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raffen

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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20 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

raffen verb.

Bd. 14, Sp. 57
raffen, verb. , in mehreren bedeutungen; mhd. raffen und reffen. 11) transitiv, im schärfsten sinne, heftig und begehrlich ergreifen, an sich reiszen, wegnehmen: raffen, corripere Schottel 1381; raffen, rapere, corripere, harpagare, auferre, asportare et nonnunquam furari, expilare, furtim abstrahere. Stieler 1496; niederd. rapere rapen Dief. 484b; nov. gloss. 313a. es heiszt 1@aa) etwas, einen raffen: der reiche, wenn er sich legt, wird ers (das geld) nicht mit raffen. Hiob 27, 19; dasz schwarz vom schlamme gähnt der grund, und trümmer raft des strudels schlund. Voss 5, 51; gern von zeit, tod und krankheit: gleich wie der tod rafft, seuft und verschlingt alle land und leute. Luther 3, 244b; die sich heiligen und reinigen in den garten, einer hie, der ander da, und essen schweine fleisch, grewel und meuse, sollen geraffet werden mit einander, spricht der herr. Jes. 66, 17; zeit und tod raffet alles. Stieler 1496; raffet auch der tod die greisen haare. S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 41; dén rafft die pest, dén glut. 114; der mutter hab ich viel, dir aber mehr zu danken, sie führte mich zur welt, du führst mich aus den schranken, worin der tod bereits viel neben mir gerafft (aus der krankheit). Günther 751 (an einen arzt); will mich selbst die dumpfe gruft, nun wohlan! sie mag mich raffen. Uhland ged. 34. 1@bb) etwas von einem raffen: jhr reichthum, den sie bisher zusamen gebracht haben, ... wird von jnen gerafft werden. Luther 4, 312a; kommet schritt bei schritt heran der verseelte todesmann, raffet von uns was wir haben. Chr. Wilkaw in den ged. des Königsberger dichterkreises 202; einen von oder aus etwas raffen: eh als wir es recht mögen innen werden, es kömpt der tod, und rafft uns von der erden. Opitz 3, 188; was wohnen hie für plagen nicht, die uns doch auch aus diesem liecht nach vielem leid erst raffen? S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 229; anders aus etwas raffen, raffend von etwas hernehmen: was nützt belesenheit und die gedächtnisbürde, die schreib- und ruhmbegier aus tausend büchern rafft? Hagedorn 1, 28; vergl. dazu wegraffen, dahinraffen, hinwegraffen, hinraffen, auch dieses mit sächlichem object neben dem persönlichen: hinweg religion! wer fragte nach den pfaffen? wer scheute sich (im 30jähr. kriege) das guht der kirchen hin zu raffen? Rist Parn. 836; empor raffen: nun rafft noch einmal mich der sturm empor. Platen 311. 1@cc) einen zu sich raffen: der tod, der nicht zu settigen ist, sondern rafft zu sich alle heiden, und samlet zu sich alle völker. Habacuc 2, 5; etwas zu sich raffen: suochend ehre und raffend das guot zuo euch. Frölich Stobäus 448; hat er nit ... aller welt güter zu sich geraffet. Kirchhof wendunm. 356a; nach sich raffen: die welt raffet zwar viel nach sich und scharret und kratzet immerdar, doch musz es den kindern gottes an nothdurft nicht fehlen. Scriver seelensch. (1684) 639; an sich raffen: behaglicher mags sein, durchs weite heer der Griechen jedes preis an dich zu raffen, der dir widerspricht. Bürger 144b; etwas in etwas raffen: in sein stygisches boot raffet der tod auch der jugend blühendes leben! Schiller braut von Messina v. 2296; vgl. ferner abraffen, aufraffen, entraffen, erraffen, fortraffen. 22) in milderem sinne, mit überlegener macht weg- oder an sich ziehen: der wein musz erst gekältert werden, eh als sein süszer saft das trawren von uns rafft. S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 38; auf! ihr meine güldne seiten, raffet meinen geist von hier. 88; auf deinen lippen schwebt die überredungskraft, die süszen zaubers voll, die herzen an sich rafft. Gotter 2, 331; das mühlrad, von der flut geraft, umwälzt sich für und für. Schiller hist.-krit. ausg. 11, 250; und fast nicht mehr wie wegnehmen, nehmen: wie ein bien aus einerlei blum nicht allein ihren honig holet, sondern aus vielen unterschiedenen, also besteht die rom. kirch auch nicht auf einer hand schrift, bibel, concilien oder decretenbuch: dann sie raffet aus eim jeglichen dasjenige, was ihr am besten zu pass kommt und dienet. Fischart bienk., vorrede; so werdet jr viel gutes schaffn, ein segen nach dem andern raffn. B. Ringwald tr. Eck. H 5b. vergl. raffholz. 