lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Schlachten

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
16 in 12 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
28
Verweise raus
39

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Schlachten

Bd. 17, Sp. 816
Schlachten (Metzgen), das gewerbsmäßige Töten der Schlachttiere, soll so ausgeführt werden, daß der Tod sicher, schnell und schmerzlos erfolgt, und daß das Fleisch gesundes Aussehen und möglichst große Haltbarkeit besitzt. Letztere ist wesentlich abhängig vom Blutgehalt des Fleisches, und die Tiere sind daher so zu schlachten, daß das Blut unter starkem Druck schnell und vollkommen aus den geöffneten Adern ausfließt. Werden gewisse Nervenzentren, die besonders im verlängerten Mark ihren Sitz haben, zerstört, so erschlaffen die Gefäßwandungen, und das Blut fließt nur noch schwach und unvollständig ab. So stürzt das Tier beim Genickstich zwischen Hinterhauptsbein und Atlas, weil er die Leitung zwischen verlängertem Mark und Rückenmark unterbricht, sofort zusammen und verblutet nach der Öffnung der großen Blutgefäße am Hals ohne die heftigen Krämpfe, welche die Verblutung sonst begleiten. Aber diese Krämpfe begünstigen das Ausbluten, und das Fleisch der durch Genickstich getöteten Tiere ist wenig haltbar. Beim Genickschlag wird statt des Stiches ein heftiger Schlag auf die bezeichnete Stelle geführt. Die Hackenbouterolle ist eine Hacke, die in einen runden, scharf geschliffenen Hohlmeißel ausläuft. Ein damit geführter kräftiger Schlag durchbohrt die Schädeldecke des Tieres, das sofort bewußtlos zusammenstürzt. Eine durch die Öffnung eingeführte Sonde zerquetscht das verlängerte Mark, und nun werden die Halsgefäße geöffnet. Die Blutung ist sehr unvollständig. Bei der Maskenbouterolle wird ein Leder, das auch die Augen verdeckt, derartig am Kopfe des Tieres befestigt, daß eine in das Leder eingenähte Metallplatte mit runder Öffnung mitten auf der Stirn ruht. Durch diese Öffnung wird ein Hohlmeißel in das Gehirn getrieben. In der ähnlichen Schußmaske steckt ein Pistolenlauf, und eine Kugel wird in das Gehirn geschossen. Diese Methode schafft wie die vorige sofortige Bewußtlosigkeit, sie erfordert keine besondere Geschicklichkeit und keine Zerstörung des verlängerten Marks durch eine Sonde, sie hat aber auch erhebliche Mängel, namentlich bei Kleinvieh, und beunruhigt die übrigen Tiere. Am häufigsten benutzt man wohl den Stirnschlag, wobei der Kopf des Tieres so befestigt wird, daß der Schlag mit genügender Kraft und Sicherheit geführt werden kann, um das Tier sofort besinnungslos niederzustrecken. Hierbei wird das verlängerte Mark nicht alteriert, und der Tod erfolgt bei der Verblutung unter heftigen Krämpfen. Bei der rituellen Methode der Juden und Mohammedaner, dem Schächten, wird am nicht bewußtlos gemachten Tier mit einem langen Messer ein Schnitt durch Luftröhre, Schlund u. Gefäße geführt; der Tod erfolgt langsam und unter heftigen Krämpfen. Bei der englischen Patentmethode, die vollständige Zurückhaltung des Blutes anstrebt, wird das betäubte Tier durch Einblasen von Luft in den Brustkorb erstickt. Zur Vermeidung unnötiger Tierquälerei sind mehrfach Verordnungen erlassen worden. Die Berliner Polizeiverordnung schreibt z. B. vor, daß behufs Ausführung des Stirn- oder Genickschlags der Kopf des Rindes durch Niederbinden an den zu diesem Zweck in dem Fußboden des Schlachthauses befindlichen Ring so zu befestigen ist, daß eine Bewegung des Kopfes möglichst verhindert wird. Der Tötung der Schweine durch Abstechen muß die Betäubung durch Stirnschlag vorausgehen; Kälber und Schafe sollen nicht aufgehängt oder an den Hinterfüßen in die Höhe gebunden werden, die Tötung soll vielmehr auf dem Schragen erfolgen, und dabei sollen die Tiere nicht eher auf dem Schragen befestigt werden, als bis die mit der Tötung beauftragte Person anwesend ist. Das Schächten (s. d.) macht auf den Laien einen abschreckenden Eindruck, doch ist geltend gemacht worden, daß nach der Durchschneidung der Blutgefäße am Hals die Blutzirkulation im Gehirn sofort aufhört, so daß fast momentan Bewußtlosigkeit eintritt. Gegen Tierquälerei beim Niederlegen der zu schächtenden Tiere sind 1889 vom preußischen und bayrischen Ministerium Verfügungen erlassen worden. In Sachsen (auf Grund eines Gutachtens der Kommission für das Veterinärwesen) und in der Schweiz ist das Schächten verboten. Die getöteten Tiere werden ausgeschlachtet, Rinder und Schafe werden abgehäutet, Schweine gesengt oder gebrüht. Dann werden die Tiere ausgeweidet (Lunge, Leber, Herz bilden das Geschlinge, die Baucheingeweide mit dem Fett das Gekröse mit Netz, Liesen, Nierentalg) und in ortsüblicher Weise zerlegt. Über das Schlachthaus und die Beschränkung des Schlachtens auf öffentliche Schlachthäuser (Schlachthauszwang, Schlachtzwang) s. Schlachthaus. Die Abbildungen auf S. 816 geben die in Berlin übliche Benennung der einzelnen Teile der Schlachttiere an. 250@@break
4681 Zeichen · 35 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlachten

