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Selbst

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
Anchors
12 in 10 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Selbst

Bd. 4, Sp. 403b
Selbst, ein Nebenwort, welches zur genauen Bestimmung eines persönlichen oder hinweisenden Fürwortes gebraucht wird und eine Ausschließung aller fremden Mitwirkung, Beihülfe, Vertretung  von der Person oder Sache, auf welche es sich beziehet, bezeichnet. Seinen Stand findet es gewöhnlich hinter dem Haupt= oder Fürworte [] auf welches es gehet, oft aber wird es auch des Nachdruckes wegen vorangestellt; im gemeinen Leben auf eine schleppende Art oft selbsten, im O. D. selbt, selbten, in der Schweiz selbs, im N. D. sulvest, sulvst. Ih selbst will es thun, in eigener Person. Du selbst bist daran Schuld, niemand als nur du. Er selbst war da, kein von ihm Abgeschickter  Wenn du es mit dir selbst gut meinst, so  Man muß sich selbst achten. Wie kann man von Andern verlangen, was man selbst nicht thun würde. »Böse Neigungen verstärken die Krankheiten des Körpers und sind selbst die gefährlichsten Krankheiten.« Gellert. Selbst sollte er kommen. Х Selbst ist der Mann, d. h. was gehörig verrichtet werden soll, was man nach seinem Willen haben will , muß man selbst thun. Selbst ist der Mann; er selbst will alles holen. Hagedorn. Nicht selten schließt selbst nur eine entferntere Theilnahme  aus, wenn man z. B. sagt, selbst backen, brauen, waschen , in seinem Hause, durch seine eigene Leute backen, brauen, waschen  lassen, nicht von andern Leuten außer dem Hause, das Brot nicht vom Becker, das Bier nicht vom Brauer nehmen. Häufig wird es andern Wörtern auch nur zum Nachdrucke beigefügt. Die Sache an und für sich selbst betrachtet, die Sache an sich betrachtet, schon ganz allein, ohne auf irgend etwas Anderes Rücksicht zu nehmen. Außer sich selbst sein, außer sich sein. Wieder zu sich selbst kommen. I sich selbst gehen. Er hat es sich selbst zu verdanken, wo man im O. D. ungut ihm selbst sagt. Um den Nachdruck noch zu verstärken, setzte man dem selbst noch selb vor und sagte selbselbst. Eben dieses selbselbst kann auch dem selbander  engegengesetzt werden; und dann bedeutet es allein. Er kam diesmahl nicht selbander, sondern nur selbselbst. Daß du dir auch selbselbst nicht kannst so ähnlich sein. Opiz. I manchen Fällen bleibt auch das Fürwort, worauf sich selbst gewöhnlich beziehet, weg. Von selbst, von sich selbst. Etwas von selbst thun, aus eigenem Antriebe, von freien Stücken. Er ergreift von selbst jede Gelegenheit, die sich ihm darbietet. Das Unkraut wächst von selbst, ohne daß man es säet und pflegt. Was selbst wächst von selbst. Außer Fürwörter bestimmt selbst auch Umstandwörter näher und mit Nachdruck, als da, hier, wo, daselbst, hieselbst, woselbst. Aber nur im O. D. gebraucht man es besitzliche Fürwörter näher zu bestimmen. Sein selbst Haus, von unserm selbst Vermögen, wo man besser eigen setzt. Zuweilen wird selbst auch als ein Grundwort gebraucht. S. das Selbst. Uneigentlich gebraucht man selbst den Begriff zu steigern, für sogar, wo es bald vor bald hinter das Wort, zu welchem es gehört, gesetzt wird, je nachdem es die Ründung oder der Nachdruck erfodert, und wo es niemahls den Ton hat, welchen es in der ganzen eigentlichen Bedeutung hat. Seine Freunde selbst will er nicht schonen, er will selbst seine Freunde nicht schonen, selbst seine Freunde will er nicht schonen. Auch selbst der Zorn läßt ihr noch schön. Gellert. »Auch nicht die Armuth selbst sollte mich abhalten redlich zu handeln.« Dusch. »Selbst aus seinem Stolze wird einst die ihm und der Welt so nothwendige Tugend der Bescheidenheit erwachsen.« Gellert. Selbst die glücklichste der Ehen Mädchen hat ihr Ungemach. Gotter. Eine andere Art der Steigerung oder vielmehr der Vergrößerung ist es von einer Person, welche eine Eigenschaft, Tugend  in hohem Grade besitzt, zu sagen, daß sie diese Eigenschaft, Tugend selbst sei, daß jene Eigenschaft, Tugend  gleichsam in ihr verpersönlichet sei, in welchem Falle selbst immer hinter dem Hauptworte stehet. »Er ist ja die Leutseligkeit und Menschenliebe selbst.« Gellert. Er ist die Bosheit selbst. Sie ist die Schönheit und Freundlichkeit selbst. Das ist ja die Süßigkeit selbst. Man bildet mit Selbst viele Zusammensetzungen, in welchen es eine genaue Beziehung auf unsere eigene Person, den Umstand, daß wir selbst etwas und an[] uns selbst verrichten, auf uns selbst beziehen , wie auch, daß etwas von sich selbst sei oder geschehe, bezeichnet. Es folgen davon die bekanntesten.
4373 Zeichen · 66 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sêlbst

