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NE

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Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

NE

Bd. 2, Sp. 320a
NE goth. ni, ahd. ni, später ne, Graff 2,969 fg. lat. ne, gr. μή. im mhd. gilt die doppelform ne und en, erstere enclitisch, letztere proclitisch gebraucht; letztere nebenform entwickelt sich im laufe des 12. jahrh. aus der vor vocalen eintretenden apocopierung der ersteren form, ni ist, nist, enist. vgl. Gr. 3,711 (Jac. Grimm vergleicht span. enano für nano, gr. ἐμοῦ für gr. μοῦ). aber frühe schon (in der zweiten hälfte des 12. jahrh.) wird en auch vor consonanten gebraucht. mhd. stellt sich die regel so, dass ne nie vor vocalen steht, sondern nur vor consonanten da wo ein vocalauslaut vorhergeht, an welchen es sich anlehnt (es sind die einsilbigen worte mit unbestimmter länge da, do, du, ja, si, so, die, diu, hie), in den hss. meist mit dem vorhergehenden worte zusammengeschrieben, doch nicht immer, dune wellest, jane sol, ne was; nach consonantischem auslaut steht ne meist nur, wenn derselbe bei der anlehnung ausgestossen werden kann, ine weiʒ für ich ne weiʒ. ausgedehnter ist der gebrauch von en, welches sich an das nachfolgende wort hängt, meistens auch mit demselben zusammengeschrieben wird (ausnahmen z. b. iren komt Parz. 142,28 ); dies en steht nicht nur vor vocalen und vor consonanten (er enist, wir entuon), sondern auch unbehindert nach voraufgehendem vocalischem oder consonantischem auslaut, wenn auch nach ersterem vielleicht seltener als das an solchen sich anlehnende ne (uns enschadet, enwas, nu enweiʒ). in ältern quellen erscheint auch proclitisch ne. die zu einfachem n apocopierte form sollte eigentlich nur zwischen zwei vocalen erlaubt sein, wie don erstirbet, häufig erscheint sie aber auch zwischen vocal und consonant, wie jan mac, jan muget, und selbst zwischen zwei consonanten, wie ichn gesach, ern kundeʒ, i'n mac, wobei metrische gründe die wahl der einen oder der andern form bestimmen. da das n stets an das voraufgehende wort sich anschliesst, so liegt schon darin ein beweis für die richtigkeit der annahme Jac. Grimms, dass es überall als apocope des alten ne zu erklären sei, Gr. 3,712. die stellung von ne wie von en ist stets unmittelbar vor dem verb. finitum; vor infinitiv und vor particip kann es nur stehen, wenn niht unmittelbar vorhergeht, ich wære niht enkomen Nib. Lm. 1749,2 in A und D, ir sült des niht enlân Ulr. v. L. im leseb. 633,14 u. a. nur Iw. 1252 in B. steht enruochen ohne voraufgehendes niht, doch so, dass bereits ein ne beim verb. finit. vorkommt. vgl. Wackern. fundgr. 1,274. Lachm. zu Nib. 47,3. ni war die ursprüngliche und wahre negation; im gothischen u. althochdeutschen hat sie noch weiten spielraum und reicht zur vollen negation des verbums und des satzes aus. später, seitdem ne proclitisch oder enclitisch wird, treten zur verstärkung andere negationen, ursprünglich selbst mit ni, ne zusammengesetzt, hinzu, endlich stirbt ne gänzlich aus; vgl. Gr. 3,715. eins der spätesten beispiele ist vielleicht in dem druck des Pontus von 1498 Diij ich enweiss. in der volkssprache des Niederrheins ist sie noch heute erhalten, vgl. fundgr. 1,273, anm. b. über den gebrauch im mhd. hat W. Wackernagel in den fundgr. 1,269 fg. eine sehr belehrende untersuchung angestellt, deren resultate in der hauptsache unanfechtbar bleiben, obwohl in manchen einzelnen angaben berichtigungen nöthig sind, die meist bereits Wackernagel selber im glossar zum lesebuche angedeutet hat. bei der folgenden übersicht über die gebrauchsweise im mhd. sehe ich von den spuren des freieren ahd. gebrauches, die sich bis in die mitte des 12. jahrh. finden, ab und beschränke mich auf den sprachgebrauch des ausgebildeten correcten mhd., wobei allerdings nicht auf alle einzelheiten und feinheiten eingegangen werden kann.
