kropf,
m. struma u. a., mhd. kropf,
ahd. chroph;
nd. nl. krop,
engl. crop,
ags. cropp;
dän. krop
entlehnt, schwed. nur in kroppdufva
kropftaube, altschwed. kropfylle
schwelgerei Rietz 357
a (
s. 3,
a);
s. weiter unter 8. 11)
auswuchs, 1@aa)
am halse des menschen, schon mhd., ahd. 1@a@aα) kröpf wachsen von überiger feuchte des haupts, welche sich herab setzt durch
die nerven (
d. h. muskeln) in den hals. Dryander
arznei Frkf. 1542 87
a; kalt wasser bringt den kropf. Maaler 254
b,
vgl. kropfbrunnen; hett Dyna kropf und hofer ghan (
gehabt), Sychem hett sie geloszen gan. Brant
narr. 26, 51;
vgl. die anm. s. 345
a; nun aber setzt Venus den iren solche brillen auf,
das ie
ein Binzger baur einen eid schwre, es wer kein schöner bild auf erden, dann ein Binzger beurin mit eim groszen kropf, solt sie den nit haben, er meint sie wer ein genskrag (
gänsehals) und hette ire glider nit alle.
Frank sprichw. 2, 69
a; er schwänkte seinen wanderbündel von dem buckel wie ein Pinzger bauer den kropf.
Hans guck in die welt, der berühmte narrenspital 15,
zu diesen Pinzgauer kröpfen vgl. u. kropfig 2,
d; die scheuslichen kröpfe haben mich ganz und gar üblen humors gemacht. Göthe 16, 262,
im Wallis (
vgl. schon Juvenal 13, 162). 1@a@bβ)
in redensarten, z. b. er ärgert sich dasz er einen kropf kriegen möchte,
thür. Regel
Ruhl 223;
wer etwas schlimmes heimlich verarbeiten musz, ist in gefahr einen chropf
zu überkommen,
appenz. Tobler 120
b,
s. dazu sp. 2170
mitte. auch sich einen kropf lachen,
bair. sich kropfet l.,
wie sich bucklich lachen (
vgl. u. kobold I, 3). den kropf verbergen,
das, wessen man sich schämt, mit einer ehre bedecken. Frisch 1, 550
b. 1@a@gγ)
von einem menschen mit einem kropfe (Stalder 1, 134): du fauler, grober, birgischer kropf! H. Sachs 3, 3, 8
d,
aus dem gebirge (
s. unter α),
in der ausg. von 1588 6
c steht aber knopf;
vgl. Franks genskrag
u. α.
s. auch kielkropf, kolkropf. 1@bb)
bei thieren (Krünitz 54, 50),
z. b. beim pferde: diese krankheit entstehet vornemlich aus dem kropf oder kehlsucht, der eine lange zeit gewähret. Pinter
pferdschatz 385,
auch drüse,
mit einem anschwellen der drüsen verbunden, s. Nemnich
wb. 115,
vgl.kröpfen 6. kropf, kröpfchen
eine krankheit des rindviehs, kröpfe
pl. eine krankheit der schafe, in blasen, beulen unter dem kinne bestehend (
vgl. kröbicht). Nemnich
wb. 333.
bei fischen (
doch nicht krankhaft): von wegen vieler kröpfen, kurzer düsseln bekompt er seinen namen (schrofechter straubschneck). Forer
fischb. 142
b,
zu dem schwachen alem. gen. s. kind I,
g. 1@cc)
auch an pflanzen, z. b. an alten bäumen: indessen hatte der baum einen bienenkorbgroszen gropf, über welchen ich unvermeidlich klettern muszte. als (
ich) nun mit der brust auf den dicken gropf gekommen, giengen die hände so gleich oben los .. Schäffer
tanzmeister 8. kröpfe
an den wurzeln der kohlpflanzen, des rettichs u. a., knoten die durch eingelegte eier eines wurms entstehn. Nemnich
wb. 333,
vgl.klunz und kropfen 3,
s. auch kröpfachtig. 1@dd)
dem ähnlich schweiz. kropf
am brote, kropfiger auswuchs. Stalder 2, 134. 1@ee)
auch von geschwülsten an andern körpertheilen als am halse, wie aderkropf
aderknoten, s. aderkröpfig
unter kropfaderbruch. 22) kropf
der vögel. 2@aa)
der vormagen, eine erweiterung der speiseröhre am halse, auch diesz schon ahd., mhd., z. b. von einem übermütigen bauernsohne: ich gelîche sîn gepfnæte (
schnaubendes atmen) ze einer saten tûben, diu mit vollem kropfe ûf einem kornkasten stât. Neidhart 54, 40,
satt gefressen und übermütig, vgl. kröpfen 1.
