sinken ,
gemeingermanisches starkes verbum, eine directe indogermanische entsprechung ist nicht nachgewiesen (
vgl. beiträge 8, 268).
got. sigqan,
altn. søkkva (
dän. synke,
schwed. sjunka
sind aus ostnordischer form mit erhaltnem nasal erwachsen);
ags. sincan,
engl. to
sink,
alts. sinkan,
neunld. zinken,
ahd. sinchan Graff 6, 255;
mhd. sinken
mhd. wb. 2, 2, 305
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 932;
mnd. sinken Schiller - Lübben 4, 213
a;
mergere, sincken Dief.
gloss. 358
a;
sidere, sincken 533
a; sincken, helden, sich eynlassen,
desidere. Maaler 374
a; gähe, geneigt, sinckend,
proclivis Henisch 1330, 60;
vgl. Hulsius
dict. (1616) 298
b; sinken,
mergi, labare, labi Stieler 2008; sincken Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812
b. Steinbach 2, 773.
die flexion bietet nichts bemerkenswertes, die alte pluralform des perfectums hält sich lange im nhd. und ruft einen singular sunk
hervor, der in verschiedenen mundarten das alte sank
verdrängt hat. Schottel 596
bietet ich sank, du sunkest, er sank, wir sunken, ich sünke. Stieler 2008
hat ich sank,
et ich sunk,
conj. ich sänke,
et sünke, Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 812
b ich sancke, Steinbach 2, 773 ich sunck
neben ich sanck, Frisch 2, 278
c aber nur ich sank; Adelung
weist die formen ich sunk
und ich sünke
dem '
gemeinen leben'
zu. mundartliche formen: sunk Hunziker 242; ich sunk, sinket Schm. 2, 314; ik sunk
brem. wb. 4, 790. Mi 79
b. Schambach 192
a. ten Doornkaat Koolman 3, 185
a; sank, sunk,
plur. sünken Woeste 237
b; seine auszerweleten heubtleute versuncken im schilffmeer.
2 Mos. 15, 4; sank ich in eine ammacht zur erden.
Dan. 8, 18; fülleten beide schiff vol, also, das sie sunken.
Luc. 5, 7; (
wenn) die berge mitten ins meer süncken.
ps. 46, 3; wie er an die eiche sunk. Klinger
theater 1, 223 (1786); in einen dieffen schlaff ich sanck (: dranck). H. Sachs 3, 259, 4
Keller - Götze (
var.: drunck : sunck); allda erst vil Griechen ertruncken, und wie die stein zu grunde suncken. 20, 284, 31; sein haupte jhm sehr kranck und schwach ernider suncke aller sach.
Ilias übersetzt von Spreng (1610) 101
a; als ich ... schon sunck und schier erdranck. Weckherlin (1648) 63; ein säbelhieb sunk schwer auf sein genik. Schiller 1, 346. 11) sinken
in eigentlicher bedeutung; meist mit einer richtungsbestimmung verbunden: zu grunde, zu boden, herab-, dahin-, hinunter-, zurück-, nieder-,
unter-, nach-, einsinken
u. ähnl. 1@aa)
unter die oberfläche des wassers, auf den grund durch die schwere gezogen werden; in älterer sprache und in neuerer bei gehobener rede auch prägnant für versinken,
im wasser untergehen (
so auch in der wendung das schiff ist gesunken): gisehenti her tho uuint mahtîgan forhta imo, inti sô her bigonda sinkan, riof quedantêr.
Tatian 81, 4; da erschrack er, und hub an zu sincken.
Matth. 14, 30; im wasser sinken,
aqua hauriri Stieler 2008; die steine sincken im wasser. Steinbach 2, 773; eisen im wasser sinkt zu boden (zu grunde). Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812
b; ein schiff sincken lassen, das schiff sancke.
ebenda; das schiff fing an zu sincken. Steinbach 2, 773; sinken zu boden,
sidere ad ima vasis Frisch 2, 278
c. ein schiff ist im sinken, wird sinkend angetroffen: ni mahta an thena flôd innan, an thema sêo sinkan.
