Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
leide stF.
2 (bes. im Minnesang) in der Beschreibung eines Mangels an Minne-Zuwendung
3 in (teil-)synonymen paarigen Ausdrücken (vgl. leit stN. 3.1 )
4 in antonymen Konstruktionen (vgl. leit stN. 3.2. )
4.1 im Ggs. zu liebe stF. oder liep stN. (= liep Adj. 3.1 )
4.2 im Ggs. zu vröude und wunne
5 in präp. Erg. mit phras. Charakter
5.1 âne , sunder leide ‘ohne Kummer, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl. leit stN. 5.1 )
5.2 von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid sterben’ leit stN. 5.2
5.3 ze leide ‘zu(m) Schaden, zu Leide, zum Nachteil’ (oft mit Dat.d.P.) leit stN. 5.3
1 allg. (vgl. leit stN. 1): des manec man und manec wîp / gewunnen jâmers leide Wh 25,23. 431,30; NibB 1234,4; do stunden sie beide / in so grozzer leide [Kummer] , / daz sie enwisten, waz sie wolden / oder waz sie tun solden Herb 8416; so si sich erkennent beide, / daz wær in vür die leide [anstelle des Entsetzens, wenn sich die Freunde unerkannt erschlügen] / daz liebest und daz beste Iw 6970; ungefüege leit im dran geschach. / daz het im zorn gereizet Parz 247,6; diu heide leide ist worden bar [ihres kargen, winterlichen Elends entledigt worden] KLD: TSchreiber 9:1,1 2 (bes. im Minnesang) in der Beschreibung eines Mangels an Minne-Zuwendung: sît ich sô grôzer leide pflige, / daz minne riuwe heizen mac MF:Reinm 38: 4,3; wan klage ich sorge niht und swære leide, / die mir mîn frô Minne gît ze lône? KLD: RdSchr 2:1,6 (in beiden Belegen unklar, ob Pl. von leit stN.; vgl. leit stN. 2.2). – auch senendiu ~ : ich hân liep mit sender leide, / des muoz ich vil ofte riuwic sî; / jâ ’nkan ich niht underscheide, / mîner vröude lige ie trûren bî KLD: GvdF 1:1,1. 6:5,6 3 in (teil-)synonymen paarigen Ausdrücken (vgl. leit stN. 3.1): daz iamer vnde die leide / vm die herren beide / was in dem her also groz, / daz [...] ir klage maniger leige / mochte erbarmen einen stein Herb 13709; Tristan unde Îsôt, / [...] / benâmen ouch ir leide / unde ir triure ein ander vil Tr 12360; du hast dorch leyde vnde zorn / dich in den kommer bracht / vnde bist vil ovele bedacht / der herteliker leyde / vnd der arebeyde / de du lides hute Athis Ac 13 4 in antonymen Konstruktionen (vgl. leit stN. 3.2.) 4.1 im Ggs. zu liebe stF. oder liep stN. (= liep Adj. 3.1): als ie diu liebe leide z’aller jungeste gît NibB 2378,4; diu liebe und diu leide / diu wellen mich beide / vürdern hin ze grabe MF:Mor 8: 2,9; KLD:BvH 15: 4,3; Tr 19481. – durch liebe (oder/ noch) durch leide (vgl. dazu und zum rechtsspr. Gebrauch leit stN. 3.2.1): die des dinges ze vil machent eintweder durch liebe oder durch laide PrBerthKl 6,40; dur daz volge aber ich der swal, / diu durch liebe noch dur leide ir singen nie verlie MF:Mor 7: 1,4; daz wir [...] gebot halten [...] und daz niht lazzen durch liebe, durch leide, durch vorhte, durch miete oder durch dehein anderley geverde WüP 10,12 4.2 im Ggs. zu vröude und wunne: liebe diu gît mir / hôhen muot, dar zuo vreude unde wunne. / sô enweiz ich, waz diu leide kunne, / wan daz ich iemer trûren muoz von ir MF:Mor 11a: 3,7 5 in präp. Erg. mit phras. Charakter 5.1 âne, sunder leide ‘ohne Kummer, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl. leit stN. 5.1): die vant ich ze tanze, dâ si sanc. / âne leide ich dô spranc MF:Mor 23: 1,7; Iasonen sie [Medea] an den arm nam. / do lagen sie ane leide Herb 1141. – dan fuorn die magede beide / mit fröuden sunder leide Parz 372,14; nû wâren sî beide / mit vreuden sunder leide / von einem turneie komen Iw 3060 5.2 von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid sterben’ → leit stN. 5.2 5.3 ze leide ‘zu(m) Schaden, zu Leide, zum Nachteil’ (oft mit Dat.d.P.) → leit stN. 5.3
MWB 3,3 1003,34; Bearbeiterin: Baumgarte