nhd.: seinen (
des geopferten vogels) kropf mit seinen feddern sol man ... auf den aschenhaufen werfen.
3 Mos. 1, 16; ich meint, im het vil basz gebürt, ein rab het in im kropf hin gfürt. H. Sachs 3, 1, 148
c (200
d),
d. h. er wäre rabenfutter geworden, am galgen; die tauben füttern mir ihr junges aus dem kropf. Rückert
weish. d. br. 252. 2@bb)
einzeln auch für hals überhaupt, z. b. in rotkropf
rotkehlchen Frisch 1, 550
b,
bair. rotkröpflein Schm. 2, 394.
vom truthahn: hat welscher hahn an seinem kropf, storch an dem langhals freude. Göthe. 2@cc)
einzeln auch von andern thieren, z. b. im pelzhandel englische kröpfe Frisch 1, 550
b,
halsstücke von pelz mit feineren haaren und seltenerer farbe, s. unter dem adj. kropfen; mit schlechten kröpfen unterfterte scheublein.
Nürnb. kleiderordn. D 3
b; mäntel, mit kröpfen, füchsen oder anderen geringern futer unterftert. D 1
a,
vgl. das adj. kröpfen. 33)
daher entlehnt wieder vom menschen. 3@aa)
von essen und trinken, besonders von schlemmen. 3@a@aα)
schon mhd., z. b. von dem hungrigen Parzival: einen guoten kropf er aʒ, dar nâch er swære trünke tranc.
Parz. 132, 2; du sitzest unde friʒʒest unde trinkest einen kropf über den andern, daʒ sich dîn mage kliubet in vieriu. Berthold 103, 14.
zu der übertragung gab besonders der umgang mit falken und jagdvögeln den anlasz; das wird z. b. klar aus wendungen Wolframs,
wie von den hungernden bürgern von Pelrapeire: wærn die burgær vederspil, sine wæren überkrüpfet niht. 191, 12. überkrüpfet
hiesz ein falke der sich überfressen hatte und darum nicht mehr gerte,
sein zustand diu überkrüpfe 281, 29,
vgl. ein volkrüpfiu henne,
im vergleich mit einer übellaunigen hausfrau, unter klucken 1,
a; man möhte mit mir beiʒen, wær ich für vederspil erkant ... bî selhen kröpfelînen tæte ich fliegen schînen. 487, 6
ff., bei so wenig gefülltem kropfe. Nhd.: es gehören volle kröpf und schleckerbiszlein darzu und ein guts trünklein (wenn man .. ein guts mütlein haben will). Mathesius
Sarepta 9
b; soll ich ihm denn alles in seinen kropf stecken?
faut-il donc qu'il mange tout mon bien? Rädlein 567
b.
nl. zijn krop vullen,
vgl. kropfvoll,
das auch die Engländer haben als crop full,
und kropfstopfend.
daher sich bekröpfen,
auch sich auf kröpfen.
auch von thieren, die einen kropf
gar nicht haben: bären und wölfe verderben das land ... sie erbarmen sich keines, wenn ihr kropf sich nur füllt. Göthe 40, 160,
nach dem niederd. mogen se men krîgen vette kroppe
Rein vos 4763. 3@a@bβ)
besonders auch vom trinker, schlemmer: ich gueter montag mach dol köpf, lere peutel und volle kröpf.