Heliand 2923; es sinket halt ein meres kiel.
Parz. 289, 26; daʒ er aldâ vertrunke und zu grunde sunke.
pass. 175, 42; dann Christus last uns zwar wol sincken, aber darumb nicht gar ertrincken. Spangenberg
anbind- u. fangbriefe (1623) P 7
b; er sah ihn stürzen, trinken und sinken tief ins meer. Göthe 1, 188; und wenn ich starb, der ersten welle raub erliegend, sank, war's eine spanne näher doch bei dir. Grillparzer 6, 52.
in bildlichem gebrauche: ich habe schiffbruch gelitten auf der ungestümmen see dieser welt, die hoffnungen meines lebens bab ich müssen sehen in den grund sinken. Schiller
räuber 3, 2
schauspiel; in allen gesprächuntiefen, wo man schon halb im sitzen oder sinken ist, gibts keine herrlichere schiffspumpe, als eine historie, die man zu erzählen hat. J. Paul
Hesp. 2, 4; unter blut, ideen und thränen sanken seine worte unter.
uns. loge 3, 30;
in fester wendung wird sinken
dem schwimmen, nicht untergehen gegenüber gestellt: er sehe jn lieber sinken, als drifen. Schottel 1116
a; he süt em lewer sinken as fleten,
er gönnt ihm alles böse. Dähnert 424
a; se wolden mit on sinken und vloien,
untergehen und schwimmen. d städtechr. 7, 389, 28; sinken und flieszen.
Göttinger bürgereid im nd. korrespondenzbl. 15, 77; mit one sinken und floten. 16, 13 (
aus Oldecop). 1@bb)
scheinbares versinken: die sonne sinkt ins meer (unter das meer. Campe);
unter eine feste fläche: die sonne sinkt unter den horizont, hinter die berge (
vergl. unter c); das wasser sincket in die erde. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 7, 812
b;
für uns fremdartig (
doch vgl. oben Schiller 1, 346)
vom einschneidenden schwerte: (
dasz es ihm) dur stahel und dur houbet dranc und im ze tal dur beide sanc biʒ ûf sîn ellentrîchen brust. K. von Würzburg
im mhd. wb. 2, 2, 305
b. 1@cc)
ganz allgemein, in mannigfaltigster anwendung von der nach unten gerichteten bewegung, dem langsamen fallen im gegensatze zu steigen. von Kant
mit directer beziehung auf die schwerkraft gebraucht: diese zweite kraft .. zielt allenthalben zu der sonne hin und wird daher die sinkende, die centripetalkraft, oder auch die gravität genennet. 8, 246; die zu ihren anziehungspuncten sinkende elemente. 287. sincken, helden, sich eynlassen. Maaler 374
a; sincken, sänfftiglich und gemach zur erden fallen. Hulsius
dict. (1616) 298
b; ein tropfen sinkt, nebel, wolken sinken zur erde; er schnitt eine locke von seinem silbernen haupthaar, warf sie hinein in die schaale der sünden, und siehe, sie sank, sank plötzlich zum abgrund. Schiller
räuber 5, 1
schauspiel; die waagschaale dieses lebens sinkend wird hoch steigen in jenem.
ebenda; meine sehnen werden schlapp, der dolch sinkt aus meinen händen. 5, 2; is dror sinkit nu an erda.
alts. gen. 48; wie die ebnen des meers ein mitternächtlicher strudel ringsum in sich verschlingt, und stets zu dem untergange offen, unsichtbar unter den wolken des sinkenden himmels, alle zu sichre bewohner des meers in die tiefen hinabzieht. Klopstock
Messias 3, 30; auf rosefarbnem gewölk, mit jungen blumen umgürtet, sank jüngst der frühling vom himmel. C. E. von Kleist 2, 4 (1760); wie unsre sense blinket, rauscht hohes gras, und sinket in schwade, lang und schö
n. Voss 2, 303; eh das sinkende laub sterbend dem baum entweht. Hölty 92
Halm; von einem wirbelwind ringsum bestürmt sank sie zur erde hin (
die rose). 47; unsre völker werfen die waffen von sich, unsre fahnen sinken. Schiller
jungfrau von Orleans 5, 12; o möchten meine fahnen stolzer rauschen, sie sanken zwar nicht ganz. Hebbel 6, 104 (1891);
für uns fremdartig, vom einmünden eines gewässers: zu ainem klainen pächlen welches in den Schwarzenpach sinkt und rint.
