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Schmieren

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
13 in 12 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schmieren

Bd. 3, Sp. 1574
Schmieren, verb. reg. act. 1. Eigentlich, einen halb festen und halb flüssigen, oder dicklich flüssigen Körper auf einen festern ausdehnen. Jesus schmierete den Koth auf des Blinden Auge, Joh. 9, 6. f. Einem Kinde den Brey in den Mund schmieren. Figürlich sagt man in den niedrigen Sprecharten, einem etwas in das Maul schmieren, es ihm wegen seiner Unfähigkeit sehr deutlich und begreiflich machen. Besonders von einem dicklichen fetten Körper, welcher die Consistenz einer Salbe oder Schmiere hat. Butter auf das Brot schmieren. Sehr häufig wird es mit der vierten Endung desjenigen Körpers gebraucht, auf[] welchem der weiche ausgedehnet wird, mit Verschweigung des letztern, da es denn nicht allein von Salben, Schmieren und andern dicklichen flüssigen Dingen, sondern auch von noch flüssigern, z. B. Öhlen, gebraucht wird. Ihr Fürsten schmieret den Schild, Es. 21, 5. Den Wagen, die Achse schmieren. Wer gut schmiert, der gut fährt. Die Schuhe, die Stiefeln, das Leder schmieren. Ein Schloß schmieren. Ein Gefäß schmieren, den Ofen schmieren, die Ritzen mit Lehm oder einem andern weichen Körper ausstreichen. Jemanden das Maul schmieren, in den niedrigen Sprecharten, ihm angenehme Hoffnungen machen, ohne sie zu erfüllen. Die Gurgel schmieren, auch nur in der niedrigen Sprechart, wacker trinken. Die räudigen Schafe schmieren. Da dieses Wort den schmutzigen Nebenbegriff der Unreinlichen, Fettigen, und der sudelhaften Behandlung bey sich hat, so wird es von Dingen, welche auch im gesitteten Leben vorkommen, in der anständigen Sprechart gern vermieden, und dafür das Zeitwort streichen gebraucht. Butter auf Brot streichen, den Koth auf das Auge streichen u. s. f. Nur in den Fällen, wo es die vierte Endung des Körpers, welcher bestrichen wird, bey sich hat, muß man es behalten; aber diese Fälle gehören auch größten Theils in das gemeine Leben. Von Salben, d. i. reinlichen, wohlriechenden Arten der Schmiere, gebraucht man das Zeitwort salben. Dieß gilt auch von den folgenden figürlichen Bedeutungen, welche insgesammt in die gemeine und niedrige Sprechart gehören. 2. Figürlich. 1) Mit einem dicklichen flüssigen Körper unreinlich, sudelhaft umgehen; am häufigsten in dem zusammen gesetzten sich beschmieren, für besudeln. 2) Schlecht und sudelhaft schreiben und mahlen, eine Fortsetzung der vorigen Figur; im Hochd. auch schmadern, in Baiern glänen, im Nieders. kleyen, gnideln. Das ist nicht gemahlt, sondern geschmiert. Etwas in ein Buch schmieren. Allerley zusammen schmieren; wo es nicht bloß von schlechten, in der Eil gemachten Zügen, sondern von gemeinen, alltäglichen, auf eine nachlässige und flüchtige Art vorgetragenen Sachen gebraucht wird. 3) Den Wein schmieren, ihm mit schädlichen Dingen eine höhere Farbe, oder einen angenehmern Geschmack geben. Ein geschmierter Wein. 4) Jemanden die Hände schmieren, einen Richter, einen Advocaten schmieren, sie bestechen, Franz. grasser la patte; eine ohne Zweifel von dem Schmieren eines Wagens entlehnte Figur, zumahl da man den Satz, wer gut schmiert, der gut fährt, auch auf diesen Fall anzuwenden pflegt. Sich schmieren lassen, bestechen. 5) Jemanden den Buckel schmieren, ihn prügeln; wofür man auch nur schlechthin sagt, ihn schmieren oder abschmieren. 6) Im Nieders. ist schmieren auch schmeicheln, nach dem Munde reden. Gut schmieren können. Daher eine solche Person daselbst auch eine Schmiertasche heißt. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es in einer dem Anscheine nach verwandten Bedeutung vor. Manig roeselehter munt In sin herze smieret und lachet, Graf Conrad von Kilchberg. Bluomen wis Dur gruenlu ris Brehent (glänzen) und smierent, Werner von Tuifen. So auch das Schmieren. Anm. Bey dem Notker, der es aber sehr uneigentlich für mästen gebraucht, smiran, in Schwaben schmirben, im Nieders. smeren, im Angels. smeran, smyran, im Engl. to smear, im Schwed, smörja, im Isländ. smyria, im Irländ. smearam, im Pohln. smarować. Der Begriff des glatten, dicklich weichen ist der herrschende. S. auch Schmer.
3989 Zeichen · 68 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmieren