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Sêlbst , ein Nebenwort, welches zur genauen Bestimmung eines persönlichen oder demonstrativen Für- oder Hauptwortes dien…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    selbst

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    selbst auch Großschr (zB GWB B7,94,5 ) sowie Kleinschr bei Subst (zB GWB N7,288 ) 1 selber (alle anderen bzw alles ander…

  3. modern
    Dialekt
    sëlbst

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    sëlbst [salpt Su. Co. Hf. ] (selten) selbst. Sëlbs(t)gebache ne s Brot hausbackenes Brot Co. — Bayer. 2, 263.

  4. Sprichwörter
    Selbst

    Wander (Sprichwörter)

    Selbst 1. Biss dir selbs erlich. – Franck, I, 158 a . 2. Der ihm selbst wohlgefällt, misfällt andern. – Seybold, 312. 3.…

  5. Spezial
    selbst

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    selbst I pron. 1 instës 2 (ohne fremde Hilfe) da su 3 (persönlich) instës, en porsona, personalmënter 4 (ohne fremde Hil…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit selbst

800 Bildungen · 781 Erstglied · 14 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von selbst 2 Komponenten

sel+bst

selbst setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

selbst‑ als Erstglied (30 von 781)

Selbstmord

SHW

Selbst-mord Band 5, Spalte 985-986

selbstabbildung

DWB

selbst·abbildung

selbstabbildung , f. : wir können daher die gedanken unsrer altväter von den dingen in der welt als ein nothwendiges erzeugnisz, als eine se…

Selbstabgeleibte

DRW

Selbstabgeleibte, m. wie Selbstmörder haben ... der centgraf oder andere beampten ... recht und macht, ... sich ... dohin an das ort, do der…

Selbstableibung

DRW

selbst·ableibung

Selbstableibung, f. wie Selbstmord von verzweiflung oder selbstableibung. do sich iemands aus verzweiflung ... selbsten mit willen u. vorsat…

selbstabsonderung

DWB

selbst·absonderung

selbstabsonderung , f : instinct ist das genie im paradiese vor der periode der selbstabsonderung (selbsterkenntnisz). Novalis 3, 126 Meiszn…

Selbstabtödtung

Campe

selbst·abtoedtung

○ Die Selbstabtödtung , Mz . u. die Abtödtung seiner selbst. »— wißt ihr nicht, daß wahre Andacht und Selbstabtödtung zuerst die immer noch …

selbstabtötung

DWB

selbst·abtoetung

selbstabtötung , f. abtötung seiner selbst, askese. Campe, dafür auch selbstabsterbung, s. selbstverleugnung.

selbstacht

DRW

selbst·acht

selbstacht, selbacht, adv. auch in lockerer Vbdg. selbst als der Achte, zu acht, zusammen mit sieben weiteren Personen vgl. selbdritt daz ie…

selbstachtung

DWB

selbst·achtung

selbstachtung , f. , s. Campe : sein ( Fichtes ) erstes bekanntes betragen gegen die ihn schützende regierung war, dasz er einem ihrer ausdr…

selbständig

Pfeifer_etym

selb·staendig

selb Dem.pron. Als selbständiges Wort heute nur noch nach einer mit dem Artikel verschmolzenen Präposition (vgl. zur selben Zeit, im selben …

Selbständiger

DERW

Selbständiger, M., ›wer im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann (persönliche Freiheit z.B. bei T…