A. ne genügt zur vollen negation in folgenden fällen (kürze des satzes ist überall haupterforderniss).
I. im unabhängigen hauptsatze.
1. bei den hülfszeitwörtern unter den präteritopräs. (d. i. mac, darf, kan, sol, tar, wil) und bei lân
a. bei ausgelassenem und aus dem zusammenhange zu ergänzendem infinitiv; hiezu gesellt sich das subsidiarisch eintretende tuon und die allein genügende copula n. jâ wæn ich michs gelouben wil. owê leider, ich en mac MS. 1,82. a. hie wânde er si beide mit bete unde mit drô gesweiget hân. done mohter arm. Heinr. 563. rît ze hove, Dietrich. 'herre, ich enmac' Walth. 82,12. sich nider an mînen vuoʒ, sô du baʒ enmügest das. 50, 34. mich noch mîne fürsten enwolde er niht fürhten: ime dûhte daʒ er endorfte Lampr. Al. 5022. ich tæte ouch gerne, wan daʒ ich enkan Eneit 1481. nû kêrte ich gerne, ich enkan büchl. 2,43. doch tâten si daʒ si ensolden welsch. gast goth. hs. 83. b. daʒ er dâ ruowen wolde: ern mohte noch ensolde Iw. 190. jâ hêten si den recken erzürnet dô den muot, wan daʒ sine torsten vor dem künege hêr Nib. Z. 285,73. man hieʒ der boten einen für Kriemhilde gân. daʒ geschach vil tougen, jane torstes überlût das. 34, 43. nu sol ich niht lange leben, und mohtich, ich en wolde Eneit 12842. wan daʒ ich enwolde, er hete mir guotes vil gegeben das. 6119. daʒ mac nu leider niht gesîn: eʒ enwil diu liebe frouwe mîn Walth. 112,28. — swie gerne er missetæte, in en lât diu rehte stætekeit misc. 2,177. der gerne biderbe wære, wan daʒ in sîn herze enlât Iw. 16. — dô sprach der priester hôch gewîht 'du solt sprechen dîne bîht'. dô jach der heiden 'ich entuon' Littower (hsg. von Lassbg.) 237. — warumbe sît ir ritter worden? durch slâfen? weiʒ got, irn sît welsch. gast goth. hs. 115. b. ich fürhte, daʒ Garten sî gegeben. 'eʒ enist, sam mir mîn leben' Dietr. 5462. nein, herze, noch, si enist (sc. mir swære) büchl. 1,1376.
b. mit einer das verbum ersetzenden bestimmung. unmuoʒe enlât mich âne nôt Walth. 47,4. dun darft niht jehen, daʒ du in ir herze enmügest das. 55,31.
c. mit folgendem abhängigen satze nur bei der optativischen redensart nu enwelle. nu enwelle got, daʒ mir diu unzuht geschehe Iw. 180. nune welle got von himele, sprach Gunther der degen, daʒ ir iuch sult genâden noch an uns bewegen Nib. Z. 333, 61. nune welle got von himele, sprach dô Hagene, daʒ sich dir ergæben zwêne degene das. 357,31. nu enwelle der almehtige got, daʒ ich daʒ zerbreche Berth. 74. — nu enwelle got, sô schamt ich mich Walth. 40,12. nune welle got von himele! Nib. Z. 322,71.
2. bei wiʒʒen (das ebenfalls zu den präteritopräs. gehört) und ruochen, wenn der folgende satz in fragform ausgedrückt ist, und sie ausser ihm kein eigenes object haben; sobald der satz durch ein object oder durch andere bestimmungen schwerer wird, genügt meistentheils einfaches ne nicht mehr.
a. wiʒʒen.
α. in halb offener parenthese. mich wil, ichn weiʒ waʒ übeles bestân Reinh. f. 2300. und darin, ich enweiʒ wie manic marc colocz. 173. ein samît, ich enweiʒ weder grâwe oder rôt Eneit 5740. ir hât iuch angenomen, irne wiʒʒet hiute waʒ Iw. 127. der hêrre Tîrûs engalt, er enwiste selber wes Eneit 4782. daʒ si leben, sine wiʒʒen wie MS. 1,79. b. dô neic ich umbe in elliu lant, ich enweste war ode weme Iw. 282. bei der häufigkeit dieses gebrauches namentlich bei ich enweiʒ entwickelten sich die gekürzten formen neiʒ wer, neiʒ waʒ, neiʒ wie, neiʒ wâ für ich enweiʒ wer, waʒ, wie, wâ.
