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Kropf

ahd. bis spez. · 22 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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25 in 22 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Kropf

Bd. 11, Sp. 739
Kropf (Ingluvies), die bei manchen Tieren, z. B. Vögeln und Insekten, sich findende sackförmige Erweiterung des Schlundes oder Vorderdarms, die zur vorläufigen Aufnahme der Nahrung dient. Beim Menschen versteht man unter K. (Struma) die krankhafte Anschwellung oder Vergrößerung der am vordern Teile des Halses rechts und links von der Luftröhre gelegenen Schilddrüse (glandula thyreoidea). In seinen geringern Graden bildet der K. eine gleichmäßige schmerzlose und den damit Behafteten wenig belästigende Anschwellung der Vorder- und Seitenteile des Halses, den sogen. dicken H als (Blähhals, Sackhals). Man kann drei Gruppen von K. unterscheiden, von denen zwei durch Gewebsneubildung, eine dritte nur durch eine mehr oder weniger dauernde Blutüberfüllung der Schilddrüse dargestellt wird. Die durch Gewebsneubildung erzeugten Kröpfe teilen sich in benigne und maligne Kröpfe, je nachdem das neugebildete Gewebe eine harmlose Wucherung von dem ungefähren Bau des normalen Drüsengewebes oder ein bösartiges Gebilde (Krebs, Fleischgeschwulst) darstellt. Die Wucherung kann gleichmäßig die ganze Schilddrüse betreffen, oder in einzelnen Knoten auftreten, oder auch nur einzelne Teile (Lappen) der Drüse befallen. Gutartige Kröpfe sind: der sogen. lymphatische K. (Struma lymphatica oder parenchymatosa) ist eine Hypertrophie mit Verwandlung des Inhalts der Drüsenbläschen in eine gallertartige Substanz (S. gelatinosa), wobei das Bindegewebe und die Blutgefäße am Wachstum teilnehmen. Zuweilen erweitern sich die Gefäße sehr bedeutend, einen K. mit beträchtlich erweiterten Gefäßen bezeichnete man früher als Gefäßkropf (S. vasculosa). Der K. kann bis zur Faust- und Manneskopfgröße anwachsen, und es finden sich dann darin oft große, cystenartige Räume, mit einer schmierigen Masse erfüllt (Balg- oder Cystenkropf, S. cystica). Die Cysten entstehen durch Zusammenfließen der vergrößerten Schilddrüsenbläschen. Die umgebende Bindegewebsfülle gerät dabei oft in einen Zustand entzündlicher Reizung, bricht manchmal durch, nimmt aber öfters Kalksalze auf, so daß in alten Kröpfen zuweilen haselnuß- bis taubeneigroße, rundliche, steinharte Knollen (S. ossea) neben Höhlungen mit weichem Inhalt vorgefunden werden. Auch knöcherne Entartungen der Schilddrüse kommen vor. Daß starke Vergrößerung der Schilddrüse mannigfache Beschwerden hervorrufen kann, ist erklärlich. Namentlich ist dies der Fall, wenn ein Lappen unter das Brustbein hinab sich sehr vergrößert und dadurch die Luftröhre nach hinten drängt. An Atembeschwerden leiden alle Kropfkranken mehr oder weniger, zumal wenn sie sich schneller bewegen, sich körperlich anstrengen, Treppen steigen etc.; viele leiden auch an Blutüberfüllung des Kopfes durch den Druck auf die das Blut nach dem Herzen leitenden Blutadern. Die Ursache des Kropfes ist noch unbekannt. Daß das weibliche Geschlecht häufiger am K. leidet, ist festgestellt, ebenso die Erblichkeit. Am meisten scheinen örtliche Einflüsse (Bodenbeschaffenheit, Trinkwasser) denselben hervorzurufen, deren letzten Grund man aber meist nicht kennt (vgl. Kretinismus). In manchen Gegenden ist der K. fortdauernd sehr häufig, in andern kommt er höchst selten vor. Die Behandlung des Kropfes im engern Sinne, des lymphatischen Kropfes, beruht auf innerlichem und äußerlichem Gebrauch der Jodpräparate (innerlich Jodkaliumlösung, äußerlich Einreibung von Jodkaliumsalbe); auch Einspritzungen von Jodlösungen in den K. werden angewendet. Dringend anzuraten ist es, bei geringster Anschwellung der Schilddrüse sich sogleich in ärztliche Behandlung zu begeben, sobald die Schwellung deutliche Zunahme zeigt. Sind schon stärkere Vergrößerungen vorhanden, haben sich namentlich Bälge ausgebildet, so kann nur Operation (Strumektomie) Heilung bringen. Als bei den ersten Versuchen dieser Operation die ganze Schilddrüse entfernt worden war, entwickelte sich eine Schwellung der Haut des Gesichts und der Hände, unter gleichzeitiger Abnahme der Intelligenz bis zum Eintritt von Blödsinn (kachexia strumipriva). Bald beobachtete man, daß diese Kachexie identisch mit dem Myxödem (s. d.) ist, und so ergab sich eine Klärung über die Tätigkeit und physiologische Wichtigkeit der Schilddrüse (s. d.). Es ging daraus hervor, daß eine Entfernung der ganzen Schilddrüse nicht angängig ist, und es werden infolgedessen seitdem, wenn überhaupt, nur noch teilweise Exstirpationen des Kropfes vorgenommen. K. ist auch eine Teilerscheinung der Basedowschen Krankheit (s. d.). Vgl. Bircher, Der endemische K. und seine Beziehungen zur Taubstummheit und zum Kretinismus (Basel 1883); Bruns, Über den gegenwärtigen Stand der Kropfbehandlung (Leipz. 1884); Wölfler, Die chirurgische Behandlung des Kropfes (Berl. 1887); Naumann, Über den K. und dessen Behandlung (a. d. Schwedischen von Reyher, Lund 1892); Bérard, Thérapeutique chirurgicale du goître (Par. 1897); Verhandlungen der Gesellschaft für deutsche Chirurgie vom Jahre 1888, 1889, 1890 und des Chirurgenkongresses in Berlin (1896). – Bei Haustieren kommt echter K. ebenfalls vor, namentlich häufig bei Hunden. Im Volksmund heißt aber K. jede Anschwellung an der Kehle hinter dem Unterkiefer. Unter K. der Pferde versteht man z. B. Druse (s. d.) mit Schwellung der Lymphdrüsen neben dem Rachen. Über Wasserkropf der Schafe s. Bleichsucht. Über den K. des Roggens s. Stockkrankheit.
5353 Zeichen · 76 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kropf