33) transitives zusammen raffen, in solcher schärferen oder milderen bedeutung; nach 1: auf das du rauben und plündern mügest, und deine hand lassen gehen uber die verstöreten, so wider bewonet sind, und uber das volk, so aus der heiden zusamen gerafft ist. Hes. 38, 12; ich raffte indessen doch in der eile so viel ernsthaftigkeit zusammen als nöthig war, das lachen noch zu rechter zeit in ein holdes lächeln zu verschmelzen. Wieland 35, 119; nach 2, von bindung der verse: thut zierlich sammen raffen die verslein in bezwang. Spee trutzn. 3, 69 Balke; vom zusammenfassen eines urtheils: o welch ein affe! damit ichs kurz zusammen raffe: ein ganz originaler affe. Lessing 1, 12; das gegentheil los raffen, los machen, lösen: ihre heimat suchen meine geister, losgerafft vom kettenband der glieder küssen sich die langgetrennten brüder wiederkennend wieder. Schiller entzückung an Laura. 44) raffen, als neueres schneiderwort, ein kleid raffen, an solchem die falten auf- und an einem punkte zusammennehmen; ein gerafftes kleid. am Rheine aber braucht man raffen vom auflesen der abgeschnittenen weinreben, sowie der ausgehauenen oder ausgepflügten kartoffeln. Kehrein nachtrag s. 42. 55) raffen, intransitiv; nach etwas raffen: die allgemeine leidenschaft ist nicht der ruhm! in meinem vaterlande zum mindsten nicht. denn ach! der Deutsche rafft nach golde nur. was kümmert ihn die schande? Gökingk 3, 122; der infinitiv substantivisch: seis ergreifen, sei es raffen, wenn es sich nur faszt und hält! Göthe 3, 84. 66) raffen reflexiv, sich gewaltsam emporreiszen, vgl. sich aufraffen: doch endlich fällt ein strahl von glauben in sein herz: er rafft sich aus des trübsinns schwarzer hülle, spricht muth sich ein. Wieland 23, 33 (Oberon 7, 47); bleibe, schönes mädchen! ruft der knabe, rafft von seinem lager sich geschwind. Göthe 1, 244; sich zusammen, sich empor raffen: wer groszes will, musz sich zusammen raffen, in der beschränkung zeigt sich erst der meister. 11, 316; ich wuszte nicht, wie mir geschehn! wie hart ein jäher sturz mich lähmend hingestreckt. da rafft ich mich empor. 9, 335; wenn liegende, was längst sie hätten sollen, empor sich endlich raffen, nennts empörung! Rückert 130. sich raffen, sagen auch frauen, wenn sie vermittelst eines schurzbandes die kleider etwas kürzer aufnehmen, um unbeschmutzt bei nassem wetter gehen zu können. vergl. dazu raffeln 5, b. 77) raffen, abraffen, ausschelten. Schm. 2, 64 Fromm. vergl. raffeln 2. 88) raffen, abradere. Frisch 2, 82c. vergl.raffeln 3. 99) für den allgemeinsten begriff von raffen, das auch in niederd. lautstufe, als rappen mit entsprechenden weiterbildungen (s. d.) auftritt, ist zu vergleichen niederl. rap rapidus, agilis, citus, celer. Kilian, raepen, colligere, levare, auferre, raepen sijn sinnekens, colligere se, reficere se, lapsum spiritum recipere, animi dissipatas partes rursum in suum locum congerere. ebenda; engl. rap, derber schlag, aufklopfen, to rap, stark und schnell schlagen, klopfen, schmeiszen, dann auch wegführen;n. rap, hurtig, fix, rap der klapps, schwed. rapp als adj. und subst. in derselben bedeutung, zusammenhängend mit altnord. hrapa, stürzen, niederfallen, hrap, der zusammenbruch, hrapaligr, eilig, schnell; unser raffen setzt danach ein (unbezeugtes) ahd. hraffôn voraus, welches keine beziehung zu lat. rapere, rapidus hat. die allgemeine vorstellung eines schnellen und hastigen thuns verbindet sich auch sowol mit der des polterns als des schabens und nagens, wie aus raffel, raffeln und raffen 8 erhellt; mhd. raffen und reffen ist zupfen und raffen, refsen auch poltern und schelten. vergleiche über die germanischen sprachen hinaus fehlen.
7927 Zeichen · 122 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    raffenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    raffen , reffen swv. BMZ BMZ BMZ zupfen, rüpfen, raufen. raffen Ms. Teichn. reffen Wigam. ; raffen, eilig an sich reisse…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Raffen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Raffen , verb. reg. act. eilfertig und folglich ohne Ordnung mit den Fingern zu sich reißen. Alles auf einen Haufen zusa…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    raffen