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Schlachten , verb. reg. welches das Intensivum von schlagen ist, und in doppelter Gestalt und Bedeutung gebraucht wird. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlachten

    Goethe-Wörterbuch

    schlachten gelegentl subst Inf; 1. PersSg metrisch bedingt apostrophiert 1 ein Lebewesen töten a einen Menschen (brutal)…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schlachten

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schlachten ( Metzgen ), das gewerbsmäßige Töten der Schlachttiere, soll so ausgeführt werden, daß der Tod sicher, schnel…

  4. modern
    Dialekt
    Schlachtenf. m.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schlacht f. , Schlachten m. : 1. 'Streifen frisch gemähten Grases oder Klees', Schlacht (šlaxd) [verbr. SWPf], Schlagt (…

  5. Sprichwörter
    Schlachten

    Wander (Sprichwörter)

    Schlachten 7 Wer fett schlachtet, kann fett Fleisch versenden.

  6. Spezial
    Schlachten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Schlach|ten n. (-s) maza f. , copé m. , tó ia m.

Verweisungsnetz

62 Knoten, 56 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 9 Kompositum 46 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlachten

68 Bildungen · 59 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schlachten 2 Komponenten

schlach+ten

schlachten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlachten‑ als Erstglied (30 von 59)

schlachtenbegierig

DWB

schlachten·begierig

schlachtenbegierig , adj. : Phorkys, und neben ihm Askanios, göttlicher bildung, führten die Phryger, fern von Askania, schlachtenbegierig. …

schlachtenbelobt

DWB

schlachtenbelobt , adj. : von sich selber erschien Menelaos, der schlachtenbelobte. Bürger 199 b ( falsch für βοὴν ἀγαθός ).

schlachtenbesinger

DWB

schlachtenbesinger , m. so übersetzt Voss belli scriptor in Horaz. episteln 1, 2, 1.

schlachtenbummler

DWB

schlachten·bummler

schlachtenbummler , m. in den neueren kriegen aufgekommen, besonders seit 1870 für diejenigen gebraucht, die unter dem vorwande der krankenp…

Schlachtenbummler(in)