meisterlieder Berl. hs. 23
nr. 231; voller kropf, toller kopf. Barenius
sprachkunst 108; itzt gehest du hin, da du soltest deines herrn oder frawen gut bewaren, dafür du dein kropf und bauch füllest. Luther 4, 402
b,
aufs essen geht bauch,
der kropf
aufs trinken; allein das er ein vollen kropf darvon bringen thet. Wickram
rollw. 92, 20; damit si allein den weinkauf zetrinken haben und inen der kropf gefüllt werde. 101, 26; das du an den wendn heim thust hinken mit leerem beutel und vollem kropf, mit tollem sinn und schwerem kopf. H. Sachs 2, 2, 49
b; das lied das will nicht klingen, ich stopf darfür den kropf.
Garg. 89
a (
Sch. 153); damit ihr (
der papisten) antichristisch lehr erweitert werd je lengr und mehr und sie darvon ein vollen kropf (
gut leben), letzlich hellsch fewer uf den kopf erhielten durch ihr falsch gedicht.
postreuter 1591 Cij
a. 3@a@gγ) kropf
auch von dem, was einer in sich gegessen oder getrunken hat: der bauch must dir erst werden lehr, und must den kropf verdewen, ehr du wider kompst hinausz ins veld. Waldis
Es. 1, 44, 28,
von dem fuchse, der mit vollgegessenem bauche nicht zurück kann durch das loch, wodurch er hineinkam; wer voll ist und trunken, der ist seiner sinne und vernunft beraubt. darumb musz man einem vollen bawren weichen, bis er den kropf verdawet .. hat. Agricola
sprichw. nr. 426,
in der erklärung; den kropf ausschlafen. Frisch 1, 550
b aus Apherdian 89,
völlig gleich rausch. den übergang zu dieser wendung von der vorigen zeigt sich des weins einen guten kropf trinken: wie schmeckt dir nechtn der trübe wein? ich hett mirs ein guten kropf trunken. H. Sachs 3, 2, 83
b (110
a).
bildlich, sich der welt ein kropf essen,
von weltgenusse, unter der vorstellung eines vogels: nun sprichstu, ich weisz leider wol, das ich ein böser vogel bin usz eim guoten eyg (
ei), ich dörfte wol dʒ ich mich muste (
mauserte), ich hab der welt ein kropf gessen und kan in nit verdeuwen. Keisersberg
bilg. 9
d. 3@a@dδ)
sogar vom trinker selber: da fastet oft alsdan ein vormals voller kropf. Rist
Parn. 594. 3@a@eε)
auch bildlich auf anderes übertragen, bei dem von einem kropfe
keine rede sein kann: aber ich möcht wol ein geck werden, wann ich zu beweisung dieser sach auf ein einig exempel fuszen wolte, so doch alle bücher und die ganz theology der catholischen bisz zum kropf zu dessen voll sind. Fischart
bien. (1588) 57
a,
wie bei Marnix 48
a totten crop toe vol, '
bis der kropf zu ist',
nichts mehr aufnimmt, eigentlich wol auch ein schlemmerwort. ein solches ist wol auch folgendes: die schuomacherknecht kamen stark (
d. h. zahlreich), dann sie sich eins guoten kropfes vermessen hetten, und begunden das werk anzuogon und lut zuo singen, als dann ir weis ist.
Eulensp. hist. 46,
es handelt sich aber um eine arbeit, nicht um trinken und essen. 3@bb) im kropfe
sind aber auch sorgen, unwirsche gedanken, verdrusz u. dgl.: alein (
nur) eins leit mir in dem kropf (
eine sorge), darumb ich mich krau hinderm kopf. Schade
sat. 1, 73; thut dir villeicht jetzt we der kopf, oder hast sonst was bös im kropf? Heros
ird. pilg. 42
b; und hatte bapst Honorius III. noch viel im kropfe wider Fridericum. Nigrinus
papist. inquis. 461,
zugleich wol für anschläge, böse gedanken. es wird geradezu verbunden kopf und kropf: ain person hatt mir ainen widerdriesz (als ich wAen) gethon. es liget mir im kopf und kropf. Keisersberg
pred. 1508 123
b.