steir. u. kärnt. taidinge 480, 45.
sehr oft von den zum untergange sich neigenden und gleitenden gestirnen, oft übergehend in die bedeutung versinken (
vgl. unter b): die sonne sank zum abend.
wunderhorn 1, 303
Boxberger; das gold der sinkenden sonn umbebte die ähren. Hölty 40
Halm; zum schlummer winkt der sterne sinkend licht. Schiller 6, 347; ab denn, rascher hinab! sieh die sonne sinkt! eh' sie sinkt (
versinkt). Göthe 2, 69; schon glänzt dort hoch der abendstern ... es sank der sonne goldnes licht. Seume
gedichte 76 (1826); ergehst du dich im abendlicht, (das ist die zeit der dichterwonne): so wende stets dein angesicht zum glanze der gesunknen sonne. Uhland
ged. (1864) 3.
die nacht, die mitternacht sinkt
hernieder, auf die erde: bald sank mir die nacht, dem lebenden, bald wird, Elkanan, frömmerer dulder, auch dir die nacht, dem sterbenden, sinken. Klopstock
Messias 19, 678; mitternacht sank indessen auf den schlummernden eichenhain. Hölty 69
Halm; sinkende nacht (
vgl. sink, sinkening, sinkig, sinkicht, sinklicht)
bezeichnet die einbrechende nacht (
seltsam bei Dähnert 424
a: sinkende nacht,
späte nacht): vom früen morgen bisz inn die sinckende nacht, und offt uber die halbe mitternacht. Mathesius
Sarepta 11
b (1571); bis in die sinckende nacht, da sich schon der groszfürst geleget hette. Schütz
beschr. der lande Preuszen (1599) 120
a; so könte er ihr wegen anderer geschäfften vor sinckender nacht kein anders verfertigen.
Simpl. 4, 51, 23
Kurz; kamen bey sinckender nacht in einen flecken. Weise
kl. leute 166 (1679); nur mit sinkender nacht kam der zug im dorfe vor dem wirthshause
an. Göthe 19, 48; die wir doch waren toll und voll, auff keim fusz konten stehen wol, dennoch für Asmus hausz uns bracht, und zwar in der sinckenden nacht. Wichgreve
Corn. rel. übers. von Sommer F 5
a.
dann auch freier: stille, friede, abendfrieden, schweigen sinkt herab, auf die flur.
verringerung der tiefe oder höhe; das hochwasser ist schon bedeutend gesunken; je nachdem das wasser mit der fluth stieg oder mit der ebbe sank. Schiller 9, 51. dle quecksilbersäule im thermometer sinkt, sinkt unter den gefrierpunct. der zucker sinkt in den formen,
in dem masze, wie der syrup abläuft. Jacobsson 4, 178
b; feuer sinkt,
indem es niederbrennt: das feuer sank, und wölkte kaum noch dampf empor. Hölty 39
Halm; sinkt das feuer zu glut, dann schiebe den knorrigen klotz nach. Voss
der siebz. geburtstag (1785). der bau, das hausz sincket (senkt sich,
aus der richtigen lage, sich abwärts neigend). Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 812
b; der bau ist gesuncken. 812
c; durch faulheit sincken die balcken.
pred. 10, 18; zwar wär ich auch arm glückselig bey dir gewesen in kleiner sinkender hütte. Geszner 1, 274.
vom erdboden: dar is een sinken (
oder etwa sinke,
f.) in dem wege,
niedrige stelle. brem. wb. nachtr. 305. in trümmer, schutt, asche sinken,
zerstört werden: umsonst verschwend' ich meines volkes leben, und meine städte sinken in den staub. Schiller
jungfrau von Orleans 1, 5.