    Goethe-Wörterbuch

    raffen einmal subst 1 trans; (etw) hastig aufheben, etw gewaltsam an/mit sich reißen; einmal in bildl-vergleichendem Zsh…

  4. modern
    Dialekt
    raffentr. v.

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    raffe n [rafə fast allg.; ráfən D. ; réfən u. ráfən Si. ; rèfən Falk. ; refən Bo. — Ptc. gəraft, gəráft, geròf, gəràf(t)…

  5. Sprichwörter
    Raffen

    Wander (Sprichwörter)

    Raffen 1. Der eine rafft die Steine, der andere wirft sie. Einer entwirft die Plane, ein anderer führt sie aus. 2. Raffe…

  6. Spezial
    raffen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    raf|fen vb.intr. 1 (gierig nehmen) arafé (arafa) 2 (gierig sammeln) raspé (raspa), rabelné (rabelnëia), rablé (rablëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit raffen

32 Bildungen · 8 Erstglied · 19 Zweitglied · 5 Ableitungen

raffen‑ als Erstglied (8 von 8)

Raffensack

SHW

Raffen-sack Band 4, Spalte 1185-1186

Raffenel

Meyers

raff·enel

Raffenel , Anne , franz. Afrikareisender, geb. 1809 in Versailles, gest. 12. Juni 1858 auf Madagaskar, unternahm als französischer Marinebea…

raffengut

DWB

raffen·gut

raffengut , n. im sprichworte: pfaffengut raffengut. Luther tischr. 59 b ; daher spricht man auch: pfaffen gut, raffen gut; denn es ist mit …

Raffenierhammer

RhWB

Raffenier-hammer Berg m.: H., mit dem der Stahl raffiniert wird.

raffeniert

LothWB

raffeniert [ràfənírt Fa. u. s.] adj. durchtrieben, verschmitzt, abgefeimt. — els. 2, 238 ; frz. raffiné.

raffenrêf

Lexer

raffen·ref

raffen-rêf stn. BMZ bastseil Schm. Fr. 2, 66. — nd. rêp, funis Dfg. 252 c . vgl. rêbseil, vgl. rêbsnuor.

Raffensack

PfWB

raffen·sack

Raffen-sack m. : in der Wend.: Paffesack - Raffesack [ Schandein Sprachsch. 85]. Zu raffen 1 a. Südhess. IV 1186 ; Rhein. VII 32 .

raffen als Zweitglied (19 von 19)

abe raffen

MWB

abe raffen swV. → abe ereffen MWB 1 49,30;

abeeraffen

KöblerMhd

abe·eraffen

abeeraffen , sw. V. nhd. „abraffen“, wegnehmen, wegraffen, abschwindeln? Q.: StRAugsb (1276) E.: s. abe, eraffen W.: s. nhd. abraffen, V., a…

abraffen

DWB

abraffen , abripere, wegnehmen: die müller raffen von vier säcken oft ein viertel ab; das getraide vom felde abraffen und sammeln.