noch jetzt: es steckt ihm etwas im kropf,
habet quod clam eum urit. Frisch 1, 550
b; aber das wird nicht das einzige sein, was du im kropf hast. Gotthelf 13, 330.
das musz übertragen sein von einem rausche oder besser von seinen folgen, es heiszt auch ebenso vom weine, er liegt im kropfe,
wie vorhin von sorgen: mir ligt der wein auch noch im kropf. H. Sachs 3, 2, 5
a (1588).
ebenso etwas im kragen (
d. h. halse) haben,
s. sp. 1959
unten, doch ohne die weitere entwickelung von kropf.
daher schweiz. de chropf lära,
wie de kraga lära (
leeren),
sein herz ausschütten Tobler 120
b,
ebenso nl. zijn krop uitschreien
sich ausweinen, wie iets in zijn krop hebben,
heimlichen kummer haben. 3@cc) kropf
galt nämlich dann weiter auch für sinn und gedanken selbst, wie eben kopf,
das überhaupt oft mit kropf
tauscht, wie knopf
gleichfalls (
s. z. b. kropfstosz
a. e., kropfstrenge, kropfsalat);
denn wie es heiszt viel köpfe viel sinne,
so: wie vil köpf, so vil kröpf,
quot homines tot sententiae. S. Frank
sprichw. 2, 122
a; wie viel kopf, so viel kropf. Mich. Neander
sprichwörter s. 29; die welt ist zwar geneiget nach ihrem stolzen kropf, dasz sie, wer warheit geiget, die geigen schlegt an kopf. J. Doman
lied von der Hanse 9, 2. es thut ihm gut im kropf,
jucundum est illi gratumque. Aler 1245
b. Denzler 2, 178
a. 3@dd)
zuletzt auch ausdrücklich von gedanken im engern sinne, kenntnissen, wissen u. dgl. (
vgl. kropfhaus): (
der zeigt) dasz er nicht verdaut (
hat), was ihm der herr Donat in seinen blöden kropf zuvil geschoppet hat. Rompler 113; wir pflegen, ich und ihr, mit inniger begier nur das in unsern kropf zu lesen, was er uns manchen liben tag vom gartenbau zu sagen pflag. Rist
Parn. 427,
hier eigner weise in allem ernste, in gewähltem stil, während die vorigen beispiele satirische farbe haben, wie auch folg.: sie begreifen erd und himmel, wenn von worten voll ihr kropf. Platen 250,
von gedankenleeren dichtern mit hohen worten. 3@ee)
noch in anderer weise kropf
bildlich von menschen: dem wächst der kropf,
er wird stolz, verwegen, Schmidt
westerw. id. 91; Frankreich mag durch seinen könig zwar der leute kröpfe heilen (
s. Krünitz 54, 41): armut aber kan was beszres, kan der hoffart kropf zertheilen. Logau 3, 220 (
zug. 9),
also der hoffärtige mit einem kropfe gedacht, mit erhobnem kopfe den hals herausdrückend, wie er sich '
in die brust wirft'
; daher nd. aver den kropp (
oder averkroppsk) spreken,
stolz sprechen, sik kroppen, '
einen unterkinn, eine stolze miene machen' (
vgl.kröpfen 3)
Brem. wb. 2, 880.
daher kropf
kurzweg für hochmut: die mittel, die ich zubereite, vertreiben ungesäumt der schwätzer lügensucht, und die vergessenheit, des rohen undanks frucht, die taubheit und den kropf, die krankheit groszer leute. Hagedorn 2, 73,
unzugänglichkeit und selbstüberhebung. auch nl. den krop ophalen
u. ä., sich brüsten, ausdrücklich auch auf die brust bezogen. 3@ff)
aber auch unbildlich für hals
schlechthin: die hand wird schwach, der fusz wird eis, der bart ist schnee am kropfe. Seume (1853) 7, 195.
