von 2
ausgeht: gute pferd sind für geld zu beschaffen, die hat nicht selten auch ein dummer und liederlicher kerl; aber so einen praktischen stapel von selbstgezogenem rindvieh hat nur ein rationeller wirth. 24.
weiterhin wiederum: selbstgezogene pferde und ochsen, vom richtigen stapel und futterzustande. 25.