β. bei folgendem fragesatze (mit pronomen oder partikel). er erkande in bî dem mære unde enweste doch, wer er wære Iw. 211. ichn weiʒ, wem liebe dran geschach das. 42. sine wessen, wen si solden mit strîte bestân Nib. Z. 156, 31. sone weste ich waʒ eʒ wære Iw. 151. nune weiʒ ich, wes der hêrre entgeldet Eneit 10507. ine weiʒ, durch welchen nît daʒ si in niht enwarnden Nib. Z. 138,73. sine westen, welch gerinc in aller beste êrte Iw. 182. sine weste in ir muote under übel unde under guote, ze wederem si solte Trist. 10275. — ich enweiʒ, ob er daʒ tæte durch sînen hôhen muot Nib. Z. 103, 32. ichn weiʒ, obe ich schœne bin Walth. 86,11. des nahtes wol enmitten, ine weiʒ eʒ ê geschah (wo ob ausgefallen ist) Nib. Lm. 1775,1, wo C allerdings abweicht. ich enweiʒ vor leide, wâ ich bin Crescentia 698. sô enweiʒ der mensche, wâ hin er die gedanken wenden sol tochter Sion 1024. ich enweiʒ wannen mir daʒ wort quam Eneit 10144. mit disem kriege enwest er, war Trist. 899. ine weiʒ, warumbe er alsô lebet Parz. 264,16. wan er enweste, weder ir muot wider in wær übel unde guot Trist. 875. ichn weiʒ, wie ichʒ erwerben mac Walth. 117,22. ichn weiʒ, wie dîn wille stê wider mich das. 60,20. sin wisten, wie si möhten dar bekomen sîn Gudr. 749,1.
γ. in zusammengezogenem satzgefüge. daʒ begunde im starke swâren unde enweste wie gebâren Iw. 90. si enwesten wie gebâren arm. Heinr. 1408. mit ze: sine wessen, wem ze klagene diu ir vil grœʒlîchen sêr Nib. Z. 320,44. sine wiste war ze kêren Eneit 872. — diene weiʒ ich war ich tuo Iw. 110. disen lieben guoten man enweiʒ ich, wiech von mir bekêre MS. 1,74. b.
b. ruochen; bei diesem worte hat die einfache negation grössere freiheiten als bei wiʒʒen.
α. in halboffener parenthese. er leite drîn ern ruohte waʒ Amis 1365.
β. es folgt ein satz mit daʒ. sine wolte ruochen, daʒ si von mir næme buoʒe sunder tôt MS. 1,20. a. ich enruoch, daʒ berner kopfer sîn amg. 10. b.
γ. ruochen darf von einem hülfsverbo abhängig sein. ich enmac ruochen, war er var Eneit 10265. und von einem andern satze: mich dunket ern ruoche, wie eʒ hie umbe gât Nib. Z. 328,31.
δ. mit folgendem fragepronomen oder fragepartikel. in ruoch wer mîn darumbe lachet Walth. s. 180. i'n ruoche wemʒ ze herzen gê MS. 1,2. a. jane ruoche ich waʒ mich haʒʒet des künec Ezeln wîp Nib. Z. 272,34. sô enruoche ich, wes ein bœser giht Walth. 63,13. swâ valsch untriuwe wider gât, da enruoch ich, weder eʒ beʒʒer hât Vrid. Müll. 848. — ja enruoche ich, ob eʒ zürne des künec Etzelen wîp Nib. Z. 288,54. so enruoche ich, ob er iemer klaget MS. 1,73. b. mit ausgelassenem ob: enruoche si sich lâʒen sehen fundgr. 1, 302. jane ruoche ich, ist eʒ iemen liep oder leit Nib. Z. 17,62. ichn mochte, soldeʒ iemer sîn Iw. 325. spottent des ander meister, ich enruoch (so zu lesen) MS. 2,176. b. sine ruochent, wâ si slâfen Lampr. Al. 4425. nune ruochen, war si teile ir silber und ir golt Nib. Z. 171,64. sine ruochte, wie im wære, wande si vil sanfte lac das. 96, 71, swen des wil betrâgen, der enruochet, wie diu zît zergê Walth. 103,9.
ε. besonders häufig imperativisch.vgl. Gr. 3,741. enruoche, wâ si sehen hin MS. 1,49. a. enruochet, waʒ man iu seit colocz. 188. besonders mit ellipse, z. b. wir haben verlorn ein veigeʒ guot. vil stolzen helde enruochet! darumbe suln wir niht verzagen MS. 2, 227. a. owê hêrre, nu ist ir gar ze vil. 'enruoche! ich wil mit dir sîn. Berth. 227. Reinmar von Zweter hat wider das ausweichende, theilnahme zurückweisende und versagende enruoch einen scharfen spruch gedichtet MS. 2,147. a.
3. neben ander, mêre, baʒ, vürbaʒ genügt ne nicht nur bei den oben erwähnten verbis in den sonst verbotenen fällen, sondern auch bei anderen.
a. mit ausgelassenem comparativsatz. des enmohte ander rât sîn Eneit 11634. des enwas ander rât das. 12706. des ander rât enmac sîn, des muoʒ man sich getrœsten das. 12861. daʒ er sîn andern rât ne weiʒ das. 9679. done moht er getuon baʒ das. 126. done torst ich vrâgen vürbaʒ Iw. 117. ouch endorste er mêre sicherheite; wan sin wort, daʒ was ein eit das. 173. ein spilhûs er worhte, sô er baʒ nemohte kaiserchr. 42. c. swenne er fürbaʒ verstên enmac, sô verliese er niht sînen tac welsch. gast, goth. hs. 29. a. leider nu nemac ich leben mêre fundgr. 1,277. wir enkunnen leider baʒ Iw. 280. — lât si daʒ eine, swie vil ich suoche, ichn vindes mê Walth. 58,38. in sînem herzen er dô jach, ern sæhe bilde mêr sô klâr colocz. 279. done twelte sîn geselle mê Iw. 248.