ebenso in kropfbein,
kehlkopfknorpel. nl. krop
ist auch, wie unser 'hals',
zugleich brust, busen der frauen, vgl. nd. kroppkragen,
weiberlatz der brust und schultern bedeckt Richey 141. 3@gg)
eigen einen auf dem kropfe lassen,
von einem gefoppten, den man triumphierend seinem irrthum oder ärger überläszt: aber vom paradys hats den namen (
Paris nämlich), wie jener farend schuler die beurin auf dem kropf liesz, als sie ihrem gestorbnen man kleider und zerung schickt.
Garg. 149
b (
Sch. 275),
die der schuler
für sich behielt. vollständiger auf dem kropf sitzen lassen: also do man in lang liesz uf dem kropf sitzen, do ward ime zu letzst der brief wider geben.
Zimm. chron. 3, 115, 30,
eine wichtige urkunde die man ihm durch unterschiebung einer andern entzogen; als nun herr Johanns Wernher so lang ohne ain antwort uf dem kropf ware gesessen, do schrib er dem von Schellenberg den kauf ab. 2, 98, 35,
hier mehr vor peinlicher ungeduld, wie in folg.: wie lang hältstu uns auf, wie lang wiltu uns lassen auf dem kropf sitzen? Frisch 1, 550
c aus Keisersberg
post. 67; Jesus gieng auf den abend von den Pharisäern und liesz sie also verhönt uf dem kropf sitzen.
ebend. 2, 15
a, Frisch
erklärt '
auf ihrem hintern'
und findet darin das franz. croupe,
hintertheil, aber es musz einen witz enthalten, der zu finden bleibt. vgl. das kröpfen
heimlich ärgern unter kreppisch 2,
c, das dem sinne nach genau stimmt. 44)
technische u. a. verwendungen, die sich an kropf
struma anschlieszen. 4@aa)
in der baukunst sind kröpfe
die über die gerade linie vorragenden theile an mauern und wällen. Schöpf
tir. id. 348
bringt aus Bozener magistratsprotokollen v. j. 1511: die maur unz an des wassers loch höchern (
erhöhen) und die alten werch und kröpfen (
vorsprünge) pessern,
also zur befestigung dienend; vergl. Zedlers univ. lex. 15, 1969 kropf
oder absatz.
s. auch sp. 1964
das md. kropstein
gleich kragstein,
d. h. eig. halsstein (
von kragen
hals);
umgedeutet grobstein Schm. 1, 413.
vgl. kropfleiste. 4@bb)
im artilleriewesen der über der kugel zusammengebundene theil der kartusche. 4@cc)
bei pflanzen, bair. kropf
die sich bildende ähre des getreides, der waiz schieszt in den kropf, steht im kropf;
beim kohl, salat u. ä. die dichte runde masse, in die sich die blätter am strunke zusammenlegen, daher kölkropf, krautkropf, salatkropf,
s. Schmeller 2, 393,
tirol. Schöpf 347.
letzteres auch nl. in krop, kropsalâ,
laitue pommée Halma 350
a, krop van salaet,
globus lactucae capitatae Kilian,
nd. feldkroppe (
pl. ?)
feldsalat, lactuca agrestis Brem. wb. 2, 880;
vgl.kropfen 1, kropflattich. 55)
von der gewöhnlichen bed. entfernt sich aber weiter kropf
als krüppel oder knirps. 5@aa)
bair. kropf,
fehlerhaft kleines oder verkrüppeltes organisches wesen Schm. 2, 393,
schwäb. kropf
kleiner mensch Schmid 327,
auch schweiz. vorauszusetzen nach kropfig, kröpfig (
s. d.), verkropfet,
klein, verkrüppelt Stalder 2, 134.