Selbständigkeit

GWB

selbstaendig·keit

Selbständigkeit weit überwiegend ‘Selbstständigkeit’ 1 Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, auch Ungebundenheit; zu ‘selbständig’ 1 a mBez auf …

selbstäugicht

DWB

selbst·aeugicht

selbstäugicht , adj. : Parysatis erblaszte und verstummete über dieser nachricht. denn sie glaubte nunmehr: dasz Ada ein selbstäugichter zeu…

Selbstahnen

Campe

selbst·ahnen

○ Das Selbstahnen , — s , o. Mz . das eigene Ahnen; in Gegensatz von dem was Andere ahnen, oder was man Andere ahnen läßt. »— wir sprachen n…

selbstangebinde

DWB

selbst·angebinde

selbstangebinde , n. : das borgen der hosen liesz dem seligen Helf geld zu einem selbst-angebinde, zum ankaufe eines schönen werks. J. Paul …

selbst als Zweitglied (14 von 14)

ALLDASELBST

DWB2

allda·selbst

DWB2 ALLDASELBST adv. DWB2 verstärktes daselbst: DWB2 u1370 reden und sagen allen den, di aldo selbest gegenwertig waren Johann v. Neumarkt …

daselbst

DWB

dasel·bst

daselbst , adv. diese zusammenstellung ist blosz im hochd. im gebrauch, die andern sprachen begnügen sich mit dem einfachen da, das hier nur…

Dortselbst

Campe

dort·selbst

≠ Dortselbst , adv. eine müßige Verlängerung für dort. So auch dortselbsten.

hierselbst

DWB

hier·selbst

hierselbst , adv. verstärkung von hier, wie daselbst, dortselbst als verstärkung von da und dort auftreten ( s. th. 2, 807. 1309), und zwar …

hieselbst

DWB

hiesel·bst

hieselbst , adv. für hierselbst. alhie selbest passional 225, 24 Hahn.

hochselbst

DWB

hoch·selbst

hochselbst , in bezug auf hohe personen statt des einfachen selbst: der graf hochselbst. vgl. höchstselbst.

höchstselbst

GWB

hoechst·selbst

höchstselbst einmal Großschr (rückverweisendes) DemonstrPron, in höfl-förml Nennung, nur bezogen auf CarlAug Beylagen zu dem Berichte .. an …

seinselbst

DWB

sein·selbst

seinselbst , zusammenrückung von sein selbst, s. sein, genitiv 5 und sein, possessiv 10. in verbindung mit eigen: es ist der tolle krieg; de…

selbselbst

DWB

selb·selbst

selbselbst , pron. , verstärkende verdoppelung von selbst, vgl. Grimm gramm. 2, 405. 654. 665. 3, 5 , anm. 6. 648, der dazu die vereinzelten…

unselbst

DWB

unsel·bst

unselbst , m. , ' mensch ohne character und eigenart ' Köster zu Schönaich 396, 8 : ein unselbst, reich an ja, der seine stimme liest, und d…

urselbst

DWB

ursel·bst

urselbst , n., m. , von Bürger gebildet; vgl. zeitschr. f. d. wortf. 14, 7 und unselbst; ur- C 4 c. 1 1) das ureigne, eigentliche, wirkliche…

vonselbst

DWB

von·selbst

vonselbst , adv. ( s. unter 11): diese ... hatten sich, ob man sie gleich nicht eingeladen, vonselbst eingefunden A. U. v. Braunschweig Octa…

woselbst

DWB

woselbst , präpositionalverschmelzung mit der bedeutung eines verstärkten ortsadverbs ( s. DWB wo und DWB daselbst teil 2, sp. 808; vgl. frz…

Ableitungen von selbst (5 von 5)

entselbsten

DWB

entselbsten , das nemliche: wiewol ungewis, welches mehr uns also entselbstet, der schönheitshimmel oder unsere blödsinnigkeit. Birken OL. 9…

unselbst

DWB

unselbst , m. , ' mensch ohne character und eigenart ' Köster zu Schönaich 396, 8 : ein unselbst, reich an ja, der seine stimme liest, und d…

urselbst

DWB

urselbst , n., m. , von Bürger gebildet; vgl. zeitschr. f. d. wortf. 14, 7 und unselbst; ur- C 4 c. 1 1) das ureigne, eigentliche, wirkliche…

verselbsten

DWB

verselbsten , verb. zu selbst gebildet; das individuelle wesen jemandes aufheben, einem andern unterwerfen, mit diesem zu neuer einheit verb…