b. mit folgendem wan, besonders bei anders und mêre. nune weiʒ ich anders wan alsô Iw. 275. sine weiʒ von iu zer werlde mêre, wan daʒ irʒ der ritter mittem lewen sît Iw. 291. sine gît dem lîbe lônes mê wan trûren MS. 1,182. a.
4. unbeschränkt bei kurzen antithetischen wiederholungen. ichn tuon diu rehten were, ichn hân die wâren minne Walth. 26, 6. si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot das. 66,10. vgl. amg. 43. b. son kan ich nein, son kan ich jâ Walth. 42,6. si wolde oder enwolde Eneit 9880 u. ö. ouch enist eʒ von den schulden sîn, eʒ ist von den unsælden mîn Iw. 4067, vergl. Lachmann's anm. wir wellen sône wellen pf. Kuonr. 271, 9. vgl. Msh. 3,330. b. nun hân ich friunt, nun hân ich rât Walth. 55,5. sô enhât er kraft, sô enhât er sin tocht. Sion 2299. dâ entrœstent kleiniu vogellîn, da entrœstent bluomen unde gras MS. 1,73. b. mînen vater suoch ich, leider den envinde ich Massm. denkm. 1, 10. dane stirbet ros noch daʒ rint, dane müejent diu weinenden kint, da enist ze heiʒ noch ze kalt arm. Heinr. im leseb. 341,7.
5. selten und ausnahmsweise erscheint im ausgebildeten mhd. ne auch bei andern verbis und in sonst unerlaubten fällen (aber z. b. als er ensweic = redete Reinh. 148. sône belîbet gesunt daʒ kindelîn Ulr. 86 sind noch ahd. ), am häufigsten noch bei wænen. ichn wânde, daʒ iemen Iw. 502 in A. jane wæn ich, daʒ iemen habe das. 588 in AB. Lachmann hat beide male niht eingefügt, aber auch Nib. Z. 281,11 steht: nâch dem êrsten slâfe, i'n wæn eʒ ê geschach desgl. ich enwæne si sîn vergaʒ amg. 24,55 (vgl. Haupts anm. zu minnes. frühl. 170,38), und ich enwæne, daʒ Alexander, künec Artûs und Salatîn getruogen krône ie sô vîn Heinr. Trist. 4514. nun wæn iemen grœʒer ungelücke hât minnes. frühl. 170,38. dass in beiden hss. des Eraclius niht so häufig fehlt, bemerkt Lachm. zu Iw. 588, er erklärt dies für eine übereinstimmung mit dem gemeinen sprachgebrauche. dies wird bestätigt dadurch, dass ne noch heute am Niederrhein in der volkssprache lebt, vgl. Wack. wan ich sîn vil schône enpflac (so richtig?) Walth. 72,13. mich vil armen sac gein dir enmac verteilen menschen zunge Gfr. l. im leseb. 432,5. iren komt tâlanc dâ her în Parz. 142,28. anders ist zu beurtheilen ern ist gîge noch diu rotte das. 143,26. vgl. unten B und noch.
6. ungenau wird ne verwendet neben den ironischen ausdrücken kleine, lützel, selten, wênic, und den zu gleicher bedeutung gewendeten mit bor u. enbor zusammengesetzten adjectivis. den entar der hagel slahen selten MS. 2,57. b. done hatte her kleine were Sachsensp. präf. rhythm. 270. son weiʒ doch lützel iemen Kürenb. fundgr. 1,266. unde den winter enfrôs wênic ihtes iht fundgr. 1,271. vergl. auch fundgr. 1,269 anm. c. (ebenso treten auch nie, nimmer, kein hinzu, vgl. Haupts anm. zu minnes. frühl. 243 anm. 35). do ne stund iʒ bor- lange Roth. 1387. darumbe stuonden zweinzec schützen: si newârn enbor- nuzze fundgr. 1,271. vgl. auch daʒ er den framen deste minner envorhte Serv. 333.
7. hiemit zusammenzustellen ist, dass ne zuweilen zur verstärkung des substantivischen niht dient. got der himel unde erde von nihte ne hieʒ werden pf. Kuonr. 201. sô daʒ erʒ für niht enhât, swenne er dise freude lât welsch. gast, goth. hs. 79. b. vergl. das. 103. a. und alleʒ, daʒ ir anegêt mir für niht enstêt colocz. 106. das ne und en ward unmittelbar mit niht zusammengesprochen (vgl. fundgr. 1,272), und daraus ward nietne, niene, welches wort noch häufig den genitiv mit sich führt, z. b. des ich genennen niene kan Nib. Z. 2,54.
8. wiederholung von ne in manchen fällen, indem es einmal an vorausgehenden vocal angelehnt, dann dem folgenden verbum als en vorgesetzt ist. dan en, don en, jan en, sin en, son en u. s. w. vgl. eine aufzählung solcher stellen fundgr. 1,272 unten, und vgl. leseb. 588,17. 590,12.