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schmieren , verb. reg. act. 1. Eigentlich, einen halb festen und halb flüssigen, oder dicklich flüssigen Körper auf eine…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schmieren

    Goethe-Wörterbuch

    schmieren 1 etw (dünnschichtig) (be-)streichen a eine klebrige Masse (auf eine Fläche) aufstreichen [ mBez auf eine von …

  3. modern
    Dialekt
    schmieren

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schmiere n [mîrə S. Baldersh. Su. Osenb. Mütt. Str. Betschd. ; ‘mérə O. U. Büst Wh. ; mìèrə Hf. Schwindratzh. Zinsw. …

  4. Sprichwörter
    Schmieren

    Wander (Sprichwörter)

    Schmieren 1. Dat will'k di s-mêren 1 , seggt de Potlapper, mîn Mûl mit Speck un Fett, un dîn Hals mit Ohrfîgen. – Kern, …

  5. Spezial
    schmieren

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schmie|ren I vb.tr. 1 (bestreichen) straiché sö 2 (einfetten) unje (unj, unt) 3 (ölen) unje (unj, unt) 4 (unsauber schre…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmieren

19 Bildungen · 3 Erstglied · 12 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schmieren 2 Komponenten

sch+mieren

schmieren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schmieren‑ als Erstglied (3 von 3)

schmieren als Zweitglied (12 von 12)

abschmieren

DWB

abschmieren , delinere, abstreichen, nnl. afsmeren: die butter vom brote wieder abschmieren. figürlich, einen bogen geschriebenes schnell ab…

anschmieren

DWB

anschmieren , illinere, imputare, nnl. aansmeren: die farbe anschmieren, mit farbe anschmieren; den wein anschmieren, fälschen; eine grosze …

aufschmieren

DWB

auf·schmieren

aufschmieren , inungere: butter aufschmieren, aufstreichen; pflaster aufschmieren; das fleisch dachten viele sei nur wie neue schwedische st…

ausschmieren

DWB

aus·schmieren

ausschmieren , oblinere: eine pfanne mit fett ausschmieren, den ofen ausschmieren. dann auch verächtlich, exscribere, compilare: es ist alle…

beschmieren

DWB

beschmieren , ungere, linere, foedare, wie beschmeiszen ( vgl. schmieren und schmeiszen), andere schrieben beschmirben, Maaler 61 b beschmir…

einschmieren

DWB

ein·schmieren

einschmieren , illinere, inungere, nnl. insmeren, schw. insmörja, dän. indsmöre. 1 1) mit öl und fett einreiben, schmeidigen: ein schlosz ab…

erschmieren

DWB

ersch·mieren

erschmieren , inungere, ferire: ir die lenden wol erschmieren. Scheid grobian P 4 ; oder will dir die lend erschmiern. Ayrer 74 d .

überschmieren

DWB

ueber·schmieren

überschmieren , v. ältere formen: überschmirwen ( Frisius 731 b ), -schmirben ( z. b. Seutter hippiatria 295 ). 1) untrennb. verbindung. a) …

umschmieren

DWB

umschmieren , vb. , untrennbar, ringsum mit etwas beschmieren; circumlinire umsmyren Diefenbach 122 b ; circumlinire umbstreychen, umbsalben…

verschmieren

DWB

versch·mieren

verschmieren , verb. durch schmieren beseitigen, mhd. versmirwen zu smirwe, smër, daher die ältere nhd. form verschmirben. 1 1) schmierend a…

wagenschmieren

DWB

wagen·schmieren

wagenschmieren , subst. inf. : almosen geben armet nit, kirchen gehen säumet nit, wagen schmiren hindert nit, unrecht gut faselt nit. Lehman…

zuschmieren

DWB

zuschmieren , v. , wie verschmieren: ein loch mit leimen, kleister, wachs Kramer 2, 611 c ; warum der sprudel immer ausgebrochen, weil sie i…

Ableitungen von schmieren (4 von 4)

beschmieren

DWB

beschmieren , ungere, linere, foedare, wie beschmeiszen ( vgl. schmieren und schmeiszen), andere schrieben beschmirben, Maaler 61 b beschmir…

erschmieren

DWB

erschmieren , inungere, ferire: ir die lenden wol erschmieren. Scheid grobian P 4 ; oder will dir die lend erschmiern. Ayrer 74 d .

verschmieren

DWB

verschmieren , verb. durch schmieren beseitigen, mhd. versmirwen zu smirwe, smër, daher die ältere nhd. form verschmirben. 1 1) schmierend a…

zerschmieren

DWB

zerschmieren , verb. , zerbleuen: zerschmierten und zerpleueten sich alle unter einander Bastel v. d. Sohle Harnisch 174 ; die haut: Ayrer d…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schmieren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schmieren/adelung?formid=S02292
MLA
Cotta, Marcel. „schmieren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schmieren/adelung?formid=S02292. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schmieren". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schmieren/adelung?formid=S02292.
BibTeX
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