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    kropfAWB m. a-St., seit dem 9. Jh. in Gl.: ‚äußere Geschwulst am Hals des Men- schen, Auswuchs, Kropf, Vormagen der Vö- …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KROPFstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    KROPF stm. kropf. Graff 4,598. 1. struma gl. Mone 8,255. Diefenb. gl. 261. ich wünsche daʒ im wahse ein hover und ein gr…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Kropf

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    1. * Der Kropf , des -es, plur. die Kröpfe, ein fehlerhaft kleines Ding seiner Art, S. das vorige.

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kropf

    Goethe-Wörterbuch

    Kropf 1 Verdickung der Speiseröhre, Vormagen bei Vögeln zur Nahrungsaufnahme 3,240 ZXen I 188 in der Vbdg ‘der K. füllt …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kropf

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Kropf (ingluvies) , bei einigen Vögeln die sackartige Erweiterung der Speiseröhre, in welcher das Futter erweicht wird, …

  6. modern
    Dialekt
    Kropf

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Kropf [‘ X ròpf Fisl. Roppenzw. Attenschw. ; Krôpf Eschenzw. Steinbr. u. nö. allg.; Kropf M. ; Kròp Lützelstn. Lohr ; Kr…

  7. Sprichwörter
    Kropf

    Wander (Sprichwörter)

    Kropf 1. Auch der Kropf ist dem Liebenden eine Zierde. 2. Auf einem vollen Kropf stehet kein andächtiger Most. – Schotte…

  8. Spezial
    Kropf

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kropf m. (-[e]s, Kröpfe) ‹med› crof (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kropf

106 Bildungen · 91 Erstglied · 14 Zweitglied · 1 Ableitungen

kropf‑ als Erstglied (30 von 91)

Kropfert

SHW

Kropf-ert Band 3, Spalte 1859-1860

Kropfhals

SHW

Kropf-hals Band 3, Spalte 1859-1860

Kropfjockel

SHW

Kropf-jockel Band 3, Spalte 1859-1860

Kropfstück

SHW

Kropf-stück Band 3, Spalte 1859-1860

Kropftaube

SHW

Kropf-taube Band 3, Spalte 1859-1860

kropfaderbruch

DWB

kropf·aderbruch

kropfaderbruch , m. bruch im scroto, wann die samengefäsze ungleich aufgeschwollen als knoten können gefühlt werden. Frisch 1, 550 b ; ebend…

Kropfänte

Adelung

Die Kropfänte , plur. die -n, eine Art wilder Änten, welche auch Stockänte genannt wird, S. dieses Wort.