II. im beschränkenden, bedingenden oder ergänzenden abhängigen satze, wobei der hauptsatz eigentlich negativ sein soll; doch ist er auch sehr häufig positiv. der abhängige satz steht bald nach dem hauptsatze, bald geht er demselben voran.
1. conjunctivisch beschränkend, mit bloss angenommener thatsache (positive auflösung mit wenn, vgl. fundgr. 1,278). im bedingenden satze steht zuweilen danne.
a. der hauptsatz ist negativ.
α. durch ausdrücklich ausgesprochene negation. diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt Walth. 8, 27. daʒ niemer sêle wird gesunt, diu mit der sünden swert ist wunt, sin habe von grunde heiles funt das. 6,16. eines friundes minne diust niht guot, dâ ensî ein ander bî das. 51,9. daʒ mich enmac getrœsten nieman, si entuoʒ das. 120,21. in dûhte des schaden niht genuoc ern tæte ir leides mêre das. 121. diu schulde enwære niemens, eʒn müese sîn ende sîn das. 151. ich enwil mîn houbet nimmer gelegen, ich engedien ir hulde Nib. Z. 46,32. ichn wolde niht von hinnen, ichn næme urloup von iu Iw. 212.mit danne. ich hân niht baʒ wider iuch getân, irn welt eʒ danne baʒ enpfân Iw. 290. eʒ ne hulfe niemens list, ern tæte im danne sicherheit das. 287. ichn trûwe iu den lîp niht bewarn, eʒn sî danne iuwer wille das. 63.der bedingende satz voraufgestellt. sine möhtens im gemêren, in was anders niht gedâht Iw. 104. ern nemes ouch mit dem herzen war, sone wirt ime niht wan der dôʒ das. 18. ern tæte sînen lewen hin, mit ihm væhte niemen dâ das. 197. eʒ enwelle got von himele, ir vernemt messe nimmer mêr Nib. Z. 284,34. dich enner der übel tiufel, du enkanst nu niht genesen das. 314,52.mit danne. diu werlt enstê dan schiere baʒ, son wil ich leben Walth. 91,14. beispiele sind selten. danne pflegt, wenn der beschränkende satz voraufgeht, hauptsächlich dann zu stehen, wenn der hauptsatz positiv ist.
β. der hauptsatz ist nur dem sinne nach negativ. wer næme sich sô grôʒ arbeit an, ern wære iuwer man? das. 78. waʒ wære mannes wünne der freute sich ir lîp, eʒ entæten schœne meide Nib. Z. 42,12. er vüeret si unverre eʒn sî daʒ unser herre mit ime wider uns sî Iw. 175. wir sîn ungescheiden, eʒ entuo der tôt Nib. Z. 195, 53. âne frouwen minne wolde ich iemer sîn, ich enwürbe dar mîn herze grôʒe liebe hât Nib. Z. 9,43. mac ein man hân guoten tac, ern wære danne des tôdes vrô? das. 72. der ist im weiʒ got ungereit, man ensuoch in danne verre das. 285. lâ einen sîn geborn von küneges rippe: ern habe friunde, waʒ hilfet daʒ? Walth. 79,21.
b. der hauptsatz ist positiv.
α. er steht voran. eʒ gienge den rittern an daʒ leben, sine würden gescheiden Iw. 268. man verliuset michel sagen, man enwelleʒ merken unde dagen das. 18. er kœme wider, eʒn lazte in êhaftiu nôt das. 113. den lîp wil ich verliesen sine werde mîn wîp Nib. Z. 50,44. mîn houbet wil ich wâgen, irne werdet mîn wîp das. 65,64. darumbe wil ich sterben, eʒ engê im an daʒ leben sîn das. 131,64. ouch fuorter einen bogn, den man ziehen muose mit antwerke dan, der in spannen solde, ern hête eʒ selbe getân das. 144,54. ich sol eʒ wol verdienen, mich enwendes der tôt das. 280,24. vergl. das. 359, 54. mînes herzen tiefiu wunde, diu muoʒ iemer offen stên, si enküsse mich mit friundes munde Walth. 74,15. — wie ungerne Sîvrit dô hinwider reit, ern getæte sküneges vînden eteslîchiu leit Nib. Z. 138,12, wo ein zwischengedanke zu ergänzen ist er enwolde niht hin wider rîten, ern getæte. — eʒ sehent wol alle, eʒn wære danne kleine als ein mûs Iw. 56. si wil si scheiden von ir erbeteile, eʒn stê danne an ir heile das. 222. si hât ûf uns verkorn daʒ wir ir ie getâten, eʒn sî et, Hagene, danne iu einem von ir wider seit Nib. Z. 222,64.