von menschen, thieren, persönlich gedachtem: ich sank bis über die knie in den schlamm (
wobei doch die aufrechte haltung bewahrt wird);
aber: von einer tödlichen kugel getoffen sank er zu boden (
brach zusammen, so dasz er am boden lag); zu boden sincken Stieler 2008; unter der last sincken. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812
b; erschrac, daʒ si rechte nider sanc zu der erdin. Ködiz
leben des heil. Ludwig 52, 28; vernunfft müste hin sincken und verzweifeln. Luther 19, 387
Weim. ausg.; ich trinck dasz ich sing und sinck. Fischart
Garg. 26
neudr.; oder wilst du, dasz ich unter dem schreklichen geschirr solcher thränen zu boden sinke? Schiller
kabale u. liebe 2, 2; da sank das Vefele in sich zusammen, es lag mit dem gesichte auf dem boden. Auerbach
dorfgeschichten 1, 60; vor slâfe sunken si aber hin.
krone 29459; von engesten hie dick uff die erden sanck.
Alsfeld. passion 5467; nun irr ich durch verschränkte tannenhaine, sink' auf verdorrtes moos. Hölty 135
Halm. besondere und freiere wendungen: der titel ist der kopf des buchs; das kind deiner feder musz daher mit dem kopfe zuerst in die welt sinken. J. Paul
grönl. proc. 2, 20. sinken,
im kampfe fallen, auch mit einem dativ verbunden: doch unter den vordersten, mein' ich, sinkt er dem stosze der hand. Voss
Ilias 8, 537; aber der fromme sank dem beglückten, denn ihm waren die götter nicht hold. Schiller 11, 270; an unsern mauern sank der edle held für seines königs sache.
jungfrau von Orleans 1, 3; (
er) sinkt dem streiche, wen der spürhund trifft. Seume
ged. (1826) 65.
überhaupt von sterbenden: er sinckt in die grube. Steinbach 2, 773; meine wurzeln sind abgehauen, meine kraft sinkt nach dem grabe. Göthe 8, 164; ich kehre mein angesicht noch sinkend nach dir zurück. J. Paul
Hesp. 3, 249; sinke, du staubgebein, zur erde, deiner mutter, sinke zu den verschwisterten erdgewürmen. Hölty 84
Halm. man möchte wünschen, in die erde zu sinken,
vor scham, um sich zu verbergen; anders: einsam war er und still, wie das grab, und glaubte mit jedem tritt in die erde zu sinken (
vor schmerz). Hölty 42
Halm. in die knie, auf die knie, aufs knie sinken: (
da) ich athemlos und erschöpft von der arbeit in die knie gesunken war. Schiller
räuber 4, 5
schauspiel; er schwört ihr unverfälschte treu, er stellt sich fromm und ehrlich, und sinkt auf beyde knie dabey. Gotter 1, 34 (1787); ich sah sie (
die thränen) fallen auf deine hand, und bin aufs knie gesunken. Heine 1, 103
Elster; sie sanck auff ihn hin und weinte bitterlich. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 812
b; einem zu füszen, einem an die brust, in die arme, ans herz sinken: mein herz brannte nach einem herzen — ich sank an das seinige. Schiller
kab. u. liebe 2, 3; sie? ein vater! — seyn sie es, und ich sinke zu ihren füszen. Gotter 3, 89 (1802); da sank ihm mit unüberschwenglicher seligkeit und liebe das kind ans vaterherz. J. Paul
Tit. 1, 33; laut weinend sankst du mir zu füszen. Schiller
don Karlos 1, 2.
im bilde: ich gehe jetzo hinaus und sink' an die sterbende sonne und an die entschlafende erde. J. Paul
unsichtb. loge vorrede xxviii.
von gliedmaszen, körpertheilen, als zeichen von ermattung, schläfrigkeit, besonderen stimmungen: der vogel läszt die flügel sinken. die hände sinken ihm, er läszt die hände in den schoosz sinken: die stoltzen müssen beraubet werden und entschlaffen, und alle krieger müssen die hand lassen sincken.