LDWB2

Schlach|ten|bumm|ler(-in) m./f. ‹sport› tifus (tifosa) m.(f.) , fan (fans) m. , sostignidú(-dëssa) m.(f.)

schlachtendenker

DWB

schlachten·denker

schlachtendenker , m. neugebildete bezeichnung ( vgl. die stelle aus Gleim unter schlacht I, 2 , sp. 235), die mit Moltke verbunden zu seine…

schlachtendonner

DWB

schlachten·donner

schlachtendonner , m. der durch das geschütz- und gewehrfeuer einer groszen schlacht hervorgerufene rollende und krachende lärm: ferner schl…

schlachtendrang

DWB

schlachten·drang

schlachtendrang , m. : auch sah er wohl vorhin im schlachtendrange, mit wie unmäsz'ger kraft der paladin dort sieben kön'ge theils in flucht…

Schlachteneinheit

Meyers

schlachten·einheit

Schlachteneinheit , Heereskörper, stark genug, um in der Schlacht selbständig aufzutreten. Während früher die niederste aus allen drei Waffe…

schlachtengang

DWB

schlachten·gang

schlachtengang , m. verlauf, wechsel der kämpfe; kämpfendes vordringen eines heeres oder helden. Sonnenberg bei Campe. bildlich: der lebensg…

schlachtengemenge

DWB

schlachten·gemenge

schlachtengemenge , n. : bald in dem schlachtengemeng' umschweben sie dich, und die deinen hülfreich. Pyrker Tunisias 1, 344 .

Schlachtengesang

GWB

schlachten·gesang

Schlachtengesang bildh Komm her getreu Volck sammle dich um mich herum|..Ist die Noth noch so groß fahret hin! hebet auf!|Ist S., von dem Tö…

schlachtengewitter

DWB

schlachten·gewitter

schlachtengewitter , n. , vergl. schlachtendonner , -donnerwetter; im folgenden beispiele mit beziehung auf die reinigende kraft des gewitte…

schlachten als Zweitglied (7 von 7)

abschlachten

DWB

abschlachten , mactare, dahinschlachten, ursprünglich wol von dem halse, von der kehle schlagen, jugulare, jetzt fast eins mit schlachten, d…

ausschlachten

DWB

aus·schlachten

ausschlachten , mactare: salzten dasselbe, wie auch das ausgeschlachtete ziegenfleisch ein. Felsenb. 1, 241. ausschlachten, güter vertheilen…

einschlachten

DWB

ein·schlachten

einschlachten , mactare ad domesticum usum: einen ochsen, gänse einschlachten; ich habe viel eingeschlachtet zum heutigen tage. Arnim schaub…

hausschlachten

DWB

haus·schlachten

hausschlachten , n. : ( ein guter hausvater ) läst .. so viel ins haus schlachten, als er fleisch von zeit zu zeit benöthiget, welches man d…

nachschlachten

DWB

nach·schlachten

nachschlachten , verb. intransitiv, nd. form ( Kramer 2, 151 a ) für hd. nachschlagen, nacharten: dem vater nachschlachten, patris mores imi…

notschlachten

RDWB1

not·schlachten

notschlachten (Lakune) зарезать или заколоть (домашнее животное) вынужденным образом, быть / оказаться вынужденным зарезать или заколоть дом…

Ableitungen von schlachten (2 von 2)

geschlachten

DWB

geschlachten , verb. 1 1) verstärktes schlachten, jemanden nacharten, gleichen, ähnlich sein: aach. hee geschlaht sy vadder. Müller-Weitz 67…

verschlachten

DWB

verschlachten , verb. durch schlachten beseitigen: jeder meister oder fleischer hält seine 20 stück ( schafe ) vor sich und wenn solche vers…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schlachten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schlachten/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „schlachten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schlachten/meyers. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schlachten". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schlachten/meyers.
BibTeX
@misc{lautwandel_schlachten_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„schlachten"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/schlachten/meyers},
  urldate      = {2026-05-13},
}