β. besonders häufig wird der positive hauptsatz nachgestellt. eʒ enmüge von dînem ellen dîn lant den fride hân, ich wils alles walten Nib. Z. 18,22. mirn zerinne mîner friunde, iu wirdet arbeit erkant das. 26,14. dun wendest michs alleine, sô verkêre ich mîne zungen Walth. 32,6. sin leben nâch dem hove nu, sô ist eniu zuht bescholten das. 36,10. dune hêtest diz gesprochen, du wærest benamen zebrochen Iw. 14. mirne werde ir gnâde baʒ beschert, sô wil ich mich iemer schamen das. 204. got enwelle michs erlân, sô muoʒ ich in aber bestân das. 271. ern beschirme iuch eine, ir sît tôt das. 52. er weste, ern beschirmete sînen brunnen, er wurde ime an gewunnen das. 100. unde esn letze mich der tôt, ich verdieneʒ iemer als ich sol das. 282, eʒn sî, daʒ iuch diu wer ner, si slahent iuch das. 243. irn wellet mir volgen, sô habt ir den lîp verlorn das. 63. irn wellet iuwer êre verliesen, sô müeʒet ir etswen kiesen das. 75. und hier wird besonders oft danne hinzugesetzt. ih'n wolde danne liegen, ich hân iu leides vil getân Nib. Z. 273,54. sine welle dan brechen ir eit, sô hân ich volendet die rede Iw. 289. irn sît danne ein bœser man, sô sît ir aller êren wert das. 205. michn triege danne mîn wân, ir habt eʒ gerne getân das. 102.
2. in conjunctivisch bedingendem satze, mit wirklicher thatsache, historische condition (positive auflösung mit weil). sehr selten, und früher von Wackernagel bestritten, fundgr. 1,280. danne erscheint hier niemals und der hauptsatz ist stets negativ. wer wære geil enzwischen himel und erde, enwær dîn minnebernder muot Gfr. lobg. im leseb. 437,38. waʒ wær diu welt, enwæren wîp sô schœne leseb. 795,1. wan von al ir sinnen wær si zuo im niht komen, er enhêt si selb ê hie genomen tocht. Sion 1463.
3. in ergänzendem satze, der die negation des, hier immer voraufgehenden, hauptsatzes (denn negativ muss derselbe stets sein, sei es ausdrücklich oder dem sinne nach) unter nochmaliger negation näher bestimmt, natürlich stets ohne danne;">hier entspricht ne dem lat. quin, quominus, in den voraufgehenden fällen aber dem lat. nisi. so nach lân und seinen compositis. sine wolden daʒ niht lân, sine drungen dâ si sâhen die minneclîche meit Nib. Z. 43,43. daʒ si ne lâʒe daʒ, sine kom zir friunden das. 112,14. daʒ si des niht lân, sine komen mir ze liebe zuo mîner hôchgezît das. 215,33. solden wir eʒ dardurch lân, wir ensæhen unser swester das. 223, 13. wie möhte ich eine denne lân, ichn müese ir fingerzeigen lîden, ichn wolte durch si fröide mîden Walth. 120, 2 (zwei verschiedene ne). vgl. Iw. 197. 39. desn ist dehein mîn gast erlân, erne müeʒe si bestân Iw. 242. daʒ bette wart des niht erlân, sine ersuochtenʒ under im gar das. 56. vergl. das. 89. 264. 158. 17. 287. wie habt ir daʒ verlân, irn suochtet helfe das. 170. nach allen verbis des unterlassens, abhaltens, ablehnens. sine wolde niht erwinden, sine würbe sint daʒ getoufet würde daʒ Etzelen kint Nib. Z. 212,11. unde welt ir niht erwinden, irn welt zuo uns gân das. 335,11. wer ist der uns des wende, wir ne geben der rede ein ende Iw. 94. daʒ enwil ich niht versprechen, ine welle in gerne sehen Nib. Z. 186,61. nune sol dich niht betrâgen, dune sagest mir waʒ du suochest Iw. 28. ichn mac daʒ niht bewarn, mirn werde mîn ritterschaft benomen das. 43. in be- schirmet der tiuvel noch got, eʒn müeʒe ime an sîn êre gân das. 175. ob ich daʒ enbære, ichn versuochte, waʒ daʒ wære das. 32. ern mac des niht entwenken, erne müeʒe hervür das. 56. dane irte unstæte noch der muot, dane würde handelunge guot das. 104. daʒ eʒ niht enmeit, eʒn schriete îsen das. 49. ob eʒ niht rât wære, ir einer enwürde dâ erslagen das. 253. irn schadet der winter noch envrumt, sine stê geloubet das. 30. dar nâch sûmt er unlange, ern tæte ime ûf die porte das. 227. vgl. das. 244. er entuo sich des niht abe, ern sî der ritterschaft bî das. 111. sone wart ich nie des über, ichn müeʒe koufen daʒ korn das. 110. niemen ist, der mich übertrage, mirne werde der lîp benomen das. 153. ouchn wart dâ niht vergeʒʒen, wirne hêten alles des die kraft das. 23. vgl. das. 139 und 240. ouch was ir wehsel sô gereit, daʒ eʒ nie wart verseit manne noch