ps. 76, 6; der schimpf in einem öffentlichen zimmer zu spinnen, und in der zahl der armen bekannt zu seyn, wird den den fleiszigen und empfindlichen mann hinlänglich abhalten, seine hand sinken zu lassen (
die arbeit zu vernachlässigen). Möser
patriot. phant. 1, 78 (1775); die krafft in meinem hertzen verschwindt, der geist verschmacht, die hände sincken mir. A. Gryphius 2, 321 (1698). das haupt sinkt auf die brust (
dem müden, dem sterbenden);
an die brust eines andern: dann am mieder, ah dann sinket mein trunknes haupt an den offenen busen. Hölty 72
Halm; das haupt sinkt in die hand: dom Karlos auf einem sopha, den kopf in die hand gesunken. Schiller
dom Karlos 5, 1; die augen sinken,
dem einschlafenden, dem sterbenden: die augen thäten ihm sinken; trank nie einen tropfen mehr. Göthe 1, 188; mit gesunknen augen (
niedergeschlagenen) hörte Julienne dieses unter dem vivat des volks
an. J. Paul
Titan 2, 98; die knie sinken
dem erschöpften: und von der unendlichen mühe ermattet sinken die knie. Schiller 11, 287. das herz sinkt jemandem,
s. unter 2.
gedachte bewegung: die spitze einer krummen habichtsnase sank in seine oberlippe. Klinger 5, 117; mein kind sinkt's vom kopf,
es hat einen wasserkopf. Hügel 149
b. 22)
verblassen der sinnlichen vorstellung, übertragener gebrauch; die vorstellung des kleinwerdens, schwindens tritt vielfach an die stelle der eigentlichen bedeutung. überleitend: ihm sinkt das herz,
er wird mutlos; nicht hoffnung war zu siegen noch zu fliehn, da sank dem tapfersten das herz. Schiller
jungfrau von Orleans 1, 9.
derb: ihm sinkt das herz in die hosen.
auf unsinnliches angewendet: lässet er den muth sincken, und verzaget. Comenius
sprachenth. (1657) 885; o herr Jesu .. erhebe mein schweres und sinckendes gemüth zu dir. Meyfart
das himml. Jerusalem (1630) 2, 197; doch lasz den muth nicht sinken, schwester. Grillparzer 9, 105.
andere wendungen, denen die gleiche vorstellung zu grunde liegt, können leicht und in mannigfaltiger weise gebildet werden: dasz er seinen grimmigen zorn sincken lasse, sein schwerd in die scheide stecke, und quartier gebe. Schuppius 792; (
wein,) der unsere geister ebenso schnell wieder sinken läszt, als schnell er sie erhoben. Lessing 12, 372; der einzige von allen, der in dieser drangvollen lage die hoffnung nicht sinken liesz. Schiller 9, 348; swighet, Julocke, soete vrauwe, ende laet sinken desen rauwe, ende laet bliwen uwen toren.
Reinaert I, 1288; es sank der sonne goldnes licht, doch seine (
gottes) güte sinket nicht. Seume
ged. 76 (1826); lieszen derhalb den kützel in die hosen sincken. Fischart
Garg. 62
a.
eindringen in den aufnehmenden sinn (
uns fremdartig): umb den süeʒen schellenklanc, der im in sin ôre sanc. G. von Straszburg
Tristan 398, 38; ach nie kein süeʒe nâher dranc ze herzen noch so tiefe ensanc.
zeitschrift für d. alterthum 4, 545 (
lobgesang 86, 12); den jahrhunderten, in denen sie (
die kirchenlehre) zuerst in die seele unserer ahnen sank. Freytag 17, 254; seine letzten worte sanken mit aller bedeutung in ihr herz. Klinger 4, 140; hier ist der platz, wo jüngst der erste funken der lieb' in meinen busen sank. Hölty 125
Halm. weniger gewählt klingt uns in solchen wendungen sich senken. in schlaf, in ermattung, in ohnmacht sinken: in ohnmacht sinken. Stieler 2008; in einen süszen schlaf sincken. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 812
b;
dann wieder mit anderer vorstellung: schlaf sinkt auf ihn nieder, auf seine augen; von deinen schelten gott Jacob, sinckt in schlaff beide rosz und wagen.
ps. 76, 7; und da er mit mir redet, sanck ich in eine ammacht zur erden auff mein angesicht.