in der lautstufe abweichend und weitergebildet appenz. gröpft, grüpft (
auch gropp)
kleines kerlchen Tobler 236
a,
vgl. in gleicher bed. krüft
f. Stalder 2, 136, kruft Fromm. 2, 483
b. 5@bb)
auch md., thür. von bäumen: der anwuchs (
der fichten) möchte aber auch wahrsam in obacht zu nehmen sein, dasz weder vieh noch wildpret ihn in der zarten jugend verletzen, denn in diesem fall dörften nichts anders als kröpfe und wetterbüsche gezogen werden. C. v. Lengefeld (
Schillers schwiegervater),
anmerkungen von denen auf dem Thüringerwalde bekanntesten drey arten nadelhölzern, Nürnb. 1762,
s. 14 (
wörtlich auch bei Heppe
jagdlust 1784 3, 373).
vgl. kröpfig 1,
c. 5@cc)
im rhein. gebiete mit einer eignen weiterbildung kropch, krupch
m. kleines dickes, etwas verwachsenes kind Kehrein
Nassau 1, 248, kropch
ein kleiner mensch Curtze
Waldeck 479
b,
vgl. luxemb. krepchesmännchen
kerlchen, homunculus Gangler 254 (
das -ch
auch in westerw., nass. krutch
kröte, hutch
kröte). kropp
ebend. in kroppsack
gleicher bed. Schmidt
westerw. id. 91,
auch in Bonn, Koblenz. bei Kehrein
auch kruppert (
vgl. u. kröpfer)
und kruppatz,
letzteres ein weiteres beispiel des merkw. alten -atz
wie knabatz (
sp. 1310),
wie cimbr. pubatz
bürschchen Schmeller 158
a,
alle drei übrigens mit gleicher bedeutung. bei Schmidt
westerw. id. 91
steht aber auch kropch
gleich kropp, kropf
struma. 66)
noch weiter entfernt sich kropf
gleich krapf
placenta Frisch 1, 550
c,
gewöhnlich in schwacher form kropfen
placenta Junius
nomencl. 66
b, krophen
pastellus Dief.
n. gl. 282
a,
nd. oder rhein. 15.
jh. croppe
atrocea (
für artocreas,
d. i. brot mit fleisch, gefüllter krapfen) Dief. 52
a,
mrh. smalzcroppe
pl., cadula 87
c.
daher kröpfel (
s. d.)
gleich kräpfel,
s. auch kröpfchen.
vergl. schwed. krópp
unter krapfe I,
d (
sp. 2064). 77)
endlich kropf
von dingen in gebogener form. 7@aa)
als haken: '
so hat man ein gewisses werkzeug, grosze steine in die höhe zu ziehen, welches die steinkröpfe
genannt wird. der stein bekommt alsdann in seinem schwerpunkte ein kropfloch,
worein der kropf
oder haken befestigt wird'. Krünitz 54, 3, Adelung 2, 1798
b;
beide behandeln kropfeisen (
s. d.)
als dasselbe, reden aber dort nur von in die höhe '
richten',
während in Zedlers universallex. 15, 1972
unter kropfeisen (
mit beschreibung)
von in die höhe '
heben'
die rede ist. wie dem auch sei, kropf
gleich krapfe, krapf
haken (
sp. 2063)
steckt gewiss dahinter, vgl. unter 2,
d dort krapf
als winde (
was eben die steinkröpfe sein könnte),
auch die krapfen
mit widerhaken unter 2,
a. 7@bb)
vertinellum, ein kropf. Dief. 615
a,
ebend. krapf, krampe,
s.krapfe 2,
b, thürkrampe, vgl. 'krappen,
kroppen paxillum' Schmeller 2, 392,
und kropparmbrust.
im maschinenwesen heiszt kropf
die gebogene röhre die zwei andere röhren verbindet, s. dazu kröpfen 7,
auch gurgel (
s. z. b. unter kropfröhre).