wibe, sine wehselten mit dem lîbe arbeit umb êre das. 264. wie mac er ouch daran verzagen, ern lâʒe sich ouch ein wîp sehen das. 60. dane ist widerrede niht, irn müeʒet vehten das. 233. der mir die gnâde niemer widerseit ern bescherme mich vor dir das. 209. der sîme zorne niene mac getwingen, ern überspreche sich das. 157. hieher gehört auch diu molte ûf der strâʒe die wîle nie gelac, si enstübe allenthalben dan Nib. Z. 204,13, der staub unterliess nicht aufzuwirbeln. er lieʒ mir niht die muoʒe, daʒ ich zuo sîme gruoʒe volleclîche wære komen, ern hete mir ê genomen den zoum das. 19 u. s. w. ferner bei leugnen, lügen, zweifeln. sone lougen ich des niht, eʒn vuocte min rât Iw. 157. jane lougent iu des niemen, ine welle eʒ hie versuochen mit stichen und mit slegen Nib. Z. 358,52. von der mir mîn herze nie gelouc, eʒn sagte mir ir güete ie sunder wân Walth. 99,16. des ist zwîvel dehein, ern werdes vür mich gewert Iw. 43. mit beziehung auf ein voraufgehendes sô, solch. nie geborn wart ein wîp sô starc und ouch sô küene, ine wolde wol ir lîp in strîte betwingen Nib. Z. 50,62. enlât iuch des niht sô verdrieʒen, ir engebt im hôhen muot Walth. 113,8. mir enwart dâ vor nie sô wê, desn wære nu al vergeʒʒen Iw. 34. daʒ er nie sô nâhen kam dem walde, ern viele ouch metalle das. 260. mirn tæte daʒ weter nie sô wê, ichn wolteʒ hân geliten ê das. 293. irn habt niendert selhen helt, ern lâʒe iuch nemen, swen ir welt das. 87. dem sinne nach relative ergänzung: dehein koufman hete ir site, ern verdürbe dâ mite Iw. 263. daʒ man dô der vremeden harte wênec vant, sine trüegen ir (der Gotlinde) gesteine Nib. Z. 202,33. daʒ nieman hirnsühte lite, würde er bestrichen dâ mite, erne würde gesunt Iw. 131. an dem niht des erschein, ern wære hövesch unde guot Iw. 106. wer hete dannoch die kraft, ern dulte ir meisterschaft das. 155. si enlihen nieman ir habe, in enwære leit, gelt er in das. 263.
4. zuweilen fehlt im abhängigen satze die negation, doch nur im beschränkenden (nr. 1). wander niht wider wolde komen, er ervüere Iw. 244 in Abd. swaʒ lebete, eʒ entrünne danne balde, daʒ was zehant tôt das. 33. in welle got behüeten, du muost in schiere vloren hân Nib. Z. 3,24 u. ö. auch danne kann in diesen sätzen ohne ne stehen, vgl. Wackern. in den fundgr. 1,279. in den ergänzenden sätzen bewirkt fortfall des ne den übergang in die unabhängige indicativische construction. Reinhart sich niht sûmde: die herberge er rûmde Reinh. f. 382. sô enlieʒ er niht: er kam unde fuorte in über hin Flore 3493. vgl. Wackern. a. a. o. 282.
B. in allen den fällen, die unter A nicht aufgeführt sind, genügt einfaches ne nicht zur negation des verbums, sondern es muss noch eine zweite, ursprünglich (ausser dehein, kein und deweder) selbst mit ne zusammengesetzte, negation hinzutreten. nicht selten treten mehrere dieser zugleich hinzu (z. b. ine tuon doch niemen niht MS. 1,71. a). es sind dies nie, nieman, niemer, niender, niht, niuwan, de- hein (kein, nehein), deweder und anknüpfendes noch. auch die verba, bei denen sonst einfaches ne genügt, können hinzutritt einer andern negation erfordern, sobald umstände vorhanden sind, die die leichte und flüchtige natur des ausdruckes beschweren.bei der historischen condition (s. A, II, 2) steht überwiegend niht. het in daʒ ors niht vür getragen, eʒ wære ze dem tôde genuoc Iw. 188. giengeʒ mir an die triuwe niht, sô wære diser wirt wol wert das. 184.überdies können jene negationen sämmtlich auch ohne hinzutritt von ne gesetzt werden, wenn auch nicht immer mit voller freiheit. alle hier eintretenden nüancierungen mit beispielen belegen zu wollen, würde hier zu weit führen und doch das thema nicht erschöpfen können, welches immer noch ein dankbarer stoff für eine umfassende monographische untersuchung bleibt.
26992 Zeichen · 854 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 4.–6. Jh.
    Gotisch
    nePartikel, Adv.