Daniel 8, 18; sanck in einen tieffen schlaff.
apostelgesch. 20, 9; dasz ausz mangel einiger labsal, er nicht inn onmacht sünck, wann man jhm nicht bald zutrünck. Fischart
Garg. 81
neudruck; seht her! er ist in unmacht gesunken. Schiller
räuber 4, 5
schauspiel; ich meyne in ohnmacht zu sinken.
kabale und liebe 3, 2.
in gleicher weise auch in nicht festen verbindungen: eh ich sinke in die nichtigkeit, so klein aufhöre, der so grosz begonnen. Schiller
Wallensteins tod 1, 7; und so ver sich zuetrieg, das ... ain böse inzicht und leinmunt im gericht auf ain sunke.
tir. weisth. 4, 2, 676, 4; sinkt denn der balsamische schlaf auch auf die augen der schelmen? Schiller
räuber 4, 5
schausp.; so sinkt ein freudiges staunen auf mich. J. Paul
uns. loge 3, 6; sank je ein schlaf auf meine augenlider. Schiller
dom Karlos 2, 6.
mit humoristischem klang: unterdesz waren die landwirthe sogleich in ein gespräch über die eigenschaften eines rosses gesunken. Freytag 6, 108;
sich neigen: drumb so bald Adam von seinem schlaff erwachet, so sincket flucks sein hertz zu Eva. Mathesius
hochzeitpr. E 3
b (1579).
die neuere sprache hat den bildlichen und übertragenen gebrauch des wortes in mannigfaltigster weise entwickelt; zum theil haben sich feste wendungen gebildet: in der achtung anderer sinken; (
sittlich:) wie tief bin ich gesunken, der säufer sinkt von stufe zu stufe, unters thier; der sinkende glanz eines reiches; achtung, ansehen, einflusz sinkt; die preise sinken, der kredit, der werth eines grundstückes sinkt, etwas sinkt im preise; ist denn etwa die freiheit in der mode gesunken. Schiller
Fiesko 5, 16; gott! gott! bin ich so tief gesunken.
kab. u. liebe 4, 8; lieszen sie dieses (
das ansehen des kaisers) sinken.
schriften 8, 63; sie sind weder in meiner achtung gesunken noch hab ich einen schlechten begriff von ihnen. Göthe
briefe 5, 50
Weim. ausg.; sammt allen hebemaschinen ihres gesunknen schicksals. J. Paul
Hesp. 4, 101; wie es ihm gelang, bei fast gesunkenem hunger von einer für ihn bereiteten lieblingsschüssel mit wohlgefallen zu essen. Ernestine Voss (Sauer
der Göttinger dichterb. 1, cxxxi); von dem sinkenden hause der Regensberger. Keller 6, 57; er sah auf sie mit blicken herunter, welche mit neuem leben ihr sinkendes leben durchströmten. Klopstock
Messias 9, 410; noch ist ein groszer tag zurück — ein tag — wo dieser heldensinn — ich will sie mahnen — in einer schweren probe sinken wird. Schiller
don Karlos 1, 3. 33)
in eigenthümlicher transitiver anwendung bei den bergleuten, einen schacht senkrecht in die tiefe treiben, vgl. mhd. wörterb. 2, 2, 305
b; sinken,
act. in den bergwerken, gerad hinab in tiefe graben;
ebenso absinken, durchsinken; ersinken, durch gerades hinabgraben eine metall - ader finden. Frisch 2, 278
c; einen schacht sinken. Jacobsson 4, 178
b; sinken,
transitiv und intransitiv (
er meint absoluten gebrauch),
abteufen, mit schächten, schachtartigen bauen niedergehen. Veith
bergwb. 449; allda sind die tieffesten schechte, den hat man uber 500 lachter gesuncken. Mathesius
Sarepta 16
a (1571).