ähnlich im mühlenwesen ein gerinne mit gekrümmtem boden, kropfgerinne;
bergmännisch am fluder ein gekrümmter leitungskanal für das wasser, s. Scheuchenstuel 148.
vgl. kropfig 2,
g. 7@cc)
auch kropf
am stiefel rechnet Krünitz 54, 2
hierher, das vorstehende geründete stück leder des oberblattes vom schuh des stiefels, das diesen mit dem schafte verbindet; vielleicht ist da vielmehr halsstück gemeint. 88)
Es ist schwer, das alles geschichtlich unter einen hut zu bringen. 8@aa)
nebenformen scheinen doch auf eine ursprüngliche einheit hinzuweisen. wie kropf 7
als haken auch krapfe
heiszt, ebenso kropf
krüppel (5)
auch krapf, krapfe (
sp. 2062
unten),
und neben engl. crop
steht ebenso schott. crap
vogelkropf u. a. (Jamieson
suppl. 1, 264
b),
vgl.kräppen gleich kröpfen
sp. 2170,
selbst bei der bed. backwerk stehn kropf, kropfe
und krapfe
nebeneinander; der wechsel der starken und schwachen form braucht nicht zu stören, auch vom vogelkropfe gibt Kil.
nl. kroppe
neben krop.
Eigen ist im 15.
jh. krops
kropf Mones
anz. 8, 496,
aber ebenso bair. krapsen
krapfen (
kuchen) Schm. 2, 394,
vgl. henneb. krüpps
gleich krapf 5 (Fromm. 3, 134),
nd. krôps
zwerg (
s.kroop 3,
b),
wie knirps,
s. d. Anders gröpft, krüft
u. ä., s. 5,
a, auch kröftig
unter kröpfig 1,
d; das -t
wie in kaft
u. a. (
s. sp. 139
mitte),
vgl. auch kropt
unter kroop 1,
c. 8@bb)
nimmt man etwa 6
aus, so einigt sich das übrige unter einer urbedeutung unrecht gewachsen, theils als auswuchs, theils als krumm (
geworden oder gemacht),
und so stellt sich der stamm neben krump
krumm selber, nur ohne die liquida, wie in krüpfen
krümmen, engl. crope
gekrümmt Halliw. 282
a;
auch kröpel, krüppel
gehört dazu, und kroop, kropzeug.
und wie bei krump
eine form mit skr-
erscheint in schrimpfen
und zubehör (
sieh krimpfen 3,
c),
so hier in schrupf,
verwachsenes wesen, und verwandtem, s. unter kracke II, 1,
e. 8@cc)
zu völliger klarheit fehlt freilich noch manches, hauptsächlich aus der älteren zeit; das ags. cropp,
das auszer kropf der vögel auch baumwipfel, grüner zweig, ähre u. ä. bedeutete (Ettm. 399),
in engl. crop
noch jetzt reich entwickelt, fügt sich dem vorigen nicht und findet doch anklang in dem kropf 4,
c, vergl. auch schwäb. waldkropf
kleines gehölz das vom walde gesondert steht (Schmid 328),
ganz wie kopf
sp. 1767 (
c);
es scheinen mehrere stämme in dem worte zusammengewachsen zu sein. 8@dd)
fragweise sei noch folg. erwähnt. vocc. des 15.
jahrh. geben mlat. cabum
als ein rump van einem voghel, corpus absque capite et pedibus Dief.
nov. gl. 63
b,
ein anderes das. cabus, tuwencroph (Schröers
voc. v. 1420
s. 8
b);
wäre das für kropf
sicher bezeugt, so würde darin das altn. kroppr
m. rumpf, leib im gegensatz zu den gliedern, hd. vorliegen, liesze sich auch aus der angenommenen grundbedeutung so gut begreifen, wie rumpf
aus rimpfen
gleich krimpfen (
s. d. 3,
b),
vergl. übrigens unter krippe 3,
c sp. 2325.
aber freilich wird cabus (crop, gropp)
auch einfach und ausdrücklich als vesicula columbarum
erklärt Dief. 86
a. 8@ee)
romanische und keltische anklänge gibt Diez
wb.2 1, 226;
das altfranz. crepon
das. lehnt sich gut an das eben erwähnte krippe
an.