    Köbler Got. Wörterbuch

    ne , Partikel, Adv. nhd. nein, nicht ne. no, nay (Adv.) ÜG.: gr. μή, οὐ, οὐχί; ÜE.: lat. nequaquam, non Q.: Bi (340-380)…

  2. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    neAdj., Konj., Negationspartikel

    Köbler As. Wörterbuch

    ne , Adj., Konj., Negationspartikel nhd. nicht, dass nicht ne. not (Konj.), not to do ÜG.: lat. (ignoscere) Gl, ne H, (n…

  3. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    ne

    Althochdeutsches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    ne s. °ni.

  4. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    NE

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    NE goth. ni , ahd. ni , später ne, Graff 2,969 fg. lat. ne , gr. μή. im mhd. gilt die doppelform ne und en, erstere encl…

  5. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ne.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    ne , . nhd. ? Q.: Brandis 1 (1471-1528) E.: s. PN Benedictus R.: up de silben ne: nhd. eine Silbe von Benedictus als 22.…

  6. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    ne

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    ne , s. nein.

  7. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    1ne

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 ne lat; gelegentlich in Verschmelzung mit -que zu ‘nec’ Verneinungspartikel: in dem Aktenvermerk ‘ne varietur’ (Es wir…

  8. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ne

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Ne , in der Chemie Zeichen für 1 Atom Neon.

  9. modern
    Dialekt
    ne

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    ne Band 1, Spalte 272 ne 1,272

  10. Spezial
    ne

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ne [nẹ] (particola dla negaziun, pröm elemënt dla negaziun dopla; dan n vocal « n ’ » ) nicht. ▬ ne ... mai nie; ne ... …

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Keine Komposita gefunden — ne kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.