Kropfalbelen

Idiotikon

Kropfalbelen Band 1, Spalte 186 Kropfalbelen 1,186

kropfarmbrust

DWB

kropf·armbrust

kropfarmbrust , f. eine art armbrust, s. Schmeller 4, 39 ; wol zu kropf 7, b, haken, krampe, zum spannen.

kropfbein

DWB

kropf·bein

kropfbein , n. 1) nodus gutturis, der kehlkopf Frisch 1, 550 b , er beruft sich aber nur auf Chytraeus, der nd. kropbein gibt, jugulus nomen…

kropfblume

DWB

kropf·blume

kropfblume , f. erinus, ein pflanzengeschlecht, dessen blume eine gekrümmte röhre bildet, s. Krünitz 54, 52 , zu kropf 7, b.

kropfbrunnen

DWB

kropf·brunnen

kropfbrunnen , m. quellen, deren wasser kröpfe erzeugt ( zur sache s. kropf 1, a, α ). Schwenkfeld stirpium et fossilium Silesiae catal. Lpz…

kropfcravatte

DWB

kropfcravatte , f. cravatte zur verhüllung eines kropfes, wie man sie in gebirgigen gegenden sieht, oder hohe cravatte. J. Paul Kampanerthal…

Kropfeidêxe

Adelung

Die Kropfeidêxe , plur. die -n, eine Art ausländischer Eidexen mit einem ungewöhnlichen Kropfe am Halse; Lacerta Iguani L. In Madagascar wir…

kropfeisen

DWB

kropf·eisen

kropfeisen , n. ein werkzeug der steinsetzer und maurer, grosze steine in die höhe zu richten. Krünitz 54, 55 , Adelung, bei Frisch 1, 550 c…

Kropfellchen

Campe

krop·fellchen

† Das Kropfellchen , des — s , d. Mz . w. d. Ez. eine Abart des Weißfellchens; auch Sandfellchen .

kropfen

DWB

kropfen , verb. 1) sich kropfen, einen kropf bilden, von ähren, salat, kohl, auch sich kröpfeln, kropfezen, bair. Schm. 2, 393 . ebenso nl. …

Kropfente

Campe

kropf·ente

Die Kropfente , Mz. die — n , eine Art wilder Enten, die Stockente .

kropffelge

DWB

kropf·felge

kropffelge , f. in mühlen am kammrade, felgen die nach dem mittelpunkte zu breit sind, sodasz sie da ein viereck bilden. Adelung, vgl. Frisc…

kropf als Zweitglied (14 von 14)

Aderkropf

Adelung

ader·kropf

Der Aderkropf , des -es, plur. die -kröpfe, in der Arzneywissenschaft, eine Geschwulst, welche durch die Erweiterung einer Blutader verursac…

gîrskropf

MWB

gîrskropf stM. ‘Geierkropf’, hier als Personenname: die wîle kom ouch Gîrskropf, / sîn gesell Helbl 1,394. 1,409. 1,419 MWB 2 802,37; Bearbe…

gīrskropf

KöblerMhd

gīr·s·kropf

gīrskropf , st. M. nhd. Geierkropf Q.: Helbl (1290-1300) E.: s. gīr, kropf W.: nhd. DW- L.: MWB 2, 802 (gîrskropf), LexerHW 1, 1021 (gîrskro…

kälberkropf

DWB

kalb·er·kropf

kälberkropf , m. was kälberkern; nd. kalwerkrop, kalweskrop, kalwerkropskrût Schambach 96 a .

kielkropf

DWB

kiel·kropf

kielkropf , m. misgeburt, als teufelskind ( zwergkind ), ' wechselbalg ' gedacht, nd. ( auch md. ) kîlkrop. Stieler 949 schreibt külkröpfe, …

lasterkropf

Lexer

laster·kropf

laster-kropf stm. er muoʒ verdulden mangen zorn und muoʒ vil mangen lastercropf vil heimelich verdrucken Kolm. 144,12.

taubenkropf

DWB

tauben·kropf

taubenkropf , m. kropf der taube; name mehrerer pflanzen: fumiterra ( erdrauch ) Dief. 251 c , nov. gl. 185 a , cucabulus behen Nemnich 1, 1…

tūbenkropf

KöblerMhd

tūbenkropf , st. M. nhd. „Taubenkropf“, Verbene, Erdrauch ÜG.: lat. columbina Gl, fumus terrae Gl, VocOpt, verbena Gl Hw.: vgl. mnd. dūvenkr…

wasserkropf

DWB

wasser·kropf

wasserkropf , m. wässerige geschwulst am halse der rinder und schafe Adelung. Weber ökon. lex. 636 . —

wëllekropf

Lexer

welle·kropf

wëlle-kropf , wël-kropf stm. windenrad zu einer armbrust Mone z. 6,61 ( 1449 ). vgl. Dwb. 5,2399.

Ableitungen von kropf (1 von 1)

verkropfen

DWB

verkropfen , verb. , daneben verkröpfen, kropfig werden, mit einem kropfe versehen. beide wörter, ursprünglich vielleicht als intransitiv un…

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APA
Cotta, M. (2026). „kropf". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kropf/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „kropf". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kropf/meyers. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kropf". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kropf/meyers.
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