aufraffen

DWB

auf·raffen

aufraffen , corripere, nnl. oprapen, hastig wegnehmen: und ein reiner man sol die aschen von der kue aufraffen und sie schütten auszer dem l…

Dahínraffen

Campe

dahin·raffen

◬ Dahínraffen , v. trs. wegraffen, zerstören. Der Tod hat ihn dahingerafft. Werk der Kunst, auch du bist eine Trümmer, Ach! die Zeit hat dic…

entraffen

DWB

ent·raffen

entraffen , eripere, surripere, entreiszen, nnl. ontrapen: nicht der feind hat dich entraft, Ajax fiel durch Ajax kraft. Schiller 53 b . mei…

hentraffen

MeckWBN

hent·raffen

Wossidia hentraffen dahintraben: de Schimmel traffte ... up de Schosseh hen Gild. Dörp. 355.

hinraffen

DWB

hin·raffen

hinraffen , verb. wegraffen: raff meine seele nicht hin mit den sündern, noch mein leben mit den blutdürstigen. ps. 26, 9 ; und warum säumt …

slôraffen

MNWB

+° slûraffenlant , slôraffen- , n. , Land der Faulpelze, Müßiggänger, Schlaraffenland (SL). Vgl. slûrāpe.

straffen

DWB

straffen , verb zu straff adj.: Frisch 2, 342 c ; neben spannen ( th. 10, 1 sp. 1895) und strammen ( s. unten ) Kramer - Moerbeek (1768) 329…

tautraffen

MeckWBN

tau·traffen

Wossidia tautraffen wie traffen: dat Du nich ümmer so totrawwst bi dat Gahn W. Schmidt Dün. 125.

untōstraffen

KöblerMnd

untōstraffen , Adj. Vw.: s. untōstraffent

Veraffen

Campe

ver·affen

✱ Veraffen , v. I) ntr . mit sein , zum Affen werden. »svi duhte in irem sinne sei hettes wol geschaffet vnde er were gar veraffet .« Maness…

wedderstraffen

KöblerMnd

wedder·straffen

wedderstraffen , sw. V. nhd. zurückweisen ÜG.: lat. redarguere, reprobare Hw.: vgl. mhd. widerstrāfen I.: Lüt. lat. redarguere? E.: s. wedde…

Wégraffen

Adelung

weg·raffen

Wégraffen , verb. regul. act. Einem etwas wegraffen, weggreissen. Der Tod, die Pest rafft viele Menschen weg, es sterben viele Menschen.

zerschraffen

KöblerMhd

zer·schraffen

zerschraffen , sw. V. nhd. durch Einschnitte zerreißen Q.: WvRh (Ende 13. Jh.) E.: s. zer, schraffeb W.: nhd. DW- L.: Lexer 333b (zerschrepf…

Ableitungen von raffen (5 von 5)

beraffen

RhWB

be-raffen: 1. etwas b., frech betasten Allg. RA.: Anem de Buckel b. ihn prügeln, ihm die Wahrheit sagen May-Hatzenport Kollig Trimbs ; enem …

entraffen

DWB

entraffen , eripere, surripere, entreiszen, nnl. ontrapen: nicht der feind hat dich entraft, Ajax fiel durch Ajax kraft. Schiller 53 b . mei…

erraffen

DWB

erraffen , colligere, arripere. Stieler 1496 : musz pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen. Schiller 78 a .

Verraffen

Campe

Verraffen , v. trs . u. rec . falsch raffen, das Unrechte raffen. Sich verraffen , sich im Raffen versehen, das Unrechte erraffen. D. Verraf…

Zerraffen

Campe

Zerraffen , v. trs . von allen Seiten raffend aus einander reißen und zerstreuen. Und sie zerraffen den Schmaus — Voß. D. Zerraffen. D. — un…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „raffen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/raffen/dwb?formid=R00371
MLA
Cotta, Marcel. „raffen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/raffen/dwb?formid=R00371. Abgerufen 14. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „raffen". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/raffen/dwb?formid=R00